Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere NORMA – Vincenzo Bellini, 10.06.2018

Juni 5, 2018 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

 NORMA – Vincenco Bellini

 Text von Felice Romani, nach der Tragödie Norma ou L’Infanticide (1831) von Alexandre Soumet, In  italienisch mit deutschen und englischen Übertiteln

Premiere:  Sonntag, 10. Juni 2018, um 18.00 Uhr

 Vincenzo Bellini in Pere Lachaise © IOCO

Vincenzo Bellini in Pere Lachaise © IOCO

Norma von Vincenzo Bellini (1801-1835) ist das Hauptwerk der sogenannten Belcanto-Ära und gilt als gelungenste Oper des sizilianischen Komponisten. Ganz sicherlich hat daran das geschickt gebaute Libretto von Felice Romani großen Anteil, welches Bellini ermöglichte, gerade bezüglich der Charakterzeichnung der beiden Frauenfiguren Norma und Adalgisa in die Tiefe zu gehen und dadurch den Vorwurf des bloßen Schöngesangs zu entkräften. Nach der eher kühl aufgenommenen Uraufführung am 26. Dezember 1831 an der Mailänder Scala konnte das von Verdi und Wagner gepriesene Werk sehr bald seinen erfolgreichen Weg über die Bühnen der Welt antreten. Nichtsdestotrotz ist der Erfolg der Oper von der Sängerin der Titelpartie abhängig, was Interpretinnen von Maria Malibran über Maria Callas bis hin zu Edita Gruberova eindrucksvoll unter Beweis stellten. An der Oper Frankfurt ist – von zwei konzertanten Produktionen 1976 und 2008 abgesehen – in der Nachkriegszeit keine szenische Präsentation von Bellinis Oper verzeichnet.

 Oper Frankfurt / Elza van den Heever Sopran / Titelpartie; ©Dario Acosta

Oper Frankfurt / Elza van den Heever Sopran / Titelpartie; ©Dario Acosta

Im von Rom besetzten Gallien unterhält die Druidenpriesterin Norma eine geheime Liebesbeziehung zum feindlichen Prokonsul Pollione, dem Vater ihrer beiden Kinder. Als sich der Soldat jedoch in die junge Priesterin Adalgisa verliebt, ist Norma am Boden zerstört. Der Versuch ihrer schuldlosen Rivalin, die beiden Kontrahenten zu versöhnen, misslingt. Norma schwört Rache und ruft ihr Volk zum Kampf gegen die Römer auf. Dem inzwischen gefangengenommenen Pollione droht der Tod. Norma erklärt, dass eine Priesterin ihren Eid gebrochen habe und zusammen mit dem Römer sterben soll. Nach einigem Zögern gibt sie sich selbst als die Frevlerin zu erkennen. Gemeinsam mit Pollione, dessen Liebe zu ihr neu erwacht ist, besteigt sie den Scheiterhaufen.

 Oper Frankfurt / Gaëlle Arquez - Mezzosopran / Adalgisa; © Agentur

Oper Frankfurt / Gaelle Arquez – Mezzosopran / Adalgisa; © Agentur

Antonino Fogliani ist musikalischer Leiter des Festivals Rossini in Wildbad und gab hier 2016/17 sein Hausdebüt mit Puccinis Tosca. Aktuell führt ihn Donizettis Lucia di Lammermoor an die Münchner Staatsoper. Regisseur Christof Loy ist regelmäßiger Gast in Frankfurt, wo er zuletzt Bergs Wozzeck (2015/16) und Scartazzinis Der Sandmann (2016/17) inszenierte. Zu seinen aktuellen Arbeiten gehört u.a. Donizettis Maria Stuarda am Theater an der Wien. Kurzfristig übernahm Loy die Frankfurter Neuproduktion von Bellinis Norma, nachdem die Pläne der Übernahme einer Inszenierung von Sigrid Strøm Reibo im Rahmen der angekündigten Koproduktion mit der Norske Opera Oslo aus künstlerischen Gründen aufgegeben wurden. Elza van den Heever (Norma), Frankfurter Ensemblemitglied von 2009 bis 2014, war kürzlich als Beethovens Leonore in Zürich und als Chrysothemis in Strauss’ Elektra an der New Yorker Met zu erleben. Stefano La Colla (Pollione) gastierte zuletzt u.a. als Calaf in Puccinis Turandot an der Deutschen Oper Berlin und als Cavaradossi in Puccinis Tosca in Rom. Bizets Carmen nimmt momentan einen zentralen Platz im Repertoire von Gaëlle Arquez (Adalgisa) ein. Nach Frankfurt (2016/17) verkörperte sie diese Partie in Bregenz, Madrid und London. Robert Pomakov (Oroveso) gab hier 2016/17 sein Hausdebüt als Gremin in Tschaikowskis Eugen Onegin. Regelmäßig gastiert er an der New Yorker Met und der Opéra National de Paris.

Hingewiesen sei an dieser Stelle noch auf vier Begleitveranstaltungen zum Werk, die rund um die Aufführungsserie auf dem Programm der Oper Frankfurt stehen: die Einführungsveranstaltung Oper extra am 27. Mai 2018 um 11.00 Uhr im Holzfoyer, der Vortrag von Produktionsdramaturg Konrad Kuhn Norma – ein enzyklopädischer Charakter vor der Premiere am 10. Juni 2018 um 16.00 Uhr im Holzfoyer, die Gesprächsrunde Oper im Dialog am 17. Juni 2018 im Anschluss an die Vorstellung im Salon im 3. Rang sowie der Vortrag von Jürgen Kesting Was ist eigentlich Belcanto? am 24. Juni 2018 um 14.00 Uhr im Holzfoyer. Näheres unter www.oper-frankfurt.de.

Premiere: Sonntag, 10. Juni 2018, um 18.00 Uhr, Weitere Vorstellungen: 14., 17., 20., 23., 27. Juni 2018, jeweils um 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Maria Stuarda, konzertant – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 02.06.2018

Juni 1, 2018 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

MARIA STUARDA, konzertant – Gaetano Donizetti

Diana Damrau – Königin des Belcanto und Starbesetzung

Von Patrik Klein

Diana Damrau ist mittlerweile unumstritten die „Königin des Belcanto“. Dies stellte sie vor ein paar Wochen an der Oper Zürich unter Beweis. In der Inszenierung von David Alden debutierte sie in der Rolle der „Maria Stuarda“ mit überaus großem Erfolg.

Ob als wahnsinnige Lucia in Lucia di Lammermoor, als dem Tod geweihte Violetta in La Traviata, als sterbende Antonia in Hoffmanns Erzählungen oder als aufopfernde Gilda in Rigoletto; etliche Operntode ist Diana Damrau bereits überzeugend und das Publikum in ihren Bann ziehend gestorben. Nun kam an der Deutschen Oper Berlin nach Sängerinnen wie Joan Sutherland, Montserrat Caballé und zuletzt  Joyce DiDonato der blutige und hochdramatische Hinrichtungstod der Maria Stuarda, ein Meisterwerk des Belcanto und ein Höhepunkt für jeden Donizetti- Liebhaber in die Palette der einzigartigen Diva hinzu.

Das Berliner Publikum lag ihr wie dem gesamten Ensemble zu Füßen.

Deutsche Oper Berlin / Maria Stuarda - konzertant hier Schlussapplaus © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Maria Stuarda – konzertant hier Schlussapplaus © Patrik Klein

 Maria Stuarda von Gaetano Donizetti  –  Entstehung

Das Teatro San Carlo in Neapel beauftragte Donizetti 1834, Giuseppe Bardaris Libretto angelehnt an Schillers Drama Maria Stuarda zu vertonen. Bei der Generalprobe tauchte ganz überraschend die Königin  Maria Christina von Neapel im Theater auf und wollte sich die Oper schon vor der Uraufführung ansehen. Während des letzten Aktes geschah das Verhängnis: Die Monarchin war von der Beichtszene so ergriffen, dass sie in Ohnmacht fiel. Hinzu kam, dass eine Königin, die am Ende hingerichtet wird, nach offizieller Lesart keine geeignete Opern-Heldin war. Als Folge verbot die Zensur die Aufführung des Werkes von nun an.

Donizetti hielt seine Musik für zu wertvoll, als sie einfach in der Versenkung verschwinden zu lassen. In Gemeinschaftsarbeit mit einem neapolitanischen Librettisten verfasste er einen neuen Text, den er seiner Musik unterlegte. Am 18. Oktober 1834 erlebte dann die neue Oper unter dem Titel  Buondelmonte eine völlig glanzlose Uraufführung.

Als die Mailänder Scala für die Premiere zum Jahreswechsel 1835/1836 nach einer geeigneten Oper Ausschau hielt, schlug die damals schon sehr berühmte Sängerin Maria Malibran Donizettis „verbotene“ Oper Maria Stuarda vor. Nach heftiger Diskussion wurde das Werk angenommen. Donizetti erhielt den Segen, seine lyrische Tragödie im Original herauszubringen. Aber wieder hatte es das Schicksal nicht gut mit der Oper gemeint. Beide Sängerinnen, die Maria und Elisabetta verkörpern sollten, waren indisponiert. Die Sängerinnen wollten jedoch so kurz vor dem Jahreswechsel nicht auf ihre Gage verzichten und bestanden darauf, dass das Werk über die Bühne ging. Der Erfolg war wiederum nur sehr mäßig. Daraufhin wollte Donizetti nie mehr etwas mit der Mailänder Scala zu tun haben.

Erst 123 Jahre später wurde Maria Stuarda wiederentdeckt. Die Aufführung nach einer solch langen Pause erfolgte 1958 in Donizettis Geburtsort Bergamo, und dieses Mal blieb ihr der verdiente Erfolg nicht versagt.

 

Deutsche Oper Berlin / Maria Stuarda - konzertant hier Schlussapplaus mit vlnr Jana Kurocová, Francesco Ivan Ciampa, Diana Damrau, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Maria Stuarda – konzertant hier Schlussapplaus mit vlnr Jana Kurocová, Francesco Ivan Ciampa, Diana Damrau, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin © Patrik Klein

 Maria Stuarda – Die Handlung

Die Oper spielt im Palast zu Westminster sowie im Schloss und dem angrenzenden Park zu Fotheringhay 1587 während der letzten Lebenstage Maria Stuardas.

Erster Akt (Erster Teil): Galerie im Palast von Westminster

Ein französischer Diplomat überbringt der englischen Monarchin ein Schreiben seines Königs, in dem dieser um ihre Hand anhält. Gleichzeitig bittet er Elisabetta, Maria Stuarda wieder die Freiheit zu schenken. (Die Königin von Schottland wurde vor 18 Jahren von ihrem Volk vertrieben, weil sie ihren Gatten ermorden ließ. Sie suchte daraufhin bei ihrer englischen Cousine Schutz. Elisabetta selbst fürchtete jedoch um ihren Thron und ließ Maria gefangen nehmen.) Auch die beim Königshof versammelte Gesellschaft unterstützt den Wunsch des französischen Königs. Einzig und allein Cecil, der Baron von Burleigh, fordert den Tod Marias. Er war früher selbst einmal in die schöne Königin von Schottland verliebt. Als sie ihn aber abgewiesen hatte, wandelte sich seine Liebe in Hass.

Der Graf von Shrewsbury, Giorgio Talbot, überbringt Graf Leicester ein Schreiben der inhaftierten Königin, in dem sie darum bittet, er möge sich doch bei Elisabetta für sie einsetzen. Leicester genießt die hohe Gunst seiner Herrscherin. Weil sein Herz aber für die schöne Maria entbrannt ist, ist er allzu gerne geneigt, bei Elisabetta ein gutes Wort für die Schottin einzulegen. Nach langem Zureden erklärt sich Elisabetta bereit, sich mit Maria zu treffen.

Zweiter Akt (Zweiter Teil): Park des Schlosses zu Fotheringhay

Maria ist froh, nach langer Kerkerhaft endlich wieder einen Sonnentag an der frischen Luft genießen zu können. Als aus der Ferne Hörner ertönen, schlägt ihr Herz höher. Sie ist sich bewusst, dass Elisabetta mit ihrer Jagdgesellschaft auf dem Weg nach Fotheringhay ist. Plötzlich steht Graf Leicester vor ihr. Er ist der Jagdgesellschaft vorausgeeilt, um sich unter vier Augen mit ihr unterhalten zu können. Er fleht die von ihm so geschätzte Maria an, sich demütig vor Elisabetta niederzuwerfen. Dies sei der einzige Ausweg, um ihr Leben zu retten. In Sorge um Leicesters persönliches Geschick erklärt sie sich schließlich dazu bereit.

Beim Zusammentreffen der beiden Königinnen kommt alles anders, als von Maria erhofft. Die stolze Engländerin hat für ihre Verwandte nur Hohn und Spott übrig. Sie erinnert sie an ihre früheren Amouren und an ihren Mann, den sie verraten hatte und anschließend töten ließ. Maria hält die Schmach nicht lange aus und schleudert Elisabetta die Verachtung über ihre Herkunft ins Gesicht: Tief geschändet sei Englands Thron durch den Bastard, der sie sei. Wachen führen Maria ab.

Dritter Akt (Dritter Teil): Galerie im Palast von Westminster

Cecil drängt Elisabetta, endlich Marias Todesurteil zu unterschreiben. Zunächst zögert sie; doch als sie Leicester erblickt und ihr bewusst wird, welch hinterhältiges Spiel er mit ihr getrieben hat, setzt sie ihren Namen unter das Dokument. Cecil triumphiert und fordert seinen Widersacher Leicester auf, sich freiwillig gefangen nehmen zu lassen. Er gesteht ihm auch, selbst dafür gesorgt zu haben, dass Marias Brief ihm zugespielt worden sei. Er habe dies alles so geschickt eingefädelt, um ihn als Verschwörer gegen Elisabetta überführen zu können.

Vierter Teil: Gemach im Gefängnis von Maria Stuarda

Maria ist sich bewusst, dass sie bald dem Henker zugeführt wird. Talbot und Cecil überbringen ihr das Urteil. Sie lässt ihr Leben Revue passieren. Dabei denkt sie vor allem an ihren Ehemann, dessen Tod sie zu verantworten hat. Sie ist so mitgenommen, dass sie Wahnvorstellungen bekommt. Talbot, der unter seiner Kleidung ein Priestergewand trägt, kann sie wieder in die Realität zurückzuführen. Bei ihm legt sie ihre letzte Beichte ab. Als Akt letzter Gnade erlaubt Elisabetta Maria, dass ihre Dienerin Anna sie auf das Schafott begleiten darf. Maria verzeiht Elisabetta und betritt gefasst die Hinrichtungsstätte.

Deutsche Oper Berlin / Maria Sturda - hier Schlussapplaus mit Diana Damrau und Javier Camarena © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Maria Sturda – hier Schlussapplaus mit Diana Damrau und Javier Camarena © Patrik Klein

Die musikalische Interpretation an der Deutschen Oper Berlin

Konzertante Opern erfreuen sich größer werdender Beliebtheit, da sie oft innere Widerstände zu schlechten oder unverständlichen Inszenierung auflösen und allein die Komposition den Fokus des Besuchers prägt. Zudem genießt man auch die Superstars der Opernwelt persönlicher, emotionaler.

Orchestergraben und erste Reihe im Parkett sind in der Deutschen Oper Berlin überbaut, der Chor aufsteigend im Hintergrund der Bühne positioniert, davor das riesige Orchester; ein Meter über die gesamte Breite der Bühne sind Spielfläche der Solisten des Abends. Der Kontakt des Publikums zu den Protagonisten ist maximal; Emotionen und Konflikte erspürt, erlebt man hautnah. Es wird gezickt, gekniet, Machtlust und Rache ausgeübt, gefleht, geflucht und gehofft; die Musik Donizettis dringt tief ein in die gebannte Zuhörerschaft.

An der Deutschen Oper Berlin darf man die ganz besondere Zusammenkunft mehrerer Gesangskünstler und -innen größten Formats wahrnehmen. Die musikalischen Spitzen, die Koloratur-Dramatik lässt Jana Kurucová  (Ensemblemitglied an der Deutschen Oper Berlin) als Elisabetta regelrecht aufblitzen. Sie überzeugte mit herrischer Präsenz und Autorität einer britischen Monarchin. Wunderbar gestaltet sie die Partie mit feinster italienischer Diktion besonders in den schweren Koloraturpassagen. Ihr herrlich abgedunkelter Mezzosopran beherrscht die Tücken dieser Rolle vollkommen. Man kann ihre absolut sichere Intonation auch in den allerhöchsten Tönen mit großer emotionaler Betroffenheit vernehmen. Mit großartiger Dynamik in der Stimme unterstreicht sie die zahlreichen emotionalen Regungen der englischen Monarchin. Ob liebevoll, Giftspritzen verteilend, Machtgelüste genießend oder rasend vor Eifersucht; man nimmt ihr die Partie ab.  Ganz besonders überzeugt sie in der Cavatine im ersten Akt: Ah! quando all’ara sorgemi – Ah dal ciel discenda un raggio“ und in der „Trost-“ oder „Beleidigungs-Szene“ von Maria und Elisabetta im zweiten Akt: Morta al mondo, morta al trono“. Das war Weltklasse!

Deutsche Oper Berlin / Maria Sturda - hier :Schlussapplaus mit Jana Kurucová, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Maria Sturda – hier :Schlussapplaus mit Jana Kurucová, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin © Patrik Klein

(Schlussapplaus Jana Kurucová, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin; Foto Patrik Klein)

Mit ihrer nach Zürich zweiten Maria Stuarda erhärtet Diana Damrau aufs Neue, dass sie wie z.B. Jonas Kaufmann zu den wenigen Deutschen gehört, die auch im nicht deutschen Fach Weltruhm erreichen können. Diana Damrau schließt hier nahtlos an die langjährige Ära der Edita Gruberova an und markiert buchstäblich eine gesangliche Zeitenwende. Es ist ein zeitgemäßes Singen auf allerhöchstem stimmlichen Niveau. Es ist ein Triumph. Diana Damrau besticht mit glasklarem wunderschönen Sopran, bei dem die Koloraturen gestochen scharf herausgearbeitet sind. Sowohl im Forte, als auch im Pianissimo ist ihre Stimmtechnik einzigartig, die Phrasierungen und das Legato gelingen ihr in hohem Maße. In ihrer einzigartigen Weise, ob leise flüsternd oder dramatisch aufbrausend, wirkt sie völlig frei jedweder Verstelltheit oder jedweden Manierismus. Es hat den Anschein, dass sie wie ein Michelangelo die Töne mit federleichtem Pinselstrich geschmeidig auf die Leinwand tupft. In ihrer Stimme erklingt eine innere Wucht und eine Entschiedenheit, wie man sie bisher bei ihr noch nicht kannte. Im Finale Anna! Qui più sommessi … Deh! Tu di un’umile preghiera il suono Anna!“ schließlich wandelt sie sich von einer von Qual durchdrungenen zu einer mit sich und der Welt ins Reine gekommen Frau. Sie singt mit schlafwandlerischer Sicherheit jeden Ton. Es klingt alles so leicht und ist doch so schwer. Das Pianissimo in der Höhe füllt das riesige Haus. Von inniger Liebe bis reiner Angriffslust. Vom „zartesten Ton“ bis zur „hochdramatischen Eruption“, man hört seelenverloren zu und spürt, dass kein einziger Moment der Unsicherheit folgen wird. Das ist es, was nicht bange werden lässt bei ihrem Weg vom hohen Koloratursopran zur tragischen Belcanto-Königin. Nach ihrem letzten Gebet: Ovationen. Man nimmt auch ihr die Rolle der unglücklichen schottischen Königin ganz einfach ab: Diana Damrau ist eine glaubhafte Maria Stuarda. Im nächsten Jahr wird sie in Hamlet von Ambroise Thomas an der Deutschen Oper Berlin zu hören sein.

Javier Camarena beeindruckte uneingeschränkt als Graf Leicester. Er gestaltete seine Partie mit großer Leidenschaft und doch viel Zärtlichkeit ohne Rückgriff auf extravagante Gesten. Seine Stimme klang einzigartig und so verführerisch,  dass man es ihm leicht abnahm, die Eifersucht der Königin von England zu wecken. Besonders in der Cavatine und dem anschließenden Duett mit Talbot im ersten Akt: Ah! rimiro il bel sembiante“, ließ er die Stärken seiner Stimme zum ungebremsten Jubel seiner Zuhörerschaft erklingen.

Bass-Bariton Nicolas Testé, der Ehemann und Bühnenpartner von Diana Damrau, gestaltete einen geerdeten, väterlichen Talbot in etwas zurückhaltender wenig Schwärze aufzeigender Manier. Der Bass Dong-Hwan Lee, der die Partie des Sir William Cecil gab, sang sehr schön und angemessen dramatisch zurückhaltend. Als überkorrekter und bürokratischer Lord fiel es ihm leicht, Elisabetta zu überzeugen, das Todesurteil für Maria Stuarda zu unterzeichnen. Die Mezzosopranistin Amira Elmadfa gestaltete die Partie der Anna Kennedy erdig und sehr sicher.

Der Chor der Deutschen Oper Berlin nach ganz kleinen anfänglichen Orientierungsunsicherheiten wieder einmal mit großartiger Präzision, Formschönheit und Wohlklang, für die sich alleine schon die Reise in die Hauptstadt lohnt. Das Orchester der Deutschen Oper Berlin unter dem Gastdirigenten Francesco Ivan Ciampa bot rhythmisch und dynamisch flexiblen Donizettiklang, besonders im ersten Teil sehr wuchtig. Manchmal hätte hier ein wenig Zurücknahme die Sänger an der Rampe noch mehr zur Geltung gebracht.

Das Publikum unterbrach die Vorstellung häufig nach zahlreichen gelungenen Arien, Duetten und besonders eindringlich geratenen Passagen mit ungebremsten Jubelstürmen. Der Schlussapplaus war entsprechend gewaltig. Da Diana Damrau an diesem Tag ihren Geburtstag feierte, trat Javier Camarena als Dirigent hervor und forderte das Publikum zum Ständchen für die Jubilarin auf.

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin|—

Frankfurt, Oper Frankfurt, SOPRANISTIN NICOLE CABELL – Liederabend, 8.5.2018

Mai 4, 2018 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Sopranistin  NICOLE CABELL

Siebter Liederabend der Spielzeit 2017/18  –  US Sopranistin Nicole Cabell
Dienstag. 8. Mai 2018,  20.00 Uhr

Oper Frankfurt / Liederabend - Nicole Cabell © Erika Dufour

Oper Frankfurt / Liederabend – Nicole Cabell © Erika Dufour

Gold und Samt und Seide – purer Luxus liegt in der Stimme von Nicole Cabell: so nobel im Timbre, so ungemein reich an Farben, so makellos in der Phrasierung, so glamourös und glaubhaft in der Erscheinung; das überzeugte nicht nur die hochkarätige Jury in Cardiff, die ihr 2005 den Titel BBC Cardiff Singer of the World verlieh. Seitdem hat die gebürtige Kalifornierin eine umwerfende Karriere hingelegt, die sie zur absoluten Königsklasse der lyrischen Sopranistinnen zählen lässt. Partien wie Mozarts Gräfin, Donna Elvira und Pamina, Puccinis Mimì und Musetta, Verdis Violetta Valéry, Donizettis Adina, Bizets Leïla sowie Bellinis und Gounods Julia zählen u.a. zu ihrem Repertoire. Überwiegend ist Nicole Cabell auf dem nordamerikanischen Kontinent an Häusern wie der Metropolitan Opera in New York, der Chicago Lyric Opera oder der San Francisco Opera zu erleben, aber auch in Europa gab sie aufsehenerregende Debüts: Händels Alcina am Grand Théâtre de Genève, Mimì an der Pariser Opéra National, zuvor Prinzessin Eudoxie (La Juive) am Royal Opera House Covent Garden in London – wo sie auch Violetta sang –, Bizets Micaëla (Carmen) und Donna Elvira (Don Giovanni) an der Deutschen Oper Berlin. In Australien debütierte sie in der weiblichen Hauptpartie von Gershwins Porgy and Bess mit dem Sydney Symphony Orchestra.

Anlässlich ihres Liederabends präsentiert Nicole Cabell, begleitet von Simon Lepper am Klavier, Lieder von Fernando Obradors, Maurice Ravel, Benjamin Britten und Ricky Ian Gordon sowie Spirituals

Karten zum Preis von € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf) sind bei unseren üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im Telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.


Achter und letzter Liederabend in dieser Spielzeit: 12. Juni 2018
Tanja Ariane Baumgartner, Mezzosopran

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Liederabend-Reihe der Oper Frankfurt der Saison 2018 / 19 

Günther Groissböck, Bass 11. September 2018
Hanna-Elisabeth Müller, Sopran 20. November 2018
Luca Salsi, Bariton 18. Dezember 2018
Ludovic Tézier, Bariton 22. Januar 2019
Stéphanie d’Oustrac, Mezzosopran 26. März 2019
Edita Gruberová, Sopran 23. April 2019
Michael Porter, Tenor 07. Mai 2019
Michel Spyres, Tenor 18. Juni 2019;

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

 

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Operngala – Camilla Nylund und Andreas Schager, 07.07.2018

April 13, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

DOR Operngala – Camilla Nylund und Andreas Schager

Götz Alsmann – Moderation

Zwei der derzeit angesagtesten Opernstars sind am Samstag, 7. Juli 2018, um 19.00 Uhr bei der vom Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein präsentierten Gala im Opernhaus Düsseldorf zu Gast: Die finnische Sopranistin Camilla Nylund gestaltet gemeinsam mit Tenor Andreas Schager den traditionsreichen Abend. Unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober begleiten die Duisburger Philharmoniker die beiden Solisten – Götz Alsmann führt durch das Programm.

Deutsche Oper am Rhein / Camilla Nylund © AnnaS

Deutsche Oper am Rhein / Camilla Nylund © AnnaS

Camilla Nylund zählt zu den weltweit führenden lyrisch-dramatischen Sopranen. Regelmäßig singt sie auf den wichtigen Konzertpodien mit führenden Orchestern und Dirigenten und ist Gast an den großen Opernhäusern von Zürich, Wien, Paris, Berlin, Dresden, Köln, Hamburg, Tokio, Helsinki, Barcelona, San Diego, Amsterdam, Bayreuth, San Francisco, London und Mailand.

Im Opernhaus Düsseldorf begeisterte Camilla Nylund zuletzt in ihrer Rolle der Marie in Alban Bergs Wozzeck, zuvor war sie dort bereits als Feldmarschallin in Strauss‘ Der Rosenkavalier und als Gräfin Madeleine in dessen Capriccio zu erleben.

 

Deutsche Oper am Rhein / Andreas Schager © David Jerusalem

Deutsche Oper am Rhein / Andreas Schager © David Jerusalem

Auch Andreas Schager ist auf den großen Bühnen der Welt unterwegs: Zunächst im lyrischen Fach zu Hause, machte er Station in Bologna, Frankfurt, Wien, Gent und an der Royal Opera Canada. Inzwischen ist Schager primär in Wagner-Partien zu hören, zuletzt unter Daniel Barenboim als Tristan in der Berliner Staatsoper Unter den Linden. In Düsseldorf gab Andreas Schager bei der AIDS-Gala 2014 seinen umjubelten Einstand.

Durch das Programm führt der Musiker und Entertainer Götz Alsmann. Der Deutschen Oper am Rhein ist Alsmann als Konzertmoderator bereits seit dem vom WDR übertragenen NRW-Sommerkonzert 2012 auf dem Düsseldorfer Burgplatz verbunden, wo er 2014 auch Oper am Rhein für alle begleitete. Bei den Haniel Klassik Open Air-Konzerten 2013, 2015 und 2017 begeisterte Alsmann tausende Gäste auf dem Vorplatz des Theaters Duisburg.

Die vom Freundeskreis präsentierte Operngala ist seit vielen Jahren ein musikalischer und gesellschaftlicher Höhepunkt zum Ende der Opernsaison. Mit Unterstützung der Opernfreunde konnten in den vergangenen Jahren großartige Interpreten für dieses besondere Konzertereignis gewonnen werden. So waren Stars wie Edita Gruberová, Anja Harteros, Emily Magee, Juan Diego Flórez, Marcello Giordani, Thomas Hampson, José Cura, Ramón Vargas und Elena Garanca zu erleben.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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