Linz, Landestheater Linz, Wiederaufnahme CARMINA BURANA, 01.12.2019

November 20, 2019 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

WIEDERAUFNAHME: CARMINA BURANA

Tanztheater von Mei Hong Lin | Musik von Carl Orff

Mit Carmina Burana schuf Carl Orff eines der populärsten Werke der ernsten Musik. In dieser Spielzeit steht Mei Hong Lins als Gesamtkunstwerk umjubelte Interpretation des monumentalen Klassikers der Moderne wieder auf dem Spielplan. In dem spartenübergreifenden Großprojekt wirken neben der Kompanie TANZLIN.Z auch Chor, Extrachor, Kinder- und Jugendchor des Landestheaters sowie Solistinnen und Solisten des Sängerensembles und das Bruckner Orchester Linz mit.

Orffs gigantisches Kaleidoskop um menschliches Werden und Vergehen, die Wechselhaftigkeit des Schicksals und die Flüchtigkeit des Glücks hat die Linzer Tanzdirektorin in zeitgenössisches Tanztheater übersetzt. Ihre Darsteller*innen sind Menschen von heute, deren Erlebniswelt sich zwischen komplexen Familienkonstellationen und Casting-Shows, zwischen Freude und Trauer, Gier und Lust abspielt. In einem multidimensionalen Kosmos aus Klang, Licht, Tanz und Design lässt Mei Hong Lin ihre Tänzer*innen das Rad des Schicksals drehen und entfesselt ein sinnliches Spektakel um das Drama des Menschen und seinen Lebenskampf zwischen Angst und Hoffnung.

Wiederaufnahme | So, 1. Dezember, 19.30 Uhr Großer Saal Musiktheater

Die weiteren Termine: 17., 28. Dezember 2019; 1. und 7. Jänner 2020


CARMINA BURANA (WIEDERAUFNAHME)
TANZTHEATER VON MEI HONG LIN | MUSIK VON CARL ORFF
Szenische Kantate in drei Teilen (1937)
Text nach einer Auswahl aus der gleichnamigen Handschrift lateinischer und deutscher Lieder und Gedichte (um 1250)
In lateinischer und mittelhochdeutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Wiederaufnahme Sonntag, 1. Dezember 2019, 19.30 Uhr
Großer Saal Musiktheater
Musikalische Leitung Marc Reibel
Choreografie und Inszenierung Mei Hong Lin
Bühne Dirk Hofacker
Kostüme Bjanka Ursulov
Visuals Valentin Huber
Chorleitung Elena Pierini
Leitung Extrachor Martin Zeller
Leitung Kinder- und Jugendchor Ursula Wincor
Dramaturgie Ira Goldbecher, Thorsten Teubl

GESANGSSOLISTEN
Sopran Fenja Lukas, Etelka Sellei, Tenor Matthäus Schmidlechner, Bariton Martin Achrainer, Timothy Connor

TÄNZER
Schicksal (Fortuna) Julio Andrés Escudero

In verschiedenen Rollen Rie Akiyama, Lara Bonnel Almonem, Kayla May Corbin, Julie Endo, Núria Giménez Villarroya, Mireia González Fernández, Rutsuki Kanazawa, Safira Santana Sacramento, Melissa Panetta, Alessia Rizzi, Valerio Iurato, Filip Löbl, Vincenzo Rosario Minervini, Nimrod Poles, Pavel Povrazník, Lorenzo Ruta, Andrea Schuler, Pedro Tayette, Shang-Jen Yuan

Chor des Landestheaters Linz, Extrachor des Landestheaters Linz, Kinder- und Jugendchor des Landestheaters Linz, Statisterie des Landestheaters Linz, Bruckner Orchester Linz

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—

Linz, Musiktheater am Volksgarten, Médée – Luigi Cherubini, IOCO Kritik, 23.05.2019

Mai 23, 2019 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Médée  von  Luigi Cherubini

– Tragödie in einer oberen Banketage in New York –

von Marcus Haimerl

Luigi Cherubini Grabstätte Paris © IOCO

Luigi Cherubini Grabstätte Paris © IOCO

Die Uraufführung von der Oper Médée von Luigi Cherubini fand 1797 im Théâtre Feydeau in Paris statt. Das Libretto nach der Tragödie des Euripides stammt von François-Benoît Hoffmann. Für die Wiener Erstaufführung 1802 schuf Cherubini eine gekürzte Fassung, die Übersetzung stammt von Georg Friedrich Treitschkes. 1855 wurden die originalen Dialoge durch nachkomponierte Rezitative von Franz Lachner ersetzt. Da sich selbst in Frankreich Werke der „Opéra comique“, die nicht gerade als komisch zu bezeichnen sind, nur schwer durchsetzen konnten, vertrieb die Version mit den von Franz Lachner nachkomponierten Rezitativen die Originalversion mit den gesprochenen Dialogen fast gänzlich von den Spielplänen. Große Popularität erlangte die italienische Übersetzung von Carlo Zangarini in der Lachner-Fassung durch die Gestaltung von Maria Callas der Titelpartie.

Im Musiktheater Linz erlebte das Publikum Cherubinis Oper in französischer Sprache mit gekürzten deutschen Dialogen in einer Koproduktion mit der Opéra de Nice und dem Theater Erfurt.

Regisseur Guy Montavon verlegt die Handlung dieser griechischen Tragödie in die oberste Etage eines New Yorker Bankenhochhauses, das in glücklicheren Zeiten von Medea und Jason gegründet wurde. Durch das schnelle Geld übermütig geworden nimmt sich Jason eine jüngere Frau. Die aufgrund ihrer früheren Verbrechen erpressbare Medea muss die gemeinsame Firma, Mann und Kinder verlassen. Die glücklichen Erinnerungen werden durch einen roten Schal symbolisiert, den Jason einst Medea schenkte. Jason und seine neue Frau Dircé sind mit der Leitung der Firma überfordert und müssen diese an Dircés Vater, den Großunternehmer Créon, verkaufen. Néris ist Büroleiterin und engste Vertraute Medeas. Sie arrangiert sich mit der neuen Situation, jedoch nicht ohne Medeas Arbeit weiterzuführen.

Landestheater Linz / Médée von Luigi Cherubini - hier : Martin Achrainer als Créon, Theresa Grabner als Dircé © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Médée von Luigi Cherubini – hier : Martin Achrainer als Créon, Theresa Grabner als Dircé © Reinhard Winkler

Medea wird von der neuen Familienidylle angezogen, sie kehrt zurück und kämpft um das Recht, ihre Kinder sehen zu können und weckt in dem leicht beeinflussbaren Jason alte Gefühle. Dircé, die von Beginn an in Angst vor Medeas Rache gelebt hat, wird die Situation zu viel. Das Hochzeitsgeschenk Medeas, der rote Schal, das Liebespfand Jasons, und eine Pistole, reichen aus, um sie in den Selbstmord zu treiben. Aber damit nicht genug: Nach der Ermordung beider Kinder setzt Medea mit den Worten „An den Ufern des Styx wird dich mein Schatten erwarten“ das gesamte Gebäude in Brand, dem alle Mitarbeiter zum Opfer fallen. Jason bleibt allein vor dem Trümmerhaufen zurück. Mit dieser spannenden Umsetzung der antiken Tragödie beweist Regisseur Guy Montavon nicht nur, wie zeitgemäß die Handlung auch heute noch ist, es gelingt ihm mit dem Finale im brennenden Wolkenkratzer ein unglaublich starkes Bild und ein spektakulärer Schluss.
Das Einheitsbühnenbild von Annemarie Woods zeigt ein Großraumbüro mit Computerarbeitsplätzen umgeben von einer darüberliegenden Galerie und einem Ausblick auf die umliegenden Hochhäuser.

Eine großartige Leistung der gebürtigen Schweizerin Brigitte Geller, die mit kraftvollem Sopran die Partie der Médée mit scheinbarer Leichtigkeit meisterte und gleichzeitig mit beeindruckender Ausdruckskraft nicht nur die deutschen Dialoge meisterte, sondern vielmehr die innere Zerrissenheit der tragischen Frauenfigur im Businesskostüm zwischen Liebe und Rache glaubhaft vermitteln konnte.

Landestheater Linz / Médée von Luigi Cherubini - hier : Brigitte Geller als Médée © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Médée von Luigi Cherubini – hier : Brigitte Geller als Médée © Reinhard Winkler

Theresa Grabner als Dircé, Medeas blonde Gegenspielerin in heller Designerkleidung, überzeugt mit schönen Koloraturen und schafft es auch, die von Ängsten getriebene Königs-/Unternehmertochter glaubhaft zu gestalten. Auf höchstem Niveau erlebt man auch die britische Mezzosopranistin Jessica Eccleston in der einzigen sympathischen Partie dieser Oper, der Vertrauten/Büroleiterin Néris.
Mit seinem schönen, höhensicheren Tenor mit fast wagner’scher Strahlkraft singt Matjaž Stopinšek den schwachen Machtmenschen Jason. Mit unglaublich kraftvollem Bariton und mit großer Bühnenpräsenz überzeugt Martin Achrainer in der Partie des Créon gesanglich und darstellerisch. Auch die kleinen Partien sind mit Margaret Jung Kim (Erste Frau aus Dircés Gefolge) und Yoon Mi Kim-Ernst (Zweite Frau aus Dircés Gefolge) hervorragend besetzt. Großes Lob auch für die wunderbare Darstellung von Matthias Körber und Raphael Naveau als Medeas und Jasons Kinder.

Die musikalische Leitung des Abends lag in den Händen von Bruno Weil, unter dessen routiniertem Dirigats das Brucknerorchester Linz erneut beweisen konnte, dass es zu Recht zu den bedeutendsten Klangkörpern Österreichs zählt. Unter der Leitung von Elena Pierini singt und spielt der Chor des Landestheater Linz auf höchstem Niveau.

Nur einige wenige Buhrufe für das Regieteam störten den lang anhaltenden Applaus des Publikums, der nicht nur den musikalischen Qualitäten des Abends galt, sondern auch der durchaus spannenden Regiearbeit Recht gaben.

Médée am Landestheater Linz; die nächsten Vorstellungen am 29.5.; 31.5.; 6.6.; 19.6.; 28.6.2019

—| IOCO Kritik Landestheater Linz |—