Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Lohengrin – Richard Wagner, IOCO Kritik, 09.08.2019

August 9, 2019 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

 Lohengrin – Richard Wagner

– Aufregende Besetzungs-Scharade –

von Ingrid Freiberg

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Lohengrin ist die wohl schönste (und nach Wagners eigenen Worten „allertraurigste“) Oper des Meisters. Während seiner Beschäftigung mit Tannhäuser fand Richard Wagner zum mittelalterlichen Stoff in Wolfram von Eschenbachs mittelhochdeutschem Versepos Parzival und erkannte in dem strahlenden Ritter sich selbst als einen von Gott gesandten und von der öden Welt missverstandenen Künstler. So lässt sich Lohengrin auch als Seelen- und Künstlerdrama begreifen. Das Frageverbot Lohengrins kommt geradezu dem göttlichen Verbot des Genusses der Früchte vom Baum der Erkenntnis im Alten Testament gleich. Indem Elsa das Verbot bricht, landet Wagner einmal mehr bei der Ur-Schuld des Weibes. Elsas Gegenspielerin Ortrud ergeht es durch Wagners Behandlung auch nicht besser: Mit ihrer Zerstörung verweigert Richard Wagner, ein reaktionärer Anhänger der „Revolution von oben“,  den Frauen jegliches Recht auf Einmischung in Politik und Kunst.

Bayreuth 2018 – Lohengrin – Interview mit Regisseur Yuval Sharon
youtube Trailer der Bayreuther Festspiele 2018
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Die Uraufführung des Lohengrin, 1850 in Weimar, wurde von Wagners späteren Schwiegervater Franz Liszt geleitet. In Weimar konnte der Komponist nicht beiwohnen, da er wegen Mitbeteiligung an den revolutionären Aufständen steckbrieflich gesucht wurde und sich ins Schweizer Exil begeben hatte. Erst 1861 erlebte er erstmals eine (unbefriedigende) Aufführung des Lohengrin in Wien.

Erlösung – durch Lohengrin, den Sohn des Parzival

Eine in Bedrängnis geratene Thronerbin, eine verleumderische Gegenspielerin, ihr willfähriger Gemahl und ein König aus alter deutscher Zeit – das sind die Beteiligten an einem Konflikt, der nicht nach Lösung, sondern nach Erlösung verlangt. Diese soll der Schwanenritter Lohengrin, der Sohn Parzivals, bewirken, ausgesandt vom heiligen Gral, um der des Brudermordes angeklagten Elsa von Brabant in einem Gottesgericht beizustehen. Die Bedingung dafür ist Vertrauen. „Nie sollst du mich befragen“, fordert Lohengrin von seiner Schutzbefohlenen.

Schon das Vorspiel zum ersten Akt offenbart das kompositions- und orchestrierungstechnische Genie Wagners.Wir haben hier in der Tat ein gewaltiges, langsames crescendo, welches, auf dem höchsten Grade der Klangfülle angelangt, im umgekehrten Sinne sich zu einem Ausgangspunkte zurückwendet und in einem fast unhörbaren Säuseln endigt… für mich ist es ein Meisterwerk.“ (Hector Berlioz) Obwohl das Drama ganz vom Text her erschlossen und musikalisch durchgestaltet ist, lassen sich in der durchkomponierten Großform eingebettete „Nummern“ erkennen, wie Elsas Traumerzählung „Einsam in trüben Tagen“, Elsas Szene „Euch Lüften, die mein Klagen“ und das anschließende Duett mit Ortrud, das in der unübertrefflich schönen Phrase endet „Es gibt ein Glück, das ohne Reu‘ “, der Brautchor im dritten Akt, die Liebesszene im Brautgemach „Wir sind allein“ und Lohengrins Gralserzählung „In fernem Land“.

Elsa – emanzipiert von männlichen Dogmen und Ritualen

Für das Regiekonzept von Yuval Sharon sind vor allem die starken Frauenfiguren, Elsa und Ortrud, prägend und wie diese sich von blindem Gehorsam emanzipieren können. Er versucht darzulegen, wie verführbar Menschen durch Religion und Spiritualität sind, inwieweit leben sie sie oder lassen sie sich durch spirituelle Führer verführen? Verkörpert am Ende eine neue Generation in Gestalt von Elsas Bruder Gottfried die Hoffnung auf eine bessere Welt?

Dieser Konflikt zeigt sich schon in der ersten Szene mit König Heinrich. Der erste Satz des Chors ist „Wir geben Fried und Folge dem Gebot“. Ein Scheingericht gegen Elsa schließt sich an. Im 1. Aufzug erscheint Lohengrin noch zweifelsfrei positiv und rettet sie. Je länger Lohengrin in dieser Welt bleibt, desto korrumpierbarer und schmutziger wird er –  bis Elsa das am Ende nicht mehr aushalten kann und das Frageverbot missachtet. Das ist laut Yuval Sharon eine mutige tapfere Tat – ein Aufbegehren, nicht zerstörerische Neugier… Der durch Neo Rauch und Rosa Loy stark vorgegebene Rahmen führt allerdings zu einer etwas statuarischen Inszenierung, liefert eine Traumatmosphäre, das Unterbewusstsein zeigt skurrile Bilder…

 Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Klaus Florian Vogt als Lohengrin, das Bühnenbild ganz in Delfter Blau gehüllt © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Klaus Florian Vogt als Lohengrin, das Bühnenbild ganz in Delfter Blau gehüllt © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Versinken in ein Gemälde

Obwohl Neo Rauch, ein international erfolgreicher deutscher Maler und der bedeutendste Vertreter der sogenannten Neuen Leipziger Schule, zusammen mit Rosa Loy, die sich mit dem Mysterium der Frau, der neuen Weiblichkeit und der neuen Romantik beschäftigt, noch nie ein Bühnenbild bzw. Kostüme für ein Theater kreiert haben, tragen beide diese Produktion entscheidend mit. Für Bühnenbild und Kostüme des männlichen Personals zeichnet Neo Rauch verantwortlich, Rosa Loy für die Kostüme der Frauen. Das Bühnenbild birgt Assoziationen an die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts. Das Delfter Blau der Dekorationen hat Rosa Loy und Neo Rauch dazu inspiriert, für die Kostüme altniederländische Hauben und Krägen nach dem flämischen Maler Anthonis van Dyck zu kreieren… und romantisch blaue Wolkenformationen und Landschaftsszenerien zu malen. Mitten auf der Bühne steht – surreal – ein verlassenes Umspannwerk. Viele Figuren haben Flügel. Im Hintergrund ragen schemenhaft Felsen auf, es gibt Blitze, es geht um Licht und Dunkel. Wasser spielt eine Rolle, Sumpf, Schilf… Das Versinken in das Gemälde lässt der Musik Wagners nachhaltigen Raum. Ein wohltuendes Erlebnis in der oft mit Videos überfrachteten Theaterszene.

Aufregende Besetzungs-Scharade

Die Wiederaufnahme des Bayreuther Lohengrin 2019 wartet mit einem Novum auf: Lohengrin und Elsa sind in dieser Saison doppelt besetzt. Christian Thielemann, Musikdirektor der Bayreuther Festspiele, sieht dies als positiven Wettbewerb. Letztes Jahr gab es große Anerkennung für Piotr Beczala, der für Roberto Alagna eingesprungen war. 2019 singt er wieder, aber nicht alle Vorstellungen. Klaus Florian Vogt, der in Bayreuth „die Institution Lohengrin“ schlechthin ist, teilt sich mit ihm die Auftritte. Das hat durchaus Reizvolles. Die Partie der Elsa sollte ursprünglich Krassimira Stoyanova singen, die erkrankte; für sie wurde Camilla Nylund gefunden. Für zwei Vorstellungen war Anna Netrebko verpflichtet, die jedoch kurzfristig absagte… Die Scharade geht noch weiter: Annette Dasch wird nun in zwei Aufführungen die Elsa singen und Thomas J. Mayer ersetzt den erkrankten Tomasz Konieczny als Telramund. Und damit der Aufregung nicht genug, Elena Zhidkova ersetzt Elena Pankratova als Ortrud. Christian Thielemann sprach zu Beginn der Festspiele von einer „Super-Werkstatt Lohengrin, das hat sich nun in aufregender wie überraschender Hinsicht bewahrheitet!

Trotz aller Widrigkeiten lässt sich über die Aufführung am 3. August 2019 fast ausnahmslos in den höchsten Tönen schwelgen, Sängerensemble, Orchester und Chor musizieren auf beeindruckendem Niveau und verbinden sich zu einer homogenen Gesamtleistung wie man sie nicht oft erleben darf. Trotz der Umbesetzungen ist dieser Abend ein Fest!

Georg Zeppenfeld, derzeit nicht nur als wortprägnanter König Heinrich in der vordersten Liga, veredelte mit balsamischem sonoren Wohllaut seines Luxus-Basses die Königsfigur und beglückte mit exzellenter Klarheit und perfekter Rollenidentifikation.

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Camilla Nylund als Elsa von Brabant, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Camilla Nylund als Elsa von Brabant, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Der Tenor von Klaus Florian Vogt ist voluminöser geworden, mit durchaus sensiblen Seiten, schwankend zwischen Machismo-Ansprüchen an das männliche Geschlecht und einem Hauch von Selbstzweifeln, eine stimmlich und darstellerisch hervorragend gelungene Durchdringung des eben nicht nur edlen Charakters des Titelhelden. Er ist ohne Zweifel die Personifizierung des Lohengrin schlechthin. Seine Leistung kulminiert in einer fantastisch klar intonierten Gralserzählung gegen Ende des dritten Aufzugs. Seine Stimme klingt viril und kann durchaus autoritär das Frageverbot verkünden oder sich als Führer der Brabanter ausrufen. Man hört die „heldischen“ Passagen selten so klangschön. Seine Stimme und seine Ausstrahlung vereinigen alle Parameter zur idealen Gestaltung des Gralsritters. Sein tragfähiger, klarer Tenor, seine perfekte Diktion, das hell-silberne Timbre, seine Phrasierungskunst wie auch die Fähigkeit zu heldisch-dramatischen Ausbrüchen beglücken. In seiner Darstellung des Schwanenritters spannt er den Bogen vom unnahbaren Gottwesen bis zum einsamen, Liebe und Anerkennung suchenden Mannes, der als missbrauchte Reflektionsfigur an den unabänderlichen Verhältnissen scheitert. Vogts „In fernem Land, unnahbar euren Schritten“ ist ein glanzvoller Höhepunkt des Abends.

Sechs gestandene Wagner-Sänger*innen teilen sich im Lohengrin die Hauptrollen. Neu im Ensemble und erst kurz vor der Wiederaufnahme eingesprungen ist Camilla Nylund als Elsa. In der Traumerzählung überzeugt sie mit berührend zarten Farben. Sie singt die Partie mit berückend schönem, ganz leicht eingedunkeltem Timbre. Strahlend und licht schwingt sich ihre wunderbar sicher geführte Sopranstimme auf, brilliert im Duett mit Ortrud und in der Brautgemachszene mit Lohengrin mit berührender Intensität, einer Intensität, die sie auch in der Darstellung erreicht.

Ortrud – Elena Zhidkova ist ein Glücksgriff

Vor Vorstellungsbeginn wird mitgeteilt, dass Elena Zhidkova – nach kurzer Einweisung – die Rolle der Ortrud übernimmt und nicht, wie zuvor angekündigt .Elena Pankratova. Elena Zhidkova ist  ein absoluter „Glücksgriff“! Mit großer stimmlicher Attacke porträtiert sie Ortrud als intrigante, machtgeile, giftige Gegenspielerin von Elsa von Brabant. Sie ist die dunkle Zauberin, die Kämpferin gegen das von Lohengrin verkörperte Patriarchat und verleiht dieser Figur eine ungemein packende Größe und Kraft. Überwältigend, mit punktgenau geführter Stimme und wohl dosierten dramatischen Ausbrüchen schleimt sie sich bei Elsa ein, um deren Psyche mit ihrem Gift durchtränken zu können. Dabei gestaltet sie ihre Einsätze zu regelrechten Feuerwerken mit eingebauten Vulkan-Ausbrüchen.

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Klaus Florian Vogt als Lihengrin und Camilla Nylund als Elsa von Brabant © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Klaus Florian Vogt als Lihengrin und Camilla Nylund als Elsa von Brabant © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Egils Silins singt an diesem Abend Heerrufer und Telramund

Mit „Seht da, den Herzog von Brabant!“ ruft Egils Silins, ein markant respekteinflößender Heerrufer des Königs, klangvoll und nobel zur Versammlung der Ritter auf. Ausdrucksvoll, mit kernig-kräftigem Bariton, zuweilen auch mit ungewöhnlich hintergründigen Tönen, verleiht er der Figur mehr Charakter als üblich. Er wird zum „Hasardeur“, als er im 2. Aufzug eine zusätzliche Aufgabe übernimmt und den inzwischen gänzlich indisponierten Tomasz Konieczny covert. Bereits mit seiner ersten Arie „Dank, König, dir, dass du zu richten kamst…“ lässt dieser wunderbar dramatische Bassbariton erkennen, dass er Probleme mit seiner Stimme hat. Egils Silins übernimmt die Rolle des Friedrich von Telramund. Den gelungenen Wechsel unterstützt auch das märchenhafte Bühnenbild: Kaum sichtbar und vollkommen überzeugend kann Silins, der immer mehr Tiefe bekommt und dabei durch sein völlig akzentfreies Deutsch besticht, übernehmen. Er ist ein geifernder Bösewicht wie aus dem Bilderbuch… und fängt das Malheur mit Bravour auf.

Der Chor der Bayreuther Festspiele (134 Personen!) überzeugt einmal mehr unter seinem langjährigen Leiter Eberhard Friedrich ohne jeden Abstrich, wird auch an diesem Abend stimmlich wie darstellerisch jeder Herausforderung gerecht und ist eine der tragenden Säulen der Aufführung…

Vollkommener Wagner-Klang

Silbrig-ätherische Klänge kann er ebenso zaubern wie atemberaubende Steigerungen: Christian Thielemann kennt – und kann seinen Wagner. Das zeigt sich gleich im Lohengrin-Vorspiel mit seiner mystischen Grals-Atmosphäre. Wie kein Zweiter beherrscht Thielemann die Finessen und Tücken der Bayreuther Akustik. Zwischen Debussy-hafter Zartheit und staatstragendem Pomp bietet sein Lohengrin perfekten Wagner-Klang. Das bestens vorbereitete Festspielorchester ist auf seinen Musikdirektor eingeschworen, bietet ihm lyrische Streichergesänge, warmes Holz und rundes, strahlkräftiges Blech. Wann hätte man die Bühnenmusik bei Wagner je so perfekt erlebt wie hier? Die ätherische A-Dur Sphäre des Vorspiels lässt er in blau-silberner Schönheit leuchten, in fein abgestuften Schattierungen von zarten piani – wie hingetupft – bis zum überschwänglichen Höhepunkt des Gralsthemas. Mit welch souverän unverkrampfter Lust sich Thielemann in das Wagner-Abenteuer begibt, ist eine Freude.

Minutenlanger, einhelliger Applaus mit dem in Bayreuth üblichen euphorischen „Getrampel“ zeigen, dass auch kulinarische Inszenierungen ihren Platz in den Herzen der Wagnerianer finden können.

—| IOCO Kritik Bayreuther Festspiele |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Wiederaufnahme: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, 28.01.2016

Januar 17, 2016 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

 DER FLIEGENDE HOLLÄNDER  von RICHARD WAGNER

Romantische Oper in drei Aufzügen, Dichtung vom Komponisten, In deutscher Sprache mit Übertiteln

Wiederaufnahme Do 28.01., 19.30, THEATER DUISBURG, Weitere Vorstellungen:  Fr 05.02., 19.30 – 21.45 Uhr, Fr 18.03., 19.30 – 21.45 Uhr

Duesseldorf / Fliegende Hollaender © Matthias Jung

Duesseldorf / Fliegende Hollaender © Matthias Jung

Die Geschichte des ruhelosen, durch einen Fluch zu ewiger Fahrt auf dem Meer verdammten Seemann findet sich bereits in den antiken Sagen und ist in der Erzähltradition vieler Völker beheimatet. Richard Wagner (1813-1883) nannte es „das mythische Gedicht des Volkes“, das ihm „aus den Sümpfen des Lebens so wiederholt und mit unwiderstehlicher Anziehungskraft“ aufgetaucht sei.

Herzstück seines Fliegenden Holländers ist die Ballade der Senta. Darin erzählt die junge Kapitänstochter ihren Spinnstubengefährtinnen von dem bleichen Mann, der verflucht ist, ewig auf den Weltmeeren umher zu segeln, bis er ein Weib fände, das ihn durch ihre Treue erlöst. Senta glaubt an die Vorsehung, diese Erlöserin zu sein. Wie ein Bild aus längst vergangener Zeit taucht der Holländer plötzlich in ihrem Leben auf. Sie gelobt ihm Treue bis in den Tod und hält ihr Versprechen, um ihre Sendung zu erfüllen.

MUSIKALISCHE LEITUNG Lukas Beikircher, INSZENIERUNG Adolf Dresen
BÜHNE UND KOSTÜME Wolf Münzner, CHORLEITUNG Christoph Kurig
SPIELLEITUNG Volker Böhm

BESETZUNG:
HOLLÄNDER: Gerd Grochowski / Egils Silins
SENTA: Elisabet Strid / Josefine Weber,  ERIK: Corby Welch
DALAND: Hans-Peter König / Thorsten Grümbel
STEUERMANN: Cornel Frey / Johannes Preißinger
MARY: Rena Kleifeld
CHOR: Chor der Deutschen Oper am Rhein
ORCHESTER: Duisburger Philharmoniker

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Köln, Oper Köln, Premiere: ARABELLA von Strauss, 25.04.2015

März 30, 2015 by  
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Oper Köln

Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO

Opernhaus Köln / Oper am Dom © IOCO

Premiere: ARABELLA von Richard Strauss  Hugo von Hofmannsthal

Premiere am 25. April, 19 Uhr

Musikalische Leitung Stefan Soltesz | Inszenierung Renaud Doucet | Bühne & Kostüme André Barbe | Licht Guy Simard | Chor Andrew Ollivant | Dramaturgie Georg Kehren

Mit Bjarni Thor Kristinsson, Dalia Schaechter/Katja Pieweck (30. April), Emma Bell, Anna Palimina, Egils Silins, Ladislav Elgr, Jeongki Cho/Ralf Rachbauer (28. April), Wolfgang Schwaiger, Lucas Singer, Beate Ritter, Alexandra von der Weth, Alexander Fedin, Keith Bernard Stonum, Chor der Oper Köln, Gürzenich-Orchester Köln

Graf Waldner, spielsüchtiger Rittmeister a. D., ist hoch verschuldet. Seine schöne Tochter Arabella soll es richten: Sie möglichst lukrativ unter die Haube zu bringen, ist nun das erklärte Ziel. Man logiert im Hotel und versucht, die eigene desolate Situation so gut zu überspielen, wie es eben geht. Es gilt, den schönen Schein zu wahren. Da haben es feste Überzeugungen und ehrliche Gefühle naturgemäß schwer. Doch gerade diese hegt Arabella für Mandryka, einen zufälligerweise reichen Gutsbesitzer.

Es ist eine Welt der Bankrotteure und Hochstapler, in die das letzte gemeinsame Werk des kongenialen Duos Richard Strauss/Hugo von Hofmannsthal entführt. Uraufgeführt 1933, zeigte das Werk schon damals mehr als nur ein Panorama der k.u.k.-Welt des Fin de Siècle; es verhehlte seinen Zeitbezug zu Inflation und Weltwirtschaftskrise nicht. Der vergnügliche Tanz am wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Abgrund und der nostalgische Gedanke an eine heile Welt, die vielleicht niemals so heil war, manifestiert sich dabei in einer Art fröhlicher Apokalypse, die sich trefflich dazu eignet, die aktuellen Umwälzungen der eigenen Lebenswelt auf den Prüfstand zu stellen.

Stefan Soltesz, mit der musikalischen Welt des Richard Strauss so vertraut wie kaum ein Zweiter, leitet die Neuproduktion. Er konnte erstmals für eine Produktion der Oper Köln gewonnen werden. In der Inszenierung des Regieduos Barbe & Doucet gibt die britische Sopranistin Emma Bell ihr Köln-Debüt.

Premiere 25. April | 19 UhrVorstellungen 28. April und 30. April | jeweils 19 Uhr

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Der Fliegende Holländer, IOCO Kritik, 20.09.2013

September 23, 2013 by  
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Konzerthaus Dortmund

Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner

Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner


Kritik

Richard Wagner Der Fliegende Holländer

Konzertante Aufführung am 20.09.2013

Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin Rott © Nick Helderman

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin Rott © Nick Helderman

Es ist für jedes “Künstlerische Betriebsbüro“ mit Sicherheit der reinste Horror, wenn am Tag der Aufführung eine Absage erfolgt. Dann laufen die Drähte heiß und alles beginnt zu rotieren. So geschehen am letzten Freitag im Dortmunder Konzerthaus. Der vorgesehene Sänger der Titelpartie, der Russe Evgeny Nikitin, bekannt geworden durch seinen Rauswurf in Bayreuth (seine heiklen Tätowierungen gefielen den beiden dort regierenden Gralshüterinnen nicht), hatte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt  und adäquater Ersatz musste gefunden werden.

Der Retter wurde im rumänischen Bukarest gefunden, in Gestalt des lettischen Baritons Egils Silins. Er sagte zu, jettete nach Dortmund und rettete die Vorstellung. Eine mutige Tat, die mit großem Erfolg gekrönt war.

Der 1961 in Riga geborene Silins studierte an der Lettischen Musikakademie und debütierte als Boitos Mefistofele an der Lettischen Nationaloper in Riga.

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Nachdem er aus dem renommierten “Belvedere Musikwettbewerb“ in Wien als Preisträger hervorging, wurde er für 3 ½ Jahre nach Frankfurt engagiert. Von 1993 – 96 war er in Basel und startete von dort eine rege Gastspieltätigkeit.

Seit 1996 ist er an der Wiener Staatsoper und der Volksoper. An der Staatsoper debütierte er als Sir Giorgio in “I Puritani“ (neben Edita Gruberova). Aktuell singt er Partien wie Scarpia, Klingsor, Jochanaan, Wotan und Holländer in Madrid, Zürich, Wien, Paris und Dresden.

Silins ist ein hochmusikalischer Gestalter. Die Stimme ist schlank und hat Biss und in der Höhe eine enorme Durchschlagskraft. Letztere ist im unteren Register nicht ganz so ausgeprägt. Mit größter Aufmerksamkeit begleiteten ihn der Dirigent und das Orchester, da ja schließlich kaum Zeit für Proben war. Aber man kam wunderbar zusammen und es wurde überhaupt eine tolle Vorstellung.

Das Rotterdam Philharmonic Orchestra, eigentlich ein reines Konzert-Orchester, zeigte viel Affinität zu Wagners romantischer Musiksprache. Gelegentliche Intonationstrübungen im Blech fielen da nicht ins Gewicht. Großartig sang und klang der Chor der Nederlandse Opera. Insbesondere die Frauenstimmen erfreuten durch Homogenität und enorme Stimmschönheit.

Motor der Aufführung war der junge kanadische Dirigent Yannick Nezét-Séguin. Seit dieser Spielzeit hat er eine “Residence“ am Dortmunder Konzerthaus. 2008 übernahm er die Leitung des Rotterdamer Orchesters. Er ist ein temperamentvoller, ausstrahlungsintensiver Kapellmeister, mit einer klaren, unmissverständlichen Schlagtechnik. Es war eine Freude ihm zuzusehen und noch mehr erfreute das Ergebnis. Dieser “Holländer“ unter seiner Leitung klang markant, hatte wunderbar zarte Momente, aber auch Ecken und Kanten. Zum Finale wurde es gelegentlich lauter als nötig. Aber sei`s drum, es war spannend und die Spannung ließ in keiner Phrase nach.

Außer Egil Silins in der Titelpartie und dem Chor, hatten die anderen Sänger auch großen Anteil an dieser qualitätvollen Aufführung.  Emma Vetter sang die Senta. Sie ist keine Hochdramatische, eher im Zwischenfach beheimatet. Die Schwedin verfügt über einen lichten, gut tragenden Sopran, der auch im Oberregister offen geführt wird und sie hatte noch Kraftreserven für das dramatische Finale. Die Stimme passte gut zu der des Holländers. Das große Duett der beiden war ein wirkliches Highlight.

Frank van Aken sang den Erik und gestaltete die Partie des unglücklichen Jägers musikalisch und differenziert im Ausdruck. Er war einige Jahre in Düsseldorf (sein Florestan und Erik dort sind noch in gut in Erinnerung) und ist seit 2006 im Ensemble der Oper Frankfurt im Heldentenor-Fach unentbehrlich. Einen sehr schönen, warmen Mezzosopran ließ die Polin Agnes Zwierko in der Rolle der Mary hören.

Den Steuermann sang Torsten Hofmann mit feinem, leichtem aber durchaus strahlkräftigem Tenor. Der Kiekser in der ersten Strophe seines Liedes war Pech. Franz-Josef Selig war als Daland verpflichtet. Sein balsamischer, warm getönter Bass, wie auch seine ausgezeichnete Artikulation, sind nach wie vor sein Markenzeichen. So auch in dieser Aufführung.

Lang anhaltender jubelnder Applaus für alle Mitwirkenden spendeten die zahlreich erschienenen Zuhörer.   IOCO / UGK / 20.09.2013

—| IOCO Kritik Konzerthaus Dortmund |—