Bremen, Theater Bremen, Der Rosenkavalier – Richard Strauss, IOCO Kritik, 22.09.2019

September 23, 2019 by  
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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Der Rosenkavalier – Richard Strauss

– Die Einsamkeit von Frauen inmitten männlichem  Machogehabe –

von Thomas Birkhahn

„Kömodie und Tragödie sind sich sehr ähnlich. Der Unterschied ist nur, ob man mit den leidenden Protagonisten mitfühlt oder ob man sie distanziert betrachtet“, wusste schon der  englische Kultschauspieler John Cleese.

Im neuen  Rosenkavalier des Theater Bremen, dieser „Komödie für Musik“, ist für Regisseur Frank Hilbrich das Mitfühlen mit den beiden Frauenfiguren zentral. Daher bekommen wir auch keine Komödie zu sehen, sondern ein Seelendrama, welches in Zeiten von MeToo hochaktuell ist.

Hilbrich macht aus dem groß besetzten und oftmals mit viel Statisterie und prunkvollen Bühnenbildern inszenierten Rosenkavalier ein auf wenige Personen reduziertes Kammerspiel, in dem viele Nebenfiguren komplett gestrichen sind (dazu später mehr). Das Drama wird ganz auf das für Hilbrich Wesentliche reduziert: Die Einsamkeit der weiblichen Protagonisten und ihr Kampf gegen männliche Dominanz im Ringen um Macht und Sex.

Theater Bremen / Der Rosenkavalier - hier : Patrick Zielke als Baron Ochs auf Lerchenau und  Nerita Pokvytyte als Tochter Sophie © Joerg Landsberg

Theater Bremen / Der Rosenkavalier – hier : Patrick Zielke als Baron Ochs auf Lerchenau und  Nerita Pokvytyte als Tochter Sophie © Joerg Landsberg

Schon ein kurzer Blick auf das Bühnenbild von Sebastian Hannak verdeutlicht dem Zuschauer, dass es diesem Regieteam nicht darum geht, eine Revue Wiener Lokalkolorits mit barockem Pomp zu inszenieren. Es ist ganz in schwarz-weiß gehalten und besteht aus mehreren ineinander geschobenen Ebenen, die den gesamten Bühnenraum rahmenartig umschließen. Dadurch wird die Spielfläche für die Darsteller sehr klein. Werden die Rahmen jedoch auseinander gezogen, vergrößert sich die Bühne, und die Darsteller können aus dem engen Raum heraustreten.

Schon zu Beginn des Dramas wird deutlich, dass die Marschallin und Oktavian nicht zusammen passen. Eine erste Entfremdung setzt sehr früh nach ihrer Liebesnacht ein. „Er muss nicht alles wissen“ singt die Marschallin, zum Leidwesen Oktavians, dessen jugendliches Draufgängertum sehr überzeugend von Natalie Mittelbach verkörpert wird. Spätestens hier ahnt man, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Die Regie arbeitet sehr überzeugend heraus, dass die Marschallin eine zutiefst unglückliche Frau ist, deren Erlebniswelt sich stark von der ihres jugendlichen Liebhabers unterscheidet. Sein Interesse an ihr ist überwiegend sexueller Natur. Schon nach gemeinsamen Frühstück mehren sich die Anzeichen, dass die beiden aneinander vorbei reden, und die Vertrautheit schwindet.

Der Baron Ochs auf Lerchenau, in vielen Inszenierungen die komödiantische Figur des Stückes schlechthin, hat in dieser Inszenierung nichts Täppisches oder Gemütliches an sich. Er wird sehr überzeugend von Patrick Zielke als sexbesessener Rüpel gespielt, der im zweiten Akt auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückschreckt. Man mag diesen Ochs schockierend finden, aber Hilbrich hat das Textbuch sehr genau gelesen und ist zu Recht der Ansicht, dass die gewaltsamen sexuellen Eroberungen, mit denen sich Ochs brüstet („und welche [Frauen] – da gilt’s, wie ein Luchs hinterm Rücken heran und den Melkstuhl gepackt, dass sie taumelt und hinschlägt!“) nicht lustig sind. Dies ist ein gefährlicher Ochs, dem man unter keinen Umständen alleine im Dunkeln begegnen möchte.

Die Lever-Szene – in der üblicherweise der Zuschauer durch die vielen auftretenden Nebenfiguren auch etwas „fürs Auge“ bekommt – ist stark gekürzt, und sämtliche Nebenfiguren (Tierhändler, Notar, Modistin, die drei Waisen, Friseur, Valzacchi, Haushofmeister, Gehilfen) sind gestrichen. Was bleibt, ist das Wesentliche: die Tenor-Arie, die den Stimmungsumschwung bei der Marschallin einleitet.

Theater Bremen / Der Rosenkavalier - hier : Nadine Lehner als Marschallin und Luis Olivares Sandoval © Joerg Landsberg

Theater Bremen / Der Rosenkavalier – hier : Nadine Lehner als Marschallin und Luis Olivares Sandoval © Joerg Landsberg

Und hier zeigt sich zum ersten Mal eine Besonderheit dieser Regie, denn die Tenor-Arie wird von derselben Figur gesungen wie die nicht gestrichenen Passagen der Annina, des Frisörs und des Wirts. Hilbrich hat quasi eine neue Figur geschaffen, die ständig präsent ist und die Handlung vorantreibt. Mal schlüpft sie fremde Rollen, mal schleicht sie unauffällig am Rande des Geschehens umher. Sie ist so etwas wie die heimliche Hauptfigur des Stückes, und wird von Luis Olivares Sandoval mit großartiger Geheimnistuerei gespielt. Nennen wir ihn einfach den „Strippenzieher“.

Dieser hält der Marschallin einen Spiegel vor, siehe Foto. Es ist  gut inszeniert, wie die Marschallin sich dadurch ihrer Vergänglichkeit und Einsamkeit mit unerbittlicher Gewissheit bewusst wird. Sie blickt zurück auf ihr Leben und wünscht sich, dass vieles anders verlaufen wäre. Nadine Lehner spielt und singt eine Marschallin, der man ihre Ängste und Seelenqualen in jedem Moment abnimmt. Ihre Feststellung, dass sie „ein altes Weib“ geworden ist, sorgt für große Bestürzung beim Zuschauer.

Man darf hier fragen, inwieweit es den Intentionen von Strauss und Hoffmannsthal widerspricht, wenn eine Figur vier Partien verkörpert bzw. eine ganz neue Figur erschaffen wird. Werkgetreu ist es zumindest nicht. Andererseits ist die Figur des Strippenziehers ja schon im Duo Valzacchi und Annina angelegt, und die Regie hat sie „nur“ noch erweitert, quasi deren Einflussbereich vergrößert.

Nach der Lever-Szene ist zwischen der Marschallin und Oktavian nichts mehr wie es war. Sie finden nicht mehr zueiander. Die Regie macht die Einsamkeit der Marschallin überzeugend deutlich. Oktavian hat eine Fremde vor sich, die sein Verlangen nach ihr nicht mehr erwidert. Das Ende ihrer Beziehung ist nah.

Dem Regie-Konzept folgend, ist im zweiten Akt die Figur der Marianne gestrichen. Eine naiv-kindliche, in unschuldiges Weiß gekleidete Sophie erwartet ganz allein ihren Zukünftigen. Nach ihren Verrenkungen zu urteilen hat sie anscheinend nicht nur die Klosterschule, sondern auch die Ballettschule besucht.

Wenige Inszenierungen machen in der nun folgenden ersten Begegnung zwischen Sophie und Oktavian dem Zuschauer deutlich, dass Oktavian gar nicht gefragt wurde, ob er die Rolle des Rosenkavaliers überhaupt übernehmen möchte. Bei Hilbrich möchte er eindeutig nicht, er muss vom Strippenzieher regelrecht durch die Wand gestossen werden, und übergibt Sophie eher lustlos eine rote Rose.

Die nun entbrennende Liebe zwischen den beiden ist eindringlich dargestellt. Für beide ist diese Begegnung ein Schock, der in ihre bisher geordnete Welt einbricht, denn sie sind zum ersten Mal verliebt.

Da wir Ochs im ersten Akt schon zur Genüge kennen gelernt haben, verwundert es jetzt nicht mehr, dass er Sophie drangsaliert, sie erst gegen eine Wand stößt und später über den Boden zerrt, um sie gefügig zu machen. Sein gewaltsamer Umgang mit ihr mag abstoßen und hat auch nichts mit einer Komödie zu tun, aber auch hier hat die Regie sehr genau gelesen. Dass eine Frau, die sich wehrt, seine Lust noch steigert („gibt nichts, was mich so enflammiert […] wie rechter Trotz“), sollte eigentlich niemand lustig finden. Und wer seine Zukünftige mit einem jungen Pferd vergleicht, dass erstmal eingeritten werden muss, der zeigt einmal mehr, dass Frauen für ihn nur Objekte der Begierde sind.

Theater Bremen / Der Rosenkavalier - hier : Ensemble © Joerg Landsberg

Theater Bremen / Der Rosenkavalier – hier : Ensemble © Joerg Landsberg

Man könnte einwenden, dass hier gegen die Musik inszeniert wird, zum Beispiel, wenn sich Ochs zu den Klängen des vermutlich berühmtesten Walzers des Stückes („Mit mir, mit mir“) zu entkleiden beginnt. Aber gerade der Gegensatz zwischen der überaus zarten Musik von Strauss und dem brutalen Verhalten des Ochs erhöht noch das Unbehagen des Zuschauers.

Der amoralische Charakter des Baron Ochs wird noch deutlicher durch seinen unehelichen Sohn Leopold, den sich der Vater als Leiblakai und Gehilfen für seine amourösen Abenteuer herangezüchtet hat. Jakob von Borries spielt diese stumme Rolle mit der nötigen Unterwerfung gegenüber dem Vater und mit schockierender Gefühlskälte gegenüber Sophie. Er hält sie notfalls auch fest, damit sie sich nicht gegen die Avancen ihres zukünftigen Ehemanns wehren kann. Ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit wird von Neryta Pokvytyte sehr eindringlich verkörpert.

Von ihrem Vater kann Sophie bei Hilbrich keine Unterstützung erwarten. Faninal ist ein grober Geschäftsmann, für den diese Heirat nur ein weiteres Geschäftsmodell ist. Sophie hat niemanden, der sie versteht, der ihr Leid wahrnimmt, bis sie auf Oktavian trifft. Man ahnt, wie dieser Vater seine Tochter erzogen hat, wenn sie ihr Selbstverständnis auf die Formel „Ich brauch erst einen Mann, dass ich was bin.“ bringt. Im direkten Gegensatz dazu bestärkt Oktavian sie in ihrer Persönlichkeit („Für sich und mich muss Sie […]bleiben,[…], was Sie ist.“). Der Strippenzieher ist auch im gesamten zweiten Akt ständig präsent. Am Ende übernimmt er Anninas Part und übergibt Ochs den Brief, der die Intrige des dritten Aktes vorbereitet.

Auch im dritten Akt sind sämtliche Nebenfiguren gestrichen (Annina und deren Kinder als vermeintliche Familie des Baron Ochs, die fünf Verdächtigen, der Kellner). Der Strippenzieher greift wieder in das Geschehen ein, indem er den Polizeiwachtmeister ruft, der mit aller notwendigen Strenge von Wolfgang von Borries gespielt wird.

Musikalisch steht der dritte Akt ganz im Schatten des berühmten Schlussterzetts. Das ist einerseits verständlich, handelt es sich hierbei doch um eines der schönsten Opernfinals überhaupt. Andererseits wird dadurch leicht übersehen, mit welcher Meisterschaft Strauss die gesamte Wirtshausszene in Musik setzt. Besonders die Musik nach dem Auftreten des Polizeiwachtmeisters zeigen Strauss einmal mehr als meisterhaften Musikdramatiker, der es versteht, die vielen abrupten Stimmungswechsel mit „elektrahafter“ Dramatik auf engstem Raum zu verbinden. Dirigent Yoel Gamzou hält nicht nur hier die vielen Fäden der Partitur sicher in der Hand und macht aus dem überraschenden Auftritt der Marschallin einen Moment mit ganz großen Emotionen.

 Theater Bremen / Der Rosenkavalier - hier : Nadine Lehner als Marschallin © Joerg Landsberg

Theater Bremen / Der Rosenkavalier – hier : Nadine Lehner als Marschallin © Joerg Landsberg

Hilbrich gesteht den beiden Frauen auch eine Entwicklung zu. Beide stellen sich am Ende gegen die so dominanten Männer: Sophie sagt gegen den Willen ihres Vaters ihre Hochzeit mit Ochs ab, und die Marschallin stellt sich konsequent Ochs in den Weg, bis dieser mit Leopold abgeht, aber nicht ohne vorher das Bühnenbild wegzuschieben. Die Bühne ist jetzt leer, die „Wienerische Maskerad’“ ist zuende. Zurück bleiben eine gebrochene Marschallin, die verständlicherweise lieber ohne Faninal abtritt, und das neue Paar Oktavian-Sophie.

Das überirdisch schöne Schlussterzett („Hab mir’s gelobt, ihn lieb zu haben“) verdient besondere Erwähnung! Wann hat man den Beginn jemals in so zartem Pianissimo gehört?! Gamzou macht hier deutlich, wie Strauss und Hoffmannsthal diesen Beginn gemeint haben: Als drei gleichzeitig stattfindende Selbstgespräche, in denen jede/r zunächst nur für sich singt.

Ganz am Schluss kommt dann eine Überraschung: Sophie und Oktavian sinken leblos zu Boden, während im Hintergrund ein zufrieden lachender Strippenzieher die Rose zerstört. War alles nur ein Spiel? Sein Spiel? Kann es jederzeit wieder von vorne beginnen?

Was das  Theater Bremen hier geboten hat, war musikalisch und szenisch auf höchstem Niveau! Die Sänger haben durchweg stimmlich überzeugt, mit guter Textverständlichkeit und sehr engagiertem Schauspiel. Herausragend war hier Nadine Lehner, die die Verletzlichkeit und die Verzweiflung der Marschallin stimmlich und darstellerisch mit großer Eindringlicheit verkörperte.

Man mag über die Kürzungen und gestrichenen Personen geteilter Meinung sein, aber Frank Hilbrichs Deutung des Rosenkavalier war – wenn auch durchaus eigenwillig – absolut sehenswert! Sein Regiekonzept war schlüssig, durchdacht, und hielt sich eng am Text.

Yoel Gamzou dirigierte einen sehr transparenten Rosenkavalier, der Strauss‘ phänomenale Instrumentationskunst gut hörbar machte. Sein schlankes Dirigat deckte die Sänger nie zu, und seine flüssigen Tempi passten sich ideal dem lockeren Parlando an, das über weite Strecken vorherrscht. Mit dem gebotenen schwelgerischen Schwung aber ohne falsche Sentimentalität führte er die Bremer Philharmoniker sicher durch diese hochkomplexe Partitur. Sein Orchester dankte es ihm mit sowohl zarten Klängen als auch berauschender Dramatik und meisterte auch technisch sehr schwierige Übergänge bravourös! Ein rundum gelungener Abend endete mit vereinzelten Buhrufen für die Regie und viel Applaus für alle Beteiligten.

Der Rosenkavalier im Theater am Goetheplatz; die nächsten Termine 22.09.; 3.10.; 11.10.; 13.10.; 30.10.; 2.11.; 22.11.2019 und mehr

—| IOCO Kritik Theater Bremen |—

Essen, Philharmonie Essen, Andris Nelsons – Gewandhausorchester Leipzig, 03.09.2019

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Andris Nelsons © Gert Mothes

Philharmonie Essen / Andris Nelsons © Gert Mothes

Andris Nelsons –  Gewandhausorchester Leipzig

Bruckners Achte –  3.9.2019, 20 Uhr  –  Philharmonie Essen

Andris Nelsons dirigiert das Gewandhausorchester: Gleich zu Beginn der neuen Spielzeit 2019/2020 kommt es zu einem ersten großen Höhepunkt im Programm der Philharmonie Essen. Am Dienstag, 3. September 2019, um 20 Uhr widmet sich das musikalische Gespann der Sinfonie Nr. 8 c-Moll von Anton Bruckner und damit einem zentralen Werk der romantischen Orchesterliteratur. Als 21. Gewandhauskapellmeister leitet Nelsons seit einem Jahr den traditionsreichen Klangkörper. Den Komponisten Bruckner hat er zu einem ersten Schwerpunkt erkoren. Schon 2017, damals noch als designierter Chefdirigent, begann er seinen Bruckner-Zyklus, den er mit dem Gewandhausorchester für Deutsche Grammophon seitdem einspielt. „Das Gewandhausorchester verfügt über eine ganz besondere Fähigkeit, diese Musik zu spielen“, sagt er, „es gibt da eine Sensibilität und Intimität, die ich sehr mag.“

 Andris Nelsons und die Berliner Philharmoniker  – hier IOCO Rezension

Das 1743 gegründete Gewandhausorchester in Leipzig gehört zu den ältesten Orchestern weltweit. Prominente Dirigenten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler, Bruno Walter, Kurt Masur und Riccardo Chailly hatten in der Vergangenheit das Amt des Gewandhauskapellmeisters inne. Mit Andris Nelsons leitet nun einer der zurzeit begehrtesten Pultstars das Leipziger Ensemble.

Der Lette ist zudem seit 2014 Chef des Boston Symphony Orchestra sowie bei vielen bedeutenden internationalen Orchestern zu Gast. 2010 gab er sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen. 2020 wird er mit den Wiener Philharmonikern nicht nur alle Beethoven-Sinfonien aufführen, sondern auch das berühmte Neujahrskonzert leiten.

Karten (Preis: € 30,00 – 85,00) und

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Meiningen, Meininger Staatstheater, 8. Sinfoniekonzert: FINALE FURIOSO, 04.07.2019

Meininger Staatstheater 

Meininger Staatstheater © Marie Liebig

Meininger Staatstheater © Marie Liebig

8. Sinfoniekonzert: FINALE FURIOSO

Donnerstag, 04. Juli, 19.30 Uhr, Großes Haus, Konzerteinführung: 18.30 Uhr, Foyer

Zum Abschluss der Konzertsaison 2018/19 bietet das 8. Sinfoniekonzert zugleich einen Ausblick auf den Sommer.

Schumann hat sein Opus 52, das nach der erfolgreichen Uraufführung seiner ersten Sinfonie entstand, bewusst leichter gehalten. Er selbst versuchte der Ouvertüre, an deren Seite erst später zwei weitere Sätze traten, eine Gattungsbezeichnung zuzuordnen, ohne Erfolg. So blieben schließlich die Bezeichnung der Teile „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ als Titel stehen.

Keinen Zweifel an der Werkbezeichnung lässt dagegen Brahms in Opus 77 zu, seinem Violinkonzert in D-Dur. Wohl aber arbeitet sich der Komponist darin an der Form des Solokonzerts an sich ab. Das Instrument tritt nicht als selbstverständlich virtuose Stimme hervor, sondern muss sich seine Position gleichsam erkämpfen. Hans von Bülow hatte das Werk deshalb auch als „Konzert gegen Violine“ bezeichnet. Dem Solisten werden gerade im dritten Satz dann mit Doppelgriffen und großen Sprüngen auch noch große technische Herausforderungen abverlangt. Sönke Reger nimmt diese als Solist des Abends gerne an.

In eine mystische Welt führt uns Jean Sibelius in seiner Lemminkäinen-Suite. Der Komponist vertont darin vier Legenden des finnischen Heldenepos KALEVALA. Der bekannteste Abschnitt malt in Tönen das Bild eines Schwans, der seine Kreise um die Toteninsel zieht.

Meininger Staatstheater / Leo McFall © Ronald-Knapp

Meininger Staatstheater / Leo McFall © Ronald-Knapp

Dirigent Leo McFall kehrt als gern gesehener ständiger Gast mit diesem Programm ans Pult der Meininger Hofkapelle zurück.

ROBERT SCHUMANN (1810–1856)
Ouvertüre, Scherzo und Finale op. 52
JOHANNES BRAHMS (1833–1897)
Violinkonzert D-Dur op. 77
JEAN SIBELIUS (1865–1957)
Lemminkäinen-Suite op. 22

Solist: Sönke Reger
Dirigent: Leo McFall

—| Pressemeldung Meininger Staatstheater |—

Heilbronn, Württembergisches Kammerorchester, Case Scaglione neuer Chefdirigent des WKO, ab 2018

Württembergisches Kammerorchester

Württembergisches Kammerorchester / WIKO Heilbronn © Fotostudio M42

Württembergisches Kammerorchester / WKO Heilbronn © Fotostudio M42

Case Scaglione neuer WKO Chefdirigent

Württembergisches Kammerorchesters Heilbronn

Am gestrigen Donnerstag hat der Stiftungsrat der Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn Case Scaglione einstimmig zum neuen Chefdirigenten des Klangkörpers mit Beginn der Saison 2018/2019 berufen.

Madeleine Landlinger, Intendantin Württembergisches Kammerorchester Heilbronn: „Mit Case Scaglione haben wir einen zukünftigen Chefdirigenten für das WKO gewonnen, der nicht nur begnadet talentiert und fokussiert ist, sondern der absolut für seine Arbeit brennt. Das steckt an – die Chemie zwischen dem Orchester und ihm hat von Anfang an gestimmt. Wir haben während unseres Suchprozesses auf diesen berühmten „Klick“ gehofft. Ich bin gespannt auf unseren gemeinsamen Weg und den Ausbau der Stärken des WKO unter seinem Dirigat.

Württembergisches Kammerorchester / Case Scaglione und Intendantin Madeleine Landlinger © Ralf Seidel

Württembergisches Kammerorchester / Case Scaglione und Intendantin Madeleine Landlinger © Ralf Seidel

Der Vertrag ist auf vier Jahre angelegt und läuft bis 2022. Der 34-jährige Amerikaner tritt die Nachfolge von Ruben Gazarian an, der das Württembergische Kammerorchester Heilbronn seit 2002 leitet. Case Scaglione ist damit der dritte Chefdirigent in der Geschichte des Orchesters, das 1960 von Prof. Jörg Faerber gegründet wurde.

Case Scaglione: „Ich könnte mich nicht glücklicher schätzen. Für mich war das erste Treffen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn magisch – mit seinem unverwechselbaren Klang, seiner musikalischen Flexibilität und der unglaublichen Spielfreude hat mich das WKO förmlich verzaubert. Ich kann es kaum erwarten, bis ich mit den Musikern und Intendantin Madeleine Landlinger starten kann, um gemeinsam den Erfolgsweg dieses exzellenten Orchesters weiterzuführen.“

Der 1982 geborene Amerikaner hat bisher zweimal mit dem WKO zusammengearbeitet: Im Abschlusskonzert der Heilbronner Abonnementreihe 2015/2016, mit dem Case Scaglione gleichzeitig sein Deutschlanddebüt feierte und beim umjubelten Gastspiel des WKO in der Liederhalle Stuttgart vor wenigen Wochen im Mai 2017.

Konstanze Felber-Faur, Vorsitzende des Orchestervorstands Württembergisches Kammerorchester Heilbronn: „Seine klare Klangvorstellung, die musikalische Genauigkeit und die durchdachte und energiereiche Arbeitsweise haben uns Musiker alle von Beginn an überzeugt. Jetzt blicken wir voller Spannung und Vorfreude auf unsere erste gemeinsame Saison 2018/2019.“

Die Suche nach einem neuen Chefdirigenten lag federführend in der Hand von Intendantin Madeleine Landlinger. Ihr zur Seite stand eine Findungskommission unter Vorsitz des Stiftungsratsvorsitzenden der Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn Ralf Peter Beitner. Ihr gehörten außerdem Aleksandar Maletic (Vorsitzender des Orchestervorstands), Ministerialrat Christoph Heinkele (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg), die Heilbronner Bürgermeisterin Agnes Christner (Stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats der Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn), und Andrea Meyer-Borghardt (Dirigentenforum des Deutschen Musikrats) als externe Beraterin an.

Ralf Peter Beitner, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn und der Findungskommission: „Die Entscheidung für Case Scaglione ist das Ergebnis einer mehrmonatigen, sehr gründlichen Suche. Unsere Musikerinnen und Musiker haben eine ganz Reihe von Kandidaten professionell bewertet und damit die Auswahl geprägt. Ich erwarte nun ein sehr fruchtbares Miteinander. Mit Case Scaglione beginnt eine neue Ära für das Württembergische Kammerorchester Heilbronn.“

Der amerikanische Dirigent Case Scaglione, geboren 1982 in Houston/USA, studierte bei David Zinman an der American Academy of Conducting in Aspen/USA, wo er den James Conlon Prize gewann. 2010 wurde er mit dem Aspen Conducting Prize ausgezeichnet und 2011 erhielt er den Dirigentenpreis der Solti Foundation US. Er war 2011 einer der drei Dirigier-Stipendiaten in Tanglewood, ausgewählt von James Levine und Stefan Asbury. Im selben Jahr wurde er zum Associate Conductor beim New York Philharmonic berufen – eine Stelle, die Alan Gilbert speziell für ihn wieder eingeführt hatte. Seit 2015 hat er seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nach Europa verlagert und lebt mit seiner Frau in Berlin. Er wird zu Gastdirigaten weltweit eingeladen, u.a. zum Orchestre National d’Île de France, Orchestre de Chambre de Lausanne, Kristiansand Symfoniorkester, Brno Philharmonic, Orchestre Philharmonique du Luxembourg, China Philharmonic Orchestra, Shanghai und Guangzhou Symphony Orchestras und mehr.

Agnes Christner, Bürgermeisterin der Stadt Heilbronn und Stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende der der Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn: „Ein neuer Chefdirigent für das WKO, ein neuer künstlerischer Botschafter der Stadt Heilbronn! Seine Internationalität passt zu Stadt und Region, die Weltoffenheit lebt und Unternehmen von Weltrang beheimatet. Wir freuen uns auf den Neu-Heilbronner Case Scaglione und sind gespannt auf die musikalischen Impulse, die er in unserer Stadt aber auch auf zahlreichen Gastspielen mit unserem musikalischen Aushängeschild WKO setzen wird.“

Zwei der weltweit renommiertesten Dirigenten, die wichtige künstlerische Wegbegleiter, Mentoren und Partner in Case Scagliones Karriere sind, gratulieren ihm zur Chefposition beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn:

Alan Gilbert, Chefdirigent des New York Philharmonic und designierter Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, gratuliert Case Scaglione: „Case Scaglione ist einer der talentiertesten Dirigenten der jüngeren Generation, und mein Vertrauen in ihn ist mit den Jahren nur gewachsen. Er besitzt eine tiefe, kultivierte musikalische Sensibilität, die perfekt zu diesem wunderbaren Orchester passt, und ich kann es kaum erwarten, zu hören, was diese Partnerschaft in den kommenden Jahren hervorbringen wird.“

Jaap van Zweden, Chefdirigent des Dallas Symphony Orchestra und des Hong Kong Philharmonic sowie designierter Chefdirigent des New York Philharmonic: „Es freut mich außerordentlich, dass Case die Gelegenheit erhält, Chefdirigent dieses wunderbaren und angesehenen Kammerorchesters zu werden! Meiner Meinung nach ist Case die richtige Wahl. Er bringt neue Energie mit und ist ein talentierter Dirigent. Die Tradition dieses Kammerorchesters und Cases außergewöhnliche Fähigkeiten werden meiner Ansicht nach eine großartige Zusammenarbeit ergeben.“


Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn (WKO) setzt mit stilsicherer künstlerischer Vielfalt und dem gelebten Ideal kammermusikalischen Musizierens Maßstäbe. Seine emotionale und sinnliche Klangkultur besticht im Ausreizen einer reichen Farbpalette von ätherischer Transparenz bis hin zum leidenschaftlich romantischen Klang. Als musikalischer Partner überzeugt das Orchester mit starker Wandlungsfähigkeit und der Kunst des musikalischen Dialogs auf Augenhöhe. Damit hat sich das WKO als eines der gefragtesten Kammerorchester etabliert. Seit 2002 prägt Ruben Gazarian als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter diesen Stil. Mit Beginn der Saison 2018/2019 wird Case Scaglione neuer Chefdirigent des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn.

Als überzeugter Touring-Klangkörper ist das Orchester auf zahlreichen nationalen wie internationalen Konzertpodien unterwegs. Höhepunkte der letzten Jahre waren u.a. die Royal Albert Hall in London, das Concertgebouw Amsterdam, die Victoria Hall in Genf, das Tschaikowsky Konservatorium Moskau, das Théâtre des Champs-Elysées in Paris, der Musikverein Wien, die Philharmonie Berlin, die Hamburger Laeiszhalle und die Philharmonie Köln sowie Auslandstourneen durch Korea, Kambodscha, China oder Spanien. In der Saison 2017/2018 geht das WKO auf eine 11-konzertige Tournee durch China.

Das Orchester setzt auch zu Hause auf musikalische Vielfalt mit höchstem Qualitätsanspruch. Dafür stehen seine Abonnementkonzerten in Heilbronn und Ulm, die innovative Konzertreihe redblue meets klassik in Kooperation mit INTERSPORT, die KSK-Kammermusikreihe unter der Pyramide, regelmäßige Musiktheater-Kooperationen mit dem Theater Heilbronn und das Musikvermittlungsprogramm KOPFHÖRER für Babys, Schulkinder und Jugendliche.

Seit seiner Gründung 1960 durch Prof. Jörg Faerber arbeitet das WKO mit den renommiertesten Künstlern zusammen und fördert stets auch junge Nachwuchstalente – im Konzert und für CD-Aufnahmen: Kolja Blacher (CD), Rudolf Buchbinder, Mojca Erdmann, Juan Diego Floréz, James Galway (CD), Augustin Hadelich, Sharon Kam (CD), Felix Klieser (CD), Katia & Marielle Labèque, Sabine Meyer (CD), Nils Mönkemeyer, Sergei Nakariakov (CD), Andreas Ottensamer, Alina Pogostkina, Linus Roth (CD), Christine Schäfer, Olga Scheps, Herbert Schuch, Daniel Müller-Schott, Carolin Widmann und Frank Peter Zimmermann (CD) musizieren u.a. mit dem WKO.

Davon zeugt auch die reiche und stets wachsende Diskografie des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn: 2017 veröffentlicht das Orchester mit Kolja Blacher und Leonard Bernsteins „Serenade“ sowie Joseph Haydns Violinkonzert C-Dur einen SACD-Beitrag zum Bernstein-Jahr (Coviello Classics). Unter der Leitung von Ruben Gazarian ist mit der Saxophonistin Asya Fateyeva das Album „Bachiana“ mit Werkadaptionen von Johann Sebastian Bach und Heitor Villa-Lobos erschienen (Berlin Classics). Die Aufnahme von Mieczys?aw Weinbergs Flötenkonzert Nr. 2 sowie Werken von Jind?ich Feld und Mikis Theodorakis mit Solistin Kathrin Christians (Hänssler Classic) setzt das Bestreben des WKO fort, selten gehörte Werke auf CD zugänglich zu machen. 2015 hat das WKO bereits einen Teil zum Gesamtaufnahmeprojekt der Violinwerke Weinbergs von Geiger Linus Roth beigesteuert. Weitere CD-Partner der letzten Jahre sind Hornist Felix Klieser mit der Aufnahme „Horn Concertos“ und Sharon Kam mit „OPERA!“, auf der Bearbeitungen aus dem Opernrepertoire für Klarinette und Kammerorchester zu hören sind. Als CD-Angebot für die ganze Familie hat das WKO zwei Andersen-Märchen, vertont von Andreas N. Tarkmann und erzählt von Juri Tetzlaff, eingespielt (Coviello Classics).

Die Aufnahme mit Werken von Johann Christian und Johann Wilhelm Hertel (Coviello Classics) wurde mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet. Zu den Aufnahmen mit Chefdirigent Ruben Gazarian gehören außerdem u.a. „simply strings“ mit Musik von Britten, Bartók, Janácek und Sibelius sowie die Gesamteinspielung der Sinfonien Beethovens. Des Weiteren erschienen eine CD mit Wagners „Siegfried-Idyll“ und Bruckners Streichquintett und eine CD mit Werken armenischer Komponisten unter dem Titel „Armenian Classic“ (Bayer Records).

Träger des Orchesters ist seit 2012 die Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, ermöglicht von 21 Gründungsstiftern. Sie sichert die Zukunftsfähigkeit des Klangkörpers durch nachhaltige Weiterentwicklung des Orchesterangebots in der Region, auf dem nationalen und internationalen Markt.

Änderungen bzw. Kürzungen bedürfen der Abstimmung mit dem Orchesterbüro des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn.

—| Pressemeldung Württembergisches Kammerorchester |—

 

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