Hamburg, Elbphilharmonie, Das Floß der Medusa – Hans Werner Henze, IOCO Kritik, 19.11.2017

November 19, 2017 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Das Floß der Medusa – Hans Werner Henze

 SWR Symphonieorchester, Peter Eötvös,  große Chören, namhafte Solisten

Von Patrik Klein

Unsere heutige Gesellschaft ist geprägt durch Globalisierung, HighTech, Überinformation, Populismus, Kultur- und Politikverdrossenheit. Wie haben sich die Zeiten verändert seit den stürmischen und die Republik verändernden 68er Jahren? Kann eine Wiederaufnahme in Hamburgs neuem Wahrzeichen nach dem Abbruch der Uraufführung 1968 und der dann erst im Jahr 2001 stattgefundenen Aufführung in Hamburg unter Ingo Metzmacher noch aufrütteln?
Stein des Anstoßes war damals ein Stück von Hans Werner Henze, das als Protest gegen das „Kultur-Establishment“ von Studenten und „Radikalen Linken“ herhalten musste. Auch Henze geriet hierbei als „Salonkommunist“ in die Schusslinie. Was war geschehen?

Skandal bei der Uraufführung 1968: Erregt er noch heute die Gemüter?

Am 9. Dezember 1968 sollte wegen Unzulänglichkeiten auf der Bühne der Musikhalle die Uraufführung des Auftragswerkes des NDR Das Floß der Medusa von Hans Werner Henze in einer großen Halle in Planten un Blomen stattfinden.

 Elbphilharmonie Hamburg / Das Floss der Medusa © Claudia Hoehne

Elbphilharmonie Hamburg / Das Floss der Medusa © Claudia Hoehne

 Im Mittelpunkt der Handlung steht das historische Drama um die Fregatte Medusa. Das Schiff kentert 1816 auf der Reise in den Senegal. Schiffbrüchige kämpfen auf einem Floß brutal um ihr Überleben. Ein Bericht über das unmenschliche Verhalten von Kapitän, Oberschicht und Geistlichkeit, die in den sicheren Rettungsbooten sitzen, die Mannschaft auf das gebaute Floß verfrachten und die Leinen kappen, sorgt für Empörung und revolutionäre Stimmungen am Beginn des 19. Jahrhunderts.

Bereits im Vorfeld der geplanten Aufführung in Hamburg überschlugen sich die politischen Ereignisse. Es gab Streit über eine Widmung des Werkes für Che Guevara, der sich gerade bei den „Linken“ als Ikone entwickelte. Gleichzeitig gab es eine Konferenz über die Wirren des Vietnamkriegs und das Attentat auf Rudi Dutschke, der mit Hans Werner Henze bekannt war. Der Komponist solidarisierte sich weitgehend mit den sich entwickelnden Protestbewegungen und verlangte, dass „die isolierte und vereinsamte Jugend eine Art Ermutigung bekomme“.

Die Uraufführung, besetzt mit Stars der Opern- und Schauspielszene, dem Chor und Orchester des NDR, wurde live im Radio übertragen. Es kam zu einem handfesten Eklat,  denn man skandierte im Publikum  „Ho, Ho, Ho Chi Minh“. Die live-Übertragung  musste nach wenigen Minuten abgebrochen werden. Dem Publikum am Radio wurde dann eine Aufzeichnung der Generalprobe serviert. Die Polizei musste einschreiten, Handgemenge bändigen, Verhaftungen durchführen. Allerdings hat sie sich dabei, man denke an die aktuellen Diskussionen zu den Ausschreitungen zum G20- Gipfel, mit gelegentliche großer Härte auch Kritik eingehandelt. Der Protest der Hamburger Studenten hatte sich nicht gegen Henze gerichtet, sondern sie protestierten gegen das Konzert als „Ritual eines bourgeoisen Publikums“.

Der Intendant der Elbphilharmonie Hamburg, Christoph Lieben-Seutter, der mit spannenden und teilweise ungewöhnlichen Programmen seit vielen Jahren in Hamburg erfolgreich wirkt, wagt eine erneute Auseinandersetzung mit dem Werk Henzes und setzt dem rund 75 Minuten dauernden Oratorium noch eine aktualisierende Komponente hinzu, in der die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek mit Teilen aus ihrem Werk Die Schutzbefohlenen im Fokus steht. Es handelt sich hierbei um ein Sprachkunstwerk aus dem Jahr 2013, in dem sie sich kritisch mit der herrschenden Flüchtlingspolitik und ihren Folgen auseinandersetzt.

Eingeladen wurde das SWR Symphonieorchester unter der Leitung des ungarisch/rumänischen Komponisten und Dirigenten Peter Eötvös, der in der vergangenen Saison an der Hamburgischen Staatsoper mit dem Dirigat seiner eigenen Oper Senza Sangue und Bartoks Herzog Blaubarts Burg fulminante Akzente setzte. Als Chöre fungieren das SWR Vokalensemble Stuttgart, der WDR Rundfunkchor und die Freiburger Domsingknaben. Peter Stein, der ehemalige Regisseur und Theaterleiter an der Berliner Schaubühne, wurde als Sprecher des Prologes von Elfriede Jelinek und der Oper von Henze verpflichtet. Die Sopranpartie übernimmt die weltbekannte Sopranistin aus Finnland Camilla Nylund und Bariton ist Peter Schöne, der kurzfristig für den erkrankten Matthias Goerne einspringt. Das Konzert wurde ebenfalls in dieser Besetzung am 15.11.2017 im Konzertsaal Freiburg gegeben.

Elbphilharmonie Hamburg / Peter Stein liest aus Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen © Claudia Hoehne

Elbphilharmonie Hamburg / Peter Stein liest aus Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen © Claudia Hoehne

Der Prolog von Jelinek thematisiert den geheuchelte Menschenrechtsdiskurs im zeitgenössischen Mainstream des öffentlichen Disputs. Dem wird ein thematisch verwandter, aber positiver Ausgang in der ältesten überlieferten griechischen Tragödie gegenübergestellt. Es wird bezweifelt, dass heutige Regierungspolitiker der EU-Staaten noch den vielgepriesenen humanistischen Idealen der Antike verbunden sind. Jelinek entlarvt die aktuellen Menschenrechtsverletzungen, indem sie eine hohe Sprache immer wieder ins Ironische abgleiten lässt, unter anderem wenn es um Äußerungen von sogenannten „Wutbürgern“ und das „Walten der mächtigen Willkür-Götter der Ökonomie“ geht. Peter Stein, mittig auf der noch leeren Bühne an einem schwarzen Tisch sitzend, liest ca. 10 Minuten aus dem Werk der Nobelpreisträgerin. Von ruhig besonnen, einfühlsam, authentisch, flüssig bis knarzend aufbrausend, mal abgehackt, innehaltend, energisch und fragend ins Publikum blickend, lässt er die Facetten seines Könnens aufblitzen. Textverständlich ist es oftmals leider nicht. Hier offenbart sich eine der wenigen Schwächen der Akustik in der Elbphilharmonie. Sprechstimme ohne Verstärkung klingt in manchen Blöcken zu leise. Daher greift man zu Verstärkeranlagen, die es zwar hörbarer, aber durch Doppelklänge und Überlagerungen nicht immer besser machen.

Seit 1982 beschäftige ich mich nunmehr mit klassischer Musik in Theatern und Konzertsälen in Europa mit zunehmender Freude und Eindringtiefe. Und ich gestehe gerne, dass mir die zeitgenössische Musik von Anfang an gewisse „Hörbefindlichkeiten“ beschert hat. Dennoch habe ich nie ein Stück eines lebenden Komponisten umschifft oder gar verteufelt, mir immer sagend, dass Hörgewohnheiten und geprägten Vorlieben auch in Zeiten heute längst als Gassenhauer geltender Musikstücke z. B. zu Zeiten Mozarts beim Publikum ähnlich kritisch aufgenommen worden sind.

Henzes Oper Das Floß der Medusa geht es dabei nicht anders, wenn ich sie zum ersten Mal zu Hause höre und mich manchmal zwingen muss „dabeizubleiben“. Zum Glück ist das Erlebnis dann „live“ im Konzertsaal von ganz anderer Dimension:

Elbphilharmonie Hamburg / Das Floss der Medusa - Camilla Nylund "La Mort" und Peter Eötvös Dirigent © Claudia Hoehne

Elbphilharmonie Hamburg / Das Floss der Medusa – Camilla Nylund „La Mort“ und Peter Eötvös Dirigent © Claudia Hoehne

Die Protagonisten des Oratoriums füllen mittlerweile die riesige Bühne. Für die drei Chöre (SWR Vokalensemble; Leitung Florian Benfer und Robert Blank, WDR Rundfunkchor; Leitung Robert Blank und die Freiburger Domsingknaben; Leitung Boris Böhmann) wurde der Block hinter dem Orchester ausgeräumt, um dem großen „Instrument“ auf dem Podium Freiräume zu schaffen. Die in rot gekleideten Knaben aus Freiburg fallen nicht nur durch ihre Farbe auf, sondern auch durch Dantes Versen angelehnten Gesang in Italienisch , unterstützt von ihrem mitten unter ihnen sitzenden Chorleiter, der sie durch die höchstschwierige Partie leitet. Die Damen und Herren vom SWR und WDR umsäumen die jungen Menschen in schwarz. Wegen der Enge des Blockes verzichtet man auf das Wechseln von Personen von der Seite der Lebenden (links) ins Reich der Toten (rechts). Das ist auch gar nicht unbedingt notwendig, da die Anordnung des Orchesters und die benutzten Instrumente genau diese Trennung musikalisch aufs Äußerste darstellen. Das Orchester teilt den linken Bereich in den der Lebenden, meist Bläser, die mit ihrem Atem Töne erzeugen, wohingegen der rechte Bereich mit Streichern besetzt ist, die Tod und Atemlosigkeit darstellen. Das Blech ist riesig besetzt, die Streicher werden unterstützt durch elektrische Gitarren und es gibt allerlei Schlagwerk neben den Pauken, Blechfolien, Glocken, Xylofonen und einem Flügel.

Es sind vor allem die dramatischen Momente, in denen das Entsetzliche des Geschehens klanglich so umgesetzt wird, dass es den Zuhörer, ob affin zur modernen Musik oder nicht, anspricht, fesselt und fasziniert. So ballt sich gerade in den Chören die nackte Angst in dissonanten Stimmungen zusammen. Wenn am Ende des ersten Teils des Oratoriums mit feinsten Klängen der Männerchor die Lebenden in das Totenreich locken, wird die Düsterheit an dieser Stelle der Musik von Henze ganz besonders deutlich. Die nochmalige Steigerung der Dramatik am Ende des Werkes zu einem fulminanten rhythmischen Marsch lässt nun endgültig appellartig das Publikum erschaudern.

Elbphilharmonie Hamburg / Das Floss der Medusa - vlnr Peter Schoene, Peter Stein, Peter Eötvös, Camilla Nylund © Claudia Hoehne

Elbphilharmonie Hamburg / Das Floss der Medusa – vlnr Peter Schoene, Peter Stein, Peter Eötvös, Camilla Nylund © Claudia Hoehne

Der Bariton Peter Schöne, der bravoröse Einspringer für den vorgesehenen Matthias Goerne, gestaltet die Riesenrolle des Führers auf dem Floß „Jean-Charles“ mit perfekter Wortbehandlung und stimmlicher Farbenvielfalt. Sein feiner, schlanker Bariton klingt klar bis ins kleinste Detail auch bei den vielen stimmlichen Ausbrüchen ins Dramatische. Die Sopranistin Camilla Nylund singt „La Mort“, die ins Reich der Toten hineinziehende, mit geradezu überirdischen Tönen ergreifend. Ihre wundervolle lyrische Sopranstimme wechselt scheinbar mühelos vom fein zeichnenden Piano bis ins Hochdramatische Forte. Und last but not least die zentrale Figur des Kommentators und „Charon“, von Peter Stein nun im Stehen, prägnant, präzis und mit großer emotionaler Beteiligung gestaltet. Gelegentlich mangelte es etwas an der Textverständlichkeit, was wiederum auch auf die benutzte Verstärkeranlage zurückzuführen ist. Der Dirigent Peter Eötvös hält die Chöre, Solisten und das SWR Symphonieorchester taktstocklos zusammen und sorgt mit seinem transparenten Stil für Klarheit und Ausdruck, die oftmals den Atem anhalten lassen.

Das Publikum reagiert fast wie zu erwarten war mit lang andauerndem stürmischen Beifall für alle Beteiligten. Es gibt keine Proteste, keine Aufschreie und keine politischen Bekundungen. Es bleibt die Hoffnung, dass die Thematik innerlich aufwühlt, aufrüttelt, individuelles Verhalten überprüft und beeinflusst. Henzes Gleichnis Das Floß der Medusa mit der Botschaft gegen Gewalt und Unmenschlichkeit ist so aktuell wie nie, denn auch im Jahr 2017 treiben auf dem Mittelmeer Boote mit hungernden und sterbenden Menschen.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Konzert Philippe Jaroussky – Ensemble Artaserse, IOCO Kritik, 11.11.2017

November 11, 2017 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Philippe Jaroussky und das Ensemble Artaserse

Arien aus Opern von  Georg Friedrich Händel

Von Sebastian Siercke 

Große Stimmen Von Pro Arte Konzertreihe in der Elbphilharmonie präsentiert. 07.11.2017 – Erstes Konzert dieser Reihe am 7.11.2017 mit  Philippe Jaroussky

 Elbphilharmonie Hamburg / Philippe Jaroussky und das Ensemble Artaserse © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Philippe Jaroussky und das Ensemble Artaserse © Patrik Klein

Wenn man unter dem Titel Große Stimmen nun Heldentenöre und hochdramatische Soprane erwartet, ist ein Countertenor zunächst einmal etwas verblüffend.

Grabplatte - Georg Friedrich Händel © IOCO

Grabplatte – Georg Friedrich Händel © IOCO

Was der weltbekannte Philippe Jaroussky, der in der letzten Saison Artist in Residence beim hiesigen NDR-Elbphilharmonieorchester war, uns an die Elbe brachte, war dann allerdings ganz große Kunst und sehr große Stimme in unglaublicher Perfektion. Das Programm bestand abwechselnd aus händelschen Orchesterstücken, hauptsächlich Teilen aus dessen Concerti grossi und Arien aus den sieben Opern Ezio, Flavio, Siroe, Imeneo, Radamisto, Giustino, Tolomeo  von Georg Friedrich Händel.

Das von Jaroussky mitgegründete Ensemble Artaserse spielte die kurzen Orchesterparts wunderbar. Dieses Ensemble hätte es verdient, auch alleine in diesem Haus konzertieren zu dürfen. Star des Abends war aber natürlich der Franzose Philippe Jaroussky! Der Begriff „engelsgleich“ ist für einen Countertenor zwar etwas abgegriffen, trifft aber doch exakt seine Stimme, die sich so mühelos in höchste Höhen aufschwingt.

 Elbphilharmonie Hamburg / Philippe Jaroussky © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Philippe Jaroussky © Patrik Klein

Ob es die eher zart getragenen Teile der Rezitative, oder die furiosen Koloraturen der Arien waren, jeder Ton kam absolut mühelos und mit beachtlicher Ausdrucksintensität. Traurigkeit und Kummer um die verlorene Geliebte, Wut über die Ungerechtigkeiten des Lebens oder jugendliche Begeisterung auf dem Weg in den Krieg, alles war der Stimme zu entnehmen. Wäre Händel nicht bereits vor 258 Jahren gestorben, man könnte glauben, er hätte diese Arien direkt auf die Stimme Jarousskys und ihre unfassbaren Möglichkeiten komponiert.

Das Publikum, am Anfang noch etwas abwartend und verhalten, brachte dem Künstlern am Schluss stehende Ovationen entgegen, die dieser mit drei Zugaben entlohnte.

Nach einer weiteren Arie aus Radamisto folgte eine atemberaubende Koloraturarie aus Xerxes, von Jaroussky humoristisch angekündigt und auch entsprechend gesungen und gespielt. Das Publikum lachte herzlich und war hingerissen. Zum krönenden Abschluss wurde dann noch Xerxes`  Ombra mai fu gespielt und gesungen, nicht umsonst Händels wohl beliebteste und bekannteste Arie.

Wer immer die Möglichkeit haben sollte eine weitere der Stationen dieser Konzerttournee zu besuchen – es lohnt sich! Die Stimme Philippe Jarousskys ist ein lohnendes Erlebnis für jeden Musikliebhaber!

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Alpensinfonie – Capriccio Introduktion + Finale, IOCO Kritik, 08.11.2017

November 7, 2017 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

AlpensinfonieCapriccio Introduktion + Finale

 Altmeister Marek Janowski verzaubert die Elbphilharmonie Hamburg

Von Patrik Klein

Das Bedürfnis von guten Orchestern unter der Leitung von gereiften und erfahrenen Dirigenten zu arbeiten scheint sehr ausgeprägt zu sein, denkt man u.a. an den 90jährigen Herbert Blomstedt, den 81jährigen Eliahu Inbal, den 77jährigen Christoph Eschenbach und den 78jährigen Marek Janowski, der das Philharmonische Staatsorchester Hamburg beim zweiten Konzert der gerade begonnenen neuen Saison in der Elbphilharmonie furios leitete.

Janowski gilt als autoritärer, bewährter Klangerzieher, der gerade von der Spree als Chef des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin an die Elbe zu wechseln scheint. Ab der Saison 2019/20 wird er wohl Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker, die gerade erst in den renovierten Dresdner Kulturpalast zurückgezogen sind und damit direkter Konkurrent zum „Platzhirsch“ Christian Thielemann mit seiner Dresdner Staatskapelle. Janowski war bereits von 2001 bis 2003 Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker, ging aber dort vorzeitig aus Verärgerung über das Hin und Her der Stadt beim Streit um einen neuen Konzertsaal wieder weg.

Zweites Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg ganz im Zeichen des großen deutschen Komponisten Richard Strauss

Zweimal durfte ich ihn bislang erleben. Zum einen als Dirigent des aktuellen Bayreuther Ring des Nibelungen, wo ich vor einigen Wochen eine Vorstellung Götterdämmerung erlebte und zum anderen als Gestalter einer konzertanten Aufführung von Wagners Rheingold mit dem NDR Elbphilharmonieorchesters Hamburg und namhaften Solisten hier an gleicher Stelle vor einigen Monaten. In beiden Fällen genoss man beherztes, emotionales Musizieren mit klaren, temporeichen Strukturen und farbenfrohe, dynamischste Klangteppiche der Extraklasse.

Nach zuletzt Haydns Die Jahreszeiten hat man sich heute im Rahmen der Themenreihe „große Komponisten“ dem deutschen Richard Strauss (1864 – 1949) gewidmet zunächst mit dem Schlussgesang aus der Oper Capriccio mit der wunderbaren Sopranistin Michaela Kaune und der Programmmusik (Sinfonische Dichtung) Eine Alpensinfonie op. 64. Kurz vor den Proben intervenierte Janowski und änderte das Programm, indem er die Introduktion von Capriccio hinzufügte und das Finale mit dem zwar kurzen, aber für ihn notwendigen Part des Haushofmeisters (gesungen von Wilhelm Schwinghammer) ergänzte.

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester © Patrik Klein

 Strauss schrieb Capriccio während des zweiten Weltkriegs, als Deutschland im Begriff war, seinen Russlandfeldzug zu beginnen. Das Stück jedoch spielt zur Zeit eines ganz anderen Konfliktes, nämlich der sogenannten Querelle des bouffons, des „Buffonistenstreits“. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Paris in einem öffentlichen Disput hitzig über die Vorzüge der französischen und der italienischen Oper diskutiert. Capriccio steckt voller historischer Anspielungen und Selbstverweise aus Gluck, Piccinni, Rameau usw.

Der Text des Sonetts, um das sich Capriccio dreht, entstand zusammen mit Clemens Krauss. Dieser bezog sich auf ein Stück aus dem 16. Jahrhundert von Pierre de Ronsard, einem Mitglied der Dichtergruppe Pléiade. Ähnlich wie bei Wagners Meistersingern, wo man im dritten Akt die Entstehung von Walther von Stolzings Preislied miterlebt, gewährt auch Capriccio seinem Publikum Einblick in den Kompositionsprozess des Sonetts.

Mit der Ouvertüre bzw. der Introduktion zeigt Richard Strauss, dass er auch ganz anders komponieren konnte. Mit dem Streichsextett bestehend aus 2 Violinen, 2 Violoncelli und 2 Violen liefert er eine vielseitige Hinterlassenschaft in moderner Tonsprache, die weit ins 20. Jahrhundert an allen bisher bekannten Musiksprachen vorbeigeht. Capriccio ist seine letzte Oper, die für ihn den perfekten Zusammenfluss aus Sinfonischer Dichtung und Liedgesang darstellt. Der Komponist war hierbei beinahe so konsequent wie sein großes Vorbild Richard Wagner, bei dem auch der Klang vor der Textverständlichkeit rangierte.

 Elbphilharmonie Hamburg / Solisten vlnr Michaela Kaune, Wilhelm Schwinghammer, Marek Janowski, Konzertmeister Konradin Seitzer © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Solisten vlnr Michaela Kaune, Wilhelm Schwinghammer, Marek Janowski, Konzertmeister Konradin Seitzer © Patrik Klein

Strauss´ Lieblingsinstrument, die Sopranstimme, steht dann im Zentrum des Finales. Ein ausführliches Orchestervorspiel leitet die Schlussszene ein, in der die Gräfin (Michaela Kaune) endgültig zwischen dem Dichter und dem Komponisten wählen muss. Sie kann diese Entscheidung aber nicht treffen, da sie als Sängerin sowohl für den Text als auch für die Musik steht. Wenn der letzte Ton verklungen ist, scheint diese Frage offen zu bleiben. In der Schlussszene in Des-Dur erstrahlt mit der großartigen Sopranarie eine Komposition, die zu den schönsten von Strauss gehört und die als sein Testament verstanden werden kann. Sie ist ein deutlicher Hinweis, dass der Musik und nicht dem Wort die oberste Herrschaft gebührt.

 Elbphilharmonie Hamburg / Solisten Wilhelm Schwinghammer, Michaele Kaune © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Solisten Wilhelm Schwinghammer, Michaele Kaune © Patrik Klein

 Die sechs Musiker in der ersten Reihe des riesigen Orchesters beginnen um den noch taktstocklosen Dirigenten herum mit ihrem Spiel. An der Violine Konradin Seitzer und Sebastian Deutscher, an der Viola Naomi Seiler und Isabelle-Fleur Reber sowie am Violoncello Thomas Tyllak und Clara Grünwald entwickeln aus der ganz ruhigen Anfangssequenz, die wunderbar form- und klangschön gespielt wird, eine furioses und komplexes Musikstück. Zarte bis kräftige Farbwechsel im Spiel werden ganz besonders durch den Konzertmeister Konradin Seitzer wundervoll führend artikuliert. Der Maestro, mittlerweile zum Taktstock greifend, lässt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg mit feinen Hörnerklängen und sanften Streicherbögen das Finale beginnen. Querflöten, Trompeten kommen dazu und fahren das „große Instrument“ in Strausssche Normallautstärke; schwungvoll, zügig, feine Bögen beschreibend, entwickeln sich die melodischen Sequenzen. Die Solisten treten auf. Die Gräfin nimmt das Gespräch mit dem Haushofmeister auf. Michaela Kaune, die als Hamburgerin leider viel zu selten an der Staatsoper zu hören ist, glänzt mit ihrer wunderbaren Stimme. Sie erscheint auch durch den fabelhaften, sängerfreundlichen Dirigenten textverständlich in ihrem Element zu sein. Sie hat ganz viele Farben in ihrer Stimme und klingt sowohl im Piano als auch im Forte emotional, warmherzig und dramatisch. Mit wunderschönen Crescendis und Decrescendis ist ihre Stimme ideal für die vielen Farben in Strauss´ Musik. Sie folgt dem Meister am Pult bereitwillig und wundervoll dynamisch mit höchster Konzentration. Der Haushofmeister wird von Wilhelm Schwinghammer gegeben, der zwar nur wenige Sätze zu singen hat, aber mit seinem warmen Bass eine „musikalische Duftmarke“ setzt. Nachdem die wundervolle Musik verklungen ist, belohnt das Hamburger Publikum die ersten 30 Minuten mit warmem, herzlichen Applaus.

Nach der Pause:  Eine Alpensinfonie op. 64 – Eine Sinfonische Dichtung des Komponisten Richard Strauss.

Die Idee der Komposition geht auf ein Erlebnis aus Richard Strauss’ Kinderzeit zurück. Er hatte sich im Sommer 1879 auf dem Heimgarten in den Bayerischen Voralpen verstiegen und war in ein Gewitter gekommen. Dieses Ereignis stellte er tags darauf am Klavier dar. Aus dieser Erinnerung entwickelte er später das Konzept.

Erste Skizzen zur Alpensinfonie stammen aus dem Jahre 1900. Strauss plante unter dem Arbeitstitel „Künstlertragödie“, die das Schicksal des Porträtmalers Karl Stauffer-Bern darstellen sollte, der passionierter Bergsteiger war. Die musikalische Darstellung einer Bergbesteigung war einer von mehreren geplanten Abschnitten in der Darstellung der Biographie Stauffers. Im Jahr 1902 weitete Strauss die Konzeption zu einer viersätzigen Sinfonie aus, deren erster Satz die Bergbesteigung, die übrigen Sätze weitere Themen aus Stauffers Vita enthalten sollten. Arbeitstitel war nunDer Antichrist, eine Alpensinfonie. Der Titel zeigt, dass Strauss die Figur Stauffer mit der Person Nietzsche und seiner Philosophie identifizierte. Der erste Satz wurde ziemlich weit skizziert und enthält in wesentlichen Stücken die Gestalt der Endfassung. Dennoch blieb das Werk liegen. 1910, während der Arbeit am Rosenkavalier, nahm Strauss die Arbeit am ersten Satz wieder auf. Um 1913 fiel wohl die Entscheidung, aus dem ersten Satz ein eigenständiges Stück zu machen. Bis in die spätesten Skizzen hinein sollte das Werk Der Antichrist, eine Alpensinfonie heißen. Erst in der Partiturreinschrift, die nach hunderttägiger Arbeit am 8. Februar 1915 vollendet wurde, findet sich der endgültige Titel.

Die Uraufführung mit der Dresdner Hofkapelle fand am 28. Oktober 1915 in Berlin unter der Leitung des Komponisten statt.

Es war die erklärte Absicht Richard Strauss´, dem Hörer die Stationen einer Bergwanderung als Tongemälde unmittelbar sinnlich erfahrbar zu machen. Dieses Ziel erreicht das Werk  in beeindruckender Weise. Die Wirkung beruht vor allem auf der raffinierten Orchesterbesetzung und nuancenreichen Instrumentierung. Nicht ohne Reiz ist auch das spannungsvolle Nebeneinander sehr subtiler und eher banaler Effekte (Kuhglocken, Donnerblech). Die Orchesterbesetzung ist sehr groß. Insgesamt werden laut Strauss’ Angaben mindestens 107 Musiker benötigt. Aus den Anweisungen des Komponisten, manche Instrumente über das Minimum hinaus womöglich zu verstärken und für das Fernorchester hinter der Bühne eigene Musiker vorzusehen, ergäbe sich nach den Vorstellungen Strauss’ eine Optimalbesetzung von mindestens 129 Musikern.

Die der sinfonischen Dichtung zugrunde liegende Bergbesteigung samt nachfolgendem Abstieg beginnt mit dem einleitenden Abschnitt Nacht, durchschreitet verschiedene Stationen und endet wiederum in einem als Nacht bezeichneten Abschnitt. Es ist aber vermutlich nur zum Teil die Absicht des Komponisten gewesen, eine Bergwanderung zu beschreiben. Der von Strauss beschriebene Wanderweg lässt sich gleichsam als sinfonische Darstellung eines menschlichen Lebens betrachten.

 Elbphilharmonie Hamburg / Marek Janowski beim Schlussapplaus nach der Alpensinfonie © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Marek Janowski beim Schlussapplaus nach der Alpensinfonie © Patrik Klein

Manchmal nervt es einfach nur: Etliche Huster stören die Szenerie der vom Orchester leise gestalteten Nacht derart, dass der Konzertmeister seine Konzentration und beinahe seine Fassung verliert, als er grimmig ins Publikum blickt. Recht hat er und immer wieder kaum zu glauben, wie sich plötzlich jede Person autorisiert fühlt, den „Nachdemfrühstückshuster“ genussvoll anzusetzen, gerade dann, wenn es von anderen besonders leicht wahrzunehmen ist. Beim Sonnenaufgang, als das Orchester bereits die Vielfalt der nun kommenden Musikstunde andeutet und zum ersten Mal drei f ausgepackt hat, beruhigt sich das Gehuste zum Glück und man kann sich endlich dem Konzert zuwenden. Die Alpensinfonie hat Fahrt aufgenommen und ein Tempo, das besonders deutlich wird, als in der Einführung vor dem Konzert einige Musikpassagen anderer Orchester deutlich langsamer über die Lautsprecher klangen. Die Mühen des steilen Anstiegs werden plastisch in verschiedensten Farben und Klängen dargestellt. Das unsichtbare Hintergrundorchester mit Hörnern, Trompeten und Posaunen blüht zum ersten Mal herrlich tönend auf. Die Natur ruft durch den Eintritt in den Wald, die Wanderung neben dem Bache und das Verweilen am Wasserfall. Durch virtuosen Umgang mit den vielen verschiedenen Instrumenten wirkt die Musik authentisch und zu Herzen gehend. Besonders die Streicher, Oboen, Flöten und Hörner malen die schillerndsten Farben der Natur. Janowski wählt ein für mich äußerst glaubwürdiges Tempo und eine herrliche Dynamik, die die Musik Richard Strauss zu einem Genuss werden lässt. Er dirigiert machtvoll, kraftvoll, stark gestikulierend, manchmal ganz fein tänzelnd, das Riesenorchester zu jeder Zeit voll im Griff. Er nimmt es aber auch an filigranen Stellen deutlich zurück, um es wieder erneut spielfreudig auftrumpfen zu lassen. Es duftet herrlich auf den Wiesen nach bunten Blumen. Es erklingen die Kuhglocken auf der Alm. Man hört das Flirren der Vögel, das Blöken der Schafe. Die Oboe übernimmt immer wieder eine Sonderrolle, indem sie nicht wie üblich gespielt wird, sondern durch Verzerrungen ganz besondere Klänge und Wirkungen erzeugt. Weiter geht die anstrengende Wanderung durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen über den Gletscher zum Ziel. Volles Blech mit sauberen Trompeten- und Posaunenklängen unterstützt durch herrlichen Orgelsound führen uns die gefahrvollen Augenblicke auf dem Weg zum Gipfel musikalisch brillant vor Augen. Bei manchen Klängen muss ich an Wagners Nibelungenring denken. Acht Hörner und 2 Tuben liefern einen Sound, der einen an eigene Wanderungen und Erfahrungen im Hochgebirge erinnert. Auf dem Gipfel angekommen dann die volle Pracht eines 130 Musikerorchesters, das den großen Saal der Elbphilharmonie erstrahlen lässt. Aber es wird auch wieder leiser, filigraner und anmutiger durch ein feines Spiel zwischen den Streichern und Bläsern, Tuben und Hörnern, die zum Teil mit Dämpfern versehen ganz besondere Effekte erzeugen. Nebel steigt auf und Visionen erfüllen den Wanderer. Doch es droht erneut Unheil, denn die Sonne verfinstert sich allmählich. Der herannahende Sturm wird zunächst fast atonal gezeichnet, dann als er erscheint, mit Streicher- und Trommelwirbel, Windmaschine und Orgel wieder melodischer. Das Orchester tobt und kracht. Die möglichst schnelle Flucht vom Gipfel ist musikalisch angesagt. Die Natur beruhigt sich wieder allmählich. Das Anfangsthema kommt ganz langsam wieder zu Tage. Zunächst Orgel und Horn alleine und dann mit Querflöten, Oboen, Fagotten schließt sich leise und hustenfrei der Kreis der Wanderung oder der des Lebens, indem erneut die Nacht erscheint. Wie bei Wagners „Götterdämmerung“ klingt es voller Hoffnung, trotz der völligen Zerstörung und dem Untergang des Erreichten. Das Orchester musiziert dabei ganz wunderbar, ganz sauber, nicht der kleinste falsche Ansatz oder Kieckser.

Strauss, nach Vollendung der Alpensinfonie: „Jetzt habe ich endlich instrumentieren gelernt“.

Nach einer Minute der Stille dankt das Publikum allen Musikern des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und dem Dirigenten Marek Janowski mit langanhaltendem, stürmischem Beifall.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

Hamburg, Laeiszhalle, The Dubliners – Irish Folk im Original, IOCO Kritik, 04.11.2017

Elbphilharmonie Hamburg

Laeiszhalle in Hamburg © IOCO

Laeiszhalle in Hamburg © IOCO

THE  DUBLIN  LEGENDS

Irish Folk pur – Black Velvet Band, Liverpool Loo, Molly Malone

Von Rolf Brunckhorst

The Dubliners waren seit ihrer Gründung in 1962 eine der populärsten Bands des Irish Folk. 2012 starb Barney McKenna, das letzte der vier Gründungsmitglieder. John Sheahan erklärte kurz darauf, dass sich die Dubliners auflösen. So hätte die Geschichte enden können, doch wie das mit Legenden so ist: Sie werden nicht vergessen, sie lösen sich nicht auf, sie gehen nicht verloren. Im Fall der Dubliners benennen sie sich um: The Dublin Legends nennt sich die Band seit 2013 und beginnt die Welt des Irish Folk unter neuem Namen erneut zu erobern. Am 31. Oktober 2017 im Kleinen Saal der  Laeiszhalle.

The Dublin Legends in Hamburg © Rob Jacquet

The Dublin Legends in Hamburg © Rob Jacquet

In den Geschäften tauchen die ersten Weihnachtsartikel auf, draußen wird es stürmisch und ungemütlich, kurzum, es ist November und damit Zeit für das alljährliche Konzert der Dublin Legends (früher The Dubliners). Als am 31.10. um Punkt 20:00 Uhr der fast vollbesetzte Saal gut gelaunt seine Helden begrüßte, gab es sofort eine Ernüchterung; zwar standen Sean Cannon, Gerry O’Connor und Paul Watchorn auf der Bühne, aber Eamonn Campbell fehlte und war offenkundig durch einen jüngeren Musikanten ersetzt worden.

Ohne jeden Kommentar begann die Gruppe ihr gewohntes Repertoire zu spielen, als fünftes Stück dann das berühmte Black Velvet Band, nicht nur das Lieblingsstück des Rezensenten. Dabei merkte man, daß der neue Dubliner noch arge Textschwierigkeiten hatte, und daß die Gruppe stillschweigend eine Strophe länger spielte, damit der junge Mann noch einmal den vergessenen Text nachliefern konnte. Dann war es Zeit für die befürchtete Ansage: Shean verkündete die Nachricht vom Tode Eamonn Campbells am 18. Oktober und stellte mit nuschelndem Akzent den vorläufigen Nachfolger vor, dessen Name nicht nur dem Rezensenten ein Rätsel blieb. Zu Eamonns Ehren gab es ein Lieblingsstück, Seven drunken Nights, danach konnten die Legends wieder Fahrt aufnehmen.

Es folgte eines der besten Konzerte, das die Dublin Legends in Hamburg abgeliefert hatten, ein aufgefrischtes Repertoire mit Klassikern wie Liverpool Loo, Dirty Old Town und The Leaving of Liverpool animierten das Publikum dazu mitzuschaukeln, mitzuklatschen und mitzusingen. Am Schluß dann endgültig Jubel-Trubel-Heiterkeit, als während des ausgiebigen Zugabenteils die Fans ihren Lieblingen nochmals auf den Pelz rückten und nun erst richtig loslegten, denn es gab zum Mitklopfen Whiskey in the Jar und zum Mitträumen die Geschichte von Molly Malone. Fazit: Der nach wie vor unbekannte Mitspieler hatte seine Sache wirklich gut gemacht, sowohl in der Begleitung als auch in seinen Soli mit seiner „Reibeisen“-Stimme. Die anderen hielten wie gewohnt ihr hohes musikalisches Niveau, so daß man hoffen kann, daß diese Besetzung wieder ein paar Jahre hält. Fast alle Konzertbesucher dürften im Herbst 2018 wieder ihren Irischen Lieblingen huldigen – same procedure as every year.

—| IOCO Kritik Laeiszhalle Hamburg |—

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