Baden-Baden, Festspielhaus, Schumann Quartett mit Mozart und Smetana, 12.01.2020

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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Drei Brüder und eine Bratschistin – Das Schumann Quartett spielt in der Sonntags-Matinee Werke von Mozart und Smetana

Sonntag, 12. Januar 2020, 11 Uhr

Nachdem sie in gleich zwei bedeutenden Wettbewerben den ersten Platz gewonnen haben, machen die Musiker des Schumann Quartetts Weltkarriere. Am Sonntag, 12. Januar 2020, 11 Uhr, gastieren sie mit Mozarts „Hoffmeister-Quartett“ und Smetanas „Aus meinem Leben“ im Festspielhaus Baden-Baden.

Seit ihrer frühesten Kindheit spielen die drei im Rheinland großgewordenen Brüder Mark, Erik und Ken Schumann zusammen. 2012 ist die in Tallinn geborene und in Karlsruhe aufgewachsene Liisa Randalu als Bratschistin dazu gekommen. Die Vier genießen die nonverbale Kommunikation beim Musizieren: Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten treten dabei deutlicher hervor, und gleichzeitig entsteht mit jedem Werk, das sie interpretieren, ein gemeinsamer musikalischer Raum, findet eine geistige Metamorphose statt.

Festspielhaus Baden-Baden - Schumann Quartett  ©  Kaupo Kikkas

Festspielhaus Baden-Baden – Schumann Quartett © Kaupo Kikkas

Vielleicht sind diese Offenheit und Neugierde die entscheidenden Einflüsse von Lehrern wie Eberhard Feltz, dem Alban Berg Quartett oder Partnern wie Menahem Pressler, Sabine Meyer und Andreas Ottensamer.

Ihre Leistung wurde mit dem ersten Preis beim renommierten Streichquartett-Wettbewerb 2013 in Bordeaux und mit einem ersten Preis beim Internationalen Wettbewerb „Schubert und die Musik der Moderne“ 2012 in Graz honoriert.

Ihre Einspielungen sind mehrfach preisgekrönt, so wurde ihr 2017 erschienenes Album „Landscapes“ mit 5 Diapasons ausgezeichnet, war Editor’s choice beim BBC Music Magazine und gewann den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Ihr aktuelles Album „Intermezzo“ wurde mit dem OPUS Klassik 2019 in der Kategorie „Kammermusikeinspielung des Jahres“ ausgezeichnet.

Lehrer, musikalische Partner, Preise, Veröffentlichungen – gerne werden Stufen konstruiert um herzuleiten, warum viele das Schumann Quartett heute zu den besten überhaupt zählen. Die Vier fassen solche Daten eher als Begegnungen auf, als Bestätigung für ihren Weg. Sie empfinden die musikalische Entwicklung der letzten zwei Jahre als Quantensprung. „Wir haben Lust darauf, es bis zum Äußersten zu treiben, zu probieren, wie die Spannung und unsere gemeinsame Spontaneität trägt“, sagt Ken Schumann, der mittlere der drei Schumann Brüder. Versuche, ihnen einen Klang, eine Position, eine Spielweise zuzuordnen, hebeln sie charmant aus, lassen allein die Konzerte für sich sprechen.

Festspielhaus Baden-Baden - Schumann Quartett  ©  Kaupo Kikkas

Festspielhaus Baden-Baden – Schumann Quartett © Kaupo Kikkas

Seit Dezember 2016 hat das Quartett eine Residenz bei der Chamber Music Society des Lincoln Centers in New York City inne. In dieser Spielzeit geht das Schumann-Quartett in den USA auf Tour, ist zu Gast bei Festivals in Deutschland, Frankreich, in der Schweiz und den Niederlanden und gibt Konzerte in den großen Musikmetropolen Europas. Im April 2020 sind die Musiker an der Uraufführung der Oper „Inferno“ von Lucia Ronchetti an der Oper Frankfurt beteiligt.

Das 1786 veröffentlichte Streichquartett D-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello, KV 499, das sogenannte „Hoffmeister-Quartett” von Wolfgang Amadeus Mozart greift seiner Zeit in seiner vollständigen Einheit von Klang, Kontrapunkt und Melodie weit voraus und weist der musikalischen Sprache Beethovens und Schuberts den Weg. In Mozarts D-Dur-Quartett sind alle vier Stimmen gleichberechtigt. Die Melodie wird nicht einer Stimme zugewiesen, sondern erwächst aus einem pastosen, fast dauernd vierstimmigen Streichersatz von extremer Dichte und besonderer Klangschönheit – beinahe wie in Beethovens mittleren Quartetten. Am schönsten ist dies im Adagio zu hören, wo Ober- und Unterstimmen im stetigen, paarweisen Austausch eine Art „unendlicher Melodie” entfalten. Deren reiche Verzierungen und melodische Gesten sind aus den pathetischen Opernarien der Zeit abgeleitet. Das Menuett sprengt den Rahmen des Gesellschaftstanzes ebenso wie das Finale den eines Kehrauses. Mozart lässt hier mit genialer kontrapunktischer Kunst ein Thema in Triolen und eines in Duolen zunächst alternieren, um sie dann scheinbar mühelos zu kombinieren.

Obwohl der tschechische Komponist Bed?ich Smetana ein geselliger Mensch war, der zahlreiche Freundschaften pflegte und sich gern mit Kollegen über Musik austauschte, behielt er zumindest was seine eigenen Werke anging, die Dinge gern für sich. Alles zu zerdenken oder erklären zu müssen, empfand er als unnötig. Der Zuhörer werde seine Musik auch so verstehen, sagte er. Nur einmal machte Smetana eine Ausnahme: Vor der Uraufführung seines Streichquartetts Nr. 1 e-Moll verfasste er eine Kurzbeschreibung, um seine kompositorischen Absichten mitzuteilen. Denn seine vielleicht persönlichste Komposition trägt zu Recht den Titel „Aus meinem Leben“. Ähnlich wie Tschaikowsky in seinen letzten beiden Sinfonien ließ Smetana sein Leben in einem groß angelegten viersätzigen Werk Revue passieren. Er bediente sich ähnlicher musiksymbolischer und zyklischer Mittel wie sein russischer Kollege, um das Verhängnisvolle des persönlichen Schicksals, aber auch die überpersönliche Ebene des Volkslebens auf romantische Weise in Töne zu fassen. Das Programm des Quartetts hat Smetana in einem Brief wie folgt umrissen:

„Was ich beabsichtige, war den Verlauf meines Lebens in Tönen zu schildern. Erster Satz: Neigung zur Kunst in meiner Jugend, romantische Stimmung, unaussprechliche Sehnsucht. Gleichzeitig melden sich schon in diesem Beginn die Warnung vor dem künftigen Unglück und der langanhaltende Ton, das viergestrichene E, aus dem Finale; es ist dies jenes verhängnisvolle Pfeifen in den höchsten Tönen, das 1874 in meinen Ohren entstand und mir die beginnende Taubheit anzeigte… Der zweite Satz, ‚Quasi-Polka‘, führt mich in der Erinnerung zurück in das lustige Leben meiner Jugendzeit, wo ich als Komponist meine Umwelt mit Tanzstücken überschüttete, selbst als leidenschaftlicher Tänzer bekannt war usw….Der dritte Satz, Largo sostenuto, erinnert mich an das Glück der ersten Liebe zu einem jungen Mädchen, das später meine treue Gattin wurde. Der vierte Satz: Erkenntnis der elementaren Kraft der Nationalmusik, Freude über den Erfolg des eingeschlagenen Weges bis zum Augenblick der jähen Unterbrechung durch die ominöse Katastrophe: Beginn der Taubheit. Ausblick in eine freudlose Zukunft, ein kleiner Schimmer der Hoffnung auf Besserung, schließlich doch nur ein schmerzliches Gefühl. Das ist etwa der Inhalt der Komposition, die… absichtsvoll nur für vier Instrumente geschrieben wurde: sie sollen sich sozusagen im engsten Freundeskreis darüber unterhalten, was mich so bedeutungsvoll bewegt. Nicht mehr.“
Smetana vertraute den Instrumenten an, was ihn, so „bedeutsam bedrückt“ und gibt uns damit einen Einblick in sein Innerstes. Wie in einer Autobiografie lässt er sein Leben Satz für Satz Revue passieren.

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Baden-Baden, Festspielhaus, Spanisches Flair im Silvesterkonzert, 31.12.2019

Dezember 16, 2019 by  
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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Feliz Año Nuevo! – Spanisches Flair im Silvesterkonzert

Feurige Leidenschaften und spanische Rhythmen erwarten die Besucher am letzten Tag des Jahres im Festspielhaus Baden-Baden. Am 31. Dezember, 16 Uhr, stehen Ausschnitte aus George Bizets Carmen und weitere Werke mit spanischem Temperament auf dem Programm. Dargeboten von der französischen Mezzosopranistin Gaëlle Arquez, dem spanischen Tenor Joel Pietro und dem Wiener KammerOrchester unter der Leitung von Thomas Guggeis.

Festspielhaus Baden - Baden / Wiener Kammer Orchester © Lukas Beck

Festspielhaus Baden – Baden / Wiener Kammer Orchester © Lukas Beck

Was hatten Bismarck, Queen Victoria, Thomas Mann und Theodor W. Adorno gemeinsam? Sie alle waren Bizets Carmen verfallen und blieben mit ihrer Begeisterung nicht allein. Für Friedrich Nitzsche, einen ihrer ersten Fans, war die Carmen der entscheidende Anlass, um seine endgültige Loslösung von der Musik Richard Wagners zu vollziehen. Und dabei wurden hier all die Carmen-Zigarren, Carmen-Liköre und der Carmen-Strumpf noch nicht erwähnt! Bizets Oper, deren Welterfolg bei ihrer Uraufführung 1875 noch gar nicht absehbar war, ist eben beides: bedeutend und populär zugleich – ein Kunstwerk, das diesen Spagat spielend schafft. Und obgleich das Werk mit dem Mord an seiner Titelheldin endet, ist die Musik stets leicht, witzig und erotisch. Dieser Mord ist Teil der Faszination, wird Carmen doch exakt in dem Augenblick von ihrem Liebhaber getötet, in dem der Torero auf der Arena einen Stier ersticht. Carmen IST dieser Stier: Mensch und Mythos zugleich, heute würde man sagen: eine Marke, ein Star. Wenn Auszüge aus Carmen des Großteil des Silvesterkonzerts im Festspielhaus ausmachen, passt das wie der Säbel zum Torero: Vereint der Silvester in sich Weltliches mit Magischem, steht für das Vergehen wie für einen Neuanfang.

Allerdings begrüßen wir an diesem letzten Abend des Jahres ein neues Orchester, einen neuen Dirigenten und auch eine neue Solistin, da die Regierung der Insel Gran Canaria aufgrund einer angespannten Haushaltslage nach den Waldbränden des Sommers 2019 einige Projekte – auch die ihres Sinfonieorchesters – neu überdenken musste. Davon betroffen war auch die geplante Reise des Orchesters nach Baden-Baden und die dazu gehörenden Proben. Das brachte die gesamte Konzert-Produktion ins Schleudern. Entgegen bisheriger Veröffentlichungen wird am 31. Dezember 2019 an der Seite des spanischen Tenors Joel Prieto nicht Ana María Martínez, begleitet vom Orchestra Filharmónica de Gran Canaria unter Karel Mark Chicon im Festspielhaus auftreten, sondern die französische Mezzosopranistin Gaëlle Martinez die gerade ihr Debüt an der New Yorker Metropolitan Oper feierte. Als Dirigent übernimmt der junge deutsche Shooting-Star Thomas Guggeis, Kapellmeister der Staatsoper Stuttgart, der an der Staatsoper Unter den Linden für die Rettung einer Salome -Premiere groß gefeiert wurde. Nun feiert er mit dem Wiener KammerOrchester sein Baden-Baden-Debüt.

Festspielhaus Baden - Baden / Joel Prieto © Simon Pauly

Festspielhaus Baden – Baden / Joel Prieto ©
Simon Pauly

Die französische Mezzosopranistin Gaëlle Arquez gehört zu den aufstrebenden Stars der Opernwelt. Nach ihrem Abschluss am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris gab die Sängerin 2013 ihr Debüt an der Pariser Opéra Bastille als Zerlina in Michael Hanekes Don Giovanni unter der Leitung von Philippe Jordan. Seitdem wird sie an die renommiertesten Opernhäuser weltweit eingeladen. Ihr Rollendebüt als Carmen feierte sie 2016 in Barrie Koskys von der Kritik gefeierten Inszenierung in Frankfurt. Mit der gleichen Produktion gab Gaëlle Arquez ihr Hausdebüt am Londoner Royal Opera House Covent Garden und open-air sang sie Carmen beim Gstaad Festival und bei den Bregenzer Festspielen 2017 und 2018. Auch im Teatro Real Madrid und an der Bayerischen Staatsoper war sie in der Titelpartie von Bizets Oper zu erleben und 2020 debütiert sie als Carmen in China mit dem Shanghai Symphony Orchestra unter Long Yu. Sie sang Juditha in Vivaldis „Juditha-Triumphanen“ an der Niederländischen Nationaloper, Iphigénie in Glucks Iphigénie en Tauride am Théatre des Champs-Elysées und war in Cherubinis Médée am La Monnaie in Brüssel zu hören. In der aktuellen Saison tritt Gaëlle Arquez als Muse/Nicklausse in Offenbachs Hoffmanns Erzählungen an der Wiener Staatsoper und der Opéra Bastille auf . Ihr jüngster Erfolg ist eine Reihe umjubelter Aufführungen an der New Yorker Metropolitan Opera als Cherubino in Mozarts Le nozze di Figaro.

Festspielhaus Baden - Baden / Gaelle Arquez © Julien Benhamou / DG

Festspielhaus Baden – Baden / Gaelle Arquez © Julien Benhamou / DG

Seit der Tenor Joel Prieto 2008 den renommierten Operalia-Wettbewerb gewann, zählt er zu den gefragtesten Sängern seiner Generation. Er ist regelmäßig an den bedeutenden Opernhäusern und Konzertsälen zu Gast sowie bei den Festivals in Edinburgh, Spoleto, Aix-en-Provence, den BBC Proms und den Salzburger Festspielen, zuletzt in der Barrie-Kosky-Inszenierung Orpheus in der Unterwelt. Joel Prieto stammt aus Spanien, wuchs in San Juan in Puerto Rico auf und studierte an der Manhattan School of Music und am Atelier Lyrique der Opéra Paris. Von 2006 bis 2008 war er Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin, wo er als Tamino in Mozarts Zauberflöte sein Debüt gab und in der aktuellen Spielzeit als Don Ottavio auf der Bühne steht. Sein Repertoire umfasst neben den wichtigsten Tenorrollen Mozarts auch Partien, die von Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ bis zu Federico Moreno Torrobas Luisa Fernanda reichen. Er sang an der Opéra de Lausanne, am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, dem Liceu in Barcelona und war am Teatro Real in Madrid als Fenton in Verdis „Falstaff“ sowie als Kaplan in Kurt Weills „Street Scene“ an der Opéra de Monte-Carlo zu erleben. Auf dem Konzertpodium sang er Oratorien und Messen von Mozart, Beethoven und Haydn.

Festspielhaus Baden - Baden / Thomas-Guggeis © Matthias Baus

Festspielhaus Baden – Baden / Thomas Guggeis © Matthias Baus

Mit seinem kurzfristigen Einspringen für Christoph von Dohnányi bei der umjubelten Neuproduktion von Hans Neuenfels‘ „Salome“ an der Staatsoper Berlin sorgte Thomas Guggeis im Januar 2018 international für Aufsehen. Er erhielt erneut positive Rückmeldungen für sein Einspringen für die im März 2019 abgesagten Konzerte von Paavo Järvi mit der Staatskapelle Berlin. Seit der Spielzeit 2018/19 ist der 26-Jährige Kapellmeister an der Staatsoper Stuttgart, wo er u.a. La Bohème, Il barbiere di Siviglia, Der Freischütz und „Die Zauberflöte“ dirigierte. Neben seiner Tätigkeit in Stuttgart ist Thomas Guggeis an der Berliner Staatsoper unter den Linden als Assistent von Daniel Barenboim tätig. Dort dirigierte er Carmen, La traviata und „Katja Kabanova“. In dieser Spielzeit debütiert er am Pult der Staatskapelle Dresden und dem Swedish Radio Symphony. 2016 und 17 war Thomas Guggeis als Assistent von Franz Welser-Möst bei den Salzburger Festspielen tätig. Guggeis studierte Dirigieren in München und Mailand bei Bruno Weil, Marcus Bosch und Vittorio Parisi und vervollständigte seine Ausbildung durch verschiedene Meisterkurse.

Das Wiener KammerOrchester wurde 1946 von Franz Litschauer gegründet und hat sich in den 73 Jahren seines Bestehens als eines der weltweit führenden Kammerorchester etabliert. Sehr wichtig für die musikalische Geschichte des Orchesters war die Zusammenarbeit mit dem Chefdirigenten Carlo Zecchi und den Gastdirigenten Yehudi Menuhin, Heinz Holliger, Sir Neville Marriner und Ádám Fischer, welchen das Orchester lang anhaltende Impulse verdankt. Im Jahr 1946 dirigerte Benjamin Britten Orchester bei der Aufführung seiner Serenade Op. 31. 1952, im Alter von 9 Jahren, hat Daniel Barenboim sein Debüt mit dem Orchester gegeben, 1964 ist Alfred Brendel mit dem Orchester aufgetreten. In Wien tritt das Orchester zusätzlich zu den selbst veranstalteten Zyklen in zahlreichen Konzerten, u. a. im Wiener Musikverein, auf. Seit der Spielzeit 2012/13 ist das Wiener KammerOrchester am Theater an der Wien und der Wiener Kammeroper als Opernorchester tätig. Sein hohes internationales Ansehen dokumentieren die regelmäßigen Tourneen, die unter anderem nach Japan, China, die USA und Südamerika sowie nach Russland und in alle Länder Europas führten. Das Wiener Kammerorchester arbeitete mehrere Male mit dem Hamburg Ballett John Neumeier und dem Arnold Schönberg Chor zusammen und ist weltweit ein gerne gesehener Gast bei wichtigen Veranstaltern und Konzerthäusern.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Der Nussknacker – Mariinsky- Residenz, 25. & 26.12.2019

Dezember 11, 2019 by  
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Mariinsky- Residenz 21. bis 27. Dezember 2019
„Der Nussknacker“

25. Dezember 2019, 17 Uhr
26. Dezember 2019, 14 und 19 Uhr 2019

„Der Nussknacker“ – mit dem Ballettklassiker für die ganze Familie versüßen Mariinsky Ballett und – Orchester den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag

Zwischen dem weihnachtlichen Familienfest und den Träumen eines heranwachsenden Mädchens findet sich im „Nussknacker“ das gesamte Spektrum russischer Tanzkunst: wilde Pantomimen, Charaktertänze im spanischen oder orientalischen Stil, der große Schneeflockenwalzer und ein virtuoser Grand Pas de deux für das liebende Paar. Die im Festspielhaus Baden-Baden am 25. (17 Uhr) und 26. Dezember (14 und 19 Uhr) dargebotene Fassung des Mariinsky Balletts entstand 1934 und zeigt das Märchenballett in einer der schönsten unter den traditionellen Fassungen – als einen schönen Kindertraum, die letzte Reise ins Land der Süßigkeiten vor dem Erwachsenwerden.

Festspielhaus Baden - Baden / Der Nussknacker Maria Khoreva (Mascha) & Kimin Kim (Prince) in The Nutcracker by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden – Baden / Der Nussknacker Maria Khoreva (Mascha) & Kimin Kim (Prince) in The Nutcracker by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Fast sämtliche große Ballettklassiker wurden einst im St. Petersburger Marientheater uraufgeführt, so auch „Der Nussknacker“, nach der Partitur von Peter Tschaikowsky. Das Ballett über eine zubeißende Holzfigur dürfte tatsächlich das berühmteste klassische Tanzstück der Welt sein, zwischen Advent und Weihnachten steht „Der Nussknacker“ bei praktisch allen großen Ballettkompanien auf dem Spielplan. Das Märchen über Spielzeug und Schneeflocken zählt insbesondere im angloamerikanischen Teil der Ballettwelt zu den unverzichtbaren Tophits, in den USA wird im Dezember nichts anderes getanzt. Durch den „Nussknacker“ lernen die meisten Kinder das Ballett und den Spitzentanz kennen – aus dem großbürgerlichen Biedermeier-Deutschland, wo E.T.A. Hoffmanns geheimnisvolle Novelle von „Nussknacker und Mausekönig“ spielt, gelangte die Geschichte via Frankreich ins zaristische St. Petersburg und beglückte dann als Weihnachtsballett die ganze Welt.

In Hoffmanns Erzählung verliebt sich die junge Marie (im Russischen Mascha) in ihr Weihnachtsgeschenk, einen geschnitzten Nussknacker, den sie von ihrem geheimnisvollen Patenonkel Drosselmeier bekommen hat. Schlag zwölf in der Weihnachtsnacht wird das Spielzeug im Hause Stahlbaum lebendig, Marie kämpft mit ihrem Helden gegen den Mäusekönig und versinkt in einem Fiebertraum, nach dessen Ende schließlich der Nussknacker in der Gestalt von Drosselmeiers hübschem Neffen um ihre Hand anhält, um sie in sein Süßigkeitenreich zu entführen. Die 1816 erschienene Novelle war in Russland in einer französischen Bearbeitung von Alexandre Dumas dem Älteren bekannt. Marius Petipa, der Erste Ballettmeister des Zaren, straffte gemeinsam mit seinem Intendanten am Mariinsky-Theater die komplizierte Handlung so lange, bis sie ins zeitgenössische Schema der „Ballet-Féerie“, des fantastischen Ballettmärchens passte. Peter Tschaikowsky wurde mit der Partitur beauftragt, die Uraufführung fand am Nikolaustag des Jahres 1892 statt.

Im ersten Akt dominieren Erzählung, Pantomime und weihnachtliche Ausstattung, während der zweite, praktisch handlungslose Teil ein großes, virtuoses Divertissement ist, wo von Charaktertänzen im orientalischen oder spanischen Stil über große Ensembles bis zum abschließenden Pas de deux nur noch getanzt wird. Tschaikowsky schrieb eine seiner schönsten Ballettmusiken für den „Nussknacker“, mit großen romantischen Aufschwüngen und geheimnisvollen Klangfarben wie der neu erfundenen Celesta oder einem wortlos singenden Kinderchor, der den verschneiten Märchenwald ins Magische entrückt.

Als Marius Petipa zu Probenbeginn erkrankte, übernahm sein zweiter Ballettmeister Lew Iwanow die Choreografie. Er ließ 60 Ballerinen als Schneeflocken einen Walzer tanzen, ihr Kopfputz bestand aus unzähligen kleinen, weißen Wattebällchen. Anders als etwa bei „Dornröschen“ wurde nur wenig originales Schrittmaterial des „Nussknackers“ bis heute überliefert, das meiste empfanden nachfolgende Ballettmeister und Choreografen nach der traditionellen Überlieferung. So gibt es verschiedene Versionen für den Schluss, manchmal erwacht Mascha aus ihrem Traum, manchmal bleibt sie im Märchenland bei ihrem Prinzen. 1934 inszenierte der sowjetische Choreograf Vassily Vainonen im damaligen Leningrad jenen neuen „Nussknacker“, der bis heute im Mariinsky-Theater gezeigt wird. Er ließ Mascha von einer erwachsenen Ballerina tanzen, die uns ein Mädchen im Aufbruch zum Erwachsenwerden zeigt, das hier noch einmal seinen Kinderträumen nachhängt. Vainonen rückte die geschrittene, Pantomime-lastige Ballett-Féerie ein großes Stück weiter in Richtung ernsthaftes Ballett und zeigt vor allem am Ende des ersten Aktes die aufblühende Liebe zwischen Mascha und ihrem verwandelten Prinzen als fließend-romantischen Pas de deux. Den zweiten Akt beließ er als großes Fest des Tanzes.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de

Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

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Baden-Baden, Festspielhaus, Balanchines Ballettschmuckstück Jewels, 27.12.2019

Dezember 6, 2019 by  
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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Funkelnde Facetten höchster Tanzkunst – Balanchines Ballettschmuckstück „Jewels“

Zum Finale seiner diesjährigen Residenz zeigt das Mariinsky Ballett Balanchines prachtvolles Ballett „Jewels“. Mit dem funkelnden Dreiteiler in den Juwelen-Farben Smaradgrün, Rubinrot und Diamant beenden das Mariinsky Ballett und –Orchester am 27. Dezember 2019 um 19 Uhr, ihr diesjähriges Gastspiel an der Oos.

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Die Idee zu „Jewels“ entstand, so geht die Legende, bei einem Spaziergang des Choreografen vor den Schaufenstern des berühmten New Yorker Juweliers Van Cleef & Arpels. „Emeralds“, „Rubies“ und „Diamonds“ heißen die drei Teile des Werkes, sie funkeln mit unzähligen Strass-Kristallen auf den Kostümen in Smaragdgrün, Rubinrot und im klaren Weiß der Diamanten. George Balanchine zeigt damit die drei großen Traditionen des klassischen Balletts: den französischen, romantischen Stil, der in langen Tutu-Röcken zu Musik von Gabriel Fauré getanzt wird, dann die amerikanische Neoklassik, die zu jazzigen Rhythmen von Igor Strawinsky frech die Hüften kippt, und schließlich den russischen Klassizismus, der zu Tschaikowskys dritter Symphonie in einer prachtvollen Polonaise des Corps de ballet triumphiert. Abstrakt und doch voller sprechender Bilder ist „Jewels“ das erste abendfüllende Ballett überhaupt, das den Tanz zu seinem Thema macht: Die wunderbaren Tänzer des Mariinsky-Balletts zeigen den Weg des klassischen Tanzes von Paris über St. Petersburg nach New York.

Festspielhaus Baden-Baden / Mariinsky_Diamonds © Razina

Festspielhaus Baden-Baden / Mariinsky_Diamonds © Razina

Die Ausstattung greift die Farben der teuren Schmucksteine auf, sowohl auf den  Hintergrundprospekten wie in den Kostümen, die mit Myriaden funkelnder Strasssteine besetzt sind. George Balanchine aber, der Georgier, der noch am Ballett des Zarenhofes tanzen lernte, der mit den Ballets Russes die Avantgarde nach Europa brachte und schließlich New York zum Zentrum der Ballettmoderne machte, er legte so viel mehr in die drei Teile als nur die Farben Grün, Rot und Weiß. „Jewels“ zeigt die großen Epochen der Ballettgeschichte, es verfolgt, lose angelehnt an Balanchines biografischen Weg, das Ballett von seinen Ursprüngen in der französischen Romantik über den russischen Klassizismus bis zur amerikanischen, jazzigen Moderne.

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Im ersten Teil „Emeralds“ tragen die Tänzerinnen die langen Tuturöcke des romantischen Balletts, getanzt wird zu Musik von Gabriel Fauré, zu Ausschnitten aus seinen Schauspielmusiken „Pelléas et Mélisande“ und „Shylock“. Der fließende Stil und das rein weibliche Corps de ballet erinnern an die zarten, schwebenden Wesen des romantischen Balletts, gleichzeitig huldigt Balanchine der Eleganz der Franzosen. Die Bilder und die Jagdhörner in Faurés elegischer Musik evozieren verzauberte Wälder, Nymphen, einsame Prinzessinnen und ihre Kavaliere.

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Frech kippt danach „Rubies“ die Hüften nach vorne, die Ballerina fällt in einen Cakewalk und ihr Partner liefert sich mit seinen Freunden eine flotte Jagd, selbstbewusst thront eine Amazone über den Männern. Ironisch, flott und sexy ist der rote Mittelteil mit seinem kantigen Charme und seiner Broadway- Sinnlichkeit eine Liebeserklärung an das jazzige Amerika. „Rubies“ enthält das modernste Bewegungsvokabular der drei Stücke, passend zu den starken, synkopierten Rhythmen von Igor Strawinskys Capriccio für Klavier und Orchester. Die Kleidung der Tänzer ist rot, die Tutus sind auf die Kürze von Miniröcken geschrumpft.

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Im majestätischen „Diamonds“ schließlich lässt George Balanchine den Glanz  des imperialen St. Petersburger Balletts von Marius Petipa wiederauferstehen, wozu natürlich Musik von Peter Tschaikowsky gehört. Zu dessen Dritter Sinfonie, genannt „Die Polnische“, steht ein stolzes Solistenpaar im Mittelpunkt, das rein klassisch choreografierte Stück endet mit einer prächtigen Polonaise des gesamten Ensembles. Die Damen tragen die geschmückten Tellertutus, die man aus „Dornröschen“ oder „Schwanensee“ kennt, „Diamonds“ führt auch die russische Ensemble-Hiercharchie in Vollendung vor, mit der Primaballerina als Königin des Abends. Natürlich liebt man in St. Petersburg diesen letzten Teil besonders, beschließt doch die russische Klassik triumphierend den Abend. Balanchine choreografierte alle drei einzelnen Stücke in seinem bekannten neoklassischen Stil, variierte aber die Bewegungen in Details und näherte sich so der Romantik, der jazzigen Moderne und der akademischen Klassik. Prisma- Formationen oder Reihungen wie eine Edelsteinkette zeigen das Juwelen-Thema auch direkt in den Schrittfolgen. Der Dreiklang der Farben, vom sanften Schein der Smaragde über das dunkle Feuer der Rubine bis zum strahlenden Glanz der Diamanten, spiegelt sich in der Ballett-Geografie ihres Choreografen: „Emeralds“ steht für Paris, „Rubies“ für New York und „Diamonds“ für St. Petersburg. „Jewels“ entstand 1967 mitten im Kalten Krieg und symbolisierte mit seinen drei Kulturen und drei Ballettschulen auch eine Entente Cordiale, eine getanzte Völkerverständigung. Das Mariinsky-Ballett übernahm das Stück 1999, sehr früh nach der Öffnung seiner zuvor stark sowjetisch geprägten Ballettästhetik. Seitdem gehört der Balanchine-Klassiker fest zum Repertoire der St. Petersburger Kompanie.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

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