Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Spielplan Mai 2019

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel


Premieren im Mai


Premiere Tanz

Evolution

Choreografien von Liliana Barros und Stephan Thoss

Musik von Jacques Offenbach, Georges Bizet, Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi, Bernd Alois Zimmermann u. a.

Premiere am Donnerstag, 23. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Weitere Vorstellung am 12. Juli

Wir empfinden unsere Zeit als hochentwickelt und ein Abebben des Fortschrittsverlangens ist nicht spürbar. Doch wie vollzieht sich Entwicklung? Kann sich ein Einzelner in völliger Isolation weiterentwickeln oder braucht der Wechsel die Provokation durch ein Gegenüber, lassen sich kreative Prozesse in einer Gemeinschaft leichter realisieren? Mit diesen Fragen setzt sich die portugiesische Choreografin Liliana Barros in ihrer Kreation für »Evolution« auseinander und erforscht sie in körperlicher Dimension. Stephan Thoss hingegen konzentriert sich in »bellulus« auf den Moment der Stagnation und wählt als Motiv den ewigen Kreislauf des Opernrepertoires: Ein Ensemble personifizierter Opernarien in schon etwas angeschimmelten Roben räkelt sich auf einem staubigen, überdimensionalen Sofa und schwelgt in altbekannten Melodien. Selbstverliebt haben die Figuren in ihrer überheblichen Art den Anschluss an eine neue Zeit verpasst und entgehen der aufregenden Möglichkeit, sich zu verändern, wach zu bleiben und neue Wege zu entdecken. Wer den »Bolero« im Spielplan vermisst, wird Stephan Thoss’ feinen Sinn für Humor in »bellulus« wieder finden.

Choreografie & Kostüme Liliana Barros / Stephan Thoss Bühne Liliana Barros / Arne Walther Licht Wolfgang Schüle / Stephan Thoss

Mit Tanzensemble des NTM


Premiere Schauspiel

Wir

nach dem Roman von Jewgenij Samjatin

Liebesgeschichte aus der Zukunft

Premiere am Freitag, 24. Mai 2019, 20.00 Uhr, Studio Werkhaus

Die ferne Zukunft. Die letzten Menschen leben innerhalb der Mauern des »Einzigen Staates« und sind heilfroh, sich nicht mehr mit überholten Konzepten wie Liebe und Freiheit abmühen zu müssen. So kann sich auch D-503, Konstrukteur des Raketenschiffs »Integral«, nichts Besseres vorstellen, als eine perfekte Nummer im Kollektiv zu sein, sein rosa Billett beim streng geregelten intimen Kontakt abzugeben und durch die gläsernen Wände seiner Wohnung die heile, logische Welt zu betrachten.

Bis er sich in die mysteriöse Nummer I-330 verliebt. Mit einem Mal sind da alle diese Emotionen, diese aufregenden Geheimnisse. Entscheidet sich D-503 am Ende doch gegen den vorgegebenen Lebensentwurf?

Jewgenij Samjatin schrieb »Wir« bereits 1920, lange bevor Huxley, Bradbury oder Orwell mit ihren düsteren Zukunftsvisionen berühmt wurden. Roscha A. Säidow, derzeit Artist-in-Residence am Puppentheater Magdeburg, hat sich als formstarke Geschichtenerzählerin einen Namen gemacht und bringt Samjatins vergessenen Klassiker der Science-Fiction-Literatur als musikalische Mischung aus Schauspiel und zeitgenössischem Figurentheater auf die Bühne.

Regie Roscha A. Säidow Bühne & Kostüme Julia Plickat Musik Fabian Kalker Licht Björn Klaassen Dramaturgie Sascha Hargesheimer

Mit Rocco Brück, Sarah Zastrau, Viktoria Miknevich


Premiere Oper

Pelléas et Mélisande

Claude Debussy

Premiere am Samstag, 25. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus

Weitere Vorstellungen am 29. Mai und 2. Juni

In einem düsteren Wald trifft Golaud, der Enkel des Königs von Allemonde, auf die mysteriöse Mélisande, nimmt sie mit in seine Heimat und macht sie zu seiner Frau. Doch als sein Bruder Pelléas die geheimnisvolle Schönheit kennenlernt und sich beide ineinander verlieben, nimmt das Schicksal seinen unheilvollen Lauf. Claude Debussys Vertonung des symbolistischen Theatertextes von Maurice Maeterlinck ist seine einzige vollendete Oper. Die von ihm geschaffene Klangwelt steht ganz im Dienst der märchenhaften Ereignisse und der vom Schicksal getriebenen Figuren. Regisseur Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin, landete mit seiner Interpretation von Debussys Meisterwerk einen Inszenierungscoup, der nach Aufführungen in Berlin nun am NTM mit Mannheimer Ensemblemitgliedern neu einstudiert wird. Kosky übersetzt die Oper in ein psychologisch tiefenscharfes Kammerstück, das die erschütternde Zeitlosigkeit einer tragischen Beziehungskonstellation offenlegt.

Eine Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin

In Kooperation mit dem Institut français Mannheim.

Musikalische Leitung Alexander Soddy Regie Barrie Kosky Bühne & Licht Klaus Grünberg Co-Bühnenbildnerin Anne Kuhn Kostüm Dinah Ehm Dramaturgie Johanna Wall / Julia Warnemünde

Mit Raymond Ayers (Gast), Astrid Kessler, Joachim Goltz, Patrick Zielke, Marie-Belle Sandis, Ilya Lapich


Alphabet-Tage – Singen für alle!


Ladysmith Black Mambazo

Der beste Chor Südafrikas – ausgezeichnet mit 5 Grammys

Nur am Freitag, 3. Mai, 20.00 Uhr, Opernhaus

Stars im NTM: Weltweite Bekanntheit erreichte die Männer-a-capella-Gruppe aus dem südafrikanischen Township Ladysmith im Jahr 1986, als Paul Simon den Chor für sein Album »Graceland« gewann. Doch bereits seit 1964 pflegt diese herausragende Sängerformation die afrikanischen Gesangstraditionen des Mbube und des Isicathamiya. Im Laufe seiner beeindruckend langen Karriere beschäftigte sich der Chor immer wieder auch mit Werken der europäischen Klassik und der Popmusik.

Ihr einmaliger Sound brachte ihnen diverse Auszeichnungen ein, darunter fünf Grammys. Den letzten widmete die Gruppe dem ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela, den sie bereits 1993 zur Verleihung des Friedensnobelpreises begleiteten.

Mit Ladysmith Black Mambazo


Singen für alle!

Ein Tag des Gesangs mit Chorkonzerten, Workshops und Vorträgen

Nur am Samstag, 4. Mai, 11.00 bis 18.00 Uhr, Oberes Foyer & andere Orte

An diesem Tag sollen die Foyers und Bühnen des Nationaltheaters von Gesängen widerhallen – wir haben ausgewählte Chöre Mannheims eingeladen, Kostproben ihres Könnens zu geben. Daneben wird es Workshops und Vorträge geben: Wie geht gutes Einsingen? Was unterscheidet die verschiedenen musikalischen Stile und wie erlernt man sie? Kann man auch ohne Chorleiter gemeinsam singen? Die Liste der Fragen rund um das Thema »Singen« kann mit Sicherheit fortgesetzt werden, und wir werden an diesem langen Samstag nicht Antworten auf alle Fragen finden. Sicher ist aber auch: Es wird ein großer Spaß werden.

MITMACHEN
Ganz gleich, ob blutiger Anfänger oder erfahrenes Goldkehlchen, jede/r kann teilnehmen.

Eintritt: 5 €
Anmeldung unter: info@alphabet-oper.de

WORKSHOPS:

»Große Opernchöre«
Mit dem NTM-Opernchordirektor Dani Juris (Mannheim)

»Chorimprovisation und Bodypercussion«

Mit Uschi Krosch (Hamburg)»Orientalischer Chorgesang«
Mit Mehmet C. Ye?ilçay (München)

»Maestri piccolini«
Kinderchor NTM einmal anders
Mit dem NTM-Kinderchor und Leiterin Anke-Christine Kober

KONZERTE MIT:
Chor für Geistliche Musik Ludwigshafen, Junger Kammerchor Mannheim, Kammerchor des Stadtdekanates Ludwigshafen Coro Piccolo, JungerChor TakeFour, 4×4 Frauenchor der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, Kammerchor der Musikschule Mannheim, Joyful Voices Das Rote Mikrofon, Jugend-KANTOREI Vogelstang, The Celebration Gospel Choir, Kammerchor Cantabile, Alphabet-Chor


Orchesterkaraoke

»Selten war der Befund, der Saal koche, so angebracht. Und selten verließ man ein Theater so uneingeschränkt gut gelaunt.« (Spiegel Online)

Nur am Samstag, 4. Mai, 19.00 Uhr, Opernhaus

Mit der Mannheimer »Orchesterkaraoke« wird der weltweit populäre Freizeitspaß neu definiert. Hier singen Unerschrockene in Begleitung des spätromantisch besetzten Mannheimer Stamitz-Orchesters und des 100-köpfigen Alphabet-Chores den Popsong ihrer Wahl. Eine Konzertshow, die nicht nur den einzelnen Sängern die begehrten »fünf Minuten Ruhm« verspricht, sondern auch die übrigen Zuschauer in derartig ekstatische Stimmung versetzt, dass selbst die verschämtesten »heimlich unter der Dusche-Sänger« aus voller Kehle mitsingen.

Diese ultimative Begegnung von Hoch- und Populärkultur hat zuletzt in der Elbphilharmonie in Hamburg über 3.000 Zuschauer begeistert. Am 4. Mai verwandelt sich das Opernhaus in eine Karaoke-Bar der Extraklasse.

Mit Alphabet-Chor, Stamitz-Orchester Mannheim, Jan Dvorak (Dirigat), Matthias von Hartz (Moderation), Jan Wulf (lebende Karaokemaschine), Joe Völker (Choreinstudierung)


Festlicher Opernabend


Don Carlo

Giuseppe Verdi

mit Marina Prudenskaja als Eboli und Ludovic Tézier als Posa

Nur am Samstag, 18. Mai, 19.00 Uhr, Opernhaus

Wenn Marina Prudenskaja eine Rolle übernimmt, tut sie das mit Haut und Haaren. In aller Welt macht die in St. Petersburg geborene Mezzosopranistin mit ihren Wagner- und Verdi-Interpretationen von sich reden. Jetzt ist sie als liebeskranke Prinzessin Eboli zu Gast am NTM. Als Marquis Posa tritt ihr der international gefragte Bariton Ludovic Tézier gegenüber. Mit diesen Ausnahmekünstlern ist Gänsehaut garantiert.

Mit freundlicher Unterstützung unseres Hauptsponsors Baden-Württembergische Bank


Französisches Wochenende


Um Jacques Offenbachs Operette »Orpheus in der Unterwelt« und Debussys Opern »House of Usher« und »Pelléas et Mélisande« rundet ein Rahmenprogramm dieses thematisch dem Nachbarland Frankreich gewidmete Wochenende ab.

House of Usher
Musiktheater nach Debussy und E.A. Poe von Anna Viebrock
Am Freitag, 31. Mai, 19.30 Uhr, Opernhaus – Kurzeinführung um 19.00 Uhr im Oberen Foyer
Anschließend Nachgespräch mit Mitgliedern des Teams im Oberen Foyer

Orpheus in der Unterwelt
Jacques Offenbach

Am Samstag, 1. Juni, 19.30 Uhr, Opernhaus – Kurzeinführung um 19.00 Uhr im Oberen Foyer
Anschließend Chansons und Häppchen im Theatercafé

Musikalische Matinée mit Elias Corrinth
zu »Pelléas et Mélisande« von Claude Debussy
Am Sonntag, 2. Juni, 11.00 Uhr, Theatercafé

Pelléas et Mélisande
Claude Debussy
Am Sonntag, 2. Juni, 18.00 Uhr, Opernhaus – Kurzeinführung um 17.30 Uhr im Oberen Foyer


Musiksalon


Musiksalon // Lied: »Das Buch der hängenden Gärten«

Liederabend mit Thomas Berau und Elias Corrinth

Am Samstag, 11. Mai 2019, 20.00 Uhr, Montagehalle Werkhaus

Ein junger Prinz betritt einen paradiesischen Garten und findet die Erfüllung seiner Sehnsüchte mit der Geliebten in einem Blumenbett. Doch die Geliebte verlässt den Jüngling und mit ihrem Weggang verfällt auch der Garten seiner Träume. 15 Gedichte aus dem »Buch der hängenden Gärten« des Dichters Stefan George wählte Arnold Schönberg für seinen Liedzyklus aus. Dabei fokussiert er sich nicht auf die detailreiche Beschreibung der Verwandlung der Liebenden und ihres Paradieses. Jedes Lied bringt vielmehr einen Gedanken, eine Atmosphäre zum Ausdruck. Und noch während Schönberg in den Jahren 1908 bis 1909 an seinem Zyklus arbeitete, war ihm bewusst, dass er eine neue Phase seines künstlerischen Schaffens beschritt: »Mit den George- Liedern ist es mir zum erstenmal gelungen, einem Ausdrucks- und Formideal nahezukommen, das mir seit Jahren vorschwebt.« Der beliebte Ensemblesänger Thomas Berau und Pianist Elias Corrinth nähern sich Schönbergs Liederzyklus mit großem Feingefühl für die besondere, fragile Architektur des Werkes.

Mit Thomas Berau (Bariton), Elias Corrinth (Klavier)


Musiksalon // Szene: Caspars Wolfsschlucht
Soloprogramm mit Patrick Zielke und Kapelle

Am Samstag, 18. Mai 2019, 20.00 Uhr, Casino Werkhaus

»Fort! Stürzt das Scheusal in die Wolfsschlucht!«, so heißt es am Ende des »Freischütz«, nachdem Caspar, von seinen eigenen Freikugeln getroffen, zu Boden gegangen ist. Was hat man ihm nicht alles angehängt: Er habe den braven Max zum Bösen verführt, stelle seiner Braut nach, gieße immer treffende Freikugeln, sei letztlich ein Teufelsanbeter. Das letzte, woran er sich erinnern kann, ist der Sturz in die verrufene Schlucht. Dann wurde es schwarz vor seinen Augen.

Nachdem er nach einer längeren Ohnmacht in unserem Theater-Casino wieder aufgewacht ist, bestellt er erst einmal einen Jägermeister an der Bar und beginnt seine Version der Geschichte zu erzählen. Und die weicht ziemlich vom Opernführer ab. Der charismatische Bass Patrick Zielke ist Protagonist in dieser One-Man-Show. Nachdem der ursprünglich geplante Premierentermin im November wegen Krankheit ausfallen musste, wird Zielke nun im April die Theaterkneipe zur Wolfsschlucht machen.

Mit Patrick Zielke (Gesang & Schauspiel), Jan Dvorak (Regie & Instrumente), Daniel Fritzsche (Cello), Robin Phillips (Klavier)


Musiksalon // Klassik: »Souvenir de Florence«
Streichsextette von Schönberg und Tschaikowsky

Nur am Sonntag, 26. Mai 2019, 20.00 Uhr, Oberes Foyer

Als Pjotr Tschaikowsky die Erinnerungen an seinen Aufenthalt in Florenz in Töne bannte, war er längst nach Russland heimgekehrt. Er hatte in Italien unbeschwert seine Oper »Pique Dame« komponiert und trotzdem beginnt sein einziges Streichsextett dramatisch, emotional aufgewühlt; es verkehrt sich bald ins Gespenstische, in romantisches Zwielicht. Der Selbstmord des Protagonisten seiner Oper versetzte Tschaikowsky derart in Aufregung, dass sein »Souvenir de Florence« ein echtes Nachtstück wurde.

Noch hitziger und noch düsterer ist Arnold Schönbergs Vertonung der Verse von Skandaldichter Richard Dehmel, der das Geständnis einer jungen Frau auf einem nächtlichen Spaziergang beschreibt. Während es das Publikum der Uraufführung spaltete, gehört das Sextett aus Schönbergs tonaler Phase heute zu seinen meistgespielten Werken. Das Ensemble um NTO-Solocellist Fritjof von Gagern und Solobratscher Julien Heichelbech finden darin den idealen Sound für eine der ersten schwülen Mannheimer Sommernächte.

Mit Covadonga Alonso (Geige), Fritjof von Gagern (Cello), Julien Heichelbech (Bratsche), Marie-Claudine Papadopoulos (Geige), Alexandre Vay (Cello), Baptiste Vay (Bratsche)


Schauspiel Extra


Besser Scheitern – Stücke aus dem Papierkorb
Lesung

Am Donnerstag, 2. Mai 2019, 20.00 Uhr, Lobby Werkhaus

Scheitern als Chance: Zu Gast in dieser Ausgabe der Lesereihe ist der Autor, Musiker und Hörspielproduzent Dominik Busch mit seinem Text »Flugangst«.

In Kooperation mit dem Theaterhaus G7


Robert Seethaler – »Das Feld«
Lesung

Am Montag, 27. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Was bleibt von einem Leben? Eine Geschichte oder die Erinnerung an einen Moment, an ein bestimmtes Gefühl? Nach »Ein ganzes Leben« ein weiterer Bestseller von Robert Seethaler.
Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen? Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Eine erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte siebenundsechzig Männer, doch nur einen hat sie geliebt. Und einer dachte: Man müsste mal raus hier. Doch dann blieb er.

In Robert Seethalers neuem Roman »Das Feld« geht es um das, was sich nicht fassen lässt. Es ist ein Buch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zum Roman einer kleinen Stadt und zu einem Bild menschlicher Koexistenz.


Casino Performance: Der Blockbuster Teil 4
Am Mittwoch, 29. Mai 2019, 22.00 Uhr, Casino Werkhaus

Die großen Kino-Mythen im kleinsten Raum! Schauspieler Robin Krakowski und weitere Ensemblemitglieder zeigen in Folge 4 der Serie einmal mehr, was die Essenz der großen Blockbuster ist. Wiedererkennungseffekt und großer Spaß garantiert!


Wiederaufnahmen im Mai


Oper

Don Carlo
Giuseppe Verdi

Wiederaufnahme am Sonntag, 5. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus
Weitere Vorstellungen am 10., 18., 20. und 24. Mai

Der spanische Infant Carlo und Elisabeth von Valois lieben sich. Doch König Philipp II. nimmt Elisabeth aus politischen Gründen selbst zur Frau und macht aus der Braut des Sohnes dessen Stiefmutter. Der Marquis von Posa versucht, seinen besten Freund Carlo für den Freiheitskampf der Provinz Flandern zu interessieren und ihm damit über den Liebeskummer hinwegzuhelfen. Doch das Wirken der Prinzessin Eboli, die Elisabeth aus vergeblicher Liebe zu Carlo beim König verleumdet, das gnadenlose Vorgehen der Inquisition und die aufwändige Intrige, die Posa für die Idee der Freiheit initiiert, verhindern eine Erfüllung der politischen und privaten Ziele.

Verdi hat nach der Vorlage von Schillers Drama eine seiner farbenreichsten Partituren geschaffen. In Jens-Daniel Herzogs Inszenierung aus dem Jahr 2013 treffen historische Zitate auf eine moderne Formen- und Farbwelt.

Mit Sung Ha (Philipp II.), Irakli Kakhidze (Don Carlo), Nikola Diskic (Rodrigo, Marquis von Posa), KS Thomas Jesatko (Großinquisitor), Miriam Clark (Elisabeth), Julia Faylenbogen (Prinzessin Eboli), Amelia Scicolone (Tebaldo), Koral Güvener (Graf von Lerma / Herold), Dominic Barberi (Mönch), Natalija Cantrak (Stimme)


Tosca
Giacomo Puccini

Wiederaufnahme am Donnerstag, 30. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus
Weitere Vorstellungen am 9., 19. und 29. Juni

Ein atemberaubender Thriller aus einer spannungsgeladenen Zeit: Rom um 1800. Die skrupellose Geheimpolizei unter Baron Vitello Scarpia schreckt bei der Verfolgung politischer Gegner vor Folter und Mord nicht zurück. Die Sängerin Floria Tosca gerät in die Fänge dieser Maschinerie, als ihr Geliebter, der Maler Cavaradossi, dem wegen Hochverrats eingekerkerten Angelotti zur Flucht verhilft. Der Polizeichef Scarpia bietet Tosca zynisch die Möglichkeit, das Leben ihres Geliebten zu retten, in dem sie sich ihm hingeben soll. Um sich vor den Zugriffen Scarpias zu retten, ersticht sie ihn und hofft, nach der »Scheinhinrichtung« mit dem totgeglaubten Cavaradossi entfliehen zu können. Doch dem Sog aus Macht und Gewalt kann sie nicht entkommen. Die als »Spiel« inszenierte Hinrichtung ihres Geliebten erweist sich als Wirklichkeit. Schockiert vom Tod ihres Geliebten, entsetzt über den teuflischen Betrug des Polizeichefs und gejagt von der Polizei, gibt es für sie nur noch einen Ausweg: den Sturz von der Engelsburg.

Renate Ackermann belässt in ihrer Inszenierung von 1994 die Handlung im historischen Rahmen, während das abstrahierte Bühnenbild Hans-Martin Scholders einen allegorischen Raum der Sinnbezüge schafft.

Mit Elisabeth Teige (Tosca), Adrian Xhema (Cavaradossi), Evez Abdulla / Jorge Lagunes (Scarpia), Dominic Barberi (Angelotti), Christopher Diffey (Spoletta), Marcel Brunner (Meßner), Junchul Ye (Sciarrone), Stephan Somburg / Chi Kyung Kim (Schließer) sowie Solisten des Kinderchores (Ein Hirte)


Zum letzten Mal in der Spielzeit 2018/2019


Die vier Jahreszeiten / Empty House
Choreografien von Giuseppe Spota und Johan Inger
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit am Montag, 6. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus
Ein Abend, zwei äußerst individuelle Stücke: auf fesselnd bildstarke »Vier Jahreszeiten« folgt
choreografische Raffinesse zu ungarischen Geigenrhythmen in »Empty House«.

Zum letzten Mal
Der Elefantengeist
Lukas Bärfuss
Zum letzten Mal am Mittwoch, 8. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Er war der »schwarze Riese« der alten BRD: Helmut Kohl (1930 – 2017). Als Bundeskanzler prägte er 16 lange Jahre die Politik der Bundesrepublik. Nun wird der Pfälzer zum letzten Mal zum Ausgangspunkt einer Expedition in eine versunken anmutende Zeit.


Don Carlo
Giuseppe Verdi
Zum letzten Mal am Freitag, 24. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus

Spanien zur Zeit der Inquisition: König Philipp II. heiratet die französische Königstocher Elisabeth von Valois und setzt damit ein Familiendrama mit politischen Konsequenzen in Gang. Denn Elisabeth ist die große Liebe seine Sohnes Don Carlo. Nach Schillers Vorlage schuf Verdi eine seiner farbenreichsten Partituren. In der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog treffen historische Zitate zum letzten Mal auf eine moderne Formen- und Farbwelt.


Weitere Veranstaltungen im Mai


Fortbildung: site specific
Am Samstag, 4. Mai 2019, 10.00 Uhr, Foyer Junges NTM

Benefizgala des Wagner-Verbandes

Am Samstag, 4. Mai 2019, 18.00 Uhr, Christuskirche
Die schönsten Opernarien von Verdi, Puccini und Wagner zu einem guten Zweck: Mit dem Erlös unterstützt der Mannheimer Wagner-Verband das Internationale Opernstudio des NTM.
Musikalische Leitung Alexander Soddy Mit Nikola Hillebrand, Jelena Kordic, Eunju Kwon, Evez Abdulla, Thomas Berau, Juraj Holly


4. Familienkonzert: »Karneval der Tiere«
Camille Saint-Saëns
5+

Am Sonntag, 5. Mai 2019, 11.00 Uhr, Opernhaus
Wie klingt das eigentlich, wenn eine Schildkröte Cancan tanzt? Und welches Tier spielt auf der
Glasharmonika? Das alles gibt es beim Familienkonzert zu erleben – inklusive Schauspieler und
Live-Illustration.
Die Familienkonzerte finden im Rahmen der Jungen Oper statt. Die Junge Oper wird präsentiert von der MVV.


Club der unmöglichen Fragen
»Starke Unternehmen ohne Frauen?«

Am Donnerstag, 9. Mai 2019, 17.30 Uhr, Lobby Werkhaus

Es gibt immer noch zu wenige Frauen in Führungspositionen. Die Politik hat mit einem Quoten-Gesetz den ersten Schritt zur Chancengleichheit unternommen. Was braucht Mannheim: Gezielte Frauenförderung oder eine Quotenregelung?


Einführungssoirée: Evolution
Choreografien von Liliana Barros und Stephan Thoss
Musik von Jacques Offenbach, Georges Bizet, Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi, Bernd Alois Zimmermann u. a.
Am Donnerstag, 9. Mai 2019, 19.00 Uhr, Schauspielhaus


5. Familienkonzert: »Karneval der Tiere«
Camille Saint-Saëns
5+
Am Sonntag, 12. Mai 2019, 11.00 Uhr, Opernhaus
Wie klingt das eigentlich, wenn eine Schildkröte Cancan tanzt? Und welches Tier spielt auf der
Glasharmonika? Das alles gibt es beim Familienkonzert zu erleben – inklusive Schauspieler und
Live-Illustration.
Die Familienkonzerte finden im Rahmen der Jungen Oper statt. Die Junge Oper wird präsentiert von der MVV.


Kammerakademie
Musikalische Leitung: Sarah Christian (Violine)
Mit Julian Heichelbeck (Viola)

Am Sonntag, 12. Mai 2019, 19.30 Uhr, Opernhaus

Unter der Leitung der vielfach prämierten Geigerin Sarah Christian erklingen Mozarts »Maurerische Trauermusik«, die »Sinfonia concertante Es-Dur« und Schuberts Streichquartett »Der Tod und das Mädchen«.


Begegnung der Freunde & Förderer mit Dominic Barberi
Moderation: Albrecht Puhlmann
Am Mittwoch, 15. Mai 2019, 20.00 Uhr, Theatercafé


Workshop Liebe
Dokumentarisches Theater
Anmeldung: nationaltheater.stadtensemble@mannheim.de / Teilnahme 15 Euro
Vom 16. bis 18. Mai 2019, Probenraum, R4
Die Liebe! Im Mai, dem Monat dieses überwältigenden Gefühls, beschäftigen wir uns mit authentischem Material, wahren Objekten und Hinterlassenschaften der Liebe und bringen

sie in Kurzperformances auf die Bühne.


Extraschall: Spielraum
8+

Am Samstag, 18. Mai 2019, 15.00 Uhr, Studio Feuerwache
Was sind eigentlich Musikinstrumente? Vier Spielerinnen und Spieler erproben, wie es ist, einen ganzen Raum als Instrument zu begreifen.


Ballettabend der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim
Akademie des Tanzes

Am Sonntag, 19. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus

Lassen Sie sich nicht nehmen Ihre ganz persönlichen Favoriten zu entdecken und vielleicht eine Karriere zu verfolgen. Erleben Sie, wie junge individuelle Persönlichkeiten mit Energie, Hingabe, Ausstrahlung und großer Begeisterung sich in einem neuen, berührenden und mitreisenden Programm von Klassischem bis Modernem Tanz und eigenen Kurzchoreografien der Studierenden präsentieren.


Einführungssoirée mit Probenbesuch: Pelléas et Mélisande
Claude Debussy

Am Dienstag, 21. Mai 2019, 18.30 Uhr, Oberes Foyer


Reigen
Gastspiel der Musikhochschule Mannheim
Oper in zehn Dialogen    von Philippe Boesmans nach dem Drama von Arthur Schnitzler

Am Donnerstag, 30. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus
Zehn Personen und ihre sexuellen Verflechtungen: »Reigen« zeichnet ein Bild der Moral in der
Gesellschaft des Fin de siecle und durchwandert dabei alle sozialen Schichten vom Proletariat bis zur Aristokratie.


Ausblick Juni


Schauspiel

20. Internationale Schillertage

»Fieber«
Vom 20. bis 30. Juni 2019
u.a. mit:

Maria Stuart
Königinnendrama von Friedrich Schiller
Eröffnungspremiere am Donnerstag, 20. Juni 2019, Schauspielhaus

Tram 83

nach dem Roman von Fiston Mwanza Mujila
Deutsche Erstaufführung am Freitag, 21. Juni 2019, im Club »Disco Zwei«


Junges NTM


MonsterzottelMonsterburger
8+
Uraufführung am Freitag, 14. Juni 2019, Studio Feuerwache

Investiert Euch!
Eine Inszenierung der Jungen Bürgerbühne
13+
Uraufführung am Sonntag, 23. Juni 2019, Stadtraum


—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Heidelberg, Theater Heidelberg, Benjamin – Oper von Peter Ruzicka, IOCO Kritik, 29.03.2019

März 29, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Heidelberg

Theater Heidelberg © Thomas Ott

Theater Heidelberg © Thomas Ott

Theater und Orchester Heidelberg

Das Theater Heidelberg im Zentrum der Stadt am Neckar ist ein Fünf-Sparten-Haus mit Musiktheater, Konzert, Schauspiel und Tanz sowie einem eigenen Ensemble für Kinder- und Jugendtheater. Seit 2005 gehört auch das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg zum Theater und bildet eine eigene Sparte mit zahlreichen Konzerten sowie der Begleitung von Operninszenierungen. Intendant ist seit der Spielzeit 2011|12 Holger Schultze.

Das Theater Heidelberg wurde vom Stadtbaumeister Friedrich Lendorf im spätklassizistischen Stil erbaut und am 31. Oktober 1853 mit einer Aufführung von Friedrich Schillers Die Braut von Messina eröffnet. Im 19. Jahrhundert erweiterte man das Gebäude und baute es mehrmals um. 1924 wurde es innen und außen umgestaltet und 1925 mit Johann Wolfgang Goethes  Egmont  wiedereröffnet. 1978|79 erfolgte eine weitere Restaurierung, 1990 eine Foyer-Erweiterung, wobei der Zustand von 1924 wiederhergestellt wurde. 2006 wurde das Theater wegen erheblicher baulicher Mängel geschlossen. Im August 2009 wurde mit der Sanierung des Theaters sowie einem Theaterneubau begonnen. Der neue, große Saal des Theaters, Marguerre-Saal, fasst 600 Zuschauer.

Die neueste Sanierung umfasst den gesamten Komplex des Theaters. Der denkmalgeschützte Zuschauerraum in der Theaterstraße 8 und die historischen Gebäude Theaterstraße 4, 6 und 10 sowie das denkmalgeschützte Haus in der Friedrichstraße 5 wurden in einen modernen Theaterbau integriert. Das Theater wurde darüber hinaus um einen neuen zweiten Saal erweitert. Beide Bühnen verfügen über unabhängige Zugänge für das Publikum. Darüber hinaus gibt es die externen Spielstätten Zwinger 1, vorwiegend für Schauspiel- sowie kleinere Tanz- und Opernproduktionen und als Bühne für das Junge Theater Heidelberg den Zwinger 3.

Benjamin – Oper von Peter Ruzicka

– Im Angesicht des Todes –

von Hanns Butterhof

Das Theater Heidelberg hat als zweites Theater nach Hamburg, wo im Juni 2018 die Uraufführung stattfand, das Musiktheater in sieben Stationen „Benjamin“ von Peter Ruzicka (Musik) und Yona Kim (Libretto) auf die Bühne gebracht. Mit Benjamin lassen Ruzicka und Kim den Philosophen Walter Benjamin (1892 – 1940) kurz vor seinem Tod im spanischen Grenzort Portbou in sieben Stationen auf sein Leben zurückblicken. Für das Publikum bleiben viele Fragen offen.

Benjamin  –  Oper von Peter Ruzicka
youtube Trailer des Theater Heidelberg
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Im Angesicht des Todes, so heißt es, blitzen dem Sterbenden noch einmal entscheidende Stationen seines Lebens auf. Die Stationen des Stücks zeigen Walter Benjamin (Miljenko Turk), einen Säulenheiligen der antiautoritären 68er-Bewegung, kurz vor seinem Tod wesentlich in den aufblitzenden Beziehungen zu anderen, für ihn wichtigen Personen; alle werden nur mit Vornamen und abgekürzten Nachnamen genannt, sind aber deutlich identifizierbar.

Die Walter Benjamin Gedenkstätte in Portbou, Spanien – LINK HIER

Wie in einer inneren Dialektik folgt auf die These einer Person stets die Gegenthese, ohne dass es zu einer Synthese kommt. So rät ihm die tatkräftige und hellsichtige Hannah Arendt (Shahar Lavi) im französischen Internierungslager kettenrauchend zur schnellstmöglichen Flucht nach Amerika. Auch der Zionist Gershom Scholem (James Homann) fordert ihn zur Emigration nach Israel auf. Zu beidem kann sich Benjamin nicht entschließen; in einer langen Projektion von anbrandendem Meer zeichnet das Orchester extrem repetitiv und gehetzt seine ziellosen Fluchtgedanken, die er schließlich zugunsten seiner romantischen Bindung an Heimat und Sprache verwirft.

Wie schlechtes Gewissen erscheint darauf seine in strenges Schwarz (Kostüme: Inge Medert) gekleidete Ehefrau Dora Keller (Denise Seyhan), die ihm vorwirft, nur ein Verhältnis zu Wörtern, nicht aber zur Realität zu haben. Da flattert mit Asja Lacis (Yasmin Özkan), die in hellem Kleid wie ein Vögelchen tirilierend von der Seitentreppe herabschwebt, Abhilfe herbei. Die stramme Kommunistin aus Lettland wie auch der linientreue Dichter Bertolt Brecht (Winfried Mikus) rufen Benjamin zur roten Fahne und zu handfester Praxis auf. Doch die vergisst er bald und zeigt sich mehr der schönen Aktivistin zugewandt. Als sie nach Riga geht, folgt ihr Benjamin, zweifelt aber nicht erst beim Hitler-Stalin-Pakt 1939 an der Kommunistischen Partei, der Asja unverbrüchlich die Treue hält. Plakativer Marschrhythmus macht Benjamins Vorahnung des Krieges, ein sphärischer Chor (Einstudierung: Ines Kaun) die des Holocaust deutlich.

Theater Heidelberg / Benjamin - Oper von Peter Ruzicka - hier : Miljenko Turk als Benjamin © Sebastian Buehler

Theater Heidelberg / Benjamin – Oper von Peter Ruzicka – hier : Miljenko Turk als Benjamin © Sebastian Buehler

Da erinnert sich Benjamin daran, dass ihm schon seine Mutter und später seine Frau Ungeschick attestiert haben. In den Jungen und Mädchen des roten Kindertheaters, das er mit Asja betreibt, steht ihm das „bucklicht Männlein“ aus Achim von Arnims Märchen vor Augen, ein Kobold, der Schuld daran hat, dass ihm alles misslingt. Das ist Verzweiflung pur. So will er am Ende nur noch dem Messer der Verfolger zuvorkommen, der Selbstmord in Portbou als Konsequenz wird nicht ausgespielt, nur das Orchester verstummt langsam.

Das ist schlüssig entwickelt. Dass Benjamin irgendwo tödlich strandet, wird aber so zu sehr ihm selber angelastet. Als habe dieser in Gedanken verliebte dialektische Romantiker nie in einer Wirklichkeit ankommen und seine widerstreitenden Tendenzen in einer Synthese ruhigstellen können. Aber nicht deshalb, sondern weil er die Auslieferung an Nazideutschland fürchten musste, hat sich Benjamin in Portbou umgebracht.

Die Bühne Anne Neusers für Benjamin ist zeit- und ortlos. Eine graue, als Video-Projektionsfläche taugliche Wand schließt sie nach hinten ab, davor stehen in einem offenen U einfache Tische und Stühle; hier könnte alles mögliche verhandelt werden.

Regisseur Ingo Kerkhof hat sich, angeregt von Benjamins Auseinandersetzung mit Brechts Theorie des Epischen Theaters, dazu entschlossen, auch Benjamin episch zu inszenieren. Das ist nicht unproblematisch, weil es keine offensichtlich politische Botschaft gibt, die dem Publikum zur Einsicht gebracht werden soll. Wenn zudem die Figuren holzschnittartig gezeichnete Ideenträger sind, die sich nahezu jeder Einfühlung und Anteilnahme verschließen, wird das Bühnengeschehen rasch öde.

Als zum Prolog an die vierzig Choristen in Alltags- und Freizeitkleidung die Bühne betreten, sagen sie verschiedene Sätze Benjamins auf, während sie verschiedene Personen durch ein Pappschild mit dem Namen „Walter“ als Benjamin kenntlich machen. Erst später verwandelt sich dann Miljenko Turk mit dem typischen dunklen Dreiteiler in Benjamin, setzt dessen Brille auf und bindet das charakteristische Bärtchen unter seiner Nase fest. Danach fällt der Regie nur noch wenig ein. Benjamin muss sich viel auf dem Boden herumwinden, in Marx‘ Kapital blättern und mit Brecht Schach spielen. Hannah Arendt raucht Zigarette, Brecht qualmt Havanna-Zigarre und trägt ein rotes Megaphon, während Asja Lacis sich revolutionär körperlich ertüchtigt und dem Kinderchor rote Halstücher umbindet.

Trotz allem plakativ Verfremdeten gibt es schöne Szenen, in denen nicht etwas bloß behauptet, sondern erspielt wird. So wird einmal Benjamins Praxisbeziehung ohne Worte deutlich. Bei der Armenspeisung mit Asja vergisst er alsbald die Armen und turtelt theoretisierend mit seiner Geliebten, bis sich die Hungrigen selber die Suppe aus dem Topf holen.

Wer Walter Benjamin nicht als Philosoph kennt, wird von ihm und seinem Denken nichts durch Yona Kims Libretto erfahren. Es besteht aus einer Abfolge von klugen Benjamin-Zitaten, die durch ihre kontextlose Aneinanderreihung allen Sinn verlieren. Dafür ist schon der Prolog beispielhaft, in dem die Zitate sich überschneidend zu einem unverständlichen Geräuschwust ballen. Das Libretto ist eine schmerzhafte Text- Ausschlachtung.

Theater Heidelberg / Benjamin - Oper von Peter Ruzicka - hier : Asja und Benjamin bei der Armenspeisung © Sebastian Buehler

Theater Heidelberg / Benjamin – Oper von Peter Ruzicka – hier : Asja und Benjamin bei der Armenspeisung © Sebastian Buehler

Für die Sängerinnen und Sänger bleibt wenig mehr als deklamatorischer Sprechgesang übrig, den Miljenko Turk mit kräftigem Bariton, Shahar Lavi mit prägnantem Mezzo wie auch Denise Seyhan, Winfried Mikus und James Homann ihren Rollen entsprechend bewältigen. Nur Yasmin Özkans fällt mit ihren wahnsinnigen Koloraturen aus dem musikalischen Muster; es ist die einzige ironische Distanzierung Ruzickas und gilt wohl ebenso ihren Ideen wie Benjamins Eingehen darauf.

Die Musik Ruzickas verhält sich nicht illustrativ zum Libretto, sondern geht den Gefühlen Benjamins in den verschiedenen Situationen nach. Sie malt so dessen eindringliches Psychogramm, dissonant seiner inneren Zerrissenheit und ewigem Streben nach einem theoretischen Ruhepunkt folgend, bei gleichzeitiger Angst davor, ihn zu finden.

Elias Grandy am Pult des gut aufgelegten Philharmonischen Orchesters Heidelberg dirigiert die Musik, die sich über weite Partien in einem schmalen dissonanten Ausdruckskorridor bewegt, sehr durchsichtig. Er lässt Benjamins Ängste wie in einem Gewitter dunkel grollen und aufblitzen, seine Liebe von zarten Streichern malen, mit viel Schlagwerk und Alltagsgeräusch bricht schmerzhaft äußere Wirklichkeit herein. Aus der modernen Musiksprache des Henze-Schülers Ruzicka fällt in der Fünften Station der berührende „Jerusalem“-Chor aus seiner Celan-Oper heraus wie am Schluss Henri Duparcs Baudelaire-Vertonung L’invitation au voyage. Dieses Lied hat nahezu Puccinischen Schmelz und endet mit Orgelklang wie ein Requiem für Walter Benjamin.

Im Angesicht des Todes, so heißt es, blitzen dem Sterbenden noch einmal entscheidende Stationen seines Lebens auf. Es ist nicht überliefert, welchen Grad an Richtigkeit solchen Erinnerungen zukommt. Doch bei einem Musiktheater-Stück wie Benjamin ist nicht unerheblich, was erinnert wird. Was Peter Ruzicka und Yona Kim an Benjamin erinnern lassen, wird diesem nicht gerecht und überzeugt auch nicht davon, dass dieses Musiktheater notwendig komponiert werden musste.

Nach eineinhalb Stunden Musik-Theaters ohne Pause gab es freundlichen Beifall für alle Beteiligten, vor allem Miljenko Turk, Yasmin Özkan, Elias Grandy und das Philharmonische Orchester Heidelberg.

Benjamin im Theater Heidelberg, die einzige weitere Vorstellung der Spielzeit am 8.4.2019

—| IOCO Kritik Theater und Orchester Heidelberg |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Maria Stuarda – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 29.12.2018

Dezember 29, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

  Maria Stuarda –  Gaetano Donizetti

– Tödliche Frauenpower im Hause Tudor –

von Albrecht Schneider

Ach, was ist das doch tröstlich, wenn der Vorhang sich wieder hebt und die schöne Königin Maria Stuart, die gerade erst zu ihrer Hinrichtung geschritten war, quicklebendig in blutroter Robe vortritt, um sich den Jubelapplaus des Publikums abzuholen. Den ganzen dritten Akt über, zu dessen Beginn Königin Elisabeth nach einigem Zaudern das Todesurteil der Cousine Maria unterschrieben und diese es empfangen hatte, hadert die Unglückliche mit sich, bereut ihre weit zurückliegenden Untaten und büßt endlich ihre Schuld, indem sie zum Schafott erhobenen Hauptes geht, um dasselbe – für das Publikum unsichtbar – wohl ohne Zaudern auf den Richtblock zu legen.

Maria Stuarda – Gaetano Donizetti
Youtube Trailer der Deutschen Oper am Rhein
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Bis zu ihrem letzten Augenblich weiß die Musik um deren Gefühlslagen, und mit ihr singt sich die Todgeweihte allen Jammer aus der Seele. Das müssten schon sehr phlegmatische Zuhörer/Innen sein, um sich von derartigem Schicksal nicht ganz und gar ergreifen zu lassen, wohingegen sensible, vom Drama affizierte Gemüter ihren Frieden alsbald wieder finden dürften, sobald sich am Ende die Primadonna nicht kopflos vor ihnen verbeugt.

Gaetano Donizetti (1797–1849) hat während seiner rund fünfzig Lebensjahren 64 Opern geschrieben. Die abgebrochenen und umgearbeiteten nicht eingerechnet. Maria Stuarda zählt nicht unbedingt zu den populärsten, eher stehen Lucia di Lammermoor und die Buffostücke Don Pasquale und L’elisir d’amore in der Gunst des Publikums. Die romantische Belcantooper Italiens hat sich mehrfach für ihre Stoffe bei Friedrich Schiller bedient; Rossini machte 1829 mit seinem Guillaume Tell (Wilhelm Tell) den Anfang, Verdi tat ihm 1847 mit den Masnadieri (Die Räuber) gleich, und zwischenhinein fertigte Giuseppe Bardani anhand der deutschen Vorlage das Libretto für Donizettis Oper. Die indessen wurde zunächst aufgrund des Einspruchs der Königin von Neapel, die Tod auf der Bühne nicht schätzte, entlang des Textes von Pietro Salatino zu Buondelmondo, wie der Komponist sinngemäß schrieb, “umgeschustert“. In Neapels Theater San Carlo kam sie 1834 auf die Bühne, verschwand freilich geschwind im Archiv, sobald die originale Maria Stuarda, jetzt freilich bereichert um eine kurze und fulminante Ouvertüre, am 30 Dezember 1835 an der Mailänder Scala ihre Premiere feierte.

Deutsche Oper am Rhein / Maria Stuarda - hier : Adela Zaharia als Maria Stuarda, Richard Šveda als Lord Guglielmo Cecil, Maria Kataeva als Elisabetta © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Maria Stuarda – hier : Adela Zaharia als Maria Stuarda, Richard Šveda als Lord Guglielmo Cecil, Maria Kataeva als Elisabetta © Hans Joerg Michel

Das meiste Personal des schillerschen Trauerspiels hat der Librettist ausgemustert, den Arbeitsplatz behalten haben lediglich die beiden Königinnen, weiterhin Elisabeths Einflüsterer Lord Cecil, Marias Vertrauter Graf Talbot, ihre Amme Hannah und Graf Leicester, der zunächst die Engländerin bevorzugende, aber bald definitiver Liebhaber der schottischen Maria. Von Beginn an strebt die Tragedia lyrica zu Höhepunkt und Peripetie: dem Aufeinandertreffen der englischen und der schottischen Herrscherin und dessen fatalem Effekt. Beide werfen sich gegenseitig allerhand Niederträchtigkeiten an den Kopf, beide fühlen sich am Ende zutiefst gedemütigt. Wie sie sich endlich trennen, steht für die eine fest, dass die andere ihren Kopf verlieren muss, und die andere ahnt, dass sie den eigenen verlieren wird.
Dass die Vorstellung einer derartigen Szene, die aggressions-satte Begegung einer die eigene Sinnlichkeit lebenden und dafür mit dem Tode büßenden Maria mit ihrem machtbewussten, der Krone wegen jungfräulichen Gegenentwurf Elisabeth und beider verbalem Waffengang, einen Dramatiker wie einen Komponisten zur Feder greifen lässt, sollte einleuchten. Und Donizetti beweist hier, was für ein Musikdramatiker mit ihm am Werk ist.

Deutsche Oper am Rhein / Maria Stuarda - hier : Maria Kataeva als Elisabetta © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Maria Stuarda – hier : Maria Kataeva als Elisabetta © Hans Joerg Michel

Nach den ersten Takten aus dem Orchestergraben müsste den wissenden Zuhörer im Opernhaus klar sein, was sich an diesem Abend dort unten und oben auf der Bühne abspielen wird. Dirigent Antonino Fogliana lässt von Anfang keinen Zweifel zu an seiner Absicht, das Drama der beiden Königinnen Elisabeth (Maria Kataeva) und Maria (Adela Zahara), obschon es sich weniger in äußerer Handlung manifestiert, mehr eines von Vernunft und Gefühl der zwei Frauen provoziertes ist, drastisch hörbar zu machen. Die Musik glüht, sprüht geradezu Funken, süße und rührende Passagen sind rar, weil nur wenig Anlass zu dergleichen besteht. Erst am Ende, im Weltabschiedsgesang der Maria – von Donizetti “Hinrichtungsarie“ genannt – können die Tränen fließen.

Die beiden Primadonnen verkörpern als Schauspielerinnen wie Sängerinnen ihre Rollen als Herrscherinnen perfekt, zugleich sind sie Beherrscherinnen von Phrasierung und Tongebung, was insgesamt zu einer berührenden Darstellung des realen wie spirituellen Geschehens führt und zu einer Belcantokunst, wie sie nicht oft geboten wird. Elisabeth, mit seitlich glatt herabhängenden, in der Mitte gescheitelten roten Haaren eine Spur diabolisch wirkend, repräsentiert dank Liebesverzicht die kalte vernunftgesteuerte Königin, Maria hingegen, zuletzt im blutroten Gewand (Kostüme Eva Krämer) auftretend, eine ihre Sinnlichkeit auslebende, sündigende und auch deshalb Königin ohne Reich. Eine, die indessen mit dem ungerechten Tod und dem Mysterium des Übergangs ins Jenseits und mithin in das wahre Leben bei Gott, als moralische Siegerin stirbt, doch in ihrer Verklärung überlebt. Zurück bleibt im Diesseits eine Antiheldin, die künftig mit profanem Machterhalt und allzeit in Gewissensnot ob ihrer Entscheidung das Leben wird zubringen müssen. “In my end is my beginning“ soll Maria während ihrer achtzehn Jahre währenden Gefangenschaft in eines ihrer Accessoirs gestickt haben. Wie wahr.

Deutsche Oper am Rhein / Maria Stuarda - hier : Maria Kataeva als Elisabetta , Adela Zaharia als Maria Stuarda, Richard Šveda als Lord Guglielmo Cecil, Bogdan Talos als Giorgio Talbot © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Maria Stuarda – hier : Maria Kataeva als Elisabetta , Adela Zaharia als Maria Stuarda, Richard Šveda als Lord Guglielmo Cecil, Bogdan Talos als Giorgio Talbot © Hans Joerg Michel

Regisseur Guy Joosten lässt der Tragödie ihren Lauf. Weder aus der Historie heraus noch in Zeitnähe gerückt, vollzieht sie sich zwingend und unspektakulär an zwei Schauplätzen: In dem kaltgrauen Innern des Schlosses Fotheringhay, das nicht minder einem Gefängnis ähnelt wie das trübe Ambiente des Palastes von Westminster; beides Bildzeichen des Eingesperrtseins der zwei Frauen in die eigene Denkweise von Gerechtigkeit und in eine hier exzessive, dort entleerte Gefühlswelt. (Bühne: Roel van Berckelaer) Die Männer bleiben in dem Konflikt der beiden dominierenden Damen blässliche Randfiguren. Graf Leicester (Shalva Mukeria) findet zwar die schönsten Töne für seine Wehklage um das Martyrium der geliebten Maria, aber eine entsprechende Arie hat ihm Donizetti verweigert. Lord Cecil (Richard Sveda) und Graf Talbot (Bogdan Talos) haben in dem matriarchalischen Milieu nicht viel zu bestellen. Gemeinsam mit der Amme Hannah (Karina Repova) und der Menge der Höflinge, Anhänger und Wachen (Chor der Deutschen Oper am Rhein) tragen sie alle gemeinsam und auf ihre Weise bei zu dem hohen Niveau der Aufführung.

Gleich nach dem Schlussakkord aufrauschender Applaus

Maria Stuarda an der Deutschen Oper am Rhein, Düsseldorf: die weiteren Termine 2.1.; 4.1.; 6.1.; 9.2.2018

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Wien, Theater an der Wien, Guillaume Tell – Gioacchino Rossini, IOCO Kritk, 01.11.2019

November 2, 2018 by  
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Theater an der Wien

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

 Guillaume Tell  –  Gioacchino Rossini

Von Elisabeth König

Guillaume Tell ist Rossinis letztes Bühnenwerk und wurde 1829 als französische Grande Opéra in Paris zur Uraufführung gebracht. Die Ouvertüre ist wohl eine der berühmtesten Melodien Rossinis, und das gewaltige, gut vierstündige Werk hält sich auf den Spielplänen der Opernwelt nicht zuletzt aufgrund seiner unglaublichen Lyrik, die über Rossinis Zeit hinausweist. Auch die Thematisierung eines Freiheitskampfes gegen eine unterdrückende Herrschaft trug gewiss immer schon zur Beliebtheit der Oper bei.

Theater an der Wien / Guillaume Tell - hier :  Ensemble © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Ensemble © Moritz Schell

Die Geschichte des Wilhelm Tell, seines Apfelschusses und seines Kampfes gegen Geßler kennen wir alle aus Friedrich Schillers gleichnamigem Drama. Auf diesem baut die Oper auf und fügt sich hiermit in die Reihe der Opernstoffe, mit denen das Theater an der Wien in dieser Saison den Fokus auf Schiller als Libretto-Quelle legt.

Der Vorhang eröffnet den Blick auf eine nebelschwadenverhangene Winterlandschaft, in deren eisiger Atmosphäre während der sehr zurückhaltenden Ouvertüre der Guerillakampf im unwirtlichen Schnee inmitten alptraumhaft wiedererwachter Toter gezeigt wird.

Die kühle, etwas sterile Inszenierung von Torsten Fischer erzählt nicht unbedingt nur die Geschichte eines Volkes, das seine Freiheit zurückfordert, sondern schildert einen Bürgerkrieg in einer blanken, geradezu anonymisierten Welt, die nahezu überall stattfinden könnte. Dabei gelingen ihm regelmäßig bemerkenswerte Bilder, die sich aus dem grauen Hintergrund abheben.

Theater an der Wien / Guillaume Tell  - hier : Mathilde und Arnold Melcthal © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Mathilde und Arnold Melcthal © Moritz Schell

Dem Regisseur gelang es in Kombination mit der Choreographie von Karl Alfred Schreiner, unter regem Einsatz der Drehbühne ein bewegte Chorregie zu schaffen, die vor allem in den Marschszenen Eindruck hinterlässt. Der Einsatz greller Videoeinspielungen von Jan Frankl gelang als vielfach bewährte Methode, Realitätsebenen zu kombinieren und diente als emotionales Reizmittel.

Die blanke Kargheit des Bühnenbildes von Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos mit seiner industriellen Knappheit vermochte es, die Aufmerksamkeit bei den Sängern zu behalten und gleichzeitig starke Momente einprägsam zu vermitteln. So wird die Hebebühne einerseits zu einem zweiten Handlungsspielraum, andererseits jedoch zum Symbol der Unterdrückung, unter dem das Volk symbolträchtig zermalmt wird. Ausstattung und Kostüme waren der Schlichtheit der Bühne angepasst und spiegelten die Schmucklosigkeit und Häuslichkeit auf der einen Seite wieder, während auf der anderen Seite Uniformen und allgegenwärtige Maschinengewehre die Diktatur und ihre Handlanger kennzeichneten.

Musikalisch war es ein Abend der feinen Zwischentöne und soliden Gestaltung. Die Wiener Symphoniker unter der musikalischen Leitung von Diego Matheuz spielten sicher und genau, der Schönberg-Chor war wie immer fantastisch einstudiert und motiviert.

Die SolistInnen waren – wie immer am Theater an der Wien- mit Bedacht gewählt und überzeugten mit durchwegs tollen Leistungen. Als väterliche Hauptfigur des Guillaume Tell zeigte Christoph Pohl große Eleganz in seiner Darstellung und wusste mit seinem weichen Bariton ausdrucksvoll zu überzeugen. An seiner Seite ist Marie-Claude Chappuis eine Hedwige mit emotionaler Tiefe und kampfesmutiger Stärke.

Theater an der Wien / Guillaume Tell - hier :  Ensemble © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Ensemble © Moritz Schell

Eine der berührendsten Leistungen des Abends war Anita Rosati als Tells rebellischer Sohn Jemmy. Mit einer emotionalen Stimmigkeit und ungebrochener Leidenschaft, sowie einem glockenhellen Sopran kaufte man ihr den jungen Knaben in jedem Moment ab.

John Osborn als Arnold Melcthal war eine weitere beeindruckende Performance des Abends. Mit dramatischen Höhenflügen und strahlender Tenorstimme weiß er die halsbrecherische Partie des zwischen Liebe und Vaterland zerrissenen Arnold mit Bravour zu meistern.

Ihm ebenbürtig war Jane Archibald als Habsburger-Prinzessin Mathilde zu hören, deren Mitleid mit ihrem Volk und Liebe zu Arnold für ergreifende Momente sorgte. Sie beeindruckte mit ihrer ersten Arie und im Liebesduett mit Arnold ebenso wie durch eine glasklare Höhe und berührende Piani.

Als diktatorischer Gesler (Französisch: mit nur einem S) zeigte Ante Jerkunica einen profunden, volltönenden Bass. Edwin Crossley-Mercier gibt einen elegant zurückhaltenden Walter Fürst, dessen Rolle als Spion am Ende die Fortführung der Unterdrückung mit anderen Mitteln symbolisiert. Jérôme Varnier gibt den Melcthal mit feurigem Eifer und patriotischer Intensität. Sam Furness war ein Rudolphe, der überzeugend zwischen Gewissensbissen und Schmierigkeit schwankte, Lukas Jakobski als Leuthold von beeindruckender Bühnenpräsenz und Stimmgewalt.

Alles in allem war es ein Abend voller großartiger künstlerischer Leistungen, der trotz vieler interessanter Regieeinfälle nicht immer die Spannung brachte, die das Werk durchaus bietet

—| IOCO Kritik Theater an der Wien |—

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