Bayreuth, Bayreuther Festspiele, 25. Juli 2021 – Beginn der Festspiele, IOCO Aktuell, 25.07.2021

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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

25. Juli 2021 –  Eröffnung Bayreuther Festspiele 

Der fliegende Holländer, Die Meistersinger von Nürnberg, Parsifal – konzertant, Tannhäuser, Walküre, Kinderoper Tristan und Isolde

25. Juli: An diesem Tag beginnen jedes Jahr auf dem Grünen Hügel von Bayreuth die Bayreuther Festspiele. Den Hauptwerken Richard Wagners gewidmet. In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. (Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen 1797 – 1888) wurde am 13.8.1876 die erste Festspielsaison in Bayreuth mit Rheingold und prominenten Gästen, so auch König Karl von Württemberg, Friedrich Nietzsche, Anton Bruckner, Franz Liszt, Leo Tolstoi, Camille Saint-Saents eröffnet. Der menschenscheue König Ludwig II. (1845 – 1886), Finanzier der Festspiele und Wagnerverehrer, fehlte zu dieser Eröffnung; doch hatte er Tage zuvor den Generalproben und später einem Ring-Zyklus beigewohnt. 58.000 Besucher, verschworene Wagnerianer, „pilgern“ seither in normalen Jahren zu den Bayreuther Festspielen. Die Festspiele zählen zu den bekanntesten, den meist besprochenen Festspielen der Welt. IOCO wird auch 2021 alle Bayreuther Produktionen besuchen und besprechen.

Spielplan 2021    – Hintergründe –   Spielplan

Richard Wagner Büste © IOCO

Richard Wagner Büste © IOCO

Die Bayreuther Festspiele finden auch 2021 wieder statt. Letzte Entscheidungen der Bayerischen Staatsregierung zur Regelung der Abläufe fielen erst in Juni 2021. Für den 1937 Plätze umfassernden Besucherraum werden pro Vorstellung max. 900 Besucher eingelassen werden. So auch am 25. Juli 2021, traditionelles Eröffnungsdatum der Festspiele: wenn mit Der fliegende Holländer, in der Neuinszenierung von Dmitri Tcherniakov, John Lundgren ist der Holländer, Asmik Grigorian ist Senta, Georg Zeppenfeld ist Daland, die Bayreuther Festspiele 2021  eröffnet werden.

Eine weitere Auffälligkeit der Festspiele 2021: Erstmals in der 145jährigen Geschichte der Bayreuther Festspiele steht mit Oksana Lyniv, *1978 in der Ukraine,  link HIER, eine Frau am Dirigentenpult. Oksana Lyniv wird zur Eröffnung am 25.7.2021 den Fliegenden Holländer dirigieren.

Der fliegende Holländer –  am 25.7.2021  –  ab 17.00 Uhr auf BR Klassik im Videostream live erleben! link HIER!

Bayreuther Festspiele  2021  – Der Spielplan 

• 25.7. Sonntag, 25. Juli 2021, 18:00 Uhr
Der fliegende Holländer

• 26.7. Montag, 26. Juli 2021, 16:00 Uhr
Die Meistersinger von Nürnberg

• 27.7. Dienstag, 27. Juli 2021, 16:00 Uhr
Tannhäuser

• 29.7. Donnerstag, 29. Juli 2021, 16:00 Uhr
Die Walküre

• 31.7. Samstag, 31. Juli 2021, 18:00 Uhr
Der fliegende Holländer

• 1.8. Sonntag, 01. August 2021, 16:00 Uhr
Die Meistersinger von Nürnberg

• 2.8. Montag, 02. August 2021, 16:00 Uhr
Tannhäuser

• 3.8. Dienstag, 03. August 2021, 16:00 Uhr
Die Walküre

Richard Wagner Villa am Canale Grande in Venedig © IOCO

Richard Wagner Villa am Canale Grande in Venedig © IOCO

• 4.8. Mittwoch, 04. August 2021, 18:00 Uhr
Der fliegende Holländer

• 5.8. Donnerstag, 05. August 2021, 16:00 Uhr
Tannhäuser

• 7.8. Samstag, 07. August 2021, 18:00 Uhr
Der fliegende Holländer

• 8.8. Sonntag, 08. August 2021, 16:00 Uhr
Die Meistersinger von Nürnberg

• 10.8. Dienstag, 10. August 2021, 16:00 Uhr
Konzert Parsifal

• 11.8. Mittwoch, 11. August 2021, 18:00 Uhr
Der fliegende Holländer

• 12.8. Donnerstag, 12. August 2021, 16:00 Uhr
Die Meistersinger von Nürnberg

• 13.8. Freitag, 13. August 2021, 16:00 Uhr
Tannhäuser

• 14.8. Samstag, 14. August 2021, 18:00 Uhr
Der fliegende Holländer

• 16.8. Montag, 16. August 2021, 16:00 Uhr
Tannhäuser

• 17.8. Dienstag, 17. August 2021, 16:00 Uhr
Die Meistersinger von Nürnberg

• 19.8. Donnerstag, 19. August 2021, 16:00 Uhr
Die Walküre

• 20.8. Freitag, 20. August 2021, 18:00 Uhr
Der fliegende Holländer

• 22.8. Sonntag, 22. August 2021, 18:00 Uhr
Konzert unter der musikalischen Leitung von Andris Nelsons

• 23.8. Montag, 23. August 2021, 16:00 Uhr
Tannhäuser

• 24.8. Dienstag, 24. August 2021, 16:00 Uhr
Die Meistersinger von Nürnberg

• 25.8. Mittwoch, 25. August 2021, 18:00 Uhr
Konzert unter der musikalischen Leitung von Andris Nelsons

—| IOCO Aktuell Bayreuther Festspiele |—


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Paris, Montmartre, Marie Duplessis – von Fantasien geformt, eine Zueignung, 19.09.2020

September 19, 2020 by  
Filed under Hervorheben, ioco-art, Portraits

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 Alphonsine Marie Plessis auf Montmartre, Paris © IOCO

Alphonsine Marie Plessis auf Montmartre, Paris © IOCO

Marie Duplessis – eine Sternschnuppe, von Fantasien geformt

– EIN BESUCH BEI MARIE … BEI ALPHONSINE… –

eine Zueignung – von Peter M. Peters

Fürchten Sie sich nicht!  Sie sind nicht die erste Person, die nach Marie Duplessis fragt; : der Wächter des Pariser Friedhofs von Montmartre wird Ihnen mit blasierter Miene die Allee auf der linken Seite zeigen, dann den linken Weg aufwärts; um zum Grabmal der berühmten Kameliendame zu kommen. Nein, nicht das der Marguerite Gauthier, Romanheldin von Alexander Dumas fils (1824-1885), dessen Grabmal nur in der Erinnerung der Menschen besteht. Auch nicht das der Violetta Valéry, die Giuseppe Verdi (1813-1901) unter allen Himmeln singen ließ, lebendige Marionette, voll von Hoffnung, Ruhm und Niederlage aller großen Operndiven, nein, das Grabmal der wirklichen „Dame“, Inspiration von Dumas, von Verdi. Es ist auf keinen Fall Marguerite, noch Violetta: lesen Sie die gravierten Buchstaben im Stein – Alphonsine, ja, Alphonsine Plessis. Sie änderte später ihren ungeliebten Vornamen in Marie: Der Name der Jungfrau? Nein! Einfach nur der Name ihrer Mutter.

Haben Sie niemals diese sentimentale Pilgerreise unternommen?  Oder waren Sie einfach nur neugierig auf diesen friedlichen und fast poetischen Friedhof, nur einen Steinwurf von den würzigen Gerüchen und den überlauten Gerüchten des Place Clichy entfernt. Wir gehen, wir träumen, die Vergangenheit schnürt uns fast die Kehle zu, hier Alfred Victor de Vigny (1797-1863), Hector Berlioz (1803-1869), Sacha Guitry (1885-1957) „ein verspäteter Liebhaber der schönen Alphonsine“ und zur rechten Seite, feierlich und reich, das Grabmal von Alexandre Dumas fils. Nur etwa hundert Meter von diesem pompösen Grabmal entfernt, befindet sich das fast anonyme Grab unserer Alphonsine. Wir sehen: „Hier ruht Alphonsine Plessis geboren am 15. Januar 1824 und am 5. Februar 1847 gestorben – De Profundis“. Einige bescheidene, aber frische Blumen schmücken das Grab. Darunter auch Kamelien aus Plastik, die die Zeit stark verschmutzt hat, denn echte frische sind wohl zu kostspielig. Aber mitunter findet man auch einige…

Marie Duplessis - hier : ein Gemälde von Camille Joseph Etienne Roqueplan © Wikipedia / Ted Wilkes

Marie Duplessis – hier : ein Gemälde von Camille Joseph Etienne Roqueplan © Wikipedia / Ted Wilkes

Wer war nur diese Marie-Alphonsine Plessis, verstorben an einer Pneumonie im Alter von nur dreiundzwanzig Jahren und hat doch in sehr beschränkter Zeit eine Epoche mit ihrer Aura, mit ihrer Schönheit, mit ihrem Luxus, mit ihren Liebhabern… und nicht zuletzt mit ihren Kamelien die Gesellschaft geblendet? Wer war nur diese strahlende Sternschnuppe, die in einer romantischen Konstellation ihr Licht so schnell verlöschen ließ? Eine dieser Göttinnen, die «le Tout-Paris» – d.h. vielleicht zweitausend Personen – zu jeder Epoche im Flüsterton erfunden haben. Eine Frau, die durch die Fantasien der Männer geformt wurde, die Sie liebten, lobten, verachteten, veränderten… eine jener Kreaturen deren Ruhm eher auf dem beruht, was Sie sind als auf dem, was Sie tun und deren Erinnerungen nur aus der Vorstellungskraft der Menschen beruhen.

Théophile Gautier, Franz Liszt, Alexandre Dumas …

In dieser Truppe von Künstlern in roten oder grauen Westen, die aufgeregten LIONS, oder die weniger lauten Großbürger, durch die Sie, Marie, Ihren großen Ruhm erlangt haben. Mit ihren Zeugnissen haben sie das Gedenken an Sie, Marie, verlängert und in die Weltgeschichte eingetragen. Gabriel-Jules Janin (1804-1874) und Théophile Gautier (1811-1872) waren Ihre Fans und hörten nie auf Ihre Schönheit zu preisen. Janin erinnert sich an Ihr Gesicht: „…eine der schönsten Pariser Kreationen, eine dieser hellen matten Hauttöne voller Sonne und Schatten… der kühne und anständige Gang einer Dame von Welt… ihre aufrechte Haltung reagierte auf ihre Sprache, ihre Gedanken auf ihr Lächeln“. Gautier erzählt von Ihrer qualvollen Agonie und der Einsamkeit des Todes. Ihre Freunde haben Sie verlassen und an Ihren Türen warten nur noch die vielen Gläubiger.

Der größte „Schwätzer“, der über Ihr kurzes Leben berichtete, war wohl Frédérik Romain Vienne (?-?). Zu mindestens behauptete er ein Jugendfreund von Ihnen zu sein. Sie hätten ihm hier und da einige Vertraulichkeiten verraten, aus denen er seine „Wahrheiten“ zog und um den guten Ruf einiger Zeitgenossen zu schützen, verwirrte er Spuren und Namen. Aber es ist wahr, dass er sich um Ihren Nachlass gekümmert hat, auch wenn bei einem Brand der Großteil Ihrer Korrespondenz verloren ging. Er erzählt uns Ihre Witze und Grillen: „…Lügen machen weiße Zähne“  und: „…alles Schöne gefällt mir und alles was mir gefällt möchte ich haben“, „…wir wissen, das ich mit geschlossenen Augen alles verschwende was ich habe, sogar mein Leben und sogar alles was ich nicht habe, das heißt die Zukunft“. Bosheit, Geist, Stolz. Aber Sie konnten mitunter auch sehr bitter oder hart mit sich und Ihrem Schicksal sein. Ihr Gewissen wagte mitunter zu behaupten: „…das die Störungen meines Lebens alleine nur mir zuzuschreiben sind?“ Aber dann wieder: „ …:wenn die Gesellschaft mich verurteilt, beschuldige ich sie – und ich habe das Recht dazu – meine Unwissenheit nicht genug geschützt zu haben“ .Sie sind mir hoffentlich nicht böse, Marie, weil ich die schmeichelhaften Erzählungen erwähnen werde, mit denen Franz Liszt (1811-1886), Ihre letzte große Liebe, sie so reich belohnt hat. Der große alternde Musiker hat in zärtlicher Weise die Erinnerung an Sie geweckt: „Sie war in der Tat die absoluteste Verkörperung der Frau, die jemals existiert hat … sie hatte viel Herz und einen völlig idealen Geist“.

Alexandre Dumas auf Montmartre, Paris © IOCO

Alexandre Dumas Fils auf Montmartre, Paris © IOCO

Dann gibt es und vor allem, Dumas fils, der schrieb, schrieb noch einmal. Dumas fils, der Sie liebte, Marie! Machte eine „Jugendsünde“ zum Best-Seller d.h. zum meist verkauften Roman seiner Zeit. Es folgte auch ein Theaterstück, das Millionen von Tränen vergießen ließ. Sie wollten ihn als Freund erhalten, er jedoch wollte Ihr Liebhaber bleiben. So wird er das Ende Eurer großen Liebe mit einem berührenden aber akademischen Abschiedsbrief besiegeln. Er „verkaufte“ seine Leidenschaft und heiligte Sie gleichzeitig, Marie, indem er Sie formte nach seinen Wünschen. Aber welche Form! Mit seiner Kameliendame schuf er ein prachtvolles Mausoleum für die Ewigkeit für Sie, Marie! Für seinen eigenen Ruhm… und für den Ihren, Marie! Er sagte zu Ihnen: „…schön, einen Atheisten glauben zu machen“ und hielt Sie für: „eine der letzten Kurtisanen mit Herz“. Er hat seine Marguerite Gauthier nach Ihrem Bildnis geformt, aber Sie, Marie! Wer waren Sie wirklich? Wer waren Sie, Alphonsine?

Eine Kindheit

Sie wurden also am 15. Januar 1824 um acht Uhr abends in Nonant (Orne) geboren. Ihr Vater, Marin Plessis (?-?), war ein Hausierhändler und Säufer, sehr brutal. Er hatte Ihre Mutter, die hübsche Marie Plessis-Deshayes (?-?), verführt oder „verhext“ . Stimmt es, dass er den Spitznamen „Marin der Hexer“ trug und versuchte sein Haus mit Ihrer Mutter – die er übrigens jeden Tag gleich einem Hafersack schlug – im Innern niederbrennen wollte? Aber wir wissen, dass er in einer Scheune reduziert auf den Zustand eines Vagabunden an einer Krise des «Delirium Tremens» verstorben ist. Ihre Mutter im Gegenteil war von lieblicher Sanftmut und von großer Schönheit mit einer natürlichen Eleganz, ererbt von einer alten normannischen Familie. Mehr und mehr stellte sich heraus, dass das Leben mit Ihrem niederträchtigen Papa unmöglich war. So beschloss sie die Normandie zu verlassen und sich in Genf anzusiedeln, dort aber verstarb sie kurze Zeit danach. Ihre Schwester Delphine und Alphonsine wurden einer Ihrer Tanten anvertraut, die jedoch nicht lange zögerte, Euch an den Vater zurück zuschieben. Marin Plessis war kein Mann, der ein kleines Mädchen verwöhnte. Im Gegenteil: er verkaufte sie stündlich an die alten lüsternen und geilen Wüstlinge. So wurde das ihre erste Ausbildung in dem ältesten Gewerbe der Menschheit! Sie waren erst elf Jahre, aber sie waren frühreif und lernten schnell, Alphonsine!

Sie sind gerade drei Jahre älter, als Ihr „lieber Papa“ beschließt, Sie einer Zigeunertruppe anzuvertrauen, die Sie nach Paris führen wird. Andere Augenzeugen behaupten, dass er Sie selbst in die Hauptstadt begleitete und Sie entfernten Verwandten anvertraute, die ein kleines Obst- und Gemüsegeschäft in der Rue des Deux-Écus betrieben. Wie es auch immer sei, jedenfalls Sie sind in Paris! Noch ein wenig wild, scheu, aber schon recht verdorben, jedoch hatten sie ein niedliches Gesichtchen und ein gewisse Erfahrung in der käuflichen Liebe. Vielleicht sagten Sie sich wie einer Ihrer Zeitgenossen: «À Nous deux, Paris!» Aber in acht Jahren werden Sie schon sterben, aber das wissen Sie noch nicht. Alles wird sehr schnell gehen, sehr schnell und eines Tages werden sie sagen: „Ich tanze nicht zu schnell, es sind die Geigen, die zu spät spielen!“

Sie haben bereits Hunger nach allem, was Leben ist. Sie arbeiten? Ja, ein wenig! Ein Korsettmacher in der Rue de l’Échiquier und ein Hutmacher in der Rue Saint-Honoré stellen Sie ein. Sie führen ein lustiges Leben und mit Ihren Freunden und Begleitern und stürzen sich von einem populären Ball zum andern, lassen keine Taverne aus. Sie runden sich im Bett eines Passanten Ihren Notgroschen auf. Es ist nicht jeden Tag alles rosig, Elend, Ekel, Angst vor einer Geschlechtskrankheit, die in Ihrer Zeit grausam und unerbittlich zuschlägt. Aber noch sind Sie jung und Sie sagen sich: „Leben ist gewinnen!“.

Théophile Gautier Grabmal in Montmartre © IOCO

Théophile Gautier Grabmal in Montmartre © IOCO

Agénor de Gramont, Prince de Guiche – Graf Edouard de Perrégaux

Sie schworen sich selbst, das dieses miserable Leben nicht so weiter gehen kann. Mit einem Mittfünfziger, einem Restaurator der Galerie Montpensier fing Ihr gesellschaftlicher Aufstieg an. Dieser nette Herr installierte Sie in Ihre erste eigene Wohnung in der Rue de l’Arcade. Ab jetzt ging es schnell aufwärts, Alphonsine! Denn eines Abends am Ende des Prado-Balles wartet die Vorsehung auf Sie: Agénor de Gramont, Prince de Guiche (1819-1880), einer der schönsten Dandies der Zeit – er ist ganze fünf Jahre älter als Sie – bietet Ihnen seinen Arm an. Ein großer Name, ein großes Vermögen zum „knabbern“. Er ist intelligent, ohne Vorurteile, er liebt Sie, Sie lieben ihn. Auf Wiedersehen Rue de l’Arcade und der Restaurator! Sie sind gerade sechzehn Jahre alt und Guiche wird Ihr Pygmalion. Eine Wohnung in der Rue du Mont Thabor 28, eine Kalesche, ein Tanzmeister, ein Lehrer für gute Manieren, die schönsten Kleider. Sie lernen mit viel Talent sehr schnell: lesen, schreiben, klavierspielen. Sie sind immer auf dem Stand der neuesten Skandale der Pariser Gesellschaft. Ja, Alphonsine! Sie haben es geschafft! Guiche präsentiert Sie seinen Freunden aus dem JOCKEY CLUB… Sie werden Ihre Freunde. Man kämpft regelrecht um Sie und führt Sie zum Ball oder ins Theater. Verwöhnt Sie mit Schmuck, kostbaren Möbeln, reichen Roben und Kamelien…. ja, diese seltene Blume ohne Duft wird Ihr „Emblem“. Ein Symbol für Luxus, Schönheit und Schwelgerei.

Jetzt ändern Sie Ihren Namen und aus Alphonsine Plessis wird Marie Duplessis. Sie sind achtzehn Jahre und verlassen die Rue du Mont Thabor in Richtung Rue d’Antin, 22. In diesem Jahr lernen Sie Graf Edouard de Perrégaux (1815-1898) kennen. Ein weiterer LION aus dem JOCKEY CLUB. Sie werden ihn eine Weile lieben, er ruiniert sich für Sie. Zusammen unternehmen Sie lange Reisen als ein verliebtes Paar, darunter eine romantische Fahrt durch Deutschland. Hat er Ihnen wirklich ein Haus in Bougival angeboten? Hatten Sie, Marie, wirklich ein Kind von ihm? Der „Schwätzer“ Frédérik Romain Vienne behauptet es, aber nur wenige glaubten es!

Ihr sozialer Aufstieg ist noch nicht vorbei, Marie! Ein edler Fremder wird sie weiter zum Erfolgsgipfel führen. Der Graf Gustav Ernst von Stackelberg (1766-1850) – der mit Titeln und Löhnung vom russischen Zarenhof reich belohnt war – bietet ihnen seine achtzig Jahre und seine unerschöpflichen Renten an. Er installiert Alphonsine am Boulevard de la Madeleine, 11 und bietet Ihnen ein großes reiches Leben an. Sie werden eine der Königinnen von Paris, von denen, die Mode machen und „sie sind erst zwanzig Jahre alt, Marie!“ Sie reiten, gehen jeden Tag ins Theater, speisen in der Maison Dorée und verschwenden lässig Unsummen beim Spielen im Kasino. Sie verdoppeln Ihre Launen, Ihre Anmut, Ihre Eleganz. Ein besonderer Luxus, Sie machen Wohltätigkeit, denn Ihre eigene elende Kindheit macht Sie mitfühlend. Ihr Salon ist immer voll, weil Sie in der Tat nie wirklich Ihre Liebhaber verlassen haben, man geht ein und aus, um sich bei einem Stelldichein den neuesten Klatsch anzuhören. Das hat der kleine Dumas nie verstanden: er wollte Sie ganz alleine nur für sich, der Unschuldige! Sie sind ihm auf dem Höhepunkt Ihrer Herrlichkeit begegnet, er ist zwanzig Jahre wie Sie selbst und trägt einen großen Namen. Er wird nur eine kurze Episode in Ihrem Dasein sein. Dumas fabelhafter Vater, hätte sie mehr amüsiert, aber Ihre Beziehungen zum Autor der Trois Mousquetaires wird sich nur auf ein verstohlenes Treffen in einer Theaterloge beschränken. Es ist wahr, dass Sie mit Ihm einen Kuss austauschten, der sinnlicher als keusch war aber jedoch ohne folgenden Tag.

Krankheit

Aber jede Medaille hat ihre Kehrseite. Es wird gesagt, das dieses einsame Leben einer ausgehaltenen Frau – einer Kurtisane – Sie schwer belastet. Dazu hängt auch schon längere Zeit ein dunkler unheilverheissender Schatten über Ihr Dasein, das nur aus modischer Langweile und Vergnügen besteht: Sie sind krank, Marie! Und sie wissen es! Ist das der Grund, dass Sie sich in diesen schwindelerregenden Vergnügungswirbel stürzen um einen kurzen Moment zu vergessen? Seit langem schon kennen Sie diesen trockenen Husten und diesen fiebrigen Zustand. Ist es dieses Fieber, Marie? Das Sie so viel Champagner trinken müssen und das dann dadurch Ihr überlautes und schrilles Lachen verursacht wird? Wobei Sie fast ersticken und viel Blut spucken müssen.

Dann zeigen Sie sich von Ihrer melancholischen Seite, was zu Ihrem Charme beiträgt. Alles schärft sich bei Ihnen zu klaren Kontrasten: Ihre Schönheit und Ihre Morbidität, Ihre Fröhlichkeit und die schon geahnte Verdamnis…, das Verlöschen Ihres Lebens. Ihr „Gewerbe“ wird durch Ihr natürliches Feingefühl korrigiert, indem schmerzliche Niederwerfungen durch schwärmerische Erhöhungen Ihre Seelenqualen lindern. Alles an Ihnen wirkt übertrieben und exzentrisch: die Faszination die Sie ausüben, Ihre extreme Magerkeit, Ihr andauerndes Fieber, Ihre unnötigen Ausgaben, Ihre atemlose Stille, Ihr ständiges Geheimnis. Das Leben verlässt Sie langsam wie die verrinnenden Blutstreifen im gefleckten Wasser Ihrer Silberschalen. Die vielen Kuren, die Heilmittel der Epoche: Quinine oder isländisches Moos erbringen keinerlei Linderung noch etwa Heilung. Ihre letzten zwei Launen, oder auch besser gesagt zwei letzte Freuden im Leben haben Sie erreicht. Ein Jahr vor Ihrem Tode bietet Prince Édouard de Perrégaux Ihnen seinen großen Namen an. Ihre seltsame Hochzeit wird in England registriert, wird aber nach französischem Recht niemals anerkannt. Drei Tage nach der Zeremonie fahren Sie getrennt jeder für sich alleine zurück nach Frankreich. Von da an „erblühen“ die Kronen der Gräfin auf Ihrer Bettwäsche, Ihrem Silberbesteck und Ihrem Schreibpapier. Sie werden Perrégaux niemals wiedersehen, aber er wird Ihnen ein allerletztes Geschenk überreichen. Ja, Marie! Hier auf dem Friedhof der Künstler und Großbürger am Montmartre wird er Ihnen ein Grabmal für die Ewigkeit seiner großen Liebe bauen lassen.

Trotz Ihrer hohlen Wangen und Ihrer tiefen dunklen Augenränder wird der große Musiker Franz Liszt Ihnen eine letzte ultimative prestigeträchtige Hommage darbieten, die Sie noch einmal von Liebe träumen lässt. Aber die Einsamkeit nimmt ihr Recht und umringt Sie wieder mit dunkler Nacht. Die Männer, die käufliche Liebe erwerben, möchten nicht mit einer Krankheit Ihr Bett teilen und so wird es unaufhaltsam stiller und stiller um Sie, Marie! Langeweile, Angst und Schulden verzehren Sie. Jeden Tag gehen Sie auf den Schlachthof, um frisches Blut zu trinken und schlafen auf einer Rosshaardecke, verschrieben von Ihrem Doktor. Aber all das hilft nichts mehr, Marie! Sie werden sterben!

Marie Duplessis auf Ihrer Grabstätte © IOCO

Marie Duplessis auf Ihrer Grabstätte © IOCO 

…. es ist schon alles vorbei

Im Januar 1847 möchten Sie dieser undankbaren Gesellschaft noch einmal eine letzte Vision des Idols bieten, zudem Sie geworden sind. War es einfach instinktiv oder war es reiner Hohn? Wir wissen es nicht! Sie lassen sich zum Théâtre du Palais-Royal fahren. Ihre Erscheinung! Ein Gletscherauftritt! Ihre durchsichtige Silhouette gleich einem Spektrum, verhüllt in weißen Satin und kostbaren Spitzen und geschmückt mit den letzten Juwelen, die noch nicht am Mont-de-Piété verpfändet wurden. Danach fahren Sie nach Hause zurück, um nie mehr die Öffentlichkeit zu betreten. Die vielen Gläubiger klingeln ohne Unterlass an Ihre Tür, ein letztes Blutgerinnsel erstickt Sie und der Tod umarmt Sie, als Ihr allerletzter Liebhaber, Marie! Während unter Ihrem Fenster im Boulevard de la Madeleine der Karneval im vollen Gange ist.

Ihr Tod wird für die kleine Pariser Gesellschaft ein sogenanntes „Ereignis“. Man kauft alles, man verkauft Ihren gesamten Nachlass. Ihre Wohnung ist überfüllt von sittlichen Damen der Gesellschaft… aber auch einige andere. Alles wird verkauft: Ihre unzähligen Kleider, Ihren Schmuck, Ihre kostbaren Möbel und sogar die trivialsten Gegenstände. Einige Fetischisten reißen sich um Ihre Petticoats and sonstige Unterwäsche, ja sogar Ihre Haarsträhnen werden gehandelt, so sagt man. Marie! Aber was bleibt Heute von Ihnen, Marie Duplessis? Nur die verzehrten Erinnerungen, die Sie mit der Romanfigur Marguerite Gauthier teilen müssen und die Sie in die gleichen Fußschritte der Geschichte lenkt. Sonst nichts! Zerstreut, zerstört, verloren, Ihre Relikte sprechen nicht. Ein Fächer hier, ein Rosenkranz, ein Schmuckstück dort, oder eine Miniatur sind selten unter dem Hammer eines Auktionär gefallen. Unbezahlbar dieses wunderschöne Porträt, gemalt von Edouard Vienot (1804-1884). Alles ist still, alles ist geheimnisvoll um Sie. Wir haben Stimmen, Gesichter, mehrere Inkarnationen ihres schönen Phantomes… ultimative Beschwörungen Ihres Geheimnisses.

Aber von Ihnen, Marie? Fast nichts! Wer waren Sie wirklich, Marie Duplessis?

—| IOCO Interview |—

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Baden-Baden, Brenners Park-Hotel, Anna Zassimova – Russischer Jugendstil und deutsche Romantik, 09. & 09.08.2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Russischer Jugendstil und deutsche Romantik

 Pianistin Anna Zassimova verknüpft Musik und bildende Kunst

Samstag, 8. August 2020, 17 Uhr
Sonntag, 9. August 2020, 11 Uhr
Brenners Park-Hotel, Orangerie

Das Baden – Badener „En Suite“-Festival des Festspielhauses geht weiter: Am zweiten Augustwochenende spielt die Pianistin Anna Zassimova in der Orangerie des Brenners Park-Hotels. Am Samstag, 8. August, stehen Werke des russischen Jugendstils auf dem Programm, am Sonntag widmet sie sich der Romantik mit Werken von Schumann, Liszt und Brahms. Als reizvollen Aha- Effekt für die Besucher setzt Annna Zassimova Musik in Verbindung mit bildender Kunst.

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Zassimova @ Victoria Page

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Zassimova @ Victoria Page

Im Jahr 2017 debütierte die in Baden-Baden lebende Anna Zassimova beim Klavier-Festival Ruhr und hinterließ einen großartigen Eindruck. Die gebürtige Moskauerin, die zugleich Kunsthistorikerin und promovierte Musikwissenschaftlerin ist, hat sich als Meisterin im Heben pianistischer Schätze erwiesen. Besonders die Wiederentdeckung des russisch-französischen Komponisten Georges Catoire ist eng mit ihrem Namen verknüpft. Anna Zassimova, die inzwischen an der Musikhochschule in Karlsruhe unterrichtet, gilt außerdem als herausragende Chopin-Interpretin.

Ihr Konzert am Samstag 8. August 2020, 17 Uhr im Rahmen des En Suite-Festivals in der Orangerie des Brenners Park-Hotel soll die Zuhörer in die ferne Terra incognita der Komponisten- und Maler-Bohème des Jugendstil- und Fin de siècle der Russischen Kunst entführen. Dabei wird die bildende Kunst in einen Dialog mit der Musik treten, um den Parallelen dieser Schwesterkünste nachzuspüren. Ihrer gemeinsamen Ideenwelt und ihres Zeitgeistes, ihrer Suche nach Neuem und ihrer gleichzeitigen Sehnsucht nach der Vollkommenheit Alter Meister und einer absoluten Schönheit.

Beispielhaft stehen für diese Entwicklung die moderne atonale Aufbaustruktur und die dichten Harmonien von Nikolai Roslawez oder die im Konzert zu hörende Sonate von Nikolaj Medtner, in der die traditionellen harmonischen Prinzipien des Komponierens in erlesenster Form ausgearbeitet sind.

Vergleichbare Entwicklungen in der bildenden Kunst werden von Anna Zassimova sowohl mit den mystischen Bildern von Michail Wrubel als auch den märchenhaften Motiven von Alexander Benois oder den poetisierten Darstellungen der russischen Natur von Isaak Levitan aufgezeigt. Eine Veranstaltung, die den Besucher über das Hören und Sehen zu einer außergewöhnlichen Wahrnehmung einlädt. Die Künstlerin des Abends, die auch für das Konzept verantwortlich ist, hat den Fokus ‚russischer Jugendstil‘ ganz bewußt gewählt: „Ich staune immer wieder darüber, wie viele Schätze noch zu entdecken sind im Klavierrepertoire dieser Epoche und wie hoch die Qualität dieser selten gespielten Werke ist. Natürlich bringt die Zeit am Ende alles an seinen Platz – nur dauert das manchmal leider ziemlich lange…Trotzdem war die Idee zu diesem Programm nicht die Ansammlung von Rarita?ten russischer Klaviermusik, sondern die Abbildung eines lebendigen musikalischen Ausschnitts aus jener spannenden Periode, in der die europa?ische Welt sich rasend schnell und dramatisch vera?nderte.“

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Zassimova @ Magnus Arrevad

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Zassimova @ Magnus Arrevad

Am Sonntag, dem 9. August, begibt sich Anna Zassimova mit ihrem Publikum auf eine Reise in die Romantik. Unter dem Motto „Meine Seele, mein Saitenspiel“ präsentiert sie Meisterwerke romantischer Klaviermusik von Johannes Brahms, Robert und Clara Schumann, Franz Liszt und Frèderic Chopin mit Bildern von Kaspar David Friedrich, Anselm Feuerbach, Arnold Böcklin, Camille Corot und Eugene Delacroix.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—


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Baden-Baden, Festspielhaus, Renée Fleming – Evgeny Kissin, 15.03.2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Renée Fleming –  Evgeny Kissin

Sonntag, 15. März 2020, 17 Uhr

Zwei ganz große Künstler dieser Zeit: Die amerikanische Starsopranistin Renée Fleming, eine der herausragendsten Liedsängerinnen und großartigsten Persönlichkeiten der internationalen Opernszene, und der große russische Pianist Evgeny Kissin. Am 15. März 2020, 17 Uhr, treten die beiden Ausnahmekünstler erstmals gemeinsam im Festspielhaus Baden-Baden auf.

Ein hochkarätiges Gipfeltreffen erwartet die Zuhörer, wenn die amerikanische Starsopranistin Renée Fleming, die für ihre warme, ausdrucksstarke und facettenreiche Stimme weltweit gepriesen wird, und der zu den überragenden Künstlern seiner Generation zählende Klaviervirtuose Evgeny Kissin zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen. Das Weltklasse-Duo präsentiert am 7. März einen Liederabend mit Werken der Romantiker Liszt, Schubert und Duparc und des französischen Impressionisten Debussy.

Festspielhaus Baden-Baden / Renée Fleming © Decca / TimothyWhite

Festspielhaus Baden-Baden / Renée Fleming © Decca / TimothyWhite

Mit der Sopranistin Renée Fleming verbinden Festspielhaus-Besucher zwei legendäre Strauss-Produktionen: Die US-amerikanische Sopranistin gab hier unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann als Marschallin im „Rosenkavalier“ sowie als Ariadne in der gleichnamigen Oper ihr Debüt. Renée Fleming ist der vielleicht ansprechendste und zugleich flexibelste Sängerstar unserer Tage. Denn Renée Fleming ist in der instrumental geführten Koloratur Mozarts ebenso zu Hause wie in den kräftezehrenden Strauss-Opern, im italienischen Belcanto sowie im französischen Fach – und nicht zu vergessen: im Jazz, dem sie sich schon in frühen Jahren intensiv widmete: „Ich habe ja als Jazz-Sängerin begonnen und mit einem Trio jedes Wochenende in Clubs gesungen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und beigebracht, wie man ungezwungen mit einem Publikum kommuniziert.“

2008 war sie die erste Sängerin in der Geschichte der Metropolitan Opera New York, der allein die Gala zur Eröffnung der Saison gewidmet war. 2013 ehrte sie Präsident Obama mit der National Medal of Arts – der höchsten staatlichen Auszeichnung, die Künstlern in der USA zuteilwerden kann. Zu ihren Auszeichnungen zählen ferner die Fulbright-Medaille für ihr Lebenswerk und das deutsche Bundesverdienstkreuz, sie ist Ritter der französischen Ehrenlegion und Ehrenmitglied der Royal Academy of Music. 2014 sang sie als erste Künstlerin aus der Welt der klassischen Musik die amerikanische Nationalhymne beim „Super Bowl“ und 2013 nahm sie ihren vierten Grammy Award als beste klassische Gesangssolistin entgegen. Nach einer jahrzehntelangen Karriere an der Met und auf anderen großen Opernbühnen von San Francisco bis Bayreuth gab sie 2018 in dem Musical „Carousel“ ihr Broadway-Debüt. Im selben Jahr war sie auf den Soundtracks der mit Oscars ausgezeichneten Kinofilme „The Shape of Water“ und „Three Billboard Outside Ebbing, Missouri“ zu hören.

Festspielhaus Baden-Baden / Kissin Evgeny © Sheila Rock

Festspielhaus Baden-Baden / Kissin Evgeny © Sheila Rock

An ihrer Seite, in einer für ihn eher ungewohnten Rolle, nämlich in die des Liedbegleiters, der Pianist Evgeny Kissin. Bereits im Alter von zwei Jahren begann er, Stücke auf dem Klavier nach dem Gehör zu spielen und zu improvisieren. Mit zehn gab er sein Konzertdebüt mit Mozarts Klavierkonzert d-Moll KV 466, kurz darauf folgte sein erstes Rezital. Sechs Jahre später wurde er zu einem Vorspiel bei Herbert von Karajan geladen, der den damals 17-Jährigen spontan für das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker engagierte: Kissin spielte 1988 in der Philharmonie Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 und wurde so mit einem Schlag der Weltöffentlichkeit bekannt: „Dass ausgerechnet Karajan mich als junges Genie bezeichnete, war natürlich eine große Auszeichnung für mich“, so Evgeny Kissin. Bereits im folgenden Jahr spielte der in Moskau geborene Pianist unter Karajans Dirigat bei den Salzburger Festspielen und bis heute verbindet ihn eine innige künstlerische Partnerschaft mit den Berliner Philharmonikern. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen wurde ihm 2005 im Baden-Badener Festspielhaus der Herbert-von-Karajan-Musikpreis verliehen.

Festspielhaus Baden-Baden / Renée Fleming © Decca / Andrew Eccles

Festspielhaus Baden-Baden / Renée Fleming © Decca / Andrew Eccles

[ Von Renée Fleming wurden verschiedene Aufnahmen bei Decca veröffentlicht ]

Am 15. März 2020 werden die amerikanische Starsopranistin und Evgeny Kissin zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen – mit einem exquisiten Programm: Zu hören sind Lieder und Klavierwerke von Franz Schubert, Claude Debussy, Franz Liszt und Henri Duparc, dessen man sich heute fast nur noch aufgrund seiner grandios-atmosphärischen Baudelaire-Vertonungen erinnert. Zu seinen Lebzeiten galt der Lieblingsschüler César Francks, der auch als Mitbegründer der Société Nationale de Musique in Erscheinung trat, demgegenüber als einer der wichtigsten Vertreter der französischen Musik. Im Alter von 37 Jahren musste er aufgrund einer Nervenkrankheit das Komponieren aufgeben, was seine wenigen erhaltenen Lieder zu einem kostbaren musikalischen Vermächtnis machen.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—


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