Lübeck, Theater Lübeck, 1. Sinfoniekonzert, 14./15.09.2014

September 11, 2014 by  
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Theater Lübeck

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

1. Sinfoniekonzert Schumann »Rheinische«

Werke von Carl Maria von Weber und Robert Schumann

Sonntag, 14. September, 11.00 Uhr, und Montag, 15. September 2014, 19.30 Uhr, Musik und Kongreßhalle

Carl Maria von Weber (1786 – 1826) »Oberon« Ouvertüre und Klarinettenkonzert Nr. 1 f Moll op. 73
Robert Schumann (1810 – 1856) Sinfonie Nr. 3 Es Dur op. 97

Romantischer kann ein Start in die neue Konzertsaison 2014/15 des Philharmonischen Orchesters eigentlich nicht sein. GMD Ryusuke Numajiri hat sich ein solches Auftaktkonzert gewünscht und freut sich, gleich mit einer der renommiertesten Klarinettistinnen unserer Zeit in Lübeck zu musizieren. Gastsolistin ist Sharon Kam, Gewinnerin des Internationalen ARD Wettbewerbs und schon zweimalige ECHO Klassik Preisträgerin. Sie wird Carl Maria von Webers 1. Klarinettenkonzert in f Moll interpretieren. Den runden und weichen Wohlklang dieses Instrumentes erlernte Weber 1811 kennen und lieben, als er in München Freundschaft mit einem der besten Klarinettisten seiner Zeit schloss, nämlich mit dem Solisten der Münchener Hofkapelle, Heinrich Joseph Bärmann. Durch ihn inspiriert, schuf er seine Kompositionen für dieses Instrument und lässt im langsamen Mittelsatz seines ersten Konzertes die romantischen Klangwelten von Klarinette und Horn aufeinandertreffen: als eine andeutungsvolle melodiöse Unendlichkeit.

Die Musiker der Romantik beherrschten genau dies meisterhaft: Die Kunst der Andeutung. In ihrer Musik sind Stimmungen und Gefühle eingefangen, die aus anderen Welten zu kommen scheinen – als eine Ahnung davon, dass es hinter der sichtbaren Welt der Dinge noch eine unsichtbare gibt. Inspiriert vom majestätischen Eindruck der hochauffahrenden gotischen Kirchenhalle des Kölner Domes und enthusiasmiert von seiner neuen Stellung als Musikdirektor in Düsseldorf, komponierte Robert Schumann im Spätherbst 1850 die Sinfonie in Es Dur. Den Beinamen »Die Rheinische« erhielt sie zwar von Schumanns erstem Biographen, doch ist gewiss, dass der Komponist hier einen Spiegel der »rheinischen Fröhlichkeit« in Musik setzte. Programmatische Eindeutigkeit vermied er bewusst: Im berühmten Synkopenthema des Beginns lässt sich das Fließen des großen Stromes lediglich erahnen und die choralartigen Bläserklänge des vierten Satzes deuten eine »feierliche Zeremonie« in einer Kirche nur an. Ein romantisches Spiel dieser Musik: die Andeutung dessen, was hinter den sichtbaren Dingen verborgen liegt.

Dirigent Ryusuke Numajiri
Klarinette Sharon Kam

Termine So, 14/09, 11.00 Uhr, und Mo, 15/09, 19.30 Uhr
(Einführung eine Stunde vor Konzertbeginn)
Veranstaltungsort Musik und Kongreßhalle, Lübeck

—| Pressemeldung Theater Lübeck |—

Essen, Philharmonie Essen, Joyce DiDonato – Barocke Preziosen bei Kerzenschein , IOCO Kritik, 10.02.2013

Februar 13, 2013 by  
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Kritik

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © PE-Frank Vinken

Philharmonie Essen © PE-Frank Vinken

Joyce DiDonato, Mezzosopran

Il Complesso Barocco

Dmitry Sinkovsky, Violine und Musikalische Leitung

Barocke Preziosen bei Kerzenschein 10.02.2013

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Es war schon sehr stimmungsvoll am Spätnachmittag des letzten Sonntags, als man den Saal betrat. Die Beleuchtung war gedämpft und auf dem hinteren Teil des Podiums, vor der Orgel, brannten auf hohen Leuchtern weiße Kerzen.

Nachdem das ungefähr zwanzigköpfige Barockorchester “Il Complesso Barocco“ und der Dirigent aufs Podium kamen, erschien die Diva, die an diesem Nachmittag nur Königinnen von Cesti, Monteverdi, Giacomelli, Orlandini, Hasse, Händel und Kaiser verkörperte, in einer atemberaubenden scharlachroten Seidenrobe. Eine wunderbare Creation, die Vivienne Westwood für sie entworfen hatte. Joyce DiDonato sah darin überwältigend königlich aus.

Nun spulte ein Programm ab, das noch überwältigender war und das von A bis Z Glücksgefühle und ehrliches Staunen hervorrief.

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

DiDonato hat ein perfektes technisches Fundament. Sie beherrscht ihre Stimme souverän. Absolut staunenswert ist der unendliche Atem. Wo andere Kolleginnen, auch ebenso prominente zweimal, auch dreimal Atem holen, singt die Amerikanerin auf einem Atemzug und staccatiert und verziert dabei. Stupend! Auch der stimmliche Umfang ist enorm. Der gut klingenden vollen Tiefe steht eine sehr offene Höhe gegenüber, die bis in die Sopranregionen reicht.

In den acht Arien, die sie sang, geht es um Liebe, Hass und Eifersucht, Wut und Verzweiflung, also um das ganze Spektrum menschlicher Gefühle.

Joyce DiDonato sang jedes Stück, jede Phrase, jeden einzelnen Ton mit einer wahrhaft mirakulösen Genauigkeit. Dazu gestaltete sie hochmusikalisch mit einer mimischen Beredsamkeit, die zum Teil betroffen machte, aber auch zum Schmunzeln verführte. Um es auf den Punkt zu bringen, sie ist eine Könnerin mit reichen Facetten und einer überwältigenden, sympathischen Ausstrahlung.

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

 

 

 

 

 

 


Sie wurde begleitet von einem der besten Barockorchester, die es derzeitig gibt, dem Complesso Barocco. Das italienische Ensemble wurde 1978 von dem Spezialisten Alan Curtis gegründet. Das Orchester hat viele Aufnahmen produziert. Erst vor kurzem erschien HändelsEzio“. Die Aufnahme gewann den ECHO Klassik Preis.

Die musikalische Leitung an diesem Abend, wie auch bei der ganzen Welt-Tournee, hatte der Violinist Dmitri Sinkovsky, ein geradezu virtuoser Teufelsgeiger. Er ist mit vielen Ensembles aufgetreten, wie dem Concerto Köln und den Münchner Barocksolisten.

Nun ist er mit dem Complesso Barocco und Joyce DiDonato auf Welttournee. Er dirigierte das Orchester von der Violine aus, kompetent, virtuos und sehr aufmerksam.

Zwischen der tragischen Arie der Prinzessin Irene, aus “Merope“ von Geminiano Giacomelli und der schmerzlich schönen Arie der Königin Berenice aus “Berenice“ von Giuseppe Maria Orlandini spielten Sinkovsky und das Complesso Barocco das Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo in d-moll von Antonio Vivaldi. Sinkovsky bewältigte seinen Solopart mit kraftvollem Ausdruck und mit einer schier unglaublichen Fingerfertigkeit. Er ist wirklich ein “Teufelsgeiger á la Paganini“.

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Joyce DiDonato © Sven Lorenz

Das enthusiasmierte Publikum im sehr gut besuchten Haus erzwang sich von der Diva drei Zugaben, von denen die beiden “Lascia mi pingere“- Arien des heute leider fast vergessenen Reinhard Kaiser (1674-1739) umwerfend schön im Ausdruck von Joyce DiDonato gesungen wurden.

IOCO / UGK / 10.02.2013

—| IOCO Kritik Philharmonie Essen |—