Hagen, Theater Hagen, Viva Verdi – Letzte Vorstellung, 14.07.2019

Juli 12, 2019 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

 Viva Verdi  –  Letzte Vorstellung
Ein szenischer Abend in Verdi-Chören – Musik Giuseppe Verdi

Sonntag, 14. Juli 2019 findet mit Beginn um 18.00 Uhr im Theater Hagen die letzte Vorstellung der Produktion Viva Verdi – Ein szenischer Abend in Verdi-Chören (Musik von Giuseppe Verdi) in italienischer Sprache mit deutschen Übertexten statt.

Theater Hagen / Viva Verdi - Chor und Extrachor des Theaters Hagen, Tony Laudadio (in der Mitte) © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Viva Verdi – Chor und Extrachor des Theaters Hagen, Tony Laudadio (in der Mitte) © Klaus Lefebvre

Mit der Inszenierung von vor allem berühmten wie auch weniger bekannten Verdi-Chören (u.a. Nabucco, Il trovatore und Aida, aus Macbeth und I Masnadieri) als durchgängige Handlung bietet das Theater Hagen mit der Produktion Viva Verdi etwas Neues. Die emotional aufgeladenen Chorstücke werden in einer szenischen Neudeutung erlebbar, die Bezug nimmt auf die oft von Leid und Unheil, aber auch von Heldenmut und Liebe handelnden Opern, aus denen sie ursprünglich stammen. Gleichzeitig eröffnet die Realisierung im neuen Kontext aber auch Möglichkeiten, die mit der Musik verbundenen Geschichten in unerwarteten Assoziationen sinnvoll und sinnlich fruchtbar werden zu lassen.

Diese außergewöhnliche Produktion wurde großzügig von der Sparkasse HagenHerdecke unterstützt. In der Inszenierung von Andreas Bode, im Bühnenbild von Geelke Gaycken und den Kostümen von Christiane Luz singen und spielen unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Müller-Salow: Chor, Extrachor sowie Kinder- und Jugendchor des Theaters Hagen; Tatiana Feldman, Eva Maria Günschmann, Kisun Kim, Costa Latsos, Tony Laudadio, Elizabeth Pilon, Dong-Won Seo, Ruud Zielhorst; Statisterie des Theaters Hagen; Philharmonisches Orchester Hagen.


Karten an der Theaterkasse, unter Tel. 02331 207-3218 oder www.theaterhagen.de, an allen Hagener Bürgerämtern, Tel. 02331 207- 5777 sowie bei den EVENTIM-Vorverkaufsstellen.

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, IL TURCO IN ITALIA – Gioacchino Rossini, 02.03.2019

Januar 31, 2019 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Hagen

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Theater Hagen

Theater Hagen / IL TURCO IN ITALIA © Klaus Lefebvre.

Theater Hagen / IL TURCO IN ITALIA © Klaus Lefebvre

IL TURCO IN ITALIA  – Gioacchino Rossini

Premiere: Samstag, 2. Februar 2019, 19.30 Uhr, Theater Hagen

Die nächste Premiere im Theater Hagen (Großes Haus) findet am 2. Februar 2019 (19.30 Uhr) statt: Auf dem Programm steht die Oper Il turco in Italia (Der Türke in Italien) von Gioacchino Rossini.

Gioacchino Rossini Paris © IOCO

Gioacchino Rossini Paris © IOCO

In dieser komischen Oper dreht sich alles um die exzentrische und temperamentvolle Fiorilla, die sich vor Verehrern nicht retten kann. Das missfällt ihrem Ehemann Geronio selbstverständlich … Als dann auch noch ein reicher Türke nach Italien kommt, der Gefallen an Fiorilla findet (und sie an ihm), hört der Spaß auf. Doch wenigstens einer kommt auf seine Kosten: Der Filmemacher Prosdocimo fühlt sich von diesen amourösen Geschehnissen und weiteren turbulenten Ereignissen inspiriert und will sie in sein neuestes Werk einbauen – das Leben schreibt schließlich die besten Geschichten … Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion werden in Il turco in Italia durch die Figur des Prosdocimo verwischt.

Rossini war zum Zeitpunkt der Uraufführung 1814 der beliebteste Komponist Europas, und mit dieser leichthändigen Parodie auf die Stereotype der Opera buffa gelang es ihm, ein weiteres Werk zu schaffen, das durch seine überschäumende Lebensfreude und komödiantische Explosivität bis heute begeistert.

Der Regisseur Christian von Götz, der Ausstatter Lukas Noll sowie die Choreographin Kerstin Ried stellen sich mit dieser Inszenierung dem Publikum des Theaters Hagen vor: Mit viel Tempo und Mitteln der Commedia dell’arte bringen sie die aktionsgeladene Opera buffa auf die Bühne und beschwören dabei im Italien der 20er Jahre die Ära des Stummfilms herauf. Die Musikalische Leitung übernimmt Steffen Müller-Gabriel, der zusammen mit dem Sänger-Ensemble die rasanten Parlandi und virtuosen Koloraturen aus Rossinis Partitur eindrucksvoll und mitreißend präsentiert.

Es singen und spielen: Marilyn Bennett, Leonardo Ferrando/Juan de Dios Mateos, Kenneth Mattice, Matthew Overmeyer, Francesco Rescio, Marie-Pierre Roy, Dong-Won Seo, Rainer Zaun, Chor des Theaters Hagen, Statisterie des Theaters Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen.

Weitere Vorstellungen: 8.2. (19.30 Uhr); 15.2. (19.30 Uhr); 7.3. (19.30 Uhr); 14.3. (19.30 Uhr); 20.3. (19.30 Uhr); 31.3. (15.00 Uhr); 24.4. (19.30 Uhr); 19.5. (15.00 Uhr); 1.6. (19.30 Uhr); 7.6. (19.30 Uhr); 19.6. (19.30 Uhr); 30.6.2019 (18.00 Uhr)

DIE STUNDE DER KRITIK:

Freitag, 8. Februar 2019, im Anschluss an die Vorstellung um ca. 22.10 Uhr im Theatercafé – Eintritt frei. – Zu Gast: Pedro Obiera (Kulturmagazin O-Ton u.a.)


Besetzung:

Musikalische Leitung Steffen Müller-Gabriel  ?  Inszenierung Christian von Götz ? Bühne und Kostüme Lukas Noll ? Choreographie Kerstin Ried, Christian von Götz ? Licht Ernst Schießl ? Chor Wolfgang Müller-Salow  ? Dramaturgie Rebecca Graitl

Mit  Marilyn Bennett, Leonardo Ferrando/Juan de Dios Mateos, Kenneth Mattice, Matthew Overmeyer, Francesco Rescio, Marie-Pierre Roy, Dong-Won Seo, Rainer Zaun ? Chor des Theaters Hagen ? Statisterie des Theaters Hagen / Philharmonisches Orchester Hagen

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, 200 Jahre Italienerin in Algier – Rossini Modern, IOCO Aktuell, 28.10.2013

Oktober 29, 2013 by  
Filed under Kritiken, Musiktheater im Revier

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Belcanto und Bühneneuphorie machen Seele stark

Gioacchino Rossini, 1792 – 1868, entging nur knapp dem Kastratendasein. Bekannte der Eltern empfahlen wohlmeinend, seine schöne Knabenstimme durch Kastration zu erhalten. Seine Mutter empfand diese Vorschläge jedoch nicht wirklich überzeugend und so blieb Rossini´s Körper unangetastet. Doch nicht nur stimmlich war Rossini ein Wunderknabe. Er war auch kompositorisches Ausnahmetalent wie Lebenskünstler: Mit 12 Jahren schrieb Rossini erste Kompositionen für Violinen, Violoncello und Kontrabass. 1813, mit 18 Jahren schrieb er eine erste, wenn auch wenig erfolgreiche Oper Demetrio e Polibio. Die Oper Italienerin in Algier (L´italiana in Algeri) komponierte Rossini mit gerade einmal 21 Jahren in weniger als vier Wochen. 1829, mit gerade einmal 36 Jahren, schrieb Rossini sein letztes Werk, Wilhelm Tell. 1830 wurde er durch eine bedeutende Rente des französischen Staates für den Rest seines noch langen Lebens finanziell unabhängig.

MiR / Italienerin in Algier - Ensemble © Pedro Malinowski

MiR / Italienerin in Algier – Ensemble © Pedro Malinowski

Die Opera Buffa und exotisch morgenländische „Türkenopern“ voller Klischees und Fantasien waren zu Rossinis Zeit auf ihrem Höhepunkt. Gerade einmal 21 Jahre alt war Rossini, als er 1813 vier Opern komponierte, einschließlich seiner Italienerin in Algier (L´italiana in Algeri). Genau 200 Jahre später begeistern nicht nur Wagner und Verdi auf den Bühnen der Welt, sondern auch – ein geradezu frevelhafter Vergleich – Gioacchino Rossini mit seiner Italienerin in Algier. Obwohl dessen Entstehungsgeschichte wie Handlung kurz und verwirrend ist: Rossini, ein genialer Improvisator, war aus Terminnot gezwungen, das Werk schnellstens zu komponieren; ein bereits vorliegendes Libretto bildete das Gerüst. Komplexe oder soziokulturelle Figurenzeichnungen waren für dieses Stück nicht angesagt. Es galt durch westöstlichen  Sitten- und Wertevergleich zu verwirren, zu polarisieren und Theaterbesucher mit feiner wie handfester Situationskomik zu

Regisseur David Hermann zeigt in seiner spektakulären Inszenierung im Musiktheater im Revier einen Rossini Modern. Orientalisches Librettogeklingel wie Algier, Mustafa, Zulima dient in seiner Inszenierung nur als Metapher. Nicht Harem oder Turban bewehrte Muslime dominieren die Bühne, sondern ein irgendwo im afrikanischen Dschungel inmitten von Palmen abgestürztes Passagierflugzeug. Pilotenkanzel, Tragfläche und aufgerissener Passagierraum,  spektakulär wie aufwändig und originalgetreu nachgebaut, bieten furiosen Regieeinfällen zahllose Optionen. So dient ein Triebwerk als Gefängnis des Sklaven Lindoro. Nur Bey Mustafa trägt meist eine ordensbestückte Uniformjacke. Die anderen Solisten agieren zwischen Flugzeug und Bühne in flotter Alltagskleidung. Der allgegenwärtige Chor agiert Dschungel-konform in braunen Sackleinen-Gewändern, die Gesichter hinter fantasievollen Gesichtsmasken verborgen.

MiR / Italienerin in Algier / vlnr: Seo, Sieloff, Kamalova, Borysiewicz und abflugbereites Flugzeug mit Passagieren © Pedro Malinowski

MiR / Italienerin in Algier – vlnr: Seo, Sieloff, Kamalova, Borysiewicz und abflugbereites Flugzeug mit Passagieren © Pedro Malinowski

IOCO erlebte am 27. Oktober 2013 nicht die Premiere, aber ein exzellent eingespieltes Orchester wie Ensemble: Schon die sensibel filigran gespielte Ouvertüre, am Pult Valtteri Rauhalammi, illustrierte lebensfrohe Euphorie. Das Neue Philharmonie Westfalen zeichnete danach heitere Bilder buffoneske Leichtigkeit von quirliger Dynamik bis hin zu sanften Piani. Selbst nicht ungefährliche Hörner-Soli gelingen in wohltuend lyrisch weicher Färbung. Das Ensemble bewies große Vertrautheit mit Komposition und Regie; stimmlich sicher produzierte es lebendige Spielfreude. Allen voran Krzysztof Borysiewicz, der als Macho Mustafa, ohne morgenländisches Geplänkel in Galauniform und mit rotem Gesichtsstreifen eher indianisch wirkend, mit prächtigem Bassbariton, virtuosen Triolen und darstellerischer Präsenz dem Abend Charakter gibt. Der junge Tenor Hongjae Lim zeigt in seiner fordernden Tenorpartie des Lindoro keine Höhenangst; Spitzentöne kein Problem – rund und kräftig ausgesungen, immer. Carola Guber brachte schon in ihrer Auftrittsarie als sichtlich wohl geformte Isabella mit orientalischen Regungen und koloraturensicherem, wohltimbriertem Mezzosopran Zuschauer wie Mustafa in Wallung.

Pere Lachaise in Paris, Grab von Gioacchino Rossini © IOCO

Pere Lachaise in Paris, Grab von Gioacchino Rossini © IOCO

Als eine Art Schamane verleiht Mustafas Diener Haly (Dong-Won Seo) der Inszenierung  komisch deftige Mystik. Der junge Pjotr Prochera überzeugte als Taddeo mit gepflegtem Bassbariton und seh- und hörbarem Zorn über seine Ernennung zum KaimakanMustafas Gattin Elvira (Alfia Kamalova) und Zulma (Anke Sieloff) runden die frische Ensembleleistung stimmlich wie darstellerisch ab. In wunderbarer Harmonie gestaltete das Ensemble das komplexe Kettenfinale des 1. Aktes, von Rossini mit allen kompositorischen Effekten, von lyrischer Phase über onomatopoetische staccato-Rufe (cra, cra, din, din, bum, bum usw) bis zu überraschender Modulationen ausgestattet: Die konfuse Seelenstimmung der Protagonisten wird stilvoll schön lautmalerisch beschrieben.

Ein kurzweiliger Abend im Musiktheater im Revier mit einem humorig modernen Rossini endet indem Isabella, Lindoro, Taddeo und andere Passagiere den Bühnen-Jet besteigen, eine perfekt livrierte Flugzeug-Besatzung an Bord die Sicherheitsvorgaben demonstriert und sich der Vorhang zu den aufbrausenden Triebwerksgeräuschen des startenden Flugzeuges schließt. Viel Beifall und frohe Stimmung füllen den Zuschauerraum.

IOCO / Viktor Jarosch / 28.10.2013

Letzte Vorstellungen 2013/14:   31.Oktober 2013;  17.11.2013; 22.11.2013; 25.12.2013

—| IOCO Aktuell Musiktheater im Revier |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Kurt Weill Woche, IOCO Kritik, 18-24.01.2013

Februar 2, 2013 by  
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Kritik

Komische Oper Berlin 

Komische Oper Berlin © IOCO

Komische Oper Berlin © IOCO

Kurt-Weill-Woche an der Komischen Oper in Berlin 18. – 24.01.2013

Innerhalb der zahlreichen Aktivitäten zum diesjährigen Berliner Themenjahr unter dem Titel „Zerstörte Vielfalt“ zeigt die Komische Oper eine Woche lang eine Auswahl aus dem vielfältigen Schaffen des Komponisten Kurt Weill.

„Der Kuhhandel“ (18.01.)

Als Auftakt fand am 18. Januar in konzertanter Aufführung die Premiere der selten gespielten Operette in zwei Akten „Der Kuhhandel“ statt.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933, flüchtete der aus einer jüdischen Familie stammenden Kurt Weill zuerst nach Paris, wo 1934 die auf dem Libretto von Robert Vambery basierende Operette entstand, jedoch unvollendet blieb. 1935 kam sie dann doch noch in veränderter Form und in einer englischen Fassung als „A Kingdom For A Cow“ in London auf die Bühne, wenn auch eher mit mäßigem Erfolg. Die von Kurt Weill nie weiter bearbeitete ursprüngliche Version von „Der Kuhhandel“ wurde erst vor wenigen Jahren neu redigiert und erlebte eine gefeierte Renaissance.

Im Stil der Offenbachschen Operette, wo sich schwungvolle heitere Musik mit einer meist satirisch-hintergründigen Handlung verbindet, geht es hier um Liebe und Politik in einer Bananenrepublik und ist ein pazifistischer Appell gegen Aufrüstung und Korruption.

Der Schauspieler Max Hopp, alias Waffenhändler Felipe Chao, führt brillant durch den Abend. Die Moderation verbindet klug die einzelnen musikalischen Stücke und dient als Ergänzung zum besseren Verständnis, bzw. Verfolgen der Handlung.

Sehr effektiv auch die einfallsreiche szenische Einrichtung von Barrie Kosky, die mit einfachem Einsatz von Requisiten den Durchblick durch das Geschehen und die jeweiligen Figuren erleichtert.

Das Sänger-Ensemble überzeugt vokal wie darstellerisch. Das Liebespaar wird verkörpert von der Sopranistin Ina Kringelborn in der Rolle der Juanita Sanchez und Vincent Wolfsteiner als Juan Santos, der ausdrucksstark und mit durchschlagender Tenorstimme singt. Sehr gut besetzt auch Christoph Späth als Präsident Mendez, Tansel Akzeybek mit schönem lyrischen Tenor und klarer Diktion in der Doppelrolle Ximenex/ Gerichtsvollzieher, sowie Christiane Oertel als Juans Mutter/ Madame Odette und der komödiantisch begabte Stefan Sevenich als Emilio Sanchez/ Minister von Ucqua. Der als Gast auftretende Bariton Daniel Schmutzhard, durch eine Erkältung etwas indisponiert, meisterte trotz gelegentlicher Heiserkeit bravourös die Rolle des Generals Garcias Conchaz.

Hervorragend das Orchester unter der Leitung des Kurt-Weill-Spezialisten Antony Hermus, Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater Dessau und der klangvolle Chor (André Kellinghaus).

Viel Beifall für alle. Kompliment für diese schöne musikalische Leistung und den sehr vergnüglichen Abend. Ein gelungener Start in die Kurt-Weill-Woche.

 

„Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ und Nachtkonzert „Weill!“

Weniger beeindruckend wurde der 2. Abend mit der Wiederaufnahme von „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (Weill/ Brecht) in der Inszenierung von Andreas Homoki und unter der musikalischen Leitung von Stefan Blunier fortgesetzt.

Optisch wie musikalisch wenig inspirierend, leidet die Aufführung (Premiere 2006) am offensichtlichen Mangel an Probezeit. Spielfreudig der Chor und das Sänger-Ensemble, vokal aber bis auf wenige Ausnahmen leider eher enttäuschend.

Umso schöner gestaltete sich der weitere Verlauf des Abends mit dem Nachtkonzert „Weill!“, welches im Anschluss, nach einer kurzen Pause und in kleiner Runde, auf der Bühne der Oper stattfand.

Unter dem Dirigat des Leiters des Opernstudios der Komischen Oper, Byron Knutson, spielten Mitglieder des Orchesters der Komischen Oper Berlin und das Saxophon-Quartettmodernsax berlin“, Ausschnitte aus der „Dreigroschenoper“ und das „Mahagonny-Songspiel“. Vortrefflich auch die Darbietung aller beteiligten Sänger, hauptsächlich Mitglieder des Opernstudios. Besonders erwähnenswert die zwei jungen Sängerinnen; die texanische Sopranistin Ariana Strahl und die aus Kuba stammende Mezzosopranistin Katarina Morfa, sowie der Tenor Stephan Bowing.

 

„Last Tango in Berlin“ – Konzert mit Ute Lemper

Am 3. Abend, zum ersten Mal zu Gast an der Komischen Oper, die weltweit bekannte und gefragte Chanson- und Liedinterpretin Ute Lemper. Die seit vielen Jahren in den U.S.A. lebende Künstlerin präsentiert sich dem Berliner Publikum mit ihrem Programm „Last Tango in Berlin“. Eine musikalische Reise nicht nur mit einer Auswahl an Werken von Kurt Weill, aber auch mit Chansons von Edith Piaf und Jacques Brel, Tangos von Astor Piazzolla und eigenen Liedern.

Begleitet von zwei hervorragenden Musikern und Komponisten, dem New Yorker Jazz-Pianisten Vana Gierig und dem einfühlsamen Bandoneon-Solisten Marcelo Jaime Nisinman, interpretiert sie, mit bewundernswerter Professionalität, die unterschiedlichen Lieder. Bewusst ihrer Wirkung, setzt sie sich mit jeder Geste, jeder Bewegung perfekt in Szene, moduliert gekonnt (manchmal etwas zu manieriert) ihre Stimme. Leider ist man sich nicht immer über die Authentizität der dargestellten Gefühle sicher und vermisst des Öfteren wahre Wärme, wodurch man insgesamt eher unberührt bleibt.

Trotzdem eine bemerkenswerte Leistung, für die es viel Beifall und Ovationen von den zahlreich anwesenden Fans gibt.

 

„Sieben Songs/ Die Todsünden“ (23.01.)

Sicherlich eines der Highlights die „Sieben Songs/ Die Todsünden“ in der sehr bemerkenswerten Interpretation der Schauspielerin und Sängerin Dagmar Manzel, dem Publikum bereits bestens bekannt aus „Kiss me Kate“, ebenfalls inszeniert von Barrie Kosky. Auch in dieser Produktion, die ihre Premiere vor fast einem Jahr hatte, erweist sich die Konstellation Manzel – Kosky als sehr erfolgreich.

Ein einsam wanderndes Scheinwerferlicht erscheint – die Aufführung beginnt. Als Einführung oder Einstimmung zu „Die sieben Todsünden“, und wie Barrie Kosky selbst sagt, um den Abend für das Publikum noch lohnenswerter zu machen, eröffnet Dagmar Manzel den Abend mit sieben Liedern von Kurt Weill, den „Sieben Songs“, begleitet am Klavier von Frank Schulte. Meisterlich interpretiert sie die einzelnen unterschiedlichen Lieder und Stimmungen, und meisterlich geht es dann auch weiter, wenn sich anschließend der Vorhang öffnet, das begleitende Orchester unter der musikalischen Leitung von Ralf Sochaczewsky erscheint und „Die sieben Todsünden“ beginnen.

Das Werk, als Ballett mit Gesang bezeichnet, ist eigentlich für zwei Darstellerinnen konzipiert – welche, die eine mit dem Gesang und die andere mit dem Tanz die Schwestern Anna I und Anna II verkörpern sollen. Hier aber, in einer bearbeiteten Fassung für eine tiefe Frauenstimme, ist Dagmar Manzel allein auf der Bühne. Es sind alles Erinnerungen ein und derselben Frau mit unterschiedlichen Facetten, an die sieben Stationen, die sie durchlaufen musste, an die verschiedenen Städte und die gemachten Erfahrungen. Annas Familie ist hier lediglich durch die aus dem Dunkel kommenden Stimmen von dem Vater (Máté Gál), der Mutter (Dong Won Seo) und den beiden Brüdern (Bernhard Hansky und Stephan Boving) präsent.

Mal leise, mal laut, mal grob, mal poetisch, mal lustig, mal traurig, mal statisch, mal tanzend führt sie uns mit Leib und Seele in ihrem hellblauen Kleid durch die unterschiedlichen Etappen und verzaubert uns mit ihrer sehr persönlichen und eigenständigen Interpretation der Musik und der Texte von Weill und Brecht. Grandiose Leistung!

 

Konzert zur Kurt-Weill-Woche

Als Abschluss – das Konzert zur Kurt-Weill-Woche. Voller Energie und Präzision das Dirigat von Kristina Poska, auch neue Kapellmeisterin, unter dem das Orchester der Komischen Oper Berlin einen hervorragenden Kurt Weill Klang erreicht. Vorzüglich auch die Sänger im „Das Berliner Requiem“; Hans-Jürgen Schöpflin (Tenor), Carsten Sabrowski (Bariton) und Bogdan Talos (Bass). Begeisternd auch der Violinist Gabriel Adorján wie er die technischen Herausforderungen im „Konzert für Violine und Blasorchester op.12“ in immer steigender Virtuosität meistert.

Als besonderer Gast des Abends wird nach der Pause mit Standing Ovations die Schauspielerin, Diseuse und große Brecht-Interpretin Gisela May auf der Bühne empfangen. Charmant erzählt sie im Gespräch mit Ulrich Lenz, dem Chefdramaturgen der Komischen Oper, aus ihren Erinnerungen an Kurt Weill und Bertolt Brecht, sowie andere Anekdoten aus ihrem reichen Theaterleben, und stimmt sogar anschließend, zu großer Freude des Publikums, ein paar Lieder kurz an, begleitet am Klavier von Adam Benzwi.

Mit der klangvollen Musik der „Kleinen Dreigroschenoper für Blasorchester“ (1928) und dem krönenden „Dreigroschen-Finale“ endet diese gelungene Kurt-Weil-Woche, die mit vielfältigen, musikalischen und künstlerischen Darbietungen eine großartige Gelegenheit war, die unterschätzte Musik von Kurt Weill besser kennen zu lernen.

IOCO / G.G. / 24.01.2013

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