Linz, Landestheater Linz, On the Town von Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 07.06.2017

Juni 7, 2017 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

ON THE TOWN von LEONARD BERNSTEIN

Premiere 4.6.2017, die weitere Vorstellungen 26.6.2017 und 7. Juli 2017; Ausverkauft!

Von Marcus Haimerl

1944, inmitten des Krieges, schufen Leonard Bernstein und der Choreograf Jerome Robbins das Musical On The Town über die drei Matrosen auf ihrem 24-stündigen Landgang in New York.

Landestheater Linz / Musical On the town, - Gernot Romic, Ariana Schirasi-Fard © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Musical On the town, – Gernot Romic, Ariana Schirasi-Fard © Reinhard Winkler

Die Idee kam von Bühnenbildner und Produzent Oliver Smith, der von Bernsteins und Robbins Ballett Fancy Free so beeindruckt war, dass er auf eine Fortsetzung drängte. Für Buch und Songtexte holte Bernstein seine Freunde Betty Comden und Adolph Green an Bord.  Fast sechs Monate wurde geschrieben und viel über die Handlungsorte diskutiert. Man wollte nicht nur die Geschichte der drei Matrosen auf die Bühne bringen, es sollte gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Metropole New York werden. Auch sollte bei aller Leichtigkeit des Stücks und Überzeichnung der Figuren deren Menschlichkeit nie aus den Augen verloren werden.

Die drei Matrosen Gabey, Chip und Ozzie wollen sich auf ihrem 24-stündigen Landgang amüsieren und begeben sich auf ihrer Tour durch die Stadt auf die Suche nach Frauen, mit denen sie den Abend verbringen können. Gabey, ein Träumer, entdeckt ein Plakat der „Miss Turnstiles“ („Miss Drehkreuz“) des Monats Juni, im wahren Leben Ivy Smith, welche Gesang und Malerei studiert und sich das Geld für die Ausbildung als Bauchtänzerin auf Coney Island verdient. Gabey verliebt sich und auf der Suche nach der jungen Unbekannten trennen sich die drei Helden am Times Square. Chip landet bei der resoluten Taxilenkerin Hildy und Ozzie bei der sexbesessenen Anthropologin Claire de Loone. Gabey findet seine Ivy schließlich im Gesangsunterricht bei Madame Dilly. Gerne würde sie mit Gabey den Abend verbringen. Um sich aber peinliche Erklärungen zu ersparen, erteilt sie ihm eine Abfuhr. Beim Wiedersehen am Times Square präsentieren Chip und Ozzie ihre Herzdamen und man versucht Gabey auf einer Tour durch New Yorks Nachtclubs wieder aufzuheitern. Im Morgengrauen auf Coney Island erkennt Gabey schließlich in einer leichtbekleideten Bauchtänzerin seine Ivy. Doch schon ist es auch wieder Zeit am Pier voneinander Abschied zu nehmen. Kaum sind die drei an Bord stehen drei neue Matrosen zu ihrem 24-stündigen Landgang am Pier.

Landestheater Linz / Musical On the town - Ruth Fuchs, Lynsey Thurgar, Anais Lueken © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Musical On the town – Ruth Fuchs, Lynsey Thurgar, Anais Lueken © Reinhard Winkler

Das Landestheater Linz hat dieses flotte, klassische Musical in einer konzertanten, halbszenischen Aufführung auf die Bühne gebracht. Es wird also nicht ausschließlich gesungen, sondern auch intensiv gespielt, eine Balletteinlage inklusive. Gesungen wird auf Englisch, die Dialoge sind auf Deutsch.
Für musikalischen Wohlklang auf höchstem Niveau sorgte das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung ihres Chefdirigenten Dennis Russel Davies. Der Chefdramaturg der Wiener Volksoper, Christoph Wagner-Trenkwitz, führt als Erzähler humorvoll durch den Abend und beeindruckte auch mit einem kurzen Gesangsstück.

Als Gabey überzeugte der junge Bariton Peter Lewys Preston mit der für diese Partie notwendigen Portion an Verträumtheit in Stimme und Spiel. Der niederländische Tenor Rob Pelzer, langjähriges Mitglied des Musicalensembles des Landestheater Linz, ist als Ozzy optimal besetzt. Die beeindruckendste Leistung kam jedoch vom dritten im Bunde, Gernot Romic als Chip, der sich mit der perfekten Portion Slapstick und schön geführter Tenorstimme durch den Abend sang und auch vor Akrobatikeinlagen nicht zurückschreckte.

Auch die Damen des Abends müssen den Vergleich nicht scheuen. Anaïs Lueken als Anthropologin Claire de Loon weiß ihren schönen, schlanken Sopran einzusetzen und Ariana Schirasi-Fard ist als Taxifahrerin Hildy Esterhazy in punkto Humor ihrem Partner Chip absolut ebenbürtig und überzeugt mit schönem, kräftigen Mezzo. Als zierliche Ivy Smith sang sich Ruth Fuchs in die Herzen des Publikums und Karen Robertson ist eine wuchtige Madame Dilly die mit ihrem gewaltigen Sopran keine Wünsche offenließ. Großartige Leistungen auch von Tomaz Kovacic als Pitkin W. Bridgework, Daniela Dett als Lucy Schmeeler, Diana Dream und Dolores Dolores, sowie dem Ensemble.

Großer Jubel und Ovationen bescherten dem begeisterten Premierenpublikum Some other time als Zugabe. Erst der koordinierte Abgang von Ensemble und Orchester konnten dem anhaltenden Applaus ein Ende setzen.

 

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