Köln, Oper Köln, Premiere Carmen, 10.11.2019

November 4, 2019 by  
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Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Premiere von »Carmen« am Sonntag, den 10. November 2019 um 18:00 Uhr
im StaatenHaus, Saal 1

mit der Neuproduktion von George Bizets »Carmen« widmet sich Regisseurin Lydia Steier nach ihrem »Turandot«-Erfolg an der Oper Köln erneut einer starken, unangepassten Frauengestalt. Die verführerische Carmen verkörpert viele Leidenschaften, aber auch Projektionen: Liebe, Erotik, Freiheit, aber auch Kriminalität und schließlich der Tod gehören zu ihrem Leben. Bizet verbindet diese ergreifende Geschichte mit einigen der heute berühmtesten Melodien der Operngeschichte. Für die Neuproduktion an der Oper Köln konnte der französische Dirigent und Bizet – Experte Claude Schnitzler gewonnen werden. Adriana Bastidas-Gamboa, herausragendes Ensemble-Mitglied der Oper Köln, debütiert in der Rolle der Carmen. Ihr zur Seite steht Martin Muehle in der Rolle des Don José. Der brasilianische Tenor ist dem Kölner Publikum als Kalaf in Turandot in bester Erinnerung! Oliver Zwarg, zuletzt als Gilles de Rais in »Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna« und als Frank Maurrant in Kurt Weills »Street Scene« an der Oper Köln zu sehen, wird den Escamillo geben.

Besetzung
Musikalische Leitung Claude Schnitzler / Gabriel Feltz (17., 20., 22., 26. und 28.12.2019 / 2., 5.
und 7.1.2020) / Arnaud Arbet (13. und 15.12.2019)
Inszenierung Lydia Steier
Bühne Momme Hinrichs (fettFilm)
Kostüme Gianluca Falaschi
Licht Andreas Grüter
Chor Rustam Samedov
Dramaturgie Birgit Meyer

Mit
Carmen › Adriana Bastidas-Gamboa / Rihab Chaieb / Stéphanie D‘Oustrac
Don José › Martin Muehle / Dmytro Popov / Young Woo Kim
Micaëla › Ivana Rusko / Claudia Rohrbach / Julia Novikova
Escamillo › Oliver Zwarg / Samuel Youn / Kostas Smoriginas / Erwin Schrott
Zuniga › Matthias Hoffmann / Lucas Singer / Thomas Faulkner
Frasquita › Alina Wunderlin / Ye Eun Choi
Mercédès › Arnhei?ur Eiríksdóttir / Regina Richter
Le Dancaïre › Miljenko Turk / Stefan Hadži?
Le Remendado › Alexander Fedin / Anton Kuzenok
Chor und Extrachor der Oper Köln
Mädchen und Knaben des Kölner Domchores / Schüler des Mittelstufenchores am
Max Ernst Gymnasium Brühl
Gürzenich-Orchester Köln

Weitere Vorstellungen
Do, 14. November › 19:30 Uhr
So, 17. November › 18:00 Uhr
Mi, 20. November › 19:30 Uhr
Sa, 23. November › 19:30 Uhr
Do, 28. November › 19:30 Uhr
So, 01. Dezember › 18:00 Uhr
Mi, 04. Dezember › 19:30 Uhr
Sa, 07. Dezember › 19:30 Uhr
Fr, 13. Dezember › 19:30 Uhr
So, 15. Dezember › 18:00 Uhr
Di, 17. Dezember › 19:30 Uhr
Fr, 20. Dezember › 19:30 Uhr
So, 22. Dezember › 16:00 Uhr
Do, 26. Dezember › 16:00 Uhr
Sa, 28. Dezember › 19:30 Uhr
Do, 02. Januar › 19:30 Uhr
So, 05. Januar › 16:00 Uhr
Di, 07. Januar › 19:30 Uhr (letzte Aufführung)

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Köln, Oper Köln, Rusalka – Antonin Dvorak, 10.03.2019

Januar 31, 2019 by  
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Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Rusalka –  Antonín Dvorák

Premiere am 10. März 2019

Antonín Dvoráks 1901 in Prag uraufgeführte Märchenoper nimmt – so anrührend und pessimistisch ihre Handlung auch ist – durch berückende Stimmungsmalerei, ihren Reichtum an farbigen Melodien und große dramatische Wirkung für sich ein. Mit Rusalka gelang es Dvorák endlich auch seinen großen bühnendramatischen Impuls unter Beweis zu stellen.
Der musikalische Leiter Christoph Gedschold hat in jüngerer Zeit durch maßstabsetzende musikalische Interpretationen, u.a. an der Oper Frankfurt, auf sich aufmerksam gemacht. Regisseurin Nadja Loschky, Götz-Friedrich-Preisträgerin, ist eine der gefragtesten jungen Regisseurinnen.

Diese hochkarätig besetzte Produktion ist eine Kölner Erstaufführung. Die an allen großen Opernbühnen gefeierte Sopranistin Olesya Golovneva ist dem Kölner Publikum durch zahlreiche Interpretationen, u.a. als Violetta und Anna Bolena ein fester Begriff. Ihr zur Seite steht Mirko Roschkowski als Prinz. Der gefragte Tenor, mittlerweile u.a. als Lohengrin im Wagner-Fach angekommen, war zuletzt als Alfred in Strauß‘ Fledermaus an der Oper Köln zu erleben. Adriana Bastidas-Gamboa, Ensemblemitglied, verkörpert die fremde Fürstin, Samuel Youn, ebenfalls Ensemblemitglied und zugleich ein weltweit gefragter Bassbariton, wird den Wassermann geben.


Rusalka (Premiere)
So., 10. März › 18:00 Uhr
StaatenHaus, Saal 2

Besetzung:  Musikalische Leitung Christoph Gedschold, Inszenierung Nadja Loschky, Bühne Ulrich Leitner, Kostüme Irina Spreckelmeyer, Licht Nicol Hungsberg, Chorleitung Rustam Samedov, Dramaturgie Yvonne Gebauer, Georg Kehren

Mit:  Der Prinz › Mirko Roschkowski / Jeongki Cho / Dmytro Popov, Die fremde Fürstin › Adriana Bastidas-Gamboa, Rusalka › Olesya Golovneva / Ivana Rusko, Der Wassermann › Samuel Youn, Die Hexe › Dalia Schaechter, Der Heger › Insik Choi / Wolfgang Stefan Schwaiger, Der Küchenjunge › Vero Miller, 1. Elfe › Emily Hindrichs / Veronika Lee, 2. Elfe › Regina Richter, 3. Elfe › Judith Thielsen, Ein Jäger › Hoeup Choi, Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln

Premiere am 10. März 2019,   Weitere Vorstellungen, Mi, 13. März › 19:30 Uhr, Sa, 16. März › 19:30 Uhr, Fr, 22. März › 19:30 Uhr, So, 24. März › 16:00 Uhr, Do, 28. März › 19:30 Uhr, Sa, 30. März › 19:30 Uhr, Mi, 03. April › 19:30 Uhr, Fr, 05. April › 19:30 Uhr, So, 07. April › 18:00 Uhr

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Messa da Requiem – Interpretation Calixto Bieito, 08.01.2019

Januar 4, 2019 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Messa da Requiem – Giuseppe Verdi

Die Messa da Requiem von Giuseppe Verdi in der szenischen Interpretation von Calixto Bieito ist ab dem 8. Januar 2019 in vier Vorstellungen wieder an der Staatsoper Hamburg zu erleben. Mit Maria Bengtsson, Nadezhda Karyazina, Dmytro Popov und Gábor Bretz gibt es ein Wiedersehen mit der Premierenbesetzung der Solistinnen und Solisten vom März 2018. Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters gibt Paolo Arrivabeni sein Hamburg-Debüt.

Libera me. Errette mich. Befreie mich, Herr, vom ewigen Tode: Das Individuum schreit. Vor ihm erstreckt sich die Bilanz seines Lebens. Abgründe des Nichts. Verdis „größte Oper“ konfrontiert den Menschen mit sich und seinem Schicksal – eine Grenzerfahrung, denn das Individuum steht dem Absoluten in Gestalt des Todes gegenüber. Als Realist des Musiktheaters erfindet Verdi die Wirklichkeit mit allen Mitteln der Kunst; von den Schrecken des Jüngsten Gerichts im Dies irae bis zum hoffnungsvollen Bitten im Libera me, mit dem er seine Totenmesse in Abweichung von der liturgischen Konvention vollendet. Katharsis. Erlösung. Auferstehung. Der Einzelne geht in der Gemeinschaft auf. Das Kollektiv verkündet: Requiem æternam. Ewige Ruhe gib ihnen, Herr Gott, und ewiges Licht leuchte ihnen.

Giuseppe Verdi  –  Messa da Requiem

Musikalische Leitung: Paolo Arrivabeni (Hamburg-Debüt), Inszenierung: Calixto Bieito, Bühne: Susanne Gschwender, Kostüme: Anja Rabes, Licht: Franck Evin, Dramaturgie: Janina Zell, Chor: Eberhard Friedrich

Sopran Maria Bengtsson, Mezzosopran Nadezhda Karyazina, Tenor Dmytro Popov, Bass Gábor Bretz, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

In lateinischer Sprache mit deutschen und englischen Übertexten, Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper

Vorstellungen am 8., 12., 15. und 18. Januar 2019 jeweils um 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Staatsoper Hamburg |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Messa da Requiem von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 10.03.2018

März 12, 2018 by  
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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

 

  Messa da Requiem  von Giuseppe Verdi

 – Bilanz des Lebens in fesselnden Bildern –

Von Patrik Klein

Am Ende steht das Nichts und absolute Dunkelheit

Der trauernden Mutter (grandios gesungen und gespielt von der schwedischen Sopranistin Maria Bengtsson) bleibt nur die Hoffnung. Im erschütternden Finale verweilt sie ganz allein im Lichtkegel des letzten, einsamen Scheinwerfers. Die Hände der Chormitglieder lugen am Boden aus den Grabkammern, bevor das Licht gänzlich erlöscht. Der faszinierte, berührte, betroffene Zuhörer und Zuschauer durchlebte bis dahin ein intimes, fesselndes,  atemberaubendes Psychogramm vier trauernder Menschen.

Hamburger Staatsoper / Messa da Requiem - hier Finale mit Maria Bengtsson, Solisten und Chor der Staatsoper Hamburg © Brinckhoff / Mögenburg

Hamburger Staatsoper / Messa da Requiem – hier Finale mit Maria Bengtsson, Solisten und Chor der Staatsoper Hamburg © Brinckhoff / Mögenburg

 Die Premiere von Verdis Messa da Requiem leitet die Italienischen Wochen an der Staatsoper Hamburg ein. In den kommenden Wochen gibt man neben dieser neuen auch altbewährte Produktionen wie Verdis La Traviata, Rigoletto, Aida, Puccinis Tosca und Madame Butterfly. Mit besonders hochkarätigen Besetzungen möchte man lokal wie international musikalische und künstlerische Akzente setzen.

Nachdem Calixto Bieito, der eng verbunden ist mit dem Intendanten der Staatsoper Hamburg Georges Delnon, vor etwa einem Jahr eine sehr umstrittene Inszenierung von Verdis Otello von Basel nach Hamburg adaptierte, macht er nun den ungewöhnlichen Versuch, den italienischen Meister mit seinem finalen Werk musikalisch und szenisch darzustellen. Damit führt man die Reihe ungewöhnlicher Interpretationen nahtlos fort, nachdem John Neumeier Bachs Matthäuspassion‘ (Staatsoper und St. Michaeliskirche Hamburg), Romeo Castellucci Bachs Johannispassion (Deichtorhallen Hamburg) und Calixto Bieito Benjamin Brittens War Requiem (in Basel) bereits szenisch umsetzten.

Unter der musikalischen Leitung von Kevin John Edusei, in dem Bühnenbild von Susanne Gschwender, den Kostümen von Anja Rabes, dem Licht von Franck Evin, mit namhaften Solisten und dem Chor(Einstudierung Eberhard Friedrich) und Orchester der Staatsoper Hamburg gelingt dies sehr eindringlich, mit großen Emotionen, wundervoller Musik und nachdenklich stimmenden, großartigen Bildern.

Die Uraufführung des Requiem von Giuseppe Verdi fand am 22. Mai 1874 in der Kirche San Marco zu Mailand statt. Mit dem originalen Titelzusatz „Per l’anniversario della morte di Alessandro Manzoni XXII Maggio MDCCCLXXIV“ bezieht sich Verdi auf den von ihm zutiefst verehrten 1873 verstorbenen Dichter Alessandro Manzoni, der eine hochangesehene Identifikationsfigur des Risorgimento war, der italienischen Nationalbewegung, deren Vertreter auch Verdi selbst gewesen ist.

Schon im gleichen Jahr führte Verdi das Werk in Paris auf und brachte es 1875 auch nach London und Wien. Die Erstaufführungen in Deutschland fanden im Dezember 1875 in Köln und in München statt, kurz darauf folgte die Erstaufführung in der Dresdner Semperoper.

Wegen des Widmungsträgers bezeichnete man einst Verdis Messa da Requiem als Manzoni-Requiem. Der Begriff war vor allem im deutschen Raum in den Jahren nach den ersten Aufführungen geläufig, wurde jedoch bereits im 20. Jh. nicht mehr verwendet. Umgangssprachlich bedient man sich heute der Bezeichnung Verdi-Requiem, während für Konzertankündigungen häufig der Originaltitel Messa da Requiem eingesetzt wird.

Verdis Messa da Requiem ist, wie Berlioz’ Grande Messe des Morts und Brahms’ Ein deutsches Requiem, ein Requiem, das nicht mehr für den liturgischen Gebrauch, sondern allein für konzertante Aufführungen geschrieben wurde; daher wird es oft ironisch als Verdis beste Oper bezeichnet.

Der Text und der Ablaufplan des Werkes entsprechen fast durchgehend der römisch-katholischen Liturgie des Totengottesdienstes. Es gibt nur wenige Abweichungen davon. Verdi verzichtete nur auf die Vertonung von Graduale und Tractus, fügte jedoch das Responsorium Libera me hinzu. Die Besetzung entspricht einem Opernorchester (ähnlich groß besetzt wie bei seiner Oper Don Carlos) mit vier Solisten (Sopran Maria Bengtsson, Mezzosopran Nadezhda Karyazina, Tenor Dmytro Popov, Bass Gábor Bretz) und dem vierstimmigen oft mehrfach geteilten Chor.

Hamburger Staatsoper / Messa da Requiem - hier Finale mit Maria Bengtsson, Solisten und Chor der Staatsoper Hamburg © Brinckhoff / Mögenburg

Hamburger Staatsoper / Messa da Requiem – hier Finale mit Maria Bengtsson, Solisten und Chor der Staatsoper Hamburg © Brinckhoff / Mögenburg

Man bereitete sich intensiv vor an der Staatsoper. Der Chor der Staatsoper Hamburg studierte seit beinahe einem Jahr die 80minütige Totenmesse in lateinischer Sprache auswendig, um zu einem wesentlichen Element der Inszenierung zu reifen. Wochenlang erarbeitete man zusammen mit dem Regieteam um Calixto Bieito die szenische und musikalische Umsetzung. Bei den Proben ging man an den körperlichen Einsatz im Grenzbereich und entwickelte gemeinsam die Umsetzung der extremen musikalischen Emotionen in plausible Bilder und Handlungsweisen. In dieser Auseinandersetzung mit der Musik und dem Tod wurden der Chor und die Figuren in den Mittelpunkt gerückt. Die Auseinandersetzung mit dem Tod in unserer modernen Welt wurde sehr persönlich in den langen Proben individuell entwickelt und zu einem farben- und kontrastreichen Kaleidoskop zusammengesetzt. Dabei fühlt sich der Betrachter mitgenommen auf eine Fahrt über einen südeuropäischen Friedhof, der durch markante Grabformen und -kammern charakterisiert ist. Unwillkürlich befragt man sich selbst: „Was würde ich mit auf den Friedhof bringen?“ „Wie stelle ich mir den Tod vor?“

Geprägt durch Hoffnung, Wut, Reue, Aggression und Angst lenkt Bieito verschiedene situative Blicke auf die sieben großen Werkteile des Verdi Requiems. Verdi machte keine Vorgabe über die Relationen der Solisten zueinander. Aus den Rollen als Kommentatoren, Beobachtern, Erzählern und Paaren entstehen Menschen mit persönlichen Geschichten, die sogar eine Handlung daraus entwickeln. Es geht dabei um die Trauer zweier Paare (Bass und Sopran; Mezzosopran und Tenor), die den Verlust eines lieben Menschen erfahren; zum Beispiel eine Mutter, die ihr Kind durch einen Autounfall verliert. Sie gibt sich selbst die Schuld an dem Unfall, weil sie das Kind losgeschickt hat. Ihr Mann sagt sie nicht gänzlich von der Schuld frei. Auf jeden Fall schaffen sie es beide nicht mehr, normal miteinander zu leben und gehen daran auf verschiedene Weise zu Grunde. In der wunderbaren Musik Verdis findet man leicht für sich ganz individuelle Berührungspunkte, die mit Hoffnung und einem Ausblick auf die Ewigkeit eng verbunden sind.

Hamburger Staatsoper / Messa da Requiem - hier Anfangsszene; Nadezhda Karyazina, Dmytro Popov, Maria Bengtsson, Gábor Bretz, Chor der Staatsoper Hamburg © Brinckhoff / Mögenburg

Hamburger Staatsoper / Messa da Requiem – hier Anfangsszene; Nadezhda Karyazina, Dmytro Popov, Maria Bengtsson, Gábor Bretz, Chor der Staatsoper Hamburg © Brinckhoff / Mögenburg

Calixto Bieito kommt mit sechs großen hölzernen, beweglichen, bühnenausfüllenden Gestellen, Grabkammern eines südeuropäischen Friedhofes aus, die sich nach Belieben verschieben und sogar kippen lassen. Der Chor, die Statisten und die vier Solisten sind moderne Menschen in bunter Kleidung, die in einer beweglichen Choreografie die sieben Teile des Verdi Requiems darstellen. Sie erzählen ihre Geschichte von Tod, Trauer und Verzweiflung. Die Betrauerten sind ihre Kinder, die im Hintergrund in Erinnerung mit Bällen spielen, die alte Mutter, die als Geist zwischen den Gestellen über die Bühne schleicht. Der Chor wirkt als eine Art emotionale Verstärkung oder auch als eine Art Antwort aus dem Jenseits. Hoffnung gebend, Bedrohung darstellend, beim Dies Irae den Zorn eingebend; dann sich in den großen Grabfächern versteckend, Leichen herausziehend und zum Ende hin nur noch die Hände aus dem mittlerweile abgesenkten Grabgestell reckend.

Der Chor der Staatsoper Hamburg (Einstudierung Eberhard Friedrich) soll an dieser Stelle ganz besondere lobende Erwähnung finden, denn diese ungewöhnliche szenische Darstellung des ansonsten konzertant mit Notenblättern vor Augen aufgeführten Werkes fordert die Mitglieder ganz besonders. Wenn sich zum Beispiel der Chor schützend oder ein andermal bedrohend und bestrafend um die Sopranistin schart, auf den Knien rutscht oder gar gänzlich in den Grabkammern verschwindet und dabei noch sauber und präzise, formschön und ausdrucksstark die Emotionen in Verdis Musik auslotet und verständlich über die Rampe bringt. Vorzüglich gelingt das auch im vierten Teil im doppelchörigen Sanctus, wo die Chormitglieder aus dem flach liegenden Grabgestell aus ihren Kammern steigen, die vier Solisten verzweifelt an den Aufhängungsseilen des Gestells ziehen, die Sopranistin herzzerreisend in ihr Solo übergeht und schließlich alle um Erlösung flehen. Bevor das Licht ausgeht und die Sopranistin verbleibt, ziehen sie sich bis auf die aus den Gräbern herausragenden Hände zurück. Lang anhaltende Stille in der Staatsoper, bis der junge Dirigent Kevin John Edusei den Taktstock niederlegt.

 

Hamburger Staatsoper / Messa da Requiem - hierMaria Bengtsson umringt von Statisten und Chormitgliedern der Staatsoper Hamburg © Brinckhoff / Mögenburg

Hamburger Staatsoper / Messa da Requiem – hierMaria Bengtsson umringt von Statisten und Chormitgliedern der Staatsoper Hamburg © Brinckhoff / Mögenburg

 Ganz wunderbar spielen und singen die Solisten: Allen voran die schwedische Sopranistin Maria Bengtsson,  international bekannt und erfolgreich an den großen Bühnen in Berlin, Dresden, Wien , Frankfurt, Salzburg und London. Ihre Interpretation ist Weltklasse, wenn sie ihren feinen und samtigen Sopran mit ganz leicht dunkler Färbung für ihre berührenden Emotionen erklingen lässt. Sie überzeugt in allen Facetten ihrer Gesangs- und Schauspielkunst. Die russische Mezzosopranistin Nadezhda Karyazina ist seit 2015 Ensemblemitglied der Staatsoper Hamburg und hat hier bereits einiges Aufsehen erregt in Partien wie Mercédès (Carmen), Maddalena (Rigoletto), Emilia (Otello), Suzuki (Madama Butterfly), Kontschakowna (Fürst Igor), Pauline (Pique Dame), Rosina (Il Barbiere di Siviglia) und Hänsel (Hänsel und Gretel). Mit schön dunkel gefärbtem Mezzo gestaltet sie ihre Rolle souverän und ausdrucksstark, wird dem mörderischen Tonumfang der Partie eindrucksvoll gerecht, lediglich ein paar winzige flackernde Momente in den oberen Registern sind gelegentlich zu hören. Oft liegt sie wunderbar wie ein dunkler Schatten musikalisch unter dem Sopran. Der ukrainische Tenor Dmytro Popov,  der an der Hamburgischen Staatsoper bereits den Don José in Carmen und Alfredo in La Traviata sang, ist gefragter Gast an renommierten Opernhäusern wie dem Royal Opera House Covent Garden in London, der Metropolitan Opera New York, der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper in München, der Oper Stuttgart, der Semperoper in Dresden, der Wiener Staatsoper und dem Opernhaus Zürich. Er singt seine Partie mit klanglich schöner lyrischer Stimme, etwas eng geführt, aber mit schön gebundenen Phrasierungen eindrucksvoll und selbstbewusst. Der in Budapest geborene und international bekannte Bass Gábor Bretz, der dem Hamburger Publikum noch in Erinnerung sein dürfte mit  der Interpretation des Phillipe II in Don Carlos unter der musikalischen Leitung von Renato Palumbo in der überregional beachteten Produktion von Peter Konwitschny, gibt den leidenden und nicht vorwurfsfreien Ehemann der Sopranistin. Sein sicher geführter, gut fokussierter Bass leuchtet dunkel umhüllt mit strahlendem Kern und strömenden Legato. Es gelingt ihm besonders gut, seine vorhandene Schwärze in der Stimme zurückzunehmen und Verdis gewünschten Farbreduzierungen gerecht zu werden. Mühelos meistert er die Anforderungen seiner Partie.

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter dem fabelhaften Dirigenten Kevin John Edusei, der zu den herausragenden Dirigenten der jungen Generation zählt, spielt Verdis Musik mit großer Leidenschaft. Als viel beachteter Chefdirigent der Münchner Symphoniker und seit Beginn der Spielzeit 2015/16 als Chefdirigent am Konzert Theater Bern folgen die Musiker bereitwillig und äußerst aufmerksam  seiner berührenden Interpretation von Verdis letztem Werk. Anders als in Verdis Opern muss man die musikalischen Färbungen zurückhalten, was Kevin John Edusei in ganz hervorragender Weise gelingt. Schnörkellos und geradlinig erscheinen seine Tempi, raumfüllend und satt mit wunderbarer Dynamik die bekannten Stellen des Dies Irae, den Chor und die Solisten nie abdeckend. Die drei Stellen des Dies Irea sind aus der Musik des Otellos entwickelt und musikalisch wie ein Michelangelo gemalt. Mit wunderbar trockenen Schlägen setzt das Orchester dies beinahe so, wie in der berühmten Aufnahme mit Toscanini von 1951 um. Die seufzenden Klarinetten im Rex tremendea ähneln ganz wunderbar der Musik aus Verdis Don Carlos. Die leisen Stellen geraten ganz besonders feinfühlig und stimmungsvoll. Auch beim Recordare gelingt ihm die klangliche und musikalische Feinabstimmung zwischen den Solisten ganz besonders erfüllend. Berührend beim Lux aeterna, wo alle Todesszenen aus Verdis verschiedenen Opern in einer Szene zusammengefasst werden und das niederschmetternde Finale im Responsorium eingeleitet wird. Selten hat man das Orchester in der nicht unkomplizierten Akustik des Opernhauses so inspiriert wahrgenommen.

Das Premierenpublikum reagierte anfänglich mit Stille und Betroffenheit dem frenetischer Applaus und Bravorufen für alle Mitwirkenden folgte, besonders für den Chor der Staatsoper Hamburg. Wenige Buh-Rufe für Regisseur Calixto Bieito lächelt dieser angemessen höflich weg.  Messa da Requiem: Ein großartiger Abend in der Staatsoper Hamburg.

Messa da Requiem an der Staatsoper Hamburg: Weitere Vorstellungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte sind am 14.3., 17.3., 20.3., 23.3., 27.3., 31.3.2018

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—