Schwerin, Mecklenburgisches Staatstheater, DER ROSENKAVALIER – Richard Strauss, 12.04.2019

mst_neu_logo2016neu_40

Mecklenburgisches Staatstheater

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

 DER ROSENKAVALIER –  Richard Strauss

Premiere 12. April 2019

Schwelgende Walzerseligkeit, zarte Melancholie, subtile Erotik und verspielte Burleske gehen in Richard Strauss Oper Der Rosenkavalier Hand in Hand. Zusammen mit seinem kongenialen Librettisten Hugo von Hofmannsthal lässt Strauss in seiner leichtfüßig daherkommenden, komödiantischen Oper die längst versunkene Rokoko-Noblesse des alten Wien noch einmal aufleben. Inszeniert von Toni Burkhardt, unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Huppert und mit einem Bühnenbild von Wolfgang Kurima Rauschning und Kostümen von Adriana Mortelliti feiert die Oper am 12. April 2019 Premiere im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters.

Uraufgeführt 1911 in Dresden, erzählt Der Rosenkavalier von gelebter Leidenschaft und dem Fluch der verrinnenden Zeit: Von einer leidenschaftlichen Liebesnacht noch völlig umnebelt erwachen die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg und ihr junger Liebhaber Octavian im fürstlichen Schlafgemach. Der gemeinsame Morgen wird allerdings durch den plötzlichen Besuch des Baron Ochs auf Lerchenau gestört. Für seine Hochzeit mit Sophie von Faninal ist dieser auf der Suche nach einem Rosenkavalier, der, einem alten Brauch folgend, der Braut vor Erscheinen des Bräutigams eine silberne Rose überreichen soll. Octavian versucht der Situation unbemerkt zu entkommen, indem er sich als Zofe Mariandl verkleidet. Unglücklicherweise ist der Baron von Mariandls Anblick so angetan, dass nur noch ein cleverer Einfall der Marschallin Octavian zur Flucht verhilft: Sie schlägt ihren jungen Liebhaber als Rosenkavalier vor. Es kommt wie es kommen muss und der junge Octavian und Sophie verlieben sich bei der Übergabe der Rose ineinander. Von der Eifersucht gepackt fordert der Baron Ochs den jungen Octavian zum Duell heraus.

Die Sopranistin Karen Leiber gibt die Partie der Marschallin im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters. Die Marschallin ist die tragende Figur dieser Oper, denn sie ist der personifizierte Konflikt zwischen der Angst vor dem Älterwerden und der resignierten Akzeptanz, dass der Lauf der Dinge nicht aufgehalten werden kann, sodass sie schließlich der jugendlichen Verliebtheit mit zärtlicher Entsagung das Feld räumt.

Premiere  12.04.2019 18 Uhr,  Mecklenburgisches Staatstheater

Der Rosenkavalier  –  Komödie in drei Aufzügen von Richard Strauss
Libretto von Hugo Hofmannsthal  –  In deutscher Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Daniel Huppert, Inszenierung: Toni Burkhardt, Bühnenbild: Wolfgang Kurima Rauschning, Kostüm: Adriana Mortelliti, Choreinstudierung: Friedemann Braun, Dramaturgie: Peter Larsen

Mit:  Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg: Karen Leiber, Baron Ochs auf Lerchenau: Andreas Hörl, Octavian: Hanna Larissa Naujoks, Herr von Faninal, ein reicher Neugeadelter: Yoontaek Rhim, Sophie, seine Tochter: Nienke Otten, Jungfer Marianne Leitmetzerin, die Duenna: Ks. Petra Nadvornik, Valzacchi, ein Intrigant: Christian Hees Annina, seine Begleiterin: Itziar Lesaka, Ein Polizeikommissar/Ein Notar: Sebastian Kroggel, Der Haushofmeister beim Herrn von Faninal: Paul Kroeger, Der Haushofmeister bei der Feldmarschallin: Paul Kroeger, Wirt 1+ 2: Paul Kroeger, Ein Sänger/Ein, Tierhändler: Stefan Heibach, Eine Modistin: Katrin Hübner, Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin  Opernchor, Statisterie des Mecklenburgischen Staatstheaters

—| Pressemeldung Mecklenburgisches Staatstheater |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Der Rosenkavalier von Richard Strauss, IOCO Kritik, 21.02.2018

Februar 21, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Nationaltheater Mannheim, Oper

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 Der Rosenkavalier von Richard Strauss

„Im Reich der Klangfarben“

Von Uschi Reifenberg

Zu einem Opernabend der Superlative geriet der Rosenkavalier am Nationaltheater Mannheim in der Wiederaufnahme von Olivier Tambosi aus dem Jahre 1997. Nicht nur das herausragende Dirigat von Alexander Soddy, das beglückend aufspielende Orchester, sondern auch das in nahezu allen Rollen exzellent gestaltende hauseigene Ensemble ließ die “Komödie für Musik“ zu einem „ festlichen Opernabend“ werden.

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier vl Maria Markina als Octavian und Astrid Kessler als Marschallin © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier – hier vl Maria Markina als Octavian und Astrid Kessler als Marschallin © Hans Jörg Michel

Der Rosenkavalier von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ist eines der meist gespielten Werke der Opernliteratur und eine der genialsten musikalischen Komödien überhaupt. Nach den eher düsteren antiken Stoffen von Salome und Elektra drängte es Strauss zu einem heiteren, leichten Stoff nach mozartschem Vorbild. Die von Hofmannsthal 1909 erfundene Komödienhandlung vermittelt ein lebendiges Wiener Sittenbild aus der Zeit Maria Theresias um 1740. Stilmittel der opera buffa wie Verkleidung, Verwechslung und Intrigen fehlen ebenso wenig wie die Typencharaktere von Zofe, Notar oder Medicus. Auch die Hosenrolle des Octavian verweist auf Mozarts berühmtes Vorbild, den Cherubino in Figaros Hochzeit.
Beschritt Strauss in den Opern Salome und Elektra den Weg in die musikalische Avantgarde mit hochexpressiven Dissonanzverbindungen, die bis an die Grenzen der Tonalität führten, so wandte er sich im Rosenkavalier wieder der traditionellen Kompositionsästhetik des 19. Jahrhunderts zu. 1909 komponierte Arnold Schönberg die Klavierstücke op. 11, die in ihrer Atonalität als ein Fundament der modernen Musik gelten. In diesem Kontext fungiert der Rosenkavalier – 1911 in Dresden uraufgeführt – mit seiner Rokoko- Verspieltheit, Walzerseligkeit und Maskerade auch als Gegenentwurf einer kunstvoll verklärten Epoche zu den konsequenten Entwicklungen der Moderne.

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier vl Thomas Berau, Estelle Kruger, Patrick Zielke als Baron Ochs auf Lerchenau und Nikola Hillebrand als Sophie © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier – hier vl Thomas Berau, Estelle Kruger, Patrick Zielke als Baron Ochs auf Lerchenau und Nikola Hillebrand als Sophie © Hans Jörg Michel

Die Vergänglichkeit, das unausweichliche Verrinnen der Zeit, das von der Marschallin in ihrem Monolog melancholisch reflektiert wird, durchzieht wie ein Leitfaden das gesamte Werk: „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie.“ Die Resignation angesichts ihres nahenden Alters verwandelt die Marschallin am Ende der Oper in weisen Verzicht und Altersmilde, ähnlich dem Hans Sachs in Wagners Meistersingern. Wahre Größe beweist sie, wenn Sie ihren jungen Liebhaber Octavian seiner gleichaltrigen geliebten Sophie zuführt.

  Inszenierung von Olivier Tambosi – 1997

Die Inszenierung von Olivier Tambosi von 1997 verzichtet konsequent auf historisierendes Ambiente und lässt durch Reduktion der Bühnenbilder und ausladende farbige Räume viel Platz für eine differenzierte Personenführung. Frank Philipp Schlössmann zeichnet verantwortlich für die Bühne und die farbenprächtigen Kostüme. Den 1. Akt prägt ein blauer Innenraum mit großem Wandspiegel, dessen Boden mit Silberpapier ausgekleidet, Wasser und Wellen symbolisiert. In der Mitte steht ein Boot, das dem Liebespaar Marschallin – Octavian als Bett dient. Faninals Palast erstrahlt in gleißendem Weiß, an dessen Wänden zahlreiche kleine Kanonen angebracht sind, was der Szene einen surrealen Charakter verleiht. Das Bühnenbild des 3. Aktes ist in leuchtendem rot gehalten, bestückt mit einem geneigten Holzgehäuse als „Beisel“, welches am Ende entrümpelt wird und auseinander driftet. Zurück bleibt ein einsames Bett vor blauem Hintergrund, anknüpfend an das erste Bild, in welchem nun die jungen Liebenden ihr Schlussduett singen.

Astrid Kessler gestaltet eine fragile, jugendliche Marschallin mit höhensicherem, in allen Lagen ausgeglichenem lyrischen Sopran und findet in ihrem Zeitmonolog zu sensiblen Zwischentönen, beseelten piani und anrührender Melancholie im Bewusstsein des Alterns, der Verwandlung und des Abschieds. Beeindruckende Leuchtkraft entwickelt ihr Sopran im ausdrucksstarken Schlussterzett. Patrik Zielke stattet den bäurisch-dionysischen Baron Ochs auf Lerchenau mit machohaftem Dünkel aus, vor dessen handgreiflichen Avancen kein weibliches Wesen sicher ist. Mit seinem höhensicherem Bass und viel Sinn für den hintergründigem Humor der Hofmannsthalschen Dichtung lässt er auch in puncto Textverständlichkeit keine Wünsche offen.

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier - hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Der Rosenkavalier – hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Maria Markina als Octavian schlüpft virtuos in die verschiedenen Verkleidungen und überzeugt sowohl als feinsinniger Aristokrat und Überbringer der silbernen Rose wie als unbedarftes Mariandl vom Land. Ihr voluminöser Mezzo weist deutlich ins dramatische Fach und besticht mit schöner Phrasierung der weit geschwungenen Strauss‘schen Bögen.  Nikola Hillebrand ist als Sophie das perfekte Wiener Madl. Glaubhaft gestaltet sie die Entwicklung vom Aufkeimen ihrer ersten Liebe zur selbstbewussten jungen Frau.
Ihr heller Sopran schwingt sich in silberne Höhen und scheint nach oben keine Grenzen zu kennen. Im magischen Moment des gegenseitigen Sich- Erkennens scheint die Zeit still zu stehen und man möchte „zum Augenblicke sagen: verweile doch, du bist so schön.“

Thomas Berau als neureicher Waffenhändler Faninal, der seine Tochter Sophie an Ochs verschachern möchte, beeindruckt mit großer Stimme und heldischem Aplomb. Als Valzacchi überzeugt Christoph Diffey mit klarem hellen Tenor und Marie-Belle Sandis gibt seiner Mitstreiterin Annina mit volltönendem und tragfähigem Mezzo Charakterschärfe. Als vorzügliche Leitmetzerin gefällt Estelle Kruger mit strahlenden Spitzentönen. Andreas Hermann verströmt als Sänger üppigen Belcanto -Wohlklang und als Wirt erfreut Uwe Eikötter mit markantem Charaktertenor. Tibor Brouwer gestaltet sowohl den Notar als auch den Polizeikommissar mit schön timbriertem Bariton. Des Weiteren runden Jung-Woo Hong, Markus Grassmann, Lara Brust, Leah Weisbrodt und Aglaia Ast das hervorragende Ensemble ab.
Alexander Soddy und das Nationaltheater Orchester liefern ein wahres Feuerwerk an Klangfarben und ziehen alle Register ihres Könnens. In den kammermusikalisch intimen Momenten mit Detailausformung, feiner Präzisierung, wunderbar austariertem Holzbläsersoli, perfekt balanciertem Blech, expressiv wogenden Klangschichtungen mit dramatischen Zugriff bis zum orgiastischen Walzertaumel leuchtet Soddy alle Facetten der Strauss‘schen Tonsprache aus. Tadellos auch Chor und Kinderchor des Nationaltheaters.

Das begeisterte Publikum im ausverkauften Opernhaus entließ alle Mitwirkenden erst nach langem Beifall.

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—