Zürich, Tonhalle Maag, Adès – Beethoven – Nielsen, IOCO Kritik, 4.4.2019

Dezember 17, 2019 by  
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 Zürich Maag / Spielstätte des Tonhalle Orchesters © Hannes Henz

Zürich Maag / Spielstätte des Tonhalle Orchesters © Hannes Henz

Tonhalle Zürich

Tonhalle-Orchester   Zürich

Thomas Adès – Beethoven – Carl Nielsen

von Julian Führer

Das Zürcher Tonhalle Orchester präsentierte mit dem Gastdirigenten Alan Gilbert ein abwechslungsreiches Programm. Gewissermaßen als Ouvertüre wurden die von Thomas Adès (* 1971) komponierten „Three Studies from Couperin“ geboten. François Couperin († 1733 in Paris) komponierte diverse Stücke für das Cembalo, von denen Adès drei für Orchester arrangierte und weiterentwickelte und 2006 in Basel als Auftragswerk zur Uraufführung brachte. Les Amusemens sind zunächst zwei oft nahezu parallel verlaufende Viertelketten in tieferer und mittlerer (Cembalo-)Lage, die in der Mittellage auf vielfältige Weisen verziert werden. Adès erweitert das Farbenspektrum erheblich, indem er das durchaus groß besetzte Orchester (konsequent piano oder pianissimo spielend) in den zahlreichen Wiederholungen einzelner Passagen immer wieder unterschiedlich zusammensetzt, gleichwohl ohne jeweils unbedingt Neues zu erzwingen und somit eine fast meditative Atmosphäre schaffend, die sich auf das konzentriert zuhörende Publikum übertrug. Les Tours de Passe-Passe sind wesentlich animierter angelegt, hier ist Adès‘ Erweiterung der Möglichkeiten des französischen Barockkomponisten auch am deutlichsten durch den manchmal auftrumpfenden Einsatz des Schlagzeugs. L’âme en peine schließlich besteht aus einem sehr langsamen Satz, der einerseits in seinem anmutig verzierten ¾-Takt etwas Menuettartiges hat, andererseits durch die grübelnden Dissonanzen und das getragene Tempo an einen Trauerkondukt gemahnt und am besten mit dem französischen Wort langueur charakterisiert wird.

Konzerthaus Maag / Tonhalle Orchester © Paolo Dutto

Konzerthaus Maag / Tonhalle Orchester © Paolo Dutto

Für Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur Opus 58 trat Inon Barnatan an den Flügel. Das Konzert beginnt mit dem Soloinstrument in G-Dur, das nach der Einleitung vom Orchester präsentierte Thema hingegen steht in a-Moll, wodurch sich eine harmonische Spannung ergibt, die dem Kopfsatz erhalten bleibt, auch wenn die Durstimmung insgesamt vorherrscht. Im Orchester gab es zu Beginn eine kurze Irritation, danach überzeugte die Darbietung voll und ganz. Besonders beeindruckend geriet die Präzision, mit der Celli und Bässe auch in schnellen Passagen glänzten. Oboe und Fagott hatten besonders klangschöne Momente. Beim Zusammenwirken von Solist, Dirigent und Orchester entstand der Eindruck eines allgemein guten Einvernehmens. Das von Alan Gilbert modellierte Klangbild war einerseits breitwandig, andererseits wurde das Orchester fast nie laut (im Ausweichquartier des Maag-Areals eine heikle und nicht leicht zu findende Balance) und schuf eine stellenweise kammermusikalische Atmosphäre. Der Dialog mit dem alert einsetzenden Pianisten war in jedem Satz ein echtes Zwiegespräch, auch wenn Beethoven mit diesem Konzert bereits in Richtung einer symphonischen Anlage geht. In den großen Solopassagen der zweiten Hälfte des ersten Satzes wurde die chronologische Nähe zu Opus 57 hörbar, der berühmten Appassionata-Sonate. Inon Barnatan verfügt über eine beeindruckende Bandbreite des Anschlags und konnte es sich aufgrund seiner hervorragenden Technik leisten, das Pedal nur sehr sparsam einzusetzen. Auf den fast mystischen Ausklang des zweiten Satzes (Andante con moto) folgte die übermütige Eruption des Rondo (Vivace), auf das Rondo begeisterter Applaus des Publikums.

Konzerthaus Maag / Tonhalle-Orchester © Priska Ketterer

Konzerthaus Maag / Tonhalle-Orchester © Priska Ketterer

Nach der Pause dirigierte Alan Gilbert die dritte Symphonie von Carl Nielsen, einem Komponisten, der ihm besonders am Herzen liegt. Die Symphonien des dänischen Komponisten hat Gilbert in seiner Zeit als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra eingespielt. Nielsen († 1931) vollendete das Werk im Jahr 1911. Der erste Satz geht zunächst stürmisch voran, bevor es in der Durchführung einen Walzer zu hören gibt. In diesem ersten Teil hatte das Blech in der Klangbalance etwas Übergewicht, der Schlussakkord allerdings beeindruckte mit langem Nachhall. Das Andante pastorale des zweiten Satzes beginnt sehr ruhig und erweitert erst nach und nach den Apparat der eingesetzten Instrumente. In den letzten drei Minuten des Andante mischen sich eine Männer- und eine Frauenstimme ins Orchester, das molto tranquillo (so die Partituranweisung) die Stimmen begleitet, die reine Vokalisen singen, also keinen Text haben. Benjamin Appl und Christina Landshamer fügten sich mit ihren Stimmen sehr harmonisch in das Orchester ein (in dem auch an dieser Stelle das Blech etwas zu sehr in den Vordergrund trat). Ganz zu Ende des Satzes steigert sich das Tempo etwas (adagio, dann wieder tranquillo). Nielsen wollte hier eine paradiesähnliche Stimmung schaffen – und das ist ihm zweifelsfrei gelungen. Das siebenminütige Allegretto verlangt von den Musikern technische Höchstleistungen in bezug auf Schnelligkeit, während der Finalsatz deutlich breiter daherkommt. Besonders in Streichern und Blech breit orchestrierte Passagen lassen an Sibelius denken.

Das Publikum, das nach Adès interessiert und nach Beethoven begeistert war, applaudierte nach Nielsen freundlich – und einige Plätze waren nach der Pause auf einmal frei. Es wäre wünschenswert, dass das Zürcher Publikum bei einem über hundert Jahre alten Werk künftig etwas neugieriger reagiert.

—| IOCO Kritik Tonhalle Zürich |—

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, BAROCKKONZERT La petite mort, 28.06.2019


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

BAROCKKONZERT  –  La petite mort

28. Juni um 20.00 Uhr

Das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz präsentiert unter der musikalischen Leitung von Andreas Kowalewitz am 28. Juni das BAROCKKONZERT La petite mort mit Werken von Jean-Baptiste Lully, Marin Marais, Jean-Féry Rebel und François Couperin. Als Solistin wird Sophie Mitterhuber gemeinsam mit dem Orchester auf der Bühne stehen. Die Moderation des Abends übernimmt Erwin Windegger.

Das Zeitalter des Barock erfuhr in sämtlichen Bereichen der Schönen Künste seine individuellen Ausprägungen und war mit seiner überbordenden, lebensfrohen Prunkentfaltung stilbildend. Unter dem verheißungsvollen Motto La petite mort entführt Sie das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz in diese besonders prachtvolle Epoche und setzt damit die beliebte Reihe der BAROCKKONZERTE fort.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach

Staatstheater am Gärtnerplatz / Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach

BESETZUNG
Musikalische Leitung  Andreas Kowalewitz
Moderation  –  Erwin Windegger

Solistin  –  Sophie Mitterhuber
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

INHALT
Mit Werken der französischen Meister Jean-Baptiste Lully, Marin Marais, Jean-Féry Rebel und François Couperin kehrt die beliebte Barockreihe zurück ans Staatstheater am Gärtnerplatz. Unsere Musiker/innen präsentieren unter der Leitung von Andreas Kowalewitz die virtuose Kunst dieser prachtvollen, sinnesfrohen aber auch morbiden Epoche.

François Couperin   –   Passacaille   –   Le Tic Toc Choc   –   L‘Apothéose de M. Lully
Usquequo domine

Marin  Marais   –   Tombeau de Lully

Jean-Féry Rebel   –  Tombeau de Lully

Jean- Baptiste Lully  –  Le Bourgeois Gentilhomme

Maurice Ravel  –   Le Tombeau de Couperin

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Dresden, Semperoper Dresden, Premiere von Legenden – Hommage an Richard Strauss, 28.06.2014

Juni 12, 2014 by  
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Semperoper Dresden

Dresden Semperoper © IOCO

Dresden Semperoper © IOCO

Strauss-Jahr: Choreografische Uraufführungen von Alexei Ratmansky und Stijn Celis – Premiere von »Legenden – Hommage an Richard Strauss« am 28. Juni

Das Semperoper Ballett feiert den 150. Geburtstag von Richard Strauss mit zwei choreografischen Uraufführungen: Der Abend »Legenden – Hommage an Richard Strauss« hat am 28. Juni um 18 Uhr Premiere und verbindet Strauss’ Ballettmusik »Josephs Legende« mit seiner Bearbeitung von Couperins »Tanzsuite«.

Stijn Celis, der 2013 den Ballettklassiker »Romeo und Julia« für die Semperoper neu interpretierte und zuvor schon »Cinderella« für die Junge Szene choreografierte, kreiert nun »Josephs Legende«: Es ist die tragische Geschichte vom nach Ägypten verschleppten und als Sklaven verkauften Joseph, den die exaltierte Frau des Herrschers Potiphar begehrt, was für beide dramatische Folgen hat.

Alexei Ratmansky, der ehemalige Direktor des Moskauer Bolschoi Balletts, erarbeitet seine erste Neukreation in Deutschland für das Semperoper Ballett. »Tanzsuite«, eine Folge von Klavierstücken von François Couperin, die Strauss für kleines Orchester bearbeitete, fasst der international so begehrte Choreograf nun neu in Tanz.

Weitere Aufführungen finden am 30. Juni, 5., 9. und 11. Juli sowie wieder am 8., 12., 14. und 17. November 2014 statt.

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

Essen, Philharmonie Essen, Französische Musik zu Karfreitag, 18.04.2014

April 14, 2014 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © SvenLorenz

Philharmonie Essen © SvenLorenz

Alte Musik bei Kerzenschein „Leçons de ténèbres“

 
Karfreitag 18.4.2014 | 17:00 Uhr | Alfried Krupp Saal
 
Les Talens Lyriques: 
Amel Brahim-Djelloul, Sopran
Judith van Wanroij, Sopran
François Joubert-Caillet, Viola da Gamba
Christophe Rousset, Cembalo, Orgel, Musikalische Leitung
 
Beim Namen Christophe Rousset horchen vor allem die Liebhaber der sogenannten „Alten Musik“ auf: Er ist Dirigent, Gründer und Leiter der Talens Lyriques. Rousset hat sich auf allen drei Gebieten einen Namen gemacht – insofern ist er seinen frühen Neigungen zu einer historisierenden Tätigkeit treu geblieben. Mit seinem 1991 gegründeten Orchester hat sich Rousset vor allem auf die Klassiker des französischen Repertoires spezialisiert, auf Lully und Rameau, Couperin und Charpentier. Die barocke Kunstepoche begleitet Rousset schon sein Leben lang: „Als Kind hat mich die Vergangenheit angezogen: Ich träumte von barocken Schlössern.“ Von den beiden letztgenannten Komponisten wird er in Essen Werke zur Karwoche aufführen.
 
Marc-Antoine Charpentier
“Seconde leçon du Jeudi Saint” für zwei Soprane und Basso continuo, H 103
“Lamed. Matribus suis dixerunt”
Marc-Antoine Charpentier
“Septième répons du Mercredi saint” für Sopran und Basso continuo, H 117
“Seniores populi”
Marc-Antoine Charpentier
“Cinquième répons du Mercredi saint” für Sopran und Basso continuo, H 115
“Eram quasi agnus”
Marc-Antoine Charpentier
“Second répons du Mercredi saint” für zwei Soprane und Basso continuo, H 112
“Tristis est anima mea”
François Couperin
“Trois leçons de ténèbres pour le Mercredi Saint”
“Première leçon” für eine Stimme
“Deuxième leçon” für eine Stimme
“Troisième leçon” für zwei Stimmen
 
—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

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