Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, Mozart – Requiem – im Konzerthaus, 17.02.2020

Februar 13, 2020 by  
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Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Mozart – Requiem – d-Moll KV 626

17. Februar 2020 – 19.30 Uhr  –  Konzerthaus Klagenfurt

Michael Balke hat sich sowohl im Opern- als im Konzertrepertoire international einen Namen gemacht. Er dirigierte Orchester in Europa, Asien und den USA und ist seit 2018/2019 ständiger Gastdirigent am Theater St. Gallen. Gemeinsam mit dem Kärntner Sinfonieorchester und dem Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt wird er neben Mozarts Requiem auch zwei Werke von Ravel und Busoni im Konzerthaus präsentieren. Angela Brower, ebenfalls auf vielen Bühnen der Welt zu Hause und im Stadttheater Klagenfurt derzeit als Cendrillon zu sehen, ist u.a. als Solistin zu hören.

Miloš Forman hat in seinem Film Amadeus die legendenumrankte Entstehungsgeschichte von Mozarts Requiem in prägnante Bilder gefasst. Die Realität war deutlich prosaischer. Das Werk wurde nach dem Tod des Komponisten im Alter von 36 Jahren von seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr vollendet. Unabhängig vom Mythos um die Entstehung des Werkes ist jedoch die anrührende Wahrhaftigkeit seiner musikalischen Sprache in der Auseinandersetzung mit dem Tod. Auch Ferruccio Busoni und Maurice Ravel näherten sich diesem Thema an.

DIRIGENT Michael Balke,  SOLI Angela Brower, Bryony Dwyer, Matteo Desole, Karl Huml
Kärntner Sinfonieorchester, Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt

Einführung zum Konzert: 18.30 Uhr, Blauer Saal (Konzerthaus)

Ferruccio Busoni Berceuse élégiaque op. 42, Maurice Ravel Le Tombeau de Couperin
W. A. Mozart Requiem d-Moll KV 626

—| Pressemeldung Stadttheater Klagenfurt |—

Lyon, Opéra de Lyon, Intendant Serge Dorny – Im Interview, IOCO Aktuell, 30.03.2019

März 30, 2019 by  
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Opéra de Lyon / Serge Dorny, Intendant Opéra de Lyon © Blandine Soulange

Opéra de Lyon / Serge Dorny, Intendant Opéra de Lyon © Blandine Soulange

Serge Dorny, Intendant der Opéra de Lyon

Im Gespräch mit Patrik Klein, IOCO

Am Tag einer Premiere sind Intendanten von Theatern immer unter besonderer Anspannung. Wir besuchten Serge Dorny, Intendant der Opéra de Lyon, zu Beginn eines jährlich stattfindenden Festivals mit drei großen Opernpremieren. Tschaikowskis Die Zauberin stand unmittelbar bevor, gefolgt von Purcell / Kalimas Version von Dido und Aeneas und schließlich Monteverdis Il Ritorno d´Ulisse. Das unter dem Motto Leben und Schicksale stehende Festival lockte viele Gäste und Journalisten aus aller Welt in das Haus an der Rhone/Saone. Auch IOCO – Kultur im Netz erhielt erstmalig eine Einladung nach Lyon, durfte das Haus mit den offenen Türen für die Menschen der Stadt und des Landes besichtigen, an Presseinformationsveranstaltungen, der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Saison 2019/20 und an den beiden ersten Premieren im großen Saal der Opéra de Lyon teilnehmen.

Das folgende Gespräch mit Intendant Serge Dorny, ab der Spielzeit 2021 übernimmt dieser die Intendanz der Bayerischen Staatsoper München, krönte den Besuch in Lyon. Im halb rund gekrümmten gläsernen Dach des Hauses in der neunten Etage sind die Büros der Geschäftsleitung untergebracht. Halboffene Großraumbüros mit spektakulärem Blick in die Stadt umranden den ganz in schwarz gehaltenen Konferenz- und Begegnungsbereich. Fotos der Stadt und Plakate vergangener Produktionen fallen ins Auge. Es herrscht eine ruhige, gelassene und konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Das ebenso offene Büro des Intendanten mit kleinem Vorzimmer liegt zentral inmitten seines Leitungsteams. Ein hübsch eingerichteter mittelgroßer Raum mit vielen CDs und Büchern, Schreibtisch und kleiner Gesprächsecke. Der Blick aus den Fenstern ist atemberaubend auf das Rathaus, die Dächer der umliegenden Häuser mit den vielen Schornsteinen und dem immer belebten Vorplatz des Opernhauses, auf dem sich die junge Generation künstlerisch betätigt mit modernen Tänzen, spektakulären musikalischen und szenischen Darbietungen, vielleicht in der Hoffnung, irgendwann einmal im Haus oder seinen verschiedenen anderen Spielstätten in der Stadt professionell dabei sein zu können. Freundlich und mit einer ansteckenden Gelassenheit empfängt mich Serge Dorny. Wir machen uns bekannt, meine Frau macht ein paar Fotos und lässt uns zum Gespräch alleine.

Opéra de Lyon / Serge Dorny, links, und Patrik Klein, IOCO © Simone Schumacher

Opéra de Lyon / Serge Dorny, links, und Patrik Klein, IOCO © Simone Schumacher

Zunächst ergriff ich die Gelegenheit, IOCO – Kultur im Netz vorzustellen: IOCO ist seit mehr als 10 Jahren in der deutschsprachigen Theaterlandschaft, besonders bei Musiktheatern gut etabliert. Über dreißig IOCO Kolleginnen und Kollegen im gesamten deutschen Sprachraum, von Wien bis Hamburg, von Berlin bis Aachen und neuerdings auch in Paris, berichten über kulturelle Ereignisse; Rezensionen zu Inszenierungen, aber auch alltägliche Kulturnachrichten, Portraits von Künstlern, Interviews sind für IOCO von Interesse.

IOCO (Latein Ich spiele) ist ein patentrechtlich geschützter Name. Der Name IOCO ist aber auch Richtung für unsere Publikationen: Künstlerisches Schaffen soll grundsätzlich mit positivem Fokus, mit Respekt begegnet werden; so dürfen bei IOCO  niemals einzelne Mängel, oder so eingeschätztes, die Wertung eines ganzen Werkes überdecken.

IOCO – Kolleg/innen besitzen langjährige kulturelle Erfahrungen und große ausgeprägte Leidenschaft für Musik- und Sprechtheater. Mit unterschiedlichsten Lebensläufen behaftet, Lehrer, Jurist, Ingenieur, Chormitglieder in Theatern oder auch Sänger/nnen berichten IOCO-Korrespondenten aus kulturellen Brennpunkten im deutschsprachigen Raum. In den sozialen Medien (insbesondere Facebook) pflegt IOCO intensiven persönlichen Kontakt mit vielen Künstlerinnen und Künstlern; die contentreiche Webseite www.ioco.de zieht tausende Besucher an. IOCO schafft, bietet so als Unternehmen kulturaffinen Menschen ein einzigartiges internationales Netzwerk und aktives Betätigungsfeld. Der Kontakt von IOCO zur Opéra de Lyon / Tanja Franke, dort zuständig für  Medienkommunikation in  Deutschland, Österreich, Schweiz entstand über Facebook.

IOCO:  Herr Dorny, Sie sind nun bereits seit 2003 Intendant der Opéra de Lyon. Sie haben ein „Opernhaus in der Provinz“ zu einem europaweit aufregenden und viel beachteten Haus mit mutigen Programmen und einer besonderen Jugend- und Sozialarbeit gemacht. 2017 wurde Ihr Haus von der Zeitschrift „Opernwelt“ zum Opernhaus des Jahres gekürt. Wie ist Ihnen das gelungen? Wie muss man sich als Hamburger, der zum ersten Mal hier vor Ort ist, Ihr Konzept vorstellen?

S.D.: Das ist natürlich eine sehr umfassende Frage, die ich aus der Historie kommend versuche zu beantworten. Man muss die Gegebenheiten ab etwa 1969 bis in die 1990er Jahre betrachten, wo der Grundstein zur heutigen Situation von meinen Vorgängern gelegt wurde. Es war auch in dieser Zeit eigentlich immer ein führendes Opernhaus, in denen Menschen wie John Elliot Gardiner in seiner Anfangszeit (GMD Lyon 1983-88), Kent Nagano (GMD Lyon 1988-98), Gerard Mortier (Oper Brüssel), Jean-Pierre Brossmann (Intendant in Lyon), Peter Jonas (English National Opera), Alexander Pereira (Oper Zürich) die wesentlichen Impulse gaben, die Oper hier in Lyon und die Oper in Europa zu prägen und zu erneuern. Beispielsweise gab es hier die Aufführung der Oper L’étoile von Emmanuel Chabrier, zu Naganos Zeiten die Oper Doktor Faust von Ferruccio Busoni oder die Uraufführung von Drei Schwestern von Peter Eötvös. Ich betrachte mich als Teil dieser Geschichte und mit meiner Handschrift versuche ich Stücke aus dem Repertoire, aber auch Entdeckungen aus der Vergangenheit wie zum Beispiel die heutige Premiere von Tschaikowskis Die Zauberin als französische Erstaufführung zu positionieren. Schauen Sie hier in die kommende Saison, wo wir von Franz Schreker Irrelohe ebenso als französische Erstaufführung bringen werden. Genauso wie die Musik von heute in unserem Haus einen festen Platz hat. In jedem Jahr bestelle ich zumindest ein neues Werk als Uraufführung für die Opéra de Lyon. Dabei waren Peter Eötvös, es kommen u.a. George Benjamin mit Lessons in Love and Violence und Thierry Escaich mit der Oper Shirine. Das sind alles Werke, die uns die Möglichkeiten geben, künftig das Repertoire zu erweitern. Das war damals wie heute wichtig, auch bei Mozart und Verdi, deren Werke bestellt wurden und die das Repertoire erweiterten. Für mich ist es wichtig, dass man ständig versucht, den Opernfundus zu erweitern. Abschließend ist für die Identität des Hauses hier in Lyon die Frage von Eminenz, wie man eigentlich das Genre Oper für die heutige Zeit relevant macht und in aktuelle Debatten einbindet. Schaut man zum Beispiel auf Verdis Macbeth, so ist Shakespeares Drama auch noch heute aktuell. Man muss immer versuchen mit der heutigen Welt in Resonanz zu stehen. Das sind insgesamt die wesentlichen Gründe, warum unser Haus in der Opernwelt anerkannt ist und vor allen Dingen bei den Menschen unserer Stadt geschätzt wird. Dies wird auch damit erreicht, dass wir viele Dinge mit der Stadt gemeinsam machen mit sozialen Einrichtungen, Gefängnissen und Schulen. Wir betrachten unsere Oper als Ressource und nicht nur als eine Traumfabrik. Die Menschen kommen nicht nur zu uns, sondern wir gehen auch zu ihnen vor Ort. Wir haben es geschafft, eine Vertrauenssituation zu schaffen und die Menschen haben das Gefühl, dass sie anerkannt worden sind und dass ihnen die Oper auch ein Stück weit gehört.

Opéra de Lyon / Konferenzbereich in der Opéra de Lyon © Patrik Klein

Opéra de Lyon / Konferenzbereich in der Opéra de Lyon © Patrik Klein

IOCO: Wie haben Sie es geschafft das junge Publikum für sich zu gewinnen und damit zu dieser hohen Auslastung von über 90 % zu sorgen?

S.D.: Man kann nicht sagen, dass man das mit einer Aktion schafft, die die Lösung darstellt. Jede Stadt bietet da auch seine eigenen Möglichkeiten. Hier bei uns haben wir eine ganze Menge an Aktivitäten gemacht, die die Frage unterstrichen, wie man ein solches Haus inmitten des Zentrums von Lyon nach außen offen gestaltet und wie eine Oper an der politischen (nicht im ideologischen Sinne) Artikulation und an der Entwicklung einer Stadt mit agieren kann. Wir stellen uns immer die Fragen: Was machen wir? Für wen machen wir es? Wie machen wir es? Die Frage ist auch, wie viele Institutionen machen noch diese meist unangenehme Selbstbefragung. Das machen wir trotzdem gerne, weil es uns hilft eine Relevanz zu erhalten. Deshalb war es essentiell für den Erfolg dieses Hauses. Man muss sich immer wieder kritisch hinterfragen, ob man das richtige Konzept hat. Es ist uns gelungen, einen konstruktiven Dialog mit der Stadt aufzubauen. Wo gibt es denn noch heutzutage Orte, wo man sich treffen kann in einer Welt, die durch die neuen Medien geprägt ist? In den Kirchen? Auf der Post? Vielleicht im Parlament? Darstellende Künste lassen doch eine gemeinsame Emotion erleben von 1100 Menschen gleichzeitig. Sie schauen gemeinsam ein Kunstwerk an und werden gemeinsam reagieren.

Opéra de Lyon / In Vorbereitung auf das Gespräch mit Serge Dorny © Patrik Klein

Opéra de Lyon / In Vorbereitung auf das Gespräch mit Serge Dorny © Patrik Klein

IOCO: Für jede Produktion im Bereich Oper wird ein spezielles Ensemble zusammengestellt aus Gästen bzw. Künstlern aus aller Welt. Welche Vorteile bzw. Nachteile hat es, nicht auf ein hauseigenes Ensemble zurückgreifen zu können?

S.D.: Lyon ist im Gegensatz zu vielen anderen Häusern, die einen Repertoirebetrieb haben ein Haus mit dem sogenannten Stagione Betrieb. Ein festes Ensemble hier in Lyon wäre fast unmöglich, weil wir nur etwa 70 bis 80 Vorstellungen im Jahr haben statt rund 180 Vorstellungen eines Repertoiretheaters. Das wäre für ein Ensemblemitglied nicht besonders interessant. Wir machen 8 bis 9 Produktionen pro Jahr und damit wäre das ökonomisch auch nicht besonders sinnvoll. Das Stagione System ist nicht geeignet für ein Ensemble, wobei wir natürlich schon für eine Neuproduktion wie heute ein Ensemble verpflichtet haben mit Menschen, die hier für über 2 Monate arbeiten. Das heißt, wir können auch idiomatisch immer ein eigenes Ensemble holen. Für Die Zauberin haben wir einen fast vollständig russischen Cast zusammengestellt. Wenn wir dann einen Don Carlos spielen zum Beispiel, haben wir die Möglichkeit, ein idiomatisch optimales Ensemble aus guten Künstlern zusammenzustellen. Das hat natürlich Vor- und Nachteile und wenn wir wie jetzt ein Festival haben, dann haben wir fast eine Kombination aus Repertoire und Stagione, da wir fast täglich eine Vorstellung spielen. Dann sind wir im Kontext mit der Stadt sogar etwas Alltägliches. (Nachfrage IOCO: War das hier in Lyon auch zu Zeiten Gardiners und Nagano schon ein Stagione Betrieb?) Ja, auch schon zu deren Zeiten. Ich habe das nicht verändern wollen. So wie Brüssel, Amsterdam, Madrid, Barcelona und Turin ist Lyon ein typisches Haus mit Stagione Betrieb. Das unterscheidet uns von den meisten deutschen und österreichischen Häusern.

Opéra de Lyon / Blick auf Lyon aus dem Büro von Serge Dorny © Patrik Klein

Opéra de Lyon / Blick auf Lyon aus dem Büro von Serge Dorny © Patrik Klein

IOCO: Worauf legen Sie Wert bei der Auswahl der Künstler, Regie, Bühnenbild,  Sängerinnen und Sänger?

S.D.: Das Konzept unseres Hauses ist gekoppelt an den dramaturgischen Gedanken. Wenn wir ein Programm gestalten, entscheide ich zusammen mit unserem Generalmusikdirektor Daniele Rustioni über ein Repertoire und die damit verbundenen dramaturgischen Gedanken. Beim Festival hat das den Kernpunkt „Leben und Schicksale“. Die Künstler suchen wir dann gemeinsam gezielt nach Vorhandensein des Repertoires aus. Also wir beantworten dann die Frage, mit wem machen wir dieses Repertoire. Es kommt der dramaturgische Gedanke, mit welchem Regisseur wir das machen. Dabei ist die entscheidende Frage, welche Handschrift, Sprache und Theater dieser Regisseur hat, wie diese zu dem ausgewählten Stück passen würde und ob sein Theater auf das kommende Stück übertragbar ist. Erst danach sprechen wir mit Dirigent und Regisseur über die mögliche Besetzung. Es ist dann so etwas wie „Type-Casting“, wenn man nach der Figur des jungen Prinzen Juri in Der Zauberin sucht. Wir sind sehr froh, dass wir den 25-jährigen Migran Agadzhanyan verpflichten konnten. Es ist uns immer wichtig, ein Gleichgewicht (Equilibrium) zwischen Rolleneignung bzw. Charakter und musikalischem Können zu finden. Wir versuchen immer unsere Produktionen glaubwürdig zu gestalten. (Nachfrage IOCO: Verlassen Sie sich bei der Auswahl ausschließlich auf Ihren Casting Chef oder mischen Sie hier selbst mit?) Das Ganze ist ein Dialog, an dem ich auch teilnehme. Regie- und Dirigentenauswahl treffe ich alleine, für die Sängerinnen und Sänger gibt es gemeinsame Gespräche, in denen das entschieden wird.

IOCO: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

S.D.: Der beginnt sehr früh und endet sehr spät (lacht).

IOCO: Wie oft besuchen Sie die Vorstellungen und Events in Ihrem Haus?

S.D.: Ich gehe nicht in jede Vorstellung, aber ich schaue mir sehr viele gerne an. Zudem bin ich in vielen Proben präsent. Die Arbeit beginnt ja nicht in der Vorstellung, sondern in den Proben. Bis zur Premiere bin ich dort sehr oft. (Nachfrage IOCO: Hören und schauen Sie sich die Proben nur an, oder mischen Sie da auch mit?) Ja, ich mische da mit. Wenn man das mit Liebe und Leidenschaft macht, dann mögen das die Mitarbeiter auch. Es hat etwas mit Vertrauen zu tun, was bei uns hier in Lyon beidseitig ist. Für mich ist das klassische Teamarbeit. Oper ist Teamarbeit. Die beginnt spätestens, wenn der Vertrag mit einem Künstler unterschrieben ist und endet mit der letzten Vorstellung. Bis dahin ist das ein Arbeitsprozess, an dem ich beteiligt bin, ja sogar beteiligt sein muss als meine Verpflichtung und meine Verantwortung.

IOCO: Sie gehen gerne Risiken ein. Wie wird sich das in der Zukunft in Lyon hör- und sichtbar darstellen? Welches Thema wird das nächste Festival haben?

S.D.: Es gibt nicht nur Risikos. Wenn ich das mache, was wir machen, gründet das auf etwas. Ich arbeite hier jetzt seit dem Jahr 2003 und das, was ich heute mache, ist nicht das Gleiche wie vor 15 Jahren. Es geht mir auch nicht um Risikos, sondern lediglich um kalkulierte Risiken. Sie als Ingenieur wissen sicher, was ich damit meine. Die Sache ist, dass man jedes Jahr eine Arbeit gemacht hat, die man weiterentwickeln kann. Es ist für mich wichtig zu versuchen, jedes Jahr weiterzukommen und daraus eine Strategie zu bilden. Dieses Jahr haben wir die fantastische Oper von Tschaikowski Die Zauberin auf dem Programm, die wie eine Ankündigung der Pique Dame daher kommt. Das ist ein typisches Beispiel.

Opéra de Lyon / Die Zauberin - hier : Die drei virtuellen Welten © Stofleth

Opéra de Lyon / Die Zauberin – hier : Die drei virtuellen Welten © Stofleth

IOCO: Sie werden der Opéra de Lyon noch bis 2021 zur Verfügung stehen. Welche Impulse wird man in der verbleibenden Zeit noch von Ihnen erwarten können? Gibt es darüber hinaus bereits Pläne für Lyon, wie sich das Haus weiter und dann ohne Sie entwickeln soll?

S.D.: Ich bin natürlich hier bis 2021 voll beschäftigt und habe noch viele Pläne für die nächste Saison, die Sie ja morgen vorgestellt bekommen. Es ist ein ambitiöses Programm gespickt mit unbekannten Werken. Ein Haus muss heutzutage mehr als in der Vergangenheit ein ambitiöses Programm haben. Ich hoffe sehr, dass diese Ambitionen für das Haus in der Zukunft auch nach meiner Zeit nicht verloren gehen. Kunst ist immer interessant, wenn ein Element des Risikos enthalten ist. Kunst darf nichts Ordinäres sein. Das ist meine Hoffnung auch für nach 2021. Die Stadt Lyon und der Staat müssen sich da Gedanken machen wie es weitergehen soll. Ich sage das oft zum Herrn Bürgermeister und zum Herrn Minister, dass man für das Haus weitere Ambitionen aufstellen muss.

IOCO: Was machen Sie privat am liebsten als Ausgleich zu Ihren vielseitigen beruflichen Aktivitäten?

S.D.: Mein Hobby ist mein Beruf. Das ist das, was mich zum glücklichen Menschen macht. Ich darf machen, was ich liebe.

IOCO: Vielen Dank Herr Dorny für das Gespräch

—| IOCO Interview Opéra de Lyon |—

Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Igor Levit – Citizen.European.Pianist, IOCO Kritik, 08.12.2018

Dezember 8, 2018 by  
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Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Igor Levit – Citizen.European.Pianist.

 Bach, Brahms, Busoni, Schumann, Liszt, Wagner

Von Albrecht Schneider

Soll die Kunst einzig um sich selbst kreisen, soll sie lediglich vom Parnass aufs Weltgetriebe herabblicken, ohne sich tief unten mit ihm gemein zu machen? Oder ist sie als dessen Kind auch zur Kommunikation, welcher Art immer, mit ihm angehalten?

Tut sie das und erhebt gelegentlich ihre Stimme, öffnen sich dafür die Ohren der Öffentlichkeit proportional zum Grad der Prominenz derjenigen, die laut wurden. Ansehen und Erfolg der Künstler/Innen jeder Gattung suggerieren dem Publikum aus ihnen spräche tiefere Einsicht in das Wesen von Mensch und Ding, in die Kunst ohnehin, obendrein auch in die Res publica. Andererseits schließen sich Künstlertum und allgemeine wie spezielle Borniertheit nicht unbedingt aus.

Tonhalle Düsseldorf / Intendant Michael Becker und Igor Levit © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Intendant Michael Becker und Igor Levit © IOCO

Nun sind die Musenkinder ob ihres Status keineswegs zur Einmischung in die aktuellen gesellschaftsrelevanten Diskurse aufgerufen oder gar verpflichtet. Somit bleibt eben die Mehrzahl stumm, manche wären besser stumm geblieben, während manche dann ihren Auftritt haben und sich hören lassen, sobald Frau und Mann ob ihres Andersseins, ihrer Fremdheit, ihres Denkens verachtet, verletzt und verfolgt werden und der Verteidigung bedürfen.

Igor Levit, der Pianist von Weltruf, ist nicht einzig an seinem Instrument ein Phänomen. Nicht minder ausdrucksvoll äußert sich mit ihm ein Citoyen, der nicht im Schutze des aufgeklappten Flügels sein Handwerk betreibt, sondern einer, der das Podium zum Podest macht und von dem herab Staat und Bürger wider predigende und handelnde Verfassungsverächter vernehmbar verteidigt.

Er eröffnete sein Solokonzert in der Düsseldorfer Tonhalle mit der Chaconne aus der Partita für Violine Solo, BWV 1004. Unter deren Klaviertranskriptionen wurde von ihm nicht jene bekanntere und pompösere von Ferruccio Busoni gewählt, sondern die des Johannes Brahms. Ausschließlich für die linke Hand gesetzt, geriet deshalb das Stück nicht zur bloßen Fingerübung, sondern Levit feierte dessen Versponnenheit und Wehmut und Grandezza, aber genauso dessen Spiellust und barocken Glanz, den es gerade durch die Umsetzung auf das moderne Tasteninstrument zusätzlich gewinnt. Nur anfangs mochte die rechte Hand arbeitslos auf dem Klavierschemelrand liegen bleiben, nach einer Weile bewegte sie sich hin zur Klaviatur, als wolle sie mit vorsichtigem Schwingen die Kollegin ermutigen. Ein Beistand, den diese nicht benötigte. Als Solistin forderte sie kraftvoll und eindrücklich dem Steinway den kunstvollen Tanz in seiner klanglichen Verschiedenheit und mit dem hämmernden Ostinatobass ab. Am Ende sorgt man sich ganz nüchtern um den Zustand der linkshändigen Finger des Pianisten.

Die ersten Tastenversuche des dreijährigen Igor verliefen unter Anleitung seiner Mutter, eine Klavierpädagogin und Korrepetitorin, noch daheim in Nischni Nowgorod. Mit neun Jahren, 1995, emigrierte der Bub mit seiner russisch – jüdischen Familie nach Hannover, an deren Hochschule für Musik, Theater und Medien, ausgenommen das Jahr am Mozarteum Salzburg, der Jüngling studierte bis zum Konzertexamen 2010. Das gipfelte in einer fulminanten Darbietung von Beethovens Diabellivariationen-.

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit © IOCO

Igor Levit sieht sich um nichts in der Welt als einen reisenden, für das profane politische Geschäft blinden Virtuosen, vielmehr als einen Künstler, der die Rechte der Stücke gleichermaßen vertreten will und wird wie die derjenigen Menschen, denen man sie allenthalben vorenthält. Sein Ton, der klingende wie der gesprochene, ist der eines in der Gesellschaft engagierten und darum mit ihr diskutierenden Individuums.

Als nächstes auf dem Programm stand neuerlich der Leipziger Kantor. Aus einigen seiner Choralvorspiele und Choralpartiten hat Ferruccio Busoni seine Fantasie nach J. S. Bach gestaltet. Das ist eine in sich gekehrte, nahezu medidative Musik, die der Komponist kurz nach dem Tode des Vaters niederschrieb. Leid färbt das Stück. Die Choräle sind eingebettet in zerfließende sanfte, auch den barocken Gestus aufgreifende und mitunter posaunenhafte Klänge, aber die trauernde Fantasie löst sich zum Schluss auf in leise, schier kraftlose dunkle Akkorde. Levit lässt den lauten wie leisen Klagen ihren Lauf.

Tonhalle Düsseldorf / Robert Schumann Bueste © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Robert Schumann Bueste © IOCO

An die drei großen B, Bach, Brahms und Busoni schlossen sich die Variationen Es–Dur über ein eigenes Thema von Robert Schumann an. Sie tragen den von wem immer angehefteten Namen Geistervariationen, da der bereits sehr kranke, von Dämonen und Geistern sich verfolgt wähnende Komponist behauptete, Engelsstimmen hätten ihm das Thema eingegeben. Wie der mit der Schumannfamilie eng verbundene Johannes Brahms bekundete, sei dies dessen letzter musikalischer Gedanke vor dem definitiven Zusammenbruch gewesen. Brahms hat ihn später in seinen Klaviervariationen op. 23 verwandt.

Die Eröffnung, also die Vorstellung dieser musikalischen >Eingebung< umfasst 28 Takte, von denen die letzten zwölf bereits als Variante der ersten sechzehn daherkommen und zudem wiederholt werden. Das Ganze hat nichts Himmlisches an sich es, es ist schlicht poetisch, fast volksliedhaft, und in dem Wissen um die Entstehungsgeschichte mag es sogar resignativ, wie eine Verabschiedung der Musik wirken. Auch in den folgenden fünf Variationen, von denen einige dem gemessenen Tempo der Ursprungsmelodie ein lebhafteres vorziehen, verharrt die wehmütige Stimmung. Der Pianist beließ dem Stück seinen Charakter, keine Milderung, keine Betonung, er spielte es so intensiv, als würde es den eigenen Gemütszustand spiegeln.

Bereits früh hat Igor Levit öffentlich zu konzertieren begonnen und damals wie später Preise und Ehrungen zuhauf eingeheimst. Als sogenannter >Starpianist< konnte er folglich bloß von einem >Kritikerpabst< wie Joachim Kaiser die höheren Weihen erhalten. Die Salbung bestand in dessen Äußerung (so die Legende), seit er (K.) ihn (L.) die Diabellivariationen habe spielen hören, habe für ihn beinahe ein neues Leben angefangen. Eine Art Kanonisierung für einen Künstler, der sich freilich im Tempelinneren der Kunst niemals mit dem Nachdenken über ihr ästhetisches Wesen begnügt, sondern der die Musik auf eine Weise zum Klingen bringt, die seine Wahrnehmung des profanen Draußen reflektiert.

Am 25. Januar 1878, mitten in der Komposition des Parsifal, meinte Richard Wagner lachend zu Ehefrau Cosima, die das in ihrem Tagebuch überliefert (Zitat): „Ich werde nun bald meine Monsieurs mit dem Radetzkymarsch ablatschen lassen.“ Gemeint ist mit der, von der Gattin wahrscheinlich kaum goutierten plebejischen Bemerkung, der Marsch der Gralsritter gegen Ende des ersten Aktes.
Franz Liszt hat sich seiner bemächtigt, und daraus ist mehr geworden als eine seiner zahlreichen Paraphrasen der Glanznummern aus populären Opern der Zeitgenossen. Dessen Feierlicher Marsch zum Heiligen Gral aus Parsifal leitete den zweiten Teil von Igor Levits Soloabend ein.

Mit getragenen, balsamisch einlullenden und vehement aufbrausendem Klängen inszenierte er gleichsam akustisch, und für diejenigen Zuhörer, die sich der Szene erinnern, womöglich sogar bildlich, das von Glockenschlägen grundierte Schreiten der Männergesellschaft, die umstehenden klagenden, die in Mitleid oder Ehrfurcht erstarrten Protagonisten sowie die engelsgleiche Stimme aus der Höhe. Das ist schon grandioses Konzertieren, mit dem, und hierhin scheint der obschon reichlich fadenscheinige Begriff zu passen, ein pianistisches Tongemälde entworfen wurde. Igor Levit, eine grazile Erscheinung in dunkelgrauem Shirt und gleichfarbiger Hose, verbeugt sich flüchtig, begibt sich an den Flügel, setzt sich auf den Hocker, ein kurzer Moment der Konzentration und er beginnt zu spielen. Sofern nicht nach dem ersten Takt ein Gegenstand im Publikum scheppernd zu Boden fällt. Er bricht jäh ab, und vor dem zweiten Einsatz geht sein kurzer mahnender Blick in nämliche Richtung.

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit und Dr. Sommer-Sorgente im Interview © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit und Dr. Sommer-Sorgente im Interview © IOCO

Mit Franz Liszts Fantasie und Fuge über den Choral: Ad nos, ad salutarem undam hat der Mann am Flügel, salopp gesprochen, alle Hände voll zu tun. Das originale, für Orgel geschriebene und eine halbe Stunde dauernde Werk hat wiederum Ferruccio Busoni frei für das Klavier eingerichtet. Zugrunde liegt ihm der gleichnamige Choral der Wiedertäufer aus Giacomo Meyerbeers heute selten aufgeführter, seinerzeit indessen gefeierter Oper: Der Prophet. Dem Opus sind alle Temperamente wie Seelenlagen einverleibt, bei ihm muss der Pianist sich einen Weg bahnen durch das Konvolut der Töne aller Stärken und Farben, er wandert gewissermaßen vom Himmel durch die Welt zur Hölle. Allerdings auch wieder zurück, nachdem er und der Flügel auf das Extremste gefordert wurden. Die Wanderung verlangt, neben einem gewissen Virtuosentum in Lisztscher wie Busonischer Manier, die spirituelle Fähigkeit zur Wahrnehmung und Wiedergabe der komplexen Textur einer solchen spätromantischen Komposition, damit trotz allen gelegentlichen Überschwangs und >Getöses< deren musikalischer Kosmos für das Publikum durchhörbar und somit verständlich gerät. Der Beherrscher aller Tasten – und eben sein Instrument! – beide bewältigten an dem Abend solche herkulische Aufgabe kongenial.

Am Ende applaudierte das Publikum enthusiastisch, es war vernehmbar angetan von Igor Levits Präsentation eines Programms, das sich abhob von dem gängigen anderer Star- und Jahrhundertpianisten. Graduierungen dieser Art sind heutzutage das unabwendbare Schicksal eines großen Künstlers, dessen intelligentes Erfassen wie dementsprechend emphatische Darbietung der Partituren ein Düsseldorfer Publikum jederzeit wahrnahm und würdigte: es entließ ihn nach der Wiedergabe zweier Kinderszenen aus Robert Schumanns op.15. Sie klangen, als ob die Musik erschöpft ausatme.

—| IOCO Kritik Tonhalle Düsseldorf |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Premiere Doktor Faust – Busoni, 15.04.2017

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / DOKTOR FAUST - Faust-A. Pöhl_-Mephistopheles-H.-J. Schöpflin © J.Quast

Theater für Niedersachsen / DOKTOR FAUST – Faust-A. Pöhl_-Mephistopheles-H.-J. Schöpflin © J.Quast

  Doktor Faust von Ferruccio Busoni

Karsamstag, 15. April 2017, um 19 Uhr: Mit dieser Oper verabschiedet sich Generalmusikdirektor und Operndirektor Werner Seitzer nach 33 Jahren vom TfN Hildeheim und empfindet die Aufführung der Busoni-Oper als einen geeigneten Schlussstein seines Wirkens in Hildesheim.

 „… ich, Faust, ein ewiger Wille!“

Mit der Produktion Doktor Faust verabschiedet sich der Operndirektor und Generalmusikdirektor des Theater für Niedersachsen in Hildesheim, Werner Seitzer, nach über 30 Jahren in den Ruhestand. Zudem zählt die Oper von Ferruccio Busoni, die am Karsamstag, 15. April 2017, um 19 Uhr Premiere feiert, als Beitrag des TfN zum Reformationsjubiläum.

Theater für Niedersachsen / DOKTOR FAUST - Faust-A. Pöhl_-Mephistopheles-H.-J. Schöpflin © J.Quast

Theater für Niedersachsen / DOKTOR FAUST – Faust-A. Pöhl_-Mephistopheles-H.-J. Schöpflin © J.Quast

Der deutsche Gelehrte Faust zählt zusammen mit dem spanischen Don Juan zu den zentralen Gestalten der abendländischen Kultur, welche die schöpferischen Geister immer wieder zur Auseinandersetzung reizten. Für sein musiktheatralisches Hauptwerk schwankte der Deutsch-Italiener Ferruccio Busoni lange zwischen beiden Stoffen hin und her, bevor er sich für den Faust des frühneuzeitlich Puppenspiels entschied. Der 1925 in Dresden uraufgeführte „Doktor Faust“ spielt zur Zeit der noch jungen Reformation überwiegend da, wo alles begann und wo auch unter Fausts Studenten heftig über Martin Luther diskutiert wird: zu Wittenberg. In einzelnen, episodischen Bildern erzählt das Werk, wie Doktor Faust mit Hilfe eines magischen Buches fünf Geister beschwört; dem sechsten verschreibt er im sprichwörtlichen Teufelspakt seine Seele. Mephistopheles tötet dafür Fausts Verfolger und beschützt ihn im Kampf gegen den Bruder eines von ihm verführten Mädchens. Am Hof von Parma hilft er ihm, die junge Herzogin zu verzaubern und sie ihrem Gatten vor der Hochzeitsnacht zu entführen. Zurück in Wittenberg erlebt der in einer Kneipe mit katholischen und lutherischen Studenten diskutierende Faust, wie Mephisto, als Kurier auftretend, sein Parma-Abenteuer in Bänkelmanier vorträgt und ihm ein totes Kind als letzten Gruß der Herzogin vor die Füße wirft. Neben dem Kinde auf verschneiter Straße liegend findet der Gescheiterte den Tod, noch in seinen letzten Worten das Fortwirken seines Strebens beschwörend: „… ich, Faust, ein ewiger Wille!“

Busonis letztes Bühnenwerk blieb ein Fragment, an dem er knapp zehn Jahre arbeitete, denn der Komponist starb noch vor Beendigung der Oper im Jahr 1924. Nach Skizzen Busonis vervollständigte sein Schüler Philipp Jarnach die Komposition. Das Premierendatum für Doktor Faust am TfN ist signifikant gewählt: Die mit den österlichen „Pax“- und „Et resurrexit“-Rufen des Chores beginnende Oper feiert am Karsamstag, 15. April 2017, Premiere und versteht sich zugleich als Beitrag des TfN zum Reformationsjubiläum 2017. Generalmusikdirektor Werner Seitzer verabschiedet sich mit dieser Produktion als Leiter des Musiktheaters in den Ruhestand. Seitzer empfindet die Aufführung der Busoni-Oper als einen geeigneten Schlussstein seines Wirkens in Hildesheim. „Es war mir immer ein Anliegen, Bildung und Unterhaltung nicht als trennende, sondern als sich gegenseitig belebende und ergänzende Elemente des Theaters erfahrbar zu machen.“

Für die Inszenierung zeichnet Uwe Schwarz – der in Hildesheim u. a.  bei „Sweeney Todd“ Regie führte – verantwortlich. Die beiden zentralen Partien der Faust-Saga übernehmen diesmal Gäste. So sind Albrecht Pöhl als Doktor Faust und  Hans-Jürgen Schöpflin als Mephistopheles zu sehen. Neben dem Orchester des TfN erlebt das Publikum zudem natürlich Solisten des Musiktheaterensembles, den Opern- und Extrachor des TfN sowie zahlreiche Statisten auf der Großen Bühne des Stadttheaters Hildesheim.

—| Pressemeldung Theater für Niedersachsen |—

 

 

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