Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Mathis der Maler – Paul Hindemith, IOCO Kritik, 03.11.2017

November 3, 2017 by  
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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Mathis der Maler von Paul Hindemith

Das Individuum – Im Bannkreis von Unruhen, Dogmen, Meinungen

Von Viktor Jarosch

Paul Hindemith (1895 – 1963) lebte 1934 in Deutschland, als Adolf Hitler und Alfred Rosenberg die Uraufführung seiner Oper  Mathis der Maler verhinderten, seine Kunst als entartet erklärten und  Joseph Goebbels Hindemith als „atonalen Geräusche-macher“ beschrieb. Hindemith spürte Kommendes und handelte auf die Machtergreifung der Nazis auffällig konkret, nicht künstlerisch verklärt: Eine schon fortgeschrittene Komposition  zu Johannes Gutenberg widmete er kurzerhand um: Nicht mehr dem Erfinder des Buchdrucks sondern Matthias Grünewald, dem Schöpfer des Isenheimer Altars (1514). Hindemiths Mathis, mit realer Wortgewaltigkeit komponiert, lehnt die Oper ungewöhnlich nah an das Genre Schauspiel.

Musiktheater im Revier / Mathis der Maler - hier Urban Malmberg als Mathis und das gerade geschaffene Kunstwerk © Karl + Monika Foster

Musiktheater im Revier / Mathis der Maler – hier Urban Malmberg als Mathis und das gerade geschaffene Kunstwerk © Karl + Monika Foster

Mathis der Maler  wurde 1938 in Zürich uraufgeführt, wohin Hindemith geflüchtet war. Die Oper reflektiert in unromantisch freier Tonalität mit schroffen Rhythmen,  grellen Dissonanzen und in real direkter Sprache Hindemiths eigene  Gegenwartskrise über die politischen Verantwortung eines Künstlers in unruhigen Zeiten: In der Abgeschiedenheit eines Klosters sinnt Mathis der Maler über seine Pflichten in einem Leben im Umbruch, der  allgegenwärtige Krise der Bauern in der Gesellschaft und der Kirche inmitten der von Protestanten betriebenen Reformation. In sieben Bildern verdichten Hindemith wie Mathis wiederkehrend das zeitlose Thema der Suche nach  dem „richtigen Lebensweg“; im Leiden und der Brutalität von Kriegen, Bereitschaft für persönliche Opfer zu zeigen.

Grünewald (um  1480 – 1531) war zu seiner Zeit eine bekannte Person, als Künstler aber auch als langjähriger Hofbeamter des  Erzbischofs  von Mainz. Bekannt  ist, dass Grünewald Sympathien für die rebellierenden Bauern hegte, dass ihn die Reformen Luthers und sozialutopische Ideen bewegten. Vermutlich über seine Nähe zu aufständischen Bauern wurde  er in Mainz als Hofbeamter des Erzbischofs  entlassen.

Regisseur Michael Schulz sieht Mathis der Maler als Oper mit spürbaren Bezügen zur Gegenwart. Der in dieser Oper rauh, unversöhnlich ausgetragene Kampf von Meinungen zum Leben, über  Dogmen der Kirche wie über die Rolle von Künstlern, so Schulz, sind im Heute so aktuell wie ehemals; sie sind auch der laute Kontrapunkt zu einer überbordenden, alles verspassenden Unterhaltungskultur. Schulz inszeniert Mathis der Maler im MiR mit modernen Bildsequenzen, doch mit hohen Torbögen mittelalterliches Klosterambiente austrahlend. Zur Ouvertüre wird der Besucher mit einer packenden Videoprojektion von Ives Klein eingestimmt welche filigran in die Handlung überleitet. 800 (!) Kostümvariationen  (Kostüme Renée Listerdal), gleißende Lichteffekte (Patrick Fuchs), exzellente Personenführung verleihen dem Bühnengeschehen mit streitenden wie sinnenden Protagonisten, von Kardinal,  Mathis, Bauernkriegern, Protestanten wie Kirchenleuten modern lebendige Optik.

Musiktheater im Revier / Mathis der Maler - hier viertes Bild : die gemordeten Bauern © Karl + Monika Foster

Musiktheater im Revier / Mathis der Maler – hier viertes Bild : die gemordeten Bauern © Karl + Monika Foster

Das erste Bild: Der karge kalkfarbene hohe Raum eines mittelalterlichen Klosters (Bühne Heike Scheele). Darin Mathis der Maler, der vor den Augen der MiR -Besucher ein Kunstwerk schafft, welches durch den Opernabend führt: Sichtbar weltabgewandt bestreicht Mathis den Körper einer Frau, mit gleißend blauer Farbe, welchen sie im Folgenden über ein großes Leinentuch rollt, rutscht (Dramaturgie Gabriele Wiesmüller): Dies gerade geschaffene Kunstwerk begleitet, fasziniert über die gesamte Vorstellung.  Mathis´ künstlerische Distanz zu vor den Klostermauern tobenden Zwisten wie Zweifeln bezeugt er in ersten Worten: Entspannt sich in einem Eimer die Füße waschend sinnt Mathis:  „Sonniges Land. Mildes Drängen Schon nahen Sommers. ….  Bist nicht nur eignen Nutzens voll?“. Während im Hintergrund der Chor unsichtbar kraftvoll christliche Lehren verkündet: „Rector potens, verax Deus, qui temperas rerum vices (Allmächtiger Lenker, wahrhafter Gott, der du leitest den Wechsel der Dinge)“. Der geflüchtete Bauernführer Schwalb erscheint, verletzt in Kampfanzug stöhnend:  „Mit Steuern und Zolle wird er – der Bauer – gepresst. Der Bauer steht auf!“  während seine Tochter Regina das hartes Leben beklagt: „Schmutz, Hunger und Leid sind unsere Begleiter“ ihr brutales Leben. Das zweite Bild spiegelt die Zerrissenheit der Gesellschaft wie  Entrücktheit der Eliten in Kirche und Staat ähnlich drastisch wie konkret: In  der Martinsburg in Mainz wird der Empfang des Kardinals zelebriert: Nicht bescheiden, einfach, sondern als elegantes, aufwändiges gesellschaftliches Ereignis. Auf Serviertischen stehen Sektgläser; junge schicke junge Frauen in flotten Kostümen tragen eine Reliquie, welche der Kardinal segnet, derweil die Katholiken und Protestanten untereinander streiten und sich mit Torten bewerfen. Doch Kardinal räsoniert ungerührt wie volksfern: „Empfängt mich in Mainz die Eintracht friedlicher Bürger“.

Musiktheater im Revier / Mathis der Maler - hier zweites Bild : Kardinal mit Katholiken und Protestanten © Karl + Monika Foster

Musiktheater im Revier / Mathis der Maler – hier zweites Bild : Kardinal mit Katholiken und Protestanten © Karl + Monika Foster

Die MiR Inszenierung von Mathis der Maler zeigt über die sieben Bilder auf der Bühne den Parcours realen Lebens: Meinungen gepflastert mit Widersprüchen treffen auf Dogmen, sensible Träume, platte Gefälligkeiten oder glattes wie robustes  Vorteilsstreben. So sterben Bauernführer wie Bauern, streiten, bekehren sich Kirchenleute, wandelt der Künstler ungerührt durch als dies Geschehen. Nie verrät Hindemith sein Werk mit jenem betrügerischen Deus ex machina, dem ersehnten „himmlischen  Fingerzeig“ oder gar kollektiver höherer Einsicht. 

Das große MiR Ensemble besticht in diesem schwierigen Werk durch ungewöhnlich sängerische wie darstellerische Präsenz: Die zentrale Partie des Mathis ist monströs, allein schon durch riesige wie schwierige Texte. Urban Malmberg, seit zwei Jahren im MiR – Ensemble, besticht  durch Textsicherheit und weichem Bariton,  wie als  „Egozentriker“ Mathis, des immer nur mit sich selbst beschäftigten Künstlers, der scheinbar unberührt durch die Zeiten des Umbruch wandelt, als eine Art Katalysator für sein Umfeld wirkend. Tobias Haaks, ohnehin  körperlich kräftig, entspricht  mit Kampfjacke und kraftvoller Stimme dem Bauerführer Hans Schwalb.  Auch die Sopranpartien sind bestens besetzt: Yamina Maamar, als reiche Bürgerstochter zwischen Mathis und dem Kardinal verwoben, besteht hochdramatische wie oft innigliche Momente mit Bravour. Bele Kumberger  verbreitet als Regina liebende Präsenz;  das Herz des Besuchers ergreift Kumberger im siebten, schließenden Bild, wenn sie mit seelenreicher Lyrik  „Es sungen drei Engel ein süssen Gesang, Der weit in den hohen Himmel erklang“ von dieser Welt Abschied nimmt. Ebenso überzeugte Martin Hombrich überzeugte in der großen Tenor – Partie als volksferner Kardinal Albrecht von Brandenburg, der letzlich doch seinem Gewissen folgt und sein Amt als Kardinal niederlegt und, konkretes Handeln widerspiegelnd, zum Protestantentum wechselt.

Musiktheater im Revier / Mathis der Maler - hier Ursula tröstet Regina, während Mathis im Hintergrund unbeteiligt malt © Karl + Monika Foster

Musiktheater im Revier / Mathis der Maler – hier Ursula tröstet Regina, während Mathis im Hintergrund unbeteiligt malt © Karl + Monika Foster

Das nicht große Orchester der  Neuen Philharmonie Westfalen unter Rasmus Baumann erzeugt den eigenen kraftvollen Mathis – Klang eines großes Orchesters. Dieser volle Klang entstand nicht, weil das Orchester laut war, sondern weil die grandiose Instrumentierung  Hindemiths mit wenigen aber perfekten Blech- und Holzbläsern, bei mitreißenden  Flöten- und Fagott-Soli  einen unendlichen Klangreichtum  von Spätromantik bis zu Barock möglich macht. Welchen die Neue Philharmonie Westfalen als solistisch wie als Orchester nutzte. Im Überschwang der Gefühle könnte man geradezu eine Seelenverwandtschaft zu Hindemith vermuten. Mit dem spielfreundigen und gesangs- starken Ensemble, dem facettenreichen Bühnenbild ist Mathis der Maler ein weiterer Stern in der Krone des MiR, der „Perle des Ruhrgebiets“.

Mathis der Maler im Musiktheater im Revier; weitere Vorstellungen 9.11.2017; 12.11.2017; 26.12.2017, 10.12.2017, 30.12.2017

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Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Tristan und Isolde – Ekstase wider Stille, IOCO Kritik,

März 8, 2017 by  
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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Komplexer Mythos in „gerader Erzählweise“

Tristan und Isolde von Richard Wagner

Von Viktor Jarosch

Intendant Michael „Furchtlos“ Schulz und Opernstar Torsten Kerl als „Matchmaker“ – er hat eine besondere Beziehung zu Gelsenkirchen – bringen mit  Tristan und Isolde eine höchst komplexe Produktion ins Revier. Mit kleinem Etat schafft das MiR ein künstlerisches Mammutprojekt, vor dem große Theater mit vielfachem Etat zurückschrecken. Der Lohn: Eine starke Tristan-Inszenierung, eine begeisternde Premiere, ausverkauftes Haus für die kommende Vorstellungen und eine Ausstrahlung, welche weit über die Grenzen des Ruhrgebiets wirkt.

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster

Der uralte Mythos um Tristan und Isolde kennt keine Verfasser. Seine Macht bezieht der Mythos aus kollektiver Wahrnehmung, aus Archetypen, nicht aus individuell ästhetisch gestalteten Kunstwerken. Im 5. Jahrhundert fanden fragmentarische Versionen der Legende um Tristan und Isolde ihren Weg in die Literatur der Länder Europas; 1210 veröffentlichte in Deutschland erstmals Gottfried von Straßburg den Versroman Tristan; Adaptionen folgten. Der Zauber des Mythos Tristan ergriff auch den Mythen-getriebenen Richard Wagner schon um 1840.

Von der mittelalterlichen Sage blieb in der Oper Wagners nur der Name und ein wenig äußerer Rahmen: Wagner machte so Morold zu Isoldes getötetem Verlobten; in der Sage dagegen ist Morold ein irischer Riese, welcher aus Cornwall junge Mädchen und Jungen holt. Wagners unerfüllbare Liebesleidenschaft zu der verheirateten Mathilde Wesendonck wie die Philosophie Schopenhauers waren ihm Schmerz wie Inspiration: Seine Tristan-Komposition wird von Sehnsucht nach  unbedingtem Tod, von schrankenloser Leidenschaften ohne Rücksicht auf Riten und Gesetzen der Welt getrieben; von Gedanken, welche damals wie heute  psychopathische Züge haben, welche als krankhaft im sozialen, als Todsünde im religiösen Sinne gelten.

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster

Richard Wagner begann 1857 mit dem Werk Tristan und Isolde: Die Komposition des Nibelungenringes war in eine Schaffenskrise geglitten. Doch auch die Schöpfung von Tristan und Isolde sollte von Krisen begleitet werden: Erst im Juni 1865 sollte die Uraufführung in München stattfinden. Die Dichtung zu Tristan hatte Wagner 1857 in wenigen Monaten geschrieben, die Partitur dagegen dauerte Jahre: Das Mystische ist Mittelpunkt der Komposition; dies auszudrücken öffnet Wagner zu romatischer Musik auch das Tor zur Atonalität. Bereits in den ersten sieben Takten des Vorspiels werden alle zwölf Töne der Halbtonleiter verwendet: Mystisches – Auflösung, Verschwimmen, Verdämmern – zeigend. Wagner komponiert in Tristan und Isolde neue, bis dahin unbekannte Klangwelten mit verzehrender Expressivität, ein Gleichgewicht zwischen Ekstase und Stille.

Regisseur Michael Schulz bringt eine wohltuend klassische Inszenierung, in „gerader Erzählweise“ (Dramaturgie Gabriele Wiesmüller), mit griffiger Personenregie, blendender Besetzung und neutralen Kostümen (Renée Listerdal) auf die Bühne des MiR. Fokus sind Psyche, Mystik und Wagners komplexe Partitur. Schulz meidet angestrengte abstrakte Interpretationen auf der Bühne sondern lenkt Blick und Gedanken der Besucher mit konkreter Einfachheit der Bühnenbilder unabgelenkt auf die in Musik und Dichtung deutlich werdende Zerrissenheit der handelnden Charaktere. Im ersten Aufzug: Eine höhengeteilte Bühne (Kathrin-Susann Brose) bildet im Halbdunkel des Unterdecks eine klagende Isolde und Brangäne ab, während über ihnen, auf dem Oberdeck, vor schwarzem Mast (Tristan lehnt wie in Trance an ihm) und hohen weißen Segeln, freudige Seemänner die kommende Ankunft in Cornwall besingen. Sanfte Lichteffekte (Patrick Fuchs) verwischen Bewußtes mit Unbewußtem, stärken das unvergängliche Phänomen der Tristan-Partitur.

 Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Torsten Kerl im dritten Aufzug © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Torsten Kerl im dritten Aufzug © Forster

Akribisch getragene Eleganz zeichnen Vorspiel wie die folgenden Aufzüge der Neuen Philharmonie Westfalen unter Rasmus Baumann. Sanft wie einfühlsam spielte das Orchester, zumindest zu Beginn der fünf Stunden–Oper, ohne Myterienmalerei. Tristan ist keine leise Oper, die Erfahrungen am MiR waren begrenzt. Und doch gelingt es Dirigent und Orchester die Partitur der so handlungsarmen Oper schon in der Premiere sehr expressiv auszumusizieren, Wagners Werk tonmalerisch zu interpretieren. Ein klagender Junger Seemann (Ibrahim Yesilay) eröffnet das anspruchsvolle Psychodrama im MiR, unsichtbar in lyrisch reiner Unschuld „Westwärts schweift der Blick, ostwärts streicht das Schiff“. Wut, Enttäuschung und Verzweiflung bringt die Bayreuth-erfahrene Catherine Foster als Isolde schon im ersten Aufzug der Premiere, sicher in hochdramatischer aber kontrollierter Diktion, von „Wer wagt mich zu höhnen!“ über das berühmte Liebesduett des zweiten Aufzugs und das „O sink hermieder, Nacht der Liebe“ bis zum gemeinsamen Liebestod und ihrem „Isolde ruft: Isolde kam, mit Tristan treu zu sterben“. Torsten Kerl, weltweit gesuchter Wagner-Sänger, beherrscht seine schwere Partie des Tristan souverän; bei aller Dramatik strahlt auch immer wieder tenoraler Charme in wunderbarem Timbre. Die riesige Partie bewältigt Torsten Kerl kraftvoll wie auffällig textsicher, speziell im besonders fordernden dritten Aufzug, als er mit fiebrigen Visionen, von Melot verletzt, am Boden liegt. Doch auch die MiR Ensemblemitglieder Urban Malmberg als Kurwenal und Almuth Herbst als Brangäne beherrschten in ihren Debüts ihre großen Partien und rundeten mit einem stimmlich sicheren wenn auch etwas salbungsvoll braven Phillip Ens als König Marke die ungewöhnliche Premiere Tristan und Isolde im MiR ab.

 Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Der liebestod im dritten Aufzug © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Der Liebestod im dritten Aufzug © Forster

Stürmischer Applaus, viele Bravos, Bravas, Bravi des voll besetzten Hauses belohnten Intendant Michael Schulz wie Initiator Torsten Kerl für ihr gewagtes wie erfolgreiches Experiment Tristan und Isolde inmitten des Reviers. Doch auch die Neue Philharmonie Westfalen unter Rasmus Baumann wie die hoch geforderten Ensemblemitglieder des MiR wurden für ihre gelungene Beiträge hörbar belohnt.

Tristan und Isolde im MiR, Gelsenkirchen: Termine :  Premiere 04. Mär. 2017 17:00-22.00 Uhr, 12. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 19. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 26. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 08. Apr. 2017 17:00-22:00 Uhr, 07. Mai. 2017 16:00-21:00 Uhr, 13. Mai. 2017 17:00-22:00 Uhr, 04. Juni. 2017 16:00-21:00 Uhr

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Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Premiere Tristan und Isolde, 04.03.2017

Februar 24, 2017 by  
Filed under Musiktheater im Revier, Pressemeldung

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

TRISTAN UND ISOLDE von Richard Wagner
Premiere: Samstag, den 4. März 2017, 17 Uhr, Großes Haus

König Marke schickt seinen Vertrauten, den jungen Ritter Tristan, nach Irland, um ihm die Prinzessin Isolde als Braut zuzuführen. Er weiß nicht, dass Tristan und Isolde insgeheim ein Liebespaar sind. Gemeinsam treten sie die Schiffsreise nach Cornwall an, Tristan meidet Isoldes Nähe. Als Isoldes Vertraute Brangäne Tristan schließlich zu ihr bringt, beschließen die Liebenden, mit Hilfe eines Todestranks ihrem Leben ein Ende zu setzen – und gestehen sich rückhaltlos ihre Liebe. Doch der Trank bringt nicht den Tod, sondern vertieft die Liebe des Paares durch einen unlösbaren Zauber.

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster

In Cornwall eingetroffen und mit König Marke verheiratet, wartet Isolde des Nachts auf Tristan. Überglücklich, einander wiederzusehen, schlagen sie alle Warnungen in den Wind. Doch der König entdeckt den Verrat. Im Zweikampf mit Markes Vertrautem Melot kann sich Tristan seinen Schuldgefühlen nicht länger entziehen und stürzt sich in Melots Schwert. Schwer verwundet zieht sich Tristan auf sein Schloss zurück und wartet mit einer nicht heilenden Wunde auf Isolde. Als sie endlich zu ihm kommt, hat er bereits dem irdischen Leben entsagt und stirbt in ihren Armen. Isolde folgt ihm in eine andere Welt.

„Unbewusst – höchste Lust“ sind die letzten Worte Isoldes, bevor sie den berühmtesten Liebestod der Musikgeschichte erleidet. Tristan und Isolde, 1865 in München uraufgeführt, ist Richard Wagners persönlichstes Musikdrama und untrennbar mit seiner Biografie verknüpft: Wagner sah sich selbst der, in der bürgerlichen Gesellschaft unerfüllbaren, Liebesleidenschaft zu Mathilde Wesendonck ausgesetzt, die ihm gleichzeitig Schmerz und höchste Inspiration bereitete. In dieser Frau fand der Komponist eine ebenbürtige Gesprächspartnerin und sie schrieb auch die Verse zu den berühmten Wesendonck-Liedern, die heute als musikalische Studien zu „Tristan und Isolde“ gelten. „Nun schreiten wir so leise als tief in uns selber. […] Es ist unser eigenes tiefsinniges Träumen, dort zu finden, wo die Worte und die Schritte nicht mehr eilen.“ sagte Ernst Bloch über das Magische des Tristan-Vorspiels.

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster

Bayreuth kommt nach Gelsenkirchen! Richard Wagners großes Epos über Liebe und Schuld in der Inszenierung von Generalintendant Michael Schulz bringt Bayreuth-Größen wie Catherine Foster, Torsten Kerl und Gerhard Siegel auf die Bühne des Großen Hauses.

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Kerl © Forster

Der junge deutsche Tenor TORSTEN KERL gehört zu den weltweit gefragtesten Sängern seines Fachs. Er gastiert an allen wichtigen internationalen Opernhäusern, unter anderem an der Staatsoper Wien, Metropolitan Opera New York, Deutschen Oper Berlin, San Francisco Opera, Royal Opera Covent Garden London, Semperoper Dresden, Scala di Milano, New National Tokyo Opera, Nederlandse Opera Amsterdam, Staatsoper München, Gran Teatro del Liceo Barcelona, Palau de les Arts Valencia, Opera National de Paris (Bastille), Châtelet Paris, Opera du Lyon, Staatsoper Hamburg, Teatro Carlo Felice Genova, Den Norske Opera Oslo, Kungliga Operan Stockholm, Opera de Munt Brüssel, Maggio Musicale Fiorentino. Torsten Kerl begann zunächst als professioneller Solo-Oboist (Orchestermusiker und Instrumental-Solist) und wurde dann schnell Sänger. Er ist Preisträger mehrerer Wettbewerbe, Förder-Preise und Stipendien. Im Jahr 2000 gewann er einen „Grammy Award“ im Bereich „Beste internationale Opernaufnahme des Jahres“. Torsten Kerl ist häufiger Gast bei internationalen Festivals wie z.B. bei den Bayreuther Festspielen („Holländer“ und „Meistersinger“), den Salzburger Festspielen (Mozart-Requiem, „Liebe der Danae“, „Die tote Stadt“), beim Edinburgh Festival („Lohengrin“), dem Glyndebourne Festival („Fidelio“ und „Tristan“), dem Festival in Orange („Holländer“), dem Aarhus Opernfestival in Dänemark („Die tote Stadt“ und „Tristan“) und dem Festival in Savonlinna in Finnland („Lohengrin“). Ein besonderer Repertoire-Schwerpunkt ist das deutsche Fach, so gehört Torsten Kerl weltweit zu den wenigen Tenören, die regelmäßig alle großen Wagner-Partien interpretieren (Rienzi, Erik, Tannhäuser, Lohengrin, Loge, Siegmund, beide Siegfriede, Tristan, Stolzing, und Parsifal). Außerdem singt Torsten Kerl regelmäßig den Max („Freischütz“), Paul („Tote Stadt“), Florestan („Fidelio“), Pedro („Tiefland“) und Kaiser („Frau ohne Schatten“). Daneben gastiert er aber auch regelmäßig im französischen Fach mit Don José („Carmen“) und Samson („Samson et Dalila“), im russischen Fach mit Grigori („Boris Godunov“) und Hermann („Pique Dame“) und im italienischen Fach mit Otello („Otello“), Turriddu („Cavalleria Rusticana“) und Dick Johnson („Fanciulla del West“).

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl, Foster © Forster

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde – Kerl, Foster © Forster

Die britische Sopranistin CATHERINE FOSTER begann ihr Gesangsstudium 1993 bei der renommierten britischen Gesangslehrerin Pamela Cook, die sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2013 unterrichtete. Zwischen 1995 und 1999 studierte sie am Birmingham Conservatoire, dem Royal Northern College of Music in Manchester und dem London Opera Studio. Noch während ihres College-Studiums gab sie ihr Debüt als Königin der Nacht an der Opera of Northern Ireland und der Welsh National Opera. Im Jahr 2000 folgte ihr Hausdebüt als Königin der Nacht an der English National Opera. Zwischen 2001 und 2011 war Catherine Foster am Nationaltheater Weimar als jugendlich dramatischer Sopran engagiert und erweiterte dort ihre Bühnenerfahrung mit Rollen wie Mimi, Leonore in Il Trovatore, Elisabeth in Don Carlos, Abigaille, Elektra in Idomeneo, Turandot und Tosca. In Weimar hatte sie auch die Möglichkeit, sich auch in das deutsche Repertoire einzuarbeiten: Auf Elisabeth im Tannhäuser folgten u. a. Senta, Leonore in Beethovens Leonore (Fidelio). So vollzog sich der Wechsel ins dramatische Fach. Bald schon stand sie in Rollen wie Brünnhilde (Walküre, Siegfried und Götterdämmerung), Isolde (Tristan und Isolde) und Strauss‘ Elektra auf der Weimarer Bühne. Daneben gastierte sie in Don Carlos in Kassel und in Nabucco in Bremen. Im Jahr 2006 gelang der internationale Durchbruch mit der Kaiserin in Die Frau ohne Schatten als Rollen- und zugleich Hausdebüt in Dresden. Dorthin kehrte sie 2008 und 2010 zurück, um die Wiederaufnahmen von Der Fliegende Holländer und Fidelio zu singen.

Tristan und Isolde im MiR, Gelsenkirchen: Termine :  04. Mär. 2017 17:00-22.00 Uhr, 12. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 19. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 26. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 08. Apr. 2017 17:00-22:00 Uhr, 07. Mai. 2017 16:00-21:00 Uhr
13. Mai. 2017 17:00-22:00 Uhr, 04. Juni. 2017 16:00-21:00 Uhr

Mitwirkende: Musikalische Leitung: Rasmus Baumann, Inszenierung: Michael Schulz, Bühne: Kathrin-Susann Brose, Kostüm: Renée Listerdal, Chor: Alexander Eberle, Licht: Patrick Fuchs, Dramaturgie: Gabriele Wiesmüller, Tristan: Torsten Kerl / Gerhard Siegel, Isolde: Catherine Foster / Yamina Maamar, Kurvenal: Urban Malmberg, Brangäne: Almuth Herbst, Marke: Phillip Ens / Dong-Won Seo, Melot: Piotr Prochera / Marvin Zobel, Ein Hirte: William Saetre, Ein Steuermann: Jacoub Eisa
Junger Seemann: Ibrahim Yesilay.  

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Koblenz, Theater Koblenz, Rigoletto – Liebe, Lust auf dem Karussell, IOCO Kritik, 27.04.2013

April 29, 2013 by  
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Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto/ José Manuel Sánchez, Gaseul Son © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto/ José Manuel Sánchez, Gaseul Son © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Liebe und Lust auf dem Karussell

Premiere  Rigoletto  im Theater Koblenz

Die Geschichte der Oper, die zunächst La Maledizion (Der Fluch) heißen sollte, handelt von dem Hofnarren Rigoletto und seiner von ihm vergötterten Tochter Gilda, die er verzweifelt vor den Nachstellungen seines Dienstherrn, des leichtlebigen Herzogs von Mantua, zu schützen sucht.

Während Gilda dem Liebeswerben des Herzogs naiven Glauben schenkt, geht es diesem nur um ständig neue erotische Beziehungen, mit denen er sich in seiner berühmten Arie Questa o quella.. brüstet. In dem Versuch seine Tochter zu retten, scheitert Rigoletto, da Gilda ihr Herz an den zügellosen Herzog verliert und sich am Ende der Oper sogar für ihn töten lässt. Damit erfüllt sich der schreckliche Fluch des Grafen Monterone, den Rigoletto einst vor der ganzen Hofgesellschaft verspottet hat. So muss der Vater, seine sterbende Tochter in den Armen, erkennen, dass er selber für ihren Tod verantwortlich ist.

Rigoletto“, „Il Trovatore“, und „La Traviata“ nannte man die „Erfolgstrias“ aus den Jahren 1851 – 53, die den Weltruhm des Komponisten Giuseppe Verdi  begründete.

Theater Koblenz / Rigoletto / Tae-Oun Chung, Michael Mrosek, José Manuel Sánchez, Junho Lee, Herrenchor © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto / Tae-Oun Chung, Michael Mrosek, José Manuel Sánchez, Junho Lee, Herrenchor © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Bei der Premiere in Koblenz am 27.April 2013 ging`s rund. Alle drei Akte der bekannten Geschichte um Leidenschaft, Betrug und Rache, spielten auf einem sich drehenden Zirkuskarussell, welches im Laufe des Abends mit unterschiedlichen Figuren neu bestückt wurde. Eine Kulisse für den ewigen Konflikt zwischen Verdorbenheit und Unschuld.

Bei den Gewändern der Protagonisten und dem Hofgefolge ließ die Kostümbildnerin ihrer Fantasie freien Lauf. Freitzeitgarderobe und Fantasiekostüme wurden teils durch mittelalterlichen Requisiten ergänzt. Konzeption und Inszenierung lagen in den Händen von Gabriele Wiesmüller, das Bühnenbild gestaltete Kathrine von Hellermann und die Kostüme Yvette Schuster.

Das Theater Koblenz präsentierte sich mit einem bemerkenswert gut besetzten Sänger-Ensemble mit schönen und tragfähigen Stimmen, bis hin zu den kleineren Rollen.

Theater Koblenz / Rigoletto/ Michael Mrosek © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto/ Michael Mrosek © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Titelpartie sang Michael Mrosek. Trotz angekündigter, leichter Indisposition, glänzte er an diesem Abend mit wütenden Ausbrüchen, verzweifelter Klage, und allem, was einem Rigoletto ein unverwechselbares Profil gibt. Er imponierte mit seinem hellen, metallischen Bariton, einer kompakten Höhe, leidenschaftlicher Hingabe und nuancenreichem Spiel.

Theater Koblenz / Rigoletto / José Manuel Sánchez © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto / José Manuel Sánchez © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto / Gaseul Son © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Rigoletto / Gaseul Son © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Herausragend José Manuel Sánchez, der mit Leichtigkeit in der Stimmführung und mühelos strahlender Höhe sein Rollendebut als Herzog von Mantua gab.  Er verkörperte in Figur und Darstellung perfekt die Rolle des Verführers und unterstrich dies mit seinem schön timbrierten, elastischen Belcanto. Absolut souverän waren seine zärtlich-intimen Töne im großen Duett (E Il Sol Dell’anima..“) mit Gaseul Son als Gilda und in der Arie (Parmi veder le lagrime..“ ) im zweiten Akt. Sein schöner Tenor mit hellem Strahlglanz, sicherte ihm die Begeisterung des Koblenzer Publikums. Ein Auftakt für eine große Karriere.

Eine stimmlich und musikalisch gleichermaßen beglückende Glanzleistung bot Gaseul Son als Gilda. Bei ihr vereinigten sich mädchenhafte Ausstrahlung, mit einer tragenden Stimme, einer müheloser Höhe und guten Koloraturen.

Ks. Hans-Otto Weiß gab dem Monterone ein markantes Profil. Sein Fluch, vorzüglich mit profunden Basstönen gesungen, war eindrucksvoll und überzeugend.

Jongmin Lim gab der Partie des Sparafucile mit seinem mächtigen Bass beeindruckende Intensität. Seine sängerisch-darstellerische Ausdrucksskala enthielt Leidenschaft und kompromisslose dämonische Tiefe. Bemerkenswert auch Monica Mascus als verführerische Maddalena.

Die Comprimari, Christoph Plessers (Marullo), Junho Lee (Borsa), Tae-Oun Chung(Graf von Ceprano), Haruna Yamazaki (Gräfin von Ceprano), Marco Kilian (Schließer), Malwina Makala (Page der Herzogin), konnten ihre sängerischen Möglichkeiten gut entfalten und unterstrichen das gute künstlerische Niveau des Theater Koblenz.

Leslie Suganandarajah am Pult des Staatsorchesters der Rheinischen Philharmonie lieferte eine solide Leistung. Seine Interpretation war einfühlsam und musikalisch präzise. Er war für die Sänger stets eine gute Stütze, ließ Ihnen viel Raum und begleitete sie mit viel Umsicht.  Ein besonders großes Lob gebührt dem von Bernhard Ott sorgsam einstudierten, stimmkräftigen und musikalisch perfekt singenden Chor (mit Zusatzchor).

Dieser neue Rigoletto bringt dem Theater Koblenz einen großen Publikumserfolg. Für Sänger und Orchester gab es entsprechend großen Beifall und viele Bravi.

Kommende Vorstellungen: 29.04.2013 | 08.05.2013 | 11.05.2013 | 13.05.2013 | 16.05.2013  |  26.05.2013 | 04.06.2013 | 14.06.2013 | 23.06.2013,

IOCO / KK / 27.04.2013

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