Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Albert Herring – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 25.07.2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

  ALBERT HERRING   –  Benjamin Britten

– Eine herrlich leichtfüßige Gesellschaftsparodie –

von Uschi Reifenberg

Benjamin Britten Büste in Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Büste in Aldeburgh © IOCO

Nach der überaus schwierigen und herausfordernden Spielzeit 20/21 setzte das Nationaltheater Mannheim nun mit einer humorvollen und farbenfrohen Neuinszenierung von Benjamin Brittens komischer Oper Albert Herring in der Regie von Cordula Däuper und der musikalischen Leitung von GMD Alexander Soddy einen gelungenen und vergnüglichen Schlusspunkt.

Benjamin Brittens vierte Oper kommt als herrlich leichtfüßige Gesellschaftsparodie daher, eine Kammeroper, in der dreizehn Musiker, (den Dirigenten eingeschlossen), einem dreizehnköpfigen Sängerensemble auf der Bühne gegenüberstehen. Hier wimmelt es von skurrilen Typen und schrägen Charakteren, eine veritable Satire auf die spießige Verklemmtheit in einer englischen Kleinstadt am Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Albert Herring – Nationaltheater Mannheim
youtube Trailer Nationaltheater Mannheim
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Noch hatte das britische Empire zu dieser Zeit die Fesseln des Viktorianischen Zeitalters nicht vollständig abgestreift, es herrschen Prüderie, Doppelmoral und Standesdünkel, Außenseiter werden gemobbt und gesellschaftlich geächtet.

Brittens zentrales Thema kreist immer wieder um das Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft wie in den tragischen Stoffen Peter Grimes, den er zwei Jahre zuvor komponiert hatte, in Billy Budd oder auch Death in Venice. Da Britten mit dem Tenor Peter Pears seine Homosexualität offen lebte, diese aber in England erst 1967 legalisiert wurde, befand er sich selbst als populärer Außenseiter in einer gesellschaftlichen Grauzone.

Britten schrieb 1946/47 die komische Oper Albert Herring in drei Akten und fünf Bildern für seine „English Opera Group“, die er eigens zur Verbreitung englischer Opern und seiner eigenen Werke gegründet hatte. Das Libretto verfasste Eric Croizier nach der Novelle von Guy de Maupassant   Der Rosenjüngling der Madame Husson.

1947 in Glyndebourne uraufgeführt, sprudelt dieses Kammermusikalische Kleinod nur so von parodistischen Einfällen, Witz, Ironie, und überraschenden Pointen. Der stilistische Zitatenreichtum und die vielfältigen musikalischen Verweise reichen quer durch die Musikgeschichte, von Purcell über Wagner, traditioneller italienischer Oper, englischer Volksmusik bis hin zu Kurt Weill und Musicals. Jeder Figur ist ein musikalischer Stil zugeordnet, der die jeweiligen Charaktere unterstreicht oder parodiert.

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring - hier : Christopher Diffey und Ensemble @ Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring – hier : Christopher Diffey und Ensemble @ Hans Joerg Michel

Der Handlungsablauf ist überschaubar: Im fiktiven Küstenstädtchen Loxford soll dem moralischen Verfall Einhalt geboten werden. Die selbst ernannte Tugendwächterin Lady Billows will -zusammen mit einem Sittenkomitee – bestehend aus  Bürgermeister, Pfarrer, Polizist, Lehrerin und ihrer Haushälterin, die Maikönigin ausrufen, die für Alle ein Vorbild an Tugend und Sittsamkeit sein soll. Da es im Dorf aber kein Mädchen gibt, das diesen Ansprüchen genügt, wird ein junger Mann vorgeschlagen, Albert Herring. Etwas einfältig und verklemmt wie er ist, schuftet er brav im Gemüseladen seiner Mutter, die ihn gehörig unter der Fuchtel hat.  Bei der Krönung zum „Maikönig“ auf dem Festplatz, schütten ihm das befreundete jugendliche Pärchen Sid und Nancy Rum in die Limonade. Dadurch dermaßen enthemmt, macht Albert sich nachts heimlich aus dem Staub, stürzt sich ins Nachtleben, und erlebt- erlöst von seinen inneren Zwängen, endlich geistige und sexuelle  Befreiung. Da er noch am nächsten Tag verschwunden bleibt, wird er von der gesamten Sippschaft für tot erklärt, bis er plötzlich total ramponiert erscheint. Er weist seine nun erboste Mutter in die Schranken und macht sich auf, ein neues, selbstbestimmtes Leben zu beginnen.

Benjamin Britten Wort - in seiner Heimat Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Wort – in seiner Heimat Aldeburgh © IOCO

Das Inszenierungsteam um Cordula Däuper hat eine fantastisch bunte Welt geschaffen, in der uns ein schrilles und surreales Arsenal an Figuren und Bildern überwältigt.

Der Bühnenraum wird ausgefüllt von einem riesigen, leicht schräg ansteigenden Tisch, der weit in den Hintergrund verlängert ist und als Spielfläche für das gesamte Stück dient. (Bühnenbild: Friedrich Eggert).  Darauf ist gewissenhaft ein Großmutter-Spitzendeckchen drapiert, auf welchem die Haushälterin Mrs Pike im Zimmermädchen-Look staubsaugt. (Kostüme: Sophie du Vinage). Es herrscht Ordnung und Sauberkeit.

Cordula Däuper tischt humorvoll und detailverliebt ein Kaleidoskop an Stilen und historischen Bezügen vom Barock bis zur Gegenwart auf, das bestens mit Brittens origineller und einfallsreicher Partitur korrespondiert. Die Figuren sind treffend karikiert, teils bis ins Groteske überzeichnet, werden aber in ihrer psychologischen Struktur und Scheinheiligkeit entlarvt.  Denn hinter der Fassade der bürgerlichen Wohlanständigkeit brodelt es gewaltig, tun sich ungeahnte Abgründe auf.

Moralische  Erstarrung, die Angst vor Erneuerung und Erweiterung der fest gefügten Gesellschaftsordnung zwingt die eingeschworene Gemeinde zu sinnentleerten Ritualen, die Opfer fordern. Erst im Bewusstsein von Alberts Tod im 3. Akt blickt man hinter die Fassaden, zeigen die Dorfbewohner Reue und echte Betroffenheit.  Die bunte Zuckerwatten-Welt weicht einer grau -trüben Realität.  (Licht: Damian Chmielarz). Gezeigt wird nun die Tristesse hinter der Idylle. Farblose Häuser senken sich von oben herab, ähneln Brittens Haus in Lowestoft. Ergreifend vereinen sich die neun Stimmen der Akteure zu einem Klagegesang von großer Intensität und echter Trauer.

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring hier Ensemble @ Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring hier Ensemble @ Hans Joerg Michel

Cordula Däuper verkleinert nach Herzenslust ins Miniaturformat  oder vergrößert ins Überdimensionale wie beim Festessen, wenn knallbunte riesige Kuchen, Gläser oder Pommes Teller hereingefahren werden, in denen sich die Honoratioren der Stadt genüsslich suhlen.

Witzige „Verzwergungen“ erfahren der Obstladen von Alberts Mutter, aus welchem sich wie aus dem Kasperle-Theater Albert herauszwängt. Anrührend ist die Szene, wenn sich Alberts Mutter beim vermeintlichen Tod ihres Sohnes  verzweifelt in sein winziges  Kinderbettchen hineinlegt. Wir treffen außerdem  den virtuosen Puppenspieler (Christian Pfütze) wieder, der mit Albert-Marionette die verdoppelten Identitäten respektive dessen alter ego treffend konterkariert und seine geheimen Wünsche und Sehnsüchte sichtbar macht. Am Ende ist es Albert selbst, der die Fäden der Marionette durchschneidet, eine symbolstarke und bewegende Geste.

Fast gruselig taucht immer wieder der monströse Puppenkopf der Mutter auf, eine Art Über-Ich Alberts, das ihm jegliche Sinnenfreuden oder Lebenslust verbietet. Einschüchternd  droht eine riesige Pranke, die den wehrlosen Jungen fest im Griff hat. Unsicher und zweifelnd sieht sich das  Muttersöhnchen im Spannungsfeld von Selbstbestimmung und Pflichterfüllung, noch unfähig, sich seine Träume und Hoffnungen einzugestehen.

Christopher Diffey als Albert Herring mit biederer, mädchenhafter Frisur, Latzhose und Gummistiefeln, zeigt überzeugend die Entwicklung des bis zur Selbstverleugnung angepassten  Jungen zum selbstständig handelnden Individuum, zunächst mit fein gezeichneten lyrischen Tenorfarben. Später, wenn er sein bis dahin ungelebtes Leben im Monolog reflektiert, gibt er der Stimme zunehmend Glanz und Format. Mit kraftvollen und eindringlichen Aufschwüngen lehnt er sich gegen sein vermeintliches Schicksal  auf.

Benjamin Britten Grab in Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Grab in Aldeburgh © IOCO

Das Sängerensemble besticht weiterhin durchweg mit vokalen und darstellerischen Glanzleistungen:  Caroline Wenborne gibt der Moralapostelin Lady Billows mit barockem Pomp und royaler Attitüde zweifelhafte Autorität und beherrscht ihre kleinstädtischen Untergebenen mit ihrem voluminösem dramatischem Sopran und exzellenter Bühnenpräsenz.

Das junge Liebespaar Sid und Nancy, quietschbunt und rockig ausstaffiert, verkörpert die Selbstbestimmtheit  einer neuen Generation, die ihre Gefühle auslebt und Einschränkungen nicht akzeptiert. Ilya Lapich mit klar fokussiertem Bariton, der als kluger Schnapsmischer den Stein ins Rollen bringt und Shachar Lavi mit schönem und leicht ansprechenden Sopran, agierten bestens aufeinander abgestimmt.

Florence Pike ist in ihrer moralischen Eilfertigkeit fast noch kompromissloser als Lady Billows, sie wird von Almuth Herbst mit herrlicher Ironie und viel stimmlicher Leuchtkraft ausgestattet.

Estelle Kruger besticht als hibbelige Lehrerin Miss Wordsworth mit funkelnden Koloraturen und herrlich spiessigem Habitus. Den selbstgefälligen, kleinbürgerlichen Bürgermeister Mr. Upfold gestaltet Jonathan Stoughton mit heldentenoraler Durchschlagskraft und klischeehaftem Politiker-Gebaren.

Einmal mehr bestätigt Thomas Jesatko seine Vielseitigkeit. Mit flexiblen und ausladendem Bariton verwandelt er die wolkigen Phrasen des Pfarrers und seine Predigt über die Tugend in puren Wohllaut.

Julia Faylenbogen stattet Alberts Mutter mit satten klangschönen Mezzofarben aus, akzentuiert mit ihrer Resolutheit und wirkt anrührend im Schmerz um den vermeintlichen Verlust ihres Sohnes.

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring - hier : Christopher Diffey, Caroline Wenborne, KS. Thomas Jesatko, Almuth Her @ Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Albert Herring – hier : Christopher Diffey, Caroline Wenborne, KS. Thomas Jesatko, Almuth Her @ Hans Joerg Michel

Das Dorfestablishment wird komplettiert vom Polizisten Budd, der als erster Albert als Maikönig vorschlägt. Bartosz Urbanovicz rundet die Sängerriege mit schönem und vollem Bass ab. Quirlig und stimmlich tadellos wirbeln Nayun Lea Kim, Alma Ruoqui Sun und Constantin Jacob als Kinder aus dem Dorf über die Bühne.

GMD Alexander Soddy, schließlich,  und die solistisch besetzten Orchestermusiker:  Sie alle musizieren und agieren, dass es eine Freude ist, perfekt gelingt die Harmonie zwischen Bühne und Instrumentalisten, jede Regung der Sänger wird im Orchestergraben  nuanciert beantwortet. Mit schlankem, kammermusikalischen Klang lässt Alexander Soddy Brittens Melodik schillern und versteht sich bestens auf das stilistische Kunterbunt. Die pointenreiche, satirische Tonsprache ist bei ihm in den besten Händen. Humorvoll werden die musikalischen Anspielungen präsentiert, transparent ausgestaltet sind die Rezitative mit der exzellenten Klavierbegleitung, die als geordnetes Chaos eine koordinatorische Meisterleistung darstellen. Die Musiker schwelgen im üppigen Melos, ohne ins Kitschige abzudriften.

Soddy lässt ideale  Klangbilder entstehen. Da hört man pompöse Händel-Anklänge, wenn Lady Billows angekündigt wird, schmettert Marschmusik bei der Wahl zum Maikönig, oder es erklingt ein Fugato, das Ordnung ins Durcheinander bringen will. Mal leuchten üppige Puccini-Kantilenen, dann wieder man freut sich, Wagners Tristan-Motiv erkannt zu haben, wenn Sid den Rum ins Glas mixt. Auch Siegfrieds Hornruf lässt grüssen, der den Anti-Helden Albert strahlend karikiert.

Benjamin Britten Wort - in seiner Heimat Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Wort – in seiner Heimat Aldeburgh © IOCO

Hervorragend alle 12 Musiker des kleinen Orchesters:  Sorin Strimbeanu (Violine 1), Dennis Posin (Violine 2), Clémence Apffel-Gomez (Viola), Fritjof von Gagern (Violoncello), Johannes Dölger (Kontrabass), Robert Lovasich (Flöte), Jean-Jaques Goumaz (Oboe), Martin Jacobs (Klarinette), Antonia Zimmermann (Fagott), Andreas Becker (Horn), Lorenz Behringer (Schlagwerk), Eva Wombacher (Harfe), Elias Corrinth (Klavier).

Ein spaßiger und unterhaltsamer Theaterabend, der dennoch viel Nachdenkliches zu bieten hat. Das begeisterte Publikum spendete viel Applaus

Albert Herring; am Nationaltheater Mannheim; die nächste, letzte Vorstellung der Spielzeit am 28.7.2021;  ausverkauft

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere DER BARBIER VON SEVILLA, 01.11.2020

Oktober 27, 2020 by  
Filed under Nationaltheater Mannheim, Oper, Premieren, Pressemeldung

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

DER BARBIER VON SEVILLA – Gioacchino Rossini

Premiere am 01.11.2020
WHITE-WALL-OPER

Aufgrund unseres ausgefeilten Sicherheits- und Hygienekonzeptes ist es uns möglich, den Spielbetrieb bis auf Weiteres wie geplant fortzusetzen. Denn wie sagte eine Zuschauerin unlängst: »Man kann sich nirgends sicherer fühlen als im Theater!« Dennoch beobachten wir die Pandemieentwicklungen genau und aktuell mit großer Sorge. Gleichzeitig sind wir aber dank der positiven Resonanz unseres Publikums auch voller Zuversicht und freuen uns, an dieser Stelle auf die Premiere der dritten White-Wall-Oper am Sonntag, den 1. November 2020 hinzuweisen.

Schließlich handelt es sich bei Der Barbier von Sevilla um eine der erfolgreichsten Musikkomödien der Operngeschichte. Nicht zuletzt dank ihres Tempos, ihres subtilen Humors und ihren überraschenden Wendungen ist die Oper bis heute aus dem Repertoire nicht mehr wegzudenken.

Unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Soddy erklingt die reduzierte Orchesterfassung von Gerardo Colella. Die von Ernesto Lucas handgezeichneten Illustrationen aus Tuschezeichnung und Aquarell erwecken das bunte Treiben in Sevilla zum Leben. Die junge Regisseurin Maren Schäfer bedient sich in ihrer ersten Regiearbeit für das Nationaltheater Mannheim bei den Charakteren und Typen der italienischen Komödie. Zudem stellt sie Rosina in den Mittelpunkt ihrer Inszenierung, die sich aus ihrer Gefangenschaft befreit und beginnt, ihr eigenes Leben zu leben.

Musikalische Leitung: Alexander Soddy | Nachdirigat: Elias Corrinth | Regie: Maren Schäfer | Illustration: Ernesto Lucas | Animation und Videoproduktion: Eric Guémise | Videotechnik: Carl-John Hoffmann | Bühne: Anna-Sofia Kirsch | Kostüme: Charlotte Werkmeister | Licht: Nicole Berry | Chor: Dani Juris | Choreografische Mitarbeit: Luches Huddleston jr. | Dramaturgie: Deborah Maier

Besetzung: Graf Almaviva: Juraj Hollý | Bartolo, Doktor der Medizin: Bartosz Urbanowicz | Rosina, dessen reiches Mündel: Shachar Lavi | Figaro, Barbier: Ilya Lapich | Basilio, Rosinas | Musiklehrer: Sung Ha | Berta, Bartolos alte Dienerin: Estelle Kruger | Ein Offizier: Hyun-Seok Kim

Mit dem Nationaltheater-Orchester und den Herren des Opernchor

 

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Die Frau ohne Schatten – Richard Strauss, IOCO Kritik, 08.10.2019

Oktober 8, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Nationaltheater Mannheim, Oper

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 DIE FRAU OHNE SCHATTEN  –  Richard Strauss

 – Wahre Humanität findet der Mensch nur  ……  –

von Uschi Reifenberg

Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1919 wurde Die Frau ohne Schatten  an der Wiener Staatsoper uraufgeführt. Am 8. September 2019 jährte sich der Todestag des Komponisten Richard Strauss zum 70. Mal, eine wichtige Zahl für den Umgang mit den Urheberrechten von Komponisten, denn nach der ablaufenden Schutzfrist von 70 Jahren werden deren Werke dann erstmalig gemeinfrei.

Nun feierte am Nationaltheater Mannheim (NTM) zu Beginn der Spielzeit 2019/20 als eine der größten Wiederaufnahmen das monumentale Werk Die Frau ohne Schatten aus den Federn des genialen Künstlergespanns Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal sein glanzvolles Comeback.

Die schwer zu realisierende Oper geht nicht nur szenisch, sondern vor auch musikalisch an Grenzen des Möglichen, die das exzellente Ensemble des NTM  mit Bravour bewältigte.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Catherine Foster als Färberin © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Catherine Foster als Färberin © Hans Joerg Michel

Die Frau ohne Schatten, vierte gemeinsame Oper von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, wurde 1917, mitten im 1. Weltkrieg vollendet. Sie ist vom Textdichter des Stückes in der „Märchenwelt“ zur „Märchenzeit“ angesiedelt, was auch als Weltflucht oder Gegenentwurf zur schweren und leidvollen Zeit während der Kriegsjahre interpretiert werden könnte. Strauss bezeichnete das Werk als „letzte romantische Oper“ und die Autoren sparten nicht mit bühnenwirksamen Schauplätzen und phantastischem Personal wie Tempeln, Palästen, Hütten, unterirdischen Klüften, Geisterboten, Zauberei, Verwandlung, mythischen Verweisen, Tierwesen, sowie Menschen- und Geistersphäre. Die Oper bietet ein ganzes Füllhorn an Symbolen und Metaphern, enthält aber auch zum Teil verworrene Handlungsstränge und komplizierte Bezüge.

Drei starke Frauen mit unterschiedlichen psychologischen Strukturen stehen im Mittelpunkt des Geschehens; sie gehören verschiedenen Sphären der fernöstlich angehauchten Geschichte an: Die Kaiserin und die Amme, ihre Begleiterin, stammen ursprünglich aus der Geisterwelt, die Frau (Färberin) lebt in der Menschenwelt. Der Schatten ist das Fruchtbarkeitssymbol, den die Kaiserin erlangen möchte, damit ihr Gatte, der Kaiser, nicht versteinern muss. Die frustrierte Färberin hingegen, verheiratet mit dem einfachen Färber Barak, der sich Eheglück und Kinder wünscht, ist mit ihrem Leben unzufrieden und lehnt es ab, Mutter zu werden. Die Amme, Abgesandte des Geisterfürsten Keikobad, Vater der Kaiserin, verkörpert das negative Prinzip, sozusagen „den Geist, der stets verneint“. Sie ist Seelenfängerin und trägt diabolische Züge. Als Begleiterin der Kaiserin hasst sie alles Menschliche und wird – märchengerecht – am Schluss gegen „das Gute“ verlieren. Aber bis dahin steht den beiden Ehepaaren – wie in Mozarts Zauberflöte ein beschwerlicher Prüfungsweg bevor, auf dem Kaiserin und Färberin einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen und in einem schmerzlichen Erkenntnisprozess ihren Egoismus zu überwinden lernen, Verzicht leisten und zu Menschlichkeit, Empathie und Mutterglück finden.

Richard Strauss (1864-1949), „Operntitan“ und bedeutendster deutschsprachiger Musikdramatiker des 20. Jahrhunderts, gilt als Meister orchestraler Klangfarben und der Instrumentation, die in ihrer Einzigartigkeit als Essenz seines Schaffens angesehen werden kann.

Strauss begann seine musikalische Entwicklung zunächst als Komponist Sinfonischer Dichtungen in der Tradition Franz Liszts, folgte dann aber immer mehr der Idee des Gesamtkunstwerks Richard Wagners. In seinen Opern knüpfte er an dessen leitmotivisch geprägten durchkomponieren Kompositionsstil an, erweiterte diesen in kunstvoll polyphoner Verarbeitung und intensivierte die tonmalerische Ausgestaltung der Motive. Er überarbeitete die grundlegende Instrumentationslehre von Hector Berlioz von 1844, entwickelte sie in der Wagner Nachfolge konsequent weiter und führte die klanglichen Möglichkeiten des modernen Sinfonieorchesters im 20. Jahrhundert zu einem absoluten Höhepunkt.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Miriam Clark als Kaiserin, KS Thomas Jesatko als Barak, der Färber © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Miriam Clark als Kaiserin, KS Thomas Jesatko als Barak, der Färber © Hans Joerg Michel

Strauss erweiterte die romantische Tonsprache bereits in seinen früheren Werken Salome (1905) und Elektra (1909) und ging bis an die Grenzen der Tonalität, mit einer bis dahin nie gehörten Häufung von Dissonanzen, Clustern, Verfremdungen und exotischen Klangfarben. Viele dieser für die damalige Zeit neuartigen Stilelemente griffen Komponisten wie Schönberg, Berg oder Hindemith auf, die unter anderem als Repräsentanten der atonalen Kompositionsweise in die Musikgeschichte eingingen.

Frau ohne Schatten stellt mit seiner Instrumentation einen Höhepunkt romantischer Ausdruckskunst darstellt. Strauss erweitert dazu die Orchesterbesetzung nicht nur zahlenmäßig, sondern bezieht auch seltene Instrumente wie Glasharmonika, Rute oder mehrere chinesische Gongs ein. Er fordert insgesamt 64 Streicher, 33 Bläser, 2 Harfen, 2 Celestas, ausgedehntes Schlagwerk, darunter Tamtams, Wind- und Donnermaschine, Orgel, sowie ein Bühnenorchester mit zusätzlich 19 Bläsern.

GMD Alexander Soddy und das blendend disponiere Nationaltheater- Orchester ließen keinen Zweifel, dass sie sich in der spezifischen Strauss‘schen Tonsprache wie zu Hause fühlen. Soddy, der die Oper in kompletter Länge dirigierte, erwies sich erneut als Strauss Dirigent par excellence. Er fächerte das Klangfarbenspektrum der komplexen Partitur kaleidoskopartig auf, ließ in den Zwischenspielen die Orchestermassen aufblühen und zauberte magische Momente. Gleichzeitig hielt er den Riesenapparat von Bühne und Orchester immer unter Kontrolle.

Bereits die Eröffnung des 1. Aktes mit den brachialen Schlägen des Keikobad Motivs ging unter die Haut, schwelgerisch gelangen die melodienseligen weit geschwungenen Bögen, ebenso die elektrisierend flirrenden und unruhig flackernden Motive, besonders innig und fein austariert die kammermusikalischen liedhaften Stellen der Barak Szene und der Wächtergesänge am Ende des 1. Aktes. Geriet der 1. Akt spannungsmässig noch nicht vollends überzeugend, bündelte Soddy im 2. und 3. Akt dann die Energien, entzündete pathetische Wucht mit kompromissloser Expressivität und vereinigte in der C-Dur Schluss- Apotheose Solisten und Orchester zum ekstatischen Höhepunkt.

Dass das NTM traditionell einen hervorragenden Ruf in der Wagner– und Strauss- Pflege genießt, konnte man an diesem Abend nicht nur bezüglich der außergewöhnlichen Sängerriege bestätigt sehen. Die fünf sehr anspruchsvollen Hauptrollen waren bis auf eine Ausnahme mit hauseigenen Solisten besetzt; es war beglückend zu erleben, wie sich das hoch motivierte Ensemble, Solisten, Orchester, der fantastische Chor (Danis Juris) und Kinderchor (Anke-Christine Kober) zu großer Homogenität auf hohem Niveau zusammenfand.

Catherine Foster, vielumjubelte Bayreuther Brünnhilde ( 2013-2018), wartete mit einer stimmlich wie darstellerisch grandiosen Charakterstudie auf. Ihre Färberin ist keine am prekären Milieu zerbrechende Frau, die sich gegen ihr kleinbürgerliches Dasein als Ehefrau und Mutter aufbäumt, sondern eine selbstbewusste Persönlichkeit, die sich emanzipieren will und für ihre Ziele kämpft, allerdings um den hohen Preis der Fruchtbarkeit. Foster stattet die zerrissene Figur mit allen Facetten ihres hochdramatischen Soprans aus, findet im Streit mit Barak zu beißendem Spott mit stählerner Tongebung und gleissenden Höhen. Im Zeichen ihrer Wandlung und ihrem Bekenntnis zu Liebe und Mutterglück lässt sie ihren schön timbrierten, weichen Sopran innig und in zartesten Farben strahlen.

Die schillernde Figur der Amme wird von Julia Faylenbogen mit jugendlicher Ausstrahlung und einer beeindruckenden Vielfalt an Gestaltungs- und Klangfarben ausgestattet, die sie mit großer  Souveränität variiert. Die kraftvollen Höhen ihres ausgeglichenen Mezzosopran strahlen mühelos über die Orchesterwogen, ihr tiefes Register leuchtet in satten Farben und trägt problemlos auch an den leisen Stellen. Die vertrackten Intervallsprünge meistert sie mit bestechender Präzision. Faylenbogen zeichnet die dämonischen Züge dieser ambivalenten Figur eher zurückhaltend und beweist hingegen viel Sinn für Sarkasmus, Ironie und Schmeichelei. Hervorragend ist auch ihre differenzierte Textausdeutung.

Hauptfigur ist die Kaiserin, die Frau ohne Schatten, von Miriam Clark  mit glitzernden Koloraturen und mühelosen, jubelnden Spitzentönen und starker Leuchtkraft gesungen wird. Ihre Entwicklung von der noch etwas blutleeren Feen-Erscheinung am Anfang bis zu ihrer Entscheidung zur Mitmenschlichkeit, gestaltet sie zutiefst anrührend. Die verschiedenen Stadien ihrer „Menschwerdung“, der bewusste Verzicht auf ihre Mutterschaft zugunsten des Glücks von Färber und Färberin, die suggestive Traumszene, aber vor allem ihr großer Monolog „Vater, bist Du’s“, in der sie „durch Mitleid wissend“ wird, ist von großer Intensität. Sie verströmt ihren Sopran in weichen Lyrismen und hauchzarten piani. Umso ergreifender wirkt ihre hochexpressive Deklamationsszene, die melodramatische Steigerung, welche sie bis an die Grenzen des Ausdrucks führt und ein umfassende Identifizierung mit ihrer Rolle erreicht.

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten - hier : Miriam Clark als Kaiserin, Julia Faylenbogen als Amme © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Frau ohne Schatten – hier : Miriam Clark als Kaiserin, Julia Faylenbogen als Amme © Hans Joerg Michel

Thomas Jesatko ist als Barak, der Färber eine Idealbesetzung. Sein samtener, immer voll tönender und hell timbrierter Bariton ist prädestiniert für die seelenvollen Kantilenen des einfachen, aber gutherzigen Barak. Vorbildlich auch seine Phrasierungskunst sowie die perfekte  Textverständlichkeit. Der Traum von einem bescheidenen Glück an der Seite einer liebevollen Ehefrau, einer Kinderschar und harter Hände Arbeit wird ihm vorerst nicht erfüllt, was er geduldig erträgt. Jesatko gestaltet die liedhaften Passagen mit berührender Innigkeit und Sensibilität, findet aber auch zu heldenbaritonaler Wucht, wenn er letztendlich die Demütigungen seiner Frau nicht mehr aushält und sich endlich zur Wehr setzt.

Den Kaiser singt Andreas Hermann mit jugendlich- heldischem Tenor, durchweg höhensicher und durchschlagskräftig, zuweilen allerdings mit etwas enger Tongebung. Sein Kaiser ist eher ein Jäger, der sich mit seiner Beute schmückt und sie sich unterwirft, als ein hingebungsvoll liebender Mann. Seine Jagdtrophäe, die Kaiserin, die er als Gazelle gejagt hat, nun aber jede Nacht als Frau in seinen Besitz bringt, erreicht sein Herz nicht, nur seinen verliebten Ehrgeiz. Erst durch das liebende Entsagungsopfer der Kaiserin kann er sein Herz öffnen und erlöst werden.

Die drei Brüder des Färbers sind als Kriegsversehrte gezeichnet und singen und agieren ebenfalls auf hohem Niveau. Ilya Lapich als „der Einäugige“ mit klangschönem Bariton, „der Einarmige“ Marcel Brunner mit profundem Bassbariton und Benedikt Nawrath, „der Bucklige“ mit klarer Tenorstimme. Sie brachten als klanghomogenes Trio viel Lebendigkeit, aber auch soziale Tristesse in den Alltag der Färber.

Joachim Goltz gab mit seinem beeindruckenden heldischen Bariton dem Geisterboten Gewicht und Autorität, Estelle Kruger sang mit leuchtenden Tönen den Hüter der Schwelle des Tempels. Der Erscheinung eines Jünglings gab Juray Holly feinen Tenorglanz, Natalija Cantrak ließ als Stimme des Falken aufhorchen und Susanne Scheffel überzeugte als Stimme von oben. Jost-Jochen Wacker war verhalten präsent in der Rolle des Hugo von Hofmannsthal.

Die Inszenierung von Gregor Horres aus dem Jahr 2007 gewinnt ihre heutige Faszination aus  symbolischer Zeichensprache, Reduktion der Mittel und Abstraktion, komplettiert durch eine raffinierte Lichtregie (Bernard Häusermann), die dem opulenten Werk das nötige Quantum Magie verpasst.

Die Frau ohn Schatten – Making of … hier mit Korrepetitor Elias Corrinth
youtube Trailerdes Nationaltheater Mannheim
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Das Bühnenbild von Sandra Meurer (Bühne und Kostüme) symbolisiert mit beweglichem Deckensegment und vielfach einsetzbarer Drehbühne die obere und untere Sphäre, die sich am Ende versöhnlich aufeinander zubewegen. Angesiedelt ist die Oper in ihrer Entstehungszeit, der Textdichter Hugo von Hofmannsthal ist als eingefügte Figur fast die ganze Zeit auf der Bühne anwesend und reagiert schreibend auf den Ablauf des Geschehens. Er ist Doppelgänger von Barak, der hier kein Handwerker ist, sondern eher ein weltfremder Schriftsteller in seinem Elfenbeinturm zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Färberin trägt Züge von Strauss‘ Ehefrau, man sieht sich in „Szenen einer bürgerlichen Ehe“ in eben jene Zeit hineinversetzt.

Das Kaiserpaar mit langen weißen Haaren und Gewändern scheint aus der Mythologie zu stammen, die Amme mit exotischer Frisur und gelbem Kleid ist eher in der Märchenwelt beheimatet Auf märchenhafte Attribute verzichtet der Regisseur weitgehend und betont die      psychoanalytischen Aspekte, denn zeitgleich veröffentlichte Siegmund Freud seine bahnbrechenden Hauptwerke über Psychopathologie und weibliche Hysterie. Faszinierend in Szene gesetzt ist der Traum der Kaiserin mit surrealen Traumsequenzen, Tiersymbolik, perspektivischen Verschiebungen und geheimnisvollen Farbwechseln. Ein überdimensionaler roter Handschuh schiebt sich  im Wechsel mit einem ebenso großen Federhalter von oben in die Szene, ansonsten bestücken ein Bett, eine Tür, Tisch und Schreibpult die karge Bühne.

Die „Frauenthemen“ des Werkes, Fruchtbarkeit, Emanzipation oder Gendergerechtigkeit setzt Horres in einen zeitlosen Kontext. Er gibt Anstöße zu aktuellen Fragen wie Doppelbelastung von Familie und Beruf, Beziehungs -und Ehekrisen, Konsumverhalten, Geburtenraten oder Mutterglück.

Das begeisterte Publikum spendete nach dieser hinreißenden Aufführung frenetischen Beifall und feierte mit Blumen und Jubelrufen die Solisten und alle Beteiligten. 100 Jahre Frau ohne Schatten  – mit Themen ungebrochener Aktualität.

Die Frau ohne Schatten am NTM, die weiteren Vorstellungen 13.10.; 1.11.; 17.11.; 1.12.2019; 12.1.2020

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, House of Usher: E.A Poe – Claude Debussy, 12.04.2019

April 8, 2019 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

  House of Usher:  Edgar Allen Poe – Claude Debussy

Premiere Freitag, 12. April um 19 Uhr, Opernhaus

Die Bühnenbildnerin und Regisseurin Anna Viebrock inszeniert am Nationaltheater Mannheim die deutsche szenische Erstaufführung von House of Usher nach E. A. Poe und Claude Debussy – Premiere ist am Freitag, 12. April um 19 Uhr im Opernhaus. Von Robert Orledge wurde das Opernfragment zu einem Musiktheaterstück über die unaufhaltsame Metamorphose eines Hauses und seiner Bewohner vervollständigt, orchestriert und mit weiteren Kompositionen Debussys ergänzt.

Nationaltheater Mannheim / House of Usher - ANNA VIEBROCK © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / House of Usher – ANNA VIEBROCK © Hans Jörg Michel

Ausgangspunkt für Edgar Allan Poes Kurzgeschichte The Fall of the House of Usher ist der unerwartete Brief eines Kindheitsfreundes, der um raschen Besuch bittet, weil seine Nerven zerrüttet sind. Doch der Weg zum Haus Usher führt durch erschreckend öde Gegenden und in diesem Haus selbst spielt sich eine finstere Familientragödie ab. In das Bühnenbild von House of Usher sind zahlreiche Relikte früherer Bühnenbilder Anna Viebrocks eingearbeitet, in die Handlung Verweise auf klassische Filme Alfred Hitchcocks und Elio Petris.

Kammersänger Thomas Jesatko singt Roderick Usher, dessen Schwester Lady Madeline ist Estelle Kruger, Jorge Lagunes gibt den Kindheitsfreund und Uwe Eikötter den Doctor. Mit von der Partie sind der aus vielen Marthaler-Produktionen bekannte Schauspieler Graham F. Valentine sowie der Bühnenpianist Antonis Anissegos. Die musikalische Leitung hat der stellvertretende Generalmusikdirektor Benjamin Reiners.

Eine Einführungssoiree zu Werk und Inszenierung und ein Probenbesuch finden am Montag, 8. April um 18.30 Uhr im Oberen Foyer statt. In diesem Rahmen wird auch in einem Kubus im Unteren Foyer Anna Viebrock: House of Usher in Gegenwart der Künstlerin eröffnet, der unter anderem Bühnenbildmodelle, Fundstücke, Geräusche und Filmausschnitte zeigt, die in unmittelbarem Bezug zur Neuproduktion stehen. Der Kubus ist im Rahmen von Vorstellungsbesuchen zu den üblichen Hausöffnungszeiten zu besichtigen.

Weitere Vorstellungen von »House of Usher« finden am 17. und 20. April, am 16. und 31. Mai sowie am 18. Juni statt.


Vita von Anna Viebrock

Anna Viebrock studierte Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Zusammenarbeit mit Christoph Marthaler führte sie u.a. an das Theater Basel, die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, das Schauspielhaus Hamburg, die Oper Frankfurt, die Opéra de Paris, die Wiener Festwochen, das Festival d’Avignon, das Teatro Real Madrid sowie zu den Salzburger und Bayreuther Festspielen. Am Zürcher Schauspielhaus war Viebrock gemeinsam mit Stefanie Carp und Christoph Marthaler von 2000 bis 2004 im Leitungsteam tätig. Seit 1994 erarbeitet sie mit dem Regieteam Jossi Wieler/Sergio Morabito Operninszenierungen u.a. an der Nederlandse Opera Amsterdam und der Oper Stuttgart. Darüber hinaus gestaltete sie Bühnenräume für den Regisseur René Pollesch sowie den Choreographen Sidi Larbi Cherkaoui. 2017 zeigte Viebrock in der Fondazione Prada in Venedig die Ausstellung »The Boat is Leaking, The Captain Lied«, die sie in Zusammenarbeit mit Alexander Kluge, Thomas Demand und Udo Kittelmann entwarf. Wiederholt wurde ihr die Auszeichnung »Bühnenbildnerin des Jahres« und »Kostümbildnerin des Jahres« zuerkannt. Das Land Hessen ehrte sie 1997 mit dem Hessischen Kulturpreis, 2004 wurde sie mit dem Theaterpreis Berlin und 2013 mit dem Hein-Heckroth-Preis ausgezeichnet. Den Zürcher Festspielpreis erhielt sie 2015. Seit 2002 arbeitet Anna Viebrock auch als Regisseurin. Sie inszenierte an der Staatsoper Hannover, der Opéra Bastille in Paris, bei der Münchner Biennale und den Schwetzinger Festspielen, am HAU (Hebbel am Ufer Berlin), am Schauspielhaus Zürich, dem Theater Basel sowie am Schauspiel Köln.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung