Paris, Père Lachaise, Oscar Wilde – Kultstätte in Paris, IOCO, 31.03.2020

Oscar Wilde auf Père Lachaise © IOCO Felix

Oscar Wilde – 20 Tonnen Gedenkstätte auf Père Lachaise © IOCO Felix

Oscar Wilde – Monumental – Père Lachaise, Paris
– Kult als Dandy – Kult als Dichter – Kult im Tod –

von Viktor Jarosch

 Heinrich Heine auf Montmarte Paris © IOCO

Heinrich Heine auf Montmarte Paris © IOCO

Die großen Friedhöfe von Paris, Père Lachaise, Montmartre, Montparnasse, Passy wurden im frühen 19. Jahrhundert auf Veranlassung von Napoleon neu geordnet und als „Parkfriedhöfe“ angelegt. Mit Denkmal-Gräbern für lange zuvor Verstorbene wie den Dichter Jean-Baptiste Poquelin alias Molière (1622-1673), den Fabeldichter Jean de la Lafontaine (1621 – 1695), der Äbtissin Héloise (1095 – 1164) oder des Theologen Abaélard (1079 – 1142) hat sich Père Lachaise wie alle Pariser Park-Friedhöfe früh zu weltweit einzigartigen, architektonisch touristischen Begegnungsstätten entwickelt.  Heinrich Heine (1797 – 1856) bestimmte 1851 in seinem, in der „Matratzengruft“ von Montmartre geschriebenen Testament, „auf dem Kirchhofe dieses Namens (Cimitière Montmartre, Foto) beerdigt zu werden, da ich eine Vorliebe für dieses Quartier hege …“.

Auch der Kult-gewordene Dichter, Dramatiker und Lyriker Oscar Wilde (1854 in Dublin – 1900 in Paris) fand auf Père Lachaise seine  letzte Ruhestätte. Père Lachaise, im 20. Arrondissement von Paris gelegen, ist mit 44 Hektar und 69.000 Grabstätten der größte Pariser Friedhof. Mit über drei Millionen Besuchern jährlich ist Père Lachaise weit mehr als letzte Ruhestätte für Verstorbene, es ist auch sinngebende Begegnisstätte für uns Lebende: sein Besuch wurde so zu einem Muss.für viele Paris-Besucher und Einheimische.

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Kurz hinter dem Eingang von Père Lachaise begegnet dem Besucher schon die Grabstätte von Gioacchino Rossini (1792 in Pesaro – 1868 in Passy, Paris). Rossini, ab 1824 Hofkomponist von Ludwig XVIII, König von Frankreich, und, obwohl er schon 1829 mit Guglielmo Tell seine letzte Oper schrieb, führte er, danach, mit lebenslanger französischer Rente versehen, ein aktives, ausgefülltes Leben. Er inspirierte dabei unter anderem den 1833 für eine Musikausbildung nach Paris gezogenen Jacques Offenbach (1819-1880), dessen auffällige Grabstätte in Montmartre, nahe der von Heinrich Heine liegt.

Der irische Schriftsteller Oscar Wilde, bekannt durch seine Werke u.a. Salome, Das Bildnis des Dorian Gray, The Importance of Being Earnest, Bunburry, Lady Windermere‘s Fan war im damaligen prüden viktorianischen Zeitalter zudem als bewunderter Dandy und seinen extrovertiert exzentrischen Lebensstil eine bekannte Person des öffentlichen Lebens.

 Die schwer lesbare Visitenkarte von Lord Queensbury an Oscar Wilde © National Archives UK

Die schwer lesbare Visitenkarte von Lord Queensbury an Oscar Wilde © National Archives UK

Wildes in Paris endender, tragischer Niedergang begann am 18. Februar 1895, mit einer zunächst läppisch wirkenden Boshaftigkeit, die aber letztlich tödlich endete: John Sholto Douglas, 9th Marquess of Queensberry, und Vater seines intimen Freundes Lord Arthur Douglas, hinterließ in dem gemeinsam oft besuchten Londoner Albemarle Club eine an Oscar Wilde adressierte Karte (siehe oben links) mit der Anschrift: „For Oscar Wilde posing Somdomite!“ („An Oscar Wilde, posierender Sodomit“ – NB: Sodomie war damals in England strafbar). Diese Karte war Grund der folgenden Verleumdungsklage von Oscar Wilde gegen Marquess of Queensberry. In seiner Klage wurde Wilde von Freunden wie Robert Ross, Lord Arthur Douglas und sogar Georg Bernard Shaw gestützt. Queensberry argumentierte vor Gericht mit seinen „Wahrheitsbeweisen“ gegen Wilde: aufgrund dieser „Wahrheitsbeweise“ wurde öffentlich, dass Oscar Wilde mit jungen Männern der damaligen Unterschicht und männlichen Prostituierten sexuelle Beziehungen hatte. Der Marquess of Queensberry wurde im Urteil von der Verleumdungsklage freigesprochen.

Marquess of Queensberry reagierte auf seinen Freispruch mit einer Gegenklage. Oscar Wilde wurde nun von ihm wegen Unzucht und Sodomie angeklagt. Der vermögende Marquess of Queensberry stellte für dies Verfahren zahlreiche, von seinen Detektiven aufwendig ermittelte Beweise zur Verfügung. Am 25. Mai 1895 wurde Oscar Wilde wegen sexuellen Beziehungen zu jungen Männern der Unterschicht und mit männlichen Prostituierten wegen „Gross indecency“ (ein Gesetz, welches damals sexuelle Akte zwischen Männer generell, auch in privaten Räumen kriminalisierte) zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, verbunden mit schwerer Zwangsarbeit. Das Urteil ruinierte Oscar Wilde persönlich und finanziell für den Rest seines Lebens.

Die Umstände im Zuchthaus Reading, wo Wilde seine Strafe verbrachte, waren entwürdigend und zerstörerend: Wie viele andere Zuchthäuser der Zeit in England war das Zuchthaus Reading damals vermeintlich modern ausgerichtet. Die englischen Zuchthäuser der Zeit waren zuvor aufwendig neu gestaltet, zur „Reformation der Gefangenen“, zur therapeutischen Behandlung der Insassen umgestaltet. Statt ehemals überfüllter Säle und Gemeinschaftszellen gab es erstmals durchgängig Einzelhaft in Zellen ohne Fenster. Kleine Milchglasschlitze ließen Licht ein, verhinderten aber den Blick ins Freie. Bei Freigang auf dem Gefängnishof bestand Redeverbot; das Tragen einer den Kopf verhüllenden Kapuze war dabei Pflicht.

Oscar Wilde 1882 © Napoleon Sarony

Oscar Wilde 1882 © Napoleon Sarony

Oscar Wilde verließ das Gefängnis 19. Mai 1897 als gebrochener und mittelloser Mann;  am gleichen Tag flüchtete er noch nach Paris: In Paris hatte Wilde 1883, in seinen guten Zeiten, mehrere Monate gelebt, mit Victor Hugo, Sarah Bernhardt, Edgar Degas verkehrt und das Bühnenstück The Duchess of Padua geschrieben. So ist Salome 1891 in Paris in französischer Sprache entstanden, und, in England war es durch die Zensur geächtet, 1894 in Paris mit Sarah Bernhardt als Salome uraufgeführt.  Oscar Wilde auf die Frage, warum er Salome in Französisch geschrieben hat: er sei „im Herzen Franzose, der Geburt nach aber Ire und von den Engländern dazu verurteilt, die Sprache Shakespeares zu sprechen.“  Nach seiner Ausreise im Mai 1897 betrat Oscar Wilde nie wieder englischen Boden.

Das letzte, unter solch dramatischen Umständen in Paris entstandene Werk von Oscar Wilde, ist das Gedicht The Ballad of Reading Gaol; es beschreibt die letzten Tage des 30-jährigen, wegen Mordes verurteilten Kavalleriesoldaten Charles Thomas Wooldridge kurz vor seiner Hinrichtung. Oscar Wilde zeichnet sein Gedicht in großer emotionaler Nähe zu dem sterbenden Soldaten. 

Jean-Baptiste Molière - La Fontaine in Pere Lachaise © IOCO

Jean-Baptiste Molière – La Fontaine in Pere Lachaise © IOCO

Oscar Wilde lebte in Paris vereinsamt und verarmt, aber im besten Zimmer des kleinen Hôtel d’Alsace in der Rue des BeauxArts, dessen Besitzer ein Bewunderer von ihm war. Dort starb  Wilde am 30. November 1900 elendig, unter schmerzhaften Umständen. Die Todesursache (Hirnhautentzündung oder Syphillis) wurde nie eindeutig festgestellt. Trotz seiner Schmerzen begleiteten ihn Aphorismen bis in den Tod: “My wallpaper and I are fighting a duel to the death – one or the other of us has to go” oder “Either the wallpaper goes, or I do“. Robert Ross, enger Freund und Lektor, war bei Oscar Wilde als dieser starb: Ein herbei gerufener katholischer Priester erteilte Wilde Nottaufe, Absolution und letzte Ölung. Begraben wurde Oscar Wilde 1900 zunächst in einem Armengrab auf dem Pariser Friedhof Cimetiere Bagneux. Auf nachdrückliches und uneingennütziges Betreiben von Robert Ross, nun Verwalter von Wildes künstlerischem Nachlass, wurde dieser 1909 auf den Cimetière du Père Lachaise umgebettet. Erst seit 1914, 14 Jahre nach Wildes Tod, schmückt das Grab die kultische Felsskulptur..

 Oscar Wilde Grabmal - die Sphinx © IOCO Felix

Oscar Wilde Grabmal – die Sphinx © IOCO Felix

Robert Ross, 1868 – 1918, Student an der Oxford University, war mit Oscar Wilde seit 1886, als erstem homoerotischen Freund verbunden. In späteren Jahren blieb Ross als Lektor, Freund und Verwalter des Nachlasses eng mit Oscar Wilde verbunden. Robert Ross, in seinem Bemühen um eine angemessene Grabstätte, beauftragte 1908 den amerikanisch-britischen Bildhauer Jakob Epstein (1880-1959) mittels einer anonym erhaltenen Spende von 2.000 englischen Pfund ein Grabmal für Oscar Wilde zu schaffen: ein 20 Tonnen wiegender Hopston Wood–Fels aus Derbyshire in England bildete die Grundlage. Epstein meißelte in Anlehnung an Wildes Gedicht Die Sphinx in die Mitte des riesigen Felsblocks eine vertikale, geflügelte Figur mit ausgesprägt sichtbaren Phallus, welche vorwärts zu fliegen scheint: symbolischer Ausdruck für einen Dichter als Botschafter, so wird es oft interpretiert. Auf der Stirn dieser Sphinx verkündet eine Figur mit langer Trompete ewigen Ruhm; über dem Kopfschmuck symbolisieren fünf kleine Figuren, eine davon mit einem kleinen Kreuz, an das Martyrium von Wildes Lebensende erinnernd. Der Transport des Denkmals von London nach Paris gestaltete sich schwierig: 120 Pfund Importzoll mussten entrichtet werden, da die französischen Behörden den Felsen nicht als Kunstwerk anerkannten. Nach letzten Arbeiten von Epstein auf Père Lachaise wurde das Grabmal im August 1914 von dem Okkultisten und Dichter Aleister Crowley offiziell enthüllt. Robert Ross hatte zuvor den Phallus der Sphinx mit einer Schmetterlings-ähnlichen Bronzeplastik verhüllt, welche allerdings später wieder entfernt wurde.

Seither entwickelte sich die Grabstätte von Oscar Wilde auf Père Lachaise zur gesuchten Pilgerstätte und ein Raum für unzählige Anekdoten: Der ausgeprägte Phallus der Sphinx wurde 1961 von einem Souvenirjäger abgeschlagen; im Jahr 2000 durch eine Silberprothese ersetzt wurde er erneut abgeschlagen und seither nicht mehr ersetzt. Seit den 80er Jahren wurde das Grab von Oscar Wilde Ziel neuer Kulthandlungen: Besucher übersäten es bis 2011 beständig mit roten Kussmündern. Sei es der Abdruck eigener, fett rot bemalter Lippen, seien es aufgemalte rote Lippen: Zeichnungen auf dem Grabmal wurden zum kultischen Happening der Besucher. Graffitisprays ergänzten zahllose Lippen-Abdrücke. Die folgenden beständigen Reinigungen beschädigte wiederum das Grabmal, er wurde über die Jahre porös; Küssen Verboten–Schilder und Strafen bis zu 9.000 Euro _ nichts half: Die irische Regierung schritt ein; für Irland ist Oscar Wildes Grabmal irisches Kulturerbe. Die Felsskulptur wurde 2011 auf Kosten des Irischen Bauspflegeamtes erneut aufwändig gereinigt und zusätzlich mit  einer hohen Glasbarriere vor den Kussattacken und anderen Zuwendungen geschützt. Seither ruht Oscar Wilde dort wahrlich in Frieden. An seiner Seite ruht seit 1950 sein 1918 gestorbener Freund Robert Ross: dessen Asche wurde 1950 in das Grabmal von Oscar Wilde übergeführt

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Münster, Picasso Museum, „Im Rausch der Farben“ – Ausstellung, IOCO Aktuell, 16.10.2019

Oktober 15, 2019 by  
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Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Kunstmuseum Pablo Picasso

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Kunstmuseum Pablo Picasso

Kunstmuseum Pablo Picasso

„Im Rausch der Farben – Von Gauguin bis Matisse“

  Französische Moderne  –  Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

von Hanns Butterhof

Dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster ist wieder ein Glücksgriff gelungen. In seiner Ausstellung „Im Rausch der Farben – Von Gauguin bis Matisse“ zeigt es sehenswert über sechzig Meisterwerke aus dem Musée d’Art moderne de Troyes, die bisher außerhalb ihres Stammhauses nur in Seoul zu sehen waren. Aus eigenen Beständen würdigt es den Namensgeber mit der Sonderausstellung „Wie Gott in Frankreich – Picasso kulinarisch“.

Die Ausstellung positioniert sich gleich zu Anfang mit einem kurzen schwarz-weiß-Film auf der Gewinnerseite der Kunstgeschichte. Der Reihe nach präsentieren sich die Künstler der „Fauves“, die Wilden, mit einschlägigen Kunst-Parolen, um dann in Boxkämpfen ihren Gegnern punktgenau den knock out zu versetzen. Warum sich die Fauves als Sieger im Kampf gegen die akademische und Salon-Malerei fühlen durften, zeigt die Ausstellung dann mit ihrem Farbrausch eindringlich.

 Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstellung Im Rausch der Farben - hier : André Derain, Big Ben, 1906, Öl auf Leinwand © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstellung Im Rausch der Farben – hier : André Derain, Big Ben, 1906, Öl auf Leinwand © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Die Werke entstammen dem Teil der Sammlung, die das Textilindustriellen-Paar Denise und Pierre Lévy dem französischen Staat für das  Musée d’Art moderne von Troyes, der Stadt in der Champagne, vermacht haben. Freund und künstlerischer Anreger der Lévys war André Derain (1880 – 1954), deren „Hausgott“, wie ihn der Direktor des Picasso-Museums, Dr. Markus Müller, im Gespräch nennt. Derain hatte mit seinen Künstlerfreunden um Henri Matisse (1869 – 1954) auf dem Pariser Salon d’Automne 1905 den Skandalerfolg gefeiert, der die lose Maler-Gruppe als „Les Fauves“ etablierte.

Entsprechend bildet Derain einen Schwerpunkt der mit Gemälden, Grafiken und Skulpturen bestens bestückten Ausstellung. Einen besonderen Blickfang im großen Ausstellungsraum bildet sein an Monet erinnerndes Gemälde „Big Ben“, und sein „Hafen von Collioure“ trägt deutliche Spuren seines Zusammenseins mit Matisse 1904 in der katalonischen Hafenstadt nahe der Kapitale Perpignan. Von der Erfindung ihrer völlig neue Bildsprache aus dem Licht Südfrankreichs spricht auch Chaim Soutinés (1893 – 1943) „Das Kapuzinerkloster von Céret“, das auf ein unweit von Collioure gelegenes Städtchen verweist, dessen Musée d’art moderne Céret noch viele Zeugnisse aus der frühen französischen Moderne und eine Vielzahl von Keramiken Pablo Picassos mit Stierkampfszenen besitzt.

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstyellung : Im Rausch der Farben - hier : Félix Vallotton, Afrikanerin, 1910, Öl auf Leinwand, Foto Ville de Troyes, Carole Bell © Domaine public 2019

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstyellung : Im Rausch der Farben – hier : Félix Vallotton, Afrikanerin, 1910, Öl auf Leinwand, Foto Ville de Troyes, Carole Bell © Domaine public 2019

Der Ausstellung im westfälisch verregneten Münster eignet ein Hauch von Leichtigkeit, als atme sie die helle Luft des französischen Südens, und vermittelt jenseits von systematischem Sammlertum etwas von den sympathisch persönlichen Neigungen der Lévys. So fallen Werke von Jean Metzinger (1883 – 1956) wie seine  sanft kubistische „Frau von vorne und im Profil“ oder von Robert Delaunay (1885 – 1941) „Die Läufer“ ins Auge, daneben von Amado Modigliani (1884 – 1020) das Portrait „Jeanne Hébuterne“, von Max Ernst (1891 – 1976) eine Landschaft, und dazwischen überrascht die nahezu fotorealistisch gemalte „Afrikanerin“ von Félix Valloton (1865 – 1925). Im Kontrast dazu steht das Portrait “Junge Kreolin“ von Paul Gauguin (1848 – 1903), und wieder anders strahlen die Pointilisten Paul Signac (1863 – 1935) mit dem lichten Aquarell „Venedig“ oder Georges Seurat (1859 – 1891) mit dem „Vorort“.

Erstaunlich sind auch Sujet-Ähnlichkeiten zu entdecken. Atelierszenen oder Blicke aus dem Fenster auf die Straße wie von Maurice Marinot (1882 – 1960) erinnern frappant an Bilder der Ausstellung „Raoul Dufy – Les Ateliers de Perpignan 1940 – 1950“,  wie sie letztes Jahr im Musée d’art moderne Hyacinthe Rigaud in Perpignan zu sehen waren. Dort läuft gegenwärtig noch die sehenswerte Ausstellung „Rodin – Maillol – face à face“ mit charakteristischen Skulpturen der beiden Bildhauer, die auch in der Ausstellung im Picasso-Museum zu sehen sind. Auguste Rodin (1840 – 1917) etwa ist mit dem stolzen Kopf „Balzac“, Aristide Maillol (1861 – 1944) mit der hübschen „Krabbenfrau“ vertreten. Weitere Skulpturen finden sich verstreut in der Ausstellung, darunter Pferde- und Frauen-Motive von Edgar Degas (1834 – 1917).

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstellung : Im Rausch der Farben - hier : Pablo Picasso, Drei Sardinen, 1948, Keramik (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstellung : Im Rausch der Farben – hier : Pablo Picasso, Drei Sardinen, 1948, Keramik (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

In der Sonderausstellung  „Wie Gott in Frankreich – Picasso kulinarisch“ würdigt das Picasso-Museum in der 2. Etage aus eigenen Beständen Pablo Picasso (1881 – 1973) mit Linolschnitten, Lithografien, Keramiken und Gemälden rund um das Thema Essen und Trinken. Frisch gefangener Fisch, Artischocken und Wein lassen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Manche Bilder vermitteln aber auch eine Ahnung von den Phantasien, die von der Lebensmittelknappheit in Frankreich zur Zeit der deutschen Besatzung angeregt wurden.

In beiden Ausstellungen kommt den Besuchern eine außerordentlich nahe Moderne entgegen, bei der erstaunen lässt, vor wie langer Zeit ihre Protagonisten gewirkt haben. Und dazu gesellt sich das Erschrecken, wie vorbei diese Epoche ist.

Die Ausstellung „Im Rausch der Farben – Von Gauguin bis Matisse“ im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster läuft noch bis zum 19.1.2020.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag und Feiertage: 10.00 bis 18.00 Uhr. Freitag: 10.00 bis 20.00 Uhr.  Der ausführliche, umfassend bebilderte Katalog zur Ausstellung kostet an der Museumskasse 29,80 €, im Buchhandel 38,00 €.

—| ioco-art Kunstmuseum Pablo Picasso Münster |—

Münster, Picasso Museum, Ausstellung: Exoten und Moderne im Dialog, IOCO Aktuell, 06.02.2019

Februar 6, 2019 by  
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Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Lutz Oppermann

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Lutz Oppermann

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Kunstmuseum Pablo Picasso – Münster

Exoten und Moderne im Dialog – Ausstellung 2.2. bis  28.4. 2019

von Hanns Butterhof

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, das bis September 2010 noch Graphikmuseum Pablo Picasso Münster hieß, ist eines der Museums-Kleinodien im westfälischen Münster. Es wurde im Jahr 2000 eröffnet und beherbergt über 800 Lithografien Pablo Picassos. 1997  hatte der Lengericher Sammler Gert Huizinga, der am 9. 12. 2018 im Alter von 91 Jahren verstorben ist,  722 Lithographien in eine von den Sparkassen in Westfalen-Lippe, der Westdeutschen Landesbank Girozentrale, den Westfälischen Provinzial-Versicherungen sowie von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung eingebracht und damit den Grundstein für das münsterische Picasso-Museum gelegt.

Das Kunstmuseum Pablo Picasso liegt am Picassoplatz 1 in der Königsstraße. Seine Ausstellungsräume befinden sich in zwei historischen Gebäuden, dem von 1784 bis 1788 erbauten Druffel’schen Hof, einem der bedeutendsten Bauten des Klassizismus‘ der Stadt, und dem benachbarten Hensenbau, die im Zuge des Umbaus zum Museum Ende der 1990er Jahre miteinander verbunden wurden.

Die Sammlung des Picasso-Museums umfasst bis auf wenige Blätter das komplette lithografische Schaffen des Spaniers, darunter Abzüge von Zwischenzuständen und Probedrucke. Thematisch spannen die Werke den Bogen von Porträts über Stillleben bis hin zu bewegten Stierkampfszenen und antiken Fabelwesen.

Das Museum verfügt darüber hinaus über einen repräsentativen Querschnitt durch das gesamte grafische Schaffen von George Braque von 1926 bis zu seinem Todesjahr 1963. Die Kollektion zeichnet sich durch eine Vielzahl von Unikaten und Künstlervorzugsdrucken aus und ähnelt in ihrem Ateliercharakter der Picasso-Lithografien-Sammlung.

Seit 2008 besitzt das Museum 137 Grafiken des Malers Marc Chagall, maßgeblich aus den 50er und 60er Jahren, seit 2015 auch eine deutschlandweit einzigartige Grafik-Sammlung mit 121  Lithografien, Linolschnitte und Radierungen von Henri Matisse als Dauerleihgabe.

Lithographie von Honoré Daumier © Pablo Picasso Museum[

Lithographie von Honoré Daumier © Pablo Picasso Museum[

Für die große Ausstellung Marc Chagall – Der wache Träumer standen die Besucher Schlange. Mehr als 58.000 Kunstinteressierte kamen seit Oktober 2018 nach Münster, um die 120 Gemälde, Zeichnungen und farbigen Grafiken des französischen Ausnahmekünstlers zu bewundern.

 Aktuelle Ausstellungen: Daumier-Karikaturen,  Exotisches und Moderne im Dialog

(Kunst) zwischen Kult und Kritik

Vom 2. Februar bis 28. April 2019 zeigt das Picasso-Museum zwei neue Ausstellungen. In den Räumen des ersten Stocks wird unter dem Titel  Ein Fest für die Augen  erstmalig die Kollektion eines ungenannt gebliebenen Münsteraner Privatsammlers präsentiert. Im zweiten Stock sind unter dem Titel Honoré Daumier Die menschliche Komödie Lithographien des französischen Meisters der Karikatur zu sehen.

Dass des Sammlers weites Herz für zeitgenössische in Deutschland lebende Künstler schlägt, zeigt   ein Raum der Ausstellung Ein Fest für die Augen mit Arbeiten von Tony Cragg, Carsten Gliese, Christoph Worringer und Milo Köpp. Doch das wahre Fest für die Augen sind 85 Gemälde, Grafiken und Skulpturen, die dazu herausfordern, dem Einfluss der Volkskunst Afrikas und Asiens auf die europäische und außereuropäische Avantgarde nachzugehen. Ausdrucksstarke afrikanische Masken und Skulpturen stehen Vertretern der Moderne gegenüber, darunter auch Picasso, in dessen Werk sich deutliche Bezüge zu den vereinfachenden Geometrisierungen finden. Dabei ist durchgängig erkennbar, wie zwar die Formen der zentralafrikanischer Vorbilder übernommen wurden, nicht aber deren kultischer Gehalt.

Pablo Picasso Museum Münster / Khmer Kunst © Pablo Picasso Museum

Pablo Picasso Museum Münster / Khmer Kunst © Pablo Picasso Museum

Den markanten Schwerpunkt der Ausstellung bildet eine Gruppe von eindrucksvollen Khmer-Statuen, denen zwölf Bilder Mark Tobeys, einem Vertreter des Abstrakten Expressionismus in Amerika, gegenübergestellt sind. Während die Statuen den ganzen Raum mit nahezu sakraler Ruhe füllen,  lädt jedes einzelne der Werke Tobeys dazu ein, sich in ihm zu verlieren, wenn man sich in seine filigrane Linien- und Farbstruktur vertieft.

Wenn der Sammler mit dieser Ausstellung etwas von sich preisgibt, das nicht nur privater Natur ist, dann ist es ein Bedürfnis nach der Ruhe und Seinsgewissheit, die in den kultischen Figuren zu finden ist und die von der Moderne gesucht, aber kaum mehr gefunden wird.

Im zweiten Stock breitet sich mit etwa 100 Litographien die witzige Ausstellung  Honoré Daumier – Die menschliche Komödie aus. Mit ihr nutzt das Picasso-Museum die erste Gelegenheit, seine im Spätsommer 2018 als Schenkung erhaltene Daumier-Sammlung zu präsentieren. Eine lose Verbindung zum Picasso-Museum besteht darin, dass neben vielen Modernen wie Vincent van Gogh oder Edgar Degas auch Pablo Picasso ein großer Bewunderer und Sammler von Werken Daumiers war. Honoré Daumier beschreibt in seinen teils farbigen Grafiken überzeitliche menschliche Schwächen, die heute ebenso aktuell sind wie im 19. Jahrhundert; viele seiner Typen meint man persönlich zu kennen. Die Ausstellung zeigt Szenen zum politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen sowie Blätter aus den beliebten Serien der Bankiers, Ärzte und Juristen, die Daumier wie kaum einen anderen Berufsstand regelmäßig kritisch unter die Lupe nahm.

 Pablo Picasso Museum Muenster / Privatsammlung Tony Cragg "Eichelhäher - Skulptur" © Pablo Picasso Museum

Pablo Picasso Museum Muenster /  Privatsammlung Tony Cragg „Eichelhäher – Skulptur“ © Pablo Picasso Museum

Beide Ausstellungen lassen sich auf verschiedenste Weise auf einander beziehen. Offensichtlich haben die exotischen Figuren und die karikierten Personen Daumiers ganz ähnliche Proportionen, überdimensionierte Köpfe bei reduziertem Körper. Doch ist ihre Funktion völlig gegensätzlich. Beschwören die einen konservativ den traditionellen Kultus, haben die anderen nichts weniger im Sinn als dies. Beide sehenswerte Ausstellungen zusammen stellen die Besucher vor die aktuelle Frage, wo sie heute zwischen Daumiers aufklärerischem Entlarven und dem kultischen Anspruch von Gewissheiten stehen. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt der Raum mit den Arbeiten der in Deutschland lebenden Künstler ein vertieftes Interesse, formulieren sie doch eine aktuell mögliche Position zwischen Kultus und Kritik.

Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10.00 – 18.00 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen finden Samstag, Sonntag und an Feiertagen um 15.00 Uhr und 16:30 Uhr statt.

Der Eintritt beträgt 10 €, ermäßigt 8 €, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 4 €. Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt.

Kontakt: www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

—| ioco-art Kunstmuseum Pablo Picasso Münster |—

Paris, Montmartre, Letzte Ruhestätte für Heine, Berlioz, Meilhac…, IOCO Aktuell,

März 29, 2016 by  
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Aktuell

 Paris / Blick auf Paris von Sacre Coeur © IOCO

Paris / Blick auf Paris von Sacre Coeur © IOCO

 

Paris – Cimetière de Montmartre

 Heinrich Heine, Èmile Zola, Adolphe Adam, Jacques Offenbach

Die vier großen Friedhöfe von Paris entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Der Cimetière de Montmartre im Norden von Paris, Père Lachaise im Osten, Montparnasse im Süden, Passy Rive droite im Zentrum. Die Friedhöfe von Paris sind keine touristische Attraktion aber sichtbares Zeichen der großen Anziehungskraft, welches die Stadt seit jeher auf Künstler aus allen Ländern Europa ausübt.

 Paris / Place de Tertre Montmartre © IOCO

Paris / Place de Tertre Montmartre © IOCO

Bis zum Beginn des 19. Jh. waren Bestattungen auf „Kirchhöfen“ innerhalb der Stadtgrenzen üblich. Napoleon hatte die Zuständigkeit für Beerdigungen dann von der Kirche auf den Staat übertragen. Der Cimetière de Passy „überlebte“ als als einziger innerstädtischer Friedhof, nahe der Champs-Élysées, nahe vornehmer Wohnviertel des Rive droite. Père Lachaise, benannt nach dem Beichtvater von Ludwig XIV., ist mit 450.000 m², 70.000 Grabstätten und parkähnlicher Anlage der mit Abstand der größte wie beeindruckendste Friedhof von Paris.

 Paris / Kathedrale von Sacre Coeur © IOCO

Paris / Kathedrale von Sacre Coeur © IOCO

Der Cimetière de Montmartre ist mit 110.000 m² und 20.000 Grabstätten deutlich kleiner als Père Lachaise. 1825 in einem Gipssteinbruch des ehemaligen Quartier Montmartre reizvoll verwinkelt angelegt, mit architektonisch hinreißenden Grabmälern wie altem Baumbestand, liegt der Friedhof heute im Herz von Montmartre; unweit des Place du Tertre, Zentrum des Künstlerviertels,und der spektakulären Basilika Sacre Coeur. Auch zum weltberühmten, aber etwas in die Jahre gekommenen Varieté Moulin Rouge sind es gerade mal 500 Meter. Wegen des besonderen Flairs nennen viele Pariser den Cimetière de Montmartre auch liebevoll Kleines Père-Lachaise. Nur findet man den Eingang des Friedhofs nicht so leicht: Er liegt etwas versteckt am Ende einer stillen Seitengasse, der Avenue Rachel Nr. 20. Die belebte Rue Caulaincourt verläuft direkt über dem Friedhofseingang und bietet einen weitgehend ungestörten Blick auf die Friedhofsanlage.

 Paris / Grab von Heinrich Heine Montmartre © IOCO

Paris / Grab von Heinrich Heine Montmartre © IOCO

Viele berühmte Persönlichkeiten fanden auf dem Cimetière de Montmartre mit auffälligen Grabmälern ihre letzte Ruhestätte. Doch selbst große Popularität hält den Verfall vieler Gräber nicht auf. Sehr gut erhalten dagegen ist das erst 1901 errichtete Grabmal von Heinrich Heine, des Lyrikers, Essayisten, Erzählers und, für viele, des letzten Dichters der Romantik. Heines Ehefrau, die Schuhverkäuferin Augustine Crescence Mirat, Heine nannte sie Mathilde, teilt mit ihm das Grab. Mathilde fand nach ihrem Tod in 1883 auf auf ausdrücklichen Wunsch Heines ihre letzte Ruhe in derselben Grabstätte. Das Grabmal ziert eine gut erhaltene Marmorbüste mit dem Kopf Heines; in den Sockel ist das Gedicht Wo?eingemeißelt. IOCO wie viele andere Grabbesucher, grüßen den großen deutschen Dichter mit einem kleinen, auf dem Sockel abgelegten Stein.

 Paris / Grabmal Heinrich Heine © IOCO

Paris / Grabmal Heinrich Heine © IOCO

 Paris / Gedicht auf Grabstätte von Heinrich Heine © IOCO

Paris / Gedicht auf Grabstätte von Heinrich Heine © IOCO

 Paris / Blick auf den Cimetière Montmartre © IOCO

Paris / Blick auf den Cimetière Montmartre © IOCO

 Paris / Montmartre_Die Kameliendame © IOCO

Paris / Montmartre_Die Kameliendame © IOCO

Berühmtheiten auf dem Cimetière Montmartre Adolphe Adam, André Ampère, Hector Berlioz, Jean-Claude Brialy, Henri Georges Clouzot,

Dalida, Alphonsine Plessis, Die Kameliendame, Edgar Degas, Léo Delibes, Alexandre Dumas, Théophile Gaultier, Jacques und Ludovic Halevy , Henry Meilhac, Henri Murger, Jacques Offenbach, Adolphe Sax, Francois Truffaut, Emile Zola …….
 Paris / Grabmal Jacques Offenbach © IOCO

Paris / Grabmal Jacques Offenbach © IOCO

 Paris / Grabmal _Hector Berlioz © IOCO

Paris / Grabmal _Hector Berlioz © IOCO

 Paris / Grabmal Jacques und Ludovic Halévy © IOCO

Paris / Grabmal Jacques und Ludovic Halévy © IOCO

 Paris / Grabmal Leo Delibes Grabmal © IOCO

Paris / Grabmal Leo Delibes Grabmal © IOCO

 Paris / Grabmal Henri Meilhac © IOCO

Paris / Grabmal Henri Meilhac © IOCO

 Paris / Grabmal Émile Zola © IOCO

Paris / Grabmal Émile Zola © IOCO

 Paris / Grabmal Henry Murger © IOCO

Paris / Grab Henry Murger © IOCO

 

„Und als wir kamen zu deinem Grab,
Da stieg der Mond vom Himmel herab.
Er hielt eine Rede. Ein Schluchzen und Stöhnen,
Und in der Ferne die Glocken tönen.“    Heinrich Heine

IOCO / Viktor Jarosch / 03.2016

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