Graz, Musikverein für Steiermark, FESTKONZERT mit Elina Garanca, 08.11.2020

Oktober 14, 2020 by  
Filed under Konzert, Musikverein Graz, Pressemeldung

Musikverein Graz

Musikverein Graz / Stephaniensaal © Robert Illemann

Musikverein Graz / Stephaniensaal © Robert Illemann

Ehrenmitglied Elina Garanca gastiert am 8.11.2020 wieder im Musikverein und aufgrund der großen Nachfrage wird sie zwei Konzerte geben: 17:00 Uhr UND 20:00 Uhr!

FESTKONZERT
So 08.11.2020

UHRZEIT: 17:00 Uhr | 20:00 Uhr
ORT: Stefaniensaal

ELiNA GARANCA Mezzosopran | Ehrenmitglied des Musikvereins
MALCOLM MARTINEAU Klavier

Lieder von Sergej Rachmaninow und Richard Strauss
Spanische Lieder und Zarzuelas (Auszüge)

Musikverein Steiermark / Elina Garanca © Gregor Hohenberg /DG

Musikverein Steiermark / Elina Garanca © Gregor Hohenberg /DG

„Manchmal bedarf es nicht mehr als einer Stimme und eines Klaviers. Der Liederabend führt Sie von Osten nach Westen, durch dunkle Töne Rachmaninows, luminöse Harmonien von Strauss und sonnengefüllte spanische Lieder. Zusammen mit Malcolm Martineau laden wir Sie herzlich ein, uns auf dieser spektakulären Reise zu begleiten.“ (Elina Garanca) [Von Elina Garanca wurden verschiedene Aufnahmen bei der deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Sie ist zweifellos einer der strahlendsten Sterne am Musikfirmament: Elina Garanca kehrt auch heuer gemeinsam mit dem Pianisten Malcolm Martineau in den Grazer Musikverein zurück, zu dessen Ehrenmitgliedern sich die lettische Mezzosopranistin mittlerweile zählen darf. „Von Osten nach Westen“ führt uns dabei die musikalische Reise, zu welcher die Ausnahmesängerin das Grazer Publikum bei diesem Gastspiel einlädt. „Durch dunkle Töne Rachmaninows, luminöse Harmonien von Strauss und sonnengefüllte spanische Lieder“ leitet uns das Duo des Liederabends, der sicherlich zu den großen Höhepunkten der Spielzeit 2020/21 zählt. Wie die Sängerin es selbst formuliert: „Manchmal bedarf es nicht mehr als einer Stimme und eines Klaviers“ und so zeigen die beiden Interpreten an diesem Abend, dass sie es auch mit kleinem Instrumentarium schaffen, den Stefaniensaal zu erfüllen!

Trailer Musikverein Steiermark
youtube Trailer Musikverein Steiermark
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Kartenverkauf für das Festkonzert ELINA GARANCA ab sofort
Aufgrund der großen Nachfrage wird Elina Garanca ein zweites Konzert geben: 17:00 Uhr UND 20:00 Uhr.
Bereits gekaufte Karten bekommen Sie neu zu geschickt. Reservierungen bleiben aufrecht und können ebenfalls ab sofort abgeholt werden.

—| Pressemeldung Musikverein Graz |—

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Der Rosenkavalier – Richard Strauss, IOCO Kritik, 07.03.2020

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

 Der Rosenkavalier  – Richard Strauss

– Jedes Ding hat seine Zeit –

von Karin Hasenstein

Die Uraufführung des Rosenkavalier fand am 26. Januar 1911 im Königlichen Opernhaus in Dresden statt, die Berliner Uraufführung am 9. November 1911.  Ort und Zeit der Handlung: Wien um 1740

Richard Strauss selber war von dem Titel Rosenkavalier zunächst gar nicht begeistert. Es war auch „Ochs auf Lerchenau“ oder „Die silberne Rose“ für den Titel im Gespräch. Weibliche Bekannte rieten jedoch von Ochs auf Lerchenau ab und plädierten für Rosenkavalier. Den Ausschlag gab aber Strauss‘ Ehefrau, so dass dieser schließlich eingelenkt hat: „Also Rosenkavalier, der Teufel hol‘ ihn.“

Der Abend begann zunächst mit einem jener gefürchteten Momente, wie sie gerade in der kalten Jahreszeit schon einmal vorkommen, eine Mitarbeiterin der Staatsoper trat vor den Vorhang der annähernd ausverkauften Staatsoper und kümdete Bariton Roman Trekel (Faninal) als mit einem Infekt kämpfend an.

the Making of  –  Rosenkavalier
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Die musikalische Leitung liegt in den Händen des indischen Dirigenten Zubin Mehta. Der inzwischen fast 84-Jährige hat noch im Dezember zwei Auftritte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Er wirkt tatsächlich etwas fragil, als er sich seinen Weg durch den Orchestergraben bahnt und seinen Platz am Pult einnimmt. Der begrüßende Applaus des Publikums ist warm und überschwänglich, es gibt gar vorab vereinzelt stehende Ovationen. Der Maestro nimmt das Vorspiel mit sattem vollen Orchesterklang, fast scheint es nur eine Dynamik, forte, zu geben. Angenehm fällt das Blech auf, namentlich die Hörner.

Vom Portal blicken die Portraits von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal von einem königsblauen Hintergrund einander an und ins Publikum.

Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei auf die erste Szene, die im Schlafzimmer der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg spielt. Auch im Inneren des Schlafzimmers herrscht die Farbe blau vor (Bühne: Xenia Hausner). Die blauen Wände erstrecken sich bis in den Schnürboden und werden auf der Rückseite durch eine rot angestrahlte Wand mit großem floralen Tapetenmuster verbunden. Nach vorne und zu den Seiten hin werden diese Wände bis in den Proszeniumsbereich herumgezogen und verschmelzen so mit dem Zuschauerraum. Außer mit dem großen Bett ist das Zimmer nur spärlich möbliert, etwa mit einem Frisiertisch, ein paar Sesseln und einem Paravent. Das Blumenmuster auf der Rückwand wechselt je nach Stimmung auf der Szene die Farbe und erscheint mal blaugrundig, mal rot oder gelb-grünlastig. Die Ausstatter stellen damit eine Reminiszenz an den Exotismus und Japonismus her, der in der damaligen Zeit Mode war.

Die Idylle der Feldmarschallin und ihres jungen Liebhabers Octavian wird jäh durch Lärm auf dem Korridor gestört. Doch es ist nicht der Feldmarschall, wie zunächst befürchtet, sondern nur ein Verwandter der  Marschallin, ihr Vetter, der Baron Ochs auf Lerchenau, der zu früher Stunde der Gräfin einen Besuch abstatten will. In aller Eile weist sie Octavian an, sich zu verstecken, und als dieses nur mäßig gelingt, beschließt dieser, die Flucht nach vorn anzutreten und schlüpft in Frauenkleider. Da hat er nun die Rechnung ohne Vetter Ochs gemacht. Der ausgemachte Weiberheld ist außerordentlich entzückt von dem reizenden „Mariandl“, dem sogleich seine ganze Aufmerksamkeit gilt: „Pardon, mein hübsches Kind!“

Währenddessen wird das übliche Morgenprogramm in der Marschallin Schlafgemach abgespult. Die erste große Massenszene auf der Bühne ist schrill, lebhaft, wuselig, vor allem aber eines: bunt. Es ist ein wahrer Sinnenrausch und man weiß gar nicht, wohin man zuerst und zuletzt schauen soll. Bei zuviel knallbunter Reizüberflutung bleibt immer noch die  Besinnung auf den Rausch der Strauss’schen Partitur.

Die Marschallin trägt nun anstelle des Morgenmantels ein Kleid in schwarz-weiß, mit Blockstreifen und Schachbrettmuster. Der Diener erscheint und ein kleiner Frühstückstisch wird aus der Unterbühne herauf gefahren.

Sie stellt fest „Jedes Ding hat seine Zeit“ und in den großen Fenstern erscheinen riesige Blumenmuster, die heller werden und die Farben verändern. Die simple Technik des Serviertischchens wird im Laufe der Szene etwas überstrapaziert, so spannend ist es nun auch nicht, den Tisch in der Versenkung verschwinden zu lassen. Aber vielleicht sollte man sich auch nicht zu lange fragen, was der tiefere Sinn dahinter sein könnte.

Der Auftritt des Baron Ochs kündigt sich mit einem Walzer an. „Es ist ein Besuch! Das ist ja der Ochs!“  Dieser verkündet dem aufgebrachten Personal „Ein Ochs antechambriert nicht!“ Da ist sie, Hugo von Hofmannsthals herrlich blumenreiche wienerische Sprache. Die Rezensentin erinnert sich an ein Programmheft einer Rosenkavalier-Inszenierung, das ein Glossar enthielt mit Erklärung von antechambrieren bis Kongestion. Für Nicht-Wiener durchaus hilfreich!

Mit dem gebürtigen Österreicher Günther Groissböck (aus Waidhofen an der Ybbs) hat die Berliner Staatsoper geradezu die Idealbesetzung des Baron Ochs. Groissböck hat diese Rolle bereits an der New Yorker Metropolitan Opera (mit Renée Fleming als Marschallin und Elina Garanca als Oktavian) verkörpert und 2014 bei den Salzburger Festspielen in Harry Kupfers Rosenkavalier-Inszenierung, des Weiteren in Berlin, München und Wien. Günther Groissböck spielt nicht Ochs, er IST Ochs. Zumindest solange er im Kostüm auf der Bühne steht und singt. Das Wienerische kommt bei ihm besonders authentisch und überzeugend rüber und es ist einfach nur eine Freude, ihm zuzuhören und zu -sehen.

Er ist nicht der ältere, dicke, leicht schmierige Typ, als der der Ochs häufig gezeichnet wird, sondern ein durchaus attraktiver, charmanter und witziger Frauentyp, der seinem verarmten Landadel ein bisschen auf die Füße helfen will, indem er entsprechend einheiratet. Die Erwählte ist die blutjunge Sophie, Tochter des Herrn von Faninal und wie es sich unter Leuten von Stand gehört, braucht Ochs dafür einen Rosenkavalier, der die silberne Rose übergibt und in seinem Namen um die Hand der Auserwählten anhält.

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Rosenkavalier - hier : Nadine Sierra (Sophie), Michèle Losier (Octavian) _ Ensemble © Ruth Walz

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Rosenkavalier – hier : Nadine Sierra (Sophie), Michèle Losier (Octavian) _ Ensemble © Ruth Walz

In der Folge ist Ochs nun ganz hin und hergerissen zwischen der Braut, dem Fräulein Faninal, und dem erfrischend einfachen Mariandl. „Ich ließ ein solches Goldkind“ und „Hat sie schon einmal mit einem Kavalier…“.  Als die Marschallin ihn an seine Heiratspläne erinnert, kontert er „Macht das einen lahmen Esel aus mir?“ Überhaupt hat der Ochs eine Menge Weisheiten parat: „Schöner ist Juni, Juli, August…  da hat’s Nächte!“ oder „Wollt, ich könnt‘ sein wie Jupiter, in 1.000 Gestalten.“

Dabei gibt er auch im Original schon eine sehr ansehnliche Erscheinung ab, groß, stattlich, heller Anzug, weißes Hemd, grüne Weste. Ansonsten scheint der Baron nicht anspruchsvoll zu sein: „Muss halt a Heu in der Nähe dabei sein…!“ Schon klar.

Im folgenden Terzett überzeugen die Solisten durch Textverständlichkeit. Dieser kommt zugute, dass Zubin Mehta das Orchester leicht zurücknimmt und die Soli gut ausbalanciert nach vorne kommen lässt. Die Balance gerät perfekt und die Solisten kommen sehr gut über das Orchester.  Mittlerweile sind die zahlreichen Besucher aus der Antechambre bis ins Schlafzimmer der Marschallin vorgedrungen. Hier beeindrucken trotz der Kürze des Auftritts die drei adeligen Waisen (Olga Vilenskaia, Anna Woldt, Verena Allertz), bei denen man sich schon fragen kann, wieso sie eine Mutter dabei haben. Wieder ein Hinweis darauf, dass Strauss und von Hofmannsthal uns eigentlich die ganze Zeit auf den Arm nehmen… oder es sind hier wohl eben Halbwaisen.

In der Lever-Szene bieten die Kostümabteilung und die Werkstätten der Staatsoper alles auf, was dem Auge Freude macht. Der Tierhändler mit seinen Tieren, der Notari, der Papierkünstler mit immer größer wachsender Papierblume, die Modistin, der Friseur – alle sind liebevoll und mit viel Phantasie und Liebe zum Detail ausgestattet. Während einer nach dem anderen der Marschallin seine Aufwartung macht, separieren sich der Notari und der Baron auf die linke Seite und verhandeln den Ehevertrag.

Ein weiterer Schelmenstreich von Richard Strauss ist die Figur des italienischen Sängers. Wenn man sich beim ersten Hören des Rosenkavaliers vielleicht noch wundert, was ein solcher in einer romantischen Oper vom Anfang des 20. Jahrhunderts verloren hat, so lernt man doch bei näherer Beschäftigung mit der Oper, dass Strauss sich hier einmal mehr lustig macht über die italienische üppige Oper voller Effekte. Eigentlich ist diese kunstvolle italienische Arie eine einzige Parodie. Der italienische Sänger (Atalla Ayan) im roten Samtanzug und mit absurder grauer Tolle gibt jedenfalls alles und wird zum Dank dafür von allen verlacht und von Ochs rausgeschmissen. Der Inhalt dieser Arie Di rigori armato il seno“ (deren Text nicht einmal in den Übertiteln übersetzt wird) und die heute nicht zufriedenstellende Arbeit ihres Friseurs machen die Marschallin nachdenklich und sie schickt alle Besucher und Bittsteller hinaus, während Ochs dem Notari die letzten Anweisungen diktiert „Als Morgengabe… acte de présence zu machen… bin ich verstanden? Als Morgengabe!“

Erwähnt werden müssen an dieser Stelle auch Karl-Michael Ebner (Valzacchi) und Katharina Kammerloher (Annina). „Ik kann dienen, ik kann besorgen!“, „Wir sind da! Unter die Bette…“– beide sind so überzeugend komisch und authentisch in ihrer Rolle, dass es eine Freude ist. Das wundert sogar Baron Ochs: „Was es alles gibt in diesem Wien…!“

Der Rosenkavalier – Richard Strauss
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Er lässt das Futteral mit der silbernen Rose schon einmal für den Bräutigamsaufführer zurück. An der Stelle „Eurer Gnaden haben heute durch unversiegte Huld mich tiefst beschämt“ lässt Groissböck mit dem tiefen C den tiefsten Ton der Rolle und der gesamten Partitur erklingen. Dies geschieht absolut souverän und unangestrengt. Die Marschallin bleibt zurück und stellt fest „Da geht er hin, der aufgeblas’ne schlechte Kerl, und bildet sich was ein… s’ist doch der Lauf der Welt.“

Sie erinnert sich ihrer Jugend „Kann mich auch an ein Mädel erinnern…“ doch sie ruft sich zur Ordnung, weil sie weiß, dass es müßig ist „Such dir den Schnee vom vergangenen Jahr“. Camilla Nylund singt stets ruhig und sehr nobel, ihr warmer dramatischer Sopran fließt hier rund und voll und sie gestaltet unglaublich nuanciert, klug und liebevoll. Sie verkörpert eine stolze und geachtete Frau, die genau weiß, was kommen wird: „Und man ist dazu da, dass man’s ertragt. Und in dem „Wie“, da liegt der ganze Unterschied.“

Octavian hat jetzt seinen roten Rock, weiße Hosen und schwarze Stiefel angelegt. Michèle Losier verfügt über einen traumhaft klaren Mezzo, leicht metallisch und mit einer phantastischen Höhe, der besonders gut zur Geltung kommt, wenn sich Octavian aufregt „Sie haben dich mir ausgetauscht, Bichette!“

Im nun folgenden Zeit-Monolog („Die Zeit ist ein sonderbar Ding“) wandert Camilla Nylund über eine Brücke über den Graben auf die rechte Bühnenseite, nur von einem Spot ausgeleuchtet.  Die Stelle „Auch sie ist ein Geschöpf des Vaters, der alles erschaffen hat“ ist so zauberhaft zart und lyrisch, dass die Zeit stillzustehen scheint. Es ist einer dieser unwirklichen Momente, die man für immer festhalten möchte.  Octavian versteht nicht, dass die Marschallin ihn zurückweist, er liebt sie doch. „Will sie sich traurig machen mit Gewalt? Ich will den Tag nicht denken!“ Unterstützt wird diese schmerzhaft-schöne Stimmung vom fabelhaften tiefen Blech und den Hörnern.

Sie gibt dem Diener Mohamed das Futteral mit der silbernen Rose und weist ihn an, es zum Grafen Octavian zu bringen. „Da drin ist die silberne Rose“ ist auch wieder so eine Stelle, die einem das Herz zerreißt. Resigniert schließt sie „Der Herr Graf weiß ohnehin…“ – hat er doch alles mit angehört.  –   Zu den Klängen der Solo-Violine und der Flöte fällt der Vorhang.

Dieser hebt sich alsbald zum zweiten Aufzug und wir erblicken einen großen Ballsaal mit einer Freitreppe. Säulen rechts und links sind in blau und gold gehalten. Die Wände zieren übergroße Klimt-Gemälde, die Livrée steht Spalier, Sophie erscheint in einem zartrosa Brautkleid mit Glitzer und alles wartet auf den Auftritt des Rosenkavaliers, der mit den Rufen „Rofrano! Rofrano!“ begrüßt wird.  Als dieser schließlich den Saal betritt, ist es wie eine Erscheinung aus einer anderen Zeit: da steht ein Rosenkavalier, der Prototyp eines Rosenkavaliers, wie man ihn sich nur denken kann –  ganz in Silber, silberner Mantel, silbernes Beinkleid, Schuhe, Perücke, einfach alles, dazu in der Hand die silberne Rose… unweigerlich denkt die Rezensentin an ihren ersten Rosenkavalier im Fernsehen der 1970er oder ’80er Jahre, Anneliese Rothenberger. Michèle Losier ist nicht weniger als die Reinkarnation auf der Bühne der Staatsoper.

Als sie dann anhebt „Mir ist die Ehre widerfahren…“ ist das so schön, dass im Saal Tränen fließen. Harfen und Celesta unterstreichen das Bittersüße dieser Aussage zur Überreichung der silbernen Rose, denn der Jüngling Octavian wird sich vom Fleck weg in die junge Sophie verlieben und die Prophezeiung der Marschallin wird sich erfüllen. „Heut oder morgen… oder am übernächsten Tag.“ Dass es allerdings so schnell gehen würde, damit hatte sie dann doch nicht gerechnet.  Dass nicht ein Übermaß an Rührung aufkommen kann, liegt am recht zügigen Tempo, das an dieser Stelle überrascht, wählt Zubin Mehta doch im Verlaufe des Abends überwiegend eher sehr ruhige Tempi, bisweilen vielleicht ein wenig zu ruhig. Warum er das macht, ist nicht immer schlüssig. An der einen oder anderen Stelle hätte etwas Bewegung der Sache gut getan.

„Wie himmlische, nicht wie irdische… wie Rosen vom Paradies“.  Immer wieder erklingt das Motiv der Rose in der Oboe. „Ist wie ein Gruß vom Himmel, dahin müsst‘ ich zurück“ ist so zart und zerbrechlich. Auch das Duett Sophie / Octavian ist so lieblich, dass man schon ganz gespannt auf den Schluss des dritten Aufzuges ist.  Da kündigt sich Großes an!

Binnen kürzester Zeit vollzieht sich die dramatische Wendung, Sophie und Octavian verlieben sich vom Fleck weg ineinander und die Pläne des Baron Ochs geraten ins Wanken, kaum dass er den Raum betreten hat. In Begleitung der Lerchenauer fühlt er sich stark. Herausgeputzt hat er sich, nun im anthrazitfarbenen Anzug mit hellgrauer Weste und rotem Einstecktuch, ein Bräutigam. Seine Lerchenauer benehmen sich schlecht, kaum dass sie den Ballsaal betreten haben.  Ochs findet seiner Art gemäße Worte der Bewunderung für das Fräulein Braut „Deliziös!“ und für seinen Schwiegervater in spe, Faninal: „Brav, Faninal, er weiß, was sich gehört! Serviert einen alten Tokajer mit einem jungen Madl!“

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Rosenkavalier - hier :  Michèle Losier (Octavian) und Camilla Nylund (Feldmarschallin Fürstin Werdenberg) © Ruth Walz

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Rosenkavalier – hier : Michèle Losier (Octavian) und Camilla Nylund (Feldmarschallin Fürstin Werdenberg) © Ruth Walz

In der ganzen Szene im Ballsaal läuft Groissböck zu Höchstform auf, was auch zu einem guten Teil an seinem unnachahmlichen Wiener Akzent liegt. „Geht alls so wie am Schnürl, I hab halt grad ein lerchenauisch Glück!“ Gierig grabbelt Ochs die junge Sophie an und zieht sie eng an sich. Ihren Widerstand tut er ab „Wird kommen über Nacht… kennt sie das Liedl?“  Hier hat Strauss für den Ochs einen der schönsten Walzer im Rosenkavalier geschrieben. „Mit mir, mit mir, keine Kammer dir zu klein…“ und endet mit „Mit mir, mit mir…. keine Nacht dir zu lang.“ Als wäre das nicht ohnehin schon im Text überdeutlich, wird die Aussage des Ochs hier noch mit dezenten Kopulationsbewegungen unterstrichen.  Aber noch ist es nicht soweit, „Doch gibt’s Geschäfte jetzt.“

Die Aussichten für Sophie werden immer ungünstiger, denn Ochs zeigt nun sein wahres Gesicht. Dem jungen Vetter erklärt er, er könne sich ruhig bei Sophie bedienen: „Ist wie bei einem jungen ungerittenen Pferd, kommt all’s dem Gatten zugute…“ Alle gehen ab, nur Sophie und Octavian bleiben zu den letzten Tönen des Walzers allein zurück. Die Lerchenauischen sind vom Branntwein besoffen und fallen über das weibliche Personal her.     Das Licht wird gedimmt, es gibt nur noch einen Spot auf die beiden.

Octavian erkennt und gesteht Sophie seine Liebe „Was sie ist“ und sie erwidert „Da war er mir nah! Er muss mir seinen Schutz vergönnen.“ Die beiden werden jäh gestört von Ochs, der hinzukommt. „Was hat sie mir zu sagen?“ Da Sophie stumm vor Angst und völlig überfordert ist, ergreift Octavian das Wort. „Euer Liebden muss ich halt vermelden… Die Fräulein… die Fräulein… mag Sie nicht!“  Ganz der souveräne weltmännische Baron tut Ochs das ab „Sei er da außer Sorg, wird schon lernen mich zu mögen.“ Wieder einmal läuft es einem kalt den Rücken herunter bei diesem Frauenbild, aber so war das wohl im Wien des 18. Jahrhunderts und nicht nur da… Aber er kann ja gar nichts dafür, der Ochs, denn: „Man ist halt, was man ist!“

Da gehen sie mit dem jungen Octavian durch und er verletzt Ochs mit dem Degen am Arm: „Mord! Mein Blut, zu Hilfe, Mörder! I hob ein hitzig Blut!“ Auf sein Jammern und Rufen kommen alle herzu „Gestochen ist einer!“ und es ist ungeheuer komisch, wie Groissböck den Leidenden gibt, dabei ist kaum ein Kratzer zu sehen. Das nun folgende Ensemble ist wiederum ganz großartig, alles greift harmonisch und perfekt abgestimmt ineinander. Octavian versucht zurückzurudern: „Er muss mich pardonieren!“ und Sophie erklärt „Der Herr dort hat sich nicht so, wie er soll, betragen“.

Vater Faninal (im goldenen Anzug) erkennt bereits, was die Stunde geschlagen hat „Mir auseinander meine Eh'“, will aber nicht so schnell aufgeben: „So heirat‘ sie ihn als Toter, und wenn er sich verbluten tät“. Ochs schimpft immer noch vor sich hin „Luderei“, beruhigt sich dann aber „Is guat… is guat.“ Wie gut, dass sich in der rechten Bühnenwand eine Bar auftut, so kann Faninal den Baron mit einem stärkenden Getränk beruhigen: „Ein Wein? Ein Bier? Ein Hippokras mit Ingwer?“ Wer denselben nicht kennt und auch gerne einmal seine kräftigende Wirkung erfahren möchte, dem sei das Rezept auf Seite 74 im Programmheft empfohlen….

Aber Ochs protestiert: „Bin Manns genug… is guat. Weiß, was Satisfaktion ihm schuldig bin.“ Aber so richtig fassen kann er seine Situation nicht: „Da lieg‘ i… Was einem Kavalier nit alles passieren kann! Wär nicht mein Gusto hier… dich sollt‘ i nur erwischen!“ donnert Ochs im forte-fortissimo in Richtung Octavian. „Im Hühnerstall! Wenn i dich erwisch…!“ Aber er wäre nicht der Baron Ochs, wenn er nicht etwas Gutes an der Situation finden würde: „’s gibt auf der Welt nichts, was mich so enflammiert als wie ein rechter Trotz!“ Er weist den Wirt an: „Mach er das Bett aus lauter Federbetten. Ein Federbett… zwei Stunden noch zu Tisch…“

Im Orchester erklingt die Melodie des Walzers und Ochs fällt ein „Ohne mich, jeder Tag… mit mir, mit mir… keine Nacht dir zu lang“ und trotz der schweren Verletzung tanzt er einen Walzer bis er alle mit den Worten „Luft da!“ rausschmeißt, denn nun muss er sich um das Mariandl kümmern.  Annina auf seinem Schoß liest den Brief Mariandls vor. Ochs macht sich darüber lustig „Sie wart‘ auf Antwort!“ und freut sich, dass sein Plan scheinbar aufgeht „’s geht alls recht am Schnürl wie z’haus.“ Wieder erklingt ein Walzer-Quodlibet aus „Ich hab halt ein lerchenauisch Glück“ und „Mit mir… keine Nacht dir zu lang“, das hier auf dem tiefen e endet und von Groissböck extra lang ausgehalten wird. Im Walzerschritt durchmisst Ochs die ganze Halle, der Walzer verklingt und der Vorhang schließt sich zur Pause.

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Rosenkavalier - hier :  Christian Schönecker (Leopold), Michèle Losier (Octavian), Günther Groissböck (Baron Ochs auf Lerchenau) und Erik Rosenius (Ein Polizeikommissar) © Ruth Walz

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Rosenkavalier – hier : Christian Schönecker (Leopold), Michèle Losier (Octavian), Günther Groissböck (Baron Ochs auf Lerchenau) und Erik Rosenius (Ein Polizeikommissar) © Ruth Walz

Zu Beginn des dritten Aufzuges ziert ein Text von Hugo von Hofmannsthal das Portal.

„Die Musik ist unendlich liebevoll und verbindet alles: ihr ist der Ochs nicht abscheulich – sie spürt, was hinter ihm ist und sein Faunsgesicht und das Knabengesicht des Rofrano sind ihr nur wechselweise vorgebundene Masken, aus denen das gleiche Auge blickt. Ihr ist die Trauer der Marschallin ebenso süßer Wohllaut wie Sophiens kindliche Freude, sie kennt nur ein Ziel: die Eintracht des Lebendigen sich ergießen zu lassen, allen Seelen zur Freude.“

Damit ist eigentlich alles gesagt, besser kann man die Musik im dritten Aufzug kaum beschreiben. Fast wundert man sich, dass die Musik zu Salome und Elektra vom selben Komponisten stammt wie die zum Rosenkavalier und Arabella. Doch soweit sind wir noch nicht, der Beginn des dritten Aufzuges ist lebendig, spritzig, Mehta wählt ein gutes bewegtes Tempo.

Der Ochs und das Mariandl betreten einen Raum, der von einem marokkanisch inspirierten Zelt bestimmt wird, im Hintergrund sind riesige Palmenhäuser zu erkennen. Ein Tropenhaus oder eine Orangerie. André Heller mag sich hier von den Palmenhäusern im Schönbrunner Schlosspark und im Burggarten in Wien haben inspirieren lassen. Verinzelt konnte die Rezensentin vernehmen, dass Zuschauer den Beisl vermissten, aber letztlich ist der obsolet. Wo der Baron Ochs das Mariandl verführt, ist doch nebensächlich. Eine schöne exotische Kulisse geben die riesigen Palmen allemal ab.

Baron Ochs hat nun das Bräutigamsgewand abgelegt und trägt quasi Tracht, eine kurze Lederhose, rote Kniestrümpfe, rosa Weste, Sakko – ein Mannsbild zum Niederknien. Das findet Mariandl anscheinend nicht: „Nein, nein, i trink kein‘ Wein“ wehrt sie sich gegen die Avancen des begehrlichen Ochs. Sie blickt in das Zelt und stellt fest „Jesus Maria! Steht a Bett drin, a mordsmäßig großes!“  Diener bringen noch große Laternen, im Vordergrund liegen bequeme Kissen, alles ist vorbereitet, „Kommt glei‘ wer mit’m Essen.Ochs ist in seinem Element. „Hier sitzt mit seiner Allerschönsten ein Verliebter beim Souper.“

Die Musik wird schwelgerisch, die Stimmung ist geradezu schwül aufgeheizt, man meint, die Papierpalmen tragen das Ihre dazu bei. Mariandl weiß gar nicht, wie ihr geschieht. „Mir scheint, ich hab die Kongestion! Die schöne Musi…“  „Macht sie der Wein ‚leicht immer so?“ fragt Ochs, um sogleich festzustellen „Jetzt wird’s bei mir a bissl heiß“

Auf der nur noch von den Laternen erleuchteten Bühne tanzen Geister, laufen Spinnen und Ratten umher, gruselige Schatten gleiten über die Wände und durch den Nebel als plötzlich zehn Kinder auftauchen und laut „Papa! Papa! Papa!“ schreien, begleitet von ihrer Mutter, die Ochs identifiziert: „Er ist es, das ist mein Mann!“  Und Ochs läuft angesichts der Konfrontation noch einmal zu Höchstform auf: „Der Teufel frequentier sein verflixtes Extrazimmer! Debarassier er mich von denen da!“ sucht er Hilfe beim Wirt.

In dem nun folgenden Tumult verliert der Ochs seine Perücke, die Polizei eilt herzu und Mariandl verkündet „I geh‘ ins Wasser!“ Faninal ist aufgebracht, „in ein Palmhäusl (nicht Beisl!) depeschiert zu werden“ und Ochs stellt wiederholt fest „Man kriegt die Kongestion davon!“  Faninal sieht nun endgültig seine Felle schwimmen, „Kein Hund nimmt mehr ein Stuck Brot von mir!“  Als Ochs beschließt, sich aus dem Staub zu machen „I zahl… I geh'“ erscheint die Frau Feldmarschallin, nun im schwarzen langen Kleid und einem Umhang, außen lila, innen rot und einem weißen Hut, ganz Grande Dame.  Octavian wird verlegen „War anders abgemacht. Marie Theres, ich wunder‘ mich. Mein Gott, es war nicht mehr als eine Farce…“

Jeder versucht nun eine Erklärung zu finden „Das Ganze war nur eine Farce, weiter nichts.“ Oder  „Is schon aso. Is eine wienerische Maskerad‘ und weiter nichts.“ Die Feldmarschallin bewahrt in dem ganzen Durcheinander als Einzige die Contenance. „Er ist, mein ich, ein Kavalier. Da wird er sich halt gar nichts dabei denken. Das ist’s, was ich von ihm erwart!“ Der Ochs greift die Vorlage auf: „Bin von soviel Finesse charmiert. Ein Lerchenauer war noch nie kein Spielverderber net.“ Und die Marschallin versucht zu den leichten Walzerklängen des Orchesters, dem Ochs den Abgang zu erleichtern: „Er darf in aller Still‘ sich retirieren. Versteht er nicht, wenn eine Sach‘ ein Ende hat? Was drum und dran hängt, ist mit dieser Stund‘ vorbei.“

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Rosenkavalier - hier :  Staatsopernchor, Günther Groissböck (Baron Ochs auf Lerchenau), Christian Schönecker (Leopold) und Wassil Penkov (Medicus) © Ruth Walz

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Rosenkavalier – hier : Staatsopernchor, Günther Groissböck (Baron Ochs auf Lerchenau), Christian Schönecker (Leopold) und Wassil Penkov (Medicus) © Ruth Walz

„Mit dieser Stund’… vorbei….? Ochs erkennt schließlich, dass er verloren. „Ist halt vorbei. Leopold, mir gehen.“ Das Walzer-Motiv des Ochs erklingt noch einmal und mit seinem Motto „Ich hab halt schon einmal ein Lerchenauisch Glück!“ Zu den Worten „Platz da“ Kreuzmillion!“ tragen ihn seine Lerchenauer raus. Zurück bleiben die Marschallin, Sophie und Octavian. Sophie stellt schüchtern fest „Wie er bei ihr steht…“ Der Marschallin kommen ihre Worte vom Anfang wieder in den Sinn „Heut oder morgen…“ – sie hat es die ganze Zeit gewusst.  Leider erschließt sich die ganze Poesie der folgenden Szene nur, wenn man alle drei Textpassagen parallel mitliest, jede Figur sinniert einzeln über ihr Schicksal, und dennoch geht es perfekt zusammen.

Sophie: „Vergess‘ er nicht…“      Octavian: Hab allzu lieb ihr lieb Gesicht.“    Marschallin: „Der Bub… so schnell hat sie ihn gart so lieb? Red sie nur nicht so viel, sie ist ja hübsch genug.“

Zu den Worten von OctavianMarie Theres, wie gut sie ist!“ ordnen sich die Drei zum Schlussterzett. Etwas hinten in der Mitte steht die Marschallin, vorne links Sophie und vorne rechts Octavian.

Diese Schlussterzett gehört für die Rezensentin zum Schönsten, was die Opernwelt hervorgebracht hat, ganz sicher zum Schönsten, was Richard Strauss komponiert hat. In dieser luxuriösen Besetzung Nylund – Losier – Sierra und als Höhepunkt dieser Rosenkavalier – Aufführung war es ein Moment von überirdischer Schönheit.

Strauss hat darüber an von Hofmannsthal geschrieben:  „Dass es beim Vorlesen abflaut, ist klar. Dass der Musiker dagegen an dem Schluss, wenn ihm überhaupt was einfällt, gerade seine besten und höchsten Wirkungen erzielen kann – dies zu beurteilen, können Sie beruhigt mir überlassen (…) Für den Schluss vom Abgesang des Barons garantiere ich.“

Jeder, der das Final-Terzett, den üppig schwelgerischen und doch bitter-süßen Höhepunkt der Partitur, gehört hat, wird zustimmen, dass Strauss sein Versprechen mehr als eingelöst hat. Auch hier muss man eigentlich wieder den Text aller drei Figuren parallel verfolgen, denn jeder ist für sich völlig eigenständig komponiert.

Marschallin: „Hab mir’s gelobt, dich lieb zu haben, in der richtigen Weis‘, dass ich selbst deine Lieb‘ zu einer anderen lieb habe.“   Sophie: „Weiß gar nicht, wie mir ist.“    Octavian: „Und spür nur dich.“

An der Stelle „Da steht der Bub, und da steh ich“ wird die Musik so dicht, schwelgerisch und pompös, dass es fast weh tut. Zubin Mehta befeuert die Staatskapelle noch einmal so richtig und lässt das Blech erstrahlen.  Die Musik bäumt sich geradezu auf, die Personen auf der Bühne wechseln noch einmal die Positionen und nun ist Octavian hinten in der Mitte zwischen den beiden Frauen, aber näher an Sophie als zuvor.  Nach einer kleinen Modulation geht die Musik in das Duett Sophie – Octavian über. Mit den Worten „In Gottes Namen“ geht die Marschallin langsam nach links ab, Sophie und Octavian bleiben alleine in der Mitte der Bühne zurück, nur von einem Verfolger beleuchtet. Die Celesta mischt sich mit ihrer bitonalen Akkordfolge aus der Rosenübergabe in die harmonisch einfache Idylle und sprengt diese mit ihrer komplexen Harmonik.

„Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein.“ Beide bringen noch einmal das zum Ausdruck, was sie bewegt, und was sie bisher gar nicht formulieren konnten, ein Liebesgeständnis ganz am Schluss der Oper.  Nach diesem Gespinst aus Harmonien und leichten Dissonanzen von Harfe und Celesta, dolce e pianissimo, schwingt sich die Partitur ganz zum Schluss noch einmal in rasantem Tempo und fortissimo auf und endet mit einem von der Klarinette eingeleiteten und den Bläsern aufgenommen fanfarenartigen Ruf in einer pompösen Kadenz.

Wahrscheinlich war das selbst für Richard Strauss zuviel Zuckerguss auf der silbernen Rose. Der Mohr (hier tatsächlich eine „person of colour“) findet das Taschentuch der Marschallin, winkt damit und das Letzte, was wir sehen, ist eine Art Andromedanebel oder Sternenstrudel. So bleibt nach diesen fast vier Stunden festzustellen, dass es mit Sicherheit einer der besten Rosenkavalier – Aufführung war, die die Rezensentin erlebt hat  – und das waren schon einige.

Die Solisten nur zu loben, hieße Eulen nach Athen tragen. Was an diesem Abend aber besonders zu spüren ist, ist die allumfassende Spielfreude. Günther Groissböck als Baron Ochs auf Lerchenau wurde bereits an der New Yorker Metropolitan Opera gefeiert als „an Ochs for the ages“ und das ist er ganz sicher. In puncto Spielfreude ist er an diesem Abend jedoch unübertroffen. Durch seinen wienerischen Charme und originären Akzent füllt er die Rolle einfach perfekt aus. Allein vom Habitus her bietet er alles, was die Rolle braucht. Kommt dann noch sein an diesem Abend absolut präsenter und bestens disponierter Bass dazu, bleiben keine Wünsche offen. Mit Witz, Charme und absolutem Wohlklang gestaltet er die so textreiche und dadurch nicht ganz einfache Rolle sehr eindrucksvoll. Und dann der Genuss dieser tiefen Töne im Walzer, das ist wie Zartbitterschokolade. Immer wieder eine große Freude ist seine außerordentliche Bühnenpräsenz und Liebe zum Detail.

Camilla Nylund überzeugt ebenfalls vollends als Marschallin. Man muss sich einmal vergegenwärtigen, dass die Marschallin keineswegs eine alte Frau ist. Es war einmal zu lesen, dass sie etwa 37 ist. Das ist nicht alt, wenn auch etwas älter als ihr jugendlicher Liebhaber mit seinen vielleicht 17 Jahren. Sie ist also eine erfahrene verheiratete aber dennoch unglückliche Frau, die sich mit Octavian ein Stück Lebensfreude und Jugend zurückholt und die sich ihrer Situation absolut bewusst ist. Deshalb wirkt die Figur auch überhaupt nicht lächerlich, im Gegenteil. Sie ist eigentlich die, die allzeit den Überblick hat und behält und souverän mit der Situation umgeht. Camilla Nylund verkörpert darstellerisch wie stimmlich eine phantastische Marschallin. Sie ist ruhig und überlegen, strahlt Größe und Grazie aus und ist in jeder Situation beherrscht und überlegen. Zu ihrer anmutigen Erscheinung kommt ihre unglaubliche Stimme. Ihr warmer lyrisch-dramatischer Sopran passt ideal zur Rolle der Marschallin. Für die Rezensentin steht sie damit auf einer Stufe mit Renée Fleming, die diese Rolle in der bereits erwähnten Robert-Carsen-Inszenierung an der Metropolitan Opera mit Günther Groissböck, Elina Garanca und Erin Morley interpretiert hat.

In der Hosenrolle des Octavian erlebt das Staatsopern-Publikum mit Michèle Losier eine junge kanadische Mezzo-Sopranistin, die mit der Partie des Octavian ihr Debüt an der Staatsoper Unter den Linden gibt.

Vom Kostüm perfekt unterstützt gelingt ihr die Verkörperung des jungen Liebhabers großartig und sehr überzeugend. Ihr warmer voller Mezzo, der auch in der Höhe über eine große Strahlkraft verfügt, setzt sich in den Ensemble- und Orchesterstellen stets gut durch und ist sowohl kraftvoll als auch zart und sehr wandlungsfähig. Michèle Losier gewinnt das Publikum mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrer Leidenschaft sowohl als junger Liebhaber der Marschallin als auch als Bräutigamsaufführer und letztlich als verliebter junger Mann, der in Sophie sein Gegenüber gefunden hat. Aber auch die Verwandlung zum etwas derben Mariandl gelingt ihr vorzüglich. Die Innigkeit schließlich, die zwischen ihr und ihrer Partnerin Nadine Sierra im Schluss-Duett entsteht, ist beeindruckend.

Nadine Sierra, die junge US-amerikanische Sopranistin, gestaltet die Sophie hingebungsvoll und ebenfalls sehr authentisch. Ihr klarer, leicht metallischer Sopran verfügt über eine große Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten. Leider hat Richard Strauss ihr dazu mit dieser Rolle nicht so viele Möglichkeiten gegeben. Zu oft wird Sophie auch von der Regie auf das dumme kleine Mädchen reduziert, das einfach nur an den Baron Ochs verschachert wird. So ist Sophie in erster Linie jung, hübsch und lieblich anzusehen. Lediglich als sie Ochs heiraten soll und dieser sein wahres Gesicht zeigt, begehrt sie auf, dass sie ihn nie wieder ansehen wird. Ihr schönsten musikalischen Passagen hat Sophie im Duett mit Octavian und im Terzett. Hier hinein legt Nadine Sierra dann auch alle Leidenschaft, so dass die letzte Viertelstunde zum Höhepunkt des fast vierstündigen Opernabends wird. Alle drei Damen zeigen hier im Zusammenklang welch großartigen Künstlerinnen sie sind.

In der besuchten Vorstellung leider von den Auswirkungen einer Erkältung leicht beeinträchtig aber doch souverän gestaltet Roman Trekel die Rolle des Edlen von Faninal. An einigen wenigen Stellen merkt man ihm die Erkältung ein wenig an, jedoch tat das der Wirkung der Rolle und dem Gesamtergebnis keinen Abbruch. Sein lyrischer Bariton strömt warm und voll und verleiht dem Brautvater eine gewisse Würde. Erwähnt werden sollen hier auch sehr gerne Katharina Kammerloher als Annina und Karl-Michael Ebner als Valzacchi. Mit großer Spielfreude und stimmlicher Wandlungsfähigkeit geben sie das intrigante Paar, das insbesondere in der Lever-Szene zu Hochform aufläuft.

Mit Erik Rosenius, Linard Vrielink, Jaka Mihelac, Andrés Moreno García und Viktoria Randem sind zudem fünf junge Mitglieder des Opernstudios der Staatsoper Unter den Linden auf der Bühne, die man gerne in der Zukunft weiter begleiten möchte.

Der Staatsopernchor (Einstudierung: Anna Milukova) und die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Maestro Zubin Mehta runden das durchweg positive Bild ab. Der Chor trägt durch die großen Szenen entscheidend dazu bei, dass hier eine Atmosphäre erzeugt wird, die den Zuschauer mitnimmt, auch wenn der Rosenkavalier selbstverständlich keine große Choroper ist. Präzise und mit großer Spielfreude präsentiert sich das Chor-Kollektiv.

Zubin Mehta führt die Staatskapelle Berlin mit sicherem Dirigat durch den langen Strauss-Abend und ist dabei stets verlässlicher Begleiter für die Solisten. Warum er über weite Strecken sehr ruhige Tempi wählt, bleibt unklar. Bisweilen hätte ein wenig mehr Bewegung der Sache gut getan.

Das Schwelgerische und Opulente in Strauss‘ Partitur arbeitet er hervorragend heraus, so dass der Abend musikalisch ein großer Genuss wird. Die dynamische Bandbreite vom zarten Pianissimo bis zum Fortissimo der Schlusskadenz kostet Mehta voll aus und spart dabei auch nicht die darin liegende Brüchigkeit aus. Die Sänger agieren wie erwähnt durchweg auf hohem bis höchstem Niveau, so dass dieser Rosenkavalier sicher jedem, der ihn im Haus Unter den Linden erlebt hat, in besonderer Weise im Gedächtnis bleiben wird.

Die Figuren erfüllen die Erwatungshaltung, die man an sie hat. Die Personenregie von André Heller ist nachvollziehbar und schlüssig, die Wege und Handlungen sind plausibel. Raum für Überraschungen bleibt da wenig.

Das Ganze findet in einem bunten und opulenten Bühnenbild statt, das die Strauss’sche Üppigkeit der Partitur gut unterstreicht. Die Kostüme unterstreichen die wohlhabende Gesellschaft, in der wir uns bewegen, ebenso wie die herrschaftlichen Räume, die Lerchenauer sind rustikal, wie man es vom Landadel erwartet und der Rosenkavalier ist so sehr Klischee, wie man es sich nur vorstellen kann. Der einzige Bruch, den Heller vornimmt, ist, dass er den dritten Aufzug nicht in einem Gasthaus, einem Beisl spielen lässt, sondern das Tête-à-tête mit Mariandl vor ein marokkanisches Zelt und vor die Kulisse einer Orangerie oder eines Palmenhauses verlegt. Aber auch das funktioniert und wird nur von wenigen traditionell orientierten Opernbesuchern hinterfragt. Wem das keine Ruhe lässt, der kann im reich bebilderten und wirklich gut gestalteten Programmheft den diesem Thema gewidmeten Teil studieren.

Einzig das etwas spacige komplett goldene Kostüm des Herrn von Faninal lässt einen grübeln, was uns André Heller damit sagen will, passt dieses doch so gar nicht zu den anderen, die alle sehr passend und schlüssig sind.

Das Publikum in der Lindenoper dankte allen Beteiligten mit üppigem Beifall nach jedem Aufzug und stehenden Ovationen am Schluss. Etliche Vorhänge fielen, bis die Zuschauer bereit waren, die Sänger und Musiker in den wohlverdienten Feierabend zu entlassen. Man kann der Produktion und dem Publikum nach nur sieben Vorstellungen im Februar 2020 nur eine baldige Wiederaufnahme wünschen. Verdient hätte sie es.

Der Rosenkavalier in der Staatsoper Unter den Linden; für die Spielzeit 2019/20 sind keine weiteren Vorstellungen mehr vorgesehen.

—| IOCO Kritik Staatsoper unter den Linden |—

Wien, Wiener Staatsoper, Premiere Samson et Dalila, 12.05.2018

Mai 7, 2018 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Samson et Dalila  –  Camille Saint-Saens

Nach 24 Jahren kehrt Samson et Dalila zurück an die Wiener Staatsoper: Am  12. Mai 2018 feiert die Oper in einer Neuinszenierung von Alexandra Liedtke Premiere im Haus am Ring. Weitere Vorstellungen: 15.5.; 18.5.; 21.5.2018.

Camille Saint-Saens komponierte ausgehend von einem Libretto Voltaires eine Oper (die ursprüngliche Musik zu diesem Werk ist verschollen), die aus der bekannten biblischen Geschichte nur einen Ausschnitt wählt: Die Liebesgeschichte. Besonders interessierte den Komponisten aber auch der einsame Raum rund um die Protagonisten – und so sind Samson und Dalila nicht nur Liebende, sondern auch Einsame in sich bekriegenden Gesellschaften.

Camille Saint-Saens in Paris © IOCO

Camille Saint-Saens in Paris © IOCO

Uraufgeführt wurde das Werk 1877 in Weimar, kam 15 Jahre später an die Pariser Opéra und 1907 in der Direktion Gustav Mahlers und unter Dirigent Bruno Walter an die Wiener Hofoper. Die bisher zweite Staatsopern-Produktion von Samson et Dalila kam im Dezember 1990 heraus, mit KS Plácido Domingo als Samson, KS Agnes Baltsa als Dalila, unter dem Dirigat von Georges Prêtre und in einer Inszenierung von Götz Friedrich.

Die anstehende Neuproduktion wird musikalisch geleitet vom italienischen Dirigenten Marco Armiliato, der seit seinem Debüt im Haus am Ring 1996 mit Andrea Chénier eine Vielzahl an Repertoirevorstellungen – insgesamt 30 unterschiedliche Werke – sowie die
Premierenproduktion von Il trovatore (2017) dirigierte. Bei Samson et Dalila handelt es sich um eine durchwegs französische Musik, um eine sehr abwechslungsreiche, kurzweilige, elegante französische Musik, in der jeder einzelne Moment für sich ebenso beeindruckend ist, wie der Gesamteindruck! […] In dieser Oper reiht sich ein besonderer Moment an den nächsten“, so Marco Armiliato im Gespräch mit Andreas Láng für das Staatsopernmagazin Prolog.

Regie führt – erstmals an der Wiener Staatsoper – die deutsche Regisseurin Alexandra Liedtke, die bisher u. a. am Schauspielhaus Hamburg, dem Burgtheater, am Theater in der Josefstadt, den Salzburger Festspielen und am Schauspielhaus Bochum arbeitete. Ihr Debüt als Opernregisseurin gab sie mit Das Labyrinth bei den Salzburger Festspielen, mit Samson et Dalila debütiert sie nun im Haus am Ring. Ihr Zugang zum Werk ist mitunter geprägt von David Grossmans Buch Löwenhonig, in dem die These aufgeworfen wird, dass Samson eine Art Selbstmordattentäter ist: „Sein Buch hat für mich in der Auseinandersetzung und Vorbereitung auf die Inszenierungsarbeit einen ganz großen Reiz besessen. Es tauchen ja viele Fragen auf: Wie wird unterschieden in der Frage, ob ein Mensch ein Held ist oder ein Mörder?

Wenn man sich die großen Stoffe anschaut – egal, ob Bibel oder griechische Mythologie – was definiert Menschen, ob sie Helden sind oder Mörder? Wenn jemand tausende Menschen umbringt: Wann nennen wir ihn einen Helden? Bei Samson frage ich mich: Wie sehr wollte er das tun? Er wurde schon vor seiner Geburt auserwählt – hatte er eine Wahl? Wie lebt es sich mit dem Wissen, der Retter eines Volkes zu sein? Ein Gottgesandter zu sein? Manchmal habe ich ja fast den Eindruck, dass Samson wie ein Kind durch die Welt wandelt und niemals an Konsequenzen denkt.“

Der deutsche Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt, der an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studierte, ist mit Samson et Dalila erstmals an der Wiener Staatsoper tätig. Er arbeitete bisher u. a. für das Schauspielhaus Graz, die Salzburger Festspiele, das Theater in der Josefstadt, Burgtheater, Salzburger Landestheater, Staatstheater Mainz, Schauspiel Leipzig, für die Opernfestspiele der Bayerischen Staatsoper, das Residenztheater München, das Berliner Ensemble.

Alexandra Liedtke und Raimund Orfeo Voigt entschieden sich bewusst für ein schlichtes Bühnenbild und gegen Exotismus aus biblischer Zeit, was die Regisseurin erläutert: „Ich stelle mir lieber die Frage: Wie modern ist das Thema? Es geht um Macht, um Machterhalt. Und es geht um Verantwortung und Liebe – und die Spannung, die sich daraus ergibt. Was passiert, wenn man sich zwischen Herz und Verstand entscheiden muss? Ich fürchte, es geht selten gut aus …“

Die Kostüme gestaltet die deutsche Kostümbildnerin Su Bühler, die an der Wiener Staatsoper bisher die Kostüme für Lady Macbeth von Mzensk kreierte. Für das Lichtdesign zeichnet Gerrit Jurda (Debüt im Haus am Ring) verantwortlich, die Choreographie stammt von Lukas Gaudernak.

Die Sängerbesetzung

In den Titelpartien geben zwei der international gefragtesten Sänger ihr persönliches Rollendebüt: KS Roberto Alagna als Samson sowie KS Elina Garanca als Dalila.

Den Protagonisten Samson beschreibt KS Roberto Alagna so: „Für mich ist er der größte Held der Bibel. Als ich Kind war, erzählte mir meine Großmutter die bekannten Geschichten aus der Bibel nach. […] Und Samson wurde bald zu meinem liebsten Helden. […] Weil Samson nicht nur enorm stark war, sondern auch eine gewisse Fragilität hatte. Wir lernen in der Bibel ja, wie er auch Schwäche zeigte. Abgesehen davon scheint er mir bis heute ein nobler Charakter: Sein Flehen zu Gott um Vergebung hat ja keine persönlichen Gründe, sondern er bittet um Macht, um seinem Volk helfen zu können. […] Samson zu studieren ist so wie sich zu verlieben. Umso mehr man sich mit der Partie beschäftigt, desto vielfältiger und faszinierender erscheint sie einem. Es ist überraschend, wie reich diese Oper an Melodien ist, wie viel Atmosphäre in ihr steckt. Man hört Phrasen, die unglaublich bewegend sind und einen an Puccini erinnern.“
Im Haus am Ring feierte der Tenor in den vergangenen Wochen großen Erfolg als Otello sowie als Calaf (Turandot); nach Des Grieux (Manon), Faust sowie Manrico (Il trovatore) ist Samson et Dalila seine vierte Staatsopernpremiere.

KS Elina Garanca verkörpert erstmals die Dalila, eine Partie, die für sie besonders interessant ist: „Bei Dalila ist es ja tatsächlich so, dass wir sehr wenig über sie wissen. Woher kommt sie? Wer hat welche Macht über sie – und warum? Hat sie einen Glauben – und wenn ja, welchen? Wie ist ihr Verhältnis zum Oberpriester? Alles ist ziemlich nebelhaft. Da muss ich mir eben viele Fragen stellen und bin gefordert, die Bühnenfigur zum Leben zu erwecken. Das ist durchaus eine sehr schöne Arbeit – und macht die Proben auch spannend! […] Sie ist ein komplexer Charakter, und das interessiert mich! […] Ich hatte immer großen Respekt vor der Partie, weil sie so als Alto-mäßig verschrien ist. Dalila ist in Wahrheit aber eine unglaublich lyrische Partie, die man auch so singen muss.“

KS Ellna Garanca startete ihre Karriere als Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, der sie seit ihrem Debüt eng verbunden ist. Mit Samson et Dalila wirkt sie bei ihrer fünften Premiere im Haus am Ring mit; bisherige Neuproduktionen waren Meg Page (Falstaff), Charlotte (Werther), Giovanna Seymour (Anna Bolena), und Sesto (La clemenza di Tito).

KS Carlos Álvarez gestaltet den Oberpriester des Dagon, den großen Gegenspieler des Protagonistenpaares Samson und Dalila. Die Produktion ist die achte Staatsopernpremiere des Publikumslieblings nach Don Carlo (Ernani), Don Giovanni (im Theater an der Wien), Figaro (Le nozze di Figaro), Alphonse XI (La Favorite), Ford (Falstaff), Sulpice (La Fille du régiment), Don Carlos (La forza del destino).  Den Oberpriester des Dagon verkörperte er erstmals vor rund drei Jahren in Oviedo und gibt nun sein Staatsopern-Rollendebüt. Im Gespräch mit Andreas Láng für den Prolog erklärt er auf die Frage, ob der Oberpriester der eigentliche Bösewicht in Samson et Dalila ist: „Was ist der Oberpriester des Dagon? Die zentrale politische und religiöse Macht der Philister in einer Zeit, in der Menschenleben nicht viel galten und die Geschichte nur von den Siegern geschrieben wurde. […] Aus seiner Sicht kann das Ziel nur in der Vernichtung Samsons liegen – und darin wird er nichts Verwerfliches erkennen. Das Publikum soll durchaus über die Sinnhaftigkeit dieses Standpunktes nachdenken, über alternative Wege diskutieren, aber so einfach als Bösewicht würde ich den Oberpriester nicht abqualifizieren.“

In den weiteren Partien sind die Staatsopern-Ensemblemitglieder Sorin Coliban als Abimélech, Dan Paul Dumitrescu als Alter Hebräer, Leonardo Navarro als Kriegsbote der Philister, Jörg Schneider als Erster Philister und Marcus Pelz als Zweiter Philister zu erleben.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Elina Garanca – betörende Mezzo, IOCO Kritik, 16.02.2017

Februar 17, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf

BA Management

Tonhalle Düsseldorf / Elina Garanca © Holger Hage, DG

Tonhalle Düsseldorf / Elina Garanca © Holger Hage, DG

Elina Garanca – Elegante Erscheinung mit betörendem Mezzo

Elina Garanca gilt als eine der weltbesten und beliebtesten Mezzosoprane unserer Zeit. Die talentierte Lettin merkte schon in jungen Jahren, dass ihr Herz für die Musik schlägt. 1996 begann sie ihr Studium in Riga und sang bereits 1998 die Rolle der Giovanna Seymour in Anna Bolena von Donizetti. Ihre einzigartige Stimme brachte ihr zahlreiche Preise ein. 1999, zwei Jahre nach Beginn ihres Studiums, gewann sie den Internationalen Mirjam Helin Gesangswettbewerb in Finnland, ein Jahr später wurde ihr der Lettische Great Music Award verliehen und bis heute bekam sie schon drei ECHO Klassik Auszeichnungen. Seit fast 20 Jahren begeistert Elina Garanca mit ihrer ausdrucksstarken Stimme das Publikum in allen großen Opernhäusern und Konzertsälen der Welt.

Am 14.02.2017 füllte eine enthusiasmierte Konzert-Gemeinde die Tonhalle Düsseldorf. Die Besucher waren an diesem Abend aus allen Teilen des Landes angereist, um Elina Garanca, die aufsehenerregende Mezzosopranistin live zu erleben. Das interessante und exquisite Programm, mit Werken von Tschaikowsky über Verdi, Darzins, Saint-Saens, Cilea, Donizetti, Mascagni, Ponchielli bis hin zur spanischen Zarzuela, war außergewöhnlich vielseitig und begeisterte das Publikum in seinen anmutigen wie auch heiteren Passagen. Begleitet von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung ihres Ehemanns des Dirigenten Karel Mark Chichon, nahm Elina Garanca das Publikum mit auf eine phantastische Reise.

Ein Walzer aus Tschaikowskys Schwanensee bei dem das Orchester gleich alle Register seines Könnens zog und exakt und beschwingt musizierte, bildete den Auftakt des Konzertes.  Darauf folgte gleich der erste Einsatz der Mezzosopranistin mit einer exzellent gesungenen Arie der Johanna aus „Die Jungfrau von Orleans“ von Tschaikowsky, welche sie mit Charme, hinreißender Stimme und meisterlicher Phrasierung darbot.

Tonhalle Düsseldorf / Elina Garanca © PaulSchirnhofer - DeutscheGrammophon

Tonhalle Düsseldorf / Elina Garanca © PaulSchirnhofer – DeutscheGrammophon

[Von Elina Garanca wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Die Deutsche Staatsphilharmonie zelebrierte unter dem Dirigat von Chichon als nächstes einen „Melancholischen Walzer“ von E. Darzins. – Die Momente, in der die führende Klarinette unter dem Pizzicato der Violinen, in Begleitung der pianissimo spielenden Celli, eine betörend wirkende Atmosphäre der Melancholie erschuf, waren atemberaubend.

Als Glanzpunkt des Abends folgte die hochemotionale Arie der Dalila von C.Saint-Saens, bei der Elina Garanca alle Facetten ihres stimmlichen Könnens zeigte. Sie sang die Dalila zart, sinnlich, mit aufregenden Stimmfarben und ausschwingenden melodischen Bögen und eroberte damit das Publikum im Sturm.

Chichon führte die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der Ouvertüre zu „Die Sizilianische Vesper“ von Verdi mit glühendem verdischen Feuer. Seine schwungvolle, genaue Interpretation war vorbildlich. Er entlockte dem präzise spielenden Klangkörper jede Feinheit der Partitur; ein spannungsreicher, rhythmischer Verdi, dem es weder an Wucht noch an feinen Instrumentaleffekten mangelte.

Obwohl die Titelpartie aus „Adriana Lecouvreur“ von Cilea eigentlich für eine Sopranstimme geschrieben ist, war Elina Garanca in „Ecco, respiro appena, Io son L’umile ancella“ außerordentlich bewegend, mit wunderbarem Timbre, breiten Tiefen und brillanten Höhen. Die Stimme strahlte und war voller Schmelz und betörender Harmonie.

K.M.Chichon am Pult; ein sich gänzlich engagierender Musiker, der das Orchester mit präziser Zeichengebung führte. Ein eleganter und natürlicher Dirigent, dessen Interpretationen sich durch Energie und Temperament gleichermaßen auszeichneten. Er dirigierte das Vorspiel aus „La Favorite“ von Donizetti, sehr feinfühlig mit vollstem Einsatz und verlangte der Deutschen Staatsphilharmonie alles ab. Auch die „Danze delle ore“ aus „La Gioconda“ von A. Ponchielli waren ein musikalischer Hochgenuss.

Elina Garanca sang die Arie der Santuzza aus „Cavalleria Rusticana“ von P. Mascagni mit ihrem außerordentlich schönen und klangvollen Mezzosopran mit allen Nuancen äußerst inbrünstig.  Mit ausladender Stimme, vielfarbiger Ausdrucksfülle und dramatischer Heftigkeit war sie eine bewegende Santuzza.

Als Schlusspunkt des Konzertes folgten noch drei exzellent gesungene Neapolitanische Canzonen von S. Gastaldon und F.P.Tosti.

Da das Publikum sich aber von der charmanten Sängerin noch nicht so schnell verabschieden wollte, gab Elina Garanca nach tosendem Applaus noch Zugaben aus der Zarzuela „Las hijas del Zebedeo“ von Chapi und „Granada“ von Agustín Lara. Es endete ein großer Abend und das hingerissene Publikum dankte den Protagonisten mit vielen Bravo-Rufen und stehenden Ovationen.

IOCO / K.K. / 17.02.2017

—| IOCO Kritik Tonhalle Düsseldorf |—

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