Weimar, Deutsches Nationaltheater, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, 13.09,2018


Deutsches Nationaltheater Weimar

Deutsches Nationaltheater Weimar © Ricarda Porzelt

Deutsches Nationaltheater Weimar © Ricarda Porzelt

 Don Giovanni – Wolfgang Amadeus Mozart

Flirts, Zeitdruck, Urknall der Musikgeschichte

von Ingrid Freiberg

Um sich in die Figur des zügellosen Wüstlings und Gotteslästerers Don Giovanni versetzen zu können, brachte sich Textdichter Lorenzo da Ponte durch Flirts mit der Tochter seiner Wirtin in Stimmung. Mozart dagegen komponierte unter großem Zeitdruck: Die Ouvertüre, die die beiden Gegenspieler Komtur und Don Giovanni schicksalhaft gegeneinander aufbringt, wurde erst am Tag der Uraufführung fertig. Ein schneidender d-Moll Akkord eröffnet die Ouvertüre zu einem Dramma giocoso und führt zum Todeslauf von Don Giovanni. Sie ist schlichtweg der Urknall in der Geschichte des Musiktheaters.

Das Kind  –  Der Sündenfall

Einen Blitz sieht auch Kierkegaard, der sich aus dem Dunkel der Wetterwolke löst, unsteter als dieser und doch ebenso taktfest. Höre der Leidenschaft zügelloses Begehren, höre das Rauschen der Liebe, höre das Raunen der Versuchung, höre den Wirbel der Verführung, höre des Augenblicks Stille – höre, höre, höre  Mozarts Don Giovanni!

Deutsche Nationaltheater Weimar / Don Giovanni - hier : Don Giovanni und Kind © Candy Welz

Deutsche Nationaltheater Weimar / Don Giovanni – hier : Don Giovanni und Kind © Candy Welz

Die Psychoanalyse ortet in Don Giovanni den Sohn einer Mutter, die bei ihrem Gatten zur Träumerin wird und an ihren Kleinen weitergibt, er möge alle Frauen so erobern, wie keiner sie selbst je erobert hat. Wie wird sich da erst das Kind (Foto) entwickeln, das der Regisseur Demis Volpi beherzt in die Handlung hinein inszeniert? Die schon am Ende der Ouvertüre sichtbare Leibesfülle von Donna Anna macht ihr monatelanges intimes Verhältnis mit Don Giovanni mehr als deutlich. Sie ist es auch vermutlich, die ihn wieder einmal zum Stelldichein nach Hause eingeladen hat, ihn dann aber nach einem Streit so aufbrausend laut zurückweist, dass ihr Vater, Komtur, ihr zu Hilfe eilt. In einem Handgemenge – fast in Zeitlupe – wird er von Don Giovanni erschossen.

Erst nach einer wohlberechneten Verzögerung holt Donna Anna ihren Verlobten Don Ottavio zu Hilfe und fordert von ihm furchtbare Rache für die angebliche Gewalt, die ihr angetan wurde. Ihr Kind in ihren Armen wiegend, muss sie sich ihm allerdings erklären, was sich angesichts der zahlreichen ambivalenten Elemente in Libretto und Partitur ziemlich schwierig gestaltet. Dass Donna Anna womöglich lügt, wurde schon oft vermutet, aber dass es ihr monatelang gelingt, ihr Geheimnis vor ihrem Verlobten zu hüten, ist eher unwahrscheinlich. Mit der Existenz des Kindes entsteht ein Familiendrama, das mehr denn je einen duldenden Don Ottavio erfordert.

Zurück bleiben ein paar verwundete Seelen – auch der Regisseur?

Zerlina und Masetto können viel leichter auf eine glückliche Zukunft hoffen, auch wenn sie ihm unter Umständen wieder  ein paar Hörner aufsetzen wird, oder er ihr untreu werden könnte, wenn er zu viel getrunken hat. Oft hören wir von Frauen, die von ihren Männern geschlagen, gequält und gedemütigt werden, und die trotzdem bei ihnen bleiben. Sie sind diesen Tyrannen einfach hörig, genau wie Donna Elvira, eine masochistische Hysterikerin und zugleich unendlich Liebende.

Wenn Don Giovanni das Charisma fehlt, so passt das ins Regiekonzept, das ihn nicht als einen Potenzmenschen vorführt, sondern als personalen Brennpunkt erotischer Wünsche und Obsessionen. Präsentiert wird ein vulgärer Lüstling, ein Vernichter des Sozialen, ihm bleibt die seelische Liebe völlig fremd. Am Ende wird das Kind – sein Sohn und der Enkel des Komturs – Rache üben. Das Kind ist die Personifizierung seines Sündenfalls: Als es seinen Vater berührt, bricht der ausgepowerte lebensüberdrüssige Lebemann lautlos zusammen… zurück bleiben ein paar verwundete Seelen.

Regisseur Demis Volpi – Don Giovanni
Youtube Trailer DNT Weimar
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Der Deutsch-Argentinier Demis Volpi war früher Tänzer und Choreograf beim Stuttgarter Ballett. 2014 erhielt den Deutschen Tanzpreis Zukunft und 2017 wurde er zum Nachwuchsregisseur des Jahres von der Fachzeitschrift Opernwelt gekürt. Umso mehr erstaunt seine teilweise statische Personenführung. Dass Donna Anna ein Verhältnis mit Don Giovanni hat, aus dem ein Kind hervorgeht, ist nicht nur für die Protagonisten schwierig zu gestalten, sondern wird auch durch die Musik und im Libretto widerlegt. Alles in allem ist ein Kind ein verführerischer Gedanke, der aber nicht überzeugt.

Eine gelungene Ensemble-Leistung

Die Rolleninterpretation des Don Giovanni von Uwe Schenker-Primus ist zwiespältig: Zunächst rigoros verletzend, alle sozialen und christlichen Regeln brechend, demonstriert er eine Zweiklassengesellschaft. Am Ende aber gibt er sich frustriert, deprimiert und müde seinem Schicksal hin. Uwe Schenker-Primus gibt Don Giovanni ein überlegtes, fein ausdifferenziertes Rollenprofil. Seine klangschöne Stimme schlägt den optischen Eindruck.

Heike Porstein überzeugt als Donna Anna mit ausgezeichneter Gesangstechnik. Mit lasziv langsamen Bewegungen macht sie Don Giovanni unzweideutig an. Sie verfolgt den Geliebten, um ihre erotische Begierde immer wieder zu stillen. Eine Begierde, die in ihrem Fühlen auf qualvolle Weise verhaftet bleibt. Camila Ribero-Souza singt die Donna Elvira mit einem Ausdruck von Tragik, Verzweiflung, Enttäuschung, Hoffnung. Ihr Mi tradi ist einer der sängerischen Höhepunkte dieses Abends.

Der Leporello von Alik Abdukayumov ist stimmlich potent und warm timbriert. Warum er aber jenseits materieller Notwendigkeiten bei Don Giovanni bleibt, warum er bei dessen Verführungsstreich nicht die Kleidung mit ihm tauscht und warum er sich vor den Rachsüchtigen fast angstfrei – mit beiden Händen in den Taschen – als sein Diener enttarnt, bleibt offen. Don Ottavio, ein religiös erzogener Langweiler, versucht, im Familienchaos Ordnung zu bewahren, scheitert damit aber auf fast entwürdigende Weise. Artjom Korotkov, Don Ottavio, ein Tenor mit Schmelz und Strahlkraft, war an diesem Abend bedauerlicherweise indisponiert. Die tiefe Grundierung von Daeyoung Kim, Komtur, klingt mit innerer Wucht, ist sicher geführt und auf dem Friedhof nur aus dem Off zu hören. Die Bedeutung seiner Rolle wird allerdings durch die des Kindes stark reduziert.

Zerlina und Masetto sind ein herrlich zueinander passendes Paar: Charmant gelingt es Jolana Slavikova den berechtigt beleidigten Masetto von Henry Neill auf raffiniert-diplomatische Weise zu besänftigen. Quicklebendig, mit jugendlicher Natürlichkeit und lustvollem Spiel, dennoch trotz ihrer Jugend differenziert und ausgereift, gewinnen beide die Herzen der Opernfreunde. Ivan Karabits, das Kind, spielt seine Rolle überraschend souverän und überzeugend. Zeigt sich da bereits ein Nachwuchstalent?

Unter der Leitung des ukrainischen Dirigenten Kirill Karabits spielt die Staatskapelle Weimar klangschön und rhythmisch präzise. Das Pralle, Sinnliche, Pulsierende, Prickelnde, bunt Lebendige in Mozarts Don Giovanni, das die Regie vermissen lässt, entwickelt das  Orchester in vollem Umfang.

Deutsche Nationaltheater Weimar / Don Giovanni - hier : Frauen umgarnen Don Giovanni © Candy Welz

Deutsche Nationaltheater Weimar / Don Giovanni – hier : Frauen umgarnen Don Giovanni © Candy Welz

Der Opernchor des DNT unter der Leitung von Marianna Voza lebt vom frischen, elanvollen Zugriff des Dirigenten und findet einen organisch atmenden Grundton. Frauen wie Männer – als Bräute verkleidet – umgarnen jugendlich schön und geheimnisvoll lüstern den seiner baldigen Vernichtung anheimfallenden Don Giovanni.

Die britische Bühnen- und Kostümbildnerin Tatyana van Walsum gestaltet eine offene Szene mit zeitlosen Räumen und variablen kubischen Elementen. Strukturierend wehende weiße Vorhänge erlauben wechselnde Orte. Geheimnisvolle Wolkenprojektionen unterstreichen das Geschehen. Es gibt keine Opernverkleidungen, denn die Protagonisten sehen ohnehin in ihren Wünschen, wen sie wollen, da kann Don Giovanni  sogar zu einer Puppe werden, der Donna Elvira ihre verschmähte Zärtlichkeit hingebungsvoll schenkt.

Insgesamt eine gute sängerische Ensembleleistung, die jedoch bei der Regie  einige Fragen offen lässt. Das Publikum spendete herzlichen Beifall.

Don Giovanni am DNT Weimar: Die nächsten Aufführungstermine: 20. und 30. September, 6. und 18. Oktober 2018

—| IOCO Kritik Deutsches Nationaltheater Weimar |—

 

Münster, Theater Münster, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 10.07.2018

Juli 10, 2018 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

DON GIOVANNI – Wolfgang Amadeus Mozart

Münsteraner Puppenkiste

Von Hanns Butterhof

An Münsters Großem Haus hat Christian von Götz Mozarts als Dramma goicoso bezeichnete Oper Don Giovanni als barockes Puppenspiel nahe am Kasperletheater inszeniert. Er orientiert sich bei der Personenzeichnung, den Kostümen und der Spielweise an der italienischen Commedia dell‘ arte, wobei das singende Personal zwar glänzen, die orchestrale Seite der Oper sich aber erst spät zur Geltung bringen kann.

   – Don Giovanni als barockes Puppenspiel –

Schon zur Ouvertüre scheint es von Götz darum zu gehen, dass erst einmal viel für das Auge und das Spaßbedürfnis geboten wird. In den überbordend phantasievollen Kostümen Sarah Mittenbühlers nehmen die Sängerinnen und Sänger auf einem Laufsteg vor dem Orchestergraben Platz. Sie plaudern und winken ihren Bekannten im Publikum zu, während das Bühnenbild Giorgiones „Schlummernde Venus“ zitiert (Bühne: Lukas Noll), die sich weder von dem hinter ihr aufziehenden, videogestützten Gewitter mit Blitz und Starkregen noch von der dicken Spinne beunruhigen lässt, die über sie hinwegkriecht. Schon hier in der auf ein Naturereignis heruntergedimmten Ouvertüre kommt das Orchester unter Golo Bergs flottem Dirigat gegen die optische Überwältigung kaum zur Geltung.

Theater Münster / Don Giovanni - hier : Versammelt in und vor der Puppenkiste Anna, Ottavio, Don Giovanni und Elvira mit Nina Koufochristou, Youn-Seong Shim, Filippo Bettoschi, Kristi Anna Isene © Jörg Landsberg

Theater Münster / Don Giovanni – hier : Versammelt in und vor der Puppenkiste Anna, Ottavio, Don Giovanni und Elvira mit Nina Koufochristou, Youn-Seong Shim, Filippo Bettoschi, Kristi Anna Isene © Jörg Landsberg

Das geht auch über lange Strecken der im Stil eines Puppenspiels erzählten Geschichte vom wüsten Wirken des Womanizers Don Giovanni so weiter. Die Figuren sind ironisch gebrochen und kokettieren beständig mit dem Publikum. Don Giovanni (Filippo Bettoschi) ist mit elegantem Bariton ein dauerlächelnder Luftikus, der die Damen schon mit einem Handkuss in Ohnmacht fallen lässt. Mitunter betritt er sportlich am Seil schwingend die Szene oder flüchtet von ihr. Ihn verfolgt die von ihm verlassene Donna Elvira (Kristi Anna Isene). Rachedurstig mit einem Gewehr ausgestattet tritt sie mit ihrer Zerrissenheit zwischen Enttäuschung und Hoffnung mit perlenden Koloraturen zunehmend ins Zentrum. Die riesige rote Schleife, aus der Donna Elviras wohl aus dem Stoff des Venus-Kopfkissens genähtes Kleid besteht, offenbart als Geschenkverpackung überdeutlich, dass ihr tiefes Rachebedürfnis von ihrer tieferen Hingabewilligkeit an Giovanni locker überspielt wird. Sie ist so blind vor Liebe, dass sie nicht einmal bemerkt, dass Don Giovanni sie, allerdings mit seiner wunderbar ehrlich klingenden verlogenen Arie Elvira, idole mio! erst ans Fenster lockt, und sie dann seinem Diener Leporello (Gregor Dalal) an seiner Statt unterjubelt. Auch kann sie ihre wie aus der Klimbim-Familie stammende kleine Zofe (Verena Hierholzer) nicht davor schützen, zu Don Giovannis Beute zu werden.

Auch Donna Anna (Nina Koufochristou) ist hinter Don Giovanni her, vorgeblich um ihren von diesem versehentlich getöteten Vater (Stephan Klemm) zu rächen. Aber zu lange hatte sie mit Giovanni in einer Kiste mit der Aufschrift Finger weg! gesteckt, zu theatralisch beweint und streichelt sie den aus eben dieser Kiste herausragenden Fuß des toten Komturs – der kurz darauf mit dem Schild „tot“ aus der Kiste herauskrabbelt – ,  als dass ihre Erzählung von der vereitelten Verführung glaubhaft wäre. Immerhin gelingt ihr, ihren Verlobten Don Ottavio (Youn-Song Shim) mit spitzem Racheruf und virtuoser Leidensgeste zu bewegen, die Suche nach dem Verführer aufzunehmen. Für seine Folgsamkeit belohnt sie ihn mit selbstgestrickten gelben Kniestrümpfen mit rotem Herzchen-Muster.

Der Detail-Reichtum der Szenen zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. So kommt die bäuerliche Hochzeitsgesellschaft sackhüpfend auf die Bühne. Die Braut Zerlina (Kathrin Filip) wirft sich ziemlich umstandslos Don Giovanni an den Hals, nachdem er sie auf sein Schloss eingeladen hat, und der tumbe Bräutigam Masetto (Christoph Stegemann) ist für seine Strafexpedition gegen Don Giovanni neben einer Kalaschnikow auch noch mit Panzerfäusten, Schwert und einem Sparschäler bewaffnet.

 Theater Münster / Don Giovanni - hier : Filippo Bettoschi als Don Giovanni und Kathrin Filip © Jörg Landsberg

Theater Münster / Don Giovanni – hier : Filippo Bettoschi als Don Giovanni und Kathrin Filip © Jörg Landsberg

Erst gegen das ruhiger inszenierte Ende, wenn Youn-Song Shim mit allem tenoralen Schmelz seine Arie Il mio tesoro auf einem Podestchen wie in der Londoner Speakers Corner singt, kommt die tragische Seite der Oper zur Geltung. Da wird deutlich, dass die barocken Figuren tatsächlich den Charakter von Puppen haben, nicht Herr und nicht Frau ihrer blind verfolgten Handlungsmuster sind. Sie können daran leiden, aber nichts dagegen tun, wie es exemplarisch bei Donna Elvira der Fall ist. Wo sie dagegen aufbegehren, nicht mehr das sein wollen, was sie sind, scheitern sie komisch; nicht ohne Grund ist Leporello, der mit warmem Bariton äußerst einnehmende Gregor Dalal, der Harlekin. Wer gar nicht anders will, als er muss, wie Don Giovanni, fährt nicht als Strafe in die Hölle; konsequent hat von Götz die  finale Genugtuung über die gerechte Bestrafung des Bösewichts gestrichen. Zerlina und Masetto droht unweigerlich die Ehe-Hölle.

Gesanglich ist dieser Don Giovanni auf allen Positionen richtig gut besetzt, auch der von Inna Batyuk einstudierte Chor singt und spielt im Sinne der Regie engagiert.

Theater Münster / Don Giovanni - hier : Ensemble in Spielfreude © Jörg Landsberg

Theater Münster / Don Giovanni – hier : Ensemble in Spielfreude © Jörg Landsberg

Spät, zu spät kann sich das Orchester in Übereinstimmung mit der Bühne zur Geltung bringen. Was bislang an differenziert kommentierendem Ausdruck verloren ging, lässt Golo Berg im Sinfonieorchester Münster nun vernehmlich aufleuchten. Der Farbenreichtum der Partitur, der Ernst und die Tragik werden hörbar, die auch den Menschen zukommen, die den Ausgang aus der vielleicht gar nicht selbst verschuldeten Unmündigkeit nicht finden.

Man kann an der Richtigkeit des optimistisch auf mündiger Selbstbestimmung bauenden Menschenbildes der Aufklärung durchaus seine Zweifel haben. Ob es ein Gewinn ist, diesen Zweifel im Don Giovanni barock zu inszenieren, darf mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Das Publikum spendete großen, aber nicht ungeteilten Beifall für alle Beteiligten nach gut drei Stunden italienisch gesungener, in der Felsenstein-Übersetzung übertitelter Arien und deutscher, von Boris Cepeda am Hammerklavier virtuos begleiteter Rezitative.

Don Giovanni am Theater Münster; der nächste Termin: 13.7. 2018 um 19.30 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Don Giovanni – Wolfgang Amadeus Mozart, IOCO Kritik, 22.06.2018

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 DON GIOVANNI  – Wolfgang Amadeus Mozart

– Scheitern – Als Frucht unbeugsamer Uneinsichtigkeit – 

Von Ingrid Freiberg

Der Prager Impresario Pasquale Bondini beauftragte Mozart, für einhundert Dukaten eine Oper zu schreiben: Don Giovanni, Libretto Lorenzo da Ponte, wurde 1787 im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater Prag mit großem Erfolg uraufgeführt. Die Premiere war ein großer Erfolg und mit dem lautesten Beyfall bedacht (Originalzitat Mozart!). Anders dagegen in Wien, wo die Oper ein halbes Jahr später, im kaiserlich-königlichen National-Hof-Theater Premiere hatte: Sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum wurde der Stoff als vulgär, abstrus und moralisch anrüchig empfunden.

Vor 230 Jahren – Don Giovanni –  Für einhundert Dukaten

Mozart ergründet in seiner Musik hinter der Ebene sexueller Anmache komplexe menschliche Abgründe. Es geht brutal zu, zärtlich, gemein und mitleidvoll. Don Giovanni wurde zum Urbild des skrupellosen Verführers, furchtlosen Atheisten und rebellischen Anarchisten. Rauschhafte Ekstase und seelische Abgründe fließen hier kongenial zusammen. 230 Jahre nach der Premiere ist Don Giovanni eines der großen Werke abendländischer Musikkultur.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Don Giovanni - hier : Christopher Bolduc als Don Giovanni © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Don Giovanni – hier : Christopher Bolduc als Don Giovanni © Karl Monika Forster

Der Regisseur Nicolas Brieger entscheidet sich weder für die Prager- noch für die Wiener-Fassung. Über „seinen“ Don Giovanni sagt er provokativ: Die Aufführung kommt einer Uraufführung gleich. So erklingt die für Wien nachkomponierte Arie des Don Ottavio Dalla sua pace nicht an der üblichen Stelle im ersten Akt, sondern schlüssig als Ottavios Reaktion auf die Zurückweisung durch die Verlobte Donna Anna. Das Regiekonzept betont den Konflikt zwischen Don Giovanni und dem Alter. Brieger entschied sich für eine mahnende Dauerpräsenz des Komturs, den Don Giovanni bereits zu Beginn in einem Handgemenge erschießt.

Don Giovanni – das ist kein Name, das ist ein Bekenntnis! Das Bekenntnis zu totaler Leidenschaft, Sinnlichkeit und Begehren. Er selbst empfindet nichts, setzt aber durch seine Verführungskünste in den Frauen zarte Gefühle frei. Egomanisch lustvoll bricht er Herzen und entehrt Ehemänner und Väter. Don Giovanni verführt, benutzt?  die Frauen. Nicht eine, zwei oder drei, sondern einfach alle Frauen. Er lebt vollkommen frei, ohne Moral, ohne Skrupel und ohne Gesetze, von einem Abenteuer zum nächsten. Nach der Eroberung ist vor der Eroberung. Die Anzahl der betrogenen Frauen zeigt sein Diener Leporello in Form von Tattoos, die er sich jedes Mal schmerzhaft stechen lässt, wenn Don Giovanni wieder ein Opfer gefunden hat. 1003 Spanierinnen stehen auf seinem Gemächt. Leporello trägt im wahrsten Sinne seine Haut für seinen Herrn zu Markte. Schmerzhaft sicherlich auch, wenn Don Giovanni ihm heißen Kaffee überschüttet.

Zerlina und Dügen Masetto – Hochzeit mit Migrationshintergrund

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Don Giovanni - hier : Katharina Konradi als Zerlina und Benjamin Russell als Masetto und Ensemble Foto Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Don Giovanni – hier : Katharina Konradi als Zerlina und Benjamin Russell als Masetto und Ensemble Foto Karl Monika Forster

Don Giovanni macht der verschämten türkisch anmutenden, kopftuchtragenden, Braut Zerlina den Hof. Doch bald wandelt sich Zerlina in eine laszive Verführerin, die ihm einen flüchtigen Kuss gibt… Kokett weist sie den aufgeweckt agierenden Masetto zurück, seine Eifersucht ist ihr sichtlich zuwider. Zerlina korrumpiert leichtfertig sein Ehrgefühl, seine kulturelle Herkunft. Sie ist kein Lamm, das devot seine Schläge erwartet, sie ist eine selbstbewusste junge Frau, die sich nichts vormachen lässt. Der vorgegebene Migrationshintergrund verwundert deshalb ein wenig.

Don Giovanni  – In elegantem Reifrock

Don Giovanni legt zum Fest seinen langen schwarzen Mantel ab, der an die Staubmäntel der zwielichtigen Revolvermänner im Spiel mir das Lied vom Tod, das auch kurz zitiert wird, erinnert. Als fürstlicher Gastgeber empfängt er die bäuerliche Hochzeitsgesellschaft mit großer Grandezza in der Andeutung eines Reifrocks (Verdugado = Tugendwächter). Der Ausschnitt am feminin geschnittenen Oberteil zeigt seine muskulöse Männerbrust. Mit dieser Attitüde sprengt dieser Don Giovanni die Regeln der Gesellschaft. Es ist gut nachvollziehbar, dass sein androgyner Reiz die Frauen betört…

Leporello fällt in die strafenden Hände von Zerlina. Sie fesselt ihn, den sie für Don Giovanni hält, mit den roten Bändern ihres Hochzeitskleides nackt ans (Fenster-)Kreuz und stülpt ihm ihren Slip über den Kopf. Sadistisch foltert sie ihn mit einem Skalpell zwischen seinen Beinen. Atemlos befürchtet man seine Kastration… Erst nachdem er glaubhaft versichern kann, Leporello zu sein, schneidet sie ihn wieder ab.

  Frauen zerren Don Giovanni ins Pflegeheim

Don Giovanni ist in Wiesbaden nicht allein Wüstling. Es ist auch seine Geschichte von totaler Konsequenz: Von Unbeugsamkeit, Uneinsichtigkeit bis zum Scheitern, bis zum eigenen Untergang. Nach der Ermordung des Komtur verfällt der „Triebtäter“ Don Giovanni beständig. Der „wiedererstandene“ Komtur verlangt Reue, welche Don Giovanni verweigert. Junge attraktive Frauen, zu Beginn in einem Fitnessstudio geradezu teuflisch gezeigt, zerren ihn in ein Pflegeheim zu alten siechen Männern. Beklemmende Bilder, die das letzte Tabu, die Begegnung mit Alter und Tod, berühren und vermitteln: „ Das Alter ist die Hölle…“

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Don Giovanni - hier : Christopher Bolduc als Don Giovanni am Ende © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Don Giovanni – hier : Christopher Bolduc als Don Giovanni am Ende © Karl Monika Forster

Der Dirigent Konrad Junghänel, Spezialist für historische Aufführungspraxis, präsentiert sich in geschliffener energiegeladener Bestform. Das Orchester spricht eine lebendige, aussagekräftige Sprache. Es entstehen ungewohnte Effekte, auch wenn Mozarts Requiem und Spiel mir das Lied vom Tod anklingt. Wunderbar akzentuiert lässt er höllisch aufdrehend in Abgründe blicken. Auf einem historischen Hammerflügel kommentiert Tim Hawken vortrefflich, bisweilen auch ironisierend, die Rezitative. Einzelne Effekte werden präzise herausgearbeitet, um Worte und Musik zu bereichern: Den Akteuren gelingt es, wie sehr gute Schauspieler ihren Text zu sprechen. Der Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden  unter der Leitung von Albert Horne ist auffällig präsent: darstellerisch und mit guter Diktion stimmlisch auf hohem Niveau. Der große Beifall ist hochverdient.

Ideenreich, mit hintergründigem Humor und erotisch saftigen Anspielungen gelingt es Nicolas Brieger das heitere Drama schlüssig zu erzählen. Mit großer Eindringlichkeit und moderner Erzählweise ist ihm eine neue überzeugende Fassung gelungen. Das feine Spiel mit Traum und Wahrheit wird durch Briegers Personenführung vortrefflich unterstützt. Den schauspielernden Sängern zu folgen, ist ein großes Vergnügen. Die vereinzelten Buh-Rufe für seine Regie können die Wirkung des glanzvollen Abends nicht entzaubern.

Die klassischen Handlungsplätze der Oper, dunkle Nacht, einsame Straße und lichtloser Friedhof, werden durch das Bühnenbild von Raimund Bauer ad acta geführt. Die Bühne ist hell ausgeleuchtet, in unterschiedlichen Gelbtönen gehalten – alles ist zu sehen. Schweflig-giftig, zitrusgelb, frühlingshaft grün-changierend erhellt sind Treppen, Bänke, Kammern und allerlei andere Räumlichkeiten zu sehen. Das nicht zu definierende Gebäude erlaubt auf zwei Ebenen rasche handlungsdienliche Wechsel.

Die prächtigen Kostüme von Andrea Schmidt-Futterer von Barock bis Popart unterstreichen gekonnt die ideale Besetzung. Nur sehr selten ist die Wirkung jeder einzelnen Figur so eindeutig betont.

Das Ensemble lässt Herzen höherschlagen

Christopher Bolduc spielt nicht, er ist Don Giovanni! Facettenreich gibt er den durchtriebenen Draufgänger, der ständig neue Liebesabenteuer sucht, hat Kraft und Chuzpe und verleiht der Verzweiflung des Nimmersatten Gestalt. Er ist ein intellektueller Edelmann, der seine nicht nur weibliche Umwelt berechnend manipuliert. Sein jugendlich-klangschöner Bariton, mal samtig-weich, mal bedrohlich, überzeugt.

Längst hat sich Netta Or international als Spezialistin für dramatische Koloraturrollen etabliert. Leuchtend singt sie die Donna Anna mit glänzender Klarheit bis in die höchste Tonlage. Ihr vibrato-reduzierter inniger Sopran offenbart mit wohldosierter Noblesse die Zerrissenheit zwischen der überstarken Beziehung zu ihrem Vater und der Ambivalenz zu ihrem Geliebten.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Don Giovanni -hier : Ensemble © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Don Giovanni -hier : Ensemble © Karl Monika Forster

Ioan Hotea Don Ottavio präsentiert mit auf Hochglanz polierter Belcantostimme seine beiden Tenorarien Dalla sua pace und Il mio tesoro mit silberner Glätte, lässt aber auch seine Seelenqualen deutlich werden.

Völlig unangestrengt überzeugt Young Doo Park als profunder Komtur. Unerbittlich ist er ein stets präsenter mahnender Inbegriff von Sitte und Gerechtigkeit. Die kapriziöse Heather Engebretson ist eine intensive und stimmlich über jeden Zweifel erhabene Donna Elvira. Was an Stimme, selbst an Bruststimme, aus diesem zierlichen Körper heraustritt, ist von umwerfender Wirkung. Ihr makelloser Sopran und ihre mitreißende Körpersprache passen bestens zu der facettenreichen Partie der Rächerin.

Der Leporello des substanzreichen Bassbaritons Shavleg Armasi glänzt mit Spielfreude, agilem Ton und dunkelsamtiger Fülle. Sehr souverän beherrscht er mit stimmlicher Natürlichkeit das Bühnengeschehen und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Benjamin Russell ist ein ungewöhnlich eleganter Masetto. Mit seinem früh vollendeten Bariton leistet er mit seiner kraftvollen, agilen und farbreichen Stimme Erstaunliches. Weg vom üblichen Rollenverständnis ist er differenziert, ausgereift und nuanciert.

Katharina Konradi spielt Zerlina frech und selbstbewusst. Mit charmanter Naivität und erotischer Ausstrahlung ist sie eine ideale Besetzung: Entzückend keusch und verlockend sexy. Ihr jugendlich strahlender Sopran schlägt jeden optischen Reiz. Mühelos erreicht sie jubilierende Höhen. Anrührend verzaubert sie mit lustvollem Spiel das Publikum.

 Und der Beifall wuchs zu Stürmen

Ein spannend dichter, glanzvoller Abend! Musikalisch ruft die Aufführung zu Recht große Begeisterung hervor. Der erhöhte Orchestergraben zeigt die großartigen Musiker. Das Publikum spendet minutenlangen stürmischen Applaus.

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Hamburg, Sascha Emanuel Kramer – Tenor, IOCO Interview, 03.06.2018

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

SASCHA EMANUEL KRAMER –  Im Interview

  Ein junger Tenor – Auf dem Weg nach oben

Von Rolf Brunckhorst

Studiert man die Vita von Sascha Emanuel Kramer, so reicht diese eigentlich für 3 bis 4 Personen aus. Geboren wurde er in Zürich, und schon als kleiner Junge entdeckte er während seiner Zeit in einem Knabenchor seine wahre Leidenschaft, nämlich das Singen. So war es nicht verwunderlich, daß er neben seinem Schulabschluß und dem Studium der Rechtswissenschaften (mit Auszeichnung) immer seine musikalische Ausbildung im Auge behielt. Am Tag nach Abschluß seines Studiums wurde er Mitglied des Opernstudios der Mailänder Scala. Zu seinen Lehrern zählten dort u.a. Luciana Serra und Renato Bruson. „Ich bin der Scala so unendlich dankbar dafür, was ich in dieser Zeit habe lernen können. Neben der großartigen sängerischen Betreuung war es besonders die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Stein, die mich inspiriert und gefestigt hat. Besonders fasziniert hat mich der mühelose persönliche Kontakt zu Peter Stein, der sogar ab und zu mit unserem Team nach den Proben ins nächste Restaurant steuerte“.

Sascha E. Kramer © Wolfgang Schmitt

Sascha E. Kramer © Wolfgang Schmitt

Nach seinem Scala-Debüt als Soldat in Wozzeck („Ich sang lediglich 4 Töne, die jedoch meine Welt veränderten!“,) sang Kramer den Monostatos in Peter Steins Neuinszenierung der Zauberflöte. Ab der Spielzeit 2016-17 ist Sascha Emanuel Kramer Mitglied des Internationalen Opernstudios der Hamburger Staatsoper, dies allerdings nur noch ein paar Wochen lang, dann wird Kramer Hamburg verlassen und als freiberuflicher Sänger tätig sein. Auch Hamburg wird er in guter Erinnerung behalten. Sehr gefreut hat ihn die enge Zusammenarbeit mit Kent Nagano, der ihn in der laufenden Spielzeit in diversen Produktionen eingesetzt hat. „Sehr dankbar bin ich der Hamburger Staatsoper dafür, daß sie mir bei Gastspielen nie Steine in den Weg gelegt hat. So konnte ich  in dieser Spielzeit sowohl an der neu eröffneten Nationaloper von Athen als auch an der Opéra de Toulon den Tamino in Neuinszenierungen der Zauberflöte wahrnehmen“. In Hamburg konnte er in den vergangenen beiden Spielzeiten sein Repertoire  mit dem Malcolm in Macbeth, dem Flute im Sommernachtstraum, dem Andres in Wozzeck, dem Borsa in Rigoletto, dem Kilian im Freischütz u.a. erweitern.  Zum Ende der Spielzeit übernahm und übernimmt Kramer gleich drei Hauptpartien neu. In Beethovens Fidelio debütierte er als Jaquino.

Ähnlich wie das Publikum reagierte Kramer mit Kritik an der Inszenierung. „Die Vergewaltigungsszenen sind unlogisch und machen so für mich wenig Sinn. Jaquino ist doch eigentlich verliebt in Marzelline und würde ihr so etwas nicht antun. Vielleicht ist er aber mal etwas stürmisch geworden, aber so brutal wie auf der Bühne ist die Partie sicherlich nicht gemeint. Kramer selbst erntete nur Lob für seinen Jaquino, den er mit klarer klangschöner und in allen Lagen sicherer Stimme präsentierte. Da er sich auch als gewandter Darsteller erwies, war der Publikumsjubel absolut gerechtfertigt. Als einen absoluten Höhepunkt bezeichnet Kramer die Uraufführung der Oper Frankenstein von Jan Dvorak, in der er gleich vier verschiede Rollen übernommen hat. Seine Lieblingsrolle hier ist die des Ernst Frankenstein. „Die Person des Ernst ist eigentlich eine tragische Partie. Sein kleiner Bruder Wilhelm wurde Opfer der Kreatur seines großen Bruders Viktor Frankenstein. Ernst muß sich darüber beklagen, daß er als promovierter und weithin gebildeter Mann, der eigentlich der Vorzeige-Sohn einer jeden anderen Familie gewesen wäre, von seinem Vater einfach nicht gewürdigt wird, weil dessen Interesse mehr seinem Sohn Viktor und dessen Experimenten gilt.“ In seinem Auftritt in der Rolle des Jägers kann Kramer seinem lyrischen Tenor nachdrückliche Strahlkraft abgewinnen, die beinahe schon über das rein lyrische Fach hinausweisen will. Den weiteren Partien des Maats und des jungen Fischers verlieh Kramer mit einem Augenzwinkern einen etwas ironischen Beigeschmack. Die Kapitänsszene war ein wahres Vergnügen. Kramers Stimme paßte sich allen Partien und Stimmungen mühelos an. Als drittes Rollendebüt in kurzer Zeit übernimmt Kramer in der Premiere am 29. Juni die Tenorpartie in der Barockoper Miriways von Georg Phillipp Telemann, von der er selber sagt: „Ich mag Barockopern, ich habe drei sehr schöne Arien zu singen, die von der Testitur her zwar relativ zentral liegen. In der furiosen Schlussarie kommen dann aber auch für Barockopern ansonsten ungewöhnliche Höhen dazu – eine insgesamt schöne Partie!“ Der Premiere folgen noch sechs weitere Vorstellungen,  alle in der Opera Stabile. Mit einem Ausflug an die Oper von Shanghai, wo er den Tamino in der Jugend-Version der Zauberflöte („Erzittre Du feiger Bösewicht“) endet dann Kramers Hamburger Engagement.

Gerade rechtzeitig für dieses Interview hat er aufregende Nachrichten für seine Zukunft zu vermelden: Am Teatro Comunale di Bologna wird er erneut den Jaquino singen, Konzerte mit dem Klangforum Wien („Das Lied von der Erde“) führen ihn dieses Jahr noch nach Wien, Brüssel und wieder in die Hansestadt. An der Opéra de Bordeaux wird der Dirigent und GMD Marc Minkowski zudem Mozarts drei Da-Ponte-Opern als Zyklus innerhalb einer Woche aufführen, Kramer soll hierbei die Partien des Ferrandos (Cosi fan tutte), Don Ottavios (Don Giovanni) sowie des Don Basilios (Le Nozze di Figaro) übernehmen. Mehrere auswärtige Gastspiele (u.a. Japan) sind ebenfalls schon geplant. „Ich habe mir immer gewünscht, Mozart unter Herrn Minkowski singen zu dürfen. Mozart ist ohnehin zur Zeit perfekt für meine Stimme, und ich möchte unbedingt noch den Idomeneo und vor allem den Titus singen.“ Der erste Wunsch hat sich inzwischen erfüllt. Zu gönnen wäre es Sascha Emanuel Kramer, wenn sich seine Rollenwünsche auch in Zukunft verwirklichen würden.

—| IOCO Interview Staatsoper Hamburg |—                                                                                                       

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