Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere TRISTAN UND ISOLDE, 19.01.2020

Dezember 19, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Premiere
TRISTAN UND ISOLDE
Handlung in drei Aufzügen von Richard Wagner
Text vom Komponisten

nach dem Versroman Tristan (um 1210) von Gottfried von Straßburg
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle
Regie: Katharina Thoma
Bühnenbild: Johannes Leiacker
Kostüme: Irina Bartels
Licht: Olaf Winter
Herrenchor: Tilman Michael
Dramaturgie: Mareike Wink
Tristan: Vincent Wolfsteiner
Isolde: Rachel Nicholls
König Marke: Andreas Bauer Kanabas / Falk Struckmann (Juni, Juli 2020)
Brangäne: Claudia Mahnke / Tanja Ariane Baumgartner (Juni, Juli 2020)
Kurwenal: Christoph Pohl / Simon Bailey (Juni, Juli 2020)
Melot: Iain MacNeil
Ein Hirte: Tianji Lin
Ein Steuermann: Liviu Holender

Stimme eines jungen Seemanns: Michael Porter / Michael Petruccelli (14., 23. Februar 2020)
Herrenchor der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt /  Nicholls Rachel © David Shoukry

Oper Frankfurt / Nicholls Rachel © David Shoukry

Tristan und Isolde gilt als einer der Höhepunkte im Schaffen von Richard Wagner (1813-1883) und als gewaltiger Schritt in die musikalische Moderne. Etwas wie der „Tristan-Akkord“, der erst am Ende während Isoldes „Liebestod“ seine harmonische Auflösung erfährt, schien bis dahin unmöglich. Der Komponist war sich der Schwierigkeiten bewusst, die eine Realisierung seiner anspruchsvollen Handlung in drei Akten mit sich bringen würde: „Nur mittelmäßige Aufführungen können mich retten“, so schrieb er an Mathilde Wesendonck. Die Uraufführung am 10. Juni 1865 am Münchner Nationaltheater auf Befehl von König Ludwig II. wurde gleichwohl begeistert aufgenommen. Die letzte Frankfurter Inszenierung des Tristan feierte 2003 in der Regie von Christof Nel Premiere.

Oper Frankfurt /  Vincent Wolfsteiner © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Vincent Wolfsteiner © Barbara Aumüller

Zum Inhalt: Obwohl Tristan den Verlobten Isoldes im Kampf getötet hat, pflegt die irische Prinzessin den verletzten Ritter gesund, unfähig, ihre Rache zu vollziehen. Später treffen beide auf dem Schiff, das Isolde ihrem neuen Gemahl, Cornwalls König Marke, zuführen soll, erneut aufeinander. Dort lädt Isolde den Brautwerber zum Sühnetrunk, doch ihre Dienerin Brangäne vertauscht den Todes- mit einem Liebestrank, so dass beide in tiefer Leidenschaft zueinander entbrennen. In Cornwall werden sie bei einem nächtlichen Treffen von König Marke ertappt, woraufhin Tristan von einem der Männer Markes schwer verwundet wird. In seiner Burg Kareol wartet der fiebernde Tristan auf die Geliebte und stirbt noch vor ihrer Ankunft. Isolde sinkt neben seiner Leiche zusammen.

Nachdem sie hier bereits 2016/17 Flotows Martha gemeinsam herausgebracht haben, finden Frankfurts GMD Sebastian Weigle und die Regisseurin Katharina Thoma, ehemals Regieassistentin am Haus, für die Neuproduktion von Tristan und Isolde erneut zusammen. Während er auf den renommierten Opernbühnen vor allem als ausgewiesener Spezialist für die Werke Strauss’ und Wagners gilt, führten sie ihre Arbeiten neben Barbers Vanessa in Stockholm und Frankfurt u.a. nach Glyndebourne. Die Engländerin Rachel Nicholls (Isolde) gibt ihr Frankfurt-Debüt, nachdem sie die Partie zuletzt in Rom und Turin mit großem Erfolg verkörpert hat. Vincent Wolfsteiner (Tristan) zählt seit 2014/15 zum Frankfurter Ensemble, wo er u.a. als Lohengrin sowie als Siegfried im Ring des Nibelungen und Erik in Der fliegende Holländer erfolgreich war. Andreas Bauer Kanabas (König Marke) stieß 2013/14 zum Sängerstamm Frankfurts, wo er u.a. als Daland (Fliegender Holländer) und Heinrich der Vogler (Lohengrin), aber auch als Philipp II. in Verdis Don Carlo zu erleben war. Die zuletzt genannte Partie verkörpert er gerade in der aktuellen Wiederaufnahme des Werks erneut. Claudia Mahnke (Brangäne), seit 2006/07 fest in Frankfurt engagiert, sang hier u.a. Fricka und Waltraute im Ring. Regelmäßig gastiert sie in Bayreuth. Seit 2005 ist Christoph Pohl (Kurwenal) Ensemblemitglied an der Dresdner Semperoper. Dort sang er neben Wolfram im Tannhäuser u.a. auch Danilo in Lehárs Die lustige Witwe, als der er 2018/19 auch erstmals in Frankfurt gastierte. Alle weiteren Partien – auch die Alternativbesetzungen – übernehmen Angehörige des Frankfurter Ensembles und Opernstudios sowie wenige Gäste.

Premiere: Sonntag, 19. Januar 2020, um 17.00 Uhr im Opernhaus

Weitere Vorstellungen: 25. Januar, 1., 9. (15.30 Uhr), 14., 23. (15.30 Uhr), 29. Februar,
12., 20., 28. (15.30 Uhr) Juni, 2. Juli 2020

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 17.00 Uhr
Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Karten sind bei unseren üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Martha – Don Carlo – Radamisto, Dezember 2019

Dezember 10, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

„SZENEN EINER EHE“
WEIHNACHTEN UND JAHRESWECHSEL –  OPER FRANKFURT

Amüsante, tragische und kriegerische „Szenen einer Ehe“ finden sich auf dem Spielplan der Oper Frankfurt an den Feiertagen und „zwischen den Jahren“: In Flotows romantisch-komischer Oper Martha begibt sich ein von der Hofgesellschaft gelangweiltes Adelsfräulein mitsamt Zofe auf amouröse Seitenwege und trifft auf zwei wackere Landwirte. Nach reichlich zwischenmenschlicher Verwirrung folgt ein genre-typisches Happy End, das späteren Familienanschluss nicht ausgeschlossen erscheinen lässt. Sehr viel ernster spiegelt sich das Thema in Verdis Don Carlo, wo die Ehe zwischen dem spanischen König Philipp II. und der französischen Prinzessin Elisabeth aus Gründen der Staatsraison geschlossen wird, sehr zum Verdruss von Philipps Sohn Don Carlo, der sich nämlich zuvor inkognito im Wald von Fontainebleau in Elisabeth verliebt hat. In Händels Radamisto hingegen ist das, was bei Verdi durch die Ehe verhindert werden soll – nämlich der Krieg –, bereits kurz nach Beginn der Aufführung in vollem Gange, und zwar zwischen dem armenischen König Tiridate und dem thrakischen Prinzen Radamisto. Dabei vermischen sich in bewährter Barockopern-Manier Kämpfe und Liebeshändel zwischen den Herren und den dazugehörigen Ehefrauen in fast unentwirrbarer Weise…

Oper Frankfurt / MARTHA © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / MARTHA © Barbara Aumueller

Martha von Friedrich von Flotow (1812-1883) steht am Montag, dem 23. Dezember 2019, um 19.30 Uhr und am 1. Weihnachtsfeiertag (Mittwoch, 25. Dezember 2019) um 18.00 Uhr sowie zum letzten Mal in dieser Spielzeit an Silvester (Dienstag, 31. Dezember 2019) um 19.30 Uhr auf dem Programm. Die musikalische Leitung der Inszenierung von Katharina Thoma aus dem Jahre 2016 liegt bei Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, und nahezu alle Partien sind mit Mitgliedern des Ensembles besetzt, darunter Juanita Lascarro in der Titelpartie sowie Katharina Magiera (Nancy), Barnaby Rea (Lord Tristan), AJ Glueckert (Lyonel), Gordon Bintner (Plumkett) und Franz Mayer (Richter von Richmond). Die Silvestervorstellung und die anschließende Feier sind bereits ausverkauft. Für die Aufführungen am 23. und 25. Dezember 2019 sind noch Tickets erhältlich.

Oper Frankfurt / Don Carlo © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Don Carlo © Barbara Aumueller

Seit der Premiere 2007 zählt David McVicars Inszenierung des Don Carlo von Giuseppe Verdi (1813-1901) zu den Publikumsmagneten des Hauses und ist am 2. Weihnachtsfeiertag (Donnerstag, 26. Dezember 2019) um 18.00 Uhr sowie am Samstag, dem 28. Dezember 2019, um 18.30 Uhr und zum vorletzten Mal in dieser Saison an Neujahr (Mittwoch, 1. Januar 2020) um 18.00 Uhr zu erleben. Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters steht mit Stefan Soltesz ein gern gesehener Frankfurter Gast. In der Titelpartie ist mit Alfred Kim ein ehemaliges Ensemblemitglied zu erleben. Ihm zur Seite stehen als Elisabeth Tamara Wilson im Wechsel mit Olesya Golovneva und als Philipp II. Simon Lim. Als Carlos Jugendfreund Rodrigo gibt Bogdan Baciu sein Hausdebüt, ebenso wie Carmen Topciu, die sich als intrigante Prinzessin Eboli mit Ensemblemitglied Tanja Ariane Baumgartner abwechselt. Auch Bianca Andrew (Tebaldo) und Magnús Baldvinsson (Der Großinquisitor) gehören zum festen Frankfurter Sängerstamm.

Oper Frankfurt / Radamisto © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Radamisto © Barbara Aumueller

Radamisto von Georg Friedrich Händel (1685-1759) feierte 2016 in der Regie von Tilmann Köhler Premiere im Bockenheimer Depot. Nun steht die Produktion am Sonntag, dem 29. Dezember 2019, um 18.00 Uhr unter erneuter musikalischer Leitung von Kapellmeister Simone Di Felice auf dem Spielplan, diesmal jedoch im Opernhaus. Die Besetzung vereint – mit Ausnahme des gastierenden Countertenors Dmitry Egorov in der Titelpartie – aktuelle sowie ehemalige Frankfurter Ensemblemitglieder wie Kihwan Sim (Tiridate), Zanda Svede (Zenobia) und Jenny Carlstedt (Polissena).

Oper Frankfurt / Radamisto © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Radamisto © Barbara Aumueller

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Manon Lescaut – Giacomo Puccini, IOCO Kritk, 14.11.2019

November 13, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Manon Lescaut – Giacomo Puccini

– Eine Frau sucht das unbedingte Glück –

von Hanns Butterhof

An der Oper Frankfurt hat Àlex Ollé vom katalanischen Theaterkollektiv La Fura dels Baus Giacomo Puccinis Erfolgsoper Manon Lescaut von 1893 radikal ins Heute verlegt. Manon ist jetzt eine Migrantin, die in einem reichen Land ihr Glück sucht und an ihrer unbekümmerten Unbedingtheit scheitert. Asmik Grigorian als Manon und Joshua Guerrero als Des Grieux sind gesanglich wie darstellerisch ein Traumpaar.

Àlex Ollé inszeniert topaktuell –  Puccinis „Manon Lescaut“ mit dem Traumpaar Asmik Grigorian und Joshua Guerrero

Mit zwei Videoprojektionen verortet Àlex Ollé die Handlung fest im Heute: Eine Gruppe Migranten, unter denen sich auch Manon befindet, durchschneidet einen Grenzzaun und schlüpft ins vermeintlich Gelobte Land. Manon sieht man dann als Näherin in einer Textilfabrik, wo sie männlichen Zudringlichkeiten ausgesetzt ist – Grund genug, um weiter zu ziehen auf der Suche nach dem Glück.

Manon Lescaut – Giacomo Puccini
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Wenn dann Manon (Asmik Grigorian) auf einem überdachten Busbahnhof ankommt, der mit Menschen aller Art und Herkunft gefüllt ist, fällt sie wegen ihrer Schönheit nicht nur Geronte (Donato di Stefano) auf, einem schmierigen Bordellbetreiber, der hier nach Frischfleisch für sich und sein Etablissement Ausschau hält. Ihr Prolo-Schick mit ausgewaschenen Jeans und Glitzertasche (Kostüme: Lluc Castells), auch ihr leicht strähniges Blondhaar prädestinieren sie zur Beute. Sie entflammt auch den jungen Studenten Des Grieux (Joshua Guerrero), der sie vor Gerontes Absichten warnen und bewegen kann, mit ihm abzuhauen, dem großen Liebes-Glück entgegen.

Doch Liebe ist nicht alles, was Manon sucht. Daher verlässt sie den armen Des Grieux und kommt mit Hilfe ihres Bruders (Iurii Samoilov) auf Geronte und dessen Angebot zurück, als seine Geliebte mit ihm ein Leben in Luxus und Reichtum zu leben. In seinem Nachtclub tanzt sie nun in roter Trikotage mit anderen leichtbekleideten Frauen und trauert dem einfachen Liebesleben mit Des Grieux nach. Als dieser auftaucht und nach den gebührenden Vorwürfen gegen die untreue Manon doch seine ungebrochene Liebe eingesteht, fassen beide den Entschluss zur erneuten Flucht. Doch Manon will nicht nur die Liebe zurück, sondern auch den Reichtum nicht lassen. Es kostet sie so viel Zeit, ausgiebig die Kassen des Nachtclubs zu leeren, dass die von Geronte herbeigerufene Polizei Manon als Diebin festnehmen kann.

Der Versuch Lescauts und Des Grieux‘ scheitert, die hinter Gittern in Abschiebehaft gehaltene Manon zu befreien. Des Grieux gelingt es nur, seinen Schmerz über die Trennung von seiner Geliebten so mitleidserregend vorzubringen, dass ihm erlaubt wird, auf dem Schiff mitzufahren, das Manon und die anderen Abgeschobenen außer Landes bringt.

Oper Frankfurt / Manon Lescaut - hier :  Ensemble vor dem LOVE - Symbol © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Manon Lescaut – hier : Ensemble vor dem LOVE – Symbol © Barbara Aumüller

Manon und Des Grieux finden sich schließlich beide in einem wüsten Niemandsland wieder. Die dreidimensionalen Riesenbuchstaben LOVE, die auch bisher in jedem Akt in verschiedener Funktion und Beleuchtung präsent waren (Bühne: Alfons Flores), sind nun die einzigen Bühnenelemente, zuerst spiegelbildlich, dann bei qualvoll langsamer Drehung in absoluter Seitenansicht wie ein Betonpfeiler und schließlich, in verglimmendem Licht, als frontaler Anblick. Hier nun stirbt Manon, im Irgendwo eines Landes, das ihren unbedingten Wunsch nach umfassendem Glück radikal zurückweist. Mit dieser Unbedingtheit konnte sie vielleicht auf der ganzen Welt keine Heimat finden, hat vielleicht auch dem wirklichen, aber eben unvollständigen Glück in sich keine Heimat gegeben. Als sie in den Armen Des Grieux‘ stirbt, der vergeblich nach Wasser zu ihrer Rettung gesucht hatte, klingt die Liebe, die sie noch einmal beschwört, wie eine ferne Erinnerung.

Die Regie Àlex Ollés und seiner Mitarbeiterin Valentina Carrasco will viel. Sie zeigt im Rahmen eines aktuellen Migrantinnen-Schicksals das Elend einer Frau, die als Einsatz für ihr Glück nur ihr Aussehen und ihren Körper zu bieten hat. Gleichzeitig, und das unterstreicht das plakative LOVE-Motiv in jedem Akt – (warum eigentlich englisch LOVE bei einer italienisch gesungenen, in Frankreich spielenden und in Frankfurt aufgeführten Oper?) – , geht es um den überzeitlichen Konflikt zwischen Liebe und Ansprüchen an das Leben sowie die Kritik an einer Gesellschaft, in der menschliche Beziehungen wie Waren behandelt werden.

Oper Frankfurt / Manon Lescaut : hier :  Joshua Guerrero als Chevalier Renato Des Grieux) und Asmik Grigorian als Manon Lescaut © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Manon Lescaut : hier : Joshua Guerrero als Chevalier Renato Des Grieux) und Asmik Grigorian als Manon Lescaut © Barbara Aumüller

Dass die bei solcher Motiv-Fülle auftretenden Unstimmigkeiten nicht weiter ins Gewicht fallen, liegt vor allem an den Protagonisten. Asmik Grigorian, für ihre Salome bei den letztjährigen Salzburger Festspielen von der Zeitschrift Opernwelt zur Sängerin des Jahres gewählt, ist gesanglich und darstellerisch grandios. Ihr klarer dramatischer Sopran entfließt ihr mit so umstandsloser Selbstverständlichkeit, dass er bei allen Spitzentönen und verschatteten Partien wie natürlichstes Parlando wirkt. Dem entspricht die absolut glaubwürdige Rollengestaltung einer jungen Frau, die sich auf der Suche nach ihrem Glück nahezu naiv auf alle sich dazu bietenden Gelegenheiten einlässt. So bleibt sie bei allen altersspezifischen Unzulänglichkeiten eine liebenswerte Person, mit der man in ihrem Unglück mitfühlt, statt sie zu verurteilen. Ihren erschütternden Tod erlebt man auch als endgültigen Abschied von allen unbescheidenen, auf das Unbedingte gerichteten Jugendträumen.

Asmik Grigorian ist ein Traumpaar mit Joshua Guerrero, der stimmlich und optisch ein Des Grieux nach Maß ist, ein gut aussehender, wenig lebenstüchtiger Romantiker, kein Boss. Der amerikanische Tenor, der in Frankfurt sein Deutschland-Debüt gibt, wirft sich vom ersten Takt an mit solch beeindruckender Stimmkraft in die anspruchsvolle Partie, dass man um seine Durchhaltefähigkeit besorgt sein muss. Mit seiner weichen, warm timbrierten Stimme und dem passenden, nicht zu häufig eingesetzten Schmelz der Italianitá gestaltet er in seiner Mitleidsarie „No, pazzo son!“ am Ende des zweiten Akts den ergreifendsten Moment der Oper.

Auch die weiteren Rollen sind bis in die Nebenfiguren durchwegs gut besetzt. Donato di Stefano gestaltet bei aller Schmierigkeit Geronte mit mildem Bassbariton nicht völlig als Ekelpaket, mit warmem Bariton ist Iurii Samoilov ein kompasslos in der fremdem Welt hin- und hergerissener Lescaut und Michael Porter als Edmondo ein Freund Des Grieux‘. Der von Tilman Michael einstudierte Chor hat große Einsätze, ist sich aber mit dem Dirigenten nicht immer über das Tempo einig.

Takeshi Moriuchi am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters vermeidet, vor allem im ersten Akt, alles Operettenhafte und findet insgesamt zu kühleren Farben, ohne die Dramatik und Traurigkeit der Partitur zu vernachlässigen. Er nimmt mit in die immer dünner werdende Luft um Manon, bis die Musik schließlich mit ihr bewegend erstirbt.

Das Publikum brauchte eine lange Pause der Ergriffenheit, bevor es nach fast drei Stunden italienischen, deutsch und englisch übertitelten Gesangs in lang andauernde Begeisterungsstürme mit Standing Ovations für Asmik Grigorian, Joshua Guerrero und Takeshi Moriuchi ausbrach. Manon Lescaut  an der Oper Frankfurt ist ein anregendes, beglückendes Geschenk.

 Manon Lescaut an der Oper Frankfurt:  Die nächsten Termine: 15. und 23.11.2019, jeweils um 20.30 Uhr

–| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—

Zenon Kosnowski, Eine große Stimme ist verstummt, IOCO Aktuell, November 2019

Zenon Kosnowski / Scarpia © Kosnowski

Zenon Kosnowski / Scarpia © Kosnowski

von  Adolph Brune

Eine große Stimme ist verstummt
– Zum Tod von Zenon Kosnowski –

Zenon Kosnowski nahm zunächst in Danzig ein Studium der Geschichte auf, welches er mit einem Diplom abschloss. Bereits zu dieser Zeit galt seine Liebe der Oper und so entschloss er sich Gesang zu studieren.

In Warschau fand er in Prof. Wiktor Bregy, ein erfolgreicher Tenor, den geeigneten Lehrer, der seine Stimme nach der Methode des italienischen Belcanto ausbildete. Kosnowski blieb während seiner gesamten Karriere dieser Linie treu und begründete darauf seine späteren Erfolge.

Nach seinem Abschluss nahm er an verschiedenen nationalen und internationalen Gesangs-Wettbewerben teil bei denen ihm viele Preise verliehen wurden. Nach seinem ersten Engagement in Danzig, wo er u.a. die Partie des Zbigniew in der polnischen Nationaloper Das Geisterschloss  von Stanislaus Moniuszko sang, wechselte er nach Frankfurt am Main, wo er unter der Leitung von Sir Georg Solti Mitglied des dortigen Ensembles wurde.

Nach kurzen Stationen in Oberhausen und Wuppertal wurde Zenon Kosnowski an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf – Duisburg berufen, wo man ihm nach einiger Zeit die Partie des Wotan im Ring des Nibelungen von Richard Wagner anbot. Der Erfolg war sensationell und der Beginn einer großen, internationalen Karriere.

Walküre / Wotan – Richard Wagner
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Es folgten Konzert- und Opernauftritte am Nationaltheater München, an den Staatsopern Hamburg, Stuttgart und Hannover, so wie in Rom, Barcelona, Triest, Nizza, Warschau, Moskau und New York, wo er mit der international renommierten Sängerelite, wie Mirella Freni, Eva Marton, Nicolai Ghiaurov, Renato Bruson, Carlo Cossutta und Rene Kollo auftrat.

Zenon Kosnowski erarbeitete sich im Laufe der Jahre ein breit gefächertes Repertoire. Neben seinen Paraderollen, Wotan, Amfortas, Holländer, Scarpia und Escamillo sang er auch den Beckmesser, Falstaff, Dulcamara und viele weitere Partien, die seine Vielseitigkeit unterstrichen.

Parsifal / Amfortas – Richard Wagner
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Unvergesslich – 1989 in der Semperoper Dresden – kurz vor der Öffnung der Grenze – Zenon Kosnowski als Holländer im Fliegenden Holländer unter der Regie von Wolfgang Wagner.

Der Fliegende Holländer – Richard Wagner
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Nicht nur seine stimmlichen Leistungen, sondern auch seine facettenreichen Darstellungen wurden bewundert und hoch gelobt. Als Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf – Duisburg wurde Zenon Kosnowski in Würdigung seiner künstlerischen Leistungen der Titel des Kammersängers verliehen.

In den frühen Morgenstunden des 28. Oktober 2019 verstarb Zenon Kosnowski im Alter von 88 Jahren. Er wird seinen Freunden und Kollegen unvergessen bleiben.

www.kosnowski.de

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