Hagen, Theater Hagen, CARDILLAC – Paul Hindemith, 21.09.2019

September 20, 2019 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

CARDILLAC – Oper von Paul Hindemith

Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr

Die Eröffnungspremiere im Theater Hagen im Großen Haus am 21.9.2019 (19.30 Uhr) bildet die Aufführung der Oper Cardillac von Paul Hindemith in ihrer Erstfassung von 1926 mit einem Libretto von Ferdinand Lion nach der Erzählung Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann.

Schmuck verkaufen und den Käufer dann hinterrücks ermorden, um auf diese Weise Schmuck und Geld behalten zu können, klingt nach einem rein materialistisch motivierten Geschäftsmodell. Nicht so beim Goldschmied Cardillac, der doch genau das tut. Aber er mordet eben nicht aus Geldgier, sondern schlicht, weil er nicht ertragen kann, dass ‚sein’ Schmuck nicht mehr bei ihm ist – der Künstler wird zum Psycho-Serientäter, und eine Stadt sucht einen Mörder. – E.T.A. Hoffmann hat mit seiner Erzählung Das Fräulein von Scuderi den Stoff für diesen Krimi geliefert, den Paul Hindemith in den 1920er Jahren, zur Zeit von ‚Bauhaus‘ und ‚neuer Sachlichkeit‘, vertont hat.

Theater Hagen / Cardillac- Thomas Berau (Cardillac) und Chor des Theaters Hagen © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Cardillac- Thomas Berau (Cardillac) und Chor des Theaters Hagen © Klaus Lefebvre

Für die Umsetzung dieser Oper wirkt erneut ein Team zusammen, welches in der letzten Spielzeit mit großem und überregionalem Erfolg Wagners Tristan und Isolde im Theater Hagen realisiert hat und deutschlandweit für Aufsehen sorgte – eine Produktion, die von Fachkritikern mehrfach ausgezeichnet wurde: Joseph Trafton (Musikalische Leitung), Jochen Biganzoli (Regie), Wolf Gutjahr (Bühne), Katharina Weissenborn (Kostüme), Hans-Joachim Köster (Licht), Francis Hüsers (Dramaturgie). Dieses Team sieht den im Künstler-Psycho-Drama gefangenen Goldschmied Cardillac als eine Art Kunst-Terrorist, der (zu) radikale Antworten auf die Frage nach dem gesellschaftlichen Sinn von Kunst ausprobiert. So legt die Hagener Inszenierung unter der Krimi-Handlung von Hindemiths „Cardillac“ den bis heute währenden Streit um Kunst frei, der zuweilen in einer Radikalität geführt wird, die selbst im Bauhaus-Manifest von Walter Gropius von 1918 beinahe wie religiöser Eifer aufscheint: „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft […] als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“ Die Aufführungen von dieser klangreichen, dramatischen Oper am Theater Hagen sind also nicht ohne Grund Teil der Veranstaltungen zum „Bauhaus-Jahr“ 2019. Generalmusikdirektor Joseph Trafton dirigiert dieses Werk, dessen Stil von der Musikwissenschaft tatsächlich auch schon mal als „Bauhaus-Barock“ bezeichnet wurde, und er hat mit dem Orchester, den Solo-Sänger*innen und dem Chor die höchste Ansprüche an alle stellende Partitur effektvoll erarbeitet. Denn trotz Hindemiths frühmoderner Vorliebe für Abstraktion und Stilisierung ist seine „Cardillac“-Musik doch ganz auf den fesselnden Klangeffekt im Ablauf eines spannenden Psycho-Krimis konzentriert.

Es singen und spielen: Thomas Berau (Cardillac), Angela Davis (Cardillacs Tochter), Milen Bozhkov (Offizier), Thomas Paul (Kavalier), Veronika Haller (Eine Dame), Ivo Stánchev (Goldhändler), Kenneth Mattice (Der Führer der Prévôté); Chor und Extrachor des Theaters Hagen, Statisterie des Theaters Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen

Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr , weitere Vorstellungen: 3.10. (18.00 Uhr); 18.10. (19.30 Uhr); 10.11. (15.00 Uhr); 13.11.2019 (19.30 Uhr); 10.1. (19.30 Uhr); 16.1. (19.30 Uhr); 26.1.2020 (18.00 Uhr)

DIE STUNDE DER KRITIK  – CARDILLAC
Sonntag, 10.11.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé, Eintritt frei
Zu Gast: Wiebke Roloff (Opernwelt), MIT MUSIK Kenneth Mattice singt Hindemiths „Drei Hymnen von Walt Whitman“, am Klavier: Amy Tarantino-Trafton

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Mainz, Staatstheater Mainz, HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN – Jacques Offenbach, 31.08.2019

August 22, 2019 by  
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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN –  Jacques Offenbach

Premiere 31. August 19.30 Uhr 

Hoffmann ist ein Getriebener. Rauschhafte Exzesse, ein Widersacher und eine Traumfrau sind die bestimmenden Triebfedern im Leben und Schaffen des Dichters. Immer wieder träumt er sich durch seine Kunst in fantastische Welten, die von Frauen bevölkert sind: Olympia, Antonia und Giulietta. Auf sie alle projiziert der Dichter seine vermeintlich erlösende Traumfrau Stella. Aber egal, wohin sich Hoffmann flüchtet, sein Widersacher ist bereits dort und bedroht sein Glück. Nur die Muse, die nicht von Hoffmanns Seite weicht und ihn stützt, könnte seine Rettung sein.

In seinem Schwanengesang widmet sich Jacques Offenbach dem Vertreter der Schwarzen Romantik, der in seinen Erzählungen meisterhaft den Schwellenbereich zwischen Realität und Fantastik auslotet: E.T.A. Hoffmann. Offenbach stirbt über der Komposition des Werks und hinterlässt somit eine Oper, die ihre endgültige Form niemals gefunden hat. Regisseurin Elisabeth Stöppler nimmt sich dieser spannenden Aufgabe im Jahr des 200. Geburtstags Offenbachs an.

Jacques Offenbach Grab in Montmartre © IOCO

Jacques Offenbach Grab in Montmartre © IOCO

Musikalische Leitung: Robert Houssart, Inszenierung: Elisabeth Stöppler, Bühne: Valentin Köhler, Kostüme: Susanne Maier-Staufen, Licht: Stefan Bauer, Video: Andreas Etter, Dramaturgie: Christin Hagemann, Chor: Sebastina Hernandez-Laverny

Besetzung:  Olympia: Alexandra Samouilidou, Antonia: Dorin Rahardja, Giulietta: Nadja Stefanoff, La Muse / Nicklausse: Solenn‘ Lavanant-Linke, La Voix de la Tombe (Mère d‘Antonia): Katja Ladentin, Hoffmann: Eric Laporte, Lindorf (Coppélius, Miracle, Dapertutto): Derrick Ballard, Spalanzani: Ks. Jürgen Rust, Crespel: Stephan Bootz, Schlémil: Dennis Sörös, Nathanaël (Andrès, Cochenille, Pitichinaccio, Hermann,, Wolfram, Wilhelm, Le capitaine des Sbires): Johannes Mayer

Statisterie des Staatstheater Mainz, Chor des Staatstheater Mainz, Philharmonisches Staatsorchester Mainz

Premiere 31. August 19.30 Uhr,  weitere Vorstellungen: 4., 8., 19. und 22. September, 1. 12. Oktiber 2019

—| Pressemeldung Staatstheater Mainz |—

Hagen, Theater Hagen, Premieren September – Oktober 2019, IOCO Aktuell

August 13, 2019 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

 

Theater Hagen :  Premieren September – Oktober 2019


CARDILLAC   –  Oper von Paul Hindemith in drei Akten, Erstfassung von 1926,  Libretto von Ferdinand Lion nach der Erzählung Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann   – In deutscher Sprache mit Übertexten

Premiere: Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr | Großes Haus

Schmuck verkaufen und den Käufer dann hinterrücks ermorden, um Schmuck und Geld behalten zu können, klingt nach einem profitablen Geschäftsmodell. Doch der Goldschmied Cardillac mordet nicht aus Geldgier – er kann nur nicht ertragen, dass ‚sein’ Schmuck nicht mehr bei ihm ist: Der Künstler wird zum Psycho-Serientäter, und eine Stadt sucht einen Mörder. E.T.A. Hoffmann hat mit seiner Erzählung Das Fräulein von Scuderi den Stoff für diesen Krimi geliefert, den Paul Hindemith in den 1920er Jahren, zur Zeit von „Bauhaus“ und „neuer Sachlichkeit“, vertont hat.

Regisseur Jochen Biganzoli, der mit seiner Hagener Inszenierung von Wagners Tristan und Isolde deutschlandweit für Aufsehen sorgte, sieht den Goldschmied Cardillac als eine Art Kunst-Terrorist, der (zu) radikale Antworten auf die Frage nach dem Sinn von Kunst sehr praktisch ausprobiert. So macht die Hagener Inszenierung unter der Krimi-Handlung die Radikalität eines Kunst-Streits sichtbar, die selbst im Bauhaus-Manifest von Walter Gropius von 1918 schon als religiöser Eifer aufschien: „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft […] als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“

Die Aufführungen von Hindemiths Cardillac sind Teil des „Bauhaus-Jahres“ 2019 in Hagen, wo an vielen Gebäuden der Anspruch dieser frühmodernen Kunstschule zu begutachten ist. Und dass dieser Anspruch weit über das Bauen hinausreichte, wird am Theater nun in einem Genre erlebbar, das mit Architektur gar nichts zu tun hat: das durch Klang ausgedrückte Drama, die alle Sinne fesselnde Oper.

Generalmusikdirektor Joseph Trafton wird die von der Musikwissenschaft tatsächlich auch schon als „Bauhaus-Barock“ bezeichnete Partitur effektvoll zum Klingen bringen. Denn trotz Hindemiths frühmoderner Vorliebe für Abstraktion und Stilisierung ist diese Musik doch ganz auf den fesselnden Effekt im Ablauf eines spannenden Psycho-Krimis konzentriert. Wieder einmal wird im Theater Hagen Außerordentliches zu erwarten sein!

Musikalische Leitung Joseph Trafton | Inszenierung Jochen Biganzoli | Bühne Wolf Gutjahr | Kostüme Katharina Weissenborn | Licht Hans-Joachim Köster | Dramaturgie Francis Hüsers | Mit Thomas Berau (Der Goldschmied Cardillac), Milen Bozhkov (Der Offizier), Angela Davis (Die Tochter), Veronika Haller (Die Dame), Kenneth Mattice (Der Führer der Prévôté), Thomas Paul (Der Kavalier), Ivo Stánchev (Der Goldhändler) | Chor und Extrachor des Theaters Hagen | Statisterie des Theaters Hagen | Philharmonisches Orchester Hagen

Weitere Vorstellungen: 3.10. (18.00 Uhr); 18.10. (19.30 Uhr); 10.11. (15.00 Uhr); 13.11.2019 (19.30 Uhr); 10.1. (19.30 Uhr); 16.1. (19.30 Uhr); 26.1.2020 (18.00 Uhr)

Werkstatt-Probe (Einführungsveranstaltung): 16.9.2019, 18.15 Uhr, Theatercafé/Großes Haus,  Die Stunde der Kritik: 18.10.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé

b   –   Eine LiveMusikKlassikerShow nach dem Drama von Georg Büchner
In einer Fassung von Anja Schöne • Ab 14 Jahren
Schulvorstellungen besonders empfohlen für die Klassen 9-13

Premiere: SAMSTAG, 28. SEPTEMBER 2019, 19.30 Uhr | Lutz

Ein Radiomoderator hat jahrelang Anrufe von Menschen entgegengenommen, die seinen Rat suchten. Nun feiert er seine letzte Sendung und will seinen Abschied stimmungsvoll mit einer Liveband begehen. Doch da ruft ein gewisser Woyzeck an und stammelt, er habe seine Freundin Marie ermordet. Wegen des Tambourmajors, der Erbsen und der Stimmen in seinem Kopf. Statt der Feier beginnt eine musikalische Untersuchung, die die Geschehnisse rund um den Mord aufrollt.

Büchners radikales Fragment über Macht und Ohnmacht, Willensfreiheit und Fremdbestimmung und das gewalttätige Potential derer, die sich ausgeschlossen und ausgenutzt fühlen, verwandelt sich auf der Lutz-Bühne in das entlarvende Porträt einer unmenschlichen Gesellschaft, nah an Büchner und doch ganz im Heute.

Inszenierung Anja Schöne | Bühne Jeremias H. Vondrlik | Kostüme Sabine Kreiter | Musik Basil Weis | Dramaturgie Anne Schröder | Mit Justin Benedict Dörpinghaus, Kristina Günther, Aischa-Lina Löbbert, Björn Lukas, Basil Weis

Weitere Vorstellungen: 25.10.2019 (19.30 Uhr); 20.3. (19.30 Uhr); 25.4. (19.30 Uhr); 19.5.2020 (19.30 Uhr)

Schulvorstellungen: 1.10. (12.00 Uhr); 6.11. (12.00 Uhr); 8.11.2019 (12.00 Uhr); 18.3. (12.00 Uhr); 19.3. (12.00 Uhr); 28.4. (12.00 Uhr); 19.5.2020 (12.00 Uhr)

Diese Produktion wird vom Förderprojekt „Jeder Schüler ins Theater Hagen“ vom Theaterförderverein Hagen e.V. unterstützt, das einen kostenlosen Besuch für Schüler*innen im Klassen- oder Kursverband ermöglicht.

CASA AZUL  –  Inspired by Frida Kahlo
Ballett von Marguerite Donlon,   Komposition und musikalische Arrangements von Claas Willeke

Premiere: Samstag, 5. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus

Marguerite Donlon, neue künstlerische Leiterin des Balletts Hagen, hat sich für die Kreation von CASA AZUL intensiv mit Leben und Werk von Frida Kahlo auseinandergesetzt. „Schon zu Lebzeiten war sie eine Legende, heute ist sie zum Mythos geworden. Um durchzuhalten, malte sich Kahlo in ihren detailgenauen Selbstportraits die physischen und psychischen Leiden von der Seele. Durch das Malen überwand sie Schmerz, Liebesleid und Lebensverdruss. Kahlo malte buchstäblich um ihr Leben.“

Den transformatorischen Prozess ihrer inneren Phantasie-, Farb- und Gestaltwelten und die äußeren Zwänge ihres Lebens im „Korsett“, aber auch als eigenständige Frau im beginnenden 20. Jahrhundert in Tanz umzusetzen – die Poesie dieser großen Künstlerin bewegt zu gestalten, ihrem Leben nachzuspüren, ist eine wunderbare choreographische Herausforderung.

In der Casa Azul wurde sie geboren – im berühmten blauen Haus am Rande Mexico Cities ist sie auch 1954 verstorben. Kurz nach ihrem Tod hat ihr Ehemann, der Freskenmaler Diego Rivera, die Casa Azul als Museum der Öffentlichkeit übergeben.

Frida Kahlos intensives, kraftvolles wie kraftraubendes Leben ist geprägt von ihrem schier unbeugsamen Willen zu leben und zu überleben – eine kontinuierliche Selbstvergewisserung in einer von inneren und äußeren Brüchen bestimmten Lebenswelt. Ihre politischen Aktivitäten, die Rückbesinnung auf die indigene Kultur Mexikos, ihr politisches Bekenntnis zum Kommunismus, ihr Verständnis von freier Liebe zu beiden Geschlechtern, insbesondere aber die Liebe zu Diego Rivera, ihre zweifache Ehe mit dem berühmten Muralisten, ihre zahlreichen Aufenthalte in den USA und die Einladung des Surrealisten André Breton nach Paris, um nur einige Facetten ihres reichhaltigen Lebens hervorzuheben, verdeutlichen den unglaublichen Radius einer Frau, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Ich necke den Tod und lache ihn aus, damit er mich nicht so leicht unterkriegt.“ Im Alter von 18 Jahren wurde Frida Kahlo durch einen tragischen Unfall in der Straßenbahn durch eine eiserne Griffleiste „wie ein Torerodegen den Stier durchbohrt“ für ihr Leben getroffen. Frida Kahlos den Blick bannende Selbstbildnisse bilden den Großteil ihres künstlerischen Schaffens. Sie, die „Krüppelin malt sich schön, von aristokratischer Eleganz, in boticellesker Malweise“, kleinformatig im Stuhl oder im Bett liegend, mit Spiegeln ausgestattet, um die Welt aufzunehmen. „Nichts ist für das Leben wichtiger als das Lachen. Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit. Tragödien sind dagegen albern.

Choreographie und Inszenierung Marguerite Donlon | Bühne, Video und Licht Ingo Bracke | Kostüme Markus Maas | Gesang und Gitarre Luis Gonzalez | Choreographische Assistenz Francesco Vecchione | Dramaturgie Waltraut Körver | Mit Brandon Alexander, Filipa Miranda Amorim, Gennaro Chianese, Peter Copek, Alexandre Démont, Ciro Iorio, Jeong Min Kim, Noemi Emanuela Martone, Federica Mento, Amber Michelle Neumann, Sara Peña, Dario Rigaglia

Weitere Vorstellungen 11.10. (19.30 Uhr); 20.10. (15.00 Uhr); 27.10. (15.00 Uhr); 6.11. (19.30 Uhr); 17.11. (18.00 Uhr); 21.11. (19.30 Uhr); 27.12.2019 (19.30 Uhr); 18.1. (19.30 Uhr); 29.1. (19.30 Uhr); 22.2. (19.30 Uhr); 29.3. (18.00 Uhr); 18.4.2020 (19.30 Uhr); Gastspiel in Siegen: 29.10.2019

WERKSTATT-PROBE (Einführungsveranstaltung): 30.9.2019, 18.15 Uhr, Großes Haus

DIE STUNDE DER KRITIK: 27.10.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé – Zu Gast: Dr. Marieluise Jeitschko


Pardauz  –  Ein TanzObjektTheaterSpaß von Anja Schöne und Ensemble • Ab 3 Jahren

Premiere: SAMSTAG, 19. Oktober 2019, 15.00 Uhr | Lutz

Zwei Performer*innen kugeln anarchisch verspielt auf die Bühne – pardauz – liegen sie da. Doch schon im nächsten Moment stehen sie wieder auf, verwandeln sich in bunte Dreiecke, umkreisen sich, kommen sich näher, werden zum Quadrat und pardauz – fällt alles auseinander. Gleich geht es weiter in spiralförmigen Sprüngen – bis zum nächsten pardauz.

In einem bunten TanzTheater mit Objekten schickt Regisseurin Anja Schöne ihr Ensemble auf die Spuren von Bauhaus und Dada und schafft ein mitreißendes Theaterspektakel für alle Generationen rund um die Erkenntnis, dass nach dem Fall immer vor dem Fall ist. Oder frei nach Hugo Ball „elifantolim brussala bulomen tromtata“.

Inszenierung Anja Schöne | Choreographie Jozsef Hajzer | Bühne und Kostüme Sabine Kreiter | Dramaturgie Jannica Hümbert | Es spielen, kugeln und fallen: Anne Schröder und Lilian-Felicitas Prudlo

Weitere Vorstellungen: 23.10. (10.00 Uhr); 27.12.2019 (15.00 Uhr); 26.1. (15.00 Uhr); 28.1. (10.00 Uhr); 29.2. (15.00 Uhr); 5.4.2020 (15.00 Uhr)


DER GRAF VON LUXEMBURG  –  von Franz Lehár

Libretto von Robert Bodanzky, Leo Stein, Alfred Maria Willner,  In deutscher Sprache mit Übertexten

Premiere: SAMSTAG, 26. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus     

„Heut‘ noch werd‘ ich Ehefrau! Doch wer wird mein Mann? Bis jetzt weiß ich es nicht genau, egal! – Was liegt daran?“ (Angèle in  Der Graf von Luxemburg)

Zwei Menschen heiraten, ohne sich zu kennen und ohne sich während der Trauung sehen zu können: Diese Scheinehe ermöglicht Angèle zur Gräfin zu werden und nach der schon geplanten Scheidung eine standesgemäße Ehe mit dem Fürsten Basil eingehen zu können. Basil ist es auch, der dem Grafen René mit viel Geld davon überzeugt, zum „Heiratsgrafen“ zu werden. Der Graf von Luxemburg kann dieses Geld gut gebrauchen, schließlich hat er sein Vermögen „verjuxt, verputzt, verspielt, vertan“ und weiß nicht, wie er sein ausschweifendes Leben in Paris weiterhin finanzieren soll. Teil der Vereinbarung ist jedoch, dass René und Angèle sich nie kennenlernen. Es kommt zu einem zufälligen Treffen der beiden in der Oper, bei dem sie sich verlieben. Zunächst ist ihnen nicht bewusst, dass sie auf dem Papier bereits Mann und Frau sind. Doch als René erkennt, an wen er sein Herz verloren hat, stellt sich die Frage: Geld oder Liebe?
Franz Lehár gelang es 1909 mit dieser Operette an den sensationellen Erfolg von „Die lustige Witwe“ anzuknüpfen: Der Komponist schuf ein Meisterwerk der späten Wiener Operette voller mitreißender Melodien, Tempo und Witz. Bist du’s, lachendes Glück? – diese Frage treibt die Figuren um: Zwischen Pragmatismus und Hoffnung schwankend, versuchen sie ihren Gefühlen habhaft zu werden.
Nach seinen überaus beliebten Inszenierungen von Kiss me, Kate und „Blues Brothers“ kehrt der Regisseur Roland Hüve nun ans Theater Hagen zurück.

Musikalische Leitung Rodrigo Tomillo, Inszenierung Roland Hüve,  Bühne und Kostüme Siegfried E. Mayer,  Choreographie Eric Rentmeister,  Licht, Chor Wolfgang Müller-Salow,  Dramaturgie Rebecca Graitl, Mit Marilyn Bennett, Angela Davis, Olaf Haye, Kenneth Mattice, Cristina Piccardi, Richard van Gemert, Oliver Weidinger, Chor des Theaters Hagen, Extrachor des Theaters Hagen, Ballett Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen

Weitere Vorstellungen: 31.10. (19.30 Uhr); 3.11. (18 Uhr); 8.11. (19.30 Uhr); 15.11. (19.30 Uhr); 23.11. (19.30 Uhr); 4.12. (19.30 Uhr); 14.12. (19.30 Uhr); 18.12. (19.30 Uhr); 31.12. (15.00 Uhr); 31.12.2019 (19.30 Uhr); 5.1. (15.00 Uhr); 15.1. (19.30 Uhr); 16.2.2020 (15.00 Uhr)

Werkstatt-Probe (Einführungsveranstaltung): Montag, 21.10.2019, 18.15 Uhr, Theatercafé/Großes Haus – Eintritt frei

Die Stunde der Kritik:  Sonntag, 3.11.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé – Eintritt frei


—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Koblenz, Theater Koblenz, Faust – Oper von Louis Spohr, IOCO Kritik, 29.01.2019

Januar 29, 2019 by  
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Theater Koblenz

Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

FAUST  –  Romantische Oper von Louis Spohr

– Röschen gibt sich Faust hin – Kunigunde wartet auf ihre Rettung –

von Ingo Hamacher

Mit großer Liebe und Aufmerksamkeit für das kleinste Detail hat das Theater Koblenz einen wunderschönen FAUST des eher unbekannten Komponisten Louis Spohr auf die Bühne gebracht und damit ein äußerst lobenswertes Ergebnis erzielt.

Der 1784 geborene Louis Spohr zählte zu den bedeutendsten deutschen Komponisten und gefragtesten Geigenvirtuosen seiner Zeit. Nach seinem Tod 1859 geriet er rasch in Vergessenheit. Bekannt ist Spohr nur noch für sein Nonett für Streicher und Bläser op. 31 – das zum Standartrepertoire gehört. Seine zahlreichen weiteren Kompositionen hingegen, darunter 18 Violinkonzerte, zehn Sinfonien und zehn Opern, werden nur noch selten aufgeführt.

Als Spohr seinen Faust komponierte, war Goethes Faust I zwar schon erschienen, jedoch orientierte sich sein Librettist nicht an diesem Text, sondern an den sehr viel älteren Volkserzählungen zu diesem Stoff, so dass wir einen so ganz anderen Faust erleben, als wir ihn durch Goethe vor Augen haben. Kein alter Mann; kein ungelebtes Leben; kein Weisheitsstreben. Faust hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, und scheint selbst nicht zu wissen wozu. Sinnenlust und Völlerei, die Mephistopheles ihm anbietet, befriedigt ihn jedenfalls nicht.

Es scheint eher die von Mephisto ausgesprochene Kränkung als „Erdenwurm“ zu sein, die ihm die Richtung seines zukünftigen Handelns vorgibt: „Es soll mir Wonne schaffen, Euch zu schlagen mit den Waffen, die mir bietet Eure Macht!

Mit diesen Worten zieht er in einen Kampf gegen den Teufel, den er natürlich am Ende nur verlieren kann. Faust will der Hölle ein Schnippchen schlagen, in dem er die diabolische Macht seines federhütigen Dieners dazu einsetzt, möglichst viel Gutes in der Welt zu bewirken und Mephisto damit eine lange Nase zu drehen. Und zu erledigen hat er eine Menge: Da müssen die Armen beschenkt werden. Da ist noch Röschen zu trösten, die sich nach dem Tod ihrer Mutter ganz Faust hingegeben hat. (Später erfahren wir, dass Faust am Tod der Mutter nicht ganz unschuldig ist.) Und schließlich harrt da auch noch die von einem Ritter namens Gulf geraubte Kunigunde der Rettung, die befreit und ihrem versprochenen Hugo zugeführt werden muss.

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr - Hier : Hana Lee als Kunigunde, Nico Wouterse als Mephisto, Christoph Plessers als Faus © Matthias Baus / Theater Koblenz

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr – Hier : Hana Lee als Kunigunde, Nico Wouterse als Mephisto, Christoph Plessers als Faus © Matthias Baus / Theater Koblenz

Wie in romantischen Singspielen üblich, wird aber erst einmal gesellig Platz genommen und ein herziges Trinklied gesungen: „Der Wein erfreut des Menschen Herz“. Das kennt man aus dem Wunschkonzert… Als weitere Komplikation kommt der Goldschmied Franz dazu, der ebenfalls ein Auge auf Röschen geworfen und Fausts durchtriebenes Spiel durchschaut hat: Mit seinen Getreuen stürzt er heran, um Röschen zu befreien.

Faust hat inzwischen seinen eigentlichen Lebenszweck gefunden: Die Liebe und die Ehe mit Röschen! Dumm nur, dass ihm sein Teufelspakt jede Ehe verbietet. „Zerissen sei der schnöde Bund!“, mit diesen Worten löst er die mit Mephisto getroffene Vereinbarung auf, was dieser überraschenderweise auch sofort anzunehmen bereit ist.

Nur hat Faust eben jetzt auch keinerlei übernatürliche Macht mehr, und draußen tobt das Volk heran, den Muttermörder zur Verantwortung zu ziehen. Der Pakt wird also schnell erneuert: „Ich schwör‘ es bei der Hölle ew‘gen Qualen“, und so gelingt die Flucht durch den Schornstein. („Lichter, verlöscht! Mantel, breite dich aus! Haltet euch fest! Oben fahren wir ’naus!“) Die in Gulfs Burg gefangene Kunigunde beweint ihr Schicksal, kann jedoch aus der Gewissheit ihrer treuen Liebe zu Hugo neue Kraft schöpfen.

Den nahenden Gulf, der ihr Freiheit gegen Liebe bietet, weist sie standhaft zurück. Doch Hugo ist nicht fern! Mit seinen Mannen liedertafelt er sich mit „Die Rettung naht, die Rache wacht!“ schon mal in Stimmung. In Begleitung von Faust, der sich seiner Zauberkräfte bedient, gelingt es ihm, Gulf zu überwinden und ihn den Teufeln der Hölle auszuliefern. Kunigunde ist gerettet und erlebt „namenloses Glück“. Fidelio hatte 8 Jahre vorher bei seiner Befreiung noch „namenlose Freude“ empfunden.

Zweiter Akt

Auf dem Blocksberg tanzen die Hexen. Mephisto führt Faust zur Hexe Sycorax, die ihn mit einem Zaubertrank versorgt, der ihn bei den Frauen unwiderstehlich macht. Faust hat einen erneuten Sinneswandel durchlaufen und schreckt vor nichts zurück, um Kunigunde für sich zu gewinnen. Auf Kunigundes Hochzeit mit Hugo treffen alle wieder aufeinander. Röschen, von Franz begleitet, begegnet auf der Suche nach Faust ihre alten Nachbarn.

Gemeinsam sehen sie den Trauungszug von Hugo und Kunigunde, der auch von Faust beobachtet wird. Beim Zusammentreffen schwankt Faust kurz zwischen beiden Geliebten; entscheidet sich dann jedoch für die gerade erst vermählte Kunigunde, die sich dann aufgrund Fausts Zaubertrank auch sofort willenlos in ihn verliebt. Röschen ist schockiert. Hugo fordert zum Duell, dass er natürlich gegen den mit teuflischer Macht ausgestatteten Faust tödlich verliert.

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr - Hier : Christoph Plessers, Sieglinde Karges_Eva Krumme, Nico Wouterse, Ulrike Scholz, Christiane Thomas © Matthias Baus / Theater Koblenz

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr – Hier : Christoph Plessers, Sieglinde Karges_Eva Krumme, Nico Wouterse, Ulrike Scholz, Christiane Thomas © Matthias Baus / Theater Koblenz

Dritter Akt

Mephistopheles, dem Erdenleben überdrüssig, sehnt sich in die Hölle zurück, in die er Faust als Beute mitnehmen will. Dank der Kraft der Hexen ist es Faust gelungen, die Braut des erschlagenen Hugos in der Hochzeitsnacht in sein Bett zu bekommen. Statt Liebesglück musste er jedoch Albtraum-artige Höllenqualen erleiden. Erneut will er den Teufelspakt durchbrechen; Röschen als reines Opfer scheint ihm da als Mittel gerade Recht, für seine Taten einzustehen.

Die vom Liebesbann befreite Kunigunde schwört Rache! Verzweifelt geht Röschen ins Wasser. Sich vor den Konsequenzen seines Handelns fürchtend verweist Faust auf seine guten Taten; wird jedoch vom Teufel an seine „Morde, Gräu‘l und Freveltaten“ erinnert.

Dem Chor der Geister gehören die letzten Worte:

„Die Zeit ist verronnen, dein Maß ist voll!
Der Hölle bezahlst du den Sündenzoll!
Im sausenden Reigen, wirbelnd voran,
Schaffen wir Bahn.
Hölle, frohlocke, wir nahen, wir nah‘n!“

Musikalisch ist die Oper oft triviales Singspiel, klingt jedoch über weite Strecken auch nach Mozart. So hören wir einerseits starke Anklänge an den Steinernen Gast des Don Giovanni, als auch sehr viel Zauberflöte. Nicht nur im Libretto, sondern auch in der Musik begegnet uns manches wieder, was uns an den 14 Jahre älteren Beethoven erinnert. Trotzdem ist die Oper musikalisch interessant, weil Spohr hier bereits ausgeklügelte Leitmotivtechniken, die von Richard Wagner dann weiter verfeinert wurden, verwendet.

Eine rasche Sechzehntelfigur z.B. charakterisiert Faust, sein unstetes, vorwärts strebendes Wesen. Das „Höllenmotiv“ wird gekennzeichnet durch die chromatische Umspielung des Molldreiklanges.

Spohr geht im Faust über die schlichte Verwendung und Wiederkehr von thematischem Material hinaus und leuchtet Motive in unterschiedlichen harmonischen Zusammenhängen aus. Die Uraufführung wurde denn auch von niemand geringerem als Carl Maria von Weber geleitet, der sich später in seinem Freischütz ausdrücklich auf die dramatischen Passagen der Oper Faust von Spohr beruft. Lobend schreibt er zur Prager Uraufführung 1816: „Glücklich und richtig berechnet gehen einige Melodien wie leise Fäden durch das Ganze und halten es geistig zusammen.“

Über ein halbes Jahrhundert konnte sich Faust auf der Bühne behaupten, verschwand jedoch danach rasch aus dem Repertoire. Dennoch bleibt das Werk ein Meilenstein in der Geschichte des Musiktheaters und gilt, neben E.T.A. Hoffmanns Undine und Carl Maria von Webers Freischütz, als erste deutsche romantische Oper.

Die Koblenzer Inszenierung nimmt  mit

Inszenierung und Bühne: Michiel Dijkema, Kostüme: Alexandra Pitz, Dramaturgie: Rüdiger Schillig

Sie beschränkt sich darauf, eine schöne Inszenierung zu zeigen, wie sie auch vor fast 200 Jahren hätte aussehen können. Vor nachtschwarzem Rundhorizont mit angedeuteten Wolken wird auf leerer Einheitsbühne mit nur wenigen Möbeln und Gegenständen der jeweilige Handlungsort der häufig wechselnden Szenen angedeutet. In erfrischender Schlichtheit wird das Stück zur Diskussion gestellt; die wunderschönen Kostüme bilden das mittelalterliche Handlungsgeschehen entsprechend ab.

Die bonbonfarbenen Gewänder unterstreichen das Märchenhafte der Handlung: Faust ist von Kopf bis Fuß rot, Mephisto grün. Röschen hell- und Franz dunkelblau. Kunigunde gelb (zur Hochzeit weis wie Hugo), Gulf schwarz und die Hexen lila (mit jeweils 12 Brüsten). Und ein über 40 Köpfe zählender Chor trägt dunkle Gewänder und schreckerregende Teufelsmasken.

Da es sich um eine deutschsprachige Oper handelt, wurde auf eine Übertitelung des Textes verzichtet. Die Sänger orientierten sich jedoch leider eher an der Melodielinie als an der Artikulation, so dass der Text über weite Passagen nicht zu verstehen war. Glücklicherweise wurde im Programmheft das vollständige Libretto abgedruckt, so dass man sich wenigstens im Nachgang einzelne Handlungszusammenhänge erschließen kann.

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr - Hier : Sebastian Haake, Peter Rembold, Christoph Plessers, Marco Kilian, Junho Lee © Matthias Baus / Theater Koblenz

Theater Koblenz / Faust von Louis Spohr – Hier : Sebastian Haake, Peter Rembold, Christoph Plessers, Marco Kilian, Junho Lee © Matthias Baus / Theater Koblenz

Von Daniel Spogis, der die musikalische Leitung des Abends hatte, hätte man sich etwas mehr Mut zur Interpretation des Stückes gewünscht. Ohne erkennbare Leidenschaft arbeitet er sich taktschlagend durch die Partitur. Eher nicht geglückt waren die Umbaupausen zu den häufigen Szenenwechseln innerhalb der einzelnen Akten.

Da die verschiedenen Handlungsorte der dreizehn verschiedenen Bilder nur durch zwei bis drei Gegenstände angedeutet wurden, hätte man besser fliegende Umbauten bei offenem Vorhang vorgenommen, als jedes Mal den Vorhang zu senken, das Saallicht einzuschalten, nach 30 sekündigen Umbauten das Saallicht wieder zu löschen, die Musik nach Freigabe durch den Inspizienten erneut zu beginnen und den Vorhang wieder aufzuziehen. In dem doch etwas handlungsarmen und manchmal auch etwas blutleeren Stück entstanden dadurch weitere Längen, die vermeidbar gewesen wären.

Gesanglich überzeugten alle Sänger, wobei die beiden Soprane Hana Lee und Anna Karmasin die stärksten Stimmen des Abends waren. Die männlichen Hauptrollen, Mephistopheles und Faust, waren etwas ungleich besetzt, da Christoph Plessers als Faust nicht ganz an Kraft und Stimmstärke seines niederländischen Kollegen Nico Wouterse als Mephitopheles heran reichte.

Insgesamt ist dem Theater Koblenz mit FAUST vom Louis Spohr ein sehr interessanter und gelungener Abend geglückt, der mit entsprechend großem Beifall gewürdigt wurde. Ovationen für die Hauptpartien und das Produktionsteam.

Vollständige Besetzung: Mephistopheles: Nico Wouterse, niederländischer Bassbariton, sei 2016 festes Ensemblemitglied, Faust: Christoph Plessers, belgischer Bariton, Graf Hugo: Tobias Haaks, Tenor und neues Ensemblemitglied, Kunigunde: Hana Lee, koreanischer Sopran, seit 2009 in Kolenz, Röschen: Anna Karmasin, Sopran aus München und Gast für diese Produktion, Gulf: Jongmin Lim, koreanischer Bass, ebenfalls seit 2009 im Haus, Franz: Junho Lee, koreanischer Tenor, seit 2012 Ensemblemitglied, Wohlhaldt: Sebastian Haake, der aus Karlsruhe stammende Tenor ist häufiger Gast in Koblenz Wagner: Dirk Eicher ist seit 2002 am Theater Koblenz als erster Chortenor engagiert Moor: Marco Kilian, seit 1992 erster Chorbass mit Soloverpflichtung, Kaylinger: Peter Rembold, Bariton im Opernchor des Theaters Koblenz, Sycorax: Christiane Thomas, seit 2002 Sopran im Opernchor, Drei Hexen: Eva Krumme, Sieglinde Karges, Ulrike Scholz, Ein Knappe Hugos: Samuel Kremer

Faust von Louis Spohr am Theater Koblenz; die weiteren Vorstellungen 26.1.; 31.1.; 4.2.; 6.2.; 13.2.; 17.2.; 19.3.2019

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