Frankfurt, Oper Frankfurt, Livestream – Bühne frei – Freitags, Januar 2021

Dezember 28, 2020 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

„Livestream: Bühne frei!“  –  Aber nur Freitags

heißt es an vier Abenden im Januar 2021 an der Oper Frankfurt. Jeweils freitags um 19.30 Uhr präsentieren Sänger*innen aus Ensemble und Opernstudio per Livestream – abrufbar auf der Website der Oper (www.oper-frankfurt.de) bzw. deren YouTube-Kanal (www.youtube.com) – von der Bühne des Großen Hauses Arien, Duette und Ensembles aus Opern und Operetten. Den Anfang macht ein von Intendant Bernd Loebe moderiertes Programm am:         Freitag, 8. Januar 2021 19.30 Uhr

Oper Frankfurt / Monika Buczkowska © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Monika Buczkowska  © Barbara Aumueller

Zu den Mitwirkenden zählen Monika Buczkowska (Sopran), Zanda Svede (Mezzosopran), Brian Michael Moore (Tenor) und Nicholas Brownlee (Bassbariton), die alle – mit Ausnahme von Zanda Svede – in der aktuellen Spielzeit 2020/21 neu zum Ensemble der Oper Frankfurt hinzugestoßen sind. Am Klavier begleitet werden sie von Studienleiter Takeshi Moriuchi.

Oper Frankfurt / Brian Michael Moore © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Brian Michael Moore © Barbara Aumueller

Es erklingen Werke von Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Maria von Weber, Georges Bizet, Jacques Offenbach, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini.

Informationen zu den am 15., 22. und 29. Januar 2021 jeweils um 19.30 Uhr folgenden Abenden werden baldmöglichst bekannt gegeben.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—


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Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Digitales BAROCKTAGE-Wochenende, 20. – 22.11.2020

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Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

20. bis 22. November: Digitales BAROCKTAGE-Wochenende als Ersatz für die abgesagten dritten BAROCKTAGE, die im November mit 28 Veranstaltungen stattgefunden hätten

Die dritte Ausgabe des zehntägigen Opern- und Konzertfestivals BAROCKTAGE das vom 13. bis 22. November mit 28 Veranstaltungen stattgefunden hätte, darunter die Premiere von Mozarts MITRIDATE, RE DI PONTO, zwei Musiktheaterwiederaufnahmen sowie zahlreiche Konzerte, musste aufgrund des beschlossenen Teil-Lockdowns komplett abgesagt werden (siehe hier zum Download). Derzeit werden Nachholtermine für die Premiere von Mozarts MITRIDATE, RE DI PONTO geprüft, die in Kürze bekannt gegeben werden. Inszeniert wird die Neuproduktion, die kurz vor den Endproben stand, von Satoshi Miyagi, mit Marc Minkowski am Pult der Musiciens du Louvre und mit u.a. Pene Pati in der Titelrolle, Julie Fuchs, Elsa Dreisig, Jakub Józef Orlinski und Anna Prohaska.

Vom 20. bis 22. November wird es als Ersatzprogramm ein digitales BAROCKTAGE-Wochenende auf der Website der Staatsoper Unter den Linden geben, innerhalb dessen drei Produktionen sowie eine Dokumentation der vergangenen Jahre jeweils um 19.30 Uhr online gehen und für 24 Stunden zu erleben sein werden – wir danken hierfür unseren Produktionspartnern Naxos und EuroArts:

Freitag, 20. November:  Henry Purcells KING ARTHUR, ML: René Jacobs, Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch, mit u.a. Anett Fritsch, Robin Johannsen, Mark Milhofer, Michael Rotschopf, Meike Droste, Akademie für Alte Musik Berlin, Premiere 2017.

Samstag, 21. November: Jean-Philippe Rameaus HIPPOLYTE ET ARICIE, ML: Simon Rattle, Inszenierung : Aletta Collins, Lichtkonzept, Bühne, Kostüme: Ólafur Elíasson, mit u.a. Magdalena Kožená, Anna Prohaska, Elsa Dreisig, Reinoud Van Mechelen, Gyula Orendt, Peter Rose, Roman Trekel, Freiburger Barockorchester, Premiere 2018, sowie die Making-Of Dokumentation des ZDF: BÜHNENZAUBER – HINTER DEN KULISSEN DER BERLINER STAATSOPER von Roland May.

Sonntag, 22. November: Georg Friedrich Händels IL TRIONFO DEL TEMPO E DEL DISINGANNO, ML: Sébastien Rouland, Inszenierung: Jürgen Flimm, mit Hélène Le Corre, Sara Mingardo, Inga Kalna, Charles Workman, Staatskapelle Berlin, Berliner Premiere 2015.

Unter dem Titel NEVER LOOK BACK hatte die Staatsoper Unter den Linden in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin (Studiengang »Bühnenbild« und »Institut Kunst«), der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch sowie dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (Studiengang »Choreographie«) Studierende der Berliner Kunsthochschulen dazu eingeladen, im Rahmen der diesjährigen BAROCKTAGE und LINDEN 21 ein »Orpheus-Festival« zu entwickeln. Die vier daraus entstandenen Performances werden nun filmisch begleitet und am 28. November auf dem YouTube-Kanal der Staatsoper Unter den Linden veröffentlicht.

Intendant Matthias Schulz: „Für uns war es extrem frustrierend, dass wir so jäh unterbrochen wurden. Durch eine solche Schließung werden wir, unsere Künstlerinnen und Künstler und vor allem die zahlreichen Gäste und damit freischaffende Künstlerinnen und Künstler hart getroffen. Wir haben bewiesen, dass wir mit Hygieneplan, Belüftungssystem und disziplinierten Zuschauern ein sicherer Ort sind. Die Entscheidung, Opern bzw. Kultureinrichtungen zu schließen, ist niederschmetternd, auch wenn uns bewusst ist, dass es keine leichte Entscheidung war und es für die schwierige gesamtgesellschaftliche Lage Verständnis aufzubringen gilt. Während Kultur in Deutschland grundsätzlich noch einen politischen Rückhalt findet, sehen wir gerade, wie die Kulturmetropolen in der ganzen Welt schwerstens beschädigt werden und man sich fragt, wie sie sich davon jemals wieder erholen sollen. Kultur ist eine wichtige treibende Kraft für jede Gesellschaft! Eine Welt ohne Kultur möchte ich mir nicht vorstellen – damit müssen wir uns auseinandersetzen.“

Der Probenbetrieb an der Staatsoper Unter den Linden wird fortgesetzt, gerade haben die Proben zu Richard Wagners LOHENGRIN, unter der musikalischen Leitung von Matthias Pintscher und in der Regie von Calixto Bieito, begonnen. Die Premiere, mit Roberto Alagna in der Titelpartie und Sonya Yoncheva als Elsa, ist für den 13. Dezember geplant. Der Kartenvorverkauf für Dezember und Januar beginnt voraussichtlich am 13. November.

Alle Live-Veranstaltungen bis einschließlich 30. November 2020 sind abgesagt. Bereits gekaufte Tickets für Veranstaltungen in diesem Zeitraum verlieren ihre Gültigkeit. Karten können umgetauscht, der Kaufpreis gespendet oder zurückerstattet werden. Alle Informationen zur Rückerstattung gibt es auf der Website: https://www.staatsoper-berlin.de/de/extra/corona-storno/. Besucherinnen und Besucher, die ihre Karten über eine Vorverkaufsstelle (z.B. eventim.de) oder über Besucherorganisationen erworben haben, werden gebeten, sich direkt an diese Stellen zu wenden.

Die Staatsoper dankt den Freunden und Förderern der Staatsoper Unter den Linden und ihren Hauptpartnern BMW und Hilti Foundation herzlich für ihre Unterstützung

—| Pressemeldung Staatsoper unter den Linden |—


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Bielefeld, Theater Bielefeld, TAMERLANO – Georg Friedrich Händel – Premiere, 05.12.2020

November 6, 2020 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Bielefeld

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

TAMERLANO  –  Georg Friedrich Händel

 Text Nicola Francesco Haym – nach Agostino Piovene / Ippolito Zanelli

Premiere 5.12.2020, Weitere Termine 08.12., 12.12., 29.12. / …

davon ausgehend, dass die Bühnen im Dezember ihre Tore wieder öffnen, lädt  das Theater Bielefeld herzlich zur nächsten Premiere ein

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Tartarenfürst Tamerlano will seinen epochemachenden Sieg über den türkischen Sultan Bajazet krönen, indem er dessen Tochter Asteria zur Frau nimmt. Ein freundliches Friedensangebot, das die zentralasiatischen Großmächte des frühen 15. Jahrhunderts vereinen könnte, oder tückisches Katz-und-Maus-Spiel eines racheerfüllten Siegers, der seinen hohen Gefangenen demütigen will?  Wohl eher letzteres, denn Asteria ist bereits mit dem griechischen Prinzen Andronico so gut wie verlobt. Ausgerechnet den schickt Tamerlano als Brautwerber zu Bajazet. Kommt die Heirat zustande, soll Andronico seinen Thron in Byzanz zurückerhalten und obendrein Tamerlanos eigene Braut Irene als Bonus zur Frau bekommen. Da Tamerlano kein Mann ist, dem man gern widerspricht, lenkt Andronico ein und stimmt zu. Prompt fühlt sich Asteria von ihrem Geliebten verraten, und die gerade zur Hochzeit anreisende Irene weiß auch nicht recht, wozu sie hier eigentlich gebeten ist. Asteria stimmt zur Überraschung aller zu, Tamerlanos Frau zu werden, doch als er sie zum Thron führen will, geschieht etwas Unerwartetes …

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Verdichtet zu einem Kammerspiel treffen hier fünf Hauptfiguren und eine Nebenfigur mit ihren Emotionen, heimlichen Plänen und Verunsicherungen nahezu ungebremst aufeinander. Wie in einem Reagenzglas lotet die Oper die Gefühlskurven der Protagonist*innen aus, lässt dabei nicht selten Schein zu Sein gerinnen und serviert auf halber Strecke einen unerwarteten Bruch, der die Verhältnisse auf den Kopf stellt. Georg Friedrich Händels 1724 in wenigen Wochen komponierte Oper erwuchs aus einer Art Glückssträhne: Er hatte in London 1719 mit der Royal Academy of Music eine Operngesellschaft gegründet, die am King’s Theatre spielte und bald von sich reden machte. Die bekanntesten Sänger*innen aus Kontinentaleuropa wurden engagiert, und Händel hatte als Künstlerischer Leiter alle Hände voll zu tun, um den Opernhunger der Londoner zu befriedigen. Opern wie Giulio Cesare, Tamerlano und Rodelinda verdanken sich dieser Situation.

Tamerlano der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot: Lesen Sie hier die IOCO Rezension unserer Korrespondentin Ljerka Oreskovic Herrmann

Mit Tamerlano vertonte Händel einen seinerzeit bekannten und schon mehrfach für die Bühne bearbeiteten Stoff, der nicht in unwirklich fernen Sagenwelten oder der Antike spielte, sondern einer konkreten historischen Situation entsprach, die nur wenige hundert Jahre zurücklag: In einer gewaltigen Schlacht besiegte der tartarische Feldherr Timur Lenk, genannt Tamerlano, im Juli 1402 in Westanatolien die militärisch überlegenen Türken und nahm seinen Gegenspieler Sultan Bayezid I. gefangen, um ihn fortan als Statussymbol mit sich zu führen und zu demütigen. Der war gleichsam als Favorit in die Schlacht gegangen, hatte er doch in den Jahrzehnten zuvor das Osmanenreich stetig vergrößert und dabei etwa das ehedem gewaltige oströmische Reich zu guten Teilen erobert. Doch Tamerlano war noch erfolgreicher als Bayezid I.: In atemberaubender Geschwindigkeit hatte er in Zentralasien ein riesiges Herrschaftsgebiet errichtet, das Teile des heutigen Iraks, Irans, Aserbaidschans, Usbekistans, Armeniens, Georgiens, Syriens und der Türkei umfasste. Obwohl seine Grausamkeit Legende war – er ließ mit Vorliebe Einwohner*innen eroberter Städte köpfen und daraus riesige Schädelberge vor den Stadttoren errichten –, galt Tamerlano zu Georg Friedrich Händels Zeit als eine bewunderungswürdige Persönlichkeit, die Mut und Glück in sich vereinte und der es gelang, vom Hirtensohn zu einem der gefürchtetsten Monarchen seiner Zeit aufzusteigen.

In ihrer Neuinszenierung arbeiten die künstlerischen Leiter von Schauspiel und Tanz, Christian Schlüter und Simone Sandroni, spartenübergreifend. Jede der fünf Hauptfiguren wird in eine tanzende und eine singende Darstellerpersönlichkeit geteilt, was spielerische Gelegenheit zu einem Auffächern der inneren und äußeren Vorgänge gibt. Mit Jürgen Höth (Bühne) und Clemens Leander (Kostüme) sind zwei weitere Namen im Boot, die mehrfach am Theater Bielefeld gestalterisch tätig waren. Die Rollen des Tamerlano und des Andronico hat Händel für Countertenöre geschrieben, damals die gefragtesten Stars der Opernszene. Mit James Hall und Owen Willetts sind zwei Gäste im Tamerlano-Ensemble, die in diesem seltenen Gesangsfach international gefragte Künstler sind. Gregor Rot leitet die Produktion musikalisch, die von den Bielefelder Philharmonikern in barocker Besetzung getragen wird.

Eine spartenübergreifende Produktion von Musiktheater und TANZ Bielefeld Musikalische Leitung Gregor Rot Inszenierung Christian Schlüter, Simone Sandroni Choreografie Simone Sandroni Bühne Jürgen Höth Kostüme Clemens Leander Dramaturgie Jón Philipp von Linden, Janett Metzger

Mit James Hall & Hampus Larsson (Tamerlano) / Lorin Wey & Alexandre Nodari (Bajazet) / Owen Willetts & Andrea Zinnato (Andronico) / Nohad Becker & Cola Ho (Asteria) / Katja Starke & Elvira Zúñiga Porras (Irene) / Yoshiaki Kimura (Leone) / Bielefelder Philharmoniker

MUSIKALISCHE LEITUNG
Der österreichische Dirigent Gregor Rot wurde in Wien geboren und studierte dort Gesang, Cembalo sowie Dirigieren bei Georg Mark. Noch während des Studiums übernahm er die musikalische Leitung der Sommerfestspiele Röttingen (Taubertal, Franken). 2008/09 fuhr er als Cembalist und Assistent für Così fan tutte und Le nozze di Figaro nach Venezuela zum Simón Bolivar Youth Orchestra. Es folgte eine Einladung als Gastdozent für Gesang und Deutsches Lied nach Caracas. Erste Engagements führten Gregor Rot zum Schönbrunner Schlossorchester, dem Leipziger Sinfonieorchester sowie als Assistent an die Opéra national du Rhin in Straßburg. Seine Theaterlaufbahn begann er am Südthüringischen Staatstheater Meiningen als Repetitor mit Dirigierverpflichtung. Er leitete bereits in seiner ersten Spielzeit fast 50 Vorstellungen (darunter Richard Wagners Rienzi). Nach zwei Jahren stieg er in Meiningen zum 2. Kapellmeister auf und dirigierte ein umfangreiches Repertoire in Musiktheater und Ballett. Für die überregional beachtete deutsche Erstaufführung der kasachischen Nationaloper Abai übernahm er die Einstudierung und die Umarbeitung des musikalischen und textlichen Materials für die Meininger Aufführung. 2013 bis 2017 war Gregor Rot 1. Kapellmeister des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin und dirigierte dort u. a. die Premieren von Aida, The Rake’s Progress, Die Verkaufte Braut, Die Zauberflöte, Jake Heggies Dead Man Walking und zahlreiche Konzerte. Gastdirigate führten ihn u. a. an die Theater Duisburg, Würzburg, Regensburg und Eisenach. 2016 gab Gregor Rot sein Debüt beim Bruckner Orchester im Brucknerhaus Linz und dem Wuppertaler Sinfonieorchester in der Historischen Stadthalle Wuppertal. Seit 2017 ist er 1. Kapellmeister des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Christian Schlüter ist seit der Spielzeit 2007/08 Oberspielleiter im Schauspiel am Theater Bielefeld, mit dem er zuvor viele Jahre als regelmäßiger Gastregisseur eng verbunden war. Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 übernahm er dann die Funktion des Schauspieldirektors. Geboren in Nesselwang im Allgäu, studierte Christian Schlüter nach seinem Abitur zunächst zwei Jahre Theaterwissenschaften an der Universität in Bochum und von 1990-1994 Regie bei Jürgen Flimm und Manfred Brauneck in Hamburg. Nach seinem Studium war er bis 1998 als Regieassistent am Thalia Theater Hamburg tätig. Danach arbeitete er als freischaffender Regisseur und Lehrbeauftragter am Studiengang Schauspieltheater-Regie in Hamburg. In Bielefeld inszenierte er zuletzt u. a. die Uraufführungen von Paul Austers Winterjournal und David Gieselmanns Theaterserie Sissy Murnau, die deutschsprachigen Erstaufführungen von Steven Fechters Schlangenbrut und Alan Ayckbourns Rondo, Joseph Rots Hiob, Orwells 1984, Simon Stephens‘ Heisenberg, die Uraufführung von Anne Jelena Schultes Recherchestück Weißes Gold, Shakespeares Ein Sommernachtstraum und Wie es euch gefällt sowie Schillers Wilhelm Tell und Die Jungfrau von Orleans. Aktuell sind seine Inszenierungen von Matthias Brandts Blackbird im Stadttheater und von Samantha Ellis´ How to date a feminist im Theater am Alten
Markt zu sehen.

Seit der Spielzeit 2015/16 ist der italienische Choreograf Simone Sandroni künstlerischer Leiter der Sparte Tanz am Theater Bielefeld. Zuvor arbeitete er mit der von ihm mitbegründeten Tanzkompanie Ultima Vez in Brüssel, bis er ab 1993 mit seiner
Gruppe Ernesto erste eigene Choreografien zur Uraufführung brachte. 1996 gründete er in Prag gemeinsam mit Lenka Flory die Tanzkompanie Déjà Donné, mit der er weltweit in 26 Ländern auf Tournee ging. Simone Sandroni war außerdem international
als Gastchoreograf tätig u.a. für das Nationaltheater Prag, das Festival de Beweegin in Antwerpen, das Four Chambers Dance Project in Toronto, das Luzerner Theater, die Lublin Dance Company sowie für das Bayerische Staatsballett in München.

BÜHNE
Jürgen Höth ist freischaffender Bühnen- und Kostümbildner. Mit dem Theater Bielefeld verbindet ihn eine langjährige Arbeitsbeziehung u. a. mit den Regisseur* innen Matthias Kaschig, Mareike Mikat, Dariusch Yazdkhasti, Michael Heicks und Christian Schlüter. Zuletzt übernahm Jürgen Höth die Ausstattungen für Weißes Gold, How to date a feminist, Spin und das Bühnenbild für Charlys Tante sowie für Simone Sandronis Tanzstück Opus fünfundsechzig.

KOSTÜME
Clemens Leander ist seit 2009 als Kostümbildner tätig. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn dabei mit der Regisseurin Clara Weyde und dem Performancekollektiv Showcase Beat Le Mot. Seine Arbeiten führten ihn u. a. an die Theater in Bonn und Freiburg, die Staatstheater Hannover und Nürnberg sowie das Schauspielhaus Hamburg und das Deutsche Theater Berlin. Zudem war Clemens Leander von 2013 bis
2015 Kostümdirektor am Theater an der Parkaue, Junges Staatstheater Berlin. Im Jahr 2016 begann er seine Arbeit bei den Salzburger Festspielen in der Produktionsleitung der Kostümabteilung. Dort betreut er seitdem die Schauspielproduktionen des Festivals. In der Spielzeit 2018/19 unterstützte er als künstlerische Organisationsleitung die Kostümabteilung des Burgtheaters in Wien. Am Theater Bielefeld entwarf Clemens Leander u. a. die Kostüme für Wie es euch gefällt und König Ubu, außerdem für die Inszenierungen von Rose Bernd und Die Affäre Rue de Lourcine, die aufgrund der aktuellen Situation noch nicht zur Premiere kommen konnten. In dieser Spielzeit übernahm er zudem die Kostüme für die Uraufführung von Dominik Buschs Deinen Platz in der Welt.

BESETZUNG

Tamerlano, Herrscher der Tartaren James Hall, Hampus Larsson Bajazet,
Herrscher der Türken Lorin Wey, Alexandre Nodari Asteria,
Tochter des Bajazets Nohad Becker, Cola Ho Andronico,
griechischer Prinz Owen Willetts, Andrea Zinnato Irene,
Prinzessin von Trapezunt Katja Starke, Elvira Zúñiga Porras Leone,
Vertrauter Andronicos Yoshiaki Kimura

BIOGRAFIEN DER GÄSTE
Der Countertenor James Hall genießt großes Ansehen im barocken und zeitgenössischen Repertoire. 2019/20 sang James Hall erstmals mit dem Scottish Chamber Orchestra und gab sein Debüt an der Deutschen Oper Berlin als Oberon. Bei der Biennale in Venedig war er als The Boy in Written on Skin zu erleben und sang Goffredo in Rinaldo bei Glyndebourne on Tour sowie ein Konzert unter der Leitung von Sir George Benjamin in der Royal Festival Hall. Vergangene Spielzeit gab Hall sein Debut beim Glyndebourne Festival als Rinaldo und sang Oberon an der Opéra National de Montpellier. In weiteren Engagements der jüngeren Vergangenheit sang er Guildenstern in Hamlet mit Glyndebourne on Tour, Narciso in Agripina beim Grange Festival und Farinelli in Farinelli and the King am Belasco Theatre am Broadway, wobei er mit dem Oscar-prämierten Schauspieler Mark Rylance auf der Bühne stand.

Hall kreierte die Rolle des Leon in Osborns The Mother mit der Mahogany Opera Group, Nathaniel in Na’ama Zissers Black Sand beim Tête-à-tête- und Grimeborn Festival sowie Johan in der Uraufführung von David Bruces Nothing in Glyndebourne. Im Konzert sang James Hall Bach-Kantaten mit The English Concert und Harry Bicket in der Wigmore Hall sowie deren Produktion von Rinaldo in der Carnegie Hall, wo er sein Debut mit Orfeo unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner gegeben hatte. Er sang Adalberto in Ottone mit George Petrou und Il Pomo d’Oro beim Festival de Beaune, war als Solist in Unsuk Chins Cantatrix Sopranica mit dem niederländischen Kammerorchester Asko|Schönberg zu erleben, spielte außerdem Zephyrus in Apollo et Hyacinthus mit Ian Page und der Classical Opera, Giulio Cesare mit der Early Opera Company sowie Mozarts Requiem in Singapur und Bachs Johannes-Passion mit Harry Bicket und der Royal Northern Sinfonia.

James Hall studierte am Royal College of Music und erhielt den Sir Geraint Evans Prize 2009 und 2010 sowie den Somerset Song Prize 2013. Gegenwärtige und zukünftige Engagements von Owen Willetts umfassen die Rolle der Castle Crow in John Abrahamsens The Snow Queen an der Bayerischen Staatsoper in München, Unulfo in Rodelinda in Göttingen und Moskau, Johannes-Passion an der Oper Zürich, die Titelrolle in Orlando am Staatstheater Darmstadt und diejenige in Glucks Orfeo an der Opera Queensland, den Tolomeo in Giulio Cesare am Theater Bonn, Tullio in Arminio in Karlsruhe, Göttingen sowie am Theater an der Wien, außerdem eine Tournee mit Les Musiciens du Louvre, Eustazio in Rinaldo sowie die Titelrolle in Giustinio mit der Lautten Compagney Berlin sowie Händels Il trionfo del tempo e del disinganno am Opernhaus Halle. In den vergangenen Spielzeiten sang Owen Willetts Oberon an der Viriginia Opera und in Hannover, Ottone in L’incoronazione di Poppea an der Pinchgut Opera und am Theater Aachen, Orlando in Heilbronn und Halle, Helicon in Caligula an der Staatsoper Hannover, Andronico beim Buxton Festival, Farinelli in Farinelli and the King am Duke of York Theatre, Narciso in Agrippina in Oldenburg, Göttingen und beim Brisbane Baroque Festival, den Sommer in The Fairy Queen, Giulio Cesare an der Finnish National Opera sowie Orfeo (Gluck) und Arsace in Händels Partenope beim Boston Baroque.

Im Konzertbereich sang Owen Willetts mit Les Musiciens de Louvre, dem Telemann Chamber Orchestra beim Vancouver Early Music Festival, mit dem Ulster Orchestra, Orchestra of the Age of Enlightenment und der Lautten Compagney. Dabei arbeitete er mit zahlreichen führenden Künstler*innen der historischen Aufführungspraxis wie Laurence Cummings, Christian Curnyn, Emmanuelle Haim, Marc Minkowsi, Martin Pearlman, Howard Arman und Raphael Pichon. Owen war Chorschüler an der Kathedrale in Lichfield (Staffordshire/GB) und studierte an der Royal Academy of Music bei Noelle Barker, Iain Leadingham und David Lowe.

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—


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Paris, Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Croesus – Barockoper – Reinhard Keiser, IOCO Kritik, 18.10.2020

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Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris © Mirco Magliocca

Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris © Mirco Magliocca

Athénée – Théâtre Louis-Jouvet

Croesus – Barockoper – Reinhard Keiser

Ein seltenes Juwel des deutschen Barock – nun in Paris über:  Croesus oder der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus 

von Peter M. Peters

Für lange Zeit völlig vergessen, war Croesus (1711) eine der erfolgreichsten Opern von Reinhard Keiser (1674-1739) und wohl auch eine der charakteristischsten für den Deutschen Barock, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert die Bühnen im Sturm erobert hatte. Diese Oper zeigt mit ihrer reichhaltigen und einfallsreichen Musik perfekt die unglaubliche Vitalität der Hamburger Oper zu dieser Zeit.

Im goldenen Wasser des Pactole-Fluss…

CROESUS von Reinhard Keiser, 1711 komponierte Barockoper © Wikimedia Commons

CROESUS von Reinhard Keiser, 1711 komponierte Barockoper © Wikimedia Commons

Der in Teuchern in Sachsen-Anhalt geborene Keiser genießt heute nicht die gleiche Bekanntheit wie sein zehn Jahre jüngerer Landsmann Georg Friedrich Händel (1685-1759). Keiser zeichnet sich vor allem durch seine Vokalmusik aus: Er komponierte Passionen, Oratorien, Kantaten, vor allem aber Opern. Er schrieb mehr als 70 Opern (nur weniger als ein Drittel hat die Zeit überlebt), die meisten davon für das 1678 erbaute Theater am Gänsemarkt, die damalige Oper für Hamburg. Dort wurde er 1679 zum Kapellmeister ernannt und wenig später auch zum Theaterdirektor, musste jedoch wegen schlechter Verwaltungsführung aus Hamburg fliehen, denn es drohte ihm Gefängnis für Verschuldung. Keiser war geprägt von der italienischen Musik, die damals in Europa dominierte, aber er entwickelte dennoch einen sehr persönlichen Stil. Er ist einer der ersten Komponisten des deutschen Barock, die von seinen Kollegen sehr bewundern wurde: „Er ist vielleicht das originellste musikalische Genie, das Deutschland jemals hervor gebracht hat…“ sagte Johann Adolf Scheibe (1708-1776), während Johann Mattheson (1681-1764) ihn: „…für den größten Opernkomponist schlechthin“ hielt. 1711 komponierte Keiser Croesus nach einem Libretto des Lucas von Bostel (1649-1716) nach Creso von Nicolà Minato (1627-1698). Dieses Libretto wurde bereits 1684 von Philipp Förtsch (1652-1732) in einer ebenfalls in Hamburg uraufgeführten Oper vertont. Es erzählt die Geschichte von Croesus, dem fabelhaft reichen König von Lydien, der im 6. Jahrhundert vor J.C. lebte.

Reichtum macht nicht glücklich…

Croesus, der reiche König von Lydien schätzt sich glücklich über seinen großen Reichtum. Der eifersüchtige König von Persien, Cyrus, erklärt Lydien den Krieg und hält Croesus nach einer Schlacht zwischen den beiden Armeen gefangen. Trotz des Titels der Oper ist Croesus nicht die Hauptfigur der Geschichte, da sich die Handlung tatsächlich auf Atys, seinen Sohn konzentriert. Der stumme Prinz ist in die Prinzessin Elmira verliebt, die ihn seinerseits liebt und die Annäherungen des edlen Orsanes schroff ablehnt. Auf der anderen Seite liebt Prinz Eliates, der während der Abwesenheit des Königs zum Gouverneur von Lydien ernannt wurde, die Prinzessin Clerida, die aber Orsanes liebt. Dies reicht aus, um mehr als ein Liebesdreieck hervorzubringen und die vielen Situationen zu verwirren! Nach der Inhaftierung von Croesus verkleidet sich Atys als Diener, nachdem er seine Sprache wundersamer Weise wiedererlangt hat, um die Verschwörungen von Orsanes zu vereiteln. Gleichzeitig nutzt er die Gelegenheit, die Treue seiner geliebten Elmira zu prüfen. Alles endet gut, als Orsanes endgültig entlarvt wird. Cyrus willigt ein Croesus zu befreien und die jungen Leute können endlich heiraten.

Croesus – Crésus – Barockoper von Reinhard Keiser – Ankündigung
youtube Trailer Athénée – Théâtre Louis-Jouvet
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Emotionelle Virtuosität

In drei Akten ist die Opernhandlung eine komplexe Geschichte, die reich an Charakteren und Ereignissen ist, wie in den venezianischen Opern. Eine Besonderheit ist der Wechsel von ernsten Szenen und komischen Interventionen z.B. von Elcius, einem Trottel, der manchmal eine sehr rüde volkstümliche Sprache verwendet. Die Fülle an Charakteren ermöglicht es Keiser, die Arien zu variieren und seinen melodischen Erfindungsreichtum freien Lauf zu lassen. Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) wird von Keiser sagen: „…dass er in der Schönheit, der Neuheit, dem Ausdruck und den angenehmen Melodien, nichts an Händel zu beneiden hat!“ Die ganze Oper ist reich an Arien von unglaublicher Vielfalt, weit entfernt von der konventionellen RezitativAria da Capo in der opera seria. Wenn in Croesus die Aria da Capo vorhanden ist, ist sie Nebensache neben den vielen Duett-Arien, Strophen-Arien oder einfachen Arien in freier Form.

Die Arien sind ziemlich kurz und folgen manchmal ohne Rezitativen Satz aufeinander (Szenen 8 bis 10 im 1. Akt). Sie sind nicht der Vorwand für große stimmliche Fähigkeiten wie in vielen italienischen Opern, sondern im Gegenteil zeigen sie die emotionale Entwicklung der Charakteren. Keiser versucht seine Musik den Affekten anzupassen: Sie ist manchmal traurig oder sogar sentimental, manchmal begeistert oder triumphierend, auch populär (z.B. die komischen Interventionen von Elcius oder die Arie der Bauern im 2. Akt, Szene 2). Wenn es um Liebe geht, sind die Arien oft von einer süßen Melancholie durchdrungen, die nicht selten an die Kantaten von Johann Sebastian Bach (1685-1750) erinnern. Sogar der abscheuliche Orsones ist mit einer Aria Cantabile von unerwarteter Zärtlichkeit ausgestattet (2. Akt, Szene 5), als er Elmira seine Liebe erklärt, begleitet von dem süßen Ton des Traverso. Einige seltene Chöre, die die Menge repräsentieren, unterstreichen die Oper im richtigen Moment: Mit vier gleichrythmischen Stimmen treten sie in sehr kurzen Interventionen auf (1. Akt, Szenen 1 und 16, 3. Akt, letzte Szene) und manchmal auch alleine im Rezitativ (3. Akt, Szenen 6-7).

Die letzte Szene ist ein großartiges Rezitativ, das längste der gesamten Opernliteratur, in das alle Mitwirkenden teilnehmen. Es wird nur von einer Arie des Croesus und die Interpunktionen des Chores vor dem gesamten Ensemble unterbrochen.

 Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris / Croesus Barockoper von Reinhard Keiser © JULIEN BENHAMOUDSC

Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris / Croesus Barockoper von Reinhard Keiser © JULIEN BENHAMOUDSC

Überreiche Orchesterfarben

Die Rezitative sind secco (nur begleitet von einem Basso Continuo), während die Arien vom Orchester begleitet werden und hauptsächlich aus Streichern bestehen, zu denen regelmäßig Oboen und Fagotten sich untermischen. Keiser fügt für die Sinfonia (Ouvertüre) und den Schlachtszenen gegen die Perser (Ende des 1. und 2. Aktes) mehrmals Trompeten und Pauken dazu. Er benutzt gelegentlich andere Instrumente, um dem Orchester eine neue Farbe zu verleihen: Die Chalumeaux im Einklang mit den gedämpften Streichern im 1. Akt, Szene 10. Oder die Zufolo (kleine italienische Flöte, wobei Keiser einer der letzten ist, diese zu benutzen, denn unter seinen Zeitgenossen ist dieses Instrument durch das Flautino oder Flauto Piccolo ersetzt worden) für die pastorale Atmosphäre im einleitenden Ritornell im 2. Akt. Mehrere Arien führen auch einen Sprachdialog mit einem Soloinstrument: Die Oboe unterhält sich mit Elmira (1. Akt, Szene 2), während das Traverso den Ton verdoppelt mit Clerida, (1. Akt, Szene 14) desgleichen in der Szene mit Elmira (1. Akt, Szene 6) und im Austausch mit Orsanes (2.Akt, Szene 5).

Die Tanzszenen erinnern an französische Ballettmusik, wie z.B. das Harlekin Ballett in Form einer Chaconne im 2. Akt, Szene 15, die uns an die Chaconne des Scaramouche in Le Bourgeois gentilhomme von Jean-Baptiste Lully (1632-1687) und Jean-Baptiste Molière (1622-1673) erinnert oder ein Passepied, das den 2. Akt abschließt.

Keiser kehrt Anfang 1720 wieder nach Hamburg zurück und scheint sich ab 1727 von der Gattung Oper zu lösen. Er überließ die Hamburger Bühne an Georg Philipp Telemann (1681-1767), der seit 1722 die Leitung der Oper übernommen hatte. Er selbst konzentrierte sich hauptsächlich auf die Überarbeitung seiner eigenen Werke, darunter auch Croesus im Jahre 1730, indem er neue Arien hinzufügte. Er starb im Jahre 1739 und nahm seine Werke mit sich, die völlig in Vergessenheit geraten waren. Die Oper von Hamburg stieß auf ernsthafte Schwierigkeiten, finanzielle Probleme vermehrten sich und sie musste geschlossen werden (1738 war unwiderruflich die letzte Saison!), bevor sie 1763 abgerissen wurde.

Die Posaunen für den endgültigen Dolchstoß der deutschen Barockoper war erklungen: Sic transit gloria mundi…

Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris / Croesus Barockoper von Reinhard Keiser © JULIEN BENHAMOUDSC

Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris / Croesus Barockoper von Reinhard Keiser © JULIEN BENHAMOUDSC

Aufführung am 8. Oktober 2020 im Athénée – Théâtre Louis-Jouvet Paris

Die Produktion war immun gegen Covid 19-Ansteckung und konnte ihre verdiente Premiere feiern, jedoch gegen die vulgären und schwachsinnigen Plattheiten des französischen Regisseur Benoît Bénichou, war leider kein Kraut gewachsen. Wir haben nach einer Spieldauer von etwa drei Stunden nur noch abgeknallte Champagnerkorken und hüftenschwingende sexuelle Darbietungen in Erinnerung. Dazu  andauernde Make-up-Sitzungen von Elmira und Clerida in Halbweltdamen-Atmosphäre, um ihre überschminkten Gesichter zu erneuern. Auch die Herren (Croesus, Eliates, Orsanes) sind nicht von dem vielen unklaren Kunterbunt verschont und erinnern uns an: Drag-queens, Travestien oder Transsexuellen, die sicherlich von « Madame Arthur » ausgeliehen wurden. Die goldglitzernden Kostüme des Franzosen Bruno Fatalot sind höchstwahrscheinlich für eine Gay-Pride entworfen, aber nicht für eine seriöse sentimentale Geschichte liebender Herzen. Der Diener Elcius, ein dummer Tölpel, von Keiser und Bostel mit einer rüden derben Volkssprache versehen gleich dem venezianischen Harlekin, verliert hier jeglichen Charme der commedia dell’arte und sackt ab zu einem Fake-Animateur in einer Reality-Show. Das Klischee-Denken geht sogar so weit, dass nur der griechische Philosoph Halimacus das Recht hat im einfachen grauen Straßenkostüm zu erscheinen, d.h. das Übermaß an Gold und Reichtum des Königs Croesus bleibt ihm enthalten. Kurzum, diese Inszenierung ist für uns nicht mehr als ein zum grotesken überzogenes schrilles Jahrmarkt-Theater geworden, das jedoch ohne die volkstümliche Frische der durch die vergangenen Jahrhunderte ziehenden Wandertruppen aufweist. Hier fehlte einfach eine meisterliche geschulte Theaterhand, die alle oben genannten Faktoren in einer frechen und intelligenten Weise zu einem erfolgreichen schmunzelnden Ende führt und nicht auf halber Strecke mit übergroßen Schuhen sitzen bleibt. Ein Geschichtenerzähler sollte eine Vision verteidigen und nicht eine matte fade ermüdende „Schongesehengeschichte“!

In positiver Weise wäre das Bühnenbild von der Französin Amélie Kiritzé Topor zu erwähnen. Sie zeigt uns einen einfachen drehenden Kubus, der in verschiedenen Ansichten immer neue Bilder und Atmosphären ermöglicht und somit auch einen rapiden Szenenwechsel ermöglicht.

Der italienische Geiger und Dirigent Johannes Pramsohler hat mit seinem von ihm gegründeten Ensemble Diderot trotz einiger anfänglicher Misstöne bei den Bläsern eine außerordentliche Arbeit geleistet. Die Streicher überzeugten mit einer bewundernswerten Flexibilität und waren mit reichhaltigen Farben versehen. Die Musiker brachten wohl den entscheidenden Erfolg für diese barocke Neuentdeckung und wurden mit Recht gefeiert. Auch das junge Sängerensemble hat uns mit erfreulichen Erinnerung belohnt:

Die südkoreanische Sopranistin Yun Jung Choi hat gemessen nach der Anzahl und der Schwierigkeiten der Arien wohl die anspruchsvollste Rolle in der Oper. Sie ist geradezu ideal besetzt als Prinzessin Elmira mit ihrem großen Stimmumfang und den glockenreinen Koloraturen. In ihrer noch jungen Karriere hat sie schon viele Erfolge an nationalen und internationalen Bühnen erhalten: u.a. Paris, Rennes, Angers, Düsseldorf, New York, Madrid, Seoul.

Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris / Croesus Barockoper von Reinhard Keiser © JULIEN BENHAMOUDSC

Athénée – Théâtre Louis-Jouvet, Paris / Croesus Barockoper von Reinhard Keiser © JULIEN BENHAMOUDSC

Die verliebte Prinzessin Clerida ist von dem französischen Sopran Marion Grange mit viel Raffinesse und Talent interpretiert. Die kristallklaren Töne verschmelzen wundervoll mit dem dunklen Vibrato ihrer Stimme. Auch sie kann schon auf eine beachtliche Karriere hinweisen: u.a. Genf, Lausanne, Stuttgart, Graz, Sao Paulo, Oslo und Krakau.

Der französische Mezzosopran Inès Berlet ist mit viel Natürlichkeit in die Hosenrolle des Atys gestiegen; sie überzeugte mit einem hellem Mezzo-Register und bot einen noch sehr jungen verliebten kecken und quirligen Burschen an. Sie hat ein schon sehr umfangreiches Repertoire: u.a. Ascanio, Mercédès, Siébel, Hänsel, Urbain, Hélène, Nicklausse, Rosina, Orlofsky, Angelina und die Mozartrollen in ihrem Fach: Cherubino, Zerlina, Dorabella, Idamante, Ramiro, Sesto und Zweite Dame. Auch sie kann schon auf eine internationale Karriere hinweisen.

Croesus ist mit dem chilenischen Bariton Ramiro Maturana besetzt, er kann eine gut positionierte Stimme mit einem umfangreichen angenehmen Tonmaterial aufweisen. Er hat schon eine beachtliche internationale Karriere hinter sich mit Rollen: u.a. Martello, Marullo, Poeta, Spinelloccio, Belcore, Phaor, Ufficiale in u.a. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Teatro alla Scala Milano, Grand-Théâtre de Genève.

Der junge österreichische Bariton Wolfgang Resch in der Rolle des Intriganten Orsones fiel uns besonders auf; seine warme volle Stimme fließt mit samtweichen Legato in allen Registern. Unserer Meinung sollte man ihn als sogenannten Heldenbariton einstufen und die Rollen der Bösewichter sollte er seinen Kollegen überlassen. Mit intelligenten Entscheidungen und vorsichtigem Antasten an neue Rollen könnte das unserer Meinung eine große Karriere voraussagen. Er sang u.a. in Wien, Biel Solothurn, Krakau, London, Budapest, Salzburg, Bern.

Der persische König Cyrus interpretiert von dem ukrainischen Bass Andriy Gnatiuk scheint uns adäquat und kraftvoll genug für diese an sich unsympathische Tyrannenrolle. Von 2012 bis 2015 gehörte er dem Ensemble des Atelier Lyrique de l’Opéra national de Paris an und interpretierte folgenden Rollen: u.a. Leporello, Don Alfonso, Collatinus. Im Palais Garnier Paris sang er schon die Rolle des Huascar in Les Indes Galantes von Jean-Philippe Rameau (1683-1764) und desgleichen auch einen Liederabend.

Der in London lebende spanische Tenor Jorge Navarro Colorado hat in der Rolle des Prinzen Eliates stimmlich voll überzeugt. Sein helles klares Timbre erinnert mitunter an die Stimmlage eines Countertenor und ist geradezu prädestiniert für die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Höchstwahrscheinlich ein äußerst idealer Interpret für die bachsche Musik. In vielen Gastspielen hat er sich schon international betätigt: u.a. Scottish Opera, Irish National Opera, Glyndebourne, Göttingen Händel Festival, London Handel Festival, Wexford Festival Opera.

Als griechischer Philosoph Halimacus und als Solon ist der französische Tenor Benoît Rameau eingesetzt. Er interpretiert die großen Werke von Claudio Monteverdi (1567-1643) bis zu György Ligeti (1923-2006) mit viel Einsatz und Können. Auch hat er eine besondere Vorliebe für den Liederabend. Das baritonale Timbre seiner Stimme hat einen besonderen Effekt in der Interpretation seriöser Rollen.

Der französische Tenor Charlie Guillemin singt die Rolle des Elcius, einen deutschen Harlekin nach venezianischen Muster erdacht vom Komponisten Keiser. Leider hatte unser sensibles Hörorgan gewaltige Probleme diese überlaute schrille Stimme zu ertragen. Wir würden diese Stimmlage als einen sogenannten Charakter-Tenor einstufen und mit intensiver Schulung könnte das z.B. ein ausgezeichneter Herodes oder Aegisth sein.

Von der musikalischen Seite würden wir diese Produktion als sehr gelungen ansehen und ein noch völlig unbekannter deutscher Komponist in Frankreich wird von seiner besten Seite dem Publikum vorgestellt.

Reiche Anmerkung:

Vor der Gründung seines Ensemble Diderot war der Geiger Johannes Pramsohler ein sehr gesuchter Solist bei den großen Formationen für Alte Musik. Kein Wunder, dass er sich als inspirierter Führer für diejenigen herausstellt, die das musikalische Europa des 17. Jahrhundert kennenlernen möchten. Nach Dresden und Paris, während Berlin in Vorbereitung ist, wird London Gegenstand seiner Aufmerksamkeit. Henry Purcell (1659-1695), aber auch Antonio Draghi (1634-1700) oder John Blow (1649-1708), verleihen der britischen Hauptstadt einen bemerkenswerten künstlerischen Nervenkitzel, den Johannes Pramsohler und seine Musiker mit bewundernswerter Theatralik und klanglicher Opulenz wiederbeleben.

Hierzu die CD – Empfehlung des Autors für Freunde des Barock

ENSEMBLE DIDEROT – THE LONDON ALBUM 

  • Künstler: Ensemble Diderot, Johannes Pramsohler
  • Label: AUDAX  DDD, 2018
  • Bestellnummer: 9134935

Fünf Jahre nach ihrem gefeierten »Dresden Album« setzen Johannes Pramsohler und seine Kollegen des Ensemble Diderot ihre Entdeckungsreise durch die Triosonate im barocken Europa mit Werken aus Purcells London fort. Die Kombination aus bekannten Sonaten und Weltersteinspielungen zeigt, wie englische Komponisten das neue italienische Genre als Ausdrucksmittel nutzten und wie mühelos ausländische Komponisten sich das englische Idiom aneigneten und somit Kammermusik schufen, die feinsinniger und expressiver kaum sein könnte.

—| IOCO Kritik Athénée – Théâtre Louis-Jouvet |—


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