Ulm, Theater Ulm, Premiere PREMIERE Soul Kitchen 07.03.2019

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Theater Ulm

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

PREMIERE Soul Kitchen 07. März 2019

ist das noch eine Pechsträhne oder schon der ganz normale Wahnsinn, dem man nie wieder entkommen wird?

Zinos – gespielt von Lukas Schrenk – führt eine Kneipe mit billigem Essen für geschmacksverstärkerabhängige Gaumen in einem heruntergekommenen Viertel. Ohne ersichtlichen Grund beschließt sein Leben, auseinanderzubrechen und es beginnt eine Schlitterpartie durch diverse Unglücksfälle: Zinos’ Freundin Nadine Krüger – dargestellt von Nicola Schubert – verabschiedet sich nach Shanghai, um dort die Karriereleiter zu erklimmen. Als ein Bandscheibenvorfall ihn außer Gefecht setzt, taucht plötzlich der exzentrische Koch Shayn auf, dessen Kochkünste das Stammpublikum im „Soul Kitchen“ zunächst irritieren. Das Chaos nimmt seinen weiteren Lauf, als sich Zinos‘ kleinkrimineller Bruder Illias (Benedikt Paulun) bei ihm einnistet und Steuerfahndung und Gesundheitsamt seine Witterung aufgenommen haben. Dann taucht auch noch zu allem Überdruss der Immobilienhai Thomas Neumann (Christopher Vantis), ein ehemaliger Schulkamerad Zinos‘, auf und fasst den Plan, Zinos das Gebäude billig abzukaufen, um es abzureißen und das Grundstück zu vermarkten. Zinos aber bietet allem die Stirn, und so erblühen hier und da Blumen des unmittelbaren Glücks: Als Kellner Lutz (Jakob Egger) das „Soul Kitchen“ zum Proberaum umfunktioniert, Kellnerin Lucia (Franziska Maria Pößl) ihre Leidenschaft fürs Kreative in der neuen Inneneinrichtung für das „Soul Kitchen“ auslebt und auch Shayns Küche die Gaumen der Gäste (Statisterie des Theaters Ulm) zu verzücken vermag, avanciert die ehemals schäbige Kneipe plötzlich zum Szenelokal. Durch diesen turbulenten Abend, den auch Tini Prüfert u.a. als Oma Krüger und Gunther Nickles u.a. als Herr Meyer vom Gesundheitsamt in Begleitung seines jungen Amstskollegen (Moritz Vinke) anheizen, führt Soul-Kitchen-Stammgast Sokrates, dargestellt von Stephan Clemens.

Alexander Flaches Inszenierung nach dem Kultfilm von Fatih Akin ist ein wildes, urbanes Märchen und eine zarte Hommage an einen besonderen Ort, an ein Lokal, das den Menschen zur Heimat wird. Zu erleben, wie Zinos sich diese in seinem kleinen Restaurant mit Hilfe einer selbstgewählten Familie aus Exzentrikern und Fantasten aufbaut, macht einfach Lust auf Leben – mit allen Höhen und Tiefen.

Anja Furthmann hat nicht nur für jede der eigenwilligen Figuren charakteristische Kostüme entworfen, auch ihr Bühnenbild bietet Einiges fürs Auge: Während sich auf der Vorderbühne die Kellerkneipe mit Industriecharme zum angesagten Kultladen mausert, bildet ein überdimensionierter Tisch eine zusätzliche Ebene: Über den Köpfen von Zinos und der Soul-Kitchen-Crew befindet sich die Welt außerhalb des Lokals und aus dem übergroßen Tisch wird mit effektvollen Mitteln schnell ein Flughafen oder ein Luxusrestaurant.

Für den passenden musikalischen Rahmen sorgt die Soul-Kitchen-Band: Joo Kraus (Tasten/Trompete), Korbinian Kugler (Bass) und Torsten Krill (Schlagzeug) lassen echte Probenraumatmosphäre entstehen, wenn sie mit den Schauspielerinnen und Schauspielern bekannte und unbekannte Songs – von „The Doors“ bis Janis Joplin – zum Besten geben.

Premiere am Donnerstag, den 7. März 2019 um 20 Uhr im Großen Haus

—| Pressemeldung Theater Ulm |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere: GEGEN DIE WAND, 20.06.2014

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Premiere von Ludger Vollmers „Gegen die Wand“

Premiere: Samstag, 20. Juni 2014, 19.30 Uhr – Theater Duisburg

Oper nach dem Film von Fatih Akin
Libretto vom Komponisten nach einer Idee von Dorotty Szalma
In deutscher und türkischer Sprache mit deutschen und türkischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Wen-Pin Chien Licht: Volker Weinhart Inszenierung: Gregor Horres Chorleitung: Gerhard Michalski Bühne: Jan Bammes Dramaturgie: Hella Bartnig
Kostüme: Yvonne Forster

BESETZUNG:
Cahit: Günes Gürle Yilmaz Güner: Tansel Akzeybek
Sibel: Sirin Kiliç Niko: Conny Thimander
Yunus Güner: Michail Milanov Selma: Elisabeth Selle
Dr. Schiller: Felix Rathgeber Lukas: David Laera
Birsen Güner: Sarah Ferede Maren: Caterina Mascia
Chor: Studenten der Robert Schumann Musikhochschule
Duisburger Philharmoniker
„Oper meets HipHop“ – Rapper und Breakdancer aus Duisburg
Die Gäste und Partner, die die orientalischen Instrumente spielen, werden noch bekannt gegeben.

Dass Oper nicht immer in alten Zeiten spielen muss, sondern mit packender Emotionalität auch einen heutigen Konfliktstoff darstellen kann, hat Ludger Vollmer (*1961) mit seiner Oper „Gegen die Wand“ bewiesen und damit eine der wichtigsten Gegenwartsopern geschaffen. Als Vorlage diente ihm der gleichnamige preisgekrönte Film von Fatih Akin, den er überzeugend für die Opernbühne adaptierte. Es ist die erste Oper in deutscher und türkischer Sprache, die neben klassischen Orchesterinstrumenten auch traditionelle türkische Instrumente wie Kaval und Saz verwendet und daraus eine energiegeladene und gefühlvolle Klangsprache gewinnt.

Deutsche Oper am Rhein / Gegen die Wand ©Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Gegen die Wand ©Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

„Gegen die Wand“ erzählt die dramatische Geschichte der jungen Deutschtürken Sibel und Cahit, die im Spannungsfeld zwischen Familientraditionen und den Verlockungen moderner ungebundener Lebensformen auf der Suche nach ihrer Identität sind. Sibel geht mit Cahit eine Scheinehe ein, um der Familienkonvention zu entfliehen. Davon befreit, stürzt sie sich lebens- und liebeshungrig in zahllose Affären. Cahit hingegen spürt, dass er sich tatsächlich in seine (Schein)-Ehefrau verliebt hat. Im Affekt erschlägt er einen ihrer Ex-Geliebten. Sibel verspricht Cahit, auf ihn zu warten, solange er im Gefängnis sitzt. Doch das gelingt ihr nicht. In Istanbul beginnt sie ein neues Leben.

Für dieses Werk, das 2008 in Bremen uraufgeführt wurde, erhielt Ludger Vollmer den Europäischen Toleranzpreis des Kulturforums Europa. Dazu Generalintendant Prof. Christoph Meyer: „Um ‚Gegen die Wand‘ auf die Bühne zu bringen, sind wir bereits mit türkischen und deutsch-türkischen Musikern und Sängern im Gespräch und freuen uns auf eine spannende künstlerische Arbeit bei der Begegnung östlicher
und westlicher musikalischer Traditionen. Zugleich bietet diese Oper im Ruhrgebiet spannenden Diskussionsstoff, besonders für unsere Arbeit in den Schulen.“ Duisburgs Kulturdezernent Thomas Krützberg: „Diese besondere Opernproduktion bietet uns Gelegenheit, verschiedene soziokulturelle Netzwerke mit dem Musiktheater aktiv in Kontakt zu bringen. ‚Gegen die Wand‘ gibt einen weiteren Anstoß für den intensiven
interkulturellen Dialog in unserer Stadt.“

Die Inszenierung von „Gegen die Wand“ übernehmen Gregor Horres und sein Team, die 2010 mit Jörg Widmanns zeitgenössischer Oper „Das Gesicht im Spiegel“ an der Deutschen Oper am Rhein erfolgreich debütierten.

„Gegen die Wand“ präsentiert sich in einer internationalen Besetzung: Ensemblemitglied Günes Gürle verkörpert Cahit, Sirin Kiliç, die bereits bei der Uraufführung in Bremen zu erleben war und sich zur Zeit in der gleichen Partie am Theater Freiburg präsentiert, ist Sibel. In weiteren Partien stehen die Ensemblemitglieder Sarah Ferede, Elisabeth Selle und Opernstudiomitglied Felix Rathgeber auf der Bühne. Als
Gäste begrüßt die Deutsche Oper am Rhein Michail Milanov, Tansel Akzeybek und Conny Thimander.
Die beiden Tänzerrollen übernehmen David Laera und Caterina Mascia. Studenten der Robert Schumann Musikhochschule bilden den Chor. Die Duisburger Philharmoniker spielen zusammen mit Spezialisten für türkische Instrumente unter der Leitung von Wen-Pin Chien.

Eine Besonderheit der Produktion ist die Mitwirkung von jungen Rappern und Breakdancern aus Duisburg, die sich den Namen „Oper meets HipHop“ gegeben haben und vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert werden.

„Gegen die Wand“ im Theater Duisburg:
Fr 20.06. 19.30 Uhr | So 22.06. 15.00 Uhr | Mi 25.06. 19.30 Uhr
So 29.06. 18.30 Uhr | So 21.09. 18.30 Uhr | So 05.10. 18.30 Uhr | So 12.10. 18.30 Uhr

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Premiere Junge Oper Gegen die Wand, 10.06.2010

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Oper Stuttgart

PREMIERE

Junge Oper

Ludger Vollmer

GEGEN DIE WAND

nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin
10. Juni 2010, 19 Uhr, Kammertheater Stuttgart

Weitere Aufführungen:

14.06., 15.06., 23.06., 29.06., 01.07., 05.07., 06.07. jeweils 18 Uhr, 17.06., 19.06., 24.06., 26.06., 02.07., 09.07., 10.07. jeweils 19 Uhr
Musikalische Leitung Bernhard Epstein
Regie Neco Çelik
Choreographie Kadir „Amigo“ Memis
Ausstattung Rifail Ajdarpasic (Bühne),
Ariane Isabell Unfried (Kostüme)
Dramaturgie Barbara Tacchini

Besetzung

Cahit Selcuk Cara
Sibel Tereza Chy?avová
Selma, Cousine von Sibel Catherine Cangiano
Birsen Güner, Mutter von Sibel Trine Øien
Yunus Güner, Vater von Sibel Thomas Fleischmann
Yilmaz Güner, Bruder von Sibel/
Hüseyin, Barkeeper in Istanbul Svetislav Stojanovic
Niko Carlos Zapien
Tänzerin Sonia Santiago
Tänzer Sebastian Petrascu, Onur Yildirim
Chor: Projektchor der Jungen Oper Stuttgart

Die schmerzhafte Suche nach Identität

Ludger Vollmers Oper „Gegen die Wand“ auf der Bühne der Jungen Oper Stuttgart Mit Ludger Vollmers „Gegen die Wand“ feiert am Donnerstag, 10. Juni 2010 das erste deutsch-türkische Werk der Operngeschichte im Stuttgarter Kammertheater Premiere. Die Oper wurde 2008 in Bremen uraufgeführt und beruht auf dem Drehbuch des gleichnamigen preisgekrönten Films von Fatih Akin. Die musikalische Leitung hat Bernhard Epstein. Mit ihm zusammen werden Regisseur Neco Çelik und Choreograph und Breaktänzer Kadir „Amigo“ Memis diese Neuinszenierung auf die Bühne des Kammertheaters bringen. Bereits seit Oktober vergangenen Jahres probt der Projektchor der Jungen Oper, rund dreißig Jugendliche internationaler Herkunft, für diese Produktion. Seit Mitte April sind Tänzer und Sänger mit von der Partie, allen voran als musikalische Hauptdarsteller der deutschtürkische Bariton Selcuk Cara als Cahit und die tschechische Mezzosopranistin Tereza Chy?avová als Sibel. Die weibliche Tanzpartie ist mit Sonia Santiago besetzt, die von 1997 bis 2001 als Erste Solistin beim Stuttgarter Ballett engagiert war.
Ludger Vollmers energiegeladene, emotionale Komposition oszilliert musikalisch zwischen den Kulturen: Die Abwechslung von filmisch-effektvollen Klängen einer klassischen Orchesterbesetzung auf der einen und dem orientalischen Kolorit der traditionellen türkischen Instrumente auf der anderen Seite spiegelt die schmerzhafte Suche der beiden Deutschtürken Sibel und Cahit nach Liebe und Identität, nach innerer und äußerer Heimat im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Um aus den prägenden familiären und kulturellen Strukturen auszubrechen und ein Leben nach ihren ganz eigenen Vorstellungen von Freiheit leben zu können, fasst Sibel einen folgenschweren Entschluss: Sie geht eine Scheinehe mit dem 40-jährigen lebensmüden Cahit ein. Hinter dieser selbstgebastelten Fassade fühlt sie sich frei. Dann jedoch verlieben sich Sibel und Cahit tatsächlich ineinander. Sie geraten in einen Strudel extremer Gefühle, der unaufhaltsam in die Katastrophe führt. Hauptdarstellerin Tereza Chy?avová ist überzeugt davon, dass die Thematik von Sibels und Cahits Geschichte in vielen Familien der unterschiedlichsten Kulturen aktuell ist. So fühlt sich die junge Sängerin etwa an die Situation in manch streng katholischer tschechischer
Familie erinnert. „Es geht sehr eng zu, es wird nicht über Sexualität gesprochen. Die Kinder werden zu Rebellen, aber nicht offen. Sie wahren die Fassade, spielen ein Spiel, so lange es nötig ist.“ Obwohl Tereza Chy?avová Sibels eigenwillige Vorstellung von Freiheit nicht teilt, hat sie Verständnis für Sibels Verhalten. „Jeder könnte so sein wie sie.“

Pressemeldung Oper Stuttgart