Hildesheim, TfN Hildesheim, 5. Kammerkonzert – Franz Schubert, IOCO Kritik, 01.05.2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

5. Kammerkonzert –  Franz Schubert (1797 – 1828)

– Oktett in F-Dur für Bläser und Streicher D 803 (op. post 166) –

von Randi Dohrin

Es liegt nahe, dass Franz Schubert mit diesem stattlichen, 6-sätzigen Oktett, das zu den wichtigsten Kammermusikwerken des 19. Jahrhunderts gehört, sich bereits auf dem Weg zu seinen großen Symphonien befand; allein schon wegen seiner Länge von ungefähr 60 Minuten, übersteigt das Werk deutlich die Grenzen der Kammermusik.

Sinfonische Vorzeichen

Dieses Oktett, besetzt aus Klarinette, Fagott, Horn, zwei Violinen, Bratsche, Violoncello und Kontrabass, gab höchstwahrscheinlich der Klarinettist Ferdinand Graf Troyer dem Komponisten Franz Schubert in Auftrag. Nur wenige Wochen später – am 1. März 1824 – hatte er es bereits fertiggestellt und noch im selben Jahr wurde es in einem Privatkonzert uraufgeführt. Schubert hatte seine lang anhaltende Schaffenskrise überwunden, wie dieses melodienreiche Kammermusikstück beweist.

 TfN Hildesheim / Solisten des TfN Kammerorchester © Randi Dohrin

TfN Hildesheim / Solisten des TfN Kammerorchester © Randi Dohrin

Mit dynamischer Differenzierung und Rhythmik präsentierten am 27.4.2019 meisterhaft Christian Brugger (Klarinette), Elena Pechuán (Fagott), Lars-Tjorven Mahl (Horn) Gleb Lagutin, Mohamed Ali (Violine), Bartosz Sotomski (Viola), Ya-Hee Yoon (Violoncello) sowie Thiemo Fröhlich (Kontrabass) dies populäre Oktett. Einfühlend und dennoch lebendig, inspirierten sich die Musiker gegenseitig und es gelang ihnen, die typische Beseeltheit Schuberts in diesem anspruchsvollen Werk zum Klingen zu bringen.

Feinsinnig führte das Horn am Ende des 1. Satzes in das Adagio. Angehaucht von einer leicht melancholischen Schwere, wie man sie häufig bei Johannes Brahms wahrnehmen kann, sowie den empfindsam gespielten Klarinetten-Kantilenen, hinterließ der zweite Satz starke emotionale Wirkungen.

Unhörbar gebannt, verfolgte das Publikum der leidenschaftlich vorgetragenen Musik der acht Musiker an diesem frühen Samstagnachmittag; übergangslos fließend korrespondierten alle Instrumente und gehäuft virtuos, tauschte sich die 1. Violine mit der Klarinette aus.

Das einzige Blechblasinstrument – das Horn – überzeugte mit einem gekonnt schlank geführten Klang sowie großem Tonumfang in seinen hinreißenden Solo-Passagen und konnte sich wohlklingend melodisch aussingen.

Franz Schubert Wien © IOCO

Franz Schubert Wien © IOCO

Das Fagott wurde von Schubert mit etwas weniger markanten Solostellen bedacht, dafür verschmolz es – warm klingend – in allen Sätzen und den zahlreich vorhandenen Übergängen der Dur-und Molltonarten mit den Bläsern und Streichern zu einem berührenden Klangteppich. Jedes Instrument erhielt von Schubert solistische Glanzpunkte in seinem Oktett, die strahlend zu Gehör gebracht wurden.

Allen ausführenden Musikern wird durchgehend – ohne Pause – ein großes Können abverlangt in diesem sinfonischen Oktett, das das Ensemble spannungsvoll in der erforderlichen Tiefe und liedmäßigen Melodik interpretierte.

Das zahlreich erschienene Publikum erklatschte sich begeistert eine Zugabe. Die Musiker dankten mit dem Scherzo des 3. Satzes, ohne Trio, des Oktetts D 803 von Franz Schubert.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—