Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Die Frau ohne Schatten – Richard Strauss, IOCO Kritik, 08.10.2019

Oktober 8, 2019 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 DIE FRAU OHNE SCHATTEN  –  Richard Strauss

 – Wahre Humanität findet der Mensch nur  ……  –

von Uschi Reifenberg

Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1919 wurde Die Frau ohne Schatten  an der Wiener Staatsoper uraufgeführt. Am 8. September 2019 jährte sich der Todestag des Komponisten Richard Strauss zum 70. Mal, eine wichtige Zahl für den Umgang mit den Urheberrechten von Komponisten, denn nach der ablaufenden Schutzfrist von 70 Jahren werden deren Werke dann erstmalig gemeinfrei.

Nun feierte am Nationaltheater Mannheim (NTM) zu Beginn der Spielzeit 2019/20 als eine der größten Wiederaufnahmen das monumentale Werk Die Frau ohne Schatten aus den Federn des genialen Künstlergespanns Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal sein glanzvolles Comeback.

Die schwer zu realisierende Oper geht nicht nur szenisch, sondern vor auch musikalisch an Grenzen des Möglichen, die das exzellente Ensemble des NTM  mit Bravour bewältigte.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Catherine Foster als Färberin © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Catherine Foster als Färberin © Hans Joerg Michel

Die Frau ohne Schatten, vierte gemeinsame Oper von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, wurde 1917, mitten im 1. Weltkrieg vollendet. Sie ist vom Textdichter des Stückes in der „Märchenwelt“ zur „Märchenzeit“ angesiedelt, was auch als Weltflucht oder Gegenentwurf zur schweren und leidvollen Zeit während der Kriegsjahre interpretiert werden könnte. Strauss bezeichnete das Werk als „letzte romantische Oper“ und die Autoren sparten nicht mit bühnenwirksamen Schauplätzen und phantastischem Personal wie Tempeln, Palästen, Hütten, unterirdischen Klüften, Geisterboten, Zauberei, Verwandlung, mythischen Verweisen, Tierwesen, sowie Menschen- und Geistersphäre. Die Oper bietet ein ganzes Füllhorn an Symbolen und Metaphern, enthält aber auch zum Teil verworrene Handlungsstränge und komplizierte Bezüge.

Drei starke Frauen mit unterschiedlichen psychologischen Strukturen stehen im Mittelpunkt des Geschehens; sie gehören verschiedenen Sphären der fernöstlich angehauchten Geschichte an: Die Kaiserin und die Amme, ihre Begleiterin, stammen ursprünglich aus der Geisterwelt, die Frau (Färberin) lebt in der Menschenwelt. Der Schatten ist das Fruchtbarkeitssymbol, den die Kaiserin erlangen möchte, damit ihr Gatte, der Kaiser, nicht versteinern muss. Die frustrierte Färberin hingegen, verheiratet mit dem einfachen Färber Barak, der sich Eheglück und Kinder wünscht, ist mit ihrem Leben unzufrieden und lehnt es ab, Mutter zu werden. Die Amme, Abgesandte des Geisterfürsten Keikobad, Vater der Kaiserin, verkörpert das negative Prinzip, sozusagen „den Geist, der stets verneint“. Sie ist Seelenfängerin und trägt diabolische Züge. Als Begleiterin der Kaiserin hasst sie alles Menschliche und wird – märchengerecht – am Schluss gegen „das Gute“ verlieren. Aber bis dahin steht den beiden Ehepaaren – wie in Mozarts Zauberflöte ein beschwerlicher Prüfungsweg bevor, auf dem Kaiserin und Färberin einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen und in einem schmerzlichen Erkenntnisprozess ihren Egoismus zu überwinden lernen, Verzicht leisten und zu Menschlichkeit, Empathie und Mutterglück finden.

Richard Strauss (1864-1949), „Operntitan“ und bedeutendster deutschsprachiger Musikdramatiker des 20. Jahrhunderts, gilt als Meister orchestraler Klangfarben und der Instrumentation, die in ihrer Einzigartigkeit als Essenz seines Schaffens angesehen werden kann.

Strauss begann seine musikalische Entwicklung zunächst als Komponist Sinfonischer Dichtungen in der Tradition Franz Liszts, folgte dann aber immer mehr der Idee des Gesamtkunstwerks Richard Wagners. In seinen Opern knüpfte er an dessen leitmotivisch geprägten durchkomponieren Kompositionsstil an, erweiterte diesen in kunstvoll polyphoner Verarbeitung und intensivierte die tonmalerische Ausgestaltung der Motive. Er überarbeitete die grundlegende Instrumentationslehre von Hector Berlioz von 1844, entwickelte sie in der Wagner Nachfolge konsequent weiter und führte die klanglichen Möglichkeiten des modernen Sinfonieorchesters im 20. Jahrhundert zu einem absoluten Höhepunkt.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Miriam Clark als Kaiserin, KS Thomas Jesatko als Barak, der Färber © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Miriam Clark als Kaiserin, KS Thomas Jesatko als Barak, der Färber © Hans Joerg Michel

Strauss erweiterte die romantische Tonsprache bereits in seinen früheren Werken Salome (1905) und Elektra (1909) und ging bis an die Grenzen der Tonalität, mit einer bis dahin nie gehörten Häufung von Dissonanzen, Clustern, Verfremdungen und exotischen Klangfarben. Viele dieser für die damalige Zeit neuartigen Stilelemente griffen Komponisten wie Schönberg, Berg oder Hindemith auf, die unter anderem als Repräsentanten der atonalen Kompositionsweise in die Musikgeschichte eingingen.

Frau ohne Schatten stellt mit seiner Instrumentation einen Höhepunkt romantischer Ausdruckskunst darstellt. Strauss erweitert dazu die Orchesterbesetzung nicht nur zahlenmäßig, sondern bezieht auch seltene Instrumente wie Glasharmonika, Rute oder mehrere chinesische Gongs ein. Er fordert insgesamt 64 Streicher, 33 Bläser, 2 Harfen, 2 Celestas, ausgedehntes Schlagwerk, darunter Tamtams, Wind- und Donnermaschine, Orgel, sowie ein Bühnenorchester mit zusätzlich 19 Bläsern.

GMD Alexander Soddy und das blendend disponiere Nationaltheater- Orchester ließen keinen Zweifel, dass sie sich in der spezifischen Strauss‘schen Tonsprache wie zu Hause fühlen. Soddy, der die Oper in kompletter Länge dirigierte, erwies sich erneut als Strauss Dirigent par excellence. Er fächerte das Klangfarbenspektrum der komplexen Partitur kaleidoskopartig auf, ließ in den Zwischenspielen die Orchestermassen aufblühen und zauberte magische Momente. Gleichzeitig hielt er den Riesenapparat von Bühne und Orchester immer unter Kontrolle.

Bereits die Eröffnung des 1. Aktes mit den brachialen Schlägen des Keikobad Motivs ging unter die Haut, schwelgerisch gelangen die melodienseligen weit geschwungenen Bögen, ebenso die elektrisierend flirrenden und unruhig flackernden Motive, besonders innig und fein austariert die kammermusikalischen liedhaften Stellen der Barak Szene und der Wächtergesänge am Ende des 1. Aktes. Geriet der 1. Akt spannungsmässig noch nicht vollends überzeugend, bündelte Soddy im 2. und 3. Akt dann die Energien, entzündete pathetische Wucht mit kompromissloser Expressivität und vereinigte in der C-Dur Schluss- Apotheose Solisten und Orchester zum ekstatischen Höhepunkt.

Dass das NTM traditionell einen hervorragenden Ruf in der Wagner– und Strauss- Pflege genießt, konnte man an diesem Abend nicht nur bezüglich der außergewöhnlichen Sängerriege bestätigt sehen. Die fünf sehr anspruchsvollen Hauptrollen waren bis auf eine Ausnahme mit hauseigenen Solisten besetzt; es war beglückend zu erleben, wie sich das hoch motivierte Ensemble, Solisten, Orchester, der fantastische Chor (Danis Juris) und Kinderchor (Anke-Christine Kober) zu großer Homogenität auf hohem Niveau zusammenfand.

Catherine Foster, vielumjubelte Bayreuther Brünnhilde ( 2013-2018), wartete mit einer stimmlich wie darstellerisch grandiosen Charakterstudie auf. Ihre Färberin ist keine am prekären Milieu zerbrechende Frau, die sich gegen ihr kleinbürgerliches Dasein als Ehefrau und Mutter aufbäumt, sondern eine selbstbewusste Persönlichkeit, die sich emanzipieren will und für ihre Ziele kämpft, allerdings um den hohen Preis der Fruchtbarkeit. Foster stattet die zerrissene Figur mit allen Facetten ihres hochdramatischen Soprans aus, findet im Streit mit Barak zu beißendem Spott mit stählerner Tongebung und gleissenden Höhen. Im Zeichen ihrer Wandlung und ihrem Bekenntnis zu Liebe und Mutterglück lässt sie ihren schön timbrierten, weichen Sopran innig und in zartesten Farben strahlen.

Die schillernde Figur der Amme wird von Julia Faylenbogen mit jugendlicher Ausstrahlung und einer beeindruckenden Vielfalt an Gestaltungs- und Klangfarben ausgestattet, die sie mit großer  Souveränität variiert. Die kraftvollen Höhen ihres ausgeglichenen Mezzosopran strahlen mühelos über die Orchesterwogen, ihr tiefes Register leuchtet in satten Farben und trägt problemlos auch an den leisen Stellen. Die vertrackten Intervallsprünge meistert sie mit bestechender Präzision. Faylenbogen zeichnet die dämonischen Züge dieser ambivalenten Figur eher zurückhaltend und beweist hingegen viel Sinn für Sarkasmus, Ironie und Schmeichelei. Hervorragend ist auch ihre differenzierte Textausdeutung.

Hauptfigur ist die Kaiserin, die Frau ohne Schatten, von Miriam Clark  mit glitzernden Koloraturen und mühelosen, jubelnden Spitzentönen und starker Leuchtkraft gesungen wird. Ihre Entwicklung von der noch etwas blutleeren Feen-Erscheinung am Anfang bis zu ihrer Entscheidung zur Mitmenschlichkeit, gestaltet sie zutiefst anrührend. Die verschiedenen Stadien ihrer „Menschwerdung“, der bewusste Verzicht auf ihre Mutterschaft zugunsten des Glücks von Färber und Färberin, die suggestive Traumszene, aber vor allem ihr großer Monolog „Vater, bist Du’s“, in der sie „durch Mitleid wissend“ wird, ist von großer Intensität. Sie verströmt ihren Sopran in weichen Lyrismen und hauchzarten piani. Umso ergreifender wirkt ihre hochexpressive Deklamationsszene, die melodramatische Steigerung, welche sie bis an die Grenzen des Ausdrucks führt und ein umfassende Identifizierung mit ihrer Rolle erreicht.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Miriam Clark als Kaiserin, Julia Faylenbogen als Amme © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Miriam Clark als Kaiserin, Julia Faylenbogen als Amme © Hans Joerg Michel

Thomas Jesatko ist als Barak, der Färber eine Idealbesetzung. Sein samtener, immer voll tönender und hell timbrierter Bariton ist prädestiniert für die seelenvollen Kantilenen des einfachen, aber gutherzigen Barak. Vorbildlich auch seine Phrasierungskunst sowie die perfekte  Textverständlichkeit. Der Traum von einem bescheidenen Glück an der Seite einer liebevollen Ehefrau, einer Kinderschar und harter Hände Arbeit wird ihm vorerst nicht erfüllt, was er geduldig erträgt. Jesatko gestaltet die liedhaften Passagen mit berührender Innigkeit und Sensibilität, findet aber auch zu heldenbaritonaler Wucht, wenn er letztendlich die Demütigungen seiner Frau nicht mehr aushält und sich endlich zur Wehr setzt.

Den Kaiser singt Andreas Hermann mit jugendlich- heldischem Tenor, durchweg höhensicher und durchschlagskräftig, zuweilen allerdings mit etwas enger Tongebung. Sein Kaiser ist eher ein Jäger, der sich mit seiner Beute schmückt und sie sich unterwirft, als ein hingebungsvoll liebender Mann. Seine Jagdtrophäe, die Kaiserin, die er als Gazelle gejagt hat, nun aber jede Nacht als Frau in seinen Besitz bringt, erreicht sein Herz nicht, nur seinen verliebten Ehrgeiz. Erst durch das liebende Entsagungsopfer der Kaiserin kann er sein Herz öffnen und erlöst werden.

Die drei Brüder des Färbers sind als Kriegsversehrte gezeichnet und singen und agieren ebenfalls auf hohem Niveau. Ilya Lapich als „der Einäugige“ mit klangschönem Bariton, „der Einarmige“ Marcel Brunner mit profundem Bassbariton und Benedikt Nawrath, „der Bucklige“ mit klarer Tenorstimme. Sie brachten als klanghomogenes Trio viel Lebendigkeit, aber auch soziale Tristesse in den Alltag der Färber.

Joachim Goltz gab mit seinem beeindruckenden heldischen Bariton dem Geisterboten Gewicht und Autorität, Estelle Kruger sang mit leuchtenden Tönen den Hüter der Schwelle des Tempels. Der Erscheinung eines Jünglings gab Juray Holly feinen Tenorglanz, Natalija Cantrak ließ als Stimme des Falken aufhorchen und Susanne Scheffel überzeugte als Stimme von oben. Jost-Jochen Wacker war verhalten präsent in der Rolle des Hugo von Hofmannsthal.

Die Inszenierung von Gregor Horres aus dem Jahr 2007 gewinnt ihre heutige Faszination aus  symbolischer Zeichensprache, Reduktion der Mittel und Abstraktion, komplettiert durch eine raffinierte Lichtregie (Bernard Häusermann), die dem opulenten Werk das nötige Quantum Magie verpasst.

Die Frau ohn Schatten – Making of … hier mit Korrepetitor Elias Corrinth
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Das Bühnenbild von Sandra Meurer (Bühne und Kostüme) symbolisiert mit beweglichem Deckensegment und vielfach einsetzbarer Drehbühne die obere und untere Sphäre, die sich am Ende versöhnlich aufeinander zubewegen. Angesiedelt ist die Oper in ihrer Entstehungszeit, der Textdichter Hugo von Hofmannsthal ist als eingefügte Figur fast die ganze Zeit auf der Bühne anwesend und reagiert schreibend auf den Ablauf des Geschehens. Er ist Doppelgänger von Barak, der hier kein Handwerker ist, sondern eher ein weltfremder Schriftsteller in seinem Elfenbeinturm zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Färberin trägt Züge von Strauss‘ Ehefrau, man sieht sich in „Szenen einer bürgerlichen Ehe“ in eben jene Zeit hineinversetzt.

Das Kaiserpaar mit langen weißen Haaren und Gewändern scheint aus der Mythologie zu stammen, die Amme mit exotischer Frisur und gelbem Kleid ist eher in der Märchenwelt beheimatet Auf märchenhafte Attribute verzichtet der Regisseur weitgehend und betont die      psychoanalytischen Aspekte, denn zeitgleich veröffentlichte Siegmund Freud seine bahnbrechenden Hauptwerke über Psychopathologie und weibliche Hysterie. Faszinierend in Szene gesetzt ist der Traum der Kaiserin mit surrealen Traumsequenzen, Tiersymbolik, perspektivischen Verschiebungen und geheimnisvollen Farbwechseln. Ein überdimensionaler roter Handschuh schiebt sich  im Wechsel mit einem ebenso großen Federhalter von oben in die Szene, ansonsten bestücken ein Bett, eine Tür, Tisch und Schreibpult die karge Bühne.

Die „Frauenthemen“ des Werkes, Fruchtbarkeit, Emanzipation oder Gendergerechtigkeit setzt Horres in einen zeitlosen Kontext. Er gibt Anstöße zu aktuellen Fragen wie Doppelbelastung von Familie und Beruf, Beziehungs -und Ehekrisen, Konsumverhalten, Geburtenraten oder Mutterglück.

Das begeisterte Publikum spendete nach dieser hinreißenden Aufführung frenetischen Beifall und feierte mit Blumen und Jubelrufen die Solisten und alle Beteiligten. 100 Jahre Frau ohne Schatten  – mit Themen ungebrochener Aktualität.

Die Frau ohne Schatten am NTM, die weiteren Vorstellungen 13.10.; 1.11.; 17.11.; 1.12.2019; 12.1.2020

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—

Wien, Wiener Staatsoper, Saisonauftakt 01.09. – Tag der offenen Tür, IOCO Aktuell

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Saisonauftakt 2019/2020 – 1. September 2019

IOCO Video – Jahrespressekonferenz zum Spielplan 2019/20

Mit sieben Opernwerken, zwei Ballettprogrammen, einem Konzert, zwei Matineen sowie mehreren Sonderveranstaltungen startet die Wiener Staatsoper im September 2019 in die neue Spielzeit 2019/2020, die letzte von Staatsoperndirektor Dominique Meyer und Ballettdirektor Manuel Legris verantwortete Saison.

Wiener Staatsoper 2019/20 – IOCO Video zur Jahrespressekonferenz der Staatsoper
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Den Auftakt zur neuen Spielzeit bildet auch heuer wieder traditionellerweise der beliebte Tag der offenen Tür am Sonntag, 1. September 2019. An zwei Terminen (14.00 – 16.30 Uhr sowie 17.30 – 20.00 Uhr) werden spannende Einblicke hinter die Kulissen des Opern- und Ballettbetriebs mit u. a. Proben mit Publikumslieblingen wie KS Ildikó Raimondi und Zoryana Kushpler, einer Technik- und Bühnenshow mit szenischen Ausschnitten aus L’italiana in Algeri, La Bohème und Sylvia, der Ausstellung von Kostümen, Requisiten, historischem Notenmaterial und vielem anderen mehr geboten.

 Eckdaten der Wiener Staatsoper zur Saison 2018/19

In der Spielzeit 2018/2019 konnte die Wiener Staatsoper erneut einen Einnahmenrekord durch Kartenverkauf erzielen: 37.695.162,26 Euro (2017/2018: 35.298.761,91) – um 2.314.762,26 über den Plansoll. Die Sitzplatzauslastung betrug insgesamt 99,10% (2017/2018: 98,61%).

Insgesamt 622.081 Gäste (2017/2018: 608.955), besuchten 291 Opern-, Ballett-vorstellungen und Matineen auf der Hauptbühne (2017/2018: 292), 72 Vorstellungen im Studio Walfischgasse (2017/2018: 90) sowie 18 Matineen im Gustav Mahler-Saal (2017/2018: 20).

Die ersten Vorstellungen der Spielzeit 2019/20

Die erste Vorstellung der Staatsopernsaison 2019/2020 ist Verdis La traviata am Mittwoch, 4. September 2019. Irina Lungu verkörpert die Violetta, Charles Castronovo den Alfredo Germont und KS Thomas Hampson den Giorgio Germont. Giampaolo Bisanti leitet erstmalig La traviata im Haus am Ring.

Reprisen: 7. und 10. September


Am Donnerstag, 5. September 2019 wird Offenbachs Les Contes d’Hoffmann im Haus am Ring wiederaufgenommen: Anstelle des erkrankten Yosep Kang verkörpert Dmitry Korchak den Hoffmann und gibt damit sein Rollendebüt im Haus am Ring. Weiters sind erstmals an der Wiener Staatsoper Olga Peretyatko als Olympia, Antonia und Giulietta, Gaëlle Arquez als Nicklausse / Muse, Luca Pisaroni als Lindorf, Coppélius, Miracle und Dapertutto und Michael Laurenz als Andrès, Cochenille, Frantz und Pittichinaccio zu erleben. Es dirigiert: Frédéric Chaslin.

Reprisen: 8., 11. und 15. September


Ab Freitag, 6. September 2019 steht Verdis Don Carlo wieder auf dem Staatsopernspielplan. Ihre Rollendebüts im Haus am Ring geben Fabio Sartori in der Titelpartie und Dmitry Ulyanov als Großinquisitor. Anja Harteros ist erneut als Elisabetta zu erleben, KS René Pape als Philipp II., KS Simon Keenlyside als Rodrigo und Elena Zhidkova als Eboli. Jonathan Darlington dirigiert erstmals Don Carlo im Haus am Ring.

Reprisen: 9. und 12. September


Weiters stehen im September auf dem Spielplan: Verdis Il trovatore unter der der Leitung von Alberto Veronesi mit Yusif Eyvazov, Michelle Bradley, Roberto Frontali, Monika Bohinec (19., 22. und 25. September); Donizettis L’elisir d’amore mit Pavel Petrov, Maria Nazarova, Samuel Hasselhorn, Paolo Rumetz, dirigiert von Jonathan Darlington (21. und 24. September); Strauss’ Salome unter Dennis Russel Davies, mit Ausrine Stundyte, Alan Held, Jörg Schneider, Linda Watson (27. September, außerdem noch am 1. und 4. Oktober) und Puccinis La Bohème u. a. mit Aida Garifullina, Jinxu Xiahou, Adrian Eröd, es dirigiert Louis Langrée (29. September 2019, weitere Vorstellungen am 3. und 7. Oktober).


Am Dienstag, 17. September 2019 kehrt Elisabeth Kulman mit einem Solistenkonzert zurück an das Haus und präsentiert mit einem 7-köpfigen Ensemble ihr Programm „La femme c’est moi“.


Das Wiener Staatsballett eröffnet seine Saison in der Wiener Staatsoper am 13. September 2019 mit Manuel Legris’ Sylvia (Reprisen am 14., 18. und 20. September) sowie mit dem vierteiligen Abend Forsythe | van Manen | Kylián (Vorstellungen am 26., 28. und 30. September 2019).


Ebenfalls im September findet der erste Termin in dieser Spielzeit der beliebten Reihe „Kammermusik der Wiener Philharmoniker“ im Gustav Mahler-Saal statt (28. September 2019).

Parallel dazu laufen seit dem gestrigen Montag, 26. August 2019 die Proben für die erste Premiere in dieser Spielzeit: Brittens A Midsummer Night’s Dream (Premiere am 2. Oktober 2019) unter der Leitung von Simone Young (Dirigentin) und Irina Brook (Regisseurin). Schon am Sonntag, 22. September 2019 lädt die Wiener Staatsoper zur Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der Neuproduktion.


In der AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCHGASSE werden im September „Bild und Bühne – Die Entwicklung des Bühnenbilds von 1600 bis heute“ (Vortrag von Rudi Risatti, 20. September), eine Einführung in die Musik von Die Frau ohne Schatten (mit dem musikalischen Studienleiter Jendrik Springer, 25. September) sowie zwei Schulvorstellungen von Der Karneval der Tiere angeboten.


Die Vorstellungen von La traviata am 7. September, Don Carlo am 12. September, Les Contes d’Hoffmann am 15. September und Il trovatore am 25. September 2019 werden mit WIENER STAATSOPER live at home über www.staatsoperlive.com weltweit in HD übertragen.


Im Rahmen von „Oper live am Platz“ werden im September 18 Vorstellungen live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen, den Auftakt bildet La traviata am 4. September 2019.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, 150 Jahre Wiener Staatsoper – ARTHAUS MUSIK, IOCO DVD Rezension, 06.08.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

150 Jahre Wiener Staatsoper –   CD / DVD  zum Jubiläum

EAN:  4058407093954   – UPC:  4058407093954

von Marcus Haimerl

Am 25. Mai 2019 feierte die Wiener Staatsoper ihr 150-jähriges Jubiläum mit der Premiere einer Neuinszenierung von Richard Strauss Frau ohne Schatten, welche 100 Jahre zuvor ihre Uraufführung hier feierte. Zudem war der Komponist gemeinsam mit Franz Schalk von 1919 bis 1924  Direktor des Haus am Ring.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Staatsoper veröffentlichte ARTHAUS MUSIK, Halle (Saale) eine CD-/ DVD- Box mit großen Aufführungen und Premieren an der Wiener Staatsoper. Die DVD-Box umfasst insgesamt acht DVDs aus den Jahren 1978 bis 2014 und die Direktionszeiten von Egon Seefehlner (1. Amtszeit), Lorin Maazel, Claus Helmut Drese, Ioan Holender und Dominique Meyer und umfasst folgende Aufnahmen: Il Trovatore (Verdi), Carmen (Bizet), Turandot (Puccini), Elektra (Strauss), Lohengrin (Wagner), Don Giovanni (Mozart), Alcina (Händel) und Ariadne auf Naxos (Strauss).

IL TROVATORE (Giuseppe Verdi)

Am 1. Mai 1978 wurde Verdis Il Trovatore in der Inszenierung Herbert von Karajans aufgezeichnet. Es war die 98. Vorstellung in der Karajan-Inszenierung, die bereits 1968 Premiere feierte und mit 169 Aufführungen bis 1991 dem Repertoire erhalten blieb.

Die großartige Besetzung, die es nur in zwei Vorstellungen im Mai 1978 zu erleben gab, liest sich wie das who-is-who des Verdi-Gesanges der 60er und 70er Jahre. Piero Cappuccilli als Conte di Luna, Raina Kabaivanska als Leonore, Fiorenza Cossotto als Azucena und Placido Domingo als Manrico in der klassischen und etwas düsteren Inszenierung Karajans, der auch am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper stand, ist in jedem Fall eine der großen Sternstunden des Hauses.

ARTHAUS DVD / 150 Jahre Wiener Staatsoper © ARTHAUS Musik

ARTHAUS DVD / 150 Jahre Wiener Staatsoper © ARTHAUS Musik

CARMEN (Georges Bizet)

Am 9. Dezember 1978 hatte Bizets Oper Carmen in der Inszenierung des 2019 verstorbenen Franco Zeffirelli Premiere. Diese ebenfalls ausgesprochen klassische Inszenierung steht aktuell immer noch auf dem Spielplan und erlebte am 12. September 2018 seine bereits 164. Aufführung.

Unter dem Dirigat von Carlos Kleiber sangen in der Premiere Elena Obraztsova als Carmen, Plácido Domingo den Don José, Yuri Mazurok den Escamillo, Isobel Buchanan die Micaela und Kurt Rydl den Zuniga. Elena Obraztsova sang die Carmen insgesamt nur sieben Mal an der Wiener Staatsoper: einmal 1975 in der Inszenierung von Otto Schenk und sechs Mal in der Inszenierung von Franco Zeffirelli. Maßstäbe setzte Agnes Baltsa in dieser Zeffirelli-Inszenierung von. Sie sang diese Partie zwischen 1984 und 2004 insgesamt 59 Mal. Diese hervorragend besetzte Aufzeichnung von Bizets Meisterwerk zählt zweifelfrei auch zu den Höhepunkten in der Geschichte der Wiener Staatsoper.

TURANDOT (Giacomo Puccini)

1983 feierte Puccinis letzte Oper Turandot Premiere in einer Inszenierung des für seine Musical-Inszenierungen bekannten Harold Prince. Die opulente Umsetzung in den Bühnenbildern und Kostümen von Timothy O’Brien und Tazeena Firth erinnern auch ein wenig an das Genre Musical. Ebenso beeindruckend ist auch hier die Besetzung. Die ungarische Sopranistin Eva Marton gab die eisige Prinzessin Turandot, als Calaf erlebte man José Carreras und als Liù die italienische Sopranistin Katia Ricciarelli. In dieser starken Besetzung erlebt man auch die Aufzeichnung dieser spannenden Produktion. Auf insgesamt 61 Vorstellungen brachte es die Inszenierung ehe sie im März 2004 zum letzten Mal aufgeführt wurde.

ELEKTRA (Richard Strauss)

Ehe es durch die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg im Jahr 2015 ersetzt wurde brachte es Harry Kupfers Inszenierung von Richard Strauss Atriden-Drama Elektra auf insgesamt nur 65 Aufführungen bis 2012. Die Premiere fand am 10. Juni 1989 zum 125. Geburtstag von Richard Strauss statt. In Kupfers Inszenierung dominiert die zerbrochene Statue Agamemnons die Bühne, auf welcher die hochkarätige Premierenbesetzung zu erleben war. Eva Marton als Elektra, Brigitte Fassbaender als Klytämnestra, Cheryl Studer als Chrysothemis, James King als Aegisth, Franz Grundheber als Orest und Claudio Abbado am Pult machen diese Aufzeichnung zu einem intensiven Erlebnis.

LOHENGRIN (Richard Wagner)

Bereits 1985 debütierte der spanische Tenor Plácido Domingo als Schwanenritter Lohengrin an der Wiener Staatsoper. Kein Wunder also, dass Placido Domingo auch zur Premierenbesetzung der Neuinszenierung durch Wolfgang Weber im Jahr 1990 gehörte. In dieser klassischen Regiearbeit, in welcher der Schwan als Projektion den Bühnenhintergrund dominiert, sangen neben dem spanischen Startenor in der Titelrolle Stars wie Cheryl Studer die Elsa, Hartmut Welker und Dunja Vejzovic Telramund und Ortrud und Georg Tichy den Heerrufer. Unter dem grandiosen Dirigat von Claudio Abbado wurde auch hier Operngeschichte geschrieben.

DON GIOVANNI (Wolfgang Amadeus Mozart)

Vor 150 Jahren wurde das Haus am Ring mit Mozarts Don Juan feierlich eröffnet. Somit darf auch dieses Werk in der DVD-Box nicht fehlen. Die Produktion des Hauses am Ring, die für die Wiener Festwochen allerdings am Theater an der Wien aufgeführt wurde, stammt aus dem Jahr 1999. Zu dieser Zeit als das Regietheater schon länger auf dem Vormarsch war erlebte der Zuseher ein opulentes Kostümspektakel in der Regie von Roberto de Simone.  Unter dem großartigen Dirigat von Ricardo Muti verkörperten Carlos Álvarez den Don Giovanni, Franz Josef Selig den Commendatore, Adrianne Pieczonka die Donna Anna, Michael Schade den Don Ottavio, Anna Caterina Antonacci die Donna Elvira, Ildebrando D’Arcangelo den Leporello, Angelika Kirchschlager die Zerlina und Lorenzo Regazzo den Masetto in einer absolut sehenswerten Produktion.

ALCINA (Georg Friedrich Händel)

Unter Direktor Dominique Meyer kehrte auch die Barockoper an die Wiener Staatsoper zurück. Anstelle des Orchesters der Wiener Staatsoper setzte man auf Originalklangensembles wie im vorliegenden Fall Les Musiciens du Louvre-Grenoble unter dem Dirigat von Marc Minkowski. Die beinahe märchenhafte Umsetzung stammt von Adrian Noble, musikalisch brillieren Anja Harteros als Alcina, Vesselina Kasarova als Ruggiero, Veronika Cangemi als Morgana, Kristina Hammarström als Bradamante, Benjamin Bruhns als Oronte und Adam Plachetka als Melisso. Diese Produktion markierte den Beginn der Rückkehr der Barockoper an die Staatsoper, die in der Erstaufführung von Georg Friedrich Händels Oper Ariodante im Jahr 2018 gipfelte.

Ariadne auf Naxos – Christian Thielemann und Ensemble studieren die Oper ein
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ARIADNE AUF NAXOS (Richard Strauss)

Im Dezember 2012 löste die von den Salzburger Festspielen übernommene Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf nach 162 Vorstellungen die klassische Inszenierung von Filippo Sanjust ab. Bechtolf rückte die Handlung in die Zeit der Uraufführung, der zweite Teil, die Aufführung der Oper seria Ariadne gemeinsam mit der Opera buffa fand zwischen sandverzierten Klaviertrümmern statt. Die Aufzeichnung dieser Oper bot ein Wiedersehen mit dem 2019 plötzlich verstorbenen Kammerschauspieler Peter Matic, der als Haushofmeister aus dieser Produktion nicht mehr wegzudenken ist. Auch dem viel zu früh verstorbenen Tenor Johan Botha als Tenor / Bacchus wird mit dieser Aufnahme ein Denkmal gesetzt. Aber auch der Rest der Besetzung lässt sich hören: Soile Isokoski als Primadonna/ Ariadne sang hier eine ihrer letzten szenischen Produktionen; Sophie Koch als Komponist, Jochen Schmeckenbecher als Musiklehrer, Daniela Fally als Zerbinetta, sowie Adam Plachetka, Carlos Osuna, Jongmin Park und Benjamin Bruhns als Harlekin,Scaramuccio, Truffaldin und Brighella und das Dirigat Christian Thielemanns machen diese Aufzeichnung zu etwas ganz Besonderem.

Die im Beige der Wiener Staatsoper gehaltenen DVDs zeigen auf der Vorderseite eine Ansicht des Schwindfoyers, die DVD-Innenseite eine Perspektive von der Bühne auf den Zuschauerraum. Die acht DVDs befinden sich in einem Schuber mit einem Bild der Wiener Staatsoper auf der Vorderseite der Box.

Die limitierte Ausgabe von 1.869 Stück der DVD-Box mit einer Gesamtspielzeit von 1.290 Minuten ist um rund 100 € im Fachhandel erhältlich.

—| IOCO CD-Rezension |—

Wien, Wiener Staatsoper, DIE FRAU OHNE SCHATTEN – 150 JAHRE OPERNHAUS AM RING, 25.05.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

DIE FRAU OHNE SCHATTEN – Richard Stauss

 Jubiläum zur Eröffnung der Wiener Staatsoper 1869

Festpremiere am 25. MAI 2019

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Opernhauses am Ring – die heutige Wiener Staatsoper wurde am 25. Mai 1869 feierlich eröffnet – kommt Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten am 25. Mai 2019 zur hochkarätig besetzten Festpremiere.

Auf genau dieser Bühne wurde das Werk vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1919, uraufgeführt. Das kongeniale Duo Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal diskutierte schon ab 1910 über einen neuen Opernstoff, der Titel Die Frau ohne Schatten – ihre vierte gemeinsame Oper – existierte spätestens ab 1911. Inmitten des Ersten Weltkriegs entstand das Werk, das 1917 fertig gestellt wurde und das der Komponist selbst als „schönste und erhabenste Arbeit“ prophezeite. Erzählt wird die (komplexe) Geschichte zweier Paare – Kaiser und Kaiserin sowie Färber und Färberin –, die durch Selbsterkenntnis und Selbstüberwindung zum glücklichen Ende finden.

Lotte Lehmann Wien © IOCO

Lotte Lehmann Wien © IOCO

Wien wäre nicht Wien, wenn nicht schon das Vorhaben, das Werk hier zur Weltpremiere zu bringen (auch Hofmannsthal hatte sich zuerst dagegen ausgesprochen), auch eine Opposition auf den Plan gerufen hätte, wie Staatsoperndramaturg Dr. Oliver Láng im Magazin „Prolog“ erläutert. Parallel dazu kam Kritik am neuen Direktor Strauss, der noch vor seinem Antritt angefeindet wurde. Nach der Uraufführung – unter Franz Schalk, u. a. mit Maria Jeritza (Kaiserin), Lotte Lehmann (Färberin), Karl Aargard-Oestvig (Kaiser), Richard Mayr (Barak) und Lucie Weidt (Amme) – waren die Lager gespalten. Doch seit der Uraufführung hat Die Frau ohne Schatten eine reiche Aufführungsgeschichte erlebt und gilt als einer der besonderen Höhepunkte des Wiener und internationalen Musiktheaters. Im Haus am Ring kam es nach der Uraufführung 1919 zu sechs weiteren Premieren: 1931 kam eine Neuproduktion unter Clemens Krauss heraus (sie wurde auch bei einem Gastspiel in Venedig gegeben, die italienische Erstaufführung), bereits zwölf Jahre später, 1943, eine weitere unter Karl Böhm. Zur Wiedereröffnung des Hauses am Ring 1955 war Die Frau ohne Schatten Teil des Premierenzyklus’, in einer Doppelpremiere (mit zwei Besetzungen) brachte Karajan im Juni 1964 eine Neuproduktion heraus, 1977 stand eine weitere Premiere unter Karl Böhm auf dem Programm. Die bislang letzte Neuinszenierung erfolgte 1999 unter Giuseppe Sinopoli (Inszenierung: Robert Carsen). Insgesamt erklang die Oper bislang 147mal im Haus am Ring.


Leading Team

Christian Thielemann dirigiert Die Frau ohne Schatten

Für die musikalische Leitung konnte mit Christian Thielemann einer der bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart gewonnen werden. Die Frau ohne Schatten ist nach Tristan und Isolde (2003) und Hänsel und Gretel (2015) seine dritte Staatsopernpremiere. Seit seinem Debüt am Haus 1987 mit Così fan tutte dirigierte er hier – neben den Premierenproduktionen – Vorstellungen von La traviata, Le nozze di Figaro, Parsifal, Die Meistersinger von Nürnberg, Ariadne auf Naxos sowie den Ring des Nibelungen.

Als „Liebe auf den ersten Blick“ bezeichnete er rückwirkend das erste gemeinsame Konzert im Jahr 2000 mit den Wiener Philharmonikern, dessen Mitglieder ja bekanntlich in Personalunion das Staatsopernorchester bilden. Im Gespräch mit Staatsoperndramaturg Dr. Andreas Láng streut er dem unverwechselbaren, weich-goldenen, „im guten Sinne defensiven“ Klang des Orchesters und der musikalischen Flexibilität der einzelnen Musiker, die stets mit einem Ohr bei den Sängern auf der Bühne seien, Rosen. Gemeinsam mit dem Orchester erarbeitete er die Frau ohne Schatten 2011 für die Salzburger Festspiele und blickt zurück: „Einige Musiker zeigten sich verwundert, dass ich mit ihnen so entspannt arbeiten würde, worauf ich erwiderte, dass es genau umgekehrt wäre: Das ganze Orchester wäre mir gegenüber entspannt. Offensichtlich stimmt also die Chemie zwischen uns. Es herrscht ein wahres Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Anbieten und Aufnehmen.

Inszeniert wird Die Frau ohne Schatten von Vincent Huguet, der mit dieser Produktion sein Staatsoperndebüt gibt. Der französische Regisseur arbeitete vor seiner Theatertätigkeit u. a. als Kunsthistoriker, bevor er 2008 seine Zusammenarbeit mit Patrice Chéreau begann, dessen Assistent er bis zum Tod des legendären Regisseurs 2013 blieb. Jüngste eigene Inszenierungen führten ihn nach Montpellier (Lakmé), Aix-en-Provence (Dido and Aeneas) und Luzern (Roméo et Juliette).

Hugo von Hofmannsthal Wien © IOCO

Hugo von Hofmannsthal Wien © IOCO

Dass Die Frau ohne Schatten in einer Zeitenwende entstanden ist, findet Vincent Huguet spannend: „Es war der Moment in Europa, als man sich genau an der Absprungkante zwischen Vergangenheit und Zukunft befand. Nicht nur politisch, sondern auch künstlerisch. Die Avantgarde kam auf und ließ manches plötzlich alt aussehen. Daraus ist der Gedanke der „letzten romantischen Oper“ entstanden: Ein letzter Höhepunkt, eine Verschmelzung von so vielen Dingen: Da ist die deutsche Romantik drinnen, die Welt von 1001 Nacht, Antik-Ägyptisches, Goethe und vieles mehr. Umso weiter man gräbt, desto mehr eröffnet sich eine faszinierende Welt!“ Er verschreibt sich nicht einer spezifischen Lesart der Oper – „die Oper ist so reich, so vielfältig, so vielschichtig, dass jeder Versuch, sie auf eine Denkschiene zu setzen, einer Reduktion ihrer Ausdruckskraft gleichkommt. […] Strauss und Hofmannsthal wollten diesem Werk die Qualität eines Märchens schenken. Nun wissen wir: Es gibt nichts Zerbrechlicheres als ein Märchen. Sobald man es erklärt, es fest zu machen versucht und die Symbolik ausdeutet, verliert es seinen Zauber. […] Man […] muss die Magie wirken lassen.

Er betont weiters die Parallele zum Heute, geht es in der Frau ohne Schatten doch „um den Krieg […], nicht direkt angesprochen, aber in einem höheren Sinne […] – als Künstler ist man gefordert Stellung zu beziehen und einen Kommentar abzugeben. Wie also nahmen sie Stellung? Sie sagten, dass wenn Menschen sich – nicht nur in ihrem Verhalten, sondern auch in der Art, wie sie mit der Liebe umgehen – nicht ändern, der Zyklus des Lebens, der Generationenweitergabe unterbrochen wird und es kein Weiter, keine Kontinuität mehr gibt. Es muss ein Umdenken stattfinden, ein Sprung über den eigenen Schatten! […] Und eigentlich ist es beklemmend, dass wir heute erneut an einem solchen Punkt angelangt sind! Vielleicht aktuell nicht militärisch. Aber auf ökologischer Ebene: Wenn wir heute nicht umdenken und unser Verhalten grundlegend ändern, werden die Generationen nach uns keine Erde mehr vorfinden, auf der man leben kann …“

Für das Bühnenbild zeichnet Aurélie Maestre verantwortlich, für die Kostüme Clémence Pernoud. Beide präsentieren mit der Frau ohne Schatten ihre erste Arbeit für das Haus am Ring. Das Lichtdesign stammt von Bertrand Couderc, Dramaturg der Produktion ist Louis Geisler.


Die Besetzung

KS Stephen Gould singt erstmals im Haus am Ring den Kaiser. Der amerikanische Heldentenor ist der Wiener Staatsoper seit seinem Debüt 2004 als Paul in der Premiere von Die tote Stadt eng verbunden. Nach Die tote Stadt, Siegfried und Götterdämmerung (Siegfried) sowie Ariadne auf Naxos (Tenor/Bacchus) ist Die Frau ohne Schatten seine fünfte Staatsopernpremiere. An der Wiener Staatsoper war er weiters als Erik (Der fliegende Holländer), Tristan (Tristan und Isolde) sowie in den Titelpartien von Parsifal, Peter Grimes und Tannhäuser zu erleben.

In der Interpretation der Frau ohne Schatten betont er im Gespräch mit Dr. Andreas Láng für den „Prolog“, dass es „essentiell ist, eine Erzähl-Metapher zu finden, die das ganze Werk veredelt und uns hilft, die geistig/menschliche Erkenntnis zu sehen, die sich dann zum Mythos erhebt.“

Die Kaiserin verkörpert – ebenfalls erstmals an der Wiener StaatsoperCamilla Nylund. Die Frau ohne Schatten ist nach Lohengrin (Elsa) und Der Freischütz (Agathe) die dritte Premiere im Haus am Ring der finnischen Sopranistin, die hier bisher u. a. auch die Titelpartien von Salome, Arabella, Rusalka, Ariadne auf Naxos; Elisabeth (Tannhäuser), Gräfin (Capriccio), Marschallin (Der Rosenkavalier), Sieglinde (Die Walküre), Marietta (Die tote Stadt), Donna Anna (Don Giovanni) und Leonore (Fidelio) sang.

Für sie ist Die Frau ohne Schatten „eine in jeder Hinsicht bombastische Oper – in dieser Ausprägung übertrifft sie wohl alle anderen Strauss-Opern“, wie sie das Außergewöhnliche dieses Werkes charakterisiert. Mit der Musik von Richard Strauss assoziiert sie mit dem Gesang „Riesenbögen“ und den „im wahrsten Sinn des Wortes sauberen, manchmal sogar fast kindlich-reinen Klang, den es so nur bei Strauss gibt. […] Wenn ich […] an die Strauss’schen Ausbrüche in der reinen Orchestermusik denke, so sehe ich vor mir hingegen das Bild eines sich öffnenden Himmels.“

Evelyn Herlitzius, die als Elektra in Trojahns Orest in der letzten Staatsopernpremiere einen großen Erfolg feierte, gibt mit der Amme ein weiteres weltweites Rollendebüt im Haus am Ring. Die Frau ohne Schatten ist nun die zweite Premiere an der Wiener Staatsoper der gefragten deutschen Sängerin. Sie debütierte 2000 als Leonore (Fidelio) im Haus am Ring, wo sie weiters u. a. als Brünnhilde (Der Ring des Nibelungen), Isolde (Tristan und Isolde), Färberin (Die Frau ohne Schatten), Marie (Wozzeck), Kundry (Parsifal) und zuletzt in der Titelpartie von Kátja Kabanová zu erleben war.

Ihre erste Annäherung an die Gesamtheit des Kunstwerkes fasst sie so zusammen: „Sich als erstes dem Ganzen einfach hinzugeben. Danach, wenn der Rausch nachlässt: darüber lesen, sich immer mehr hinein versenken.“

Den Barak singt – wie bereits bei der letzten Vorstellungsserie der Frau ohne Schatten im Haus am Ring 2012 – Wolfgang Koch. Der international renommierte deutsche Bariton debütierte 2008 als Fritz Kothner (Die Meistersinger von Nürnberg) im Haus am Ring und war hier weiters als Hans Sachs (Die Meistersinger von Nürnberg), Telramund (Lohengrin) und Jochanaan (Salome) sowie in der Titelpartie der Premierenproduktion von Dantons Tod zu erleben.

Nach der Kundry und der Elektra gibt schließlich KS Nina Stemme als Färberin ein weiteres wichtiges internationales Rollendebüt an der Wiener Staatsoper. Die gefeierte schwedische Sopranistin ist damit – nach Der fliegende Holländer (Senta), Die Walküre (Sieglinde), La forza del destino (Leonora), Siegfried (Brünnhilde), Tristan und Isolde (Isolde), La fanciulla del West (Minnie), Elektra und Parsifal (Kundry) – in ihrer neunten Staatsopernpremiere zu erleben. Im Haus am Ring war sie darüber hinaus u. a. als Tosca, Leonore (Fidelio), Marschallin und Brünnhilde (gesamter Ring des Nibelungen) zu erleben.

Angesprochen auf das Gefühl, mit welchem sie 100 Jahre nach der Uraufführung der Frau ohne Schatten an der Wiener Staatsoper ebendiese Bühne betreten wird, sagt sie: „Abgesehen von der Ehre und Freude tragen wir ein Stück Verantwortung, wenn wir dieses Werk vor dem Publikum in unserer Interpretation präsentieren. Einerseits sind wir diesbezüglich vollkommen frei, andererseits liegt die Musik dieser Oper gerade hier in Wien gewissermaßen in der Luft, sodass man nur nach ihr greifen muss.“

Den Geisterboten singt Sebastian Holecek. Der aus Wien stammende Bariton tritt seit seinem Debüt 1991 als Papageno (Die Zauberflöte) an der Wiener Staatsoper auf und sang hier bisher u. a. Peter Besenbinder (Hänsel und Gretel), Don Fernando (Fidelio), Harlekin (Ariadne auf Naxos) und Christian (Un ballo in maschera). Die Frau ohne Schatten ist seine erste Premiere im Haus am Ring.

Die weiteren Partien singen die Staatsopern-Ensemblemitglieder Maria Nazarova (Hüter der Schwelle des Tempels und Stimme des Falken), Benjamin Bruns (Stimme eines Jünglings), Monika Bohinec (Stimme von oben), Samuel Hasselhorn (Der Einäugige), Ryan Speedo Green (Der Einarmige), Thomas Ebenstein (Der Bucklige), Ileana Tonca (Erste Dienerin, Erste Stimme der Ungeborenen, Erste Solostimme), Mariam Battistelli (Zweite Dienerin, Zweite Stimme der Ungeborenen, Zweite Solostimme), Szilvia Vörös (Dritte Dienerin, Vierte Stimme der Ungeborenen, Vierte Solostimme), Virginie Verrez (Dritte Stimme der Ungeborenen, Dritte Solostimme), Bongiwe Nakani (Fünfte Stimme der Ungeborenen, Fünfte Solostimme) und Zoryana Kushpler (Sechste Solostimme).

Es spielen das Orchester der Wiener Staatsoper und das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper, es singt der Chor der Wiener Staatsoper.


Die Frau ohne Schatten im Radio und Livestream sowie internationale Übertragungen

Die Premiere am 25. Mai 2019 wird live auf Radio Ö1 (+ EBU) ausgestrahlt sowie
via WIENER STAATSOPER live at home übertragen (www.staatsoperlive.com). Die Premiere sowie alle Folgevorstellungen (30. Mai, 2., 6., 10. Juni 2019) werden zudem im Rahmen von „Oper live am Platz“ live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten „150 Jahre Opernhaus am Ring“ wird die Premiere zudem live bzw. live-zeitversetzt auf wichtige Plätze in den österreichischen Landeshauptstädten von Bregenz bis Eisenstadt sowie auf einen Riesenscreen im Moskauer Zaryadye-Park übertragen (www.wiener-staatsoper.at/150).

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