Bremen, Die Glocke, 7. Philharmonisches Konzert  –  „Durchbruch“, IOCO Kritik, 06.03.2020

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Die Glocke Bremen

Die Glocke Bremen © Mark Bollhorst

Die Glocke Bremen © Mark Bollhorst

7. Philharmonisches Konzert  –  „Durchbruch“
Bremer Philharmoniker, Leonard Elschenbroich, Violoncello, Marko Letonja, Dirigent

Mark Simpson: Konzert für Violoncello und Orchester
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 1 D-Dur

von Thomas Birkhahn

Es ist immer begrüßenswert, wenn zeitgenössische Musik aus dem Nischendasein der Neue-Musik-Festivals ausbricht und einen Platz im herkömmlichen Konzertbetrieb findet. Insofern kann man die Bremer Philharmoniker für ihren Mut loben, eine deutsche Erstaufführung auf das Programm zu setzen: Das Cellokonzert des Engländers Mark Simpson (*1988), welches eigens für den Solisten dieses mit „Durchbruch“ betitelten philharmonischen Konzerts, Leonard Elschenbroich, geschrieben und von diesem uraufgeführt 2018 wurde.

Cellist Leonard Elschenbroich © Felix Broede

Cellist Leonard Elschenbroich © Felix Broede

Schon die große Geste mit der das Orchester das Werk einleitet, macht deutlich, dass wir es hier mit hochemotionaler Musik zu tun haben. Die Intensität wird durch die ausladenden gesanglichen Linien des Cellos noch gesteigert. Elschenbroich identifiziert sich absolut mit dieser Musik und verleiht ihr eine Expressivität, die den Zuhörer bis zum Schluss nicht loslässt. Er stürzt sich mutig in die rasenden Läufe und höllisch schweren Doppelgriffe, die seine fabelhafte Technik bezeugen.

Solist und Orchester überbieten sich beinahe im Anheizen der Emotionen, so dass der langsame Mittelsatz eine willkommene Beruhigung auch für den Zuhörer darstellt. Simpson scheint vor allem das hohe Register des Cellos zu lieben. Wenn in diesem Werk ein Wunsch offenbleibt, dann der, dass der große Tonumfang des Cellos häufiger voll ausgereizt wird. Man hätte sich gelegentlich ein längeres Verweilen des Cellos in den tiefen Registern durchaus vorstellen können. Das Werk wurde nach der Uraufführung – so konnte man dem Programmheft entnehmen – von Teilen der Presse in die Nähe von Filmmusik à la Hollywood gerückt. Wenn dem so ist, dann ist dies Musik für einen Thriller, der fast ununterbrochen für Nervenkitzel sorgt.

Nach dem begeisterten Applaus – der zu einem nicht geringen Teil auch dem anwesenden Komponisten galt – bedankt sich der Solist mit der wunderbar innig vorgetragenen Sarabande aus der dritten Cellosuite von Johann Sebastian Bach.

Bremer Philharmoniker © Markus Meyer

Bremer Philharmoniker © Markus Meyer

Nach der Pause erklingt dann Gustav Mahlers erste Symphonie. Um etwas vorzugreifen: Am Ende erheben sich die acht Hornisten von ihren Plätzen und spielen den Schluss im Stehen. Es ist die passende optische Geste für eine Musik, die alle Selbstzweifel hinter sich gelassen hat und in triumphaler Selbstbehauptung der Zukunft entgegen geht.

Dass es ein steiniger Weg ist, den der „Titan“, der in Wirklichkeit Mahler ist, in dieser Sinfonie zurücklegen muss, machen Dirigent Marco Letonja und seine Bremer Philharmoniker überzeugend deutlich.

Mahlers erste Sinfonie wurde 1889 in Budapest uraufgeführt, damals noch als fünfsätzige Sinfonische Dichtung mit dem Titel Der Titan – angelehnt an einen Roman von Jean Paul. Erst später konzipierte Mahler das Werk als Sinfonie und strich sowohl das sinfonische Programm als auch den zweiten Satz, der heutzutage noch gelegentlich unter dem Titel Blumine aufgeführt wird.

GMD Marko Letonja © Marcus Meyer

GMD Marko Letonja © Marcus Meyer

Letonja hat eine klare Vorstellung davon, wie der Weg des Helden verlaufen soll. Das Hauptthema des ersten Satzes – aus Mahlers eigenem Lied „Ging heut‘ morgen übers Feld“ – nimmt er nicht nur im von Mahler mit „Immer gemächlich“ vorgeschriebenen Tempo, sondern auch mit der nötigen Zartheit und Zurückhaltung. Letonja erzeugt eine idyllisch heitere Stimmung, in der die lyrische Melodik Mahlers genauso zur Geltung kommt wie die Zögerlichkeit, die Fragezeichen, die dieser Musik ebenfalls innewohnen. Erst nach einer gewaltigen Klangentladung am Ende des ersten Satzes – vermutlich der „Durchbruch“, der dem Konzert seinen Titel gab – wird der Weg frei für Optimismus und Lebensbejahung.

Diese herrschen auch zunächst im länderartigen zweiten Satz vor. Letonja und seine Musiker betonen mit hörbarer Spielfreude das Rustikale, Volkstümliche dieser Musik, ohne die bedrohlichen Klänge, die sich hier und da dazwischen mischen zu ignorieren. Diese dunklen Untertöne werden dann aber mit hitziger Energie beiseite gespielt. Wunderbar zart gelingt das Trio. Die Streicher der Bremer Philharmoniker zaubern einen zerbrechlichen Klangteppich, den die Bläser mit klangschönen Soli ergänzen.

Hiroyuki Yamazak  - Kontrabassist © Bremer Philharmoniker

Hiroyuki Yamazak – Kontrabassist © Bremer Philharmoniker

Der dritte Satz beginnt mit einem Kontrabasssolo (sehr einfühlsam gespielt von Hiroyuki Yamakazi), der das Volkslied Bruder Jakob in Moll anstimmt. Vielleicht war es dieser Einbruch des Profanen, der „niederen Kunst“ in die Sinfonie, die ja die Königsgattung der Orchestermusik ist, die den berühmten Wiener Kritiker Eduard Hanslick zu der Aussage verleitete, dass diese Sinfonie „zu jener Gattung Musik gehört, die für mich keine ist.“

Mahler macht hier aus einem Kinderlied einen Trauermarsch, der immer mehr zu einem wehmütigen Klagegesang anschwillt. Immer wiederkehrenden Unterbrechungen des Trauermarschs durch volkstümliche Klänge gelingen Letonja sehr organisch, und besonders Mahlers Zitat aus seinem Lied Die zwei blauen Augen wird vom Orchester mit berückender Schönheit gespielt.

Letonja hält sich genau an Mahlers Anweisung und macht keine Unterbrechung vor dem Finalsatz. In den verlöschenden Trauermarsch hinein lässt er mit schneidender Schärfe das Finale über die Zuhörer hereinbrechen. Die Extreme von Mahlers Emotionen werden uns noch einmal in ihrer ganzen Bandbreite dargelegt. Seine Zerissenheit, sein Weltschmerz, und am Ende sein Optimismus – sie lösen an diesem Abend einen Beifallssturm aus, den sich Dirigent und Orchester verdient haben.

—| IOCO Kritik Bremer Philharmoniker |—


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Biel, Stadttheater Biel, Die Rheinnixen – Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 27.11.2018

November 28, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Biel Solothurn

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Stadttheater Biel © Ilja Mes

Stadttheater Biel © Ilja Mes

Stadttheater Biel Solothurn

Les fées du Rhin / Die Rheinnixen – Jacques Offenbach

– Nixen auf dem Trockenen –

Von Julian Führer

Eine unbekannte Oper mit bekannter Musik: Wenn die Ouvertüre beginnt, nicken sich die Zuschauer erfreut zu, denn sie erkennen die Barcarole aus Les Contes d’Hoffmann. Jacques Offenbach war geschickt im Arrangieren, aber auch im Rezyklieren, und so hat er zwei bekannte Stücke, eben die Barcarole und eine Arie aus dem ersten Akt, in seiner sehr viel erfolgreicheren Hoffmann-Oper übernommen. Und in den Rheinnixen finden sich wiederum Stücke aus früheren Kompositionen Offenbachs. Das Libretto verfasste Charles Nuitter (eigentlich Truinet), bevor Alfred von Wolzogen, der Vater des Wagner-Apostels Hans von Wolzogen, eine deutsche Fassung herstellte. Die Uraufführung fand zu dem Zeitpunkt statt, als eigentlich Wagners Tristan und Isolde aus der Taufe gehoben werden sollte, doch waren die Proben wegen erwiesener Unspielbarkeit des Werkes abgebrochen worden. Die Rheinnixen, ein Auftragswerk der Wiener Hofoper, wurden 1864 aufgeführt, gerieten in Vergessenheit, wurden 2002 wiederentdeckt und nun, im Herbst des Jahres 2018, in Biel zur schweizerischen Erstaufführung gebracht.

Die Rheinnixen –  Jacques Offenbach
Youtube Trailer des Theater Orchester Biel Solothurn
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Das Stadttheater Biel ist eine Spielstätte des Theater Orchester Biel Solothurn. An zwei Spielstätten (Biel und Solothurn) werden die drei Sparten Schauspiel, Musiktheater und Tanz abgedeckt. Von außen kaum als Theater erkennbar, ist der Zuschauerraum in Biel sehr klein, fast winzig (keine 300 Sitzplätze), aber erstaunlich hoch. Der Orchestergraben reicht nicht aus, alle Instrumente aufzunehmen, so dass die Harfe rechts neben den vorderen Parkettreihen plaziert ist – ein reizvoller Umgang mit beengten Verhältnissen.

 Jacques Offenbach - Montmartre © IOCO

Jacques Offenbach – Montmartre © IOCO

Die Rheinnixen sind tatsächlich Elfen; der französische Titel Les fées du Rhin lässt ihre Natur offen. Wer schwimmende Rheintöchter erwartet, muss weiterhin zu Wagner gehen. Bei Offenbach handelt es sich um weibliche Waldwesen, die bei einer Art Waldweben den Landsknechten mit säuselnder Musik den Kopf verdrehen. Die Tradition der romantischen Gespensteroper ist hier spürbar. Gleichzeitig sind Die Rheinnixen stark von der Pariser Grand opéra geprägt, und zwar ebenso in der Abfolge der Stücke mit einem Ballett nach der Pause wie auch in der dramatischen Zuspitzung am Ende, wo sich die Nixen auf einmal schwer nach weiter vorangetriebenem Boieldieu oder nach Gounod anhören, insbesondere wenn wie hier mit Benjamin Pionnier ein Dirigent mit Spürsinn für die Partitur am Pult steht. Die Werkgeschichte ist mit verschiedenen Fassungen, die in den vergangenen Jahren rekonstruiert werden konnten, einigermaßen vertrackt.

Der erste Akt ist eine lange Exposition: Hedwig ist vor längerer Zeit auf einen Tunichtgut hereingefallen, der ihr mit Hilfe eines falschen Geistlichen die Heirat vorgegaukelt und sie dann sitzengelassen hat. Das aus dieser Verbindung entstandene Kind heißt Laura (in anderen Fassungen des Werkes Armgard) und ist inzwischen herangewachsen. Gottfried hat ein Auge auf Laura geworfen, Laura interessiert sich nur für Franz, der aber zu den Soldaten gegangen ist. Wie der Regisseur Pierre-Emmanuel Rousseau (auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich) im Programmheft darlegt, lässt er die Handlung „auf dem Balkan“ spielen. Die Kostüme lassen es ahnen, aber nicht allzu deutlich werden. Was ist mir dieser Verlegung gewonnen? Vielleicht ein Bewusstsein für die Allgegenwart des Krieges. Gottfried, von Lisandro Abadie mit warmem Bariton gegeben, wird hier als Geistlicher gezeigt – dekorativ, aber im Rahmen dieses Regieansatzes nicht besonders schlüssig. Oder ist er aus Entsagung Geistlicher geworden? Ganz wie es sich für eine große Oper gehört, folgt auf den Eingangschor jedenfalls ein Gebet. Hedwig klagt anschließend über die Schäden, die der Krieg anrichtet. Diese Partie wurde am 7. November überzeugend von Susannah Haberfeld verkörpert, übrigens in Anwesenheit ihrer Mutter Gwyneth Jones, die ihren Geburtstag in Biel verbrachte (alles Gute vom dankbaren Rezensenten an seine erste Brünnhilde!).

Stadttheater Biel / Die Rheinnixen von Jacques Offenbach © Konstantin Nazlamov

Stadttheater Biel / Die Rheinnixen von Jacques Offenbach © Konstantin Nazlamov

Die Szenerie spielt im Elsass in der Nähe des Rheins zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als marodierende Haufen die Gegend unsicher machten (ein über Generationen anhaltendes Trauma, das beispielsweise auch in Schillers Räubern und im Freischütz seinen Niederschlag fand, dann mit dem Verweis auf den Dreißigjährigen Krieg). Conrad, der Anführer der Landsknechte, kommt mit seinem bewaffneten Haufen und drangsaliert die weibliche Bevölkerung; Laura sticht ihm ins Auge, sie soll für ihn singen. Auch Franz ist dabei, Lauras große Liebe, aber aufgrund einer Verwundung leidet er an Sinnestäuschungen und Gedächtnisverlust und weiß nicht recht, wo er sich befindet und wen er vor sich hat. Gustavo Quaresma verkörperte den am Kopf verwundeten Soldaten glaubhaft, sein Tenor wirkte jedoch eng geführt und gepresst. Erstaunlich ist aus dem Kontext der Werkentstehung heraus, dass Soldaten und Militär sehr negativ charakterisiert werden, sowohl im Libretto als auch in der Musik (ein Plünderungen und Brandschatzung verherrlichender Chor und ein von Conrad dargebrachtes Trinklied). Diese dem Krieg gegenüber kritische Haltung mag ihren Teil dazu beigetragen haben, dass Die Rheinnixen zur Zeit der deutschen Einigungskriege keinen nachhaltigen Erfolg erzielen konnten.

Stadttheater Biel / Die Rheinnixen von Jacques Offenbach - hier : die spielenden Rheinnixen © Konstantin Nazlamov

Stadttheater Biel / Die Rheinnixen von Jacques Offenbach – hier : die spielenden Rheinnixen © Konstantin Nazlamov

Gesungen wird in dieser Fassung nach dem Libretto Nuitters in französischer Sprache. Im Angesicht der vorgehaltenen Waffe singt Laura dann auf einmal deutsch, und zwar das ‚Vaterlandslied‘, das Offenbach bereits abgeschlossen hatte und in diese Oper einbaute („Du liebes Land, du schönes Land! Du schönes, großes deutsches Vaterland!“). In der Schweiz können solche inbrünstigen Zeilen über ein deutsches Vaterland auf Teile des Publikums befremdlich wirken. Warum dieser Sprachwechsel? Das Elsass ist eine Kontaktzone zwischen zwei Sprachregionen, Biel ebenfalls, aber ein tieferer Sinn des Sprachwechsels wollte sich hier nicht erschließen, zumal angesichts der Verlegung des Schauplatzes nach Südosteuropa. Laura (Serenad Uyar mit viel Energie und Ausdauer) muss immer weiter singen, bis sie entkräftet zusammenbricht, natürlich zum Entsetzen Hedwigs, aber auch Franz‘, der sie sechs Takte vor Aktschluss dann doch noch erkannt hat.

Im zweiten Akt trauert Hedwig um ihre Tochter Laura, die sich buchstäblich totgesungen hat. Sie berichtet Gottfried, wie es zu Lauras Geburt gekommen ist. Gottfried, immer noch in Laura verliebt, schwört Rache: Er wird die Soldaten Conrads den Elfen entgegenschicken, die sich ihrer bemächtigen werden.

Im dritten Akt umtanzen die Elfen die Gegend. Die Ballettmusik ist wahrlich schön. Der Regie ist hier nicht viel mehr eingefallen, als dass einige großgewachsene Gestalten mit Tiermasken langsam über die Bühne ziehen. Bären und Adler waren für den Rezensenten eine etwas überraschende Beimischung zu der für Offenbach so typischen leichten, schwungvollen Musik. Gottfried nun scheint sich mit Elfen auszukennen und lotst die Soldaten dorthin, wo sie von den Naturwesen und ihrem Gesang außer Gefecht gesetzt werden. Laura, doch nicht so tot wie gedacht, lotst Franz beiseite, dem dieses Schicksal also erspart bleibt.

Stadttheater Biel / Die Rheinnixen von Jacques Offenbach © Konstantin Nazlamov

Stadttheater Biel / Die Rheinnixen von Jacques Offenbach © Konstantin Nazlamov

Im vierten Akt kommt es dann zur großen Konfrontation zwischen Conrad, der Gottfried für dessen Verrat hinrichten lassen will, und den anderen Protagonisten. Ob Laura nun tot ist oder nicht, scheint auch Offenbach nicht genau gewusst zu haben, denn immer wieder wird betont, alles sei nur ein Traum, aber die dramatische Situation bleibt gleichwohl real. Als dann auch noch Hedwig ihrem ehemaligen Scheinehemann Conrad eröffnet, dass er eine Tochter hat, die aber aus dessen eigenem Verschulden heraus tot ist (oder auch nicht), ist dieser zunächst am Boden zerstört. Jetzt will er sich um seine Tochter kümmern, aber das will Hedwig nicht. Jetzt wollen Gottfried und Hedwig sterben, aber dafür lebt nun Laura. Nun will aber auch Conrad (im Verlauf der Oper immer lauter und lauter: Leonardo Galeazzi) sterben, der wird wiederum von den anderen überredet, am Leben zu bleiben. Nach doch recht langem Hin und Her, wer nun eigentlich warum sterben möchte, beschließt man zum nun von fünf Solisten inbrünstig wie in einer Apotheose von Gounod gesungenen ‚Vaterlandslied‘ aus dem ersten Akt eine gemeinsame Flucht. Als das Happy End dann tatsächlich bevorzustehen scheint, lässt die Regie die Landsknechte auftreten und zu den F-Dur-Akkorden des Schlusses die Solisten erschießen. Wie oft hat man das schon sehen müssen… Man ist immerhin dankbar, dass die Schüsse wesentlich leiser sind als die in diesem kleinen Raum massiven Klangzusammenballungen von Orchester und Bühne.

„Ein in der Anlage so verfehltes, in der Ausführung so plattes Textbuch muß den freien Aufschwung jedes Komponisten lähmen.“ (Eduard Hanslick über die Wiener Uraufführung 1864) – ist das so? Das Werk ist nicht verfehlt, in der Aufführungsgeschichte ging es zwischen den Anhängern Wagners und denen, die Offenbach für seine Operetten liebten, verloren. Es dieser Vergessenheit entrissen und auch in der Schweiz dem Publikum präsentiert zu haben, ist das bleibende Verdienst des Stadttheaters Biel, das man zu weiteren Entdeckungen ermuntern will.

Die Rheinnixen des Theater Orchester Biel Solothurn, weitere Vorstellungen in:  Biel 18.12.; 21.12.; 23.12. 2018 und Januar 2019; in Solothurn – Premiere am 30.11.2018; 8.12.; 29.12.2018 und auch Januar 2019

—| IOCO Kritik Stadttheater Biel Solothurn |—


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Altenburg, Theater und Philharmonie Thüringen, Schlosskonzert in Altenburg, 03.06.2018

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Theater Altenburg Gera

Theater und Philharmonie Thüringen Anne Luisa Kramb © Pro Podium

Theater und Philharmonie Thüringen Anne Luisa Kramb © Pro Podium

Theater und Philharmonie Thüringen / Schloss Altenburg ©Sabina Sabovic

Theater und Philharmonie Thüringen / Schloss Altenburg ©Sabina Sabovic

16. Philharmonisches Schlosskonzert in Altenburg

Mit Mozart, Schönberg, Schubert und Johann Strauß Sohn

Im prachtvollen Festsaal des Altenburger Residenzschlosses wird mit mitreißenden Wiener Klängen der letzte Monat der laufenden Spielzeit eingeläutet. Am Sonntag, 3. Juni, um 18:00 Uhr findet dort das 16. Philharmonische Schlosskonzert statt, dessen Programm sich ganz der klingenden Vielfalt der österreichischen Kunsthauptstadt verschrieben hat. Wien galt schon immer als eine Wiege der Künste und bot zahlreichen Künstlern eine kreative Heimat. Wolfgang Amadeus Mozart ist als einer der berühmtesten Komponisten in die Geschichte der Donaumetropole eingegangen. In Wien entstanden vermutlich 1791 seine fünf Kontretänze, bei denen die Paare nicht nur mit- sondern auch gegeneinander tanzen. Das 5. Violinkonzert vollendete Mozart im Dezember 1775 mit Blick auf den Fasching und konzipierte das Finale als eine Maskerade im türkischen Stil.

Auch Arnold Schönberg prägte die Musik seiner Geburtsstadt als Mitbegründer der Zweiten Wiener Schule. 1906 entstanden, stellt seine erste Kammersinfonie für 15 Soloinstrumente einen Glanzpunkt seines Schaffens dar und gilt mit ihrer komplexen Polyphonie als Meilenstein der Moderne.

Franz Schubert komponierte die Deutschen Tänze 1824 im beschwingten ¾-Takt und mit volkstümlichem Charakter.  Anton Webern fertigte 1934 eine Bearbeitung für Orchester an, bei der er dem Stile Schuberts treu blieb.

Johann Strauß? Donauwalzer gilt als heimliche Hymne Österreichs; der berühmte Kritiker Eduard Hanslick bezeichnete ihn 1874 gar als „wortlose Friedens-Marseillaise“.

Solistin ist Anne Luisa Kramb. Sie  gewann 2016 den 8. Internationalen LOUIS SPOHR Wettbewerb für junge Geiger der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und studiert seit 2016 im Precollege der Kronberg Academy. Unter der musikalischen Leitung von Takahiro Nagasaki musiziert sie gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera.

Programm:
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): 5 Kontretänze KV 609
Arnold Schönberg (1874-1951): Kammersinfonie Nr. 1 E-Dur op. 9
Wolfgang Amadeus Mozart: Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219
Franz Schubert (1797-1828): Deutsche Tänze D 820, orchestriert von Anton Webern
Johann Strauß Sohn (1825-1899): An der schönen blauen Donau Walzer op. 314

—| Pressemeldung Theater Altenburg Gera |—


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Wien, Volksoper Wien, Premiere: IL TROVATORE, 16.11.2013

November 8, 2013 by  
Filed under Premieren, Pressemeldung, Volksoper Wien

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Volksoper Wien

Volksoper Wien  bei Nacht (1) 112010 337 © IOCO

Premiere: IL TROVATORE  von Giuseppe Verdi

Text nach Salvatore Cammarano und Leone Emanuele Bardare,
nach dem Drama „El Trovador“ von Antonio García Gutiérrez
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
 
Premiere am 16. November 2013, 19:00 Uhr
Öffentliche Generalprobe am 14. November 2013, 11:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 19., 22., 27., 30. November, 3., 7., 13. Dezember 2013; 19., 21., 25., 30. Juni 2014
  
Anlässlich von Giuseppe Verdis 200. Geburtstages setzt die Volksoper als erste Opernpremiere der aktuellen Saison „ Il trovatore“ aufs Programm. Verdis 17. Oper begründete gemeinsam mit „Rigoletto“ und „ La Traviata“ (ab 29. März 2014 wieder im Repertoire)  zu Beginn der 1850er Jahre den Welterfolg des Komponisten. Die Premiere der Neuinszenierung von Dietrich W. Hilfsdorf ist am 16. November 2013. Verdis Klassiker wird somit bereits zum fünften Male nach 1905, 1935, 1941 und 1961 am Haus am Gürtel neuproduziert.   
 
Die Musik sei banal und brutal, die Handlung schlichtweg unverständlich – so tönte es dem „Troubadour“ noch im 19. Jahrhundert – zumeist von der Seite deutschsprachiger Kritiker – entgegen. Während Verdis Partitur von elementarer Kraft und Meisterschaft mittlerweile über jede Herabsetzung erhaben ist, steht die tragisch endende Dreiecksgeschichte seit jeher im Verdacht nur schwer nacherzählbar zu sein. Und doch kann sich niemand ihrer Sogwirkung entziehen: Verdis „Il trovatore“ kreist um das Thema der verfeindeten Brüder Graf Luna und Manrico, die in diesem Falle jedoch nichts von ihrer Verwandtschaft wissen. Der Troubadour Manrico hält sich für den Sohn der Zigeunerin Azucena, die von dem Gedanken an Rache für ihr ermordetes Kind besessen ist. Manrico und Graf Luna sind nicht nur politische Widersacher, sondern auch Rivalen um die Liebe derselben Frau, Leonora.
 
Il trovatore“ ist eine Koproduktion der Volksoper mit dem Theater Bonn. 
 
Ein großes und gewaltiges Sujet
Die Vorlage für Verdis Oper „Il trovatore“ lieferte Antonio García Gutiérrez erstes Bühnenstück „El trovador“, uraufgeführt 1836. „Der Troubadour“ ist ein „großes und gewaltiges Sujet“, dessen starke emotionale Motive – Rache, Liebe, Hass, Angst und Eifersucht – ihm die geeignete Inspiration für seine gleichnamige Oper lieferten. Oft taucht in Verdis Schaffen das Motiv der verfeindeten Brüder auf; doch nur einmal gibt es eine so dominante Mutterrolle wie jene der alten Zigeunerin Azucena, welche die Handlung des „Trovatore“ vorantreibt. Seinen Librettisten Cammarano hatte Verdi dazu ermuntert, die Erzählung „je ungewöhnlicher und bizarrer, desto besser“ auszugestalten und besonders den Charakter der alten Zigeunerin in seiner „Neuartigkeit und Fremdheit“ herauszustellen. Der Kritiker und Verdi-Zeitgenosse Eduard Hanslick verachtete die Geschichte „von ausgesuchter Grässlichkeit, in welche eine Zigeunerin samt einigen gestohlenen und verbrannten Kindern bedenklich verwickelt ist“, den nachhaltigen Triumph dieses unwiderstehlich mitreißenden Meisterwerkes konnte er jedoch nicht verhindern. Neben der tragisch endenden Liebesgeschichte ist Verdi mit „Il trovatore“ auch eine ‚Parabel über die Unterdrückung von Minderheiten‘ (Ulrich Schreiber) gelungen.
 
Das Team der Neuinszenierung
Nach dem „Wildschütz“ im April 2013 inszeniert zum zweiten Male Dietrich W. Hilsdorf in Bühnenbildern von Dieter Richter an der Volksoper. Der 1. Gastdirigent unseres Hauses Enrico Dovico steht am Pult der ersten „Trovatore“-Neuproduktion an der Volksoper seit 52 Jahren.
 
Als Azucena kehrt die international gefeierte Mezzosopranistin Janina Baechle an die Volksoper zurück, wo sie zuletzt 2006 als Magdalena in „Der Evangelimann“ zu hören war. Der koreanische Bariton Tito You, zuletzt hier als Vater Germont in Verdis „Traviata“ zu erleben, singt den Graf Luna. Stuart Neill gibt in der Rolle des Manrico, die er schon mit großem Erfolg u. a. an der Deutschen Oper Berlin und in der Arena von Verona gesungen hat, sein Hausdebüt. Die Partien der Leonora und des Ferrando sind mit den Ensemblemitgliedern Melba Ramos und Yasushi Hirano besetzt.
 
 
Mit: Tito You (Graf Luna), Yasushi Hirano/Petar Naydenov (Ferrando), Melba Ramos/Kristiane Kaiser/ Irina Oknina (Leonora), Eva Maria Riedl/Renate Pitscheider(Ines), Stuart Neill/ George Oniani/Vincent Schirrmacher (Manrico), Christian Drescher/David Sitka (Ruiz), Janina Baechle/Alexandra Kloose/Chariklia Mavropoulou (Azucena)
 
 
 
Pressemeldung Volksoper Wien

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