Brüssel, Theatre Royal de la Monnaie, Tristan und Isolde – Richard Wagner, IOCO Kritik, 09.05.2019

Theatre Royal de la Monnaie Brüssel © Pierre Stubbe

Theatre Royal de la Monnaie Brüssel © Pierre Stubbe

Theatre Royal de la Monnaie

Tristan und Isolde – Richard Wagner

– Ein Augenschmaus für Eingeweihte –

von Ingo Hamacher

Das Kreativteam Ralf Pleger / Alexander Polzin bringen im La Monnaie einen Tristan, absolut reduziert, von höchster Ästhetik auf die Bühne, dessen konzeptionelle Wurzeln wohl im Triadischen Ballett von Schlemmer zu finden sind, was augenfällig wird, wenn Ed Lyon, in der Rolle des Hirten im kantig ärmellosen Kostüm über die Bühne schreitet.

Das Vorspiel ist musikgewordene Sehnsucht, klangerfüllte Liebesleidenschaft. Tristan und Isolde ist die sinnlichste, aufwühlenste von stärkster Erregung durchglühle Liebesmusik, die jemals geschrieben wurde.  Das Vorspiel ist eine in sich geschlossene sinfonische Dichtung, wobei der berühmte Tristan-Akkord häufig als erster Schritt zu einer Neuen, nicht mehr tonal gebundenen Musik interpretiert wird.

Wagner benutzt die Chromatik in erster Linie zur Darstellung der unerfüllten, ewig unerfüllbaren Liebessehnsucht, wobei die Motive Liebe, Nacht und Tod, sowohl thematisch, als auch musikalisch einen einzigen Komplex bilden. Es sind drei Motive der gleichen Idee.

In seiner Musik hat Wagner auf der Suche nach Ausdruck für nie dargestellte seelische Vorgänge, alle Konventionen durchbrochen. Ununterbrochene Modulationen, mehrdeutige Harmonien bis hin zur Polytonalität führen zu einer Auflösung aller früheren musikalischen Regeln.  Aufgetürmter Orchesterklang stellt verschlungenste psychische Zustände dar. Es entsteht ein rauschhafter – auch als opiatisch beschriebener – Charakter der Musik. Die Wirkung der Tristanmusik auf die Zeitgenossen muß ungeheuer, fast unvorstellbar gewesen sein.

Theatre Royal de la Monnaie / Tristan und Isolde - hier : A. Petersen als Isolde und B. Register als Tristan © Van Rompay

Theatre Royal de la Monnaie / Tristan und Isolde – hier : A. Petersen als Isolde und B. Register als Tristan © Van Rompay

Handlung:

Tristan bringt die Tochter des Königs von Irland, Isolde, nach Cornwall, um sie mit König Marke zu verheiraten, dessen treuester Vasall er ist. Während der Reise versucht Isolde mit Hilfe eines tödlichen Giftes die leidenschaftliche und geheime Liebe zu ersticken, die zwischen ihr und Tristan aufgetaucht war. Doch die Vertraute der jungen Frau, Brangäne, ersetzt dieses Gift durch einen Liebestrank, der die Beiden für immer verbindet. Ihre Liebe wird König Marke jedoch von Melot, dem Eifersüchtigen, der Tristan tödlich verletzt, offenbart.

Tristan will Isolde bevor er stirbt wieder sehen. Als seine Geliebte eintrifft, stirbt er in Isoldes Armen. Isolde folgt ihm in Trance in den Tod

Drei Akte – drei Welten, die uns vor Augen geführt werden

Im ersten Akt sehen wir eine leere, schwarze Bühne, rückwärtig von einer bühnenfüllenden halbdurchlässigen Spiegelwand begrenzt.

Ann Petersen in der Partie der Isolde im weißen Gewand mit einer käfigartigen, mit dreieckigen Stoffsegeln bespannten Gitterstruktur um Hals und Schultern – die subjektive Gefangenschaft auf dem Segelschiff andeutend. Ann Petersen arbeitet freiberuflich und ist auf zahlreichen europäischen Bühnen zu Gast. Dabei hat sie sich auf die Werke von Richard Strauss und Richard Wagner spezialisiert.Ihren internationalen Durchbruch hatte sie 2017 mit der Partie der Isolde in Wagners Tristan und Isolde an der Oper in Lyon. Stimmlich ist sie der Rolle der Isolde vollumfänglich gewachsen, wenn auch die Textverständlichkeit ihres Gesangs noch nicht voll ausgeprägt ist. Sie hat in der Monnaie ihr Hausdebut.

Brangäne gesungen von Nora Gubisch – ebenfalls weiß gewandet mit ellenlangen Manschetten und einer an eine Krankenschwester erinnernden Haube. Nora Gubisch (* 1971 in Paris) ist eine französische Mezzosopranistin. Sie ist mit dem Pianisten und Dirigenten Alain Altinoglu verheiratet, der die musikalische Leitung des Abends hat. Bei allem Verständnis für den Wunsch, möglichst viel Zeit mit dem Partnern verbringen wollen: Für Nora Gubisch kommt die Rolle der Brangäne zu früh.

Theatre Royal de la Monnaie - der spektakulaere Besucherraum © Philippe De Gobert

Theatre Royal de la Monnaie – der spektakulaere Besucherraum © Philippe De Gobert

Wir sehen Ed Lyon in der der kleinen, aber gefürchteten (da ohne Musikbegleitung zu singenden) Rolle des jungen Seemanns in Seemannskostüm. Ed Lyon ist ein britischer höhen- und artikulationssicherer Tenor. Lyon ist vor allem für Sänger in Barockopern und Oratorien bekannt. In der Reinheit des Gesangs und der Makellosigkeit der Artikulation ist Lyon fraglos die Stimme des Abends.

An der Decke kaltweiße Stalaktiten, die sich im Verlauf des Aktes teilweise bis zum Bühnenboden herabsenken und die zunehmende Enge und Bedrängnis verdeutlichen.  Ein Bild mit starker Wirkung.

Eine Personenregie gibt es nicht. Die Solisten stehen an der Bühnenrampe und singen frontal ins Publikum.Mit sparsamen, gekünstelten Armbewegungen schreiten die Personen tanzähnlich über die Bühne, meistenteils verharren sie jedoch in manierierten Positionen. Sie nehmen keine Beziehungen zu einander auf, es gibt keinen Blickkontakt. Außer Melots Schwert, das lanzenähnlich wie ein riesengroßer Splitter aussieht, gibt es in der ganzen Aufführung keinerlei Requisiten.

Mit dem Stück vertraute Zuschauer erleben das Mit- und Gegeneinander der bereits genannten Personen mit Tristan, Bryan Register, und Kurwenal, Andrew Foster-Williams. Opernneulinge dürfen kaum eine Chance haben, einen Zugang zu dem Stück zu finden.

Zu statisch – fast konzertant – zeigt die Inszenierung angedeutete avangardistische Tanzelemente, die in keinem Zusammenhang mit der Opernhandlung stehen. Es gibt keinen Liebestrank, es gibt eigentlich gar nichts. Die Aufführung lebt aus der Kraft der lebenden Bilder.

Zum Höhepunkt des ersten Aktes, bei dem nach dem Libretto der Liebestrank gemeinsam getrunken wird, geschieht das Unvorhersehbare: Tristan und Isolde schauen sich in die Augen und ihre Handflächen berühren sich.  Mit so viel hatte man eigentlich schon gar nicht mehr gerechnet!

Bryan Register, geboren in North Carolina, wird als einer der vielversprechendsten Heldentenöre seiner Generation beschrieben und wird für das frische, helle Timbre seiner Stimme und die dramatische Stärke seines Gesangs gerühmt.  In der sehr langen Partie des Tristan haushaltet er gewissenhaft mit seiner Stimmkraft. Wenn er sich dann entschließt, die Partie voll auszusingen, präsentiert er einen makellosen Tristan.

Theatre Royal de la Monnaie / Tristan und Isolde- hier : A. Foster Williams als Kurwenal, A. Petersen als Isolde, N. Gubisch als Brangaene © Van Rompay_Segers

Theatre Royal de la Monnaie / Tristan und Isolde- hier : A. Foster Williams als Kurwenal, A. Petersen als Isolde, N. Gubisch als Brangaene © Van Rompay_Segers

Andrew Foster-Williams (* 1973 in Wigan), ist ein englischer Opernsänger (Bassbariton). Er gibt in Brüssel sein Rollendebut als Kurwenal.

Der Chor, der ganz in Schwarz gekleidet hinter der transparenten Spiegelwand positioniert ist, und bei den einzelnen Auftritten durch die Beleuchtung sichtbar wird, wird im Zuschauerraum nur sehr gedämpft erlebbar. Das ändert sich, wenn die Sänger gegen Ende des ersten Aktes in den Proszeniumslogen erscheinen und ihre stimmgewaltige Kraft entfalten. Chorleiter: Martino Faggiani

Der zweite Aufzug ist von Richard Wagner als ein einziges Liebesgedicht über die Nacht, als Gegenpol des äußerlichen Lebens, der Hast und der Lüge, das milde Dunkel der liebenden Seelen, das Vergessen, der Traum und der Tod bis hin zur Bewußtseinsauflösung gestaltet.War der Tag im ersten Akt schwarz, so ist die nun kommende Nacht weiß. Ein großes verästeltes Objekt – Kunst? Wald? – in der Wirkung wie eine riesige weiße Koralle steht im Zentrum der Bühne.

Isolde in ihrem psychedelisch blau/rot gefärbten Gewand und König Marke mit seiner mit Unmengen von Strass besetzten Fantasieuniform führen uns mit ihren Kleidern (Kostüme: Wojciech Dziedzic) die Falschheit der Tageswelt vor Augen.

König Marke: Franz-Josef Selig  (* 1962 in Mayen), ein deutscher Opernsänger, hat sich international als einer der renommiertesten Interpreten großer Basspartien etabliert. Regelmäßig ist er in den Rollen des Gurnemanz, König Marke, Sarastro, Rocco, Osmin, Daland, Fiesco und Fasolt an allen großen Opernhäusern der Welt und bei internationalen Festivals zu erleben.

Noch stärker als im ersten Akt, gelingt es der großartige Lichtregie von John Torres und Kate Bashore, mit Schattenwürfen, Warmlichtpunkten in einer ansonsten mattweißen Welt der doch sehr statischen Inszenierung eine Dynamik und Lebendigkeit zu verleihen, die fasziniert und staunen macht. Die Preghiera „O sink hernieder, Nacht der Liebe…“ wird von Tristan und Isolde nebeneinander kniend gesungen.  Sie steigern sich in einen Zustand völliger Selbstvergessenheit. Wagner zeichnet ein kosmisches Gleichnis der Todestrunkenheit.

Ein äußerst gelungener Coup der Regie: In die Äste des Korallenobjektes befanden sich unbekleidete, vollständig weiß geschminkte, und dadurch für das Auge des Betrachters nicht vom Zentralobjekt zu unterscheidende Tänzer des Ballettes, die sich von der Struktur lösen und das Objekt und den Bühnenraum mit Leben erfüllen.

Choreografie: Fernando Melo; ein großartiger Effekt! Erneut kommt es zu einem wechselseitigen Blick und einer Berührung der Handflächen der beiden Liebenden. Ein Schrei Brangänes, der Verräter Melot und König Marke treten auf, die Liebenden sind entdeckt.

Theatre Royal de la Monnaie / Tristan und Isolde - hier : A. Petersen als Isolde, N. Gubisch als Brangaene © Van Rompay Segers

Theatre Royal de la Monnaie / Tristan und Isolde – hier : A. Petersen als Isolde, N. Gubisch als Brangaene © Van Rompay Segers

Melot / Ein Steuermann: Wiard Witholt, holländischer Bariton, 40, ist zur Zeit in Augsburg engagiert. Er war 2017 bereits in Madama Butterfly in Brüssel zu erleben.

Die Solisten stehen statuarisch auf der Bühne. Keine Verabschiedung, kein Kuss, keine Verwundung. Melot hält reglos den Schwertsplitter über den Kopf; die eingeweihten Zuschauer verstehen. Im dritten Akt – es ist wieder Tag – schauen wir erneut auf eine schwarze, leere Bühne. In der bühnenfüllenden Hinterwand sind zahllose Löcher eingelassen, die bei der zusätzlich noch mit faszinierenden Reflexionen arbeitenden Lichtregie noch schwärzer erscheinen.  Vereinzelt werden diese Löcher jedoch rückwärtig beleuchtet, wodurch ein wunderbarer sternenhimmelartiger Effekt entsteht.

Tristan, im blutroten Gwand mit vergoldetem Gesicht und Händen, scheint bereits nicht mehr Teil dieser Welt zu sein. Transparente Röhren schieben sich durch die Löcher der Rückwand nach vorne und erzeugen ein lebendiges Schattenspiel von ungeheurer visueller Ästhetik.  Tristan kniet in der Bühnenmitte, während der Hirt in seinem Kunstgewand unentwegt über die Bühne schreitet. Über erneut auftretende Tänzer – gekleidet und geschminkt wie Tristan – entsteht auf der Bühne Bewegung.

Tristan und Isolde – ALAIN ALTINOGLU erklärt die Komposition
youtube Trailer Theatre Royal de la Monnaie
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Musikalische Leitung: ALAIN ALTINOGLU (* 1975 in Paris) ist ein französischer Dirigent armenischer Abstammung. Er ist an großen Opernhäusern weltweit zu Gast.  Altinoglu dirigierte erstmals 2011 als Gast am Opernhaus La Monnaie. Seit Januar 2016 ist er Chefdirigent des Hauses. Im Jahr 2015 dirigierte er bei den Bayreuther Festspielen LOHENGRIN. Alain Altinoglu, das Brüsseler Opernhaus La Monnaie und Richard Wagner – eine äußerst geglückte Kombination bei der Inszenierung von Lohengrin 2018. La Monnaie habe „seinen Messias gefunden“, schrieb Christian Merlin daraufhin in Le Figaro über den Dirigenten. Altinoglu, vom Brüsseler Publikum heiß geliebt, wird zu Beginn jeden Aktes bei seinem Erscheinen mit tosendem Applaus und wilden Ovationen gefeiert.  Etwas Derartiges habe ich bisher noch nirgendwo erlebt.

Die musikalische Handlung nimmt ihren Lauf und endet mit einem musikalisch ergreifenden Liebestod Isoldes. Dem Dirigenten gelang in dieser Aufführung die heikle Aufgabe, in der Abmischung zwischen dem groß besetzten romantischen Orchesters und Bühne die optimale Balance herzustellen. Antinoglu atmete mit den Sängern, und war um höchstmögliche Orchestertransparenz bemüht.

Langanhaltender Applaus im ausverkauften Haus; Ovationen für die Solisten und das Produktionsteam; regelrechte Emotionsausbrüche für den Dirigenten und das Orchester

Theatre Royal de la Monnaie / Tristan und Isolde - hier : Bryan Register als Tristan © Van Rompay

Theatre Royal de la Monnaie / Tristan und Isolde – hier : Bryan Register als Tristan © Van Rompay

Inszenierung: Ralf Pleger (* 1967 in Rathenow) ist ein deutscher Filmemacher und Regisseur. Er war als Dramaturg bei zahlreichen internationalen Opernproduktionen beteiligt. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit als Filmemacher bilden Musikfilme und Künstlerporträts. In Filmen wie z.B. Wagnerwahn kombiniert Pleger klassische Musikthemen mit unorthodoxen Erzählweisen. Ein Merkmal seiner Werke ist der Einsatz genreübergreifender Stilmittel. Plegers Kino-Dokumentarfilm The Florence Foster Jenkins Story mit Joyce DiDonato in der Titelrolle ist im November 2016 erschienen.

Bühne: Alexander Polzin (* 1973 in Berlin) ist ein Berliner Bildhauer, Maler, Graphiker, Kostüm- und Bühnenbildner. Polzin arbeitet regelmäßig als Bühnenbildner für Oper, Tanz und Schauspiel. So richtete er beispielsweise 2013 Richard Wagners Parsifal bei den Salzburger Osterfestspielen ein (Regie: Michael Schulz – musikalische Leitung: Christian Thielemann).

Lichtregie: John Torres und Kate Bashore.  John Torres, ein in New York ansässiger Lichtdesigner entwickelt Designs für Tanz, Theater, Musik, Mode und Druck. In Zusammenarbeit mit Robert Wilson wurden unter anderem Einstein on the Beach (2013-2015 World Tour) und Cheek to Cheek Live produziert. Mit Tony Bennett und Lady Gaga „La Traviata“ (Landestheater Linz). Kate Bashore ist eine Lichtdesignerin für Theater und Tanz, deren Entwürfe in New York und regional in den USA präsentiert wurden.


Théatre Royal de la Monnaie – Es stellt sich vor
youtube Trailer Théatre Royal de la Monnaie
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Théâtre Royal de la Monnaie De Koninklijke Muntschouwburg

Das Théâtre Royal de la Monnaie oder kurz La Monnaie (im Französischen) bzw. De Koninklijke Muntschouwburg, kurz De Munt (im Niederländischen; deutsch etwa „Königliches Theater an der Münze“), ist das königliche Brüsseler Opernhaus.

Das erste Theatergebäude an diesem Ort wurde um 1700 an Stelle einer vormaligen Münzprägestätte errichtet, die wie große Teile Brüssels dem französischen Bombardement zum Opfer gefallen war.  Das Théâtre de la Monnaie hatte im 18. Jahrhundert den Ruf, einer der schönsten Theaterbauten Europas zu sein. Achtzig Jahre später wurden mehrere Pläne erstellt, das Opernhaus zu erweitern und zu renovieren. Doch erst 1818 ließ die Stadt Brüssel ein vollkommen neues Theater hinter dem alten Gebäude errichten. Das heutige Opernhaus stammt aus den Jahren 1855/56, das den 1819 eingeweihten Vorgängerbau ersetzte, der im Januar 1855 einem Theaterbrand zum Opfer gefallen war. Das Monnaie-Theater ist heute eines der renommiertesten Opernhäuser Europas. Musikalischer Leiter der Monnaie ist der japanische Dirigent Kazushi Ono.

Belgische Geschichte wurde in der Monnaie geschrieben, als am 25. August 1830, anlässlich des 59. Geburtstages von König Wilhelm I. der Niederlande die Oper La muette de Portici von Auber gegeben wurde.

Bereits durch das Duett „Amour sacré de la patrie“ („Heilige Liebe zum Vaterland“) angeheizt, geriet nach der Arie des Masaniello, der im dritten Akt mit einer Axt in der Hand sang: Laufet zur Rache! Die Waffen, das Feuer! Auf daß unsere Wachsamkeit unserem Leid ein Ende bereite! das Publikum außer Kontrolle. Es erhob sich und rief „Aux armes! Aux armes!“ („Zu den Waffen!“).  Dies gilt als der Auslöser zur Belgischen Revolution, die zur Unabhängigkeit des Landes von den Niederlanden führte.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Monnaie zudem zu einem Zentrum des Wagnérisme, nachdem die Aufführung der Werke Richard Wagners in Paris auf größere Probleme gestoßen waren. Eine umfangreiche Renovierung und Modernisierung fand 1985 statt. Die ursprünglichen Originalfarben kommen jetzt wieder zur Geltung.

Tristan und Isolde am Théâtre Royal de la Monnaie, Brüssel, weitere Termine: 02.05., 04.05., 07.05., 08.05., 10.05., 12.05 (15:00), 14.05., 16.05., 17.05., 19.05.2019 (15:00)

—| IOCO Kritik Théâtre Royal de la Monnaie |—

München, Bayerische Staatsoper München, JENUFA auf Bühne und in STAATSOPER.TV, 06./09./12./16.03.2013

März 5, 2013 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Pressemeldung

Bayrische Staatsoper.jpg

Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

„Jenufa“ auf Bühne und in  STAATSOPER.TV

 
Leos Janáceks anrührende Oper über die junge Jenufa, die zwischen zwei Männern steht, kehrt auf den Spielplan zurück. Die Titelrolle übernimmt mit der finnischen Sopranistin Karita Mattila eine der wichtigsten Interpretinnen dieser Partie. 
 
Die tragische Geschichte um heimliche Schwangerschaft, Kindsmord und die scheinbar unveränderlich starren gesellschaftlichen Verhältnisse in einem mährischen Bauerndorf wurde 2009 von Barbara Frey inszeniert. Die musikalische Leitung dieser Wiederaufnahmeserie übernimmt der tschechische Dirigent Tomás Hanus
 
Neben Karita Mattila in der Titelpartie tritt Gabriele Schnaut in der Rolle der strengen Küsterin Buryja auf. Die beiden rivalisierenden und um sie konkurrierenden Halbrüder Steva und Laca werden von Stefan Margita und Pavel Cernoch gesungen.
 
Am 9. März wird mit der Vorstellung von Jenufa bereits die fünfte Vorstellung dieser Saison im Rahmen von STAATSOPER.TV übertragen: Beginn der audiovisuellen Live-Übertragung im Internet ist um 19.00 Uhr auf www.staatsoper.de/tv. Der Service ist für die Zuschauer kostenlos.
Im  Nationaltheater, München:  Jenufa von Leos Janacek
Mi 06.03.2013, 19 Uhr *
Sa 09.03.2013, 19 Uhr
Di 12.03.2013, 19 Uhr 
Sa 16.03.2013, 19 Uhr 
 
 
* Für die Vorstellung am 6. März sind ermäßigte Karten im Programm Junges Publikum erhältlich.
 
STAATSOPER.TV
Jenufa
Sa 09.03.2013, 19 Uhr
www.staatsoper.de/tv
  —| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

Rostock, Volkstheater Rostock, Spielplan September 2012

rostock.jpg

Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Spielplan September 2012    

Großes Haus

7. Freitag    19:30 Uhr, Premiere
The Who’s Tommy
Musical von Pete Townshend und Des McAnuff

8.Samstag    19:30 Uhr
The Who’s Tommy
Musical von Pete Townshend und Des McAnuff

9.Sonntag    14:00 – 17:00 Uhr
Tag der offenen Tür
18:00 Uhr
The Who’s Tommy
Musical von Pete Townshend und Des McAnuff

15.Samstag    19:30 Uhr, Zum letzten Mal!
The Who’s Tommy
Musical von Pete Townshend und Des McAnuff

16.Sonntag    18:00 Uhr, Wiederaufnahme
West Side Story
Musik von Leonard Bernstein

22.Samstag    19:30 Uhr,
West Side Story
Musik von Leonard Bernstein

23.Sonntag    18:00 Uhr, Premiere
Der Barbier von Sevilla
Oper von Gioacchino Rossini

28. Freitag    19:30 Uhr,
West Side Story
Musik von Leonard Bernstein

29.Sa.    19:30 Uhr
2. Philharmonisches Konzert
Sergej Rachmaninow
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll op 18
Peter Tschaikowsky
Symphonie Nr. 5 e-Moll op.64
Lars Vogt, Klavier
Dirigent: Alexander Joel

30.So.    18:00 Uhr
2. Philharmonisches Konzert
Sergej Rachmaninow
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll op 18
Peter Tschaikowsky
Symphonie Nr. 5 e-Moll op.64
Lars Vogt, Klavier
Dirigent: Alexander Joel

Theater im Stadthafen

2.So.    18:00 Uhr, Gastspiel „Mechaje“ Jüdisches Theater MV e.V.
Elkas Gold
Drama mit komödian-tischen Zügen von Josef Bar-Josef

9.So.    20:00 Uhr, Gastspiel
Abschalten
Kabarett academixer

16.So.    16:00 Uhr, Rostocker Premiere, Koproduk-tion mit dem Mecklenb. Landestheater Parchim, Familienvorstellung
Hase und Igel
eine Schelmengeschich-te nach den Brüdern Grimm von Peter Ensikat

20.Do.        10:00 Uhr, Koproduktion mit dem Mecklenburg. Landestheater Parchim, Gruppenvorbestellung
Hase und Igel
Eine Schelmengeschich-te nach den Brüdern Grimm von Peter Ensikat

21.Fr.    20:00 Uhr, Wiederaufnahme
Glorious!
die wahre Geschichte der Florence Foster Jenkins
von Peter Quilter

22. Sa.    20:00 Uhr,
Glorious!
die wahre Geschichte der Florence Foster Jenkins
von Peter Quilter

28. Fr.    20:00 Uhr
Die Trailer Show
Querschnitt durch die neuen Schauspiel-premieren mit anschließender Party

29.Sa.    20:00 Uhr
Glorious!
die wahre Geschichte der Florence Foster Jenkins
von Peter Quilter

Woanders

1.Sa.    19:30 Uhr, Halle 207
1. Philharmonisches Konzert
Fabrice Bollon
»Aux trois coins de la terre« für Saxophonquartett und Orchester, Uraufführung
Gustav Mahler
Symphonie Nr. 7 e-Moll
The Raschèr Saxophone Quartet
Dirigent: Florian Krumpöck

2.So.    18:00 Uhr, Halle 207
1. Philharmonisches Konzert
Fabrice Bollon
»Aux trois coins de la terre« für Saxophonquartett und Orchester, Uraufführung
Gustav Mahler
Symphonie Nr. 7 e-Moll
The Raschèr Saxophone Quartet
Dirigent: Florian Krumpöck

16.So.    16:00 Uhr, Bernsteinsaal Hotel Neptun
1. Kammerorchesterkonzert
Dirigent: Manfred Hermann Lehner

—| Pressemeldung Volkstheater Rostock |—

Wien, Wiener Kammerspiele, Musical Souvenir oder die Mörderin des hohen C, IOCO Aktuell 14.02.2010

Februar 3, 2010 by  
Filed under IOCO Aktuell, Musical, Wiener Kammerspiele


Aktuell

Florence Foster Jenkins

In den Wiener Kammerspielen wird vom 4. – 14.2.2010  das  Musical  Souvenir – Die Mörderin des hohen C  von Stephen Temperley aufgeführt.   Souvenir  beschreibt das merkwürdige Leben der Florence Foster Jenkins (FFJ),  einer ungewöhnlichen Amerikanerin, welche trotz fehlender stimmlicher  Attribute in öffentlichen Auftritten  schwierigste Opernarien „zum Besten“ gab. Und dabei berühmt wurde.  Souvenir  wurde inzwischen  weltweit erfolgreich aufgeführt, zuvor  u.a.  im Berliner Renaissance-Theater. Star der Wiener Aufführung ist  Désirée Nick Deutschlands Trash-Queen mit klassischer Gesangsausbildung, welche klagt, wie schwer es sei, in jeder Aufführung dieses so reizvollen Stückes den richtigen falschen Ton zu finden.

Wer war  FFJ,  auch Madame Flo genannt, welche von 1868 bis 1944  lebte:  Selbst für ein ungeübtes Ohr klingt  FFJ´s  Gesang schräg.  Eine Sängerin, die ausnahmslos zum Erbarmen falsche Töne sang, aber von ihrem Talent felsenfest überzeugt war.  Ein Kritiker der vierziger Jahren  sagte, FFJ  zuzuhören würden bei ihm rauschähnliche Zustände auslösen. Andere rückten ihre Töne in die Nähe des Jaulens von gefangenen Vielfraßen oder alternden Raubvögeln.  Ihr  typisches, hohes F,  schwach wie das Winseln eines Hundes. Stolz  gestand Florence  einmal,  daß dieser  Ton  gezeugt wurde, als sie während eines Verkehrsunfalles auf der Lexington Avenue umhergeschleudert wurde.  War  FFJ  eine ernsthafte  Sängerin oder zelebrierte sie Clownerien?  Genau weiß man dies  bis heute  nicht.  Doch Clownerien waren es sicherlich nicht. Zu  groß war FFJ´s  Klassikbegeisterung.  Nur,  sie besaß keine Stimme,  wohl  kein  musikalisches Gehör und hatte keine ernsthaften Kritiker in ihrer Nähe.  Einem Bekannten gestand sie einmal: „Ich habe Dich sehr gern. Deshalb werde ich auch bei Dir privat singen“.   FFJ  war, vielleicht auch durch den großen öffentlichen Zuspruch,  von  ihrer Gesangskunst  überzeugt.  Ein liebenswertes, gutartiges, kritikunfähiges  Produkt ihrer  übersteigerten Musikbegeisterung.  FFJ  besaß  Don Quichotische  Züge.  Vielleicht wurde sie gerade deshalb von ihrer Fan-Gemeinde so  geliebt.

FFJ  war äußerst populär als sie 1944 starb.  Ihre  große, treue Fan-Gemeinde  zelebrierte   ihre Auftritte  eher als Happening, denn als todernste Gesangsfestivität. Man war gut gelaunt: lachte, feixte und machte gelegentliche fröhliche Zwischenrufe.  Regelmäßig sang sie im ausverkauften New Yorker Riz-Carlton Hotel vor  über  800 Besuchern. Zu Höchstpreisen.  GI´s zogen erts nach einem Madame Flo Konzert in den Krieg, geht eine Sage. So  glauben auch viele, daß  harte  Kritiken nach ihrem völlig ausverkauften Konzert 1944  in der New York Carnegie Hall  zu dem Herzanfall  führten, an dessen Folgen  sie kurz danach verstarb.  Earl Wilson, ein  Kritiker,  hatte nach diesem Konzert kritikertypisch verblendet geschrieben  „ihr Gesang löse bei ihm  Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und Rauschen in den Ohren aus“ .  Earl Wilson, der Kritiker,  hatte das  Besondere von Florence Foster Jenkins nie verstanden, er hatte schlecht bezahlte Zeilen miserabel gefüllt.  Arturo Toscanini  verstand FFJ sehr wohl: Zu ihrem Begräbnis sandte er einen großen Blumenstrauß.

FFJ,  geboren 1868 als  wohlbehütete  Tochter des  schwerreichen amerikanischen Industriellen  Dorrance Foster  und  seiner Frau  Jane  Hoagland,  erhielt  sehr früh  Klavierunterricht.  Ihr Vater, Banker und Mitglied des Parlaments von Pennsylvania, im Glauben ein  Wunderkind zu haben förderte Florence  derart, daß sie bereits mit acht Jahren Klavierkonzerte in Philadelphia gab. Ihren mit siebzehn Jahren geäußerten Wunsch, in Übersee Gesang und Musik zu studieren, lehnte er  allerdings zu ihrer großen Enttäuschung ab. Vielleicht als Trotzreaktion  heiratete sie sehr früh den Arzt  Frank Thornton Jenkins, den sie gleichermaßen schnell, 1902,  wieder verließ.  Ihr Vater unterstützte Florence nach der Trennung nicht, sodaß sie darauf angewiesen war, durch Musikunterricht und Klavierstunden Geld zu verdienen. Bis 1909: Als ihr Vater  starb und ihr ein großes  Vermögen hinterließ. Sie war seit diesem Zeitpunkt schwerreich.

Madame Flo  durchlebte  zunächst als Leiterin des Euterpe-Clubs  in  New York eine kuriose Künstlerentwicklung. Hier traf sie auch den sechzehn Jahre jüngeren, gut aussehenden Engländer St. Clair Bayfield, welcher bis zu ihrem Tod ihr enger Begleiter blieb.  Nicht ganz klar ist, wann FFJ  mit Gesangsabenden erstmals öffentlich auftrat.  Seit ihrer frühen Jugend war Gesang ihre Passion. Sie studierte das Gesangsfach  bei dem Opernsänger  Carlo Edwards und gab in den zwanziger Jahren  bereits gut besuchte Gesangsabende.  1928 engagierte sie den erfolgreichen Pianisten Edwin McArthur, welcher später auch  Opernstar Kirsten Flagstad  begleitete.  Zunächst  in kleineren Sälen, dann in  denen des Riz-Carlton Hotels,  hatte sie schon bald ihre treue Anhängergemeinde. Keine Arie war zu schwer, keine Koloratur zu hoch. Die Arie der  Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte wurde zu ihrem Markenzeichen. Ein Kritiker schrieb dazu: „Frau Jenkins gab ihrer interpretatorischen Größe jeden möglichen Raum„.  Die Besucher kamen nicht allein der Stimme wegen: Riesige Wagenräderhüte, Pfauenfedern, extravagante barocke Kleider waren choreographisch gleichbedeutend zu ihrem „Gesang“.  Sie blieb ihrer Linie treu bis  zu ihrem Höhepunkt und Ende Anfang 1944:  Kurz nach ihrem  Auftritt in der ausverkauften New Yorker Carnegie Hall  starb sie an einem Herzinfarkt.  Man sagt, sie sei glücklich gestorben, wie nach einem erfüllten Leben.

Das außergewöhnliche Leben der Florence Foster Jenkins  von Stephen Temperley  in dem Musical „Souvenir“  beschrieben:  Zu sehen  vom 4. – 14.  Februar 2010 in den Wiener Kammerspielen.

IOCO  / Viktor Jarosch / 14.02.2010