Wien, Oper in der Krypta, Rigoletto – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 25.04.2019

April 24, 2019 by  
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 Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche Wien

Rigoletto  –  Giuseppe Verdi 

– hautnah in der Krypta der Wiener Peterskirche  –

von Marcus Haimerl

Giuseppe Verdis Rigoletto erlebte in der Wiener Peterskirche, in der Oper in der Krypta eine fulminante Premiere. Das Libretto von Francesco Maria Piave orientiert sich an Victor Hugos 1832 in der Comédie-Française uraufgeführten Versdrama Le roi s’amuse. 1851 wurde Rigoletto im Teatro la Fenice in Venedig uraufgeführt und war bereits ein Jahr später in einer deutschen Übersetzung von Johann Christoph Grünbaum in Wien zu erleben.

In einer klugen Regie des künstlerischen Leiters von Oper in der Krypta, Joel Wolcott, konnte man tief unter der Wiener Peterskirche Rigoletto hautnah erleben. Für die szenische Umsetzung bedurfte es nicht viel. Das Bühnenbild besteht aus mehreren Holzkuben, die, immer wieder neu arrangiert, völlig neue Kulissen ergeben. Mit nur wenigen Handgriffen wird aus dem Thron im Palast des Herzog von Mantua die Fassade von Rigolettos Haus – von Rigoletto unmissverständlich vor Gilda aufgebaut- oder aber die Eingangstüre zu Sparafuciles Spelunke. Mit Umbauten, die psychologisch motiviert in die Handlung eingebaut waren, ergänzten sie eher die Handlung, als sie zu unterbrechen und ersetzten die für Rigoletto so beliebte Drehbühne ideal.

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto - hier : Florian Pejrimovsky (Rigoletto) - Emi Nakamura (Maddalena) - Sergio Tallo-Torres (Duca) © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto – hier : Florian Pejrimovsky (Rigoletto) – Emi Nakamura (Maddalena) – Sergio Tallo-Torres (Duca) © Marcus Haimerl

Dies gab Raum, sich vollkommen mit Joel Wolcotts exzellenter, dichter Personenführung auseinanderzusetzen, die eine einfühlsame Auseinandersetzung mit der psychologischen Seite des Werks bietet. Auch die Ausstattung steht im Dienst des Erzählens von Seelenzuständen. Mit nur zwei Nicht-Farben, schwarz und weiß, wird klar ersichtlich, dass Liebe und Güte selten sind am schwarz gekleideten Hof des Herzog von Mantua. Rigoletto in seinem schwarz-weißen Narrenkostüm schwankt zwischen den Welten, während Gilda, Rigolettos Tochter, in strahlend weißer Reinheit ein Einzelfall inmitten der düsteren Umgebung ist. Als der Herzog von Mantua (in weißem Cape) sie verführt, überreicht er ihr einen schwarzen Schal, und sie verliert das weiße Taschentuch ihrer Mutter. Wenn Gilda schließlich die Gemächer des Herzogs verlässt, ist ihr Unterrock unter dem weißen Kleid schwarz – das junge Mädchen hat endgültig ihre Unschuld verloren. Auch Gildas Tod ist vermenschlicht und wird dadurch noch berührender. Zwar betritt sie energisch die Gaststube Sparafuciles, bekommt es aber schließlich doch mit der Angst zu tun und versucht zu fliehen, ehe der Auftragsmörder ihrer habhaft werden kann. Durch dieses ehrliche Verhalten gewinnt diese Szene unglaublich an Stärke.

In der Titelpartie erlebt man den aus Wien stammenden Bassbariton Florian Pejrimovsky, der dem Publikum der Krypta bereits aus vielen anderen Partien ein Begriff ist. Ob als gefeierter Scarpia in Puccinis Tosca, Gefängnisdirektor Frank in Strauss‘ Die Fledermaus oder als Colline in La Bohème, Pejrimovsky versteht es stets, sein Publikum in den Bann zu ziehen. Sein Debüt als Rigoletto ist hier keine Ausnahme. Obgleich ein noch sehr junger Rigoletto, beeindruckt er mit seiner reifen Stimmfarbe und Stimmgewalt. Sein „Quel vecchio maledivami“ lässt niemanden kalt und seine große Arie „Cortigiani, vil razza dannata“ wird zu einem explosiven Ausbruch des Leidens. Er ringt mit berührender Vaterliebe verzweifelt um das einzige Licht in seinem Leben und entkommt doch nicht seiner Rolle als verbitterter Hofnarr und Zyniker. Die Schlichtheit und Aufrichtigkeit, mit der er die Figur zum Leben erweckte, bestrickte und überzeugte weitaus mehr, als alle zustützliche Exzentrik es gekonnt hätte.

Die in Südkorea geborene Jay Yang gestaltet die Partie der Gilda mit einem schönen, glasklaren Sopran scheinbar mühelos. Die gefragte Belcanto-Spezialistin – bei Oper in der Krypta bereits als Elvira in Vincenzo Bellinis I Puritani oder Lucia in Donizettis Lucia di Lammermoor gefeiert – beeindruckt mit schmelzenden Piani und zierlicher Phrasierung. Spätestens mit der überirdisch schön gesungenen, anspruchsvollen Arie „Caro nome che il mio cor“ gibt es im Publikum kein Halten mehr.

Der spanische Tenor Sergio Tallo-Torres, verkörpert die Partie des Duca di Mantova mit großer Verve und zeigt auch dessen uncharmante Seiten mit viel Gespür auf. Er zeigt in seinen großen Arien („Questo e quella“ und „La donna è mobile“) neben technischem Können und unfehlbaren Spitzentönen vor allem seine große Musikalität und wurde vom Publikum dafür mit Applaus überschüttet. Auch Daniel Bäumer überzeugt mit seinem kräftigen, sonoren Bass in der Rolle des Sparafucile und zeigt in seiner Gestaltung die Komplexität dieses Charakters. Die Entdeckung des Abends ist die japanische Mezzosopranistin Emi Nakamura in der Partie der Maddalena. Mit ihrem unglaublich vollen, warmen Mezzo kann sie das Publikum ebenso verführen, wie in ihrer unglaublich intensiven Rollengestaltung. Aktuell erlebt man die Künstlerin, auch als Suzuki in Puccinis Madama Butterfly.

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto - hier :  Sergio Tallo-Torres (Duca) - Calon Danner (Borsa) - Christoper Michael Kelley (Marullo) © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto – hier : Sergio Tallo-Torres (Duca) – Calon Danner (Borsa) – Christoper Michael Kelley (Marullo) © Marcus Haimerl

Eine weitere Sensation des Abends ist das Trio Marullo (Christopher Michael Kelley), Borsa (Calon Danner) und Conte di Ceprano (Ivo Kovrigar). Trotz der Tragik dieses Werks gelingt es den drei Herren, unter der feinen Klinge des Regisseurs eine angemessene Portion Humor in die Produktion zu bringen. Der Bariton Christopher Michael Kelley überzeugte das Publikum der Krypta bereits als fulminanter Leporello (Don Giovanni, Mozart) und in zahlreichen anderen Rollen, und bringt auch in dieser kleinen Rolle sein untrügliches Gespür für Emotionen und ungeheures schauspielerisches Talent ein. Der österreichische Tenor Calon Danner weiß das Publikum mit seinem schönen Tenor ebenso zu überzeugen, wie mit seiner intensiven Darstellung. Intensive Bühnenpräsenz zeigt auch der junge Bariton Ivo Kovrigar, der dieses wunderbare Trio hervorragend ergänzt.
Michael Pinsker ist als düster fluchender Grafe von Monterone eindrucksvoll. In der Doppelrolle der Contessa di Cepreano und Giovanna, der Gesellschafterin Gildas, debütierte die serbische Sopranistin Djurdjica Gojkovic in ihrer ersten Solopartie in der Krypta der Peterskirche.

Die musikalische Leitung lag in den Händen der koreanisch-amerikanischen Pianistin Victoria Choi, die nicht nur den Sängern eine hervorragende Begleiterin war, sondern auch schon im Vorspiel ihr Können als Solistin unter Beweis stellen konnte.

Alles in allem war schafften die Künstler von Oper in der Krypta erneut einen sehens- und hörenswerten Publikumshit, welcher noch viele Male das Haus füllen dürfte.

—| IOCO Kritik Oper in der Krypta |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Rigoletto – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 23.01.2019

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Rigoletto – Giuseppe VERDI

„Der Fluch“ wird „Rigoletto“ – Rigoletto wird ein Welterfolg

von Ingrid Freiberg

Der Uraufführung von Rigoletto, der legendären trilogia popolare 1851 am Teatro La Fenice ging ein penibles Ringen mit der Zensur voraus; war doch Victor Hugos Vorlage Le Roi s’amuse (Der König amüsiert sich) über den zynischen Hedonismus eines Aristokraten ein heißes Eisen. Als sich Giuseppe Verdi, der Komponist des italienischen Risorgimento, anschickte, das Theaterstück zu vertonen, stieß er noch knapp 20 Jahre später auf den Widerstand der Zensurbehörden. Er musste sein Melodramma von La maledizione (Der Fluch) in Rigoletto umtaufen und den Schauplatz an den Hof eines fiktiven Herzogs von Mantua verlegen. Giuseppe Verdi zeichnet in Rigoletto eine groteske Welt, ein menschenverachtendes System. Sein Werk zeigt, was das Gefühl der Rache mit Menschen machen kann, was es heißt, aus der Gesellschaft ausgegrenzt zu sein.

Hessisches Staatstheater / Rigoletto - hier : Ioan Hotea als Herzog von Matua, Frederic Mörth als Graf von Ceprano, Ensemble © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater / Rigoletto – hier : Ioan Hotea als Herzog von Matua, Frederic Mörth als Graf von Ceprano, Ensemble © Karl Monika Forster

Mit Francesco Maria Piave hatte er einen Librettisten, der unter seiner strengen Anleitung das Drama in einen wirkungsvollen Operntext verknappen konnte. Verdi bezeichnete seine 16. Oper als seine beste, war aber enttäuscht über deren Erfolg, weil er befürchtete, das Publikum erkenne sein tiefes Anliegen nicht. Der Anekdote nach hatte Verdi die Arie La donna è mobile vor der Premiere am 11. März 1851 längst fertig, doch die Noten zu dem Erfolgsstück gab er erst kurz vorher heraus, weil er Angst hatte, dass die Melodie bereits nach den Proben ihre Runden durch die Stadt machen würde und man vermuten könnte, er habe sie auf den Gassen aufgeschnappt.

Die Musik bewegt sich durch eine orgiastische Party mit schicksalhaften Beziehungen zwischen dem Herzog, seinen Höflingen, Rigoletto und Monterone. Schnell und virtuos wird über den Hof berichtet. Zur zynischen Chiffre des Scheiterns wird ausrechnet der Tenorschlager La donna è mobile. In Verdis Werk bedingen sich Triviales wie Groteskes und hohes Pathos gegenseitig. Die Kontraste aus greller Bandamusik und expressiven Kantilenen formen ein kompromissloses Meisterwerk.

Rigoletto – Opfer und Täter

Für die drei fast ebenbürtigen Rollen Vater, Tochter und Liebhaber komponierte Verdi ein Familiendrama, wie er es nie zuvor schrieb. Die tragische Figur des deformierten Hofnarren, der alle Register des Sarkasmus zieht, stellte er dabei in den Brennpunkt. Rigoletto ist ein intelligenter, scharfsinniger Mann mit Sinn für Sarkasmus und Späße, der ihn zum Hofnarren macht. Sein Humor ist grob. Er ist zynisch und bösartig und dabei nicht minder skrupellos als sein absolutistischer Herrscher. Aber er glaubt, wenn er seine frevlerische Narretei säuberlich von seinem privaten Glück trennt, kann er es bewahren. In dieser wahnwitzigen Welt hat er große Angst um seine Tochter, sperrt sie ein, lässt sie bewachen.

Als er von der Liaison seiner Tochter mit dem Herzog erfährt, verliert er den Boden unter den Füßen. Der Narr sieht sein Heiligstes geschändet, schwört Rache und engagiert Sparafucile als Auftragsmörder, um seinen Herrn zu ermorden. Cello und Kontrabass singen dazu eine böse Melodie. Hier zeigen sich die pathologischen Charakterzüge von Rigoletto. Er ist fähig, jemanden töten zu lassen, und ist beides, Opfer und Täter. Vladislav Sulimsky gelingt es eindrucksvoll, die seelischen Abgründe der Figur darzustellen.

Hessisches Staatstheater / Rigoletto - hier : Vladislav Sulimsky als Rigoletto © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater / Rigoletto – hier : Vladislav Sulimsky als Rigoletto © Karl Monika Forster

Macht, Geld, Sex oder eine romantische Liebe?

Der Herzog, ein Charmeur und ein Naturtalent im Lügen, trifft despotische Entscheidungen, schart einen Hofstaat von Günstlingen um sich und nimmt sich alle Frauen, die er begehrt. Als bipolarer Charakter wechselt er blitzartig von schwarz auf weiß, kehrt hervor, was der jeweiligen Frau gefällt: Macht, Geld, Sex oder eine romantische Liebe. Für Gilda ist er ein armer Student und entspricht damit den Sehnsüchten der jungen Frau. Unvergleichlich beschreibt Verdi seinen zerstörerischen, manipulativen Charakter und gibt ihm gleichzeitig diese verführerische Musik. Fraglos ein faszinierendes Paradoxon.

Gilda, die Tochter Rigolettos, ist ein unschuldiges Mädchen aus der Vorstadt, auf das der Herzog ein Auge geworfen hat. Ihr Vater behütet sie wie seinen Augapfel. Er schließt sie ein, nur zum Kirchgang darf sie das Haus verlassen. Giovanna, ihre Gesellschafterin, muss sie immer begleiten. Und so wie Gilda aufgewächst – sie erfährt weder den Namen ihrer Mutter noch den ihres Vaters – ist sie empfänglich für die Liebesschwüre des Herzogs. Selbst als Rigoletto seiner Tochter zeigt, dass ihr Verführer sie mit der Hure Maddalena betrügt, ist sie noch voller Liebe. Als Mann verkleidet begeht sie in ihrer Ausweglosigkeit einen „Suicide by Proxy“. Nach ihrer Entehrung sieht sie keine Lebenschance mehr, und die damalige Moral verbietet es ihr, ihr ruiniertes Leben selbst zu beenden. Ohne selbst Hand an sich legen zu müssen, rettet sie damit aufopferungsvoll ihre einzige Liebe. Über Nacht wächst sie zu einem Charakter zwischen Heroismus und Liebe heran.

Leidenschaft und Partiturfreude

Dirigent Will Humburg, Spezialist für italienische Opern des 19. Jahrhunderts, bietet mit dem Hessischen Staatsorchester Wiesbaden einen Rigoletto in allerschönster Prachtentfaltung. Lyrik und Dramatik setzt er kontrastreich voneinander ab. Er ist ein einfühlsamer Begleiter des großartigen Sängerensembles. Seine Leidenschaft und Partiturfreude sind mitreißend. Alles ist da, dynamische Abstufungen, Feinheiten der Phrasierung und nicht zuletzt die rasanten Tempi. Das hervorragende, klangrednerisch geschärfte Orchester ist voller Intensität, durchsetzt von grellen dramatischen Akzenten und fabelhaft gestalteter Klangdramaturgie.

Hessisches Staatstheater / Rigoletto - hier : Ioan Hotea als Herzog von Mantua, Silvia Hauer als Maddalena, Ensemble © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater / Rigoletto – hier : Ioan Hotea als Herzog von Mantua, Silvia Hauer als Maddalena, Ensemble © Karl Monika Forster

Zwielichtig und spannend

Meistens ist in der Oper gerade das Widersprüchlichste am spannendsten, das Unerklärbare und Unwahrscheinliche. Verdi ist darin ein unerreichter Meister. Der Intendant Uwe Eric Laufenberg entschied sich für eine zeitlose, teils burleske Deutung. Zum Farbenreichtum seiner Inszenierung gehört eine Clownspuppe, mit der nicht nur Rigoletto hantiert, sondern auch die Höflinge, die im 2. Akt voyeuristisch vor einem verschlossenen Vorhang sitzen, hinter dem der Herzog Gilda Gewalt antut. Als sie sich nach einer Weile unbefriedigt umdrehen, scheint es, jeder von ihnen säße auf den Schultern eines Clowns, der sie ekstatisch herumwirbelt und die Geilheit der Lüstlinge noch anstachelt. Der Sog des 3. Akts ins Dunkel mit vorübergehendem Zwielicht ist spannend. Der Sturm ist weniger ein Unwetter, sondern etwas, dass die Charaktere durchschüttelt. Die unsichtbaren Chöre steigern noch die Intensität des Geschehens. Gilda wird von Sparafucile nicht gleich gemeuchelt, sie bettelt förmlich um ihren Tod – an einem Laternenmast, ihre Arme ausgebreitet – was an ein Kreuzigungsmotiv erinnert. Nach ihrer Ermordung, in einer Mülltonne entsorgt und kurz vor dem düsteren Fazit Rigolettos, entschwindet sie in ein helles Licht – in den Himmel? Eine überzeugende Inszenierung.

In einem szenisch stimmigen Bühnenbild mit optisch reizvollen Wechseln gelingen Gisbert Jäkel ausdrucksstarke Bilder: Koitusstellungen anstatt Ziffern auf der Palastuhr, die Zeiger bewegen sich nicht… Treibt der Herzog hier zeitlich unbegrenzt Unzucht? Die offenen Fenster von Rigolettos Haus zeigen in Gildas Zimmer eine Tapete mit Vögeln auf Blütenzweigen. Lebt Gilda in einem goldenen (Vogel)Käfig? Ein abschließbares eisernes Scherentor unterstreicht den Käfigcharakter noch. Geschickt die Bühnentechnik nutzend steht ein Wohnwagen in einer verwahrlosten Palastruine, in dem Sparafucile und Maddalena am Rande von Mantua hausen, und wo sich junge Frauen prostituieren. Mit beeindruckenden Lichteffekten beschreibt Andreas Frank das nächtliche Geschehen: Dramatisches Unwetter, Blitze und drohend schwarzer Himmel. Verdi probte das einhundertfünfzigmal mit schaurigen Chorvokalisten im Hintergrund, die das Heulen des Sturms und das Unheilvolle des Geschehens ausdrückten.

Andrea Schmidt-Futterer unterstreicht mit ihren Kostümen die Inszenierung von Eric Uwe Laufenberg: Rigoletto trägt einen unauffälligen schwarzen Mantel, hat keinen Buckel. Seine Deformation ist nicht physischer, sondern psychischer Natur. Kammerkätzchen in schwarzem Lackleder – hübsche Statistinnen – stellen sich in teils akrobatischen Stellungen zur Lustbefriedigung der Höflinge bereit. Die durch die Nacht schlendernden Huren tragen transparente Regenmäntel, die ihre wohlfeilen Körper zeigen. Auffallend, und zweifelsohne schwierig zu kreieren, die Clownskostüme der Günstlinge. Andrea Schmidt-Futterer kann bei dieser Produktion aus dem Vollen schöpfen, da alle Figuren auch optisch ihrer Rolle entsprechen können: Gilda unschuldig, Maddalena sexy und Sparafucile Ghost Dog…

Hessisches Staatstheater / Rigoletto - hier : Cristina Pasaroiu als Gilda © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater / Rigoletto – hier : Cristina Pasaroiu als Gilda © Karl Monika Forster

Hochkarätig besetzte Aufführung

Vladislav Sulimsky, mittlerweile an allen großen internationalen Opernhäusern zu hören, ist ein umwerfender Rigoletto mit tiefem Bariton und ausdrucksstarker Phrasierung. Er begeistert mit Nuancenreichtum und leidenschaftlicher Hingabe, glänzt mit wütenden Ausbrüchen und verzweifelten Klagen – dramatisch fesselnd. Mit seinem expressiven Wohllaut ist er als zynischer Narr genauso glaubhaft wie als mitfühlender Vater und tief gedemütigtes Opfer.

Beeindruckend auch der Operalia-Gewinner Ioan Hotea als Herzog von Mantua mit seiner auf Hochglanz polierten Stimme. Souverän die zärtlich-intimen Töne im Duett mit Gilda und die Arie Ella mi fu rapita!… Parmi veder le lagrime. Im Machogestus mühelos agierend brilliert er mit lockerer, farbenreicher Höhe und feinfühliger Phrasierung.

Eine hinreißende Gilda gibt Cristina Pasaroiu. Bei ihr vereinigen sich mädchenhafte Ausstrahlung, Leichtigkeit und eine silbrig timbrierte Stimme mit müheloser Höhe und scharf gestochenen Koloraturen. Sie findet wunderschöne Farben der Sehnsucht. Die schwierigen Höhen und die filigranen Raffinessen in den drei Duetten mit dem besitzergreifenden Vater meistert sie mit Bravour. Eine stimmlich wie darstellerisch gleichermaßen beglückende Leistung.

Young Doo Park überzeugt als Sparafucile. Er gibt der Partie beeindruckende Intensität. Die optische Anlehnung an Ghost Dog, ein mysteriöser Auftragsmörder im gleichnamigen Film, unterstreicht seine Rolle: Er differenziert darstellerisch wie stimmlich und besticht in der Rolle des gewissenlosen Mörders durch seine Unverfrorenheit. Bei ihm finden die Figuren ihre Ruhe, und sei es die letzte.

Erregend Silvia Hauer als verführerische Maddalena, die nicht nur mit ihrem warmen Mezzosopran, sondern auch als liebende Frau mitreißt. Die attraktive Verführerin begegnet dem Herzog auf Augenhöhe. Mit ihrer prachtvollen Stimme verzaubert sie das Publikum. Über allem steht der Fluch Ah, la maledizione... des Grafen von Monterone, gewaltig und eindrucksvoll Kammersänger Thomas de Vries. Zur Vollendung dieses Opernabends – mit Suchtcharakter – tragen Daniel Carison als Marullo, Erik Biegel als Borsa, Frederic Mörth als Graf von Ceprano, Isolde Ehinger als Gräfin Ceprano, Elisabeth Bert als Giovanna, Aldomir Mollov als Gerichtsdiener und Izumi Shibata als  Page des Herzogs bei. Ein besonders großes Lob verdient der stimmkräftige perfide Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, der von Albert Horne meisterhaft einstudiert ist: Povero Rigoletto! Er hat erheblichen Anteil am Gelingen des Abends.

Diesen Abend wird man in Erinnerung behalten. Für Sänger und Orchester gibt es stürmischen Beifall und Bravi.

Die bezaubernde Cristina Pasaroiu stürzte am Ende des 2. Aktes. Trotz verletztem Fuß begeisterte sie bis zum großen Ende. Wir wünschen Ihr gute Besserung!

Rigoletto am Hessischen Staatstheater Wiesbaden; die folgenden Vorstellungen 23.1.; 26.1.; 1.2.; 6.2.; 9.2.; 17.2.2019;  Zu den Internationalen Maifestspielen am 31.5.2019

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, LA FORZA DEL DESTINO – Giuseppe Verdi, 27.01.2019

Dezember 28, 2018 by  
Filed under Oper Frankfurt, Premieren, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

LA FORZA DEL DESTINO   –  Giuseppe Verdi

Text Francesco Maria Piave, nach dem Drama Don Àlvaro o La fuerza del sino (1835) von Ángel de Saaverda

Premiere: Sonntag, 27. Januar 2019

Am 10. November 1862 wurde im St. Petersburger Bolschoi-Theater mit einjähriger Verspätung die erste Fassung der Oper La forza del destino (Die Macht des Schicksals) von Giuseppe Verdi (1813-1901) uraufgeführt. Den Text des Bühnenwerkes in vier Akten, dem das Drama Don Álvaro o La fuerza del sino (1835) von Ángel de Saavedra als Vorlage diente, lieferte Francesco Maria Piave. Abgesehen von zwei konzertanten Aufführungen 2005 in der Alten Oper handelt es sich um die erste Frankfurter Neuinszenierung des Werks seit 1974, diesmal jedoch gespielt in der selten aufgeführten, ungestrichenen Petersburger Urfassung.

Oper Frankfurt / Christopher Maltman (Bariton / Don Carlo de Vargas © Pia Clodi

Oper Frankfurt / Christopher Maltman (Bariton / Don Carlo de Vargas © Pia Clodi

Leonora, Tochter des Marchese von Calatrava, liebt gegen den Willen ihres Vaters den Mestizen Don Alvaro. Das Paar plant seine Flucht, in deren Verlauf der Marchese unbeabsichtigt zu Tode kommt. Leonoras Bruder Don Carlo will den Vater rächen und verfolgt das Paar. Alvaro wird auf der Flucht von Leonora getrennt und tritt, ebenso wie Carlo, unter falschem Namen als Hauptmann in den Kriegsdienst. Er wird verwundet und bittet den vermeintlichen Freund, im Falle seines Todes einen Brief zu vernichten. Als der misstrauische Carlo die wahre Identität des Kameraden feststellt, fordert er ihn zum Duell, das jedoch unentschieden endet. Alvaro flieht erneut und tritt in jenes Kloster ein, das zuvor bereits Leonora aufgesucht hat. Da schlägt das Schicksal wieder zu: Carlo macht Alvaro ausfindig, und es kommt zum erneuten Kampf vor Leonoras Einsiedelei. Dabei wird Carlo tödlich verwundet, und er ersticht mit letzter Kraft die Schwester. Alvaro folgt der Geliebten in den Tod.

Oper Frankfurt / Tobias Kratzer - Regie © privat

Oper Frankfurt / Tobias Kratzer – Regie © privat

Die musikalische Leitung liegt bei dem Italiener Jader Bignamini, der in Frankfurt zuletzt 2017/18 Verdis Il trovatore dirigierte. Für die Regie kehrt nach Meyerbeers L’Africaine – Vasco da Gama 2017/18 Tobias Kratzer zurück nach Frankfurt, der jüngst für seine Inszenierung von Wagners Götterdämmerung am Badischen Staatstheater Karlsruhe mit dem Theaterpreis Der Faust ausgezeichnet wurde. Die Sängerbesetzung weist zwei Stars der internationalen Opernszene auf: Der deutsche Bass Franz-Josef Selig (Marchese von Calatrava / Padre Guardiano) hat sich vornehmlich mit Wagner-Partien einen Namen gemacht und war hier u.a. 2014/15 als Gurnemanz in Parsifal zu erleben, während der englische Bariton Christopher Maltman (Don Carlo di Vargas) in Frankfurt u.a. 2014/15 als Verdis Simon Boccanegra und 2017/18 als Montfort in Les Vêpres siciliennes gastierte. Michelle Bradley (Leonora) steht am Anfang einer vielversprechenden Karriere und singt erstmals in Frankfurt. Zuvor übernahm die amerikanische Sopranistin kleinere Partien an der Metropolitan Opera in New York, gastierte aber auch bereits als Verdis Aida in Nancy. Der besonders dem Mariinski-Theater in St. Petersburg verbundene armenische Tenor Hovhannes Ayvazyan (Don Alvaro) gibt sein Frankfurt-Debüt. Auch der amerikanische Bassbariton Craig Colclough (Fra Melitone) ist erstmals in Frankfurt zu Gast; 2017/18 sang er Verdis Falstaff in Antwerpen. Angeführt von Tanja Ariane Baumgartner (Preziosilla) sind in allen übrigen Gesangspartien Mitglieder des Ensembles und des Opernstudios zu erleben. Anlässlich der Vorstellungen im Mai 2019 kommt es zu verschiedenen Umbesetzungen.

Musikalische Leitung: Jader Bignamini / Gaetano Soliman (Mai 2019), Inszenierung: Tobias Kratzer, Bühnenbild und Kostüme: Rainer Sellmaier, Video: Manuel Braun, Licht: Joachim Klein, Chor: Tilman Michael, Dramaturgie: Konrad Kuhn

Marchese von Calatrava / Padre Guardiano: Franz Josef Selig / Andreas Bauer (Mai 2019)
Donna Leonora: Michelle Bradley, Don Carlo di Vargas: Christopher Maltman / Evez Abdulla (Mai 2019), Don Alvaro: Hovhannes Ayvazyan / Arsen Soghomonyan (Mai 2019)
Prezosilla: Tanja Ariane Baumgartner / Judita Nagyová (7., 9., 15. Februar, Mai 2019)
Frau Melitone: Craig Colclough u.a.

Chor und Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Premiere: Sonntag, 27. Januar 2019, um 18.00 Uhr, weitere Vorstellungen: 31. Januar, 3. (18.00 Uhr), 7., 9., 15., 17. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 23., 28. Februar, 18., 24., 26. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren) Mai 2019 Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Bielefeld, Theater Bielefeld, LA TRAVIATA – Giuseppe Verdi, 06.10.2018

September 19, 2018 by  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

LA TRAVIATA  –  GIUSEPPE VERDI

Text von Francesco Maria Piave nach Alexandre DumasLa Dame aux Camélias

Premiere Sa. 06.10.2018, 19:30 Uhr, Stadttheater, weitere Vorstellungen 10.10., 24.10., 28.10., 02.11., 11.11., 17.11., 06.12., 11.12., 29.12.2018; weitere Termin in 2019

Von Vergnügen zu Vergnügen jagen, immer im Mittelpunkt des pulsierenden Lebens – Violetta Valéry gönnt sich keine Ruhe, nachdem sie nach längerer Krankheit endlich wieder auf den Beinen steht. Dabei spürt sie es ganz genau: Dieses Mal mag sie dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen sein, aber letztendlich wurde ihr nur wenig zusätzliche Zeit geschenkt. Die Todesnähe verleiht ihr den Mut, ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Könnte die verehrungsvolle Liebe des jungen Alfredo Germont einen Ausweg bieten aus dem umschwärmten, aber gleichzeitig einsamen Leben als begehrteste Kurtisane von Paris? Es lockt die Verheißung auf die lang ersehnte, wahre Liebe. Alfredo kann über ihre Vergangenheit hinwegsehen, doch reicht das aus für einen radikalen Neuanfang? Der gesellschaftlichen Haltung und der Todesahnung zum Trotz wagt Violetta den Aufbruch ins Ungewisse.

Alphonsine Plessis, die Kameliendame der Traviata; hier ihre Grabstätte Montmarte © IOCO

Alphonsine Plessis, die Kameliendame der Traviata; hier ihre Grabstätte Montmarte © IOCO

Amore e morte – Liebe und Tod – wollte Giuseppe Verdi zunächst seine Oper nach dem Roman Die Kameliendame von Alexandre Dumas d. J. nennen. Ein Titel, der in seiner Unbestimmtheit zwar für einen Großteil des Opernrepertoires gelten könnte, aber selten so passend erscheint wie für die Geschichte der Violetta Valéry, die sich in den Spannungsfeldern zwischen wahrer und käuflicher Liebe, Todessehnsucht und Todesangst entfaltet. Von den ersten Klängen der Ouvertüre an konzentriert sich Verdis Musik auf das innere Erleben der Protagonistin, deren ständiger Begleiter der Tod ist und die dennoch voller Kraft und Lebensfreude aufbegehrt. So vereint auch Verdis Partitur, die er selbst für eine seiner besten Arbeiten hielt, extrem unterschiedliche Emotionen: Vom schwungvollen Trinklied Brindisi über das impulsive Sempre libera bis hin zum tieftraurigen Lebensabschied Addio, del passato.

Nach dem desaströsen Misserfolg der Uraufführung 1853 entwickelte sich La Traviata zu einer der beliebtesten Opern der Musikgeschichte. Verdi hatte beides vorausgeahnt: Ein »totales Fiasko« hatte er der Theaterleitung angekündigt, sofern die Titelrolle nicht umbesetzt würde. Anschließend lehnte er über ein Jahr lang alle Angebote einer Wiederaufnahme ab, bis er sicher war, die geeignete Besetzung zu bekommen. Am 6. Mai 1854 war es so weit und La Traviata startete ihren Triumphzug um die Welt – quasi mit einjähriger Verspätung. Es ist kaum verwunderlich, dass der Komponist so vehement um ein Mitspracherecht bei der Besetzung kämpfte: In keiner anderen Oper Verdis steht die weibliche Hauptrolle so sehr im Zentrum des Geschehens. Von Anfang an trägt Violetta Valéry ihren Tod in sich; kein Krieg, keine höfische Intrige oder althergebrachte Familienfehde determiniert ihr Schicksal. Nur ihr privates Glück und Unglück, ihr innerstes Erleben bilden die Handlung der Oper. Sogar der Titel der Oper entstammt ihrer Selbstwahrnehmung, als Traviata, also »eine vom Weg Abgekommene«, bezeichnet sie sich in einer Arie selbst. Diesen Fokus auf Violettas Sichtweise behält das Team um Hausregisseurin Nadja Loschky bei. Der Raum von Katrin Connan und die Kostüme von Katharina Schlipf entführen in Violettas Perspektive: Wie nimmt eine junge Frau, der der Tod sehr nah ist, ihre Umwelt wahr? Welche Distanz zu anderen Menschen verschafft das Wissen um das eigene Sterben, welche Phantasien löst die Todesnähe aus?

Alexandre Dumas Montmarte © IOCO

Alexandre Dumas Montmarte © IOCO

Aufrichtigkeit, Gefühl und starke Ausdruckskraft verlangte Verdi von den Sängerinnen seiner Traviata. Dass Irina Simmes diesen Ansprüchen gewachsen ist, beweisen die großen Erfolge, die sie bereits als Violetta Valéry feierte. Nun stellt sich die junge Opernsängerin, die seit der Saison 2018/19 festes Mitglied am Theater Dortmund ist, erstmals in Bielefeld vor. Alternierend ab Januar 2019 singt Sophia Brommer die Violetta Valéry. Violetta zur Seite steht die geheimnisvolle Figur des M., verkörpert durch den Choreografen und Tänzer Thomas Wilhelm. Alfredo Germont, gesungen von Daniel Pataky, versucht ihr ein Leben in zärtlicher Zweisamkeit schmackhaft zu machen, was sein Vater, in Gestalt von Evgueniy Alexiev und alternierend Frank Dolphin Wong, nicht gutheißen kann. Kaum ein Mann kann sich Violettas Charme entziehen, so auch nicht der Baron Douphol, gesungen von Caio Monteiro, Gaston (Lianghua Gong / Lorin Wey), der Marquis d’Obigny (Yoshiaki Kimura) oder Doktor Grenvil (Moon Soo Park). Bei all der Verehrung, die Violetta entgegenschlägt, ist es kein Wunder, dass sich in Flora Bervoix’ (Hasti Molavian) Freundschaft auch etwas Konkurrenzdenken mischt. Annika Brönstrup als Annina bleibt Violetta hingegen in allen Umständen treu verbunden.

Es singen und spielen der Bielefelder Opernchor, der Extrachor des Theaters Bielefeld sowie die Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Alexander Kalajdzic;  Inszenierung Nadja Loschky Bühne Katrin Connan Kostüme Katharina Schlipf

Weitere Vorstellungen 10.10., 24.10., 28.10., 02.11., 11.11., 17.11., 06.12., 11.12.,
29.12.; weitere Termin in 2019

MUSIKALISCHE LEITUNG  –  Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.


INSZENIERUNG  –  Nadja Loschky, Jahrgang 1983, studierte Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Bereits während ihres Studiums assistierte sie Hans Neuenfels und arbeitete als freie Regisseurin an den Städtischen Bühnen Osnabrück. An diesem Theater entstanden in den folgenden Jahren unter ihrer Regie auch erste Inszenierungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater. 2006 wurde ihre Interpretation von Frieds Monooper Das Tagebuch der Anne Frank zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin eingeladen. Es folgten weitere Engagements, unter anderem am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an ihre praktische Diplomprüfung 2009 inszenierte Nadja Loschky Verdis La Traviata und Rossinis Der Barbier von Sevilla an den Städtischen Bühnen Osnabrück sowie Faust von Charles Gounod am Staatstheater Kassel. 2011 debütierte sie mit der Uraufführung der Familienoper Mikropolis von Christian Jost an der Komischen Oper Berlin. Im Jahr 2012 entstanden Inszenierungen von Brittens A Midsummer Night’s Dream am Staatstheater Kassel, Mozarts Entführung aus dem Serail am Theater Heidelberg sowie der Familienoper Die Schatzinsel (Frank Schwemmer) am Opernhaus Zürich, denen Verdis Simon Boccanegra am Theater Aachen und Händels Alcina am Luzerner Theater folgten. 2014 führte sie Mozarts Così fan tutte erneut ans Theater Heidelberg und mit Madama Butterfly inszenierte sie am Theater Bielefeld ihre erste Puccini-Oper. Für diese Produktion wurde sie 2015 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr erarbeitete sie eine weitere Uraufführung, Christian Josts Rote Laterne am Opernhaus Zürich, sowie eine Inszenierung von Boieldieus selten gespielter Oper La dame blanche am Oldenburgischen Staatstheater und Mozarts Le nozze di Figaro am Theater Heidelberg. 2016 inszenierte die Regisseurin erneut am Luzerner Theater, diesmal Bellinis Oper Norma. Für ihre im gleichen Jahr entstandene Produktion Death in Venice von Benjamin Britten am Theater Bielefeld erhielt sie im Jahresheft der Fachzeitschrift Opernwelt eine Nominierung in der Kategorie »Beste Regisseurin«. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 inszenierte sie Verdis Macbeth am Oldenburgischen Staatstheater, dem Zingarellis Giulietta e Romeo am Barocktheater Schwetzingen folgte. Mit Monteverdis L’incoronazione di Poppea kam es im Frühjahr 2017 zu einer weiteren Arbeit am Theater Bielefeld, 2018 gab sie ihr Regiedebüt an der Oper Graz mit Ariane et Barbe-Bleue von Paul Dukas. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Nadja Loschky Hausregisseurin am Theater Bielefeld und inszenierte dort Rihms Jakob Lenz. In der aktuellen Spielzeit wird sie neben Verdis La Traviata auch Offenbachs Orpheus in der Unterwelt auf die Bühne bringen. Weitere Engagements führen die junge Regisseurin an die Oper Köln und erneut an die Oper Graz. Nadja Loschky ist neben ihrer Regietätigkeit projektbezogen auch als Dozentin an der HfM »Hanns Eisler« sowie der UDK Berlin tätig.


BÜHNE  –  Katrin Connan studierte Freie Kunst und Bühnenraum u. a. bei Raimund Bauer an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, assistierte am Grand Théâtre de Genève Bühnenbild und Regie, absolvierte ihr Diplom mit Auszeichnung. Sie arbeitet regelmäßig mit dem Regisseur Johannes Erath. Zu ihren gemeinsamen Arbeiten gehören What Next? von Elliott Carter an der Neuen Oper Wien, Eugen Onegin am Staatstheater Mainz, Lulu sowie Elektra an der Oper Graz, Das schlaue Füchslein an der Hamburgischen Staatsoper, Le nozze di Figaro an der Semperoper Dresden und den Savonlinna-Opernfestspielen, Make no noise sowie Beatrice Cenci bei den Bregenzer Festspielen, als nächstes Caruso in Cuba in Amsterdam. Weitere Arbeiten entstanden mit der Regisseurin Anna-Sophie Mahler (Die Sache Makropulos und Blick der Tosca am Theater Bremen, bald Die 7 Todsünden in Stuttgart) und mit Hans Neuenfels (South Pole an der Bayerischen Staatsoper, Antigone am Residenztheater München und Orest am Opernhaus Zürich). La Traviata ist ihre erste Zusammenarbeit mit Nadja Loschky.

KOSTÜME  –  Katharina Schlipf studierte Bühnen- und Kostümbild bei Prof. Martin Zehetgruber und Werner Pick an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dort schloss sie 2010 mit dem Projekt Danton zu Georg Büchners Dantons Tod ihr Diplom mit Auszeichnung ab. Seit der Gestaltung des Bühnenbilds für das Händeloratorium Saul am Staatstheater Oldenburg 2011 arbeitet Katharina Schlipf mit der Regisseurin Lydia Steier zusammen. In folgenden Kooperationen entwarf sie u. a. die Bühnenbilder für Franz von Suppés Fatinitza am Staatstheater Mainz, die Ariadne auf Naxos für das Konzerttheater Bern, Albert Herring am Oldenburgischen Staatstheater und Guilio Cesare an der Komischen Oper Berlin. Für die Produktion The Fairy Queen am Theater Regensburg entwarf sie die Kostüme. Zuletzt erarbeitete sie 2018 das Bühnenbild für Mozarts Die Zauberflöte, die in diesem Jahr als Eröffnungspremiere der Salzburger Festspiele aufgeführt wurde. Regelmäßig arbeitet Katharina Schlipf auch mit dem Choreografen Demis Volpi. Die Zusammenarbeit begann 2010 mit dem Ballett Karneval der Tiere für die John Cranko Schule in Stuttgart, für die Katharina Schlipf die Kostüme und das Bühnenbild schuf. Es folgten Bühnen- und Kostümausstattungen für Capricen am Ballett Karlsruhe, Little Monsters, choreografiert für den Erik-Bruhn-Preis 2011 in Kanada, und Private Light für das American Ballett Theatre New York. Außerdem zeigte sie sich für die Ausstattungen für das Handlungsballett Der Nussknacker am Königlichen Ballett Flandern sowie für Volpis erste Opernregie Fetonte bei den Winterfestspielen in Schwetzingen verantwortlich. Eng verbunden sind Katharina Schlipf und Demis Volpi auch dem Staatstheater Stuttgart. Dort erarbeiteten sie seit 2010 die Produktionen Aftermath, Die Geschichte vom Soldaten von Igor Stravinsky, das Handlungsballett Salome nach Oscar Wilde und das Handlungsballett Krabat nach Ottfried Preußler. Ihre bisher letzte Produktion für die Oper Stuttgart in Kooperation mit dem Stuttgarter Ballett war die Produktion Tod in Venedig von Benjamin Britten, für die Katharina Schlipf Bühne und Kostüme schuf. Diese Arbeit wurde von den International Opera Awards zur besten Neuproduktion des Jahres 2018 nominiert. Katharina Schlipf ist neben ihrer Ausstattungstätigkeit projektbezogen auch als Dozentin für die Universität Stuttgart und die Musikhochschule Trossingen tätig. 2015 wurde Katharina Schlipf mit dem Rotary-Kunst-Preis ihrer Heimatstadt Rottweil ausgezeichnet. La Traviata ist die erste Zusammenarbeit mit Regisseurin Nadja Loschky und Bühnenbildnerin Katrin Connan.

BESETZUNG  –  Violetta Valéry Irina Simmes / Sophia Brommer,  Flora Bervoix Hasti Molavian,  Annina Annika Brönstrup,  Alfredo Germont Daniel Pataky,  Giorgio Germont Evgueniy Alexiev / Frank Dolphin Wong,  Gaston Lianghua Gong / Lorin Wey,  Baron Douphol Caio Monteiro
Marquis d’Obigny Yoshiaki Kimura,  Doktor Grenvil Moon Soo Park,  Giuseppe, Violettas Diener In-Kwon Choi / Krzysztof Gornowicz,  Ein Diener Floras Yun-Geun Choi / Ramon Riemarzik,  Ein Bote Tae-Woon Jung / Paata Tsivtsivadze,  M. Thomas Wilhelm

Die Sopranistin Irina Simmes ist ab der Saison 2018/19 festes Mitglied am Theater Dortmund, wo sie diese Spielzeit als Lisa (Land des Lächelns) debütiert. Mit der Walküre wird sie diese Spielzeit auch an die Oper Frankfurt zurückkehren, wo sie 2017 mit der Rolle der Konstanze (Entführung aus dem Serail) in Christof Loys Inszenierung unter der Leitung von Sebastian Weigle zu hören war. Seit 2012 war sie am Theater Heidelberg unter anderem in Mozart-Partien wie Konstanze (Entführung aus dem Serail), Pamina (Die Zauberflöte), Gräfin Almaviva (Le nozze di Figaro), Fiordiligi (Così fan tutte) und Donna Anna (Don Giovanni) zu hören. 2017 gab die Sängerin ihr Hausdebüt als Isolde (Avner Dormans Wahnfried) am Badischen Staatstheater in Karlsruhe, wohin sie in der Spielzeit 2017/18 in einer Neuproduktion von Mozarts Lucio Silla in Kooperation mit dem Théâtre la Monnaie Brüssel zurückkehrte. Neben Partien wie Laura (Korngolds Der Ring des Polykrates), Musetta (La Bohème), Rosalinde (Die Fledermaus) und Micaëla (Carmen) fand ihre Interpretation der Violetta (La Traviata) große Aufmerksamkeit. 2015 widmete ihr die Fachzeitschrift Die Deutsche Bühne in der Februar-Ausgabe einen Coverartikel.

Irina Simmes’ Repertoire umfasst sowohl Raritäten des Barock (u. a. Pilade in Traettas Ifigenia in Tauride) sowie Werke des zeitgenössischen Musiktheaters (u. a. Adela in Josts Rumor und die Titelpartie in der Uraufführung von Harneits Abends am Fluss). Irina Simmes absolvierte ihre Gesangsausbildung an der Folkwang Universität der Künste Essen und war in der Spielzeit 2011/12 Mitglied des Opernstudios am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

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