Essen, Philharmonie Essen, Elina Garanca – Arien aus Verdis Don Carlos, 26.05.2019

Mai 17, 2019 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Elina Garanca © Paul Schirnhofer / DG

Philharmonie Essen / Elina Garanca © Paul Schirnhofer / DG

Elina Garanca – Arien aus  Don Carlos  und mehr

 26. Mai 2019, um 19 Uhr in der Philharmonie Essen

Es war ein Rollendebüt, das keine Wünsche offen ließ: Vor gut einem Jahr feierte Elina Garanca an der Pariser Oper als Prinzessin Eboli in Verdis Don Carlos wieder einmal einen großen Triumph.

[Von Elina Garanca wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Den wird sie nun auch nach Essen mitbringen: Am Sonntag, 26. Mai 2019, um 19 Uhr ist die lettische Star-Mezzosopranistin in der Philharmonie Essen zu Gast. Neben den beiden Eboli-Arien und einer Nummer aus Francesco Cileas Adriana Lecouvreur, ergänzt von der NDR Radiophilharmonie unter anderem mit den Ouvertüren zu Aida und Luisa Miller, begibt sich Elina Garanca aber noch auf ein ganz anderes Terrain. Für den zweiten Konzertteil hat sie ein Programm mit populären Kunstliedern aus dem spanischen und italienischen Sprachraum zusammengestellt. So darf man etwa auf Begegnungen mit dem argentinischen Tango-Komponisten Carlos Gardel und dessen „El día que me quieras“ oder mit dem Italiener Stanislao Gastaldon und dessen in seiner Heimat überaus beliebten Lied „Musica proibita“ gespannt sein. Die musikalische Leitung hat Karel Mark Chichon.

Elina Garanca gehört seit vielen Jahren zu den Top-Stars auf den weltweit bedeutenden Opern- und Konzertbühnen. An der Wiener Staatsoper erhielt sie 2013 als eine der jüngsten Künstlerinnen überhaupt den Titel einer „Kammersängerin“ – in Würdigung der 140 Auftritte in 18 Rollen, die sie seit ihrem Hausdebüt 2003 gesungen hat. Anfang des Jahres erschien ihre Biografie mit dem Titel „Zwischen den Welten – Mein Weg auf die großen Opernbühnen“.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Baden Baden, Festspielhaus, Gala mit Kaufmann – Garanca – Harteros – Terfel, 22. und 24.07.2016

Juni 17, 2016 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

Baden-Baden-Gala 2016

Festspielhaus Baden-Baden / Elina Garanca © Karina Schwarz, Sony Music

Festspielhaus Baden-Baden / Elina Garanca © Karina Schwarz, Sony Music

 

Baden-Baden / Jonas Kaufmann © Gregor Hohenberg, Sony Music

Baden-Baden / Jonas Kaufmann © Gregor Hohenberg, Sony Music

Nur noch Stehplätze (Verkauf am Tag der Konzerte zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn) gibt es hingegen für die seit Wochen ausverkaufte Baden-Baden Gala 2016. Anja Harteros, Elina Garanca, Jonas Kaufmann und Bryn Terfel interpretieren darin am 22. und 24. Juli 2016 Opernarien-, Duette und Ensembles.

Die Star-Besetzung erinnert an die erste Baden-Baden Gala 2007, als Anna Netrebko und Elina Garanca zusammen mit Ramon Vargas und Ludovic Tézier im Vordergrund standen. Wie damals planen auch das ZDF und der Kultursender 3sat die Baden-Baden Gala 2016 im Fernsehen zu zeigen.

[Von Jonas Kaufmann und Elina Garanca wurden verschiedene Aufnahmen bei der Sony Classical veröffentlicht.]

Sommerfestspiele 2016 – Festspielhaus Baden-Baden

Do., 07.07.2016    18 Uhr: Wagner: „Die Walküre“ Oper – konzertant
Fr.,  08.07.2016     19 Uhr: Valery Gergiev mit Beethoven
Sa., 09.07.2016    19 Uhr: Valery Gergiev mit Brahms
So., 10.07.2016    17 Uhr: Wagner: „Die Walküre“ Oper – konzertant
Fr.,   22.07.2016   19 Uhr: Baden-Baden Gala 2016
So.,  24.07.2016  18 Uhr: Baden-Baden Gala 2016

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

 

Wien, Wiener Staatsoper, Ioan Holender: Eckiger Unternehmer – Sensibler Künstler, IOCO Aktuell, 05.12.2011

Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper © Starke

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Wiener Staatsoper

  Ioan Holender:  Ikone der Musiktheaterwelt

Rückblick und  Würdigung   

Ioan Holender, 76, lebende Ikone der Musikwelt, Intendant, österreichisch immer sperrig als „Staatsoperndirektor“ tituliert, seit seiner  Jahrespressekonferenz vom 2.4.2009  auf Abschiedstour, verließ seine Bühne an der Wiener Staatsoper  endgültig am 30. Juni 2010.  Mit 19 Amtsjahren  war er längstdienender Direktor der Staatsoper (Bisheriger Titelhalter: Wilhelm Jahn mit 16 Jahren, 1881 – 1897). Und formte in dieser Zeit die Wiener Staatsoper zum  führenden Musiktheater weltweit. Die Staatsoper  wurde durch Ioan Holender  zum Richtunggeber und Übervater für große Musiktheater, Künstler und Kulturmanager in allen Ländern der Welt.

Wien / Staatsoper_Abschied Ioan Holender © IOCO

Wien / Staatsoper_Abschied Ioan Holender © IOCO

Auf der Abschiedspressekonferenz als Staatsoperndirektor am 16.6.2010 (Bild)  auf der Probebühne des Eberhard-Waechter-Saales, durchlief Holender,  selbstbewußt wie von Zweifeln scheinbar unbelastet,  eine Wertung seines Wirkens der vergangenen 19 Jahre:

1959 aus Rumänien mit seiner Mutter in Wien angekommen, begann Holender als Statist am Wiener Burgtheater, sang im Volkstheater an der Seite von Fritz Muliar, begann als „passabler“ Bariton am Klagenfurter Stadttheater und trat 1967 in eine Künstleragentur ein, welche er später übernehmen sollte.  Dort tröstete er  Placido Domingo, welcher nach Vorsingen beim damaligen Staatsoperndirektor Egon Seefehlner durchfiel. Und entwickelte so die sängerfokussierte Vita, welche Holender  so sehr für die Wiener Staatsoper qualifizierte und  ihn von seinen  meist regiedominierten und/oder  gesangsunerfahrenen  Intendanten-Kollegen unterscheiden sollte.  Holender durchlebte als junger Bariton die alltäglichen Leiden, Ängste eines Sängers auf der Bühne. Er kennt deren Nöte, Hoffnungen und Freuden.  Mit  diesem Wissen schuf er das weltweit einzigartige Gesangsensemble der Wiener Staatsoper,  wurde Entdecker, Mentor, Ratgeber ganzer Sängergenerationen.  Mit 45 Opern besitzt die Wiener Staatsoper das größte Repertoire aller Musiktheater der Welt. Ganz Unternehmer fühlte sich der Intendant Holender der Wirtschaftlichkeit, Auslastung und den Besuchern des Hauses verpflichtet. Die Wiener Staatsoper erreicht seit Jahren  „königliche“ Auslastungszahlen.

Ulrich Weinzierl, Redakteur der Welt, beschreibt Ioan Holender als jovialen Despot. Alles hört auf sein Kommando, kein Widerspruch wird geduldet. Für seinen Thron an der Spitze der Wiener Staatsoper sei die Beschreibung „Schleudersitz“ blanke Untertreibung. Holender, welcher sich „in aller Bescheidenheit als vollkommen uneitel betrachtet„,  äußert sich trotzdem gern kontrovers zu Künstlern und kulturellen Ereignissen außerhalb der Wiener Staatsoper. Einige Kostproben:

Seefestspiele Mörbisch Es  ist  das gesellschaftliche Treiben, das die Leute anzieht;  der Impressario (NB:  Harald Serafin) ist bekannter als das Festival.

Bregenzer Festspiele: Mit Kunst im Sinne des Werkes und dessen Schöpfer hat es  wenig zu tun. Man generiert ein Unterhaltungsereignis und der Vorwand ist die Oper.

Salzburger Festspiele: Ich fühlte mich dort stets fremd, der gesellschaftliche Anteil überwog der künstlerischen. …die von Möchtegernern und Wichtigmachern dominierte…..

–  Egon Seefehlner: Hat immer geraten, mehr Geld auszugeben, als man bekäme. Damit nachbudgetiert werde.

Claus Helmut Drese, Operndirektor: Von Sängern wußte er wenig und die Beurteilung von Stimmen zählte nicht zu seinen Tugenden.

– Claus Peymann: …wurde zu einem Darsteller, der sich durch Provokationen und politische Attacken im Gespräch zu halten versuchte….

Lorin Maazel: Von rührender Naivität..Beispielsweise verlangte er Bilder, die ihm gefielen, aber der Republik gehörten, für seine Privatwohnung. Dafür versorgte er die genehmigenden Beamten mit Freikarten.

– Neil Shicoff:  Besitzt ausgeprägte monomanische Züge….

Regisseure:  Ich halte deren übermäßige Bedeutung,  Honorierung und „durch diese“ erzeugte Belastungen an Musiktheatern für weit  überzogen.

Sven-Eric Bechtolf, Regisseur:  Ist ein Grünschnabel und versteht nichts von Operund sollte sich zurückhalten. (Anlässlich einer anmassenden Kritik des Regisseurs Bechtold zu einer sängerischen Besetzung an der Wiener Staatsoper).

– Der Opernball: Die Gäste seien mehr Schein als sein…..

So kritikfreudig er war, rauer Kritik  an seiner Berufung an die Staatsoper  begegnet Holender dagegen auffällig dünnhäutig: „Ich kann sie nur so interpretieren, daß man einen rumänischen Juden….“.

So begann Ioan Holender  die Abschieds-PK  mit tiefer Referenz an  Eberhard Waechterdamaliger Direktor der Wiener Staats- und Volksoper, der ihn 1991 überraschend fragte, ob er nicht seine Agentur verkaufen und Generalsekretär  an der Wiener Staats- und Volksoper werden wolle.  Holender  wollte und  der überraschende Tod Waechters im März 1992  führte dazu, daß  der österreichische Kanzler  Franz Vranitzky ihn zu dessen  Nachfolger  vorschlug. So  Holender auf der Pressekonferenz am 16.6.2010 selten bescheiden:  Ich habe die Position nicht angestrebt, nur durch den Tod von Herrn W………..

Ganz  professioneller und gesamtverantlicher Intendant  eines großen Musiktheaters,  nicht  Kunstsektierer,  gliederte Holender  sodann sein Wirken, seine Erfolge  der vergangenen 19 Jahre in  folgende  Kriterien:

Auslastung der Staatsoper der letzten 19 Jahre:  96,11% bei 5.473 Vorstellungen;  die letzten vier Spielzeiten bereits deutlich über 97%. (NB Die  Red: Die deutlich höher subventionierte, kleine Berliner Staatsoper erreicht eine Auslastung von nur  87%).  Zu Neu-Inszenierungen entscheiden maßgeblich die Finanzen und das Besucherinteresse.  Nicht aber die meist karrieredominierte Regieprotagonisten. So läuft  die John Cranko Produktion von Romeo und Julia bereits seit 47 Jahren an der Staatsoper .

Finanzen:  Ich hinterlasse ein Haus mit gesunder finanzieller Basis. Seit 1997 unveränderte Subventionen.  (NB: Nachfolger Dominique Meyer forderte, kaum im Amt,   bereits höhere Subventionen  für die Staatsoper).  Der  Anteil eigener Staatsopern Einnahmen liegt bei  – hohen –   45%. Er habe sich immer als Steuerzahler gesehen und war sich nicht zu schade, die Preise für Suppenteller im Kindertheater zu erfragen. Ob bei Verhandlungen mit Betriebsräte, Sponsoren: Der Steuerzahler war immer sein Hauptgeldgeber. Und so zitierte er: Sängerstars erhalten gutes Geld und wollen dann noch die Taxispesen ersetzt haben. Damit hat er aufgeräumt.

Künstlerisches: Die Verbesserung der künstlerischen Potenz der Staatsopermit einem leistungsfähigen Ensemble. 725 Künstler(-innen) gaben in dieser Zeit ihr Debut an der Staatsoper, darunter das gesammelte Who-is-who der heutigen Sängerelite: Falk Struckmann, Jochen Kowalski, Diana Damrau, Anne Sofie von Otter, Natalie Dessay, Johan Botha, Renée Fleming,  Deborah Voigt, Deborah Polaski, Erwin Schrott, Adrian Eröd, Ingo Metzmacher, Elina Garanca, Milagros Poblador, Maria Guleghina, Bo Shovkus, John Tomlinson…….und starteten von Wien aus ihre Weltkarriere.  Kein anderes Musiktheater der Welt reizte, gestaltete und engagierte derart  intensiv  Gesangs- und Ensemblekompetenz wie das Haus am Ring, so Holender.  Welcher sich in diesem Zusammenhang auch nicht scheut darauf hinzuweisen, daß viele Opernleiter dieser Welt nicht  den Violinschlüssel von einem Bass-Schlüssel unterscheiden können und  trotz  dieses  fehlenden  Basiswissens  Gesangspartien  großer Opern selbstherrlich besetzen.  Starallüren bei Regisseuren und Sänger-(innen) waren  ihm immer ein Graus (siehe Bechtolf-Kritik oben).

– Was wurde neben der Kerntätigkeit der Staatsoper  im Haus am Ring  verändert:  Holender:  schaffte – live-Übertragungen per Video-Leinwand auf den Karajan-Platz, installierte die Kinderoper, zur Zeit noch,  auf dem Dach; – errichtete, gegen starken Widerstand, den Probenraum; – gründete die Opernschule für Kinder; – baute das Opernmuseum auf; – förderte das Leistungsprinzip beim Staatsopernpersonal ( Prinzip: Die Oper sei kein Sanatorium;  nicht dem Personal soll es gut gehen, sondern dem Publikum); – förderte Sponsorenverträge  mit der Maßgabe, daß diese keinen Einfluß auf den künstlerischen Bereich haben dürfen; – änderte die Praxis, daß im Orchester keine Frauen spielen dürfen (NB die Red.: Allerdings haben hier die amerikanischen Frauenverbände dem Musikverein auch etwas „nachgeholfen“); – öffnete den riesigen Staatsopern Fundus an Büchern und Aufnahmen der Öffentlichkeit.

Rundherum wohltuend war, daß Holender   die Wiener Staatsoper  als Unternehmer mit kulturellem Mandat ganzheitlich betrachtete, leitete:  Als gesellschaftlich relevantes Gebilde, welches finanziell verantwortlich, operativ effizient und künstlerisch anspruchsvoll geführt werden muß.  Dem Steuerzahler verpflichtet  und der Kunst; eine Lieblingskommentierung.  Eine Einstellung mit der er zumindest in Europa ziemlich alleine steht.

Das  künstlerischen Finale Holenders an der Staatsoper erfolgte am 26. Juni 2010 mit Auszügen aus Premieren und vielen Weltstars. Am 30. Juni endete die Ära mit Wagners Parsifal.  Stephen Gould sang die Titelpartie, im dritten Aufzug sang Placido Domingo den – einfacheren – geläuterten Parsifal.

Ein Buch hat Holender natürlich  auch bereits herausgegeben: „Ich bin noch nicht fertig“, erschienen im Paul Zsolnay Verlag. Was wird Holender zukünftig unternehmen?  Wiener Zeitungen lieferten reichlich Spekulationsproben ab: Musikkrieg Wien-Ungarn tönte  die Tageszeitung Österreich zur Vermutung, Holender werde an die Budapester Oper wechseln. So äußerte sich denn auch  Holender  selbst:  Nach München geht er nicht, in Budapest wird er künstlerischer Berater, in Tokio macht er ein Frühlingsfestival,  lehren wird er an der Donau-Universität in Krems, in New York  und auch sonst wird er als Berater tätig werden. Daneben möchte er mehr Tennis spielen; IOCO wünscht dazu harte Aufschläge und starke Volleys.

IOCO  / Viktor Jarosch / Dezember 2011

 

Wien, Wiener Staatsoper, Hommage an Ioan Holender: Unternehmer und Theater-Ikone

Dezember 25, 2011 by  
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Wiener Staatsoper

Ikone der Musiktheaterwelt:  Ioan Holender 

Rückblick, Würdigung und letzte Pressekonferenz des Chef der Wiener Staatsoper vom 16.6.2010

Pressekonferenz am 16.6.2010 oder:  Der lange Abschied des Ioan  Holender Pressekonferenz am 16.6.2010 oder:  Der lange Abschied des Ioan  Holender Pressekonferenz am 16.6.2010 oder:  Der lange Abschied des Ioan Holender

Ioan Holender, 75, lebende Ikone der Musikwelt, österreichisch  sperrig immer  als „Staatsoperndirektor“ tituliert, seit seiner  Jahrespressekonferenz vom 2.4.2009  auf Abschiedstour, verläßt seine Bühne an der Wiener Staatsoper  endgültig am 30. Juni 2010.  Er wird dann, mit 19 Amtsjahren  längstdienender Direktor der Staatsoper sein (Bisheriger Titelhalter: Wilhelm Jahn mit 16 Jahren, 1881 – 1897). Und formte in dieser Zeit die Wiener Staatsoper zum  führenden Musiktheater weltweit. Die Staatsoper  wurde durch Ioan Holender  Richtunggeber für Musiktheater, Künstler und Kulturmanager in allen Ländern der Welt.

Und auf dieser letzten Abschiedspressekonferenz als Staatsoperndirektor,  auf der Probebühne des Eberhard-Waechter-Saales durchlief Holender,  selbstbewußt wie von Zweifeln scheinbar unbelastet,  eine Wertung seines Wirkens der vergangenen 19 Jahre:

1959 aus Rumänien mit seiner Mutter in Wien angekommen, begann Holender als Statist am Wiener Burgtheater, sang im Volkstheater an der Seite von Fritz Muliar, begann als „passabler“ Bariton am Klagenfurter Stadttheater und trat 1967 in eine Künstleragentur ein, welche er später übernehmen sollte.  Dort tröstete er  Placido Domingo, welcher nach Vorsingen beim damaligen Staatsoperndirektor Egon Seefehlner durchfiel. Und entwickelte so die sängerfokussierte Vita, welche Holender  so sehr für die Wiener Staatsoper qualifizierte und  ihn von seinen  meist regiedominierten und/oder  gesangsunerfahrenen  Intendanten-Kollegen unterscheiden sollte.  Holender durchlebte als junger Bariton die alltäglichen Leiden, Ängste eines Sängers auf der Bühne. Er kennt deren Nöte, Hoffnungen und Freuden.  Mit  diesem Wissen schuf er das weltweit einzigartige Gesangsensemble der Wiener Staatsoper.  Wurde zum Entdecker, Mentor, Ratgeber ganzer Sängergenerationen.  Mit 45 Opern wurde die Wiener Staatsoper das größte Repertoiretheater der Welt. Zudem ganz Unternehmer fühlte sich Holender der Auslastung, den Besuchern des Hauses verpflichtet. Die Wiener Staatsoper erreicht seit Jahren höchste Auslastungszahlen.

Ulrich Weinzierl, Redakteur der Welt, beschreibt Ioan Holender als jovialen Despot. Alles hört auf sein Kommando, kein Widerspruch wird geduldet. Für seinen Thron an der Spitze der Wiener Staatsoper sei die Beschreibung „Schleudersitz“ blanke Untertreibung. Holender, welcher sich „in aller Bescheidenheit als vollkommen uneitel betrachtet“,  äußert sich trotzdem gern kontrovers zu Künstlern und kulturellen Ereignissen außerhalb der Wiener Staatsoper. Einige Kostproben:

Seefestspiele Mörbisch:  Es  ist  das gesellschaftliche Treiben, das die Leute anzieht;  der Impressario (NB IOCO: Harald Serafin) ist bekannter als das Festival.

Bregenzer Festspiele: Mit Kunst im Sinne des Werkes und dessen Schöpfer hat es  wenig zu tun. Man generiert ein Unterhaltungsereignis und der Vorwand ist die Oper.

Salzburger Festspiele: Ich fühlte mich dort stets fremd, der gesellschaftliche Anteil überwog der künstlerischen. …die von Möchtegernern und Wichtigmachern dominierte…..

–  Egon Seefehlner: Hat immer geraten, mehr Geld auszugeben, als man bekäme. Damit nachbudgetiert werde.

Claus Helmut Drese, Operndirektor: Von Sängern wußte er wenig und die Beurteilung von Stimmen zählte nicht zu seinen Tugenden.

– Claus Peymann: …wurde zu einem Darsteller, der sich durch Provokationen und politische Attacken im Gespräch zu halten versuchte….

Lorin Maazel: Von rührender Naivität..Beispielsweise verlangte er Bilder, die ihm gefielen, aber der Republik gehörten, für seine Privatwohnung. Dafür versorgte er die genehmigenden Beamten mit Freikarten.

– Neil Shicoff: besitzt ausgeprägte monomanische Züge….

Regisseure: Ich halte deren übermäßige Bedeutung,  Honorierung und „durch diese“ erzeugte Belastungen an Musiktheatern für weit  überzogen.

Sven-Eric Bechtolf, Regisseur:  Ist ein Grünschnabel und versteht nichts von Operund sollte sich zurückhalten. (Anlässlich einer anmassenden Kritik des Regisseurs Bechtold zu einer sängerischen Besetzung an der Wiener Staatsoper).

– Der Opernball: Die Gäste seien mehr Schein als sein

So kritikfreudig er war, rauer Kritik  an seiner Berufung an die Staatsoper  begegnet Holender dagegen auffällig dünnhäutig: „Ich kann sie nur so interpretieren, daß man einen rumänischen Juden….“.

So begann Ioan Holender  die Abschieds-PK  mit tiefer Referenz an  Eberhard Waechterdamaliger Direktor der Wiener Staats- und Volksoper, der ihn 1991 überraschend fragte, ob er nicht seine Agentur verkaufen und Generalsekretär  an der Wiener Staats- und Volksoper werden wolle.  Holender  wollte und  der überraschende Tod Waechters im März 1992  führte dazu, daß  der österreichische Kanzler  Franz Vranitzky ihn zu dessen  Nachfolger  vorschlug. So  Holender auf der Pressekonferenz am 16.6.2010 selten bescheiden:  Ich habe die Position nicht angestrebt, nur durch den Tod von Herrn W………..

Ganz  professioneller und gesamtverantlicher Intendant  eines großen Musiktheaters,  nicht  Kunstsektierer,  gliederte Holender  sodann sein Wirken, seine Erfolge  der vergangenen 19 Jahre in  folgende  Kriterien:

Auslastung der Staatsoper der letzten 19 Jahre:  96,11% bei 5.473 Vorstellungen;  die letzten vier Spielzeiten bereits deutlich über 97%. (NB Die  Red: Die deutlich höher subventionierte, kleine Berliner Staatsoper erreicht eine Auslastung von nur  87%).  Zu Neu-Inszenierungen entscheiden maßgeblich die Finanzen und das Besucherinteresse.  Nicht aber die meist karrieredominierte Regieprotagonisten. So läuft  die John Cranko Produktion von Romeo und Julia bereits seit 47 Jahren an der Staatsoper .

Finanzen:  Ich hinterlasse ein Haus mit gesunder finanzieller Basis. Seit 1997 unveränderte Subventionen.  (NB: Nachfolger Dominique Meyer forderte, kaum im Amt,   bereits höhere Subventionen  für die Staatsoper).  Der  Anteil eigener Staatsopern Einnahmen liegt bei  – hohen –   45%. Er habe sich immer als Steuerzahler gesehen und war sich nicht zu schade, die Preise für Suppenteller im Kindertheater zu erfragen. Ob bei Verhandlungen mit Betriebsräte, Sponsoren: Der Steuerzahler war immer sein Hauptgeldgeber. Und so zitierte er: Sängerstars erhalten gutes Geld und wollen dann noch die Taxispesen ersetzt haben. Damit hat er aufgeräumt.

Künstlerisches: Die Verbesserung der künstlerischen Potenz der Staatsopermit einem leistungsfähigen Ensemble. 725 Künstler(-innen) gaben in dieser Zeit ihr Debut an der Staatsoper, darunter das gesammelte Who-is-who der heutigen Sängerelite: Falk Struckmann, Jochen Kowalski, Diana Damrau, Anne Sofie von Otter, Natalie Dessay, Johan Botha, Renée Fleming,  Deborah Voigt, Deborah Polaski, Erwin Schrott, Adrian Eröd, Ingo Metzmacher, Elina Garanca, Milagros Poblador, Maria Guleghina, Bo Shovkus, John Tomlinson…….und starteten von Wien aus ihre Weltkarriere.  Kein anderes Musiktheater der Welt reizte, gestaltete und engagierte derart  intensiv  Gesangs- und Ensemblekompetenz wie das Haus am Ring, so Holender.  Welcher sich in diesem Zusammenhang auch nicht scheut darauf hinzuweisen, daß viele Opernleiter dieser Welt nicht  den Violinschlüssel von einem Bass-Schlüssel unterscheiden können und  trotz  dieses  fehlenden  Basiswissens  Gesangspartien  großer Opern selbstherrlich besetzen.  Starallüren bei Regisseuren und Sänger-(innen) waren  ihm immer ein Graus (siehe Bechtolf-Kritik oben).

– Was wurde neben der Kerntätigkeit der Staatsoper  im Haus am Ring  verändert:  Holender:  schaffte – live-Übertragungen per Video-Leinwand auf den Karajan-Platz, installierte die Kinderoper, zur Zeit noch,  auf dem Dach; – errichtete, gegen starken Widerstand, den Probenraum; – gründete die Opernschule für Kinder; – baute das Opernmuseum auf; – förderte das Leistungsprinzip beim Staatsopernpersonal ( Prinzip: Die Oper sei kein Sanatorium;  nicht dem Personal soll es gut gehen, sondern dem Publikum); – förderte Sponsorenverträge  mit der Maßgabe, daß diese keinen Einfluß auf den künstlerischen Bereich haben dürfen; – änderte die Praxis, daß im Orchester keine Frauen spielen dürfen (NB die Red.: Allerdings haben hier die amerikanischen Frauenverbände dem Musikverein auch etwas „nachgeholfen“); – öffnete den riesigen Staatsopern Fundus an Büchern und Aufnahmen der Öffentlichkeit.

Rundherum wohltuend war, daß Holender   die Wiener Staatsoper  als Unternehmer mit kulturellem Mandat ganzheitlich betrachtete, leitete:  Als gesellschaftlich relevantes Gebilde, welches finanziell verantwortlich, operativ effizient und künstlerisch anspruchsvoll geführt werden muß.  Dem Steuerzahler verpflichtet  und der Kunst; eine Lieblingskommentierung.  Eine Einstellung mit der er zumindest in Europa ziemlich alleine steht.

Das  künstlerischen Finale Holenders an der Staatsoper erfolgte am 26. Juni 2010 mit Auszügen aus Premieren und vielen Weltstars. Am 30. Juni endete die Ära mit Wagners Parsifal.  Stephen Gould sang die Titelpartie, im dritten Aufzug sang Placido Domingo den – einfacheren – geläuterten Parsifal.

Ein Buch hat Holender natürlich  auch bereits herausgegeben, Titel: Ich bin noch nicht fertig, erschienen im Paul Zsolnay Verlag. Und was wird Holender zukünftig unternehmen?  Wiener Zeitungen lieferten reichlich Spekulationsproben ab: Musikkrieg Wien-Ungarn tönte  die Tageszeitung Österreich zur Vermutung, Holender werde an die Budapester Oper wechseln. So äußerte sich denn auch  Holender  selbst:  Nach München geht er nicht, in Budapest wird er künstlerischer Berater, in Tokio macht er das Frühlingsfestival,  lehren wird er an der Donau-Universität in Krems, in New York  und auch sonst wird er als Berater tätig werden. Daneben möchte er mehr Tennis spielen; IOCO wünscht dazu harte Aufschläge und starke Volleys.

IOCO  / Viktor Jarosch / Dezember 2011

Die  Pressekonferenz  zur Spielzeit 2010/11  fand bereits im April 2010 durch  Holenders  Nachfolger Franz Welser-Möst und Dominique Meyer statt.  Hierzu der ausführliche  IOCO  Bericht.

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