Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Carmen – Georges Bizet, 07.03.2020

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

 CARMEN – Georges Bizet

Wiederaufnahme  7.3.2020

Ab 7. März ist Georges Bizets CARMEN unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim an sechs Abenden erstmals nach zehn Jahren wieder an der Staatsoper Unter den Linden zu erleben. Die Titelrolle singt Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili, die als eine der besten Carmen-Interpretinnen der Gegenwart gilt. An der Berliner Staatsoper wurde sie zuletzt 2013 für ihre Darstellung der Ljubascha in Nikolai Rimski-Korsakows DIE ZARENBRAUT von Publikum und Presse gefeiert sowie als Solistin von Prokofjews ALEXANDER NEWSKY beim Abonnementkonzert der Staatskapelle Berlin im Mai 2019.

Zum weiteren Ensemble gehören Christiane Karg, die ihr Rollendebüt als Micaëla gibt, sowie Michael Fabiano (Don José), Lucio Gallo (Escamillo), Alyona Abramova (Frasquita), Serena Sáenz (Mercédès), Jan Martiník (Zuniga), Adam Kutny (Moralès), Jaka Mihelac (Dancairo), Ziad Nehme (Remendado) und Klaus Christian Schreiber (Lillas Pastia). Darüber hinaus singt der Staatsopernchor, einstudiert von Martin Wright. Es spielt die Staatskapelle Berlin.

Die Inszenierung von Martin Kusej, dem Direktor des Burgtheaters in Wien seit der aktuellen Spielzeit, feierte Ende 2004 gemeinsam mit Daniel Barenboim Premiere an der Staatsoper Unter den Linden und war zuletzt im Mai 2010 zu sehen.

Georges Bizet, Paris © IOCO

Georges Bizet, Paris © IOCO

Anita Rachvelishvili wurde in Tiflis, Georgien, geboren. 2006/07 war sie Mitglied an der Staatlichen Oper Tiflis und wurde am Opernstudio des Teatro alla Scala engagiert, wo sie von Daniel Barenboim entdeckt wurde. Internationale Bekanntheit erlangte Anita Rachvelishvili 2009 mit der Titelrolle in Emma Dantes Inszenierung von CARMEN am Teatro alla Scala an der Seite von Jonas Kaufmann unter der Leitung von Daniel Barenboim. Als Carmen debütierte sie daraufhin an diversen Häusern wie der Metropolitan Opera in New York, der Bayerischen Staatsoper München, der Staatsoper Unter den Linden und der Canadian Opera Company. In den folgenden Spielzeiten war sie zu erleben beim Festival de Peralada 2011 in der Titelrolle von Glucks ORFEO ED EURIDICE, 2013 als Amneris in AIDA für das Michigan Opera Theatre, 2014 als Konschakowna in Borodins FÜRST IGOR an der Metropolitan Opera, 2015/16 als Azucena in IL TROVATORE am Royal Opera House Covent Garden und 2017/18 mit dem Metropolitan Opera Orchestra in der Carnegie Hall mit Mussorgskys Songs and Dances of Death. 2018 veröffentlichte sie ihr erstes Soloalbum. 2019 schrieb die New York Times über Anita Rachvelishvili: »A Young Singer Takes the Opera World by Storm«.

CARMEN  –  Opéra comique in vier Akten Georges Bizet (1875)
Wiederaufnahme am 7. März 2020, Weitere Vorstellungen am 10., 12., 14. 19. und 21. März 2020, Staatsoper Unter den Linden, Vorwort jeweils 45 Minuten vor Beginn

—| Pressemeldung Staatsoper unter den Linden |—

Köln, Oper Köln, Premiere Carmen, 10.11.2019

November 4, 2019 by  
Filed under Oper, Oper Köln, Premieren, Pressemeldung

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Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Premiere von »Carmen« am Sonntag, den 10. November 2019 um 18:00 Uhr
im StaatenHaus, Saal 1

mit der Neuproduktion von George Bizets »Carmen« widmet sich Regisseurin Lydia Steier nach ihrem »Turandot«-Erfolg an der Oper Köln erneut einer starken, unangepassten Frauengestalt. Die verführerische Carmen verkörpert viele Leidenschaften, aber auch Projektionen: Liebe, Erotik, Freiheit, aber auch Kriminalität und schließlich der Tod gehören zu ihrem Leben. Bizet verbindet diese ergreifende Geschichte mit einigen der heute berühmtesten Melodien der Operngeschichte. Für die Neuproduktion an der Oper Köln konnte der französische Dirigent und Bizet – Experte Claude Schnitzler gewonnen werden. Adriana Bastidas-Gamboa, herausragendes Ensemble-Mitglied der Oper Köln, debütiert in der Rolle der Carmen. Ihr zur Seite steht Martin Muehle in der Rolle des Don José. Der brasilianische Tenor ist dem Kölner Publikum als Kalaf in Turandot in bester Erinnerung! Oliver Zwarg, zuletzt als Gilles de Rais in »Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna« und als Frank Maurrant in Kurt Weills »Street Scene« an der Oper Köln zu sehen, wird den Escamillo geben.

Besetzung
Musikalische Leitung Claude Schnitzler / Gabriel Feltz (17., 20., 22., 26. und 28.12.2019 / 2., 5.
und 7.1.2020) / Arnaud Arbet (13. und 15.12.2019)
Inszenierung Lydia Steier
Bühne Momme Hinrichs (fettFilm)
Kostüme Gianluca Falaschi
Licht Andreas Grüter
Chor Rustam Samedov
Dramaturgie Birgit Meyer

Mit
Carmen › Adriana Bastidas-Gamboa / Rihab Chaieb / Stéphanie D‘Oustrac
Don José › Martin Muehle / Dmytro Popov / Young Woo Kim
Micaëla › Ivana Rusko / Claudia Rohrbach / Julia Novikova
Escamillo › Oliver Zwarg / Samuel Youn / Kostas Smoriginas / Erwin Schrott
Zuniga › Matthias Hoffmann / Lucas Singer / Thomas Faulkner
Frasquita › Alina Wunderlin / Ye Eun Choi
Mercédès › Arnhei?ur Eiríksdóttir / Regina Richter
Le Dancaïre › Miljenko Turk / Stefan Hadži?
Le Remendado › Alexander Fedin / Anton Kuzenok
Chor und Extrachor der Oper Köln
Mädchen und Knaben des Kölner Domchores / Schüler des Mittelstufenchores am
Max Ernst Gymnasium Brühl
Gürzenich-Orchester Köln

Weitere Vorstellungen
Do, 14. November › 19:30 Uhr
So, 17. November › 18:00 Uhr
Mi, 20. November › 19:30 Uhr
Sa, 23. November › 19:30 Uhr
Do, 28. November › 19:30 Uhr
So, 01. Dezember › 18:00 Uhr
Mi, 04. Dezember › 19:30 Uhr
Sa, 07. Dezember › 19:30 Uhr
Fr, 13. Dezember › 19:30 Uhr
So, 15. Dezember › 18:00 Uhr
Di, 17. Dezember › 19:30 Uhr
Fr, 20. Dezember › 19:30 Uhr
So, 22. Dezember › 16:00 Uhr
Do, 26. Dezember › 16:00 Uhr
Sa, 28. Dezember › 19:30 Uhr
Do, 02. Januar › 19:30 Uhr
So, 05. Januar › 16:00 Uhr
Di, 07. Januar › 19:30 Uhr (letzte Aufführung)

—| Pressemeldung Oper Köln |—

London, Royal Opera House, Carmen – Georges Bizet, IOCO Kritik, 29.07.2019

Juli 28, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Royal Opera House

 Royal Opera House London ( links hinten die Paul Hamlyn Hall) © Royal Opera House

Royal Opera House London ( links hinten die Paul Hamlyn Hall) © Royal Opera House

Royal Opera House

 Carmen  –   Georges Bizet

Von Viva schreienden Todesmasken umgeben sinkt Carmen nieder …

von Peter M. Peters

Wer ist Carmen – wo kommt sie her? Wenn man sich näher mit ihr beschäftigt,erkennt man die ganze Komplexität der Gestalt. Carmen – lateinisch: Lied, Zauber. Mag sein, doch Carmen ist auch ein ganz üblicher Vorname in Spanien; jedoch etymologisch wird er abgeleitet von …  Virgen del Carmen…  der Jungfrau vom Berge Karmel in Palästina. Der Karmeliten-Orden verinnerlicht diesen Mzthos.. Die religiöse Mystik (Teresa de Avila 1515-1582, Juan de Cruz 1542-1591) und die populären Erzählungen haben über Jahrhunderte geholfen den Mythos Carmen zu verbreitern.

CarmenInsights into the ROH production
youtube Trailer des Rozal Opera House
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Carmen – die nach Freiheit sehnende Frau, Verführerin und Zauberin, ward geboren. Unser Dichter Prosper Mérimée hat in seiner Novelle alle diese Überlieferungen geschickt verarbeitet. Leider sind die Opernlibrettos nicht immer auf der gleichen Höhe wie das Original, und somit hat der australische Regisseur Barrie Kosky die oft seichten und versüßten gesprochenen Dialoge von Henri Meilhac und Ludovic Halévy radikal gestrichen. Dafür wurde der wunderbare Text von Mérimée in Auszügen von einer weiblichen Off-Stimme gelesen und bereicherten im Royal Opera House so Spiel und Darstellung.. Im Einklang mit der genialen Komposition von Georges Bizet, wurde großes Welttheater inszeniert:

Schon in der Ouvertüre zeigt sich eine über die gesamte Bühne verbreitete Treppe; sie wird bis zum Ende das einzige Dekorationsobjekt bleiben. Am Fuße der Treppe erscheint eine Gestalt die mit tänzelnden leichten Schritten auf und ab geht. Carmen in einem Torerokostüm, ist umgeben von wilden, brünstigen Männern, die Stieren gleich wütend und gierig in Angriffsstellung auf sie warten. Es ist eine getanzte wilde Orgie, unterbrochen nur durch Peitschenknalle der männerzähmenden Torerofrau. Das 20. Jahrhundert hat unseren Carmen-Mythos übernommen und erweitert in Form von Frauen-Emanzipation und Frauen-Rechten.

Royal Opera House, / Carmen - hier : Ensemble © Bill Cooper

Royal Opera House, / Carmen – hier : Ensemble © Bill Cooper

Ohne weitere Inhaltsangaben zu Carmen  (jeder Musikfreund kennt das Werk bestens) gehen wir auf den Spuren von Barrie Kosky:  Mit überwältigenden Massenszenen (Chöre und Tänzer) sind wir mitten im Geschehen. Auf der obersten Treppenstufe erscheint eine von Spotlight bestrahlte Schimpansenfigur, die von der Menge frenetisch umjubelt wird; die sich sogleich als Carmen entpuppt. Sie steigt langsam jeden Schritt messend die Treppe herunter und knistert vor Erotik, indem sie ihre weiblichen Reize in dem körpernahen Anzug schwer verbergen kann. Mit..  amour est un oiseau rebelle ...hat sie die Inkarnation vollbracht: Superstar in einer Music-Hall-Show. In unseren Gedanken geht die Verwandlung weiter: Folies Bergère, Ziegfeld Follies, Moulin Rouge, Marlene Dietrich (Blonde Venus), Seeräuber-Jenny ( Dreigroschenoper), Carmen Jones, und…und…

Royal Opera House, / Carmen - Anaïk-Morel als Carmen © Bill-Cooper

Royal Opera House, / Carmen – Anaïk-Morel als Carmen © Bill-Cooper

Der Schwerpunkt dieser Produktion ist die gewaltige Treppe, die einerseits Music-Hall-Atmosphäre und andererseits griechisches Theater inspiriert; dazu Carmen, Escamillo und gewissermaßen Don José. Nicht zu vergessen Chor und Tänzer, die in einem rasantem Tempo mit gewaltigen vulkanartigen Strömen alles mit sich fort- und niederreißen. Wie in der antiken Tragödie wird Rhythmus und Ablauf von ihnen bestimmt, nicht zuletzt wenn am Ende ihre Gesichter von Todesmasken verdeckt werden. Die restlichen Rollen der Oper, einschließlich Micaëla und (auch) Don José werden nicht vergessen aber erscheinen uns unwichtiger.

Royal Opera House / Carmen – hier : Ensemble © Bill Cooper

Don José ist im ROH ein guter gehorsamer Junge, weichlich und schwächlich – immer etwas Muttersöhnchen geblieben; er zeigt nur einmal Kraft und Zorn bei der Tötung seiner Geliebten. Aber auch dort greift er mit seiner Tat nicht direkt in das Geschehen ein; denn Carmen, die Allwissende hat alles vorbestimmt. Der zweite große Superstar Escamillo schreitet wie ein Crooner, man denkt an Frankie-Boy; wenn er gockelhaft die große Treppe hinunterstelzt:… Votre toast, je peux vous le rendre....umgeben von einem Schwarm Torero-Frauen, die ihn gierig ergreifen wollen. Unten erwartet ihn Carmen, in großem Festkleid, übrigens das erste Mal in einem Kleid! Mit Escamillo fühlt sie sich auf gleicher Ebene, das Kräfteverhältnis ist etabliert; so kann sie das Mannweib abstreifen. Gleichzeitig besiegelt sie aber auch ihr eigenes Ende.

Die Musik weist im grossen Finale das Nahen des Todes an! Gleich einer antiken Priesterin schreitet Carmen verhüllt in einem weißen Kleid, mit eine riesigen, treppen-verdeckenden Schleppe die Stufen hinab zum Opferaltar. Eine unnahbare Schöne erwartet den Todesstoß, so wie der stolze Stier in der Arena ..  Voyez! Victoire!...Umgeben von .Viva. schreienden Todesmasken sinkt sie nieder. Vielleicht das Beeindruckendeste der ganzen Show:dieses meisterhafte Pendeln von Barrie Kosky zwischen Mythe und Wahrheit, Tradition und Moderne, Liebe und Tod, Music-Hall und griechischer Tragödie.

Für den Besucher des ROH ist diese Carmen großes zeitloses Lebenstheater. Musikalisch ist  die Partition natürlich nicht angegriffen; alle Nummern sind von der jeweiligen Person nach Anweisung des Komponisten interpretiert; so begeistert, erfasst die gesamte Inszenierung in starkem musikalischen Ausdruck.

Das Solistenensemble hat leider nicht immer überzeugt, jedoch die großen Stars des Abends ueberzeugten: Chöre und Tänzer! Ein Extra-Lob dem Chordirektor William Spaulding und dem Choreographen Otto Pichler, Harmonie und Ausgewogenheit zwischen Choristen, Tänzern und Solisten verband sich nahtlos mit der anspruchsvollen Inszenierung. Desgleichen das Orchester mit Dirigent Christopher Willis, der mit viel Feingefühl  diese verschiedenen Komponente harmonisch in die Produktion einflochtete.

Anaïk Morel, die französische Mezzo-Sopranisten überzeugt als Carmen in allen Registern mit ihrer tiefen samtweichen sensuellen und erotischen Stimme, die nie ins vulgäre abflacht. Gleich in der ersten Habanera:…amour est un oiseau rebelle...zeigt die Stimme diesen unverwechselbaren verführerischen Carmen-Scharm, desgleichen die Seguedille ….Près des remparts de Séville.... In dem Chanson Bohême:  ….Les tringles des sistres…. girrt sie wie ein Paradiesvogel von Lust, Leben und Freiheit.

Royal Opera House / Carmen – hier : Ensemble © Bill Cooper

Der polnische Tenor Arnold Rutkowski hat  Don José gesanglich leider nicht überzeugt, doch vom schauspielerischem brachte er such ideal in die Produktion ein. Vielleicht war er indisponiert, doch an diesem Abend war seine schmale Stimme kein Ohrenschmaus.  Die berühmte Blumenarie ...  La fleur que tu m;avais jetée …fehlte Projektion und Schönheit und die Stimme klang nicht im großen Saal des Royal Opera House. Der Applaus war kaerglich.

Die beste gesangliche Leistung brachte vielleicht die amerikanische Sopranisten Ailyn Pérez als Micaëla mit. Ihr wunderschöner Sopran klang natürlich und geschmeidig, in den Höhen niemals klirrend; keinerlei Effekthascherei wurde bemerkt. Die beiden Szenen... Oui, je parlerai.. und …Sa mère, il la revoit!....mit den  Arien …est des contrebandiers le refuge ordinaire.….und  Mais j;ai beau faire la vaillante. .. sind in atemberaubender Schönheit und Vollkommenheit interpretiert.

Der neu-seeländische Bariton Phillip Rhodes als Escamillo sang mit einer soliden Stimme, liess aber die dazu gehörige Dreistigkeit, Festigkeit und Männlichkeit vermissen. Die wohlbekannte Bravour-Arie  (Air du toréador): ...Votre toast… je peux vous le rendre…  fehlte der nötige Schwung um die großen Schwärme von verliebten Frauen zu begeistern.  Man glaubte ihm nicht! Die anderen Klein-und Nebenrollen sind adäquat besetzt. Hervoryuheben ist Jacquelyn Stucker als Frasquita und Hongni Wu als Mercédès, die zusammen mit Carmen das wunderbare Trio des cartes .. Mêlons! Coupons….; interpretierten.

Regisseur Barrie Kosky, an der Komischen Oper Berlin seit 2012 als erfolgreicher Regisseur und langjaehriger Intendant etabliert, momentanes Enfant terrible der Regie.  Seine Inszenierung der Zauberflöte an der Komischen Oper Berlin wird weltweit gespielt und hat überall Begeisterungsstürme von Presse und Publikum erhalten.

Somit ist dennoch an einem schwülen und seichten Londoner Sommerabend ein   bemerkenswerter und belebender Opernabend zu Ende gegangen.

Royal Opera House  –  Covent Garden

Das geschichtsträchtige  Royal Opera House (ROH) in Covent Garden,  im Zentrum Londons, ergreift seine Besucher durch seine klassisch-barocke Ambiente wie die locker entspannte „englische“ Atmosphäre. 1732 als Theatre Royal eröffnet wurde das Gebäude 1808 und 1856 durch Brände zerstört und wiederaufgebaut. Der heutige, dritte  Bau des ROH wurde 1858 errichtet. Seit 1735 werden hier auch Opern und Oratorien von Georg Friedrich Händel – englisch George Frederick Handel – aufgeführt. Der prunkvolle Innenraum des ROH fasst 2.256 Plätze und beeindruckt durch hervorragende Akustik,  wunderbare Logen sowie einem spektakulären Amphitheater.

Mehr zum Royal Opera House /  folge diesem link HIER

—| IOCO Kritik Royal Opera House |—

Kittsee, Sommerfestival Kittsee, Carmen – Georges Bizet, IOCO Kritik, 26.07.2019

Sommerfestival Kittsee / Schloss Kittsee © Gregor Einspieler

Sommerfestival Kittsee / Schloss Kittsee © Gregor Einspieler

Sommerfestival – Kittsee

 Carmen  –  Georges Bizet

Sommerfestival im romantischen Schloss Kittsee

von Marcus Haimerl

In Österreich, in der nordburgenländischen Marktgemeinde Kittsee, im Dreiländereck Österreich-Ungarn-Slowakei, liegt in einer Parkanlage das namensgebende romantische Barockschloss Kittsee. Nach einer fünfjährigen Pause bildet es seit 2017 wieder die malerische Kulisse für ein kleines, hochwertiges Sommerfestival. Auf der im Schlosshof gelegenen Bühne erlebte das Publikum 2017 Emmerich Kálmáns Czardasfürstin. 2018 erklangen dort mit Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart erstmals Opernklänge.

Georges Bizet © IOCO

Georges Bizet © IOCO

Auch in diesem Jahr entschied man sich mit Georges Bizets Opéra comique Carmen für große Oper. Die Uraufführung von Carmen fand 1875 in der originalen Dialogfassung in Paris statt. Das Libretto nach der 1845 veröffentlichten Novelle Prosper Mérimées stammt von Henri Meilhac und Ludovic Halévy. Mit Carmen schuf Georges Bizet einen Welterfolg und die vermutlich meistgespielte Oper des gesamten Repertoires; 1905 fand an der Opéra-Comique Paris bereits die 1.000ste Aufführung von Carmen statt. Georges Bizet konnte den großen Erfolg seiner Oper nicht mehr erlebn: er starb am 3. Juni 1875, drei Monate nach der Uraufführung von Carmen, im Alter von nur 36 Jahren.

In Kittsee wählte man die Dialogfassung von Carmen, die – mit burgenländischem Lokalkolorit versehenen – deutschen Dialoge stammen von Florian Stanek. Der Werktreue verbunden wird auf Französisch gesungen. Da es keine Übertitelungsanlage gibt, hat man sich bereits im Vorjahr bei Le nozze di Figaro überlegt, die Handlung zwischendurch unterhaltsam erzählen zu lassen.

Sommerfestspiele Kittsee / Carmen - hier :  Sofiya Almazova als Carmen,  Andres Alzate als Escamillo © Cathrin Chytil Operavia

Sommerfestspiele Kittsee / Carmen – hier : Sofiya Almazova als Carmen, Andres Alzate als Escamillo © Cathrin Chytil Operavia

2019  erzählt in Kittsee der Komponist Georges Bizet die Dialogfassung höchstpersönlich. Da Bizet seinen Erfolg nicht erleben konnte, ist in Kittsee er gefangen zwischen Diesseits und Jenseits und „verdammt“ die Aufführungen seiner Oper Carmen auf der ganzen Welt miterleben zu müssen. Mit geschmackvollem Humor und zeitgemäßen Bonmots erzählt der Komponist vom Schicksal der in einer Zigarettenfabrik (in Kittsee fast schon burlesk „Tschick-Fabrik“ genannt) arbeitenden Zigeunerin Carmen, die von den Männern Sevillas begehrt wird. Als sie den Sergeanten Don José verführt, löst sie schließlich eine letale Kettenreaktion aus. Nach einer Messerstecherei in der Fabrik, an der auch Carmen beteiligt ist, soll José Carmen verhaften, ermöglicht dieser aber die Flucht und geht dafür selbst in den Arrest. Wieder frei schließt er sich gemeinsam mit Carmen einer Gruppe von Schmugglern an. Doch, die Liebe der Zigeunerin gehört bereits einem anderen: sie hat ein Auge auf den Torero Escamillo geworfen, was sie vor José  nicht verbirgt. Auch nicht das Bauernmädchen Micaëla, von der Mutter Josés als dessen Braut ausersehen, kann ihn von seiner Besessenheit für Carmen abbringen. Erst als Micaëla ihm offenbart, dass seine Mutter im Sterben liegt, entschließt er José, mit ihr zurück nach Hause zu kommen. Carmen kündigt José ein baldiges Wiedersehen an, das vor der Stierkampfarena in Sevilla stattfindet. Es kommt zur finalen Begegnung: Nachdem José – rasend vor Eifersucht und Bitterkeit – die geliebte Zigeunerin Carmen erstochen hat, lässt er sich bereitwillig festnehmen.

In die Rolle des erzählenden Georges Bizet, der das Publikum schon vor Beginn der Vorstellung unterhält, schlüpft der Wiener Schauspieler und Bariton Johannes Glück, der diesem Part mit authentischem französischen Akzent überzeugend Leben einhaucht.

Für die Regie zeichnet der deutsche Tenor und Regisseur Domink Am Zehnhoff-Söns verantwortlich. In der reduzierten Kulisse, die Arkaden werden von einem in den Farben rot, gelb und blau wie Rauchschwaden bemalten Prospekt bedeckt und eine Statue, Tische und Sessel gehören zur Ausstattung, widmet sich Dominik Am Zehnhoff-Söns intensiv der Personenführung und schafft damit eine ungemein spannende Umsetzung dieser Oper.

In der Titelrolle der Carmen erlebt man die russische Mezzosopranistin Sofiya Almázova. Intensiv, leidenschaftlich und verführerisch, ausgestattet mit sicherer Höhe und kräftiger Mittellage verzaubert sie neben Don José auch das Publikum. Der koreanische Tenor Stefano Hwang singt nicht nur einen soliden Don José mit schönem Schmelz, sondern überzeugt auch in seiner Darstellung, vor allem im Finale.

Sommerfestspiele Kittsee / Carmen - hier :  Nathalie Pena Comas als Micaela,  Stefano Hwangals Don Jose © Cathrin Chytil

Sommerfestspiele Kittsee / Carmen – hier : Nathalie Pena Comas als Micaela, Stefano Hwangals Don Jose © Cathrin Chytil

Intensiv berührend ist die Micaëla der dominikanischen Sopranistin Nathalie Peña Comas in den lyrischen Passagen dieser Rolle, verfügt aber auch über die nötige stimmliche Dramatik. Mit der für die Partie notwendigen Arroganz und voller, kräftiger Stimme überzeugt der kolumbianische Bariton Andres Alzate als Stierkämpfer Escamillo. Ebenso überzeugend als Carmens Freundinnen harmonieren Miki Sasakawa als Frasquita und Stephany Peña als Mercédès. Erstklassig besetzt wurden auch die kleineren Rollen: In einer Doppelrolle als Remendado und Morales erlebt man den charismatischen albanischen Sänger Branimir Agovi, der italienische Tenor Marco Ascani begeistert als Schmuggler Dancaïro und der österreichische Bass Gregor Einspieler setzt mit seinem kräftigen, volltönenden Bass als Zuniga musikalisch und darstellerisch neue Maßstäbe.

Die musikalische Leitung lag, wie auch schon in den Vorjahren in den Händen von Joji Hattori, der als solider Kapellmeister das hochmotivierte Festival-Orchester Kittsee leitete.

Zu den erwähnten Künstlern kommen noch eine große Zahl an Chorsängern, Tänzern und Statisten, die das Bühnenerlebnis gemeinsam mit den großartigen Lichteffekten noch um ein Vielfaches beeindruckender scheinen lassen. Die künstlerische Gesamtleitung lag bei der dramatischen Sopranistin Cathrin Chytil, die gemeinsam mit der Mezzosopranistin Celia Sotomayor und dem Tenor Pavel Kvashnin den Kopf des Ensembles Operavia bildet.

Mit entsprechendem Jubel dankte das hochzufriedene Publikum den Künstlern für einen wahrhaft beeindruckenden Abend eines immer bedeutsamer werdenden Festivals abseits der großen burgenländischen Festspiele. Für das kommende Jahr ist nach Information des Intendanten Christian Buchmann wieder eine Operette geplant. Man darf gespannt sein.

—| IOCO Kritik Sommerfestival Kittsee |—

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