Rostock, Volkstheater Rostock, DER VETTER AUS DINGSDA – Eduard Künneke, 01.02.2020

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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

 DER VETTER AUS DINGSDA – Eduard Künneke

Text – Herman Haller und Rideamus

PREMIERE: Samstag, 01. Februar 2020, 19:30 Uhr,  weitere Termine Samstag, 08. Februar 2020, 19:30 Uhr,  Freitag, 28. Februar 2020, 15:00 Uhr,  Sonntag, 01. März 2020, 15:00 Uhr,

Dingsda“ – für die Menschen aus  Eduard Künnekes Erfolgsoperette verbirgt sich dahinter Batavia, zur Zeit der Handlung des Stücks eine niederländische Kolonie im heutigen Indonesien. Dort lebt seit sieben Jahren Roderich de Weert, einst Jugendgespiele seiner Cousine Julia. In jugendlicher Verliebtheit hatten sich die beiden ewige Treue geschworen und obwohl Julia seit Roderichs Fortgang nichts mehr von ihm gehört hat, hält sie inbrünstig an diesem Schwur fest. Da sie elternlos ist, wächst sie bei Onkel und Tante auf, die sie nach Strich und Faden ausnutzen und unbedingt mit August Kuhbrot, einem anderen ihrer Vetter, verheiraten möchten, um auch nach Julias Volljährigkeit Zugriff auf deren Vermögen zu haben. Alles ändert sich, als ein Fremder auftaucht, der sich als „armer Wandergesell“ ausgibt und in dem Julia ihren ersehnten Vetter aus Dingsda vermutet…

Volkstheater Rostock / Der Vetter aus Dingsda - Plakatmotiv © Gene-Glover

Volkstheater Rostock / Der Vetter aus Dingsda – Plakatmotiv © Gene-Glover

Die mitreißende Musik dieser Verwechslungskomödie macht das Stück mit Hits wie „Sieben Jahre lebt ich in Batavia“, „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ oder „Strahlender Mond“ zu einem unverwüstlichen Operetten-Evergreen.

Martin Hannus, Musikalische Leitung / Dominik Wilgenbus, Inszenierung / Sandra Linde, Bühne / Sandra Münchow, Kostüme /

Mit Anne Steffens, James J. Kee/Václav Vallon, Katarzyna Wlodarczyk, Daniel Philipp Witte, Mario Klein, Petra Nadvornik, Grzegorz Sobczak, Christoph Kayser, Philipp Mehr, Statisterie, Opernchor des Volkstheaters, Norddeutsche Philharmonie Rostock

PREMIERE : Samstag, 01. Februar 2020, 19:30 Uhr, weitere Termine Samstag, 08. Februar 2020, 19:30 Uhr,  Freitag, 28. Februar 2020, 15:00 Uhr,  Sonntag, 01. März 2020, 15:00 Uhr,

—| Pressemeldung Volkstheater Rostock |—

Altenburg, Theater Altenburg Gera, Premiere Der Vetter aus Dingsda, 06.10.2019

September 30, 2019 by  
Filed under Operette, Premieren, Pressemeldung, Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg Gera / Der Vetter aus Dingsda © Mathias-Rümmler

Theater Altenburg Gera / Der Vetter aus Dingsda © Mathias-Rümmler

Operettenpremiere „Der Vetter aus Dingsda“ im Theaterzelt Altenburg

Sie ist Eduard Künnekes erfolgreichster musikalischer Schwank: die Operette „Der Vetter aus Dingsda“. In der Inszenierung von Kay Kuntze feiert das Stück am Sonntag, 6. Oktober um 18.00 Uhr Premiere im Theaterzelt Altenburg. 1921 in Berlin uraufgeführt, begeistert die Operette bis heute mit einer brisanten Handlung voller Verwicklungen, drastischer Situationskomik, flotten Tanzrhythmen sowie eingängigen Musiknummern wie „Ich bin nur ein armer Wandergesell“, „Ganz unverhofft, kommt oft das Glück“ oder „Sieben Jahre lebt ich in Batavia“.

Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Thomas Wicklein. Bühne und Kostüme entwirft Mathias Rümmler und für die Choreografie zeichnet Dr. AnnaLisa Canton verantwortlich. In den Rollen spielen und singen Anne Preuß als Julia de Weert, Álfheiður Erla Guðmundsdóttir als Hannchen, Johannes Beck als Josef Kuhbrot, Eva-Maria Wurlitzer als Wilhelmine, Florian Neubauer als Egon von Wildenhagen, Benjamin Popson und Gustavo Mordente Eda als Fremde, Kai Wefer als Hans sowie Ulrich Burdack als Karl.

Die Geschichte hält Amüsantes wie auch Anrührendes bereit: Julia, die junge Erbin eines Vermögens, kann die Vormundschaft ihres Onkels und ihrer Tante nicht mehr ertragen. Jahre zuvor schwor sie ihrem Vetter Roderich ewige Treue und hegt bis heute die Hoffnung, ihn bald heiraten zu können. Doch seit sieben Jahren weilt er irgendwo in Asien, in Dingsda eben. Der geldgierige Onkel hingegen will, dass Julia seinen Neffen August heiratet. Am Tag ihrer Mündigkeit, taucht ein Fremder auf. Ist es etwa Roderich? Ein wildes Verwechslungsspiel nimmt seinen Lauf.

Weitere Termine in Altenburg: Do. 10.10.2019, 14:30 Uhr / Fr. 11.10.2019, 19:30 Uhr / Fr. 18.10.2019, 19:30 Uhr / So. 20.10.2019, 14:30 Uhr / Do. 26.12.2019, 18:00 Uhr / Sa. 28.12.2019, 19:30 Uhr

Ab dem 24.04.2020 ist „Der Vetter aus Dingsda“ im Theater Gera zu sehen.

—| Pressemeldung Theater Altenburg Gera |—

Münster, Theater Münster, Spielzeit 2019/20 – Über 200.000 Besucher, IOCO Aktuell, 31.08.2019

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

 Theater Münster – Spielplan 2019/20 – Erste Premiere 14.9.2019

– Verzicht auf den „unverzichtbaren Mozart“ –

von Hanns Butterhof

Dr. Ulrich Peters, Intendant des Theater Münster © Oliver Berg

Dr. Ulrich Peters, Intendant des Theater Münster © Oliver Berg

Manchmal sind Saisoneröffnungen am Theater mehr als muntere Wiedersehensfeiern der alten und Vorstellung der neuen Mitarbeiter nach der Spielpause. Diesmal überraschte der Generalintendant des Theaters Münster, Dr. Urich Peters, mit zwei Neuigkeiten: Die erwartbare galt der Besucherzahl der vergangenen Saison, die mit 202.000 die Zweihunderttausender-Marke überschritten hat. Die unerwartete betraf seine eigene berufliche Zukunft: die Spielzeit 2021-22 wird seine letzte als Intendant am Theater Münster sein. Ende 2022 gibt Dr. Peters sein Amt in Münster auf.

Ein Maskenball – Erste Premiere am 14. September 2019

Das hatte sich auf der Jahrespressekonferenz noch nicht so abgezeichnet. Da  hatte sich  Dr. Ulrich Peters beim Rückblick auf die vergangene Spielzeit leicht untertrieben „ganz zufrieden“ mit der Auslastung gezeigt. Etwas überraschend hatte er dann eine Lanze für die Operette gebrochen und gefordert, das ernst zu nehmen, was in ihr steckt, statt sie zu verblödeln – leider keine offene Tür, die er damit einrennt. Der nächste Probierstein wird die Eduard Künneke-Operette Der Vetter aus Dingsda sein, die Peters selber inszenieren wird.

 Theater Münster / Begrüßung der neuen KollegInnen am Theater Münster mit Dr Peters © Oliver Berg

Theater Münster / Begrüßung der neuen KollegInnen am Theater Münster mit Dr Peters © Oliver Berg

Ohne besonderes themenbezogenes Motto und auch ohne den in der letzten Spielzeit „unverzichtbaren Mozart“ stützt sich das Musiktheater ganz überwiegend und mutig auf das 20. Jahrhundert. Eine Ausnahme macht der Spielzeitauftakt mit Un Ballo in Maschera von Giuseppe Verdi. Dem folgt die Musikalische Posse Yolimba oder Die Grenzen der Magie von Tankred Dorst und Wilhelm Killmayer, von Peters angekündigt als „Familienstück, auch wenn darin ca. 80 Leute erschossen werden“. Das Musical im Programm wird Anatevka von Joseph Stein u.a. sein, gefolgt von der Oper des Minimalisten Philip Glass nach der Erzählung von Edgar Allan Poe  Der Untergang des Hauses Usher, die umfänglich Spannung verspricht. Mit dem Zweiakter Death in Venice von Benjamin Britten schließt das Programm des Musiktheaters, das insgesamt großes Vertrauen in die Treue des Publikums verrät.

Das Programm des Schauspiels hat Schauspieldirektor Frank Behnke zusätzlich zur Arbeit mit den Klassikern in Richtung Aktualität mit Uraufführungen und Auftragsarbeiten geöffnet, die einen deutlichen Deutschland-Schwerpunkt aufweisen. Dafür stehen die Uraufführung der Komödie Bonn ist eine Stadt am Meer von Svenja Viola Bungarten oder die „BRD-Trilogie“. In ihr soll anhand dreier Filme von Rainer Werner Fassbinder – Die Ehen der Maria Braun, Die Sehnsucht der Veronika Voss und Lola – in einem mehrstündigen Theatermarathon so etwas wie Archäologie der frühen BRD betrieben werden. Gefragt wird nach Chancen, die es damals gab, und ob sie vielleicht vertan wurden. Später widmet sich dann das Auftrags-Stück 89/90 nach dem Roman von Peter Richter noch den Wende-Jahren, und die Vaterlandsverräter-Uraufführung von  Martin Heckmanns will gleich die  ganze Geschichte der BRD erzählen; es dürfte spannend werden, was sich aus diesen verschiedenen Geschichts-Segmenten und Perspektiven ergibt.

 Theater Münster / Das Leitungsteam_ vl Dr. Ulrich Peters, Intendant, Susanne Ablaß, Hans Henning Paar, Rita Feldmann, Frank Behnke, Golo Berg, Frank Röpke © Hanns Butterhof

Theater Münster / Das Leitungsteam _  Dr. Ulrich Peters, Susanne Ablaß, Hans Henning Paar, Rita Feldmann, Frank Behnke, Golo Berg, Frank Röpke © Hanns Butterhof

Die Klassiker befassen sich dann speziell mit gesellschaftlichen Widersprüchen und Spaltungen, die Der gute Mensch von Sezuan in dem Parabelstück von Bertold Brecht zur Musik von Paul Dessau unmittelbar in sich austrägt. Ein politisches Laboratorium versprechen auch William Shakespeares Drama Maß für Maß, Heinrich von Kleists Prinz Friedrich von Homburg und  Gerhard Hauptmanns  Vor Sonnenaufgang, das in einer von Ewald Palmetshofer überschriebenen Fassung den Schlusspunkt des engagierten Programms setzt.

Im Tanztheater gibt es traditionell pro Spielzeit die Produktion eines Gast-Choreographen. Thomas Noone wird Medea auf die Bühne bringen, den klassischen Mythos einer gescheiterten Integration. Tanz-Chef Hans Henning Paar wird sich in der Uraufführung Der himmlische Spiegel von Hieronymus Boschs Triptychon Der Garten der Lüste inspirieren lassen. Mit Musik von Erik Satie wird er schließlich dafür sorgen, dass auch Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupérie das Tanzen lernt.

Flashmob des Sinfonie-Orchester Münster mit Beethoven
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Das von Generalmusikdirektor  Golo Berg konzipierte Konzert-Programm trägt zwei Jubiläen Rechnung. Zum einen jährt sich zum hundertsten Mal die Gründung von Münsters Sinfonie-Orchester, der Musikschule und Musikhochschule. Wie auch in der laufenden Spielzeit sollen daher Werke von Komponisten aus Münster zum Klingen gebracht werden wie Bernhard Rombergs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 9 h-Moll im 1. oder Moondogs „Suite aus „Stamping Ground, Symphonique 3 und Bird’s Lament“ im 2. von insgesamt 10 Sinfoniekonzerten. Zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens kommt der große Bonner fast in jedem Konzert zum Zuge, mit der Sinfonie Nr. 7 A-Dur im 4., dem Konzert für Klavier und Orchester Nr.4 G-Dur im 5.  oder der Ballettmusik Die Geschöpfe den Prometheus, die  heute kaum mehr vertanzt wird, im 7. Sinfoniekonzert. Dazu finden sich Werke, die sich mit Beethoven  auseinandersetzen wie die Fantasia On An Ostinato von John Corigliano, ein anspruchsvolles Programm, das die ganze Aufmerksamkeit des Publikums fordert und verdient.

Frank Röpke vom Jungen Theater stellt 8 Produktionen vor. Von Nass für Kinder ab 2 Jahren spannt sich das Programm bis Effi Briest nach Theodor Fontane für Jugendliche und Erwachsene. Musik spielt eine große Rolle, nicht erst mit Martin Zels‘ Kammeroper Die große Wörterfabrik oder mit Leben ohne Chris. Das Musical von Wolfgang Böhmer und Peter Lund ist ein ambitioniertes Kooperationsprojekt von TheaterJugendOrchester, Jugendkunstschule im Kreativ-Haus, der Westfälischen Schule für Musik und dem Sinfonieorchester Münster. Kinder und alle Junggebliebenen können sich freuen.

Die vielversprechende Spielzeit 2019 am Theater Münster beginnt am 14.September.

—| IOCO Aktuell Theater Münster |—

Berlin, Renaissance-Theater, Im weißen Rössl – Ralph Benatzky, IOCO Kritik, 22.08.2019

Renaissance Theater - Berlin © Florian Bolk

Renaissance Theater – Berlin © Florian Bolk

Renaissance Theater

Im weißen Rössl –  Ralph Benatzky  und ….

Musik – Ralph Benatzky, Robert Stolz, Bruno Granichstaedten Robert Gilbert,
Text – Ralph Benatzky, Hans Müller-Einigen Erik Charell

von Kerstin Schweiger

Wie ein altes Schwarzweißbild aus längst vergangenen Ferien mutet Ralph Benatzkys und Erik Charells 1930 im großen Schauspielhaus an der Berliner Friedrichstraße (heute steht dort der neue Friedrichstadt-Palast) uraufgeführter Operettensuperschlager von 1930 heute an. Herz und Schmerz und Liebeschaos am Wolfgangsee. Berliner Schnauze und Austria-Schmäh.

Tuba vorm Balkon: Das Renaissance-Theater Berlin zeigt Benatzkys Singspiel „Im weißen Rössl“

Und doch war die Uraufführung am 8. November 1930 im Großen Schauspielhaus in Berlin der Schlager der Saison, modernes Unterhaltungsmusiktheater mit Elementen aus Jazzcombo, Volksmusikorchester und Feuerwehrkapelle. Und dies in einer Zeit, die knapp zwei Jahre früher mit der Dreigroschenoper von Brecht und Weill oder den jazzigen Operetten von Paul Abraham, mit Tonfilmschlagern und den Revuen der späten 1920er Jahre bereits in Richtung Musical geschielt hatte. 18 Monate lang stand das Stück ununterbrochen auf dem Spielplan. Eine musikalische Wandtapete, die in Zeiten des aufkommenden Massentourismus das tatsächliche Wirtshaus zum Weißen Rössl in St. Wolfgang zu einem Wallfahrtsort für Touristenströme machte und zum Traum-Sehnsuchtsort für die, die nicht vereisen konnten.

Im weißen Rössl – Ralph Benatzky
youtube Trailer Renaissance Theater – Berlin
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Das Stück setzte eine Serie von erfolgreichen Uraufführungen am Großen Schauspielhaus fort. Charell legte das Ganze als musikalisches Teamwork an und damit den Grundstein für den großen Erfolg. Ralph Benatzky war als musikalischer Supervisor engagiert, die Parole lautete, eigene Kompositionen mit passender Volksmusik und Schlagern anderer Komponisten zu kombinieren. So jagt bis heute ein Schlager den nächsten. Von Robert Stolz kamen der Foxtrott „Die ganze Welt ist himmelblau“ und der Walzer „Mein Liebeslied muß ein Walzer sein“.

Renaissance Theater - Berlin / Im weißen Rössl © Boris Aljinovic

Renaissance Theater – Berlin / Im weißen Rössl © Boris Aljinovic

„Zuschaun kan i net“ stammte von Bruno Granichstaedten und „Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist“ von Robert Gilbert. Eduard Künneke wurde beauftragt, die Instrumentation zu übernehmen und die Chöre zu schreiben. Neu war auch, dass die große Orchesterbesetzung alle gängigen Stile der populären Musik beherrschte. Von Feuerwehrkapelle über Jazzcombo bis hin zu Zitherspielern wirkten neben dem großen Bühnenorchester im Berliner Schauspielhaus 1930 rund 100 Musiker mit. Benatzky hatte Erfahrung mit großen Besetzungen, seit 1926 arbeitete er in Berlin mit Erik Charell zusammen, komponierte Musik für die Jahresrevuen des Großen Schauspielhauses in Berlin. Darüber hinaus besaß er Kabarett-Erfahrung für die kleine Form. Mit seiner ersten Frau der Wiener Diseuse Josma Selim trat er bis 1923 im Wiener Kabarett Simplicissimus mit selbstkomponierten Chansons auf.

Die Besetzung bot die Crème de la Crème der Berliner Unterhaltungsbranche 1930 auf. Max Hansen, Siegfried Arno, Camilla Spira, Otto Wallburg und Paul Hörbiger u.a. spielten in der Uraufführung. Die BZ am Mittag schrieb über die Uraufführung 1930: „Die Landschaft von Wolfgang baut sich bis in die alpenglühenden Gipfel auf und geht rund ums Parkett, das zum Talkessel wird. Die Echtheit zu beglaubigen, rollte ein richtiger Omnibus auf die Bühne (allerdings viel zu pünktlich), der See ladet zum Bade, ein Wasserfall spult seinen silbernen Zwirn, ein richtiger Regen schnürlt vom Himmel, und Ziegen meckern dich an. Waschecht auch Schuhplattler, Jodlerinnen, Watschentänzer und die Kostüme, die Trachten sind. Ein Volk von Sennern, Hirten, Jägern, Schützenmädels, Feuerwehrleuten, Veteranen, Bauern Wirtshausleuten koloriert das Milieu. Und das Lokalkolorit wird sozusagen synkopiert von der Internationalität der Girls und Boys, die beweisen sollen, daß auch St. Wolfgang nicht außer der Welt liegt. Ihre Tänze sind das fließende Band, das die Handlung aufrollt, heranträgt, in Takte und Akte teilt.(…) In diesen Tänzen triumphiert nicht nur der Rhythmus der Beine, der Musik, sondern auch der Kostüme: Farben, Stoffe, Zusammenklang. Symphoniker ist hier Ernst Stern, Professor mit Recht. Wunderschön. Der Rhythmus, die Zweiteilung setzt sich bis ins Orchester fort, dessen Linke Jazz, dessen radikale Rechte Zither und Laute sind, Heimwehlaute unter Steirerhut und Hahnenschwanz.“

Doch der Erfolg der Uraufführung währte nicht lange, die Nationalsozialisten verboten weitere Aufführungen wegen der jüdischen Herkunft Charells und weiterer Autoren. Viele der erfolgreichsten Unterhaltungsarbeiter der Weimarer Republik waren jüdischer Abstammung, einige entkamen aus Deutschland, andere wurden im KZ ermordet. So endete auch das von Benatzky, Paul Abraham, Robert Gilbert, Erik Charell, Kurt Weill und anderen Mitstreitern erfolgreich produzierte neue unterhaltende Musiktheater.

Erst seit der Wiedererweckung des Rössl in der Bar Jeder Vernunft 1994 in einer legendären Besetzung, angeführt von den Geschwistern Pfister mit Otto Sander, Meret Becker und Gerd Wameling, steht das Stück immer wieder auf den Spielplänen deutscher Theater als sichere Bank, wenn es um Auslastungen geht.

In Berlin haben seither Aufführungen des musikalischen Alpendramas um die Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber, ihren Oberkellner Leopold und die kauzig-liebenswerte Besetzung aus Einheimischen und Berliner Piefkes im Theater des Westens und in der Komischen Oper um die Gunst des Publikums gewetteifert. Nun stellt das Renaissance-Theater als Wiederaufnahme-Premiere bereits in der zweiten Spielzeit eine ganz eigene Fassung vor.

Das Stück kommt Tucholskys Ideal „vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße“ recht nahe. Berliner Schnauze trifft österreichischen Schmäh, Alpenpanorama mit Herzschmerz und Schnaps, Leberknödel meets Boulette und am Ende haben sich alle lieb.

Renaissance Theater- Berlin / Zuschauerraum © Oskar Kaufmann

Renaissance Theater- Berlin / Zuschauerraum © Oskar Kaufmann

Heimlicher Chef im Ausflugshotel Zum weißen Rössl am österreichischen Wolfgangsee ist Kellner Leopold. Er schmeißt den Laden auch in der Hochsaison. Doch für seine Chefin Josepha Vogelhuber ist er Luft, sie ignoriert ihn und seine Annäherungsversuche, no #Metoo am Wolfgangsee 1930. Josepha hingegen liebt nämlich heimlich einen Stammgast aus Berlin, Rechtsanwalt Dr. Siedler. Zeitgleich erscheinen, ebenfalls aus Berlin, der Fabrikant Wilhelm Giesecke und seine Tochter Ottilie. Dummerweise gibt es unangenehme geschäftliche Querverbindungen, für Giesecke ein weiterer Grund zum Maulen über die ungewohnte Bergidylle. Doch Ottilie hat einen eigenen Plan und findet Siedler supersüß! Leopold übertreibt seine Zuneigung zu Josepha und seine Abneigung gegen Siedler und fliegt prompt raus. Dann tauchen noch Sigismund, der Sohn von Gieseckes Erzkonkurrenten und Fabrikantensohn Sülzheimer junior auf, zusammen mit Dr. Heinzelmann nebst Tochter Klärchen, die er im Zug getroffen hat. Kaiserwetter am See erfordert auch einen echten Kaiser, der steigt im Weißen Rössl ab und Josepha beißt die Zähne zusammen und stellt den ansonsten ja tüchtigen Leopold wieder ein. Der benimmt sich schlecht und fliegt erneut. Der gütige Operettenkaiser regelt das für ihn und am Ende haben sich alle lieb.

Doch Regisseur Torsten Fischer, sein Ausstattungsteam und der Musikalische Leiter Harry Ermer setzen sich ganz bewusst über diese leichtsinnige Grundstimmung hinweg. Sie schicken eine Grußpostkarte aus der Sommerfrische und konzentrieren sich mangels großer bzw. vielstimmiger Besetzung und Ausstattungsmöglichkeit auf der kleineren Bühne auf den touristischen Aspekt des Stückes. Alles beginnt mit einem Andachtsjodler auf düsterer Bühne, die ganze Handlung hat in der hölzern getäfelten Gaststube mit Panoramabild und Gamsgeweih bei einheimischen Getränken und alpenländischer Musik ihren Ursprung. Vielleicht an einem regnerischen Abend, wo man sich Geschichten erzählt, von damals als der Kaiser kam oder der ortsunkundige Piefke ins Gebirge ging. Ein Kammerspiel im Salzkammergut, in das immer wieder eine andere Welt einbricht: Touristen jeglicher Couleur treten auf, der nörgelnde Berliner Großkotz mit Geld, ein smarter Stammgast, Vater und Tochter auf Entschleunigungsreise.

Und dann werden auch die Einheimischen wach und übernehmen die vom Tourismusmanager zugedachte Rolle als Animateure, die man aus dem, Prospekt und Operette kennt, sie erschaffen das gewünschte Operettenbild eines Postkartenidyklls: der schlawinernde Kellner im Biergarten, die resche Wirtin mit Herz oder die gut gelaunte Briefträgerin, der senil-huldvolle Kaiser vorm Kaiserstuhl. Harry Ermer und sein Quartett setzen auf die kleine Form, sie kreieren einen charmanten kammermusikalischen Rahmen mit Tuba, Trompete, Geige, Akkordeon, Klavier, Cello und Bass, der genau Benatzkys Stilvielfalt bedient und ohne Kitsch elegant zwischen Swing, Jazz, Operette und Revue wechselt.

Dabei kommen sie den unterschiedlichen stimmlichen Voraussetzungen der Besetzung entgegen. Musicalstar Andreas Bieber als Kellner Leopold und Winnie Böwe als Rössl-Wirtin werfen sich musikalische wie dialogisch die Bälle zu. Tonio Arango, Ralph Morgenstern, Walter Kreye, Angelika Milster, Nadine Schori und Annemarie Brüntjen übernehmen alle mehrere Rollen mit gut gelaunter Spielfreude, selbstironischem Augenzwinkern und viel stimmlichem Engagement. Als Piefke herrlich maulend, nörgelnd in eine Lederhose verfrachtet, hat Boris Aljinovic seinen großen Auftritt als Wilhelm von Giesecke. Am Ende regelt der Operettenkaiser alle Ränke, hat jeder sein Jodel-Diplom und wer eine Erlebnisreise gebucht hat, hat sie auch bekommen. Dem Publikum hat der Kurzausflug ins Operettenreich unzweifelhaft gefallen.

Das weiße Rössl: Aufführungen im Renaissance-Theater bis 7. September 2019

—| IOCO Kritik Renaissance Theater Berlin |—

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