Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Die Walküre 31.05.2018

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

 

Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“
„Die Walküre“ – Premiere in neuer Besetzung in Duisburg

 

Die Walküre“ hat Premiere im Theater Duisburg: Am Donnerstag, 31. Mai (Fronleichnam), um 17.00 Uhr präsentiert die Deutsche Oper am Rhein Teil 2 von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Mit einer neuen hochkarätigen Sängerbesetzung und den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von General­musik­direktor Axel Kober wird die Neuinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf noch einmal ganz neu erlebbar.

Der schwedische Tenor Daniel Frank und Ensemblemitglied Sarah Ferede debütieren als Siegmund und Sieglinde, das Wälsungenpaar, dem Lukas Konieczny als Hunding gegenübersteht. Wie in „Das Rheingold“ führen James Rutherford und Katarzyna Kuncio als Wotan und Fricka die Götterfamilie an. Die Mezzosopranistin Heike Wessels hat sich am Nationaltheater Mannheim die großen Wagner-Partien ihres Fachs erarbeitet und kommt als Walkürentochter Brünnhilde ins Spiel.


„Die Walküre“ von Richard Wagner
Premiere am Donnerstag, 31. Mai 2018, 17.00 Uhr, im Theater Duisburg

Erster Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“ – Text vom Komponisten
In deutscher Sprache mit Übertiteln
Dauer: ca. 5 Stunden, zwei Pausen – empfohlen ab 16 Jahren
Musikalische Leitung: Axel Kober Kostüme: Renate Schmitzer
Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf Licht: Volker Weinhart
Bühne: Dieter Richter Dramaturgie: Bernhard F. Loges
Siegmund: Daniel Frank Gerhilde: Jessica Stavros
Hunding: Lukasz Konieczny Ortlinde: Katja Levin
Wotan: James Rutherford Waltraute: Romana Noack
Sieglinde: Sarah Ferede Siegrune: Zuzana Sveda
Brünnhilde: Heike Wessels Roßweiße: Maria Hilmes
Fricka: Katarzyna Kuncio Grimgerde: Katharina von Bülow
Helmwige: Anke Krabbe Schwertleite: Evelyn Krahe
Orchester: Duisburger Philharmoniker


„Die Walküre“ im Theater Duisburg :
Do 31. Mai – 17.00 Uhr (Premiere) / So 10. Juni – 17.00 Uhr / So 17. Juni – 17.00 Uhr / So 24. Juni – 17.00 Uhr
Der Ring des Nibelungen – die weiteren Premieren:
SIEGFRIED: Sa 7. April 2018 – Opernhaus Düsseldorf / Sa 26. Januar 2019 – Theater Duisburg
Götterdämmerung: Sa 27. Oktober 2018 – Opernhaus Düsseldorf / So 5. Mai 2019 – Theater Duisburg

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Leipzig, Oper Leipzig, Ring des Nibelungen mit Starbesetzung, 11.-15. April 2018

April 10, 2018 by  
Filed under Oper, Oper Leipzig, Pressemeldung

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

 RING DES NIBELUNGEN –  STARBESETZUNG

Die zweite von drei zyklischen Ring – Aufführungen an der Oper Leipzig in dieser Saison wird mit eintägiger Unterbrechung vom 11. bis zum 15. April 2018 zu erleben sein. Erneut geben sich namhafte internationale Gäste ein Stelldichein in Leipzig. Einige zentrale Rollen sind bei diesem Ring-Zyklus durchgängig besetzt: Der schottische Bassbariton Iain Paterson steht gleich dreimal, als Wotan (in Das Rheingold und Walküre) bzw. Wanderer (in Siegfried), auf der Bühne. Jürgen Linn wird – wie schon bei den Richard-Wagner-Festtagen 2017 – durchweg als Alberich (in Das Rheingold, »Siegfried« und »Götterdämmerung«) zu hören sein und Christiane Libor als Brünnhilde in »Siegfried« und »Götterdämmerung«. Meagan Miller (Sieglinde), Daniela Köhler (Helmwige), Thomas Mohr (Siegfried in der Götterdämmerung, Loge in »Das Rheingold«), Robert Dean Smith (Siegmund) und Christian Franz (Titelpartie in »Siegfried«) gastieren ebenfalls in Leipzig. Die musikalische Leitung hat an allen vier Abenden Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer.

Die Oper Leipzig hat seit 2016, nach über vierzig Jahren, wieder einen kompletten szenischen »Ring« im Repertoire. Die szenische Umsetzung lag in den Händen des Regieteams Rosamund Gilmore (Inszenierung), Carl Friedrich Oberle (Bühne) und Nicola Reichert (Kostüme). Wagners »Ring des Nibelungen« hat für Leipzig eine besondere Bedeutung. Mit der Stadt verbinden sich Ereignisse wie die erste Aufführung des kompletten Rings außerhalb von Bayreuth im Jahr 1876 oder richtungsweisende Neudeutungen wie die »Ring«-Inszenierung von Joachim Herz in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus verfügt das Gewandhausorchester über eine Wagner-Tradition, die mit Namen wie Angelo Neumann, Arthur Nikisch oder Gustav Mahler weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht. PMOL

Aufführungen:
Das Rheingold, Mittwoch, 11. April 2018, 17 Uhr
Die Walküre, Donnerstag, 12. April 2018, 17 Uhr
Siegfried, Samstag, 14. April 2018, 16 Uhr
Götterdämmerung, Sonntag, 15. April 2018, 16 Uhr

Vom 10. bis 13. Mai 2018 können Wagner-Fans den kompletten Zyklus schließlich an vier aufeinanderfolgenden Tagen erleben.

Pressemeldung Oper Leipzig

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Chemnitz, Theater Chemnitz, Wagners Tetralogie – Die Walküre, IOCO Kritik, 26.03.2018

März 26, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Chemnitz

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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Die Walküre – Richard Wagner

 Tetralogie – Der Ring des Nibelungen im Theater Chemnitz

Von Patrik Klein

Die Vorgeschichte:   Vier Abende, vier Opern, vier Regisseurinnen und eine der größten Herausforderungen im Musiktheater überhaupt: Das Theater Chemnitz stellt sich in diesem Jahr Richard Wagners gewaltiger Tetralogie Der Ring des Nibelungen.

Vier Regisseurinnen schmieden Richard Wagners gewaltiges Werk

Es sind oft die Frauen, die in dem Drama der Unvereinbarkeit von Macht und Liebe die Handlungsstränge entscheidend weitertreiben und beeinflussen. Sie wirken in unterschiedlichster Weise auf die mächtigsten Männer in der Tetralogie und sorgen somit für die Entwicklung und auch das Ende der Tragödie. Ob Erdas Rolle als Weltenordnungshüterin, der Rheintöchters gebaren um den Schatz, Freias Bedeutung für das Fortleben der Götter, Frickas zurechtweisen ihres Gatten vor der Duldung des Inzests oder Brünnhildes Ungehorsam gegenüber ihrem Vater. Gutrune schließlich wird die einzige Überlebende in der Götterdämmerung sein.
Am Theater Chemnitz nehmen sich vier Regisseurinnen der Tetralogie an. Verena Stoiber, Monique Wagemakers, Sabine Hartmannshenn und Elisabeth Stöppler werden die vier Teile aus ihrer sehr individuellen Sichtweise gestalten.

Dem Vorabend   Das Rheingold  – folgt –  Der erste Tag  Die Walküre
– Als spannendes Familiendrama inszeniert –

Verena Stoibers Inszenierung des Vorabends mit Rheingold erhielt vor rund acht Wochen in der Premiere ein gemischtes Echo für die Interpretation und einhelligen Jubel für die musikalischen Ergebnisse. Die Geschichte um die drei Rheintöchter, Alberichs Liebesverzicht und Geldgier, Wotans Götterwelt mit Machtanspruch und Zukunftsplanung gestaltete Verena Stoiber als modernes Schurkenstück mit sittenwidrigem Bauvertrag und üblem Korruptionsgehabe. In der auf aktualisierende Akzente setzenden Interpretation blieb die Urmutter Erda als einzige Protagonistin integer. Sie warnte die Machtinnehabenden eindringlich vor der unstillbaren Gier nach mehr Reichtum, Macht und Rendite. Die Leistung des gesamten Ensembles incl. dem überragenden Orchester der Robert-Schumann-Philharmonie unter dem Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo wurden bei der vergangenen Premiere einhellig gefeiert.
Umso gespannter ist man in Chemnitz nun auf den Ersten Tag des Musikdramas Die Walküre, die mit einer weiteren Frau als Regisseurin aufwartet; der aus den Niederlanden stammenden Monique Wagemakers.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben, von links Wotan  Aris Argiris, Brünnhilde Dara Hobbs, Walküren Guibee Yang, Regine Sturm, Jana Büchner, Anne Schuldt, Susanne Müller-Kaden, Diana Selma Krauss, Nathalie Senf und Alexandra Sherman; Foto Kirsten Nijhof

Handlung:
Richard Wagners Werk Die Walküre wurde gegen seinen Willen am 26.6.1870 in München uraufgeführt auf Geheiß des König Ludwig, der nicht auf die von Wagner geplante zyklische Aufführung in Bayreuth warten wollte. Die Vorgeschichte, oder dass was nach dem Rheingold passiert: Im Raum steht der von Urmutter Erda angekündigte Untergang der Götter. Der Testosteron-gesteuerte Wotan löst das Problem auf seine Weise. Er versucht von Erda den genauen Ablauf der Götterdämmerung zu erfahren und zeugt nebenbei mit ihr neun Töchter, von denen Brünnhilde sich zu seiner Lieblingstochter entwickelt. Sie verbindet Erdas Weisheit mit Wotans Stärke. Da aber von Alberich Gefahr droht, macht sich Wotan als ewiger Wanderer (erkennbar an der aufgemalten Augenklappe) auf den Weg, gründet mit einer Menschenfrau eine neue Familie, die Wälsungen, die er nach der Geburt der Zwillinge Siegmund und Sieglinde verlässt. Schon früh werden die Zwillinge getrennt und wachsen in feindlichen Lagern auf. Sieglinde wird später an Hunding verschachert. Siegmund kann aus der Gefangenschaft fliehen. Die Handlung von Die Walküre ist eigentlich rasch erzählt: „Siegmund und Sieglinde verlieben sich ineinander. Siegmund zieht das Schwert aus der Esche. Wotan zerstreitet sich mit seiner Frau Fricka und muss Siegmunds Schwert mit seinem Speer zerbrechen und den Widersacher Hunding töten. Brünnhilde rettet Sieglinde. Dafür bestraft Wotan Brünnhilde mit magischem Schlaf“. (Stefan Mickisch in einem Vortrag über das Werk)

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Fot oben; von links: Siegmund Zoltán Nyári, Hunding Magnus Piontek, Foto Kirsten Nijhof

Regisseurin Monique Wagemakers – Sichtweise:
Nach über vier Stunden äußerst spannendem Musiktheater, als Wotan Loge rief, um Brünnhilde mit Feuerzauber zu umsäumen, die wunderbare Schlussmusik erklingt, der Göttervater ganz langsam zur Hinterbühne schreitet, kommt ihm der kleine Junge, sein letzter Hoffnungsträger Siegfried entgegen. Wotan streift ihm die Hand über sein Köpfchen, verschwindet im Hintergrund, während dem die letzten Noten erklingen und sich der Vorhang schließt.
Monique Wagemakers ist eine erfahrene Regisseurin aus den Niederlanden, die an vielen europäischen Bühnen Aufsehen erregte. Mit dem berühmten Harry Kupfer hat sie gerne und häufig zusammengearbeitet und dessen Produktionen für die Nederlandse Opera neu einstudierte. Für die Inszenierung von Madama Butterfly an der Staatsoper Stuttgart im Jahr 2006 wurde sie vom Magazin Opernwelt als Regisseurin des Jahres nominiert.
In Chemnitz arbeitet sie zum ersten Mal und bringt ihre persönliche Sichtweise von Wagners Werk auf die Bühne. Gemeinsam mit ihrem Team, Bühne Claudia Weinhart, Kostüme Erika Landertinger, Dramaturgie Lucas Reuter, Susanne Holfter, gelingt ihr eine aufgeräumte und gleichzeitig höchst spannende Interpretation, frei jeder aktuellpolitischen Montage ohne Symbole wie Schwert Nothung, Speer und Feuerzauber mit lodernden Flammen. Man erlebt ein intensives, auf Wagners Musik und Text fokussiertes, farbiges Familiendrama, das mit recht einfachen aber wirkungsvollen Mitteln die Personen und die Widersprüchlichkeit der Charaktere mit ihren zahlreichen Facetten in den Mittelpunkt rückt.

Ein wesentlicher Bestandteil des Bühnenbildes ist ein mit romanischen Bögen versehenes, Walhall andeutendes Gebilde, welches drehbar im Zentrum der Bühne zu sehen ist und für alle drei Aufzüge unterschiedlich postiert werden kann. Es hat bereits Risse und weitere Teile werden im Laufe des Abends herunterfallen. Auf transparenten Vorhängen werden Videoanimationen fein dosiert und stimmig hinzugefügt. Im ersten Aufzug zum Beispiel entwickelt sich bühnenportalgroß ein Stammquerschnitt der Weltesche; zum dritten Aufzug wird diese Weltesche von innen heraus rabenschwarz und leitet den Walkürenritt ein. Mit großartigem Licht wird der aufkommende Lenz im ersten Aufzug angedeutet, indem die Säulen der Bogenkonstruktion hell erleuchten. Der transparente Vorhang wird ganz intensiv als Stilmittel eingesetzt. Er verdeckt, er verklärt, er trennt, er hellt auf, er schwebt zwischen Wotan und Brünnhilde und hebt Gemeinsamkeiten hervor. Zum Schluss wird mit ihm und den wunderbaren 8 Walküren der Feuerzauber gebildet, wo Wotan und Brünnhilde wie im Zentrum einer Muschelschale ihren Schicksalen entgegensehen. Die Kostüme der Beteiligten sind häufig in Pastellfarben getaucht. Wotan mit tiefem Ausschnitt im blauen, schweren Ledermantel mit aufgemaltem, schwarzen linken Auge. Hunding erscheint im wilden Fellmantel, kahlgeschoren und barbrüstig, Barbarossa ähnelnd. Siegmund kommt im ockerfarbenen Schlabbermantel. Die Damen tragen reifrockähnliche Gewänder mit Reiterhelmen und Walkürenbrustschilden. Die Führung der Personen mit ihren unterschiedlichen Charakteren findet in ganz hervorragender Weise statt. Auch wenn sich vieles direkt an der Rampe abspielt, so sind aber gerade deshalb die vielen Nuancen der Gefühle, der Machtbesessenheit, der Verzweiflung und der Liebe durch intensives Spiel der Protagonisten erkennbar und unter die Haut gehend.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben; links – Siegmund Zoltán Nyári, Sieglinde Christiane Kohl; Foto Kirsten Nijhof

Die Musik:
Unter der Leitung des aus Halle stammenden ersten Kapellmeisters und stellv. Generalmusikdirektors Felix Bender kann das Orchester der Robert Schumann Philharmonie am Premierenabend einen wunderbar luftigen, imposanten mit meist moderaten bis gezügelten Tempi und vielschichtiger Klangschönheit versehenen Wagner präsentieren, für den es sich lohnt eine weite Anreise nach Chemnitz anzutreten. Winzige Unsauberkeiten im Blech trüben das Gesamtbild kaum.
Nicht oft genug kann man die Qualität und das Preis-Genussverhältnis der kleinen und mittleren Opernhäuser in Deutschland lobend erwähnen. Die Sängerinnen und Sänger am Premierenabend waren durchweg auf mehr als beachtlichem Niveau, ja vielleicht ganz ohne Enthusiasmus sogar auf Festspielniveau. Stimmschönheit, Textverständlichkeit und Klangfülle im Opernhaus in Chemnitz waren ein überragendes Vergnügen.
In der Sturmtonart D-Moll mit Verweisen auf das Rheingold mit dem Donnermotiv wird Siegmund musikalisch in die „Hütte“ gelenkt zu Sieglinde und Hunding. Das Orchester der Robert Schumann Philharmonie unter seinem jungen Dirigenten Felix Bender spielt die komplementäre Komposition mit dem Drama der Liebe von Sieglinde und Siegmund mit großer Sorgfalt und Empathie für die beteiligten Musiker, Sängerinnen und Sänger. Er führt bereits im Vorspiel mit dem Liebeslied des Lenzes, fast italienisch anmutend die beiden Liebenden zusammen.

Die Minneterzen funktionieren wunderbar als Kennzeichnung des Schicksals der beiden. Die unendlichen Gefühle der Sehnsucht mit der Komposition der unendlichen Melodie geraten ganz besonders „italienisch“ bei den „Winterstürmen wichen dem Wonnemond“, das sicher und mit viel Kern in der Stimme vom Siegmund des Zoltán Nyári gesungen wird. Der ungarische Tenor ist seit 1996 Mitglied des Operetta Theater Budapest, dessen Tourneen ihn unter anderem nach Deutschland, in die Niederlande, in die USA und nach Japan führten. Nachdem er zahlreiche Preise gewonnen hat, gastiert Zoltán Nyári an der Semperoper Dresden, der Oper Frankfurt, beim Budapester Frühlingsfestival und an der Oper Graz. Dort gab er u.a. sein Debüt als Tristan in Wagners Tristan und Isolde. In der neuen Spielzeit 2017/2018 debütiert Zoltán Nyári als Siegmund am Staatstheater Oldenburg sowie nun am Theater Chemnitz.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben: links Fricka Monika Bohinec, Wotan Aris Argiris; Foto Kirsten Nijhof

„Ich weiß ein wildes Geschlecht“ erklingt von Hunding (Magnus Piontek) mit prachtvoller, mächtiger und rabenschwarzer Stimme. Der aus Bonn stammende Bass gehörte von 2013 bis 2015 zum Ensemble des Nationaltheaters Mannheim und wechselte dann an die Bühnen in Gera/Altenburg. An der Semperoper gastierte er in La Traviata und Eugen Onegin. Mit Beginn der Spielzeit 2016/2017 gehört er zum Solistenensemble der Oper Chemnitz.

Ohne die oft übliche Schwertziehung, Siegmund fleht mit offenen Armen seinen Vater an, folgt dem C-Dur der Schrei der Sieglinde. Christiane Kohl singt die Sieglinde zunächst mit fein dosierter lyrisch anmutender Stimme, die aber dann mühelos nach Belieben kraftvoll und mit tragender Substanz das Haus bis auf den letzten Winkel auslotet. Die aus Frankfurt stammende Sopranistin war engagiert am Opernhaus Zürich, Dortmund, Basel, Kiel, Klagenfurt, Frankfurt, Berlin, der Semperoper in Dresden sowie am Théâtre des Champs-Élysées Paris. 2009 gab sie als Woglinde und Waldvogel sowie als erstes Blumenmädchen ihr Debüt bei den Bayreuther Festspielen, an denen sie seitdem regelmäßig teilnimmt.

Im großartigen Finale des ersten Aufzugs ist die Musik eindeutig, denn hier wird von Sieglinde und Siegmund Siegfried gezeugt, wenn wie bei Wagner vorgeschrieben der Vorhang sehr schnell fällt.

Im zweiten Aufzug erklingt bereits im Vorspiel viel Wichtiges. Einprägsame und wuchtige Fluchtmusik erklingt mit dem Schwertmotiv, der Vorahnung der Walküre, die noch gar nicht erschienen ist, der Liebe in Not (wie bei Freia im Rheingold in Not vor den Riesen), mit ersten Hinweisen auf Brünnhildes „Hoiotoho“ und an eine „Leopard 2“ Geräuschkulisse erinnernde, erscheinende kämpfende Brünnhilde in C-Moll. In der Diskussion zwischen Fricka, der Hüterin des Vergangenen mit traditionsbewusster Weltsicht und ihrem Mann Wotan, wird der dramatische Konflikt, in dem die beiden stecken, besonders deutlich. Wotan verliert Siegmund, Fricka verlässt die Situation feierlich erhobenen Hauptes. Der Zwist endet in Es- Moll und führt musikalisch zum Untergang in der Götterdämmerung. Wotan will auch nicht mehr, weil er weiß, dass Alberich den Sohn Hagen zeugte. Die Frustration endet mit dem verstärkten, aber kaum erkennbaren Walhallmotiv in Moll. Monika Bohinec tritt mit feuerrotem langen Haar und einem reifrockähnlichen Gewand in Erscheinung und keift ihren Gatten an, gefälligst nach Recht und Ordnung zu handeln. Sie singt ihre Partie mühelos mit schön dunkel gefärbtem Timbre und kerniger Höhe. Die in Slowenien geborene Mezzosopranistin ist Mitglied des Ensembles der Wiener Staatsoper. Gastspiele führten sie zu den Salzburger Festspielen, in den Wiener Musikverein und ans Staatstheatertheater am Gärtnerplatz in München. Sie sang u.a. bereits die Ortrud in Wagners Lohengrin in Neuschwanstein und die Brangäne in Wagners Tristan und Isolde in Australien.

Bei der Todesverkündung durch Wotan erklingt wunderbar gespielt vom Orchester das Schicksalsmotiv mit schönen, offenen Dominantseptakkorden. Im Des-Dur des Wallhallmotives soll Siegmund dorthin gelangen. Brünnhilde zeigt ihr „menschliches“ Herz, da sie sich von Siegmund überzeugen lässt, dass es höhere Werte gibt, als in Walhall zu sitzen. Siegmund fällt und gibt die Kraft weiter an Siegfried.

Der dritte Aufzug nimmt in neun musikalischen Schleifen (eine für Brünnhilde und acht für die übrigen Walküren) im berühmten Ritt musikalisch Fahrt auf. Das H-Moll klingt als dämonische Tonart wie bei Klingsor im Parsifal und drückt die Wildheit und Kraft auf der Bühne aus. Es klingt, als ob die Hufe der Pferde nur ganz vorsichtig Land betreten. Erst allmählich kommen sie auf die Erde herunter. Das komponierte Pferdegewieher und die Verfolgung Wotans mit seinem achtfüßigen Pferd Sleibnir, dem schwächeren Pferd Grane der Brünnhilde hinterher hetzend, setzt das Orchester aufregend und unter die Haut gehend um. Die acht Walküren werden sehr schön gesungen und gespielt von Guibee Yang, Regine Sturm, Jana Büchner, Anne Schuldt, Susanne Müller-Kaden, Diana Selma Krauss, Nathalie Senf und Alexandra Sherman.

In der Begegnung der Brünnhilde mit Sieglinde hört man bereits das gut erkennbare Siegfriedmotiv, das mit strahlender, unschuldiger Zukunftshoffnung in G-Dur die Handlung weitertreibt. Das Göttliche in Brünnhilde wehrt sich gegen den Bann des Wotans mit ihrem Klagegesang. „Hier bin ich Vater“ und „War es so schmählich, was ich verbrach?“ erklingt in der Klagetonart E-Moll ohne Erfolg beim Gottvater und deshalb auch nicht ins Dur-Geschehen mündend. Dennoch hat sie es beinahe geschafft, ihren Vater zu überzeugen, um ihm die Liebe ins Herz zu hauchen und so zu tun, wie er es eigentlich selbst gerne wollte. Brünnhilde wird von Dara Hobbs in allen Belangen mit Bravour, schöner Stimmführung, kraftvollen Ausbrüchen sowie feinen, leisen Passagen höchst emotional gesungen. Die amerikanische Sopranistin war von 2007 bis 2012 Ensemblemitglied des Theaters Krefeld-Mönchengladbach. Seit 2012 ist sie freiberuflich tätig und sang u. a. an der Oper Leipzig, der Staatsoper Hannover, der Deutschen Oper am Rhein, der Oper Frankfurt, der Kieler Oper, am Theater Gera und am Fundação Calouste Gulbenkian in Lissabon. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 2013 und 2014 die Partie der Ortlinde (Die Walküre).

Wotan nimmt den Wunsch von Brünnhilde auf, denn sie fordert den Schutz und die Wahrung des Göttlichen, indem er den Feuerkreis in Form des beschriebenen transparenten Vorhangs um sie schließt. Loge entfacht das Feuerzaubermotiv. Der Schmerz über die Trennung lässt die Tragik des Gottes erkennen. In der Liebestonart E-Dur ganz nah an Bruckners siebenter Sinfonie steht Wotan als das größte Opfer dieser Trennung zwischen Vater und Tochter. Das Abschiedsthema erklingt macht- und schmerzvoll zugleich. Wotan schützt seine Tochter Brünnhilde mit dem Feuerkreis und beherrscht noch den Kosmos. Die alte Ordnung soll noch geschützt werden, bis Siegfried kommt und das Werk vollendet. Aris Argiris, der in Athen geborene Bassbariton, unterwegs auf den großen Bühnen in Europa und Nordamerika, gibt sein vollständiges, überragendes Debut des Wotans als erster Grieche überhaupt. Fragmentarisch sang er die Partie bereits mit großem Erfolg an dem Theater an der Wien, wo vor einigen Monaten eine Ringtrilogie in gekürzter und neustrukturierter Fassung gegeben wurde. Vom italienischen und französischen Fach kommend, ergänzte er bereits vor einiger Zeit sein Repertoire als Herrscher in Korngolds Wunder der Heliane in Freiburg mit dem deutsch-dramatischen Fach. Sein Wotan besticht in Chemnitz durch eine schier unglaubliche Energie, Spielfreude, eine tief berührende Zerrissenheit als Gatte und Göttervater mit Machtansprüchen und Liebesbedürfnis. Wunderbar die Text-verständlichkeit, die Fähigkeit zu modulieren und eine Spannweite zwischen „leisest“ und „lautest“ aufzuspannen, die einem den Atem rauben kann. Er gestaltet die Partie mit feinster Schwärze, kernigem Metall und berührt damit eindringlich das begeisterte und ihn besonders feiernde Publikum im Theater Chemnitz. Man darf gespannt sein auf die Weiterentwicklung seines Rollenportfolios.

Als der Vorhang fällt herrscht etliche Sekunden atemlose Stille. Doch dann erhebt sich ein  andauernder Orkan des Jubels im Theater Chemnitz. Der frenetische Applaus des Publikums gilt allen Beteiligten, eingeschlossen die wunderbare Interpretation durch das Regieteam um Monique Wagemakers.

 Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner hier Ensemble zum Applaus © Patrik Klein

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner hier Ensemble zum Applaus © Patrik Klein

Die Walküre am Theater Chemnitz; weitere Vorstellungen… 02.04.2018 | 22.04.2018 | 01.05.2018 | 27.05.2018 | 12.01.2019 | 19.04.2019 | 01.06.2019

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Hamburg, Staatsoper Hamburg, Fidelio von Ludwig van Beethoven, IOCO Kritik, 02.02.2018

Februar 4, 2018 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

  Fidelio von Ludwig van Beethoven

 „Befreiungsoper im Umfeld  der biederen (?) 50er Jahre“

Von Patrik Klein

Hamburgs Staatsopernintendant Georges Delnon inszeniert nach eigener Aussage ausnahmsweise eine Produktion an seinem Haus selbst. Er nimmt sich Beethovens politisch unverhüllte Befreiungsoper Fidelio vor und löst damit die damals überaus kontrovers aufgenommene Regie von Hans Neuenfels aus dem Jahr 2004 unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher ab. Delnons Inszenierung ist für eine Koproduktion mit dem Teatro Communale di Bologna vorgesehen.

Fidelio ist die einzige Oper von Ludwig van Beethoven in zwei  Akten (in der Urfassung unter dem Titel Leonore jedoch in drei Akten). Das Libretto schrieben Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke. Als Vorlage diente ihnen die Oper Léonore ou L’amour conjugal , die 1798 in der Komposition von Pierre Gaveaux entstand. Die Uraufführungen der ersten beiden Fassungen des Fidelio fanden am 20. November 1805 bzw. am 29. März 1806 am Theater an der Wien statt. Die endgültige Fassung wurde dann am 23. Mai 1814 im Wiener Kärntnertortheater präsentiert. In dieser Fassung wurde der Text überarbeitet und die Handlung straffer gestaltet. Ferner wurden die tragischen Züge der Hauptpersonen verstärkt, und die Grundidee des Werkes trat nun deutlicher hervor, nämlich die Überhöhung der konkreten edlen Tat Leonores.

Staatsoper Hamburg / Fidelio - hier Don Pizarro, Marzelline und Jaquino © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Fidelio – hier Don Pizarro, Marzelline und Jaquino © Arno Declair

War zum Beispiel bei Mozart die Gesellschaftskritik noch in den Verwirrspielen eines scheinbar aufgeklärten Zeitalters versteckt, so bringt der revolutionäre Bürger Beethoven die neuen Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf die Bühne. Bei dem recht populären und besonders in letzter Zeit häufig gespieltem Werk stellt sich hiermit erneut die Frage: Hat Beethovens einzige Oper an Aktualität und Relevanz seit über 200 Jahren verloren? Wie realistisch ist der Glaube an den Einfluss der Liebe und der Menschlichkeit in einer Welt voller Gewalt und Machtexzesse? Antworten auf diese Fragen werden von Georges Delnon auf den ersten Blick kaum erkennbar gegeben.

Ging Hans Neuenfels in seiner Inszenierung von 2004 von einer radikalen Umdeutung in einer grotesken Show des Scheiterns und einem „Aus der Traum von Friede, Freiheitaus, so muss man Georges Delnons Sichtweise mühevoll suchen. Im Opernjournal der Staatsoper Hamburg, in den Blogs der Dramaturgen (Klaus-­Peter Kehr, Johannes Blum), auf Plakaten und in Interviews wird wenig bis nichts im Vorfeld verraten. Während der Ouvertüre steht auf dem schwarzen Bühnenvorhang: Ich hatte einen Traum. Es war ein Albtraum. Als ich erwachte, war Alles wieder in Ordnung„. Die Inszenierung nun zeigt dem aufgeschlossenen, vorurteilsfreien Beobachter einen Blick in die sagen wir einmal 50er Jahre in einem Überwachungsstaat. Auf der Bühne erblicket man ein geräumiges Wohnzimmer mit zeitgemäßer Ornamentiktapete, großer Terrassenfront und überdimensionaler Gardine (Bühne: Kaspar Zwimpfer; Kostüme: Lydia Kirchleitner; Licht: Michael Bauer; Video: fettFilm). Ausstattungselemente sind eine für die damalige Zeit klassische Musiktruhe der Firma Nordmende namens Fidelio, ein Klavier, ein Schreibtisch mit mechanischer Schreibmaschine, an der vor allem Rocco seine Korrespondenzen gestaltet und Tischgruppierungen mit einigen Stühlen. Es wird ein biedermeiersches Idyll gezeichnet, in der sich die handelnden Personen familiär von der Außenwelt, die durch Machtexzesse und Gewalt geprägt ist, abschotten. Dieses Idyll wird von der linken Bühnenseite gelegentlich jäh gestört und durchbrochen von langsam bis in die Bühnenmitte hineinfahrende Logistikregale. Sie legen den Blick frei auf Bücher, Akten und Gefangene. Florestans Gefängnis befindet sich in einem Art Sarkophag. Durch die riesige Glaswand schaut man videobebildert in Wälder mit unterschiedlicher Farbstimmung, in denen Rehe und zum Beispiel der „böse Wolf“ überdimensional groß und in weiß bei Florestans Arie „Gott, welch Dunkel hier in hellstem Licht erscheinen. Eine Kernaussage oder Deutung der Befreiungstat Leonores findet man scheinbar nicht. Die Charaktere der Handlung werden sehr persönlich, ja sogar intim gezeichnet mit ihren individuellen Absichten und Abgründen im Überwachungsstaat und Familienidyll. Die Sänger agieren meist an der Rampe in dem dunkel wirkenden Bühnenbild oder vor schwarzen Bühnenvorhängen fast wie bei einer konzertanten Aufführung. Zum Finale ein verklärter Einmarsch der Gefangenen, der mittlerweile auch in weiß gekleideten Schergen des Don Pizarros und ein Vermischen mit allen Beteiligten der Oper. Don Pizarro wird von zwei Beteiligten über die Terrasse nach draußen geführt. Aus dem düster nebelverhangenen graue Wald entspringt wieder frühlingshaftes Grün als Zeichen der Hoffnung. Zur Premiere am 28.1.2018 wurde die gesamte Regie dieses Fidelio mit weitgehend heftigen Missfallenskundgebungen beurteilt.

Staatsoper Hamburg / Fidelio - hier im Vordergrund Don Pizarro, Ensemble © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Fidelio – hier im Vordergrund Don Pizarro, Ensemble © Arno Declair

Die Komposition nicht die Handlung übernimmt bei dieser Regie das Primat der Aufführung.  Nach Eindrücken in der Generalprobe und – dem Vernehmen nach in der missratenen Premiere – dirigiert Kent Nagano sein Staatsorchester „auf Sicherheit“. Nur sehr wenige Einsätze kommen unklar für Orchester, Chor und auch Solisten. Flott klingt es zum Beispiel bei der ausgewählten längeren dritten Konzertouvertüre Leonore. Hier erhält das Orchester lautstarken Beifall. Sicher und deutlich langsamer, die Sänger- und Choreinsätze betonender führt Nagano durch die Partie. Die Chorszenen (Einstudierung Eberhard Friedrich) insgesamt geraten zu sehr schönen musikalischen Höhepunkten. Die Sängerinnen und Sänger des Abends gestalten durchweg auf ordentlichem Niveau und machen den musikalischen Eindruck über weite Strecken hörenswert.

Die schönsten stimmlichen Momente des Abends gehören Fidelio und Rocco. Simone Schneider ist Ensemblemitglied am Staatstheater am Gärtnerplatz in München gewesen und derzeit an der Staatsoper Stuttgart engagiert. Sie gestaltet die Titelpartie mit großem Einsatz, hoher Textverständlichkeit und schön dunkel gefärbtem Timbre. In den mittleren Lagen klingt ihre Stimme sehr lyrisch; sauber und kraftvoll gelingen ihr auch die Spitzentöne. Sie hat es auch etwas leichter, da sie zum Beispiel die Arie Abscheulicher, wo eilst Du hin?“ beinahe wie konzertant alleine vor herabgelassenem Bühnenvorhang gestalten kann. Falk Struckmann (Rocco) gehört zu den bedeutendsten Bassbaritonen seines Fachs. Er ist in Hamburg gerne gesehener Gast seit seinem Debüt in der Spielzeit 1994/95. Er sang hier unter anderem in Mathis der Maler, Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Fidelio (in der Neuenfelsinszenierung als Don Pizarro), Tosca und Salome. Falk Struckmann gibt den Gefängniswärter mit prachtvollem, besonders schwarz gefärbten Klang mühelos und feinstartikulierend. Er erhält vom Publikum am Ende auch den größten Beifall. Christopher Ventris (Florestan) gehört zu Großbritanniens erfolgreichsten Tenören und ist vor allem für sein Wagner-Repertoire bekannt, auf das er seine internationale Karriere in den letzten zwanzig Jahren fokussiert hat. Mit dem Florestan feiert Christopher Ventris nun an der Hamburgischen Staatsoper sein Debut. In der zweiten Vorstellung hat er jedoch einen rabenschwarzen Tag erwischt. Er singt die Partie zwar kraftvoll, aber gestemmt und viel zu sehr gepresst, so dass ihm bei der Arie „Gott, welch Dunkel hier“ die Stimme mehrfach wegbricht. Mit großer Mühe steht er seine Rolle bis zum Ende durch. Werner Van Mechelen (Don Pizarro) ist ein vielseitiger belgischer Bass-Bariton mit breitem Lied-, Konzert- und Opernrepertoire, das von Barockpartien über Mozart- und deutsches bzw. italienisches Repertoire bis hin zu modernen Komponisten mit vielen Uraufführungen reicht. Erst im Sommer des vergangenen Jahres konnte man sein Debut bei den Bayreuther Festspielen verzeichnen (IOCO Kultur im Netz berichtete), wo er einen erfolgreichen Klingsor im Parsifal in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg darstellte. Als „Stasi-Chef“ Don Pizarro kann er in Hamburg nahtlos an seinen Bayreutherfolg anknüpfen. Er singt sehr textverständlich mit hohem Einsatz und ist bemüht die dunklen Seiten des Gefängnisleiters herauszustellen. Ein wenig prägnanter bösartig hätte es jedoch noch sein können.

Don Ferrando ist der türkische Bariton Kartal Karagedik, der seit der Spielzeit 2015/16 Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper ist. Seine zu Beginn noch recht unauffällige Wirkung entwickelte er durch kluge Rollenauswahl und Debuts an kleineren und mittleren Opernhäusern zu einer mittlerweile tragenden, flexibel agierenden und klangschönen Ausstrahlung. Als Don Ferrando hat er die undankbare Aufgabe, erst am Ende der Oper und nur recht kurz aufzutreten. Er gestaltet seinen Part jedoch sehr schön lyrisch, textverständlich und mit feiner Stimmführung.

Staatsoper Hamburg / Fidelio- hier Schlussszene mit Chor und Ensemble © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Fidelio – hier Schlussszene mit Chor und Ensemble © Arno Declair

Mélissa Petit (Marzelline) war von 2010 bis 2013 Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg. Seit der Spielzeit 2015/16 gehört Mélissa Petit zum Ensemble des Zürcher Opernhauses und debütierte mittlerweile auch an der Opéra Bastille in Paris und den Bregenzer Festspielen. Mélissa Petit gibt die Marzelline mit fein geführter Stimme und  schönem dunklen Klang.

Thomas Ebenstein, seit 2012 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, gibt den Jaquino solide mit schöner Spieltenorstimme und großem Einsatz.

Zur Premiere dieses Fidelio waren die Rezensionen weitgehend höchst negativ. IOCO möchte sich diesen Philippiken nicht anschließen. Das Publikum in der zweiten fast ausverkauften Aufführung des Fidelio reagierte mit sehr freundlichem Applaus auf alle musikalisch Beteiligten.

Fidelio an der Staatsoper Hamburg: Weitere Aufführungen: 4.2.2018; 6.2.2018; 9.2.2018; 27.4.2018; 2.5.18; 5.5.2018 und 9.5.2018

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