Rudolstadt, Theater Rudolstadt, Premiere Don Giovanni – Meininger Hof, 15.02.2020 

Januar 24, 2020 by  
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Rudolstadt / Thüringisches Landestheater © Friederike Lüdde

Rudolstadt / Thüringisches Landestheater © Friederike Lüdde

Theater Rudolstadt

Premiere Don Giovanni –  Meininger Hof Saalfeld 15.2.2020

Abgründig, frivol, witzig im Look der Goldenen Zwanziger
Mozarts Oper „Don Giovanni“ feiert am 15. Februar im Meininger Hof Saalfeld Premiere

Rudolstadt/Saalfeld. Er verführt Frauen, betrügt, erpresst, mordet sogar. Don Giovanni, auch bekannt als Don Juan, ist der Inbegriff jenes vergnügungssüchtigen Lebemanns, der sich skrupellos, doch stets voller Lust über alle Grenzen hinwegsetzt. Faszinierend und abschreckend zugleich, inspirierte er Wolfgang Amadeus Mozart zu seiner vielleicht schillerndsten Oper. Vom 15. bis 22. Februar ist „Don Giovanni“ in Kooperation von Thüringer Symphonikern und Lyric Opera Studio Weimar im Meininger Hof Saalfeld zu erleben.

Theater Rudolstadt / Don Giovanni © Anke Neugebauer

Theater Rudolstadt / Don Giovanni © Anke Neugebauer

Angesichts von Don Juans rücksichtslosem Egoismus, dem laut seinem Diener Leporello bereits 2064 Frauen zum Opfer fielen, regt sich allmählich Widerstand. Als der Schwerenöter im Eifer des Gefechts Donna Annas Vater, den Komtur, ermordet, beginnt sich das Blatt zu wenden. Auch eine andere Liebschaft, Donna Elvira, weicht ihm, nach Rache sinnend, kaum von der Seite – aber Don Juan verführt weiter. Die Einladung des toten Komturs zum festlichen Abendessen nimmt er ohne zu Zögern an, koste es, was es wolle. Da muss sich schon der Boden auftun, um diesen Mann von der Erde zu verbannen.

Don Juans Zwiespältigkeit und Düsternis hat Wolfgang Amadeus Mozart 1787 kongenial in seiner „komischen“ Oper mit „bösem“ Ende zum Klingen gebracht. Das sprachlich und dramaturgisch exzellente Libretto Lorenzo da Pontes lieferte ihm die ideale Grundlage.

Im Meininger Hof Saalfeld ist das „dramma giocoso“ nun zusammen mit dem jungen internationalen Solistenensemble des Lyric Opera Studio Weimar als vollszenische Inszenierung zu erleben, die in ihrer Spielfreude an die Erfolge von „Die lustigen Weiber von Windsor“, „Così fan tutte“ oder „La Cenerentola“ der letzten Jahre anknüpft. Der US-Regisseur und erfolgreiche Opernbariton Damon Nestor Ploumis verlegt die Handlung vom opulenten Adelspalast des 16. Jahrhunderts in die nicht weniger opulenten Goldenen Zwanziger. Don Giovanni und Leporello bekommen dabei mafiöse Züge, Vergnügungssucht und Chaos im Ballsaal einen düsteren Rahmen, der durch Filmserien wie „Babylon Berlin“ inspiriert ist. Schließlich geschieht das meiste in der Nacht: der Mord am Komtur, der Ball im Hause Don Giovannis, das finale Abendessen mit dem Geist des ermordeten Komturs.

Für diese Eigenproduktion des Theaters Rudolstadt entwirft die Ausstattungsleiterin Monika Maria Cleres elegante Kostüme und ein atmosphärisches, vielseitiges Bühnenbild. Es spielen die Thüringer Symphoniker unter der musikalischen Leitung ihres Chefdirigenten Oliver Weder.

Karten für die Premiere am 15. Februar, um 19.30 Uhr, und für die weiteren Aufführungen am 16. und 18. Februar, jeweils um 15 Uhr, sowie am 21. und 22. Februar, jeweils um 19.30 Uhr, im Meininger Hof Saalfeld sind in der Theaterkasse, an den üblichen Vorverkaufsstellen und über die Website des Theaters Rudolstadt erhältlich. Zu den Aufführungen fährt zudem ein kostenfreier Bus-Shuttle aus Rudolstadt zum Meininger Hof und zurück.

Bereits am Sonntag, 9. Februar, um 11 Uhr, laden das Regieteam und beteiligte Sängerinnen und Sänger zu einer unterhaltsam-musikalischen Premieren-Matinee in die Theater-Bar ins Stadthaus Rudolstadt ein.

Premiere: 15.02.2020, Meininger Hof Saalfeld
Don Giovanni
Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Lorenzo Da Ponte
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Kooperation mit dem Lyric Opera Studio Weimar

Musikalische Leitung: Oliver Weder
Inszenierung: Damon Nestor Ploumis
Bühne und Kostüme: Monika Maria Cleres
Regieassistenz: Matthew Jack Knight
Klavierbegleitung: Cheuky Chan, Tackyoung Chung, Soojeong Kwon, Ka Man Tsang

Donna Anna: Wing Kwan Chung, Natalie Millet, Alyson Spina
Donna Elvira: Meagan Larios, Kristine Mågard, Danielle Musick
Zerlina: Sophie Collin, Stéphanie Guérin, Erin Silangil
Don Ottavio: James Hogan, Conor Prendiville, Qian Sun
Don Giovanni: Juan Marcos Martinez Mijares, Javier Recio, Constandinos Tsourakis
Leporello: Timothy Bagley, Nico Laruina, Jusung Park
Masetto: Kyle Bejnerowicz, Scott Hetz Clark, Katagan Zhumagulov
Komtur: Dennis Ryan, Victor Clark
Chor: Vanessa López, Carl Kachouh

—| Pressemeldung Theater Rudolstadt |—

Flensburg, Schleswig-Holsteinisches Landestheater, DON GIOVANNI – Wolfgang A. Mozart, 18.01.2020

Schleswig-Holsteinisches Landestheater

Stadttheater Flensburg © Stadttheater Flensburg

Stadttheater Flensburg © Stadttheater Flensburg

DON GIOVANNI – Wolfgang Amadeus Mozart

 Faszinierend und unwiderstehlich, aber auch rücksichtslos und brutal

Premiere 18.01. und  21.1.2020 | 19.30 Uhr Theater Flensburg; 5.2.2020 Stadttheater Rendsburg; 7.2.2020 Intzehoe

Don Giovanni weiß um seine Wirkung auf Frauen und braucht die ständige Bestätigung, ein umwerfender Liebhaber zu sein. Umgarnung, Täuschung und rohe Gewalt bereiteten ihm schon den Weg in so manches Schlafzimmer. Hat er eine erobert, zieht es ihn sofort zur nächsten. Der Diener Leporello führt eifrig Buch über den sinnlichen Rausch seines Herren. Doch Don Giovannis Zenit als erfolgreicher Verführer ist nunmehr überschritten. Seine erotischen Unternehmungen werden vereitelt, sei es durch den Komtur, der seiner von Don Giovanni bedrängten Tochter Donna Anna zur Hilfe eilt, oder der verlassenen Donna Elvira, die zwischen Rache und bedingungsloser Liebe zu Don Giovanni schwankt. Selbst Zerlina, eine junge Frau, die kurz vor der Hochzeit steht, ist vor seinem Jagdtrieb nicht sicher – doch auch dieser Plan wird durchkreuzt. Sein grenzenloser Übermut soll Don Giovanni schließlich zum Verhängnis werden….

Goethe konstatierte, diese Oper habe man sich unmöglich einfach ausdenken können – sie müsse Mozart von „einem dämonischen Geist seines Genies“ zugetragen worden sein. LE NOZZE DI FIGARO, ebenfalls eine Da-Ponte-Oper, hatte 1786 in Prag Furore gemacht; mit DON GIOVANNI sollten Mozart und sein Librettist an diesen Erfolg anknüpfen. Keine Oper aus dem 18. Jahrhundert hat so nachhaltig die Gemüter bewegt, dabei war der Don-Juan-Mythos schon zu Wolfgang Amadeus Mozarts Zeiten keineswegs neu. Dunkel glühendes Pathos, tiefgreifende Emotionen und erotische Energien bestimmen die klangliche Atmosphäre des Werkes, das in einer musikalisch einzigartigen Höllenfahrt endet.

Premiere 18.01.2020 | 19.30 Uhr | Flensburg, Stadttheater

—| Pressemeldung Schleswig-Holsteinisches Landestheater |—

Halfing, Immling Festival, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, 19.07.2019

Juli 15, 2019 by  
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Immling Festival

Immling Festival / Don Giovalnni - Modestas Sedlevicius als Don Giovanni © Verena von Kerssenbrock/ Immling Festival

Immling Festival / Don Giovalnni – Modestas Sedlevicius als Don Giovanni © Verena von Kerssenbrock/ Immling Festival

Premiere mit Schurken-Charme in Immling –  19. Juli 2019

Don Giovanni  –  Wolfgang Amadeus Mozarts

 

Die dritte große Neuinszenierung des diesjährigen Immling Festivals (22. Juni bis 18. August) feiert Premiere am Freitag, 19. Juli um 19 Uhr im Festspielhaus Immling. Unter der musikalischen Leitung von Cornelia von Kerssenbrock spielt das Festivalorchester Immling. Verena von Kerssenbrock setzt Mozarts Don Giovanni in Szene: „Die `Oper aller Opern` ist eine regelrechte Charakterstudie verschiedenster Typen, die alle durch das Thema Liebesbeziehung miteinander verwoben sind. Mozart legte großen Wert auf Emotion und detailliertes Schauspiel, was in seiner Zeit gänzlich unüblich war. Wir können das aber gerade mit diesem Ensemble wunderbar zeichnen. Leporello wird das Publikum in die Machenschaften seines Herrn ziemlich schnell mit hineinziehen. Bei aller Verführung sollten die Zuschauer größte Vorsicht walten lassen, offenbaren sich in unserer Deutung doch auch ganz eigene Sammelleidenschaften…

Immling Festival / Don Giovalnni - Modestas Sedlevicius als Don Giovanni © Verena von Kerssenbrock/ Immling Festival

Immling Festival / Don Giovalnni – Modestas Sedlevicius als Don Giovanni © Verena von

Zum Werk: Skrupelloser Liebhaber und Mörder – Don Giovanni, der Frauenverführer aus Sevilla, kennt keine moralischen Grenzen und erobert mit brennender Leidenschaft tausende Frauen. Sein Lebensziel ist es, dasjenige weibliche Wesen zu erobern, in welches er gerade verliebt ist – ohne Rücksicht auf Verluste. Doch seine gierige und rastlose Jagd bleibt nicht ohne Konsequenzen. Und am Ende sind sich gebrochene Herzen, gehörnte Ehemänner und entehrte Väter einig: „Fahr zur Hölle!“

Don Giovanni bildet einen Höhepunkt in Mozarts Opernschaffen. Das Werk sprüht vor Energie und Charme, bewegt sich elegant zwischen der komischen Welt der Opera buffa und der düsteren Sphäre des Dämonischen – und lässt uns tief in die menschliche Seele blicken.

Informationen zur Neuinszenierung vo Don Giovanni:

Musikalische Leitung: Cornelia von Kerssenbrock
Inszenierung und Bühnenbild: Verena von Kerssenbrock
Kostüme: Sanna Dembowski
Lichtdesign: Arndt Sellentin
Dramaturgie: Florian Maier

Festivalchor Immling
Festivalorchester Immling
Don Giovanni: Modestas Sedlevi?ius
Der Komtur: Tuncay Kurto?lu
Donna Anna: Lussine Levoni
Don Ottavio: Jenish Ysmanov
Donna Elvira: Forooz Razavi
Leporello: Ilya Lapich
Masetto: Simon Duus
Zerlina: Anastasia Churakova


Interview mit Modestas Sedlevi?ius


„Mozarts Musik fließt aus mir heraus“

Modestas Sedlevi?ius – der Don Giovanni in Immling 2019

Stimmfach: Bariton. Geboren 1987 in Kaunas/Litauen. Studierte Chemie mit Abschluss Bachelor und begann parallel seine Gesangsausbildung. Modestas Sedlevi?ius spielte in Immling u.a. den Orpheus in der Immlinger Inszenierung von Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“ 2017 und 2018. In diesem Jahr ist er als Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper beim Immling Festival zu sehen. Premiere ist am 19. Juli um 19 Uhr im Festspielhaus.

Beim Internationalen Gesangswettbewerb Immling haben Sie 2017 neben dem 3. Preis auch den Preis für die beste Interpretation einer Mozart-Arie erhalten. Mozart verzeiht ja bekanntlich keine Fehler. Was bedeutet Ihnen Mozart?

Ich habe eine Mozart-Arie aus „Cosi fan tutte“ gesungen, „Rivolgete a lui lo sguardo“ – eine sehr lange, aber schöne Arie mit vielen Nuancen. Mozart hatte sie in der Oper gestrichen und durch eine kürzere ersetzt. Ich habe sie dennoch gewählt, denn mit dieser Arie kann ein Sänger gut spielen. Mozart ist für mich ein sehr cleverer Komponist. Seine Musik bietet mir an, wie ich singen muss, dann fließt seine Musik einfach aus mir heraus. Ich liebe es, Mozart zu singen. Deshalb freue ich mich besonders darauf, in diesem Jahr in Immling den Don Giovanni zu interpretieren.

Apropos Don Giovanni: Skrupelloser Frauen-Liebhaber und Mörder. Was reizt Sie an Ihrer neuen Rolle in Immling?

Die Rolle des Don Giovanni beinhaltet viele Rezitative, ein Gesang der ja dem Sprechen angenähert ist. Die Rolle ist eine Herausforderung, weil ich sprechen, singen und schauspielern muss. Ich kann dem Publikum viele Geschichten erzählen.

Was ist das für eine Figur, der Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper?

Don Giovanni stellt vieles dar – das kommt auf die Inszenierung an.

Zum einen kann ihn die Inszenierung als schlechten Menschen zeigen, einen problembeladenen Jäger. Es gäbe aber auch die Möglichkeit, einen Mittelweg zu finden, ihm eine schwierige Kindheit zu attestieren, so dass alle seine Eroberungen sozusagen als Mutterersatz zu betrachten sind. Auch eine positive Darstellung ist denkbar. Dann liebt er einfach – im Sinne dieses Wortes – alle Frauen gleichermaßen. Egal ob sie groß oder klein, dick oder dünn, gebildet oder nicht gebildet sind. Don Giovanni liebt sie einfach.

Was zieht Sie nach Immling?

Ich mag die Umgebung, ich mag das Kulturhotel Endorfer Hof mit all seinen Räumlichkeiten. Der Endorfer Hof bietet mir die Möglichkeit, jeden Tag in einem Raum mit Klavier zu üben.

Außerdem bietet mir Herr Intendant Baumann genau die Rollen an, die ich interpretieren möchte. Ich kann mir im Moment nichts Besseres vorstellen, als den Don Giovanni zu singen.


Weitere Informationen:

Don Giovanni, der Frauenverführer aus Sevilla, kennt keine moralischen Grenzen und erobert mit brennender Leidenschaft tausende Frauen. Seine gierige und rastlose Jagd bleibt jedoch nicht ohne Konsequenzen…

„Don Giovanni“ bildet einen Höhepunkt in Mozarts Opernschaffen. Das Werk sprüht vor Energie und Charme, bewegt sich elegant zwischen der komischen Welt der Opera buffa und der düsteren Sphäre des Dämonischen – und lässt uns tief in die menschliche Seele blicken.

Musikalische Leitung: Cornelia von Kerssenbrock
Inszenierung und Bühnenbild: Verena von Kerssenbrock
Kostüme: Sanna Dembowski
Lichtdesign: Arndt Sellentin
Dramaturgie: Florian Maier

Festivalchor Immling
Festivalorchester Immling

Don Giovanni: Modestas Sedlevi?ius
Der Komtur: Tuncay Kurto?lu
Donna Anna: Lussine Levoni
Don Ottavio: Jenish Ysmanov
Donna Elvira: Forooz Razavi
Leporello: Ilya Lapich
Masetto: Simon Duus
Zerlina: Anastasia Churakova

Veranstaltungsort: Festspielhaus

Werkeinführung
mit Festival-Dramaturg Florian Maier

Einzigartig in Immling: Die Werkeinführung „open air“ im idyllischen Apfelgarten neben dem Festspielhaus. Jeweils 60 Minuten vor Beginn jeder Opernvorstellung führt Dramaturg Florian Maier in die Besonderheiten der Immlinger Inszenierungen ein.

Alle Aufführungstermine auf einen Blick:
Fr. 19.7.2019 | 19.00 Uhr (Premiere)
Fr. 2.8.2019 | 19.00 Uhr
Sa. 27.7.2019 | 18.00 Uhr (mit Verleihung Pocci-Preis)
Fr. 9.8.2019 | 19.00 Uhr

Spielplan und Tickets unter www.immling.de oder Tel. 08055 – 9034 0.

—| Pressemeldung Immling Festival |—

Paris, Palais Garnier Paris, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 09.07.2019

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Opera National de Paris 

Opéra National de Paris / Palais Garnier Paris © IOCO

Opéra National de Paris / Palais Garnier Paris © IOCO

 Don Giovanni  –  Wolfgang Amadeus Mozart

– gefangen zwischen Mythos und Realität –

von  Peter M. Peters

Seit Jahrhunderten ist der „Mythos Don Giovanni“ in unserer Kulturgeschichte verankert; Dichter, Poeten, Musiker und Maler haben sich mit diesem Thema beschäftigt. Für die Einen ist er ein romantischer Held, für Andere ist er ein Religionsschänder, ein Wüstling, ein Mörder, usw.: Tirso de Molina gab dem Mythos einen Namen: Don Juan, der zynische Weiberschänder war geboren. Danach folgten die verschiedensten Deutungen zu diesem Thema bis hin ins 20.Jahrhundert. (z.B. Molière, Verlaine, Baudelaire, Grabbe, Rilke, Bachmann, usw.) Auch historische Personen werden als Vorlage für einen „Don Juan“ Stoff verwendet: z.B. Don Juan de Tassis, Casanova und selbst unser Librettist Lorenzo da Ponte, der ein großer „Schürzenjäger“ gewesen sein soll und mehrmals flüchten musste.

Der belgische Regisseur Ivo van Hove, weltbekannt für seine außergewöhnlichen Inszenierungen hat in letzter Zeit in Paris einige seiner Schöpfungen hinterlassen, die viel Aufsehen erweckten: Boris Godounov (Opéra National de Paris), Die Verdammten (nach Visconti) und Électre / Oreste (Comédie Française).

Mit dem ersten Klang der Ouvertüre sieht man ein Stadtviertel; dass in seiner grauschwarzen nächtlichen Schwere bedrohend wirkt, eine Straße vom bleichen weißen Mondlicht überflutet, mit dichten Nebelschwaden verhangen.

Don Giovanni – Wolfgang Amadeus Mozart
youtube Trailer der Opéra National de Paris
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Gewissermaßen eine Phantomstadt die zeitlos überlebt hat ohne zu wissen wo sie ist. Diese bedrückende Stimmung bringt ungeahntes Wissen in unser Unterbewusstsein: hier beginnt ein Amoklauf vor oder nach dem Tod. Bilder purzeln durcheinander: Gemälde von Giorgio de Chirico, Escher, unbewohnte Häuser in osteuropäischen Städten, faschistische und kommunistische Baustile, Filme wie M – Eine Stadt sucht einen Mörder, Nosferatu… Erinnerungen, Fantasie und Gegenwart galoppieren geschwind. Diese ewig nächtliche Stadt scheint keine Bewohner zu haben, jedoch plötzlich erscheinen zwei Gestalten im bleichen Mondlicht: der unersättliche Don Giovanni getrieben von seiner maßlosen Sucht nach erotischen Erlebnissen und sein Diener Leporello. Der Eine arrogant, hochschweifig und befehlend, gewissermaßen zum reichen Geldadel gehörend; der Andere von der Arbeiterklasse gewöhnt die niedrigsten Taten für Geld zu verrichten. Der Psychopath treibt ruhelos durch die Stadtviertel mit seinem Helfershelfer um neue Opfer aufzustöbern. Denn in der scheinbar leeren Stadt vegetieren doch irgendwelche Lebewesen: Menschen oder Phantome…? Fleischlich oder virtuell?

Gerade hat er Donna Anna schamlos vergewaltigt und stürzt aus dem Haus um aufs Neue seine Lustbegierde zu stillen; da kommt ihm der Vater der jungen Frau in den Weg (Il Commendatore), den er jedoch brutal ermordet. Donna Anna ist verzweifelt, sodass nicht mal ihr Verlobter Don Ottavio sie beruhigen kann. Inzwischen hat unser skrupelloser Täter sich in eine volkstümliche Hochzeit eingeschlichen um mit Hilfe seines Dieners Leporello die blutjunge hübsche Zerlina von ihrem Verlobten Masetto zu trennen.

Opéra National de Paris / Don Giovanni - im Palais Garnier - hier : Étienne Dupuis als Don Giovanni © Charles Duprat

Opéra National de Paris / Don Giovanni – im Palais Garnier – hier : Étienne Dupuis als Don Giovanni © Charles Duprat

Auch die ewige verlassene Frau des Don Giovanni, Donna Elvira rennt ihrer verlorenen Liebe umsonst nach … Mit einem reichen Maskenball will er der naiven Zerlina und den Bewohnern imponieren. Der Eindruck von Phantomen wird auf disem Fest bestätigt, denn Gäste, Lakaien, Musiker sind nichts anderes als leere Puppen mit reichen Kostümen und toten Augen von Masken versteckt. Der verzweifelte Hilferufe der bedränkten Zerlina bringt das Fest zu einem bitteren Ende, auch für Don Giovanni, der fliehen muss vor der Rache seiner Opfer.

Auf einem Friedhof erscheint der Commendatore als Phantom und verlangt dass unser Missetäter von seinem Lasterleben abschwört, aber ohne Erfolg. Im Gegenteil der Unersättliche lädt sein Opfer zu einem Abendessen in sein Haus ein.

Am fraglichen Abend schwelgt er in allen Genüssen: Wein, Delikatessen und Drogen im Überfluss; er wirft es mit Verachtung und Verdruss seinem Diener Leporello zu, mit dem Motto: „Friss oder stirb, Hund!“. Vor der armen Elvira, die unverhofft erscheint, prahlt er höhnisch über seine ungezügelte „Freiheit“. Ein Aufschrei der Elvira leitet das Ende unseres Heuchlers ein. Der Commendatore erscheint und gibt Don Giovanni die Hand und mit einem Aufschrei versinkt der Selbige – ja aber in was? Fegefeuer, Inferno? Nein! Umschlungen oder verschlungen von Millionen von Leibern (Frauenleibern…?) versinkt er ins Nichts.

Ivo van Hove hat in der Inszenierung bewusst unscheinbare Szenen  Konventionell behandelt, jedoch in zentralen Momenten formt er das Geschehen, hinterließ seine unverkennbare Handschrift.

Mit dem Finale kommt die große Überraschung: unsere Phantomstadt öffnet sich und lässt strahlendes Sonnenlicht herein, Pflanzen und Blumen in Überfülle auf den Terrassen und Balkonen, gewaschene Wäsche hängt aus den Fenstern. Mit einem Wort:  Menschen, Leben, Zukunft sind sichtbar. Was kann man daraus schließen? Keine Religions- oder Moralbedeutung. Nein. Eine soziale, politische und ökologische Message: ein Parasit der Gesellschaft ist verschwunden und die Umwelt kann besser atmen… Eine Utopie, eine Illusion, eine Hoffnung…? Von der musikalischen Seite sind einige Bedenken nicht zu verschweigen:

Opéra National de Paris / Don Giovanni im Palais Garnier © Charles Duprat

Opéra National de Paris / Don Giovanni im Palais Garnier © Charles Duprat

Der schweizer Dirigent und Chefdirigent der Opéra National de Paris, Philippe Jordan, (ab 1.9.2020 Musikdirektor an der Wiener Staatsoper) ist ein profilierter Musiker; jedoch in seinem Dirigat zeigt sich wenig Harmonie zwischen Dirigent und Regisseur. Die Komposition wird durch die Partitur vorgegebn. Doch Tempi, Pausen und Dynamik erzeugen eigene, spezielle Ausdruck, Atmosphäre. Diese Inszenierung in Palais Garnier ist dunkel, fast grauenhaft; da ist der „wienerisch“ dirigierte Don Giovanni wenig passend, eine „östlichere“, kältere Vision würde theatralen Szenen helfen und ein geschlosseneres Bild zeigen.

Dagegen die jungen Sänger sind durchwegs bis in den kleinsten Rollen ausgezeichnete Interpreten:  Étienne Dupuis als Don Giovanni ist ein hinreißender Schauspieler und mit seinem hellen Heldenbariton ideal besetzt. Seine Stimme übertönt mit Leichtigkeit das Orchester und sitzt fest in allen Registern; die Farbpalette seines Organes ist schier unermesslich. Gleich die erste Arie „Fin ch’han dal vino“ wird selbstbewusst herunter geschmettert; seine Canzonetta „Deh vieni alla finestra“ ist ein außergewöhnlicher Hörgenuss, auch die Arie „Meta di voi qua vadano“ ist von berückender Schönheit; nicht zu vergessen das Duett mit Zerlina „La ci darem la mano“. Gleichzeitig wird stimmlich sichtbar das Wesen seiner egozentrischen brutalen Menschenverachtung, die nicht vor Mord und anderen erpresserischen Mitteln halt macht. Besonders deutlich erkennbar in den Rezitativen.

Sein kanadischer Kollege und Landsmann Philippe Sly steht ihm in keiner Weise nach. Ideal besetzt für die Rolle des Leporello und mit einer etwas robusten und rauen Baritonstimme interpretiert er „Notte e giorno faticar“. Die berühmte Registerarie „Madamina, il catalogo é questo“ ist ein Paradestück der hohen Gesangskunst, auch die Arie „Ah pietà, signori miei“ ist ein Beispiel für feine verflossene Töne. Dazu eine intensive Charakterstudie im musikalischen, sowie auch im schauspielerischen Sinne. Das rechte Maß an alter ego ist hier erreicht.

Opéra National de Paris / der verzaubernde Besucheraum des Palais Garnier Paris © Jean Pierre Delagarde / Opéra National de Paris

Opéra National de Paris / der verzaubernde Besucheraum des Palais Garnier Paris © Jean Pierre Delagarde / Opéra National de Paris

Die australische Sopranisten Nicole Car hat stimmlich die nötige Bandbreite (spinto – dramatisch – lyrisch) um die anspruchsvolle Rolle der Donna Elvira bewältigen zu können. Gleich in der Auftrittsarie „Ah chi mi dice mai“ zeigt die Sängerin mit Spontanität und Kraft ihr ganzes Können und man kommt an der Gänsehaut nicht leicht vorbei. „Ah fuggi il traditor“ ist mit dem nötigen Zorn und gekränkter Eitelkeit begleitet, es ist ein Paradestück der Aria furioso. Die letzte große Arie mit Rezitativ „In quali eccessi …. Mi tradi quell’alma ingrata“ wird von einer verletzten allein gelassenen, noch immer liebenden Frau mit der nötigen Traurigkeit versehen.

Donna Anna ist von der amerikanischen Sängerin Jacquelyn Wagner mit viel innerem Gefühl getragen, wobei jedoch die Rachegedanken für den ermordeten Vater nicht versiegen und sich in die Trauer einschleichen. Der lyrische Sopran setzt sich mit Leichtigkeit über alle diese dramatischen Hürden. „Don Ottavio, son morta! – Or sai chi l’onore“ Rezitativ und Arie sind getragen von der ganzen Bandbreite der Gefühle: Trauer – Zorn – Rache. Die zweite große Arie mit Rezitativ der Donna Anna „Crudele! Ah no, mio ben …. Non mi dir, bell’idol mio“ ist von feinen Farbtönen durchwirkt und zeigt die inneren Kämpfe einer liebenden Frau und trauernden Tochter.

Der französische Tenor Stanislas de Barbeyrac singt die Rolle des Don Ottavio, vom Standpunkt der Interpretation, vielleicht die Schwierigste. Ein Höfling gefangen in Etikette und kalten Konventionen, die wirkliche Gefühle verweigern und verheimlichen müssen. Mit seiner baritonalen männlichen Tenorstimme hat er die ganze Weichheit und Feigheit der Rolle überwunden, jedoch schauspielerisch bleibt er leider in den alten Welten. Seine beiden großen Arien „Dalla sua pace“ und „Il mio tesoro“ sang er ohne die gewohnte Effekthascherei mit großer Dreistigkeit und Festigkeit.

Die kokette Zerlina wird mit glasklarem Sopran von der französisch-dänischen Sängerin Elsa Dreisig mit viel Feingefühl vorgetragen ohne in die Gefilde einer Soubrette zu rutschen. Besonders schauspielerisch ist sie mit ihrer Rolle gewissermaßen verwachsen. Mozart hinterließ ihr zwei der schönsten Arien nach volkstümlicher Art „Batti batti, o bel Masetto“ und „Vedrai carino“, die sie natürlich ohne Pathos vortrug.

Mikhail Timoshenko (Masetto), ein junger russischer Bassbariton hatte die ganze nötige Schlaksichkeit und Tölpelhaftigkeit eines jungen naiven verliebten Burschen. Seine einzige Arie „Ho capito, Signor si“ sang er mit viel Begeisterung und Schwung.

Ain Anger (Il Commendatore), der lettische Bass mit seiner tiefen Stimme machte viel Eindruck in der kurzen Rolle des rächenden Vaters.

Insgesamt eine gelungene Produktion:des Don Giovanni im wunderbaren Palais Garnier von Paris; vom Publikum lebhaft gefeiert.

—| IOCO Kritik Opéra National de Paris |—

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