Mannheim, Musikalische Akademie, 2021/22 – die 243ste Spielzeit, IOCO Aktuell, 19.07.2021

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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

Musikalische Akademie Mannheim – Spielzeit 2021/22 

  –  die Historie –  die Gegenwart – selbst-Erwirtschaftungsgrad – 90%

Die Geschichte:  Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim sind Veranstalter einer der ältesten Konzertreihen in Deutschland. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musiker. Achtmal im Jahr präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Rosengartens (Bild).

1778 gründeten Bürger und Musiker Mannheims, orientiert am Pariser Vorbild, eine Académie des amateurs. Sie führte die Konzertreihe der Hofkapelle in eigener Regie weiter, nachdem der Kurfürst Mannheim verlassen hatte. Heute nimmt die Akademie neben den Musikern des Nationaltheater-Orchesters auch Fördermitglieder auf. Ein Kuratorium, besetzt mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik, von der Universität und den Hochschulen sowie aus dem musikalischen Leben Mannheims, begleitet und unterstützt die Arbeit des Vorstands der Akademie.

Kulturschaffen in der Eigenverantwortung der Künstler: Das ist in Mannheim Wirklichkeit, und es ist erwiesenermaßen ein erfolgreiches und nachhaltiges Konzept!

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Die Spielzeit 2021/22  –  Die 243ste Spielzeit seit der Gründung

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. veranstaltet in ihrer 243. Saison acht Doppelkonzerte im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens. Generalmusik-direktor Alexander Soddy dirigiert vier Akademiekonzerte und darf sich gemeinsam mit dem Nationaltheater-Orchester auf herausragende Solistinnen und Solisten wie Noa Wildschut, Frank Peter Zimmermann oder Kirill Gerstein freuen. Die Konzerte finden jeweils montags und dienstags um 20 Uhr statt.

»Es liegen eineinhalb fordernde Jahre hinter uns. Auch wenn unser Verein über die Schlief3zeit keinesfalls untätig war -wir hoffen unbedingt, nächste Saison wieder regulär Publikum im grof3en Konzertsaal willkommen heif3en zu dürfen«, kommentierte Fritjof von Gagern, 1. Vorsitzender der Musikalischen Akademie. »Gemeinsam mit dem Mannheimer Rosengarten haben wir ein Hygienekonzept erarbeitet, das -auf wissenschaftlichen Studien basierend -eine gute und sichere Umsetzung unserer Veranstaltungen ermöglicht. Dazu kommt eine kontinuierlich steigende Impfquote in der Bevölkerung. Insbesondere auch mit Blick auf unser Akademiekonzert am 26. und 27. Juli 2021, das bereits mit einer Saalauslastung von 60 % durchgeführt werden kann, sind wir deshalb sehr zuversichtlich, unsere musikalischen Ideen in der kommenden Spielzeit plan-und programmgemäf3 realisieren zu können. Der Austausch mit dem Publikum hat uns Musikerinnen und Musikern ungemein gefehlt -und mit unseren neuen Programmen möchten wir Lust auf die neue Saison wecken.«

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Die Konzertprogramme hat der Vorsitzende von Gagern gemeinsam mit Generalmusikdirektor Alexander Soddy erarbeitet: Im 1. Akademiekonzert 2021/21 erkundet das im Verein organisierte Orchester die satten Landschaften sowie den königlichen Glanz Britanniens. Neben Ralph Vaughan Williams‘ Fantasia on a Theme by Thomas Tallis und Edward Elgars Symphonie Nr.1 vermag dabei auch Max Bruch in der Schottischen Fantasie mithilfe der virtuos arrangierten Klangfarben von Violine und Harfe eine typisch »schottische« Stimmung zu kreieren. Mit von der Partie ist Noa Wildschut, 20 Jahre jung und viel mehr als nur ein Shootingstar der Klassikszene: Gerühmt für Präzision und einen stets beseelten Geigenton, hat sie Bruchs Werk früh für sich entdeckt.

Frank Peter Zimmermann ist im Rahmen des 2. Akademiekonzerts 2021/22 wieder zu Gast in Mannheim, diesmal mit Bohuslav Martinus Suite concertante. Ergänzt wird dieses violinistische Feuerwerk von Bela Bartoks Rhapsodie Nr. 1; beide Werke erklingen zum ersten Mal bei den Akademiekonzerten. Darüber hinaus kann Sidney Corbetts Viofence and Longing, eine Auftragskomposition der Musikalischen Akademie, endlich aus der Taufe gehoben werden, nachdem das Werk 2019/20 situationsbedingt verschoben werden musste. Viofence and Longing kommuniziert auf besondere Weise mit dem letzten Programmpunkt des Abends: Unter anderem Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 4 diente als Inspiration für Corbetts brandneues Opus. Der amerikanische Komponist ist seit 2006 in Mannheim verwurzelt und fördert als Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim Komponistinnen und Komponisten der jungen Generation.

Im 3. Akademiekonzert 2021/22 begibt sich das Nationaltheater-Orchester auf eine Reise nach Russland: Neben Rachmaninows vielgeliebtem Klavierkonzert Nr. 2 erklingt auch Tschaikowskis Symphonie Nr. 4, in der tragische Topoi, von Tschaikowskis Lebensgeschichte inspiriert, gewohnt kunstfertig verarbeitet werden. Die musikalische Leitung unterliegt Jordan de Souza, der als Erster Kapellmeister der Komischen Oper grosses Ansehen erlangt hat. Ihm zur Seite steht ein russischer Kosmopolit: Kirill Gersteins Klavierspiel besticht mit einem unverwechselbar-verjazzten Stil.

Musikalische Akademie – 240 Jahre Konzerte
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»Mit Worten ihn beschreiben hieße scheitern«, stellte der Künstlerische Beirat der Musikalischen Akademie nach seinem Debüt bei den Akademiekonzerten fest: Rafal Blechacz, zuletzt in der Spielzeit 2017 /18 bei der Musikalischen Akademie zu Gast, kehrt im 4. Akademiekonzert 2021/22 nach Mannheim zurück. Gemeinsam mit dem Dirigenten und Landsmann Michal Nesterowicz widmet er sich dabei einem polnischen Nationalschatz: Frederic Chopins Klavierkonzert Nr. 1. In der Kleinen Suite präsentiert wiederum der Komponist Witold Lutoslawski Polkas und andere Tanzweisen der polnischen Volksfeste. Von diesem Hörabenteuer zum nächsten geht es mit Mendelssohns »schottischer« Symphonie Nr. 3, die den Konzertabend mit wohlgelaunten – und, unter Berücksichtigung der Klarinette, die im Werk einen Dudelsack imitiert, wohl nicht gänzlich ernst gemeinten – Klängen beschließt.

Nicht erst, seitdem die Turangalila-Symphonie vom Mannheimer Publikum im November 2019 mit Begeisterung aufgenommen wurde, steht Olivier Messiaen bei GMD Alexander Soddy hoch im Kurs. Gemeinsam mit dem Nationaltheater-Orchester lässt er die farbenprächtige Musik des Franzosen im 5. Akademiekonzert 2021/22 mit L ‚Ascension doch nun erst recht aufs Neue erstrahlen. Daneben steht Anton Bruckners sechste Symphonie – Klangräume, die einer Kathedrale ähneln.

 Im 6.Akademiekonzert 2021/22 stof3en wiederum glitzernde Zauberwelten und Schauerromantik auf die transparente Musik Mozarts: Emmanuel Pahud, Soloflötist der Berliner Philharmoniker, interpretiert Mozarts elegant ausgestaltetes Konzert für Flöte und Orchester Nr.1 in G-Dur. Seinen Einstand bei der Musikalischen Akademie feiert auch Ivan Repusic, der Carl Maria von Webers Ouvertüre zu Oberon sowie Hector Berlioz‘ Symphonie fantastique dirigiert.

Endlich kann auch das Dirigat Roberto Rizzi Brignolis nachgeholt werden: Während sein Schwerpunkt insbesondere auf dem italienischen Repertoire liegt – in der Metropolregion Rhein-Neckar hat sich Rizzi Brignoli durch seine Erfolge mit Giuseppe Verdis II Trovatore am Nationaltheater Mannheim profiliert-, bewegt er sich mit großer Stilsicherheit auch durch die klassische und romantische Epoche. Auf dem Programm des 7. Akademiekonzerts 2021/22 stehen daher Franz Schuberts Ouvertüre zu Die Zauberharfe sowie seine »tragische« vierte Symphonie, dazu gesellt sich Beethovens Eroica.

Während er dem Nationaltheater-Orchester bis 2023 als Chefdirigent der Akademiekonzerte verbunden bleibt, neigt sich Alexander Soddys Engagement als Mannheims Generalmusikdirektor dem Ende zu: Das krönende Finale seiner GMD-Zeit feiert die Musikalische Akademie mit Gustav Mahlers Auferstehungssymphonie. Nomen est omen: Zwei Chöre, die beiden Gastsolistinnen Anne Schwanewilms und Okka von der Damerau sowie das riesig besetzte Orchester sorgen für üppig gefüllte Bühnen.

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. sind seit über 240 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater-und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

Wirtschaftliche Situation  –  Hoher selbst-Erwirtschaftungsgrad

Ein voller Saal ist überlebenswichtig für die Musikalische Akademie, die sich fast ausschlie~lich über den Verkauf von Eintrittskarten und Abonnements finanziert. Alle laufenden Kosten werden zu 90 % über Ticketeinnahmen gedeckt. Eine direkte Subvention erhält der Verein bislang nicht. Mit diesen Einnahmen müssen u. a. die Miete für den Mozartsaal im Rosengarten sowie Honorare für Gastdirigentinnen und -dirigenten respektive Solistinnen und Solisten bestritten werden. Enorme Anstrengungen der Akademie haben in den letzten Jahren zu einem stetigen Besucheranstieg geführt: Dem Verein gelang es, die Besucherauslastung des Mozartsaals von 71,2 % (Stand Saison 2015/16) auf 88,2 % (Stand nach 4 Konzerten Saison 2019/20)1 zu steigern. Zuletzt durfte die Akademie jährlich 27.000 Besucherinnen und Besucher und 2.700 Abonnentinnen und Abonnenten begrüßen.

—| IOCO Aktuell Musikalische Akademie Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, 8. Akademiekonzert – 22. Juni 2021, IOCO Aktuell, 18.06.2021

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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

8. AKADEMIE-KONZERT – Musikalische Akademie – 22. Juni 2021

Das 8. Akademiekonzert 2020/21 der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. findet als Hybrid-Veranstaltung statt: Nicht nur wird das Konzert am 22. Juni 2021 um 20 Uhr live aus dem Mannheimer Rosengarten übertragen; aufgrund sinkender Inzidenzzahlen darf die Akademie zusätzlich 250 Abonnentinnen und Abonnenten im Saal willkommen heißen. Zu Gast ist Weltklasse-Geiger Augustin Hadelich, der unter der Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Soddy Sergej Prokofjews zweites Violinkonzert präsentieren wird. Zudem darf das Publikum vor Ort und Zuhause auf Strawinskys Dumbarton Oaks sowie Prokofjews erste Symphonie gespannt sein.

IOCO berichtete über das 7. Akademiekonzert – link HIER!

»Als Orchester freuen wir uns selbstverständlich sehr, dass die Ränge im nächsten Konzert nicht gänzlich leer bleiben müssen. So viele tolle Möglichkeiten das Digitale birgt: Die Energie des Publikums hat uns Musikerinnen und Musikern über die Schließzeit ungemein gefehlt«, kommentierte der Akademiepräsident Fritjof von Gagern. »Zugleich ist es sehr bedauernswert, dass bei der Personenbeschränkung in Innenbereichen nicht feiner differenziert wird die im Rosengarten durchgeführte Aerosolstudie hat bereits vor einigen Monaten eindrücklich dargestellt, dass eine Belegung von 50 % des Mozartsaals unter Einhaltung der gängigen Abstands- und Hygieneregeln als vollkommen sicher einzustufen ist. Die 250 verfügbaren Plätze für dieses Konzert haben wir nun unter unseren über 2.000 Abonnentinnen und Abonnenten ausgelost und hoffen, im Rahmen des nachgeholten 2. Akademiekonzerts Ende Juli allen Interessenten ein sanaloges Angebot: machen zu können.«

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Der Livestream beginnt am Dienstag, 22. Juni 2021, 20 Uhr auf

www.musikalische-akademie.de/digital.

Die Liveaufnahme des Konzerts steht bis einschließlich Donnerstag, 24. Juni 2021 auf der Webseite der Musikalischen Akademie zur Verfügung. Einzeltickets für den Livestream können über die Musikalische Akademie für 15 erworben werden. Abonnentinnen und Abonnenten der Akademiekonzerte erhalten kostenlos Zugang. 0 zahlen Schüler und Schülerinnen, Studierende sowie Menschen mit geringem Einkommen nach erfolgter Anmeldung über die Musikalische Akademie.

Musikalische Akademie – Nationaltheater-Orchester Mannheim e. V.

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. sind seit über 240 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In üblicherweise acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

—| IOCO Aktuell Musikalische Akademie Mannheim |—


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Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Alexander Soddy – verlässt 2022 das NTM, 27.05.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

Alexander Soddy – verlässt das NTM Ende 2022

Alexander Soddy, Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim, verlässt das Haus zum Ende der Spielzeit 2021/2022, um sich national und international neuen künstlerischen Herausforderungen zu stellen. Die Findungskommission, die mit seiner Nachfolge betraut ist, musste aufgrund der Pandemie ihre Arbeit aussetzen und hat diese vor Kurzem wieder aufnehmen können, sodass zur Spielzeit 2023/2024 ein*e Nachfolger*in gefunden sein wird.

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Durch die Besonderheit, dass das Nationaltheater Mannheim seine*n Generalmusikdirektor*in traditionell der Musikalischen Akademie zur Verfügung stellt, gilt es in der Spielzeit 2022/2023 diese Lücke zu schließen, um eine exzellente und kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten. Daher haben der Akademievorstand gemeinsam mit der Opernintendanz die Idee entwickelt, Alexander Soddy zu bitten, in der genannten Saison als »Chefdirigent der Akademiekonzerte« zu fungieren. Kulturbürgermeister Michael Grötsch: »Es freut mich, dass es dem Nationaltheater gelungen ist, Alexander Soddy für eine weitere Spielzeit als Chefdirigent zu verpflichten. So bleibt der Stadt Mannheim für zwei weitere Jahre ein hervorragender Musiker und Dirigent erhalten, der in den letzten Jahren den Klang des Orchesters entscheidend mitgeprägt hat. Zudem erhält Soddy durch das Angebot nicht nur künstlerisch eine große Wertschätzung, sondern es zeigt auch, wie eng er mit dem Haus und seinem Ensemble verbunden ist.«

NTM – 2016 Generalmusikdirektor Alexander Soddy – stellt sich vor
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Alexander Soddy, Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim: »Ich kann bereits heute sagen, dass für mich die Jahre in Mannheim ein ganz entscheidender, wenn nicht der entscheidende Moment in meinem künstlerischen Werdegang sind. Die gemeinsame Arbeit mit diesem hochmotivierten engagierten Orchester war eine einzigartige Gelegenheit für uns alle, uns weiterzuentwickeln und an den großen Aufgaben des Repertoires zu wachsen. Richard Wagner sagt in seinem Rheingold „Wandel und Wechsel liebt, wer lebt“. Das gilt im Grunde für jeden, der künstlerisch tätig ist, für ein Orchester ebenso wie für den musikalischen Leiter. Die Entwicklung des letzten Jahres hat noch deutlicher gezeigt, dass wir die gemeinsame Arbeit zu einem Moment beenden, wo es am Schönsten ist. Sicher ist vieles Stückwerk geblieben, sicher konnte so manches schön Geplante nicht umgesetzt werden. Umso schöner ist es nun, dass wir im Konzertbereich die gemeinsame Arbeit noch ein weiteres Jahr fortsetzen können und vielleicht einiges abgerundet werden kann, was wir uns zu Beginn der Zusammenarbeit vorgenommen haben.«

Fritjof von Gagern, Akademiepräsident und Solocellist im Orchester betont: »Dass Alexander Soddy der Musikalischen Akademie nach Auslaufen seines Vertrags 2021/22 eine weitere Saison als Chefdirigent verbunden bleibt, könnte uns nicht glücklicher stimmen. Er ist ein kluger und empathischer Dirigent mit vortrefflichen Instinkten: Gemeinsam konnten wir einen Orchesterklang gestalten, der unseren Idealvorstellungen als Klangkörper voll und ganz entspricht.«    Auch Albrecht Puhlmann, Opernintendant, schließt sich dem an und ergänzt: »Ich schätze Alexander Soddy und seine Arbeit sehr, daher freue ich mich besonders darüber, dass wir ihn für eine weitere Saison als Chefdirigenten der Akademiekonzerte gewinnen konnten. So bleibt er auch uns in der Oper als wichtiger künstlerischer Gesprächspartner erhalten.«

Alexander Soddy –  Biografie

Der britische Dirigent Alexander Soddy, *1982 in Oxford, ist seit der Spielzeit 2016/17 Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim. Dessen programmatischen Schwerpunkt im klassischen deutschen und italienischen Opernrepertoire (Die Meistersinger von Nürnberg, Aida, Die Frau ohne Schatten u. v. a.) erweiterte er konsequent. Beispielhaft seien die überregional gefeierten Neuinszenierungen von Pelléas et Mélisande und Peter Grimes genannt. Sein Mannheimer Engagement führt er über seine Zeit als Generalmusikdirektor als Chefdirigent der Akademiekonzerte bis 2022/23 fort. Des Weiteren nimmt er zahlreiche Konzertverpflichtungen in Deutschland, Asien, der UK, der USA sowie der Schweiz wahr. Sein Debüt am Covent Garden ist geplant.

In vergangenen Saisons hatte Alexander Soddy regelmäßig Dirigate an der Bayerischen Staatsoper München (Die Zauberflöte, La Bohème) und der Staatsoper Unter den Linden, Berlin (Die Zauberflöte, La Bohème, Der Freischütz). Nach seinem erfolgreichen Debüt (»l Barbiere di Siviglia) dirigierte er diese Saison die Wiener Staatsoper mit Elektra, Salome und kehrt im Juni mit Carmen zurück. An der Metropolitan Opera konnte er 2017 mit La Bohème große Erfolge feiern. In der nächsten Saison präsentiert er ebenda Madama Butterfly. Weitere Gastengagements führten ihn an die Royal Swedish Opera Stockholm (La Bohème, Madama Butterfly), die Semperoper Dresden (Der Freischütz) und an die English National Opera in London (A Midsummer Night’s Dream). 2014/15 erfolgte sein Debüt an der Oper Frankfurt und Oper Köln. Mit Werken von Schönberg und Martin kehrt er im Herbst 2021 an die Oper Frankfurt zurück und mit Fidelio an die Staatsoper Berlin.

Alexander Soddy wurde in im Dezember 1982 Oxford geboren und erhielt seine Ausbildung an der Royal Academy of Music sowie der Cambridge University. Nach seinem Abschluss 2004 wurde er Repetitor und Kapellmeister am National Opera Studio in London. Von 2010 bis 2012 war er als Kapellmeister an der Hamburgischen Staatsoper engagiert; von 2013 bis 2016 war er Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, EINSAM – Akademie DIGITAL, IOCO Kritik, 18.02.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

MUSIKALISCHE AKADEMIE

Akademie Digital –  Online Recital mit Solisten  des NTO

EINSAM  –  Werke von Bach bis Messiaen – 8.02.21

von Uschi Reifenberg

„Musik gibt uns Hoffnung und kann da wirken wo sie am meisten gebraucht wird“, äußert sich Fritjof von Gagern, der Vorsitzende der Musikalischen Akademie und Solocellist des Nationaltheater-Orchester Mannheim (NTO)  im Zusammenhang mit dem neuen Streaming Format „Akademie Digital“.

Die vom Publikum und den Orchestermusikern gleichermaßen schmerzlich vermissten Akademiekonzerte im Mannheimer Rosengarten werden nun um ein neues Online Format ergänzt, in welchem Orchestermitglieder Inhalte und Themen zur Sprache bringen wollen, die ihnen in den aktuell schwierigen Zeiten besonders „unter den Nägeln brennen“.

In dieser krisenhaften Situation der Stille erwachsen der Konzert- und Theaterlandschaft durch den digitalen Wandel aber auch spannende Möglichkeiten der produktiven Erweiterung. Der Paradigmenwechsel markiert möglicherweise nicht nur tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen in der Zukunft, sondern kann auch Freiräume für neue Wege und Ideen schaffen.

In diesem Sinne ließen sich fünf Orchestermusiker der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchester zum brandaktuellen Thema des ersten Konzertabends: „Einsamkeit“ inspirieren.

Hochkarätige Instrumentalsolisten präsentierten sich mit Werken von Bach bis Messiaen. Das musikalische Programm wurde durch Texte von Ingeborg Bachmann, Rainer Maria Rilke, Eduard Mörike, Mascha Kaléko und Lars Gustafsson bereichert, gelesen von Opernintendant Albrecht Puhlmann.

Im dunklen Zuschauerraum, spärlich beleuchtet, vor bedrückend leeren Stuhlreihen, platzieren sich nacheinander die Solisten vor ihren Notenpulten. Nichts stört den Vortrag, nichts lenkt ab, die Musiker sind allein mit sich und ihrem Instrument und treten in virtuellen Dialog mit dem Zuschauer. Die Kamera schwenkt immer wieder durch die verlassenen Sitzreihen und schafft bei der Fokussierung auf die Solisten an den entsprechenden Stellen Augenblicke von großer Nähe oder auch Distanz.

Den Rahmen bildet Musik von Johann Sebastian Bach, jeweils mit zwei Solosuiten für Violoncello. Zu Beginn erklingt die 6. Cellosuite in einer Bearbeitung für Viola, am Ende die 4. Suite.  „Bach ist für mich Anfang und Ende aller Musik“, lautet ein Zitat von Max Reger, das an diesem Konzertabend auf ergreifende Weise erlebbar wird.

MUSIKALISCHE AKADEMIE Mannhein / EINSAM - Akademie digital hier Julien Heilchelbach © Annemone Taake

MUSIKALISCHE AKADEMIE Mannhein / EINSAM – Akademie digital hier Julien Heilchelbach © Annemone Taake

Julien Heichelbech taucht mit den ersten drei Sätzen der letzten und vielleicht schwierigsten Suite tief in den Geist des Bach‘schen Kosmos ein. Mit vollendeter Spieltechnik und weit gefächertem Klangspektrum lässt er seine Bratsche im ersten Satz innig aufleuchten und gestaltet die lang gedehnten weiträumigen Phrasen in der „Allemande“ mit melancholischem, meditativem Gestus. Tänzerisch- leichtfüßig werden fein ziselierte Verzierungen stilsicher integriert. Es entstehen Momente großer Innerlichkeit und Weltabgewandtheit, aber auch tröstlicher Zuversicht.

Gedenkmuschel für Benjamin Bitten am Strand seines Heimatorts Snape Malting © IOCO

Gedenkmuschel für Benjamin Bitten am Strand seines Heimatorts Snape Malting © IOCO

Mit Benjamin Brittens Six Metamorphoses after Ovid für Oboe solo opus 49 lässt Daniela Tessmann die besondere poetische Qualität dieser individuellen Charakterstücke lebendig werden. Jeder der sechs Sätze ist einer Figur der griechischen Mythologie gewidmet, die eine eigene Verwandlung durchmacht, Britten ergänzt diese um eine kurze inhaltliche Zusammenfassung. Mit klagendem spannungsreichen Gestus wird der Hirtengott „Pan“ beschworen, der auf der „Syrinx“ spielt, und um seine verlorene Geliebte trauert. Mitreißend gelingt die weinselig- heitere Stimmung des „Bacchus“ mit seinen kreisenden Motiven und gezackten Rhythmen. Im elegischen „Narzissus“ und dem an Spielfiguren und Trillern reichen letzen Satz“ „Arethusa“ bringt Daniela Tessmann das Klangspektrum der Oboe ideal zur Geltung.

In den Gedichten „Die gestundete Zeit“ von Ingeborg Bachmann und „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke und Eduard Mörike „Um Mitternacht“ werden Gefühle der Endlichkeit, Begrenzung und der Hoffnungslosigkeit thematisiert.

Die Harfensonate von Paul Hindemith, 1939 komponiert, gilt als richtungsweisendes Werk der modernen Harfenliteratur. Diese exklusive dreisätzige Komposition ist von herber Schönheit und reizt alle spieltechnischen und klanglichen Möglichkeiten der Harfe aus.
Eva Wombachers hinreißend sensibles Spiel verzaubert mit einer großen Farbpalette, klanglicher Raffinesse und eindrucksvoller Virtuosität. Die Künstlerin scheint mit ihrem Instrument innere Zwiesprache zu halten. Verinnerlicht, fast in meditativer Versunkenheit zelebrierte die Künstlerin den elegischen dritten Satz der Sonate, den Hindemith nach einem Trauergedicht von Ludwig Hölty mit „Lied“ überschrieb.

Olivier Messiaen schrieb „Quatuor pour la fin de temps“ – Das Quartett auf das Ende der Zeit – 1941 in deutscher Kriegsgefangenschaft in Görlitz, wo dieses legendäre Kammermusikwerk auch uraufgeführt wurde. Der gläubige Katholik Messiaen, inspiriert von der Offenbarung des Johannes, beschwört hier die Vision des Engels der Apokalypse, der das Ende aller Zeit verkündet. Der dritte Satz „Abîme des oiseaux“, der Abgrund der Vögel, für Klarinette solo, wurde von Patrik Koch auf erschütternde Weise zelebriert. Der Klarinettist spürt den Abgründen der Zeit in ihrer Düsternis und Melancholie ebenso nach als auch den zwitschernden, flirrenden Vogelrufen auf ihrem Weg zum Licht. Mit hingehauchten ätherischen Tönen, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und schneidenden, fast aggressiven Fortissimi vermittelt er eindrucksvoll die Grenzerfahrung des Messiaenschen Klangmysteriums.

Vor dem letzten Programmpunkt liest Albrecht Puhlmann das Gedicht „Vagabundenspruch“ von Mascha Káleko, das Aufbruchstimmung und einen möglichen Neuanfang schildert und „Die Stille der Welt vor Bach“von Lars Gustafsson.

Fritjof von Gagern setzt den gewichtigen Schlusspunkt mit der vierten Cellosuite von Johann Sebastian Bach, die in der für Streicher unbequemen Tonart Es-Dur geschrieben ist. Er begeistert mit großem Gestaltungswillen, geht das „Prélude“ mit vitalem, rhythmisch pointiertem Zugriff an, und macht die unbändige Energie deutlich, die dieser Musik innewohnt. Die ruhige, kontemplative „Allemande“ mit frei atmenden Melodiebögen und erlesener Klangkultur dargeboten. Mit temporeichem, leidenschaftlich engagiertem Spiel und plastischer Artikulation wird die Gigue in der Darstellung des Cellisten zum groß angelegten Finalsatz.

Nach Verklingen des letzten Tones folgt eine lange Pause. Fritjof von Gagern steht auf, lehnt sein Cello an seinen Stuhl und geht aus dem Saal. Die Kamera zeigt den dunklen Raum und die leeren Sitzreihen. Zurück bleibt das einsame Instrument.


—| IOCO Kritik Musikalische Akademie |—


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