Berlin, b-flat – Accoustic Music & Jazz Club, Adi Braun – Jazz-musikalisches Cabaret, IOCO Kritik, 12.03.2019

März 12, 2019 by  
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b-flat / Adi Braun als MODERNE FRAU © Jodi Thibodeau

b-flat / Adi Braun als MODERNE FRAU © Jodi Thibodeau

b-flat Berlin

MODERNE FRAU – Jazz-musikalisches Cabaret

Im Berliner   b-flat – Accoustic Music & Jazz Club

von Kerstin Schweiger

Glamour Girls: die kanadische Jazzsängerin Adi Braun hat sich der musikalischen Unterhaltungskultur der Weimarer Republik und ihrer großartigen Diseusen verschrieben.

Ihr jazz-musikalisches Cabaret-Programm MODERNE FRAU feierte am 7. März im b- flat Accoustic Music & Jazz Club  in Berlin Europa-Premiere. Weitere Aufführungen fanden beim Kurt Weill Fest in Dessau (8. März), und im brandenburgischen Zehdenick (10. März) großen Beifall.

14 Jahre war die Weimarer Republik Bühne einer liberalen, exzessiven, strahlenden und künstlerisch explodierenden, modernen Zeit – immer am Rand des Vulkans! Bis heute spinnen diese Jahre ein enormes assoziatives Frauenbild in unsere Gegenwart. Adi Braun greift den Frauen-Typus der Weimarer Republik auf und hält ihn uns als Spiegel vor. Der Vulkan rumort wieder…

MODERNE FRAU – nun im Accoustic Music & Jazz Club
youtube Video von Adi Braun
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In ihrem furiosen Programm stellt Adi Braun zusammen mit ihren exzellenten Trio ihre Jazz-musikalische Hommage an die stilbildenden Frauen der Weimarer Zeit vor und verrät, warum sie als Kanadierin ausgerechnet Berliner Chansonetten wie Trude Hesterberg, Margo Lion oder Kate Kühl bewundert. Titel wie Surabaya Johnny oder Mackie Messer sind um Original-Kompositionen von Adi Braun ergänzt. Die Kanadierin mit deutschen Wurzeln interpretiert Songs, die vor knapp 100 Jahren von den großen Kabarettsängerinnen wie Blandine Ebinger, Kate Kühl, Margo Lion oder Trude Hesterberg gesungen wurden. Neben den Songs von Weill, Spoliansky oder Franz Grothe präsentiert Adi Braun auch Eigenkompositionen, die das Frauen-Bild der „Roaring Twenties“ mit kritischem Augenzwinkern hinterfragen.

Mit überragender Bühnenpräsenz hat Adi Braun die Chansonnièren aus einer anderen Zeit in die Tasche gesteckt und haucht ihnen ein jazziges neues Leben ein. Dank einer fundierten klassischen Gesangsausbildung sitzt jeder Ton, jede unterstreichende Geste perfekt. Mit exakter Diktion ruft sie einen expressiven Deklamationsstil der bewunderten Diseusen in Erinnerung, der genau auf die Texte hören lässt. Gerade in den Weill-Songs wie Nanas Lied oder Surabaya Johnny oder in dem Propagandasong „Und was bekam des Soldaten Weib?“, der während des Krieges über Radiowellen von den Alliierten in den Deutschen Rundfunk eingespielt wurde, erhält das eindringliche Intensität. Adi Braun spielt mit einer stimmlichen Bandbreite, die mühelos zwischen von Jazz bis Scat, Oper und Chanson wechselt. Dabei sitzt jede große Geste. Kongenial wird sie begleitet von dem überragenden Tom King am Flügel, einem wunderbar verschmitzt-einfühlsamen Robin Draganic am Bass und Tilman Person am Schlagzeug.

MODERNE FRAU – nun im Accoustic Music & Jazz Club
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Die CD-Einspielung von MODERNE FRAU ist 2017 auf CD bei Blue Rider Records erschienen und erreichte auf Anhieb nicht nur in Kanada eine breite Zuhörerschaft. Die vermeintlich goldene Zeit der Weimarer Republik ist derzeit präsent wie nie. Die TV-Serie Babylon Berlin spielt mit einer Szenerie, die zwischen Revolution und Nachtleben auf dem Vulkan tanzt, eine rückwärts gewandte Sehnsucht lässt die legendären Bohème Sauvage Parties brummen. Was fasziniert uns bis heute, was ist (wieder) so modern daran? Für Adi Braun liegt das auf der Hand. Sie sucht stets einen Bezug zur Gegenwart: „Wir befinden uns in einer sehr gefährlichen sozialpolitischen Lage, wo Hass und fehlender Respekt anderen gegenüber manchmal auch noch ermutigt wird. Die Welt der freien Kunst ermöglicht es uns, darauf aufmerksam zu werden und gerade deshalb sind Songs sehr gute Träger dieser Nachricht.“

Adi Brauns musikalisches Interesse gilt den Frauen, die um die Wende des 20. Jahrhunderts geboren wurden und in der kurzen nur 15 Jahre währenden Zeitspanne der Weimarer Republik (1918-1933) eine neue Lebensweise erprobten. Stilbildend waren Sängerinnen, Texterinnen und frühe Kulturmanagerinnen wie Blandine Ebinger, Margo Lion, Trude Hesterberg oder Claire Waldoff. Statt Nostalgie hat Braun dabei handfeste Realität im Blick und bezieht sich auf die ausgeprägte Kabarettszene dieser Zeit, wo Gesellschaftskritik an der Tagesordnung war und Frauen nicht nur als Interpretinnen agierten, sondern auch als Theatermanagerin wie z. B.Trude Hesterberg in ihrer Wilden Bühne im Keller des Theaters des Westens.

„Ich war sofort von den unglaublichen Chansonetten und Diseusen des Weimarer Kabaretts angetan und konzentrierte mich auf Ihre Aufführungspraxis, die mich als Sängerin selbst total faszinierte. Ich bewunderte ihre musikalische und dramatische Darstellungskunst und empfand es fast so, als hätten diese Damen einen völlig neuen Gesangsstil entwickelt. Einen Stil, dessen Zukunft zwar in dem Bereich der Operette und des Theaters lag, der aber auch schon Spuren des Jazz und ‚freier‘ moderner Musik enthielt“. So entstand die Idee zum Programm MODERNE FRAU, deren Patinnen „die furchtlosen und überaus kreativen Sängerinnen der Weimarer Zeit“ waren, wie Adi Braun schwärmt.

In ihren eigenen Songs – MODERNE FRAU, JOSEPHINE, GESTERN – versucht sie, den einzigartigen Stil der großen Komponisten und Dichter der Weimarer Epoche aufzugreifen und Themen und Personen dieser Zeit weiter zu führen. Adi Brauns biografischer Song JOSEPHINE zum Beispiel ist der großen Entertainerin Josephine Baker gewidmet, die als junge farbige Sängerin in ihrem eigenen Land diskriminiert war und in der kurzen liberalen Sequenz im Nachkriegs-Europa der 1920er Jahre zum Star und Rollenvorbild junger Frauen wurde.

Wie „übersetzt“ man die Musik dieser Zeit ins Heute? „In musikalischer Hinsicht trete ich meist mit einem Jazz Trio oder Quintett auf. Meine Notenblätter sind im Stil des Jazz geschrieben und geben allen Musikern sehr viel Freiheit und Improvisationsraum. Jazz ist eine wirklich fluide und biegsame Kunstform, und meiner Meinung nach sehr dazu geeignet diese “alte” Musik neu zu gestalten.

—| IOCO Kritik b-flat Berlin |—

Cottbus, Staatstheater Cottbus, Das Wirtshaus im Spessart, 31.08. – 09.09.2018

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Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

 Das Wirtshaus im Spessart

– Wieder in der Theaterscheune Ströbitz –

In der Zeit vom 31. August bis 9. September 2018 zeigt das Staatstheater Cottbus in der Theaterscheune Ströbitz (Ströbitzer Hauptstr. 39) eine Serie von mehreren Aufführungen Das Wirtshaus im Spessart. Für alle Termine außer für den 31. August 2018 gibt es derzeit noch Karten.

Staatstheater Cottbus / DAS WIRTSHAUS IM SPESSART - Musikalische Räuberpistole von Kurt Hoffmann Szenenfoto © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / DAS WIRTSHAUS IM SPESSART – Musikalische Räuberpistole von Kurt Hoffmann Szenenfoto © Marlies Kross

Für die musikalische Räuberpistole verwandelt sich die Ströbitzer Spielstätte in eine theatral-spielerische Version des malerischen Spessart. Ungewöhnliche Regieeinfälle sorgen dafür, dass auf kleinstem Raum opulente Szenerien in großer Besetzung umgesetzt werden können. So gelingt, auch dank der mitreißenden Musik, ein amüsanter Spagat zwischen überhöht-finsterer Räuberpistole und bewegter Liebesgeschichte. In der Inszenierung von Martin Schüler und unter der musikalischen Leitung von Christian Möbius spielen Mitglieder des Philharmonischen Orchesters.

Erzählt wird die Geschichte der Comtesse von Sandau (Anne Schierack), die von Räubern gekidnappt wird. Die furchtlose Franziska verwickelt die Räuberbande jedoch in ein wildes Verwirrspiel.

Staatstheater Cottbus / DAS WIRTSHAUS IM SPESSART - Musikalische Räuberpistole von Kurt Hoffmann Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Hauke Tesch (Baron Sperling), Anne Schierack (Franziska), Debra Stanley (Barbara) und Dirk Kleinke (Pfarrer) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / DAS WIRTSHAUS IM SPESSART – Musikalische Räuberpistole von Kurt Hoffmann Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Hauke Tesch (Baron Sperling), Anne Schierack (Franziska), Debra Stanley (Barbara) und Dirk Kleinke (Pfarrer) © Marlies Kross

Mit einer Spur von Nostalgie erweisen der Komponist Franz Grothe sowie die Autoren Curt Hanno Gutbrod, Günther Schwenn und Willy Dehmel der populären „Wirtshaus“-Verfilmung mit Liselotte Pulver,  Curt Hanno Gutbrod, Günther Schwenn und Carlos Thompson ihre Reverenz.
Für die Bühne schufen sie eine moderne Form der Komödie mit Musik und komponierten dafür beinahe cineastische Nummern wie die Evergreens „Ach das könnte schön sein“, „Pfui, Papa“ und „Zack Zack“.

Das Wirtshaus im Spessart  –  Vorstellungstermine:  Fr 31.8., 19.30 Uhr (ausgebucht); Karten derzeit erhältlich für Sa 1.9., 19.30 Uhr;  So 2.9., 19 Uhr; Mi 5.9.,

—| Pressemeldung Staatstheater Cottbus |—

Leipzig, Musikalische Komödie, Casanova und Open Air-Konzert Liebe, Sekt und andere Träume

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Musikalische Komödie Leipzig

Leipzig / Musikalische Komodie © Dirk Brzoska

Leipzig / Musikalische Komodie © Dirk Brzoska

HEITERES SPIELZEITFINALE

CASANOVA  –  Albert Lortzing

Mit heiteren Tönen beschließt das Ensemble der Musikalischen Komödie die aktuelle Spielzeit: Am Freitag, 29. Juni, 19:30 Uhr und Samstag, 30. Juni, 19 Uhr wird Albert Lortzings komische Oper Casanova über den legendären Frauenhelden und Freigeist im Haus Dreilinden zu sehen sein.

1.7.2018 – Open Air-Konzert  – »Liebe, Sekt und andere Träume«

Chefregisseur Cusch Jung und Ausstatterin Beate Zoff lassen vor dem Auge der Zuschauer ein venezianisches Ambiente mit Dogenpalast und Rialto-Brücke entstehen. In die Titelpartie dieser opulenten Kostümorgie teilen sich die Tenor-Kollegen Radoslaw Rydlewski (Freitag) und Adam Sanchez (Samstag). Bei Stefan Klingele fließen am Pult im Orchestergraben musikalisch alle Fäden dieses Lortzing – schöne Orchesterszenen, anmutige Arien sowie kunstvolle Ensemblesätze und Chöre – zusammen.

Musikalische Komödie Leipzig / Konzert-im-Musikpavillon © Tom-Schulze

Musikalische Komödie Leipzig / Konzert-im-Musikpavillon © Tom-Schulze

Mit einem Freiluft-Konzert im Musikpavillon im Clara-Zetkin-Park verabschiedet sich die Musikalische Komödie dann am Sonntag, 1. Juli, 14 Uhr in gewohnter Manier in die Sommerpause. Das Programm unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Tobias Engeli steht in diesem Jahr unter dem Motto »Liebe, Sekt und andere Träume«. In dem über hundert Jahre alten Jugendstil-Pavillon erklingen bekannte Operetten- und Musical-Melodien wie Franz Grothes »In der Nacht ist der Mensch« oder Andrew Lloyd Webbers »The music of the night« und Evergreens wie »Dancing Queen« von ABBA. Auf der Bühne im Grünen begleitet das MuKo-Orchester das beliebt-bewährte Solistenteam: Lilli Wünscher, Angela Mehling, Sabine Töpfer, Anne-Kathrin Fischer, Radoslaw Rydlewski und Jeffery Krueger.

—-| Pressemeldung Musikalische Komödie Leipzig |—