Hamburg, Staatsoper Hamburg, Spielzeit 2018/19 – Opulent, Bereichernd, IOCO Aktuell, 04.08.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 Spielzeit 2918/19 – Eröffnung 8. September 2018

 Auslastung steigt  –  Doch …..

In der Spielzeit 2017/18 sahen 345.000 Besucher (Vorjahr 320.000) die Vorstellungen der Hamburgischen Staatsoper; Gesamtauslastung 82%. 205.000 Besucher (Vorjahr 186.000) sahen Vorstellungen der Staatsoper. Die Auslastung der Staatsoper liegt mit 77%, Vorjahr 72% nur im Mittelfeld von Opernhäusern im deutschen Sprachraum. 140.000 Besucher (Vorjahr 134.000) sahen Vorstellungen des Hamburg Ballett von John Neumeier. Die Auslastung von 90% (Vorjahr 86%) ist, auch im internationalen Vergleich, hoch.

Die Staatsoper Hamburg eröffnet am 8. September 2018 die vierte Spielzeit unter der Intendanz von Georges Delnon mit Mozarts Così fan tutte in einer Neuinszenierung von Herbert Fritsch und unter der Musikalischen Leitung von Sébastien Rouland.

Anna Karenina und das Hamburg Ballett
Youtube Trailer der Staatsoper Hamburg
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„In der vierten Saison führen wir unsere bühnenästhetische Linie fort, befragen große wichtige Werke der Opernliteratur und kreieren neues Musiktheater. Sie ist – da setzen wir auf Kontinuität – geprägt von dem ausgesprochenen Wunsch, das künstlerische Profil unseres Hauses weiterhin unverkennbar zu konturieren und wahrnehmbar zu schärfen. Wir begegnen dem Theaterzauberer Achim Freyer mit Robert Schumanns Fragment Szenen aus Goethes Faust wieder. John Neumeier präsentiert seine Sicht auf Glucks Oper Orphée et Eurydice. Wir freuen uns auf die in der Opernszene mit großer Spannung erwartete Deutsche Erstaufführung Lessons in Love and Violence von George Benjamin. Die Italienischen Opernwochen, ein Format, das wir letzte Spielzeit erfolgreich etablierten, werden wir fortsetzen. Zur Eröffnung wird der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Freiheitsoper Nabucco szenisch neu deuten“, so Opernintendant Georges Delnon zur Programmatik der Spielzeit 2018/19.

Für seine 46. Saison als Chef des Hamburg Ballett hat John Neumeier ein sehr persönliches Programm zusammengestellt. „In den vergangenen 45 Jahren konnte ich in, mit und für die Stadt Hamburg so viel bewegen, dass ich mich immer wieder neu für diese traditionsreiche Hansestadt als Zentrum meiner künstlerischen Arbeit entschieden habe. In der kommenden Saison feiere ich meinen 80. Geburtstag und nehme dies zum Anlass, in dem Programm meiner Compagnie einige ‚Lebenslinien‘ zusammenzuführen“, erläutert Ballettintendant John Neumeier.

Hamburgische Staatsoper / vl John Neumeier, Kent Nagano, Georges Delnon © IOCO

Hamburgische Staatsoper / vl John Neumeier, Kent Nagano, Georges Delnon © IOCO

Mit der Premiere Brahms/Balanchine greift John Neumeier zwei Werke des wirkungsmächtigen Erneuerers des Tanzes George Balanchine auf. Die Uraufführung Die Glasmenagerie nach Tennessee Williams mit Musik von Charles Ives und Philip Glass ergänzt John Neumeiers beeindruckenden Werkkatalog um ein neues, zutiefst amerikanisches Ballett. Gezielt unterstreicht John Neumeier mit der Auswahl der Wiederaufnahmen die stilistische Vielfalt der von ihm gepflegten Ballettgenres und räumt der Begegnung von Gesang und Tanz einen eigenen Raum ein. All Our Yesterdays (Des Knaben Wunderhorn/Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler) knüpft an die Tradition des Sinfonischen Balletts an, während Bernstein Dances als Ballettrevue konzipiert ist. Jenseits der gängigen Formate bringt das Hamburg Ballett im Februar 2019 zwei außergewöhnliche Produktionen auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Zum einen ist die Compagnie an der Europäischen Erstaufführung von John Neumeiers Opernproduktion Orphée et Eurydice beteiligt. Zum anderen präsentiert das Hamburg Ballett die hochkarätig besetzte Benefizgala The World of John Neumeier: Am Abend seines 80. Geburtstags übernimmt der Hamburger Ballettintendant und Ehrenbürger persönlich die Moderation dieser Ballettgala zugunsten seiner Stiftung John Neumeier. 

Abonnementsbestellungen sind ab 28. März 2018 möglich. NEU! Mit der Spielzeit 2018/19 können erstmals bereits ab Montag, 11. Juni 2018 (für Abonnenten bereits ab Donnerstag, 7. Juni 2018) Karten für die gesamte Opern- und Ballett-Saison erworben werden. Der bisherige Verkaufsstart für ein beschränktes Kartenkontingent jeweils 28 bzw. 29 Tage vor der Vorstellung entfällt ab der Spielzeit 2018/19. Diese Plätze sind bereits im Jahresverkauf oder im Abo erhältlich. Für die Nijinsky-Gala, die Geburtstagsgala The World of John Neumeier und die Ballett-Werkstätten gelten gesonderte Vorverkaufsregelungen. Während der Theaterferien ist der Karten- und Abonnementservice vom 9. bis 29. Juli 2018 geschlossen.

Parsifal –  2019 WA an der Staatsoper
Youtube Trailer der Staatsoper Hamburg
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Die Neuproduktionen der Staatsoper Hamburg der Spielzeit 2018/19

Mit Mozarts Così fan tutte setzt die Staatsoper ihre Da Ponte-Reihe fort und eröffnet am 8. September 2018 die Spielzeit 2018/19. Erstmals wird Herbert Fritsch Regie führen, die Musikalische Leitung hat Sébastien Rouland. Es ist im vierten Jahr Tradition: Die Eröffnungspremiere wird im Rahmen des Binnenalster Filmfestes und in Zusammenarbeit mit dem Filmfest Hamburg, dem City Management Hamburg und dem „Verein lebendiger Jungfernstieg“ zeitversetzt auf einer Kino-Leinwand am Jungfernstieg übertragen.

Generalmusikdirektor Kent Nagano und Achim Freyer führen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort und werden am 28. Oktober 2018 Robert Schumanns Fragment Szenen aus Goethes Faust mit Christian Gerhaher in der Hauptrolle auf die Opernbühne bringen.

Im neuen Jahr folgt am 3. Februar 2019 John Neumeiers Sicht auf Glucks Orphée et Eurydice. Hierfür kehrt Alessandro De Marchi ans Pult des Philharmonischen Staatsorchesters zurück und neben Dmitry Korchak und Andriana Chuchman ist das neue Ensemblemitglied Elbenita Kajtazi als L’Amour zu hören, es tanzt das Hamburg Ballett.

Zur Eröffnung der Italienischen Opernwochen 2019 wird am 10. März 2019 der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Freiheitsoper Nabucco szenisch neu deuten. Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters steht mit Paolo Carignani ein Spezialist für italienisches Repertoire. Die Staatsoper Hamburg nimmt damit die Tradition der Italienischen Opernwochen wieder auf: Zwischen 10. März und 6. April 2019 werden die schönsten italienischen Opern des Repertoires mit herausragenden internationalen Sängerinnen und Sängern an der Staatsoper zu hören sein. Neben Verdis Nabucco mit den herausragenden Sängern Dimitri Platanias, Alexander Vinogradov, Oksana Dyka und Dovlet Nurgeldiyev sind Rossinis Il Barbiere di Siviglia mit Franco Vassallo, Maurizio Muraro und Julia Lezhneva, Puccinis Manon Lescaut mit der gefeierten Sängerin Kristine Opolais zu erleben sowie Irina Lungu und Stephen Costello in La Traviata und Ramón Vargas als Gustavo III. in Un Ballo in Maschera.

Lessons in Love and Violence – die neue Oper von George Benjamin, basierend auf einem Text von Martin Crimp – wird am 7. April 2019 Premiere in Hamburg haben. Regie führt Katie Mitchell, die Musikalische Leitung hat der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano. Es ist ein Auftragswerk und eine Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden (Uraufführung 10. Mai 2018), De Nederlandse Opera Amsterdam, Opéra de Lyon, Lyric Opera of Chicago, Gran Teatre del Liceu Barcelona und dem Teatro Real Madrid.

Im Rahmen des Internationalen Musikfestes Hamburg 2019 zeigt die Staatsoper Hamburg die Deutsche Erstaufführung der Auftragskomposition Thérèse von Philipp Maintz nach einem Text von Otto Katzameier. Die Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg wird in Kooperation mit der Elbphilharmonie Hamburg ab 18. Mai 2019 im kleinen Saal der Elbphilharmonie gezeigt. Regie führt Georges Delnon. Die Musikalische Leitung hat Nicolas André.

Als Wiederaufnahme steht die Barockoper Alcina von Georg Friedrich Händel in der Inszenierung von Christof Loy ab 30. September 2018 wieder auf dem Spielplan der Staatsoper. Ebenso ist der gefeierte Hamburger Ring des Nibelungen von Richard Wagner in der Inszenierung von Claus Guth in zwei Vorstellungsserien ab 30. Oktober 2018 mit namhaften Gesangssolisten in der Staatsoper zu erleben. Die Musikalische Leitung hat der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano.

Hamburgische Staatsoper / opera piccola - hier : Erzittre, feiger Boesewicht! © Brinkhoff/Mögenburg

Hamburgische Staatsoper / opera piccola – hier : Erzittre, feiger Boesewicht! © Brinkhoff/Mögenburg

Die opera piccola Staatsopernproduktion der Spielzeit 2016/17 Erzittre, feiger Bösewicht! wird im August 2018 als Gastspiel in Shanghai gezeigt. Diese Oper für Kinder ab 7 Jahren nach Motiven der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart in der Bearbeitung von Johannes Harneit ist von Georges Delnon inszeniert, die Musikalische Leitung in Shanghai hat Nathan Brock. Es singen und spielen Mitglieder des Internationalen Opernstudios, The Young ClassX Solistenensemble und Musiker aus Shanghai. Die Produktion wurde ermöglicht durch die Michael Otto Stiftung. „opera piccola“ wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert.

Staatsoper Hamburg 2018/19 – opera stabile:

opera stabile – a living lab wird unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper, der Hapag-Lloyd Stiftung und der Deutsche Bank Stiftung.

In der opera stabile wird mit Ring & Wrestling in dieser Spielzeit die erste Soap-Opera gezeigt, die den Ring des Nibelungen in fünf unterhaltsamen Episoden erzählt. Unter der Musikalischen Leitung von Leo Schmidthals inszeniert Dominik Günther. Vorstellungen sind im September und Oktober 2018 in fünf Folgen.

Die opera piccola der Staatsoper Hamburg ist in dieser Spielzeit Schneewittchen von Wolfgang Mitterer. Inszeniert wird die Kinderoper für 4 Singstimmen und 7 Zwerge von Birgit Kajtna. Premiere ist am 9. Februar 2019. Es singen und spielen Schülerinnen und Schüler aus Hamburger Schulen und Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters unter der Leitung von Frederick Brown. opera piccola wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert.

Mit der Produktion der Akademie Musiktheater heute Die Nacht der Seeigel steht ab 2. Mai 2019 eine zeitgenössische Produktion auf dem Spielplan der opera stabile.

Das Internationale Opernstudio präsentiert sich zum Abschluss der Spielzeit ab 21. Juni 2019 mit Moskau, Tscherjomuschki in einer eigenen Produktion. Regie führt Vera Nemirova. Die Musikalische Leitung hat Rupert Burleigh. 

  Hamburg Ballett –  John Neumeier 2018/19

In der Saison 2018/19 steht das Programm des Hamburg Ballett unter dem Motto „Lebenslinien“. Nach 45 Jahren als Chef des Hamburg Ballett fasst John Neumeier unter diesem Begriff eine sehr persönlich konzipierte Spielzeit zusammen. Nach dem Welterfolg Endstation Sehnsucht setzt John Neumeier seine Beschäftigung mit dem amerikanischen Dramatiker Tennessee Williams fort und präsentiert als Uraufführung Die Glasmenagerie. 75 Jahre nachdem Williams mit diesem Titel seinen ersten großen Bühnenerfolg feierte, eröffnet John Neumeiers gleichnamige Ballettadaption am 16. Juni 2019 die 45. Hamburger Ballett-Tage.

Die Winterpremiere des Hamburg Ballett Brahms/Balanchine (9. Dezember 2018) widmet John Neumeier dem legendären New Yorker Ballettchef George Balanchine: „Er war in gewisser Weise ein Vorbild für mich – nicht nur, weil er dem New York City Ballet vergleichbar verbunden blieb wie ich Hamburg. Er beeindruckte mich als Erneuerer des Tanzes, der seine eigenen ‚Wurzeln‘ tief in die Tradition hineinversenkte und mit der Kraft, die ihm daraus erwuchs, klassisches Ballett in zeitgemäße Ausdrucksformen überführte.“ Die Produktion vereint das opulente Brahms-Schoenberg Quartet mit dem eher intimen Ballett Liebeslieder Walzer – für John Neumeier ein selten aufgeführtes „Juwel“ unter Balanchines Choreografien.

Als herausragenden Saisonhöhepunkt präsentiert John Neumeier am Abend seines 80. Geburtstags, 24. Februar 2019,  die von ihm persönlich moderierte Benefizgala The World of John Neumeier. Seine Vision: ein eigenständiges Ballettinstitut mit der hochkarätigen Sammlung seiner Stiftung als Kernbestand. Mit diesem Ziel vor Augen widmet John Neumeier den Gewinn aus der Benefizgala der Stiftung John Neumeier.

Am Eröffnungswochenende der Spielzeit zeigt das Hamburg Ballett als Wiederaufnahme Bernstein Dances (9. September 2018) und würdigt damit einen langjährigen persönlichen Freund John Neumeiers anlässlich seines 100. Geburtstages. Außerdem begeht das Hamburg Ballett mit Chopin Dances den ebenfalls 100. Geburtstag von Jerome Robbins. Auch die klassisch geprägten Ballette Der Nussknacker und Illusionen – wie Schwanensee (beide von John Neumeier) sowie Don Quixote (von Rudolf Nurejew) greifen ein weltweit gefeiertes Jubiläum auf: den 200. Geburtstag des stilprägenden Ballettmeisters und Choreografen Marius Petipa.

Das Saisonprogramm 2018/19 macht die Vielfalt der Ballettgenres erlebbar, die John Neumeiers Wirken als Künstler und Choreograf auszeichnet. Im Bereich der Sinfonischen Ballette gehört dazu neben dem Beethoven-Projekt (Uraufführung am 24. Juni 2018) insbesondere die Wiederaufnahme All Our Yesterdays: Des Knaben Wunderhorn/Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler (17. Februar 2019). Des Weiteren sind zu nennen: die Literaturballette Anna Karenina (Foto) und Die Kameliendame, das Ballett mit geistlicher Musik Weihnachtsoratorium I-VI sowie John Neumeiers spartenübergreifendes „Gesamtkunst­werk“ Orphée et Eurydice, das als Koproduktion mit der Lyric Opera Chicago und der Los Angeles Opera am 3. Februar 2019 seine Europäische Erstaufführung erlebt. Orphée et Eurydice ist eine Produktion der Staatsoper Hamburg unter Beteiligung des Hamburg Ballett. Diese Premiere wird – ebenso wie die Produktion Brahms/Balanchine – unterstützt von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper.

Die 45. Hamburger Ballett-Tage (16. bis 30. Juni 2019) werden eingerahmt durch die Uraufführung Die Glasmenagerie von John Neumeier und die Nijinsky-Gala XLV als feierlichem Saisonabschluss. Das Festival präsentiert die interessantesten Ballett­produktionen der Spielzeit, einschließlich der Oper Orphée et Eurydice. Zudem zeigt das renommierte niederländische Het Nationale Ballet am 25. und 26. Juni 2019 ein Programm mit Balletten des gefeierten Choreografen Hans van Manen, unter anderem Symphonies of the Netherlands und 5 Tangos. John Neumeier lädt diese strahlkräftige Gastcompagnie nach 1977 und 1990 zum dritten Mal in die Hansestadt ein.

Staatsoper Hamburg / Ballett Anna Karenina - hier Anna Laudere und Edvin Revazov als Anna und Wronski © Kiran West

Staatsoper Hamburg / Ballett Anna Karenina – hier :  Anna Laudere und Edvin Revazov als Anna und Wronski © Kiran West

Viermal in der Spielzeit finden die beliebten Ballett-Werkstätten des Hamburg Ballett statt. In diesen Matinee-Vorstellungen erläutert John Neumeier die tanzhistorischen Hintergründe zu seinen Balletten und gibt Einblicke in deren Entstehungsprozess. Hervorzuheben ist die Benefiz-Werkstatt am 16. Dezember 2018, deren Spendenerlös der Stiftung Tanz zugutekommt.

Hinter dieser Entscheidung steht John Neumeiers vielfältiges Engagement für die Begleitung von Tänzerkarrieren, auch jenseits der Erfolgsphasen. Als Kuratoriums­vorsitzender setzt er sich seit der Gründung der Stiftung Tanz dafür ein, dass Tänzer im Anschluss an ihre aktive Karriere eine Perspektive für ihre berufliche Zukunft entwickeln können. Ebenfalls auf seine Initiative gehen die Stellen für Aspiranten des Hamburg Ballett zurück: Sie erhalten am Ende ihrer Berufsausbildung und auf eine Saison begrenzt die Möglichkeit, im Rahmen der Arbeit des Hamburg Ballett an den Beruf als professionelle Tänzer herangeführt zu werden.

Vom 25. bis 27. Februar und vom 1. bis 3. März 2019 feiert die Ballettschule des Hamburg Ballett das zehnjährige Jubiläum der jährlich veranstalteten Werkstatt der Kreativität. Seit 2010 sind die Theaterklassen zu Gast im Ernst Deutsch Theater und zeigen eigene Choreografien als getanzte Abschlussarbeiten. Ebenso wie die Werkstatt der Kreativität genießt das kreative Format der Jungen Choreografen die besondere Wertschätzung von Ballettschuldirektor und Intendant John Neumeier: Gemeinsam mit ihren Kollegen erarbeiten die Tänzer des Hamburg Ballett in ihrer Freizeit eigene Choreografien und präsentieren sie in einem professionellen Rahmen. Nach vier Spielzeiten in der opera stabile wechseln die Jungen Choreografen ihre Bühne. Ort und Daten der neuen Spielstätte werden gesondert bekanntgegeben.

Die Spielzeit 2018/19 führt das Hamburg Ballett auf Tourneen ins In- und Ausland – mit insgesamt vier verschiedenen Balletten, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm. Im Oktober 2018 reist die Compagnie für ihre jährliche Herbstresidenz zum Festspielhaus Baden-Baden (Bernstein Dances, Ballett-Werkstatt, Anna Karenina). 2019 gibt das Hamburg Ballett eine umfangreiche Asien-Tournee mit Hongkong als wichtigstem Standort (Der Nussknacker, The World of John Neumeier, Beethoven-Projekt).

 Gastspiele 2018/19 des Hamburg Ballett John Neumeier

Seitdem John Neumeier 1973 als Ballettdirektor in die Hansestadt kam, zählen internationale Gastspiele zum Selbstverständnis des Hamburg Ballett. Mit seinem künstlerischen Engagement sorgt der Hamburger Ballettintendant und Ehrenbürger jedes Jahr erneut für Aufsehen und gilt weltweit als Imageträger für das hochkarätige Kulturleben der Freien und Hansestadt Hamburg. In den vergangenen 45 Jahren hat das Hamburg Ballett mehr als 1.000 Gastspielauftritte absolviert und war dabei in 119 verschiedenen Städten in 30 Ländern zu erleben. Auf diese nachhaltige Präsenz in den großen Kulturzentren der Welt kann Hamburg stolz sein.

Im vergangenen Jahr erst besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums die symbolträchtige russische Erstaufführung von John Neumeiers Matthäus-Passion in Moskau. Beim anschließenden Gruppenfoto auf der Bühne wandte sich der Bundespräsident sichtlich berührt an die Tänzer: „Vielen herzlichen Dank – Sie sind großartige Botschafter für Deutschland!“

Mit diesem Anspruch blicken John Neumeier und das Hamburg Ballett auch auf die Gastspiele der Saison 2018/19. Mit insgesamt vier Ballettproduktionen, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm ist das Hamburg Ballett in Baden-Baden sowie auf einer ausgedehnten Asien-Tournee mit Hongkong als wichtigstem Standort zu erleben.

Baden-Baden, Festspielhaus Baden-BadenBernstein Dances (Ballettrevue von John Neumeier),  6., 7. Oktober 2018Anna Karenina (Ballett von John Neumeier) 12., 13., 14. Oktober 2018Ballett-Werkstatt (moderiert von John Neumeier)  7. Oktober 2018

Hongkong (Hong Kong Arts Festival 2019), Der Nussknacker (Ballett von John Neumeier), The World of John Neumeier, Beethoven-Projekt (Ballett von John Neumeier)

—| IOCO Aktuell Staatsoper Hamburg |—

Hamburg, Hamburger Staatsoper, Franco Vassallo – Othello, IOCO Portrait, 24.07.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

OTHELLO – Fulminanter Spielzeitausklang in Hamburg

Franco Vassallo – Der Mensch wie abgründiger Jago

Von Michael Stange

Franco Vassallo © Roberto Raisoni

Franco Vassallo © Roberto Raisoni

 Die Hamburgische Staatsoper hat ihren Besuchern den Abschied von der Spielzeit 2017/18 und die Vorfreude auf die neue Spielzeit mit besonderen Leckerbissen versüßt. Dazu gehörte auch Verdis Othello mit den Hamburger Rollenneulingen Aleksandra Kurzak als Desdemona und Franco Vassallo als Jago. In der Vorstellung am 20.06.2018 rissen Beide durch Ihre fulminanten gesanglichen Leistungen das Publikum zu großen Jubelstürmen hin. Hier hat die Hamburgische Staatsoper wieder einmal gezeigt, zu welchen großen Leistungen das Haus fähig ist, wenn die Sängerbesetzungen stimmen.

Die eindrucksvolle Inszenierung des Othello von Calixto Bieito lebt neben den beeindruckenden Bildern auch von Sängerpersönlichkeiten, die ihre Rollen poetisch und dramaturgisch intensiv gestalten. Dies ist insbesondere Franco Vassallo gelungen. Er verfügt über eine klangschöne in allen Registern ausgeglichene italienische Baritonstimme. Seine fundierte Tiefe geht nahtlos in die sonore Mittellage über und mündet in eine strahlende Höhe, die die Orchesterfluten mühelos durchdringt. Mit seinem männlichen und samtweichen Timbre steht er in der Tradition seiner italienischen Rollenvorgänger Giuseppe Taddei und Carlo Tagliabue. Neben der Qualität seiner Stimme besticht er durch eine große Wortdeutlichkeit und eine intensive interpretatorische Wandlungsfähigkeit seines Gesangs.

Franco Vassallo begeistert das Hamburger Publikum seit 2009. Er sang dort Giorgio Germont, Macbeth, Amonasro, Rigoletto und wurde zuletzt im Frühjahr 2018 in seinem Rollendebut als Scarpia gefeiert.

Staatsoper Hamburg / Othello hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Othello hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Franco Vassallo hat in seinen letzten beiden Hamburger Rollen als Scarpia und Jago gestalterisch und stimmlich beeindruckt. Die Rolle des Bösewichts Jago mit seinem Charme, seiner Verschlagenheit, seiner Brutalität und seiner gleichzeitigen Angst verlangt eine differenzierte Ausdrucksfähigkeit und ein hohes schauspielerisches Geschick. Gleichzeitig sind dafür vokale Finesse und große Stimmreserven erforderlich. Darüber verfügt Franco Vassallo in einem Maße, das Staunen macht: Auch auf der großen und für manche Sänger akustisch schwer zu bewältigenden Hamburger Bühne konnte er durch seine Pianokultur seinen Stimmfluss an den lyrischen Stellen ungehindert entfalten. Mit Sadismus und Dämonie gestaltet er das “Jago-Credo” und die Duette mit Othello vollendet.

Diese perfide Gestalt des Othello spielte Vassallo mit derartigem Charisma, dass man sich fragt, wie ein Darsteller, der zu einer solchen Bühnenleistung fähig ist, als Mensch ist. Nach der Vorstellung ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Franco Vassalo: vor mir stand ein nobler Mailänder mit eleganter Erscheinung und sonnigen Humor, dem jegliche Bösartigkeit völlig fremd ist.

Franco Vassallos Spielfreude begleitet ihn seit Kindertagen, als er schon in der Schule an Theateraufführungen mitwirkte. Seine Rolleninterpretation lehnt er an Konstantin Stanislawski an. Dessen Methode soll den Schauspieler befähigen, aufgrund eigener Erfahrungen und Gefühle, durch ein emotionales Gedächtnis und inneres Erleben sich mit seiner Rolle zu identifizieren. Um seine Partien mit Vollendung zu gestalten, versetzt sich Franco Vassallo vollständig in sie hinein und versucht, durch Symbiose zwischen Tongestaltung, Mimik und Bewegung eine Einheit zu erreichen. Manchmal trainiert er seine schauspielerischen Fähigkeiten dadurch, dass er seiner Frau Rollen vorspielt und sie erraten muss, wen er gerade interpretiert.

Seine Philosophie ist, Rollen zu lernen, zu interpretieren und sie dann wie guten Rotwein reifen zu lassen, damit sich das Portrait innerlich setzt. Seinen ersten Jago hat er bereits im Jahr 2000 in San Gimignano gesungen und dann ab 2010 in Paris, Baden-Baden und Wien. Durch diese jahrelange Befassung mit der Rolle, gelingt es die zahlreichen Facetten und Nuancen der Rolle herauszuarbeiten und ein packendes Portrait auf die Bühne zu bringen.

Staatsoper Hamburg / Tosca hier mit Anja Harteros, Franco Vassallo, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Tosca hier mit Anja Harteros, Franco Vassallo, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Angesprochen auf Begonnenes wie den Falstaff bekennt Franco Vasallo, dass er die Rolle liebe. Er glaubt, dass sie in zehn Jahren eine perfekte Rolle für ihn wäre, da die tiefe Tessitura des pompösen und bombastischen britischen Ritters fast ein Bass-Bariton ist. Auch hier möchte er die Rolle reifen lassen und bevorzugt er als hoher Verdi Bariton aktuell die Rolle des Ford.

Augenblicklich ist  Vasallos Lieblingsrolle der weise und gütige Simone Boccanegra, der ihm in dieser Phase seiner Karriere mehr zusagt. Diese Rolle hat er bereits mit großem Erfolg in Luxemburg und Genua interpretiert.

 In einer seiner Lieblingsrollen, dem Figaro im Barbier von Sevilla, wird er ab März 2019 wieder in Hamburg auftreten. Glück für die Zuschauer, dass die Hamburgische Staatsoper solchen Stars auch künftig ein Podium bietet.

Hoffen wir, dass die Hamburger Intendanz weitere Opernabende mit Franco Vassallo plant und künftig häufiger in seinen Glanzpartien verpflichtet.

—| IOCO Portrait Staatsoper Hamburg |—

Hamburg, Hamburger Staatsoper, Tosca – Harteros, Kaufmann, Vassallo, IOCO Kritik, 19.04.2018

April 18, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Italienische Wochen enden –  Tosca von Giacomo Puccini

Weltstars am Dammtor: Harteros, Kaufmann,  Vassallo

Von Patrik Klein

Die Premiere von Verdis Messa da Requiem leitete die Italienischen Wochen an der Staatsoper Hamburg vor rund einem Monat ein (IOCO berichtete ausführlich).  Man gab neben dieser neuen auch altbewährte Produktionen wie Verdis La Traviata, „Rigoletto“, Aida, Puccinis Madame Butterfly und nun zum Finale Puccinis Tosca in spektakulärer Starbesetzung. Mit hochkarätigen Besetzungen in allen Produktionen hat die Staatsoper auffällige musikalische und künstlerische Akzente gesetzt und in diesen Wochen  das große Haus mehrfach ausverkauft und eine Auslastung von gut 90% erreicht. Aufbauend darauf wird es auch in der neuen Saison 2018/19 wieder zur etwa gleichen Zeit eine Fortsetzung der Italienischen Wochen geben.

Staatsoper Hamburg / Tosca - hier Applausfoto mit vl Franco Vassallo, Pier Giorgio Morandi, Anja Harteros, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Tosca – hier Applausfoto mit vl Franco Vassallo, Pier Giorgio Morandi, Anja Harteros, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Die Handlung

Scarpia, Polizeichef in Rom, begehrt Tosca. Da ihr Geliebter, der Maler Cavaradossi, zu den politischen Gegnern der Regierung gehört, kann Scarpia ihn rechtmäßig gefangen nehmen. Er ordnet Cavaradossis Hinrichtung an und hofft, mit dem Versprechen, ihn freizulassen, Tosca zu einer gemeinsamen Nacht zu bewegen. Doch diese durchkreuzt seinen Plan.

Die Inszenierung von Robert Carson

Die Wiederaufnahme der Inszenierung des Kanadiers Robert Carsen aus dem Jahr 2000 hat beinahe etwas Zeitloses und arbeitet mit Bildern von Anthony Ward. Sie ist wenig spektakulär und dient auch gut für kurzfristig eingeflogene Superstars aus der Opernszene, denn es läuft nach dem Motto: „Wer eine Idee hat, darf und kann sie so gestalten“. Ansonsten ist man an der Rampe herzlich willkommen.

Regisseur Robert Carson und Ausstatter Anthony Ward verlegten die bezüglich Zeit und Ort so eindeutig fixierte Handlung auf und hinter die Bühne eines Theatersaals. Hier konnten die Protagonisten in einem Gebilde aus Lügen, übertriebener Selbstdarstellung und mieser Schachzüge vorzüglich agieren. Doch damals wie heute verblassten diese Ideen in der Umgebung eines „Theaters im Theater“.

Das sakrale des ersten Aktes zum Beispiel, in welchem vor den Augen der Madonna geflucht, gehasst und geliebt wurde, vermag seine Wirkung nur in einer kirchlichen Sphäre zu entfalten und nicht in einem nüchternen Zuschauerraum, wo die Theaterbesucher ein TE DEUM anstimmten. Im ersten Akt der Tosca befand man sich im Zuschauerraum eines traditionellen Opernhauses, erblickte zwei in Gold gefasste Proszeniumssäulen, zwischen denen Scarpia als böser Spielverderber auftauchte, und den geschlossenen roten Bühnenvorhang. Zwischen den Stühlen versammelten sich die Balletttänzer und das Einlasspersonal, das die Originalprogrammhefte der Oper verteilten. Nicht nur bei dem von den hereinströmenden Zuschauern angestimmten Te Deum durfte man den Text nicht so genau nehmen; schließlich hob sich der Vorhang und zeigte die Primadonna als illuminierte Madonnenfigur.

Staatsoper Hamburg / Tosca - hier Applausfoto mit Anja Harteros © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Tosca – hier Applausfoto mit Anja Harteros © Patrik Klein

Der zweie Akt in Scarpias „Arbeitszimmer“ (vielleicht ein Probenraum des Theaters) im Palazzo Farnese zeigte das Zentrum der dunklen Macht der römischen Geheimpolizei. „Vietato fumare“ stand groß als Verbot an der Wand geschrieben, davor saß Baron Scarpia rauchend am Schreibtisch. Er stand über dem Gesetz und handelte nach eigenem Gutdünken. Und das Bild im dritten Akt auf der Engelsburg war kalt und leer, von Hirtenidylle weit und breit keine Spur. Hinter der schrägen Bühne im Hintergrund die ganze Zeit eine schwarze Wand. Hier öffnete sich schließlich im Finale der schwarze Abgrund (vielleicht der Orchestergraben), in den Tosca hinabstürzte, als alles zu spät ist. Alle waren tot, gewaltsam gestorben, und die Musik vorbei – was blieb, war ein gleißendes Licht am Abgrund.

Die Musik

Aber was schert das den Besucher 18 Jahre nach der Premiere dieser Inszenierung. Alle wollen eines der Traumpaare der Opernwelt, Anja Harteros und Jonas Kaufmann, einmal in Hamburg auf der Opernbühne genießen. Die Tickets an der in den vergangenen Spielzeiten  mittelprächtig besuchten Staatsoper Hamburg waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft.

Jonas Kaufmann, seit 2006 zu den Top-Stars der Klassik zählend, hier nun in Hamburg als revolutionärer Maler Mario Cavaradossi war nach seiner nun bereits einige Monate zurückliegenden Stimmkrise- und krankheit wieder eine Klasse für sich: Trotz ein paar kleinen holprigen Anfangstönen erntete er für seine erste Arie Recondita armonia mit dem hohen B ‚Tosca, sei tu! viele Bravos. Seine Stimme ist insgesamt noch baritonaler im Klang, seine Modulation, Phrasierung und seine Stimmführung besonders bei den leisen Tönen umwerfend und emotional zu Herzen gehend. Auch das in der Vergangenheit manchmal störende „gaumige“ ist kaum hörbar. Interessaqnt: Im kommenden Konzert in der Elbphilharmonie Hamburg im Januar 2019 wird Kaufmann als Tenor und Bariton angekündigt. Seinen wilden Freudenausbruch über Napoleons Sieg bei Marengo, Vittoria! Vittoria!‘, krönte er mit einem strahlenden Spitzenton, und seine letzte Arie E lucevan le stelle, in der er sich vor seinem Tod seiner Liebe zu Tosca erinnert, sang er mit so eindringlicher Intensität, dass der Zuschauerraum sich kurz in einem Jubelrausch befand.

Hamburger Staatsoper / Tosca hier Applausfoto mit Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Hamburger Staatsoper / Tosca hier Applausfoto mit Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Anja Harteros, eine der größten Sopranistinnen unserer Zeit,  gestaltet die Tosca grandios mit intensiver Bühnenpräsenz, perfekter Stimmführung und absolut bewundernswerter musikalischer Sensibilität. Ihre manchmal ein wenig scharf wirkenden Spitzentöne passen hier ganz wunderbar zu der charakterlichen Vielfalt der Rolle Floria Toscas. Im bewegend gesungenen Vissi d’arte im zweiten Akt von Puccinis Oper, erobert sie die Herzen aller Besucher an diesem für Hamburg endlich einmal international höchstklassigen Abend.

Auch Franco Vassallo, einer der führenden italienischen Baritone ist in seinem Heimatland und weit darüber hinaus an allen großen Häusern der Opernwelt bekannt und sehr geschätzt. Scarpia ist einer der übelsten Bösewichte, die die Opernwelt zu bieten hat. Er ist hinterhältig, grausam, abartig und einfach nur bodenlos böse, und Vassallo kostete im zweiten Akt all seine schlechten Eigenschaften musikalisch und spielerisch aus. Mit Ha più forte sapore la conquista violenta che il mellifluo consenso (Stärker ist der Genuss einer gewaltsamen Eroberung, als der süßlicher Hingabe) bestätigte er in seinem Monolog mit gefährlich samtenen Timbre und einem schmierigen Grinsen seine wahre Natur. Mit ein klein wenig mehr Schwärze in seiner Stimme wäre die Gestaltung der Partie noch perfekter geraten.

Hamburger Staatsoper / Tosca hier Applausfoto mit Franco Vasallo © Patrik Klein

Hamburger Staatsoper / Tosca hier Applausfoto mit Franco Vasallo © Patrik Klein

Die übrige Besetzung erfolgte solide mit den hauseigenen Solisten des Ensembles Alin Anca, Alexander Roslavets (ganz besonders hier zu erwähnen sein überzeugend gesungen- und gespielter Sagrestano; man darf sich auf die Weiterentwicklung seines Repertoires als Ensemblemitglied in Hamburg freuen), Julian Rohde, Shin Yeo, Rainer Böddeker und Ruzana Grigorian sowie  dem präzisen und wunderbar auftrumpfenden Chor der Staatsoper Hamburg (Einstudierung Christian Günther) und dem fulminant musizierenden Philharmonischen Staatsorchester. Pier Giorgio Morandi, der als regelmäßiger Gastdirigent an allen großen Opernhäusern in Italien, Europa und weltweit zu Hause ist, hält das gesamte Werk gut zusammen und gestaltet die Musik Puccinis mit viel Energie, Einfühlung und italienischem Elan.

Das Publikum ist nachdem der Vorhang fällt erwartungsgemäß entzückt und dankt allen Beteiligten mit warmem bis stürmischem Applaus und Ovationen. Im Vorfeld vernahm man Töne, die sagten, „das Haus steht zur Zeit auf dem Kopf“. So ist der Staatsoper Hamburg zu wünschen, dass sie zukünftig öfter „auf solchem Kopf stünde“!

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Hamburg, Staatsoper Hamburg, Tosca von Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 26.3.2018

März 28, 2018 by  
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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

 

 TOSCA – Giacomo Puccini

  Italienische Wochen  – An der Staatsoper Hamburg

  Von   Rolf Brunckhorst

Mit der Wiederaufnahme der Tosca an der Staatsoper Hamburg begannen dort auch die bis zum 17.4.2018 dauernden „Italienischen Wochen“, mit Madame Butterfly, La Traviata, Messa da Requiem und Aida. Bisherige Tendenz: Ausgelastete, wunderbare  Vorstellungen mit einer Reihe prominenter Namen auf den Besetzungslisten. Zum Abschliss der Italienischen Wochen am 17.4.2018, in der bereits ausverkauften Tosca, werden  Anja Harteros und Jonas Kaufmann zu sehen / hören sein. IOCO, Patrik Klein, werden dann ebenfalls dabei sein und berichten.

Diese Tosca der Staatsoper Hamburg am 21.3.2018 hatte ihre Premiere am 15.10.2000; Inszenierung: Robert Carsen, Bühnenbild Anthony Ward, Licht Davy Cunningham. Das Hauptinteresse  in der Wiederaufnahme am galt vor allem dem Haus-Debüt von Riccardo Massi als Cavaradossi, dem ein großartiger Ruf vorauseilte; den am 17.3.2018 Rolf Brunckhorst für IOCO interviewt hatte. Ein lang überfälliges Debüt von Riccardo Massi an der Hamburger Staatsoper, der – ungeplant – vor diesem offiziellen Debüt ein vorzeitiges Debüt  an der Staatsoper Hamburg gab, als er kurzfristig und erfolgreich den Tenor-Part in der szenischen Produktion von Verdis  Messa da Requiem  übernahm.

Staatsoper Hamburg / Tosca - hier Tosca und Cavaradossi © Angela Gheorghiu / Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg / Tosca – hier Tosca und Cavaradossi © Angela Gheorghiu / Staatsoper Hamburg

Diesen großen Ruf bestätigte Riccardo Massi in der Tosca Wiederaufnahme. Er wartete mit einer großen, sehr wohlklingenden, angenehm dunkel timbrierten und äußerst höhensicheren Tenorstimme auf. Auch in den ruhigeren Momenten der Oper konnte Massi seine gefühlvolle Seite in Kombination mit lyrischem Tenorschmelz präsentieren. In den nach typisch veristischem Muster gestalteten „Action-Szenen“ überzeugte er ebenso sehr. Hierbei half sicherlich, daß Massi in jungen Jahren als Stuntman gearbeitet und damit sein Gesangsstudium finanziert hat. Mit seinem blendenden Aussehen und seiner enormen Bühnenpräsenz, gepaart mit seinem virilen Stimmtimbre wurden Erinnerungen an Franco Bonisolli wach. Alles in allem ein äußerst gelungenes Hamburg-Debüt.

An seiner Seite gestaltete Angela Gheorghiu die Partie der Floria Tosca. Bei aller Objektivität muß man leider feststellen, daß sie stimmlich nicht mehr aus dem Vollen schöpfen kann. Zu oft geraten Töne zu kurz oder die Kraft reicht nicht, sich gegen das ganz prächtig aufspielende Orchester durchzusetzen. Für die strategisch wichtigen Spitzentöne fand sie zwar genügend Kraft, aber diese fielen arg grell aus. Darstellerisch verhielt sie sich eher reserviert, bewegte sich oftmals vornüber gebeugt, was aber möglicherweise auch an der angeschrägten Bühne liegen konnte. Als Dritter im Bunde konnte sich Franco Vassallo als Scarpia mühelos in die Reihe der bisherigen Scarpia-Bösewichter dieser Hamburger Inszenierung einfügen. Sein Bariton ist angenehm timbriert, groß und volltönend, was ihm besonders im „Te deum“ zugute kommt. Dankenswerterweise zeigt er in der Szene mit Tosca im zweiten Akt, daß er den Scarpia auch sehr differenziert singen und darzustellen vermag. In den weiteren Partien fielen Alexander Roslavets als Sagrestano und Alin Anca als Angelotti positiv auf, während man sich für Spoletta und für den Hirten wohlklingendere Stimmen gewünscht hätte.

Staatsoper Hamburg / Tosca © Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg / Tosca © Staatsoper Hamburg

Der Dirigent Pier Giorgio Morandi hatte bereits drei Tage zuvor kurzfristig eine La Traviata -Vorstellung übernommen. Auch an diesem Abend lief das Philharmonische Staatsorchester unter seiner Führung zu Hochform auf. Besonders im zweiten Akt zeigte sich, was man mit viel eigenem Gestaltungsvermögen und der richtigen Vorstellung von Dynamik jederzeit aus diesem Orchester herausholen kann. Das Publikum war begeistert, und so wünscht man sich eine ähnlich gelagerte Themenwoche,  z.B. reine Verdi-Wochen mit einem neuen Don Carlos  an der Spitze, sicherlich wäre Riccardo Massi ein idealer Vertreter in deren Titelpartie.

Tosca an der Staatsoper Hamburg; weitere Vorstellungen am 29.3.2018, 4.4.2018, 7.4.2018, 17.4.2018 (diese Vorstellung mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann, ausverkauft), 28.11.2018, 30.11.2018 und mehr

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