Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere OTELLO DARF NICHT PLATZEN!, 01.09.2019

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

OTELLO DARF NICHT PLATZEN! Das Musical
Brad Carroll / Peter Sham

Premiere So. 01.09.19, 19:30 Uhr, Stadttheater

Musical nach der Komödie von Ken Ludwig // Buch und Gesangstexte von Peter
Sham // Musik von Brad Carroll // Deutsch von Roman Hinze

Musikalische Leitung William Ward Murta Inszenierung Thomas Winter Bühne und Kostüme Ulv Jakobsen Choreografie Dominik Büttner Dramaturgie Jón Philipp von Linden Mit Dirk Audehm, Yun-Geun Choi, Mark Coles, Michaela Duhme, Christin Enke-Mollnar, Joshua Farrier, Patricia Forbes, Krzysztof Gornowicz, Jonas Hein, Navina Heyne, Franziska Hösli, Evelina Quilichini, Carlos Horacio Rivas, Roberta Valentini, Jeannine Michèle Wacker; Bielefelder Opernchor, Bielefelder Philharmoniker

Theaterdirektor Saunders ist verzweifelt: Das Opernhaus Cleveland fiebert einer Galavorstellung von Verdis Otello entgegen, die Theatergilde rotiert seit Wochen wegen des Festbanketts, der Saal ist lange ausverkauft, selbst Präsident Roosevelt hat sich angekündigt (wir schreiben 1934)! Als endlich der große Tag da ist, fehlt der wichtigste Gast: Startenor Tito Merelli. Was tun? Souffleur und Regieassistent Max ist bereit, einzuspringen, aber niemand darf etwas davon merken. Zwar taucht der vermisste Gast doch noch auf, hat auch sein Originalkostüm dabei, fällt aber nach einem handfesten Streit mit seiner Frau mithilfe von Beruhigungsmitteln in einen derart tiefen Schlaf, dass er die Vorstellung buchstäblich verschläft. Max brilliert als Otello, der Skandal ist abgewendet, das Publikum tobt – doch die Show hinter der Bühne geht jetzt erst richtig los, da diverse weibliche Mitglieder des Hauses die Chance auf ein Schäferstündchen mit dem Startenor durchaus nutzen wollen und Merelli selbst nicht nur aufgewacht ist, sondern sich ebenfalls in sein Otello-Kostüm geworfen hat …

Ken Ludwig schrieb 1986 die Komödie Otello darf nicht platzen als Schauspiel und landete damit seinen bisher größten Erfolg. Peter Sham und Brad Carroll, zwei Broadway-Autoren der jüngeren Generation, waren 2004 überraschenderweise die ersten, die auf die Idee kamen, ein Musical daraus zu machen. Was naheliegend war, schließlich lässt sich eine Komödie über die Oper und ihre Lieblings-Klischees mithilfe von Musik, Orchester, SängerInnen und Chor noch viel authentischer und spritziger erzählen.

Mit Jonas Hein (Max Garber) und Joshua Farrier (Tito Merelli) treffen ein Musical und ein Operntenor am Theater Bielefeld aufeinander, hochkarätig flankiert von Dirk Audehm (bekannt aus My Fair Lady), Jeannine Michèle Wacker (Daddy Langbein), Roberta Valentini (Das Molekül, City of Angels, Jekyll & Hyde u.v.a.m.) und Navina Heyne (Bonnie & Clyde) sowie dem überaus spielfreudigen Bielefelder Opernchor. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von William Ward Murta. Mit Thomas Winter (Inszenierung), Ulv Jakobsen (Bühne und Kostüme) sowie Dominik Büttner (Choreografie) ist ein Regieteam am Start, das der Komödie das richtige Timing, den nötigen »Drive« und jede Menge Charme zu verleihen imstande ist.

MUSIKALISCHE LEITUNG
William Ward Murta, geboren in Fort Smith/Arkansas und aufgewachsen in Oklahoma, ist seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld. Er übernahm die musikalische Leitung vieler Produktionen wie Cabaret, Evita, Chicago, La Cage aux Folles, Piaf, Die Comedian Harmonists, der Uraufführung von James Lyons Für mich soll’s rote Rosen regnen, Franz Wittenbrinks Männer – Tore, Tränen und Triumphe, Sekretärinnen und Mütter, außerdem She Loves Me, Jekyll & Hyde, Me and My Girl, Crazy For You, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Die Hexen von Eastwick, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, A Little Night Music, Hochzeit mit Hindernissen, Avenue Q, Frühlings Erwachen (Spring Awakening), My Fair Lady und Lazarus. Murta ist in Musikerkreisen ein gefragter Arrangeur; zahlreiche seiner Arrangements gehören zu den Standards von Musical- und Gala-Aufführungen im In- und Ausland. Darüber hinaus komponiert Murta eigene Musicals: 1987 M … wie Marilyn
und sein Werk über das Leben von Galileo Galilei, Starry Messenger (Sternenbote), das 2004 sehr erfolgreich am Theater Bielefeld uraufgeführt wurde. Zu Beginn der Spielzeit 2010/11 folgte ebenso erfolgreich die Uraufführung von The Birds of Alfred Hitchcock und in der Spielzeit 2016/17 die Uraufführung von Das Molekül, für das er in fünf Kategorien beim Deutschen Musical-Theaterpreis nominiert und mit dem von New England Biolabs (NEB) ausgelobten »Passion in Science Award 2019« in der Kategorie »Arts & Creativity« ausgezeichnet wurde.

INSZENIERUNG
Thomas Winter war Sänger der Kölner Soulfunk Band Upstairs bevor er von 1995 bis 1999 an der Folkwang Hochschule Essen Schauspiel, Gesang und Tanz studierte. 1997 gewann er den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang (Musical, Chanson, Song). Von 1999 bis 2001 war er fest als Schauspieler am Theater Heilbronn und von 2001 bis 2005 am Staatstheater Oldenburg engagiert.
Seit 2005 arbeitet er als freier Schauspieler, war in Film- und Fernsehproduktionen wie Das Duo, SOKO München oder Der Baader-Meinhof-Komplex zu sehen und spielte unter anderem am Theater Bielefeld, im Winterhuder Fährhaus in Hamburg, am Theater Münster, in der Bar jeder Vernunft in Berlin, an der Deutschen Oper am Rhein und am Nationaltheater Mannheim.
Darüber hinaus ist er als Regisseur tätig und inszeniert u. a. an der Oper Chemnitz, am Volkstheater Rostock, am Theater Konstanz und am Theater Bielefeld, wo er auch seit 2011 die Spielstätte Loft künstlerisch betreut. Am Bielefelder Theater inszenierte er u. a. mit großem Erfolg City of Angels, Sunset Boulevard, Cyrano, Hochzeit mit Hindernissen, Das Molekül und My Fair Lady.

BÜHNE UND KOSTÜME
Ulv Jakobsen wurde 1962 in Berlin-Pankow geboren. Er absolvierte sein Design- und Bühnenbildstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und machte 1993 sein Diplom. 1992 war er Assistent bei Robert Wilson. Jakobsen war an über 80 Produktionen als Bühnen- und Kostümbildner an verschiedenen Theatern beteiligt. Darunter das Nationaltheater Lubljana (Slowenien), das Deutsche Theater Berlin, das Staatstheater Schwerin und das Theatret Vårt in Norwegen. Darüber hinaus arbeitete Jakobsen als Theater- und Filmautor in Schwerin, Bremerhaven und für den Kinofilm Die Datsche (2003). Seine Theaterplakate wurden mehrfach ausgezeichnet und fanden Aufnahme in staatliche und private Sammlungen. Am Theater Bielefeld war Ulv Jakobsen an den Musicalproduktionen City of Angels, Sunset Boulevard, Cyrano, Das Molekül und My Fair Lady als Bühnen- und Kostümbildner beteiligt.

CHOREOGRAFIE
Dominik Büttner studierte Schauspiel, Gesang und Tanz in Wien und sammelte bereits als Balletteleve erste Bühnenerfahrungen an der Wiener Staatsoper und an der Volksoper. Es folgten zahlreiche Engagements als Musicaldarsteller und Schauspieler, u. a. am Theater an der Wien, Theater des Westens Berlin, Nationaltheater Mannheim, Staatstheater Karlsruhe, Bad Hersfelder Festspiele, Oper Kiel, Stadttheater Ingolstadt, Komödie Düsseldorf, Apollo Theater Stuttgart, Theater 11 Zürich und bei der Japan-Tournee von Elisabeth der Vereinigten Bühnen Wien. Dabei arbeitete er beispielsweise mit Helmut Baumann, Jürg Burth, Stefan Huber, Melissa King, Kim Duddy, Bernd Mottl, Otto Pichler, Harry Kupfer, Dennis Callahan, Werner Sobotka und Roman Polanski zusammen. Außerdem spielte er Rollen in TV-Produktionen von ZDF, NDR, WDR und im Kinofilm Polly Blue Eyes. Inzwischen ist er vermehrt auch als Choreograf und/oder Regisseur tätig, u. a. am Theater Bielefeld, Theater für Niedersachsen Hildesheim, den Schauspielbühnen Stuttgart, Stadttheater Ingolstadt, Tipi am Kanzleramt Berlin sowie für Theaterprojekte und Produktionen in Namibia, Russland, der Türkei und den USA. Daneben hat er einen Lehrauftrag an der Universität der Künste Berlin im Studiengang Musical und war Gastdozent an der University of Namibia und der University of North Carolina/USA.

BESETZUNG
Henry Saunders Dirk Audehm
Bernie Guter, Inspizient Carlos Horacio Rivas
Max Garber, Assistent Jonas Hein
Anna 1 (Dame der Operngilde) Evelina Quilichini
Anna 2 (Dame der Operngilde) Franziska Hösli
Anna 3 (Dame der Operngilde) Michaela Duhme
Diana Divane, Operndiva Navina Heyne
Maggie Saunders, Henrys Tochter Jeannine Michèle Wacker
Tito Merelli, Startenor Joshua Farrier
Maria Merelli, seine Frau Roberta Valentini
Bürgermeister von Cleveland Paata Tsivtsivadze
Harry, Liftboy Vladimir Lortkipanidze
Mickey, Polizist Krzysztof Gornowicz
Joe, auch Polizist Mark Coles

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Koblenz, Theater Koblenz, Musical CHESS – Festung Ehrenbreitstein, IOCO Kritik, 23.08.2018

August 22, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Musical, Theater Koblenz

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Theater Koblenz

Festung Ehrenbreitstein / Mit einem Open-Air Konzert des Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Festung Ehrenbreitstein / Mit einem Open-Air Konzert des Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Musical CHESS –  Benny Andresson / Björn Ulvaeus
Auf der Freilichtbühne Festung Ehrenbreitstein

Von Ingo Hamacher

Großartiger Start in die neue Saison; tosender Applaus und Ovationen vor ausverkauften Reihen. Mit dem Musical CHESS auf der Freilichtbühne Ehrenbreitstein gelingt dem Theater KOBLENZ bei großartigem Wetter ein unterhaltsamer Abend ohne Längen, so daß die Besucher eine wunderschöne und musikalisch reizvolle Aufführung in sommerlicher Abendatmosphäre genießen konnten.

Am 18. August 2018 feierte das Theater KOBLENZ die Eröffnung der kommenden Spielzeit mit einer Neuinterpretation des Musicals CHESS auf der Freilichtbühne der Festung Ehrenbreitstein.

Die Festung Ehrenbreitstein ist eine seit dem 16. Jahrhundert bestehende Befestigungsanlage gegenüber der Moselmündung in Koblenz. Das Festungsgelände, das für die Bundesgartenschau 2011 neu gestaltet und erschlossen wurde, kann rechtsrheinisch über einen Schrägaufzug, linksrheinisch durch die Seilbahn Koblenz erreicht werden (Der Preis für die Seilbahnfahrt ist im Eintrittspreis für das Musical bereits enthalten), so dass der Zugang leicht möglich und für sich genommen schon Teil des erlebnisreichen Abends ist.

Dabei lassen die kolossalen Gefängnismauern der Garnisonsanlage die Freilichtbühne erst einmal winzig erscheinen. Zu groß und zu mächtig die Bauten, als dass man auf den ersten Blick einen realistischen Größeneindruck der Freilichtbühne erhält, die mit über 800 Sitzplätzen erheblich größer als das Theater Koblenz ist, das nur 500 Plätze aufweist.

Theater Koblenz / Musical CHESS auf der Festung Ehrenbreitstein - hier : Solisten und Ensemble © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS auf der Festung Ehrenbreitstein – hier : Solisten und Ensemble © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Bühne, mit pinken Linien an Boden und Rückwand ein Schachfeld andeutend, ohne sich jedoch einem stereotypen Schwarz/Weiß zu unterwerfen, bleibt den ganzen Abend über – von ein paar Requisiten abgesehen – als Spielfläche frei, wodurch die Inszenierung eine angenehme Ruhe und wohltuende Gleichmäßigkeit gewinnt. Abwechslung und Spannung entsteht durch eine fast die ganze Bühne überspannende Projektionsfläche, auf der durchgehend Bilder, Filme, Einspielungen, Animationen oder die Livebilder eines immer wieder auf der Bühne präsenten Kameramanns übertragen werden, so daß auch intime Bühnenaugenblicke in den Duetten noch in den letzten Sitzreihe gut mitverfolgt werden können. (Video: Georg Lendorff)

Musical CHESS: Hommage an die legendäre Schachweltmeisterschaft 1972
Boris Spassky – Bobby Fischer

In den 80er Jahren waren der Hit »One Night In Bangkok«, »Nobody’s Side« und das oft gecoverte Duett »I Know Him So Well« große Charterfolge, noch bevor das Musical CHESS auf die Bühne kam. Die Musik wurde von den männlichen Mitgliedern des ABBA-Teams Benny Andresson und Björn Ulvaeus geschrieben, die damit 1984 ihr erstes Musical am Londoner West End auf die Bühne brachten, wo es für mehrere Jahre gespielt wurde. Die Texte schrieb Björn Ulvaeus zusammen mit dem Briten Tim Rice (Der König der Löwen, Evita).

Zweieinhalb Monate nach der Uraufführung in London fand dort eine Hälfte der Schachweltmeisterschaft 1986 statt, wodurch auch das Musical erhöhte mediale Aufmerksamkeit erhielt.So erfolgreich die Songs von CHESS auch waren und es immer noch sind, so undurchsichtig und kompliziert ist die Handlung des Musicals. Das Ränkeschmieden zwischen Russen und Amerikanern im „Kalten Krieg“, das im Musical CHESS am Beispiel zweier um dieselbe Frau rivalisierender Schach-Weltmeister ausgetragen wird, ließ zwischen politischen Intrigen und psychologischen Verwirrspielen zu viele Fragen offen. Die Story des Musicals CHESS wurde daher mehrfach überarbeitet und in jeder Neuinszenierung fand sich ein anderes Finale. So erzählt die ursprüngliche Londoner Fassung von zwei Schachturnieren, während die Broadway-Fassung nur von einem Turnier handelt.

Die Inszenierung von Markus Dietze (es ist seine 9. Musicalproduktion für das Theater Koblenz), Dramaturgie Nathalie Thomann, greift auf die Londoner Fassung mit den zwei Schachturnieren in Meran und Bangkok zurück. Die erheblichen Kürzungen des Ursprungslibrettos führen zu einer deutlichen Verschlankung der Handlung und Entwirrung mancher kaum zu überschauenden Intrigen, so dass das stimmige Ergebnis die Geschichte nachvollziehbar erlebbar macht.

Das Theater Koblenz spielt das Musical in der 2014 aktualisierten deutschen Übersetzung von Kevin Schröder. Fraglos eine richtige Entscheidung, da diese neue Übersetzung außergewöhnlich gut gelungen ist. Und durch die deutschsprachigen Texte kann auf eine Übertitelung verzichtet werden, so dass die Konzentration stärker auf das musikalische Geschehen gerichtet werden kann. Kleine Qualitätsabstriche sind dabei natürlich nicht zu vermeiden, wenn an wenigen Stellen der deutsche Text etwas holprig auf der englischsprachig gedachten Melodie-Linie liegt. Da die Hits des Musicals vielen Besuchern noch im englischsprachigen Original oder entsprechenden Coverversionen im Ohr sind, irritieren die deutschen Texte an diesen Stellen vereinzelt, ohne jedoch den großartigen Erlebnisfluss zu stören.

Theater Koblenz / Musical CHESS - auf der Festung Ehrenbreitstein, hier Mario Mariano, Markus Schneide, Charlotte Irene Thompson © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS – auf der Festung Ehrenbreitstein, hier Mario Mariano, Markus Schneide, Charlotte Irene Thompson © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Inszenierung, Bühne & Kostüme (Christian Binz; Mitarbeit Kostüme Judith Leonard) und die Choreografie von Katrin Wolfram verzichtet auf jede Aktualisierung des Stoffes, und zeigt uns die Welt der Entstehungszeit des Musicals: die 80er Jahre. Schulterpolster und Dauerwellenfrisuren bevölkern die Bühne; Farbkombinationen und Textilmuster sind erlebbar, die man heute kaum für möglich halten würde. Aber das durchweg reifere Publikum schwelgte sichtbar vergnügt in Erinnerungen. Das hatte man mitgemacht, so hatte man auch mal ausgesehen…

Die Handlung: Schachweltmeisterschaft in Meran: Der arrogante amerikanische Titelverteidiger Frederick Trumper (Marcel Hoffmann) wird vom russischen Schachgenie Anatoly Sergievsky (Markus Schneider) herausgefordert – zu Zeiten des „Kalten Krieges“ eine hochpolitische Angelegenheit.

So wird von beiden Seiten aus dem Hintergrund versucht, mit unlauteren Mitteln Einfluss auf dieses bedeutende Duell zu nehmen: Pressekonferenzen, geheime Treffen, illegale Absprachen finden statt. Eine besondere Rolle spielt hierbei die schöne Ungarin Florence Vassy (Monika Maria Staszak), Fredericks Assistentin und Geliebte, die sich allerdings in dessen Kontrahenten verliebt. Anatoly gewinnt das Turnier und beschließt, nicht mehr nach Russland zurückzukehren.

Ein Jahr später muss er sich als Champion im thailändischen Bangkok einem jungen russischen Herausforderer stellen. Doch das eigentliche Spiel findet abermals jenseits des Schachbretts statt.

Die russische Seite bietet Anatoly einen Deal an: Wenn er freiwillig die Meisterschaft verliert, wird der Vater seiner Geliebten und zahlreiche weitere Gefangene aus russischer Haft entlassen. Um den Druck zu erhöhen, wird zusätzlich seine russische Ehefrau und Mutter zweier gemeinsamer Kinder eingeflogen und ein Treffen zwischen beiden arrangiert. Und dann ist es ausgerechnet sein ehemaliger Konkurrent Frederick Trumper, der das Schachspiel aufgegeben hat, und inzwischen als Journalist über die Weltmeisterschaft in Bangkok berichtet, der ihm den wichtigen Rat erteilt: „Beuge dich niemals dem Mittelmaß! Kämpfe!“

Anatoly gewinnt das Match; entschließt sich jedoch anschließend, wieder nach Russland und zu seiner Familie zurück zu gehen. Dies auch in der Hoffnung, auf diesem Wege die in Aussicht gestellten Haftentlassungen durchsetzen zu können…

Theater Koblenz / Musical CHESS - auf der Festung Ehrenbreitstein - hier : Adrian Becker © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS – auf der Festung Ehrenbreitstein – hier : Adrian Becker © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Marcel Hoffmann in der Rolle des draufgängerischen Frederick Trumper, der auch im Theater in der Altmark (Stendal) zu erleben ist, tritt bereits in seiner 11. Musical-Produktion für das Theater Koblenz auf: 2016 JESUS CHRIST SUPERSTAR (Jesus), 2015/15 MY FAIR LADY (Freddy Einsford-Hill), 2015 CATS (Skimbleshanks), 2014/15 MOULIN ROUGE STORY (Henri de Fontillac), 2014 DIE COMEDIAN HARMONISTS (Ari), 2014 HAIR (Claude Bukowsky), 2013 DIE DREIGROSCHENOPER (Macheath), 2012/13 EVITA (Che), 2011/12 Claude Bukowsky CABARET (Clifford Bradshaw), 2009/11 SWEENEY TODD (Tobias Ragg). Hoffmanns Nachteil in diesem Stück besteht darin, dass die Rolle des amerikanischen Ekelpakets Trumper bis auf die im zweiten Akt vorkommende Kindheitserzählung keinen Raum für lyrischen Gesang bietet. In seinen geschmetterten Gesangspassagen entscheidet er sich oft für Kraft und Dramatik, anstatt durchgängig auf eine saubere Melodie-Linie zu achten.

Die beiden Hauptfiguren des Stücks: Markus Schneider, in der Rolle des introvertierten Russen; ein äußerst erfahrener Musicalsänger: Für ihn ist es seine 35. Musicalproduktion auf zahlreichen Bühnen im deutschsprachigen Raum. Schneider war bereits mehrfach in Koblenz zu Gast: 2014 in DIE COMEDIAN HARMONISTS als Erich, 2008 in JESUS CHRIST SUPERSTAR als Petrus. In MY FAIR LADY, dass von 2015 bis 2017 in Koblenz gespielt wurde, gab er die Rolle des Henry Higgins.

Theater Koblenz / Musical CHESS -auf der Festung Ehrenbreitstein © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS -auf der Festung Ehrenbreitstein © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Monika Maria Staszak, die die Rolle der schöne Ungarin Florence Vassy übernommen hat, steht aktuell noch als Sybille Meilhaus im Musical LUDWIG2 im Ludwigs Festspielhaus (Füssen) auf der Bühne. Für sie ist es bereits ihre 17. Musical-Produktion, wobei sie in Koblenz 2015 in CATS die Rolle der Grizabella, 2013 in der DREIGROSCHENOPER die Partie der Spelunkenjenny gesungen hat. Im von 2009 bis 2011 gespielten SWEENEY TODD war sie ebenfalls dabei.

Beide überzeugen sowohl beim musicaltypischen „Belting“, wie auch in den lyrischen Passagen der Duette, in denen sie die Bandbreite ihres großen musikalischen Könnens zeigen.

In den weiteren Rollen Wolfram Boelzle (Koblenz, Berlin, Bad Vilbel) als Walter de Courcey, Adrian Becker (30 Produktionen bundesweit) als Alexander Molokov, Michèle Silvestrini in ihrer 2. Produktion als Svetlana Sergievskaya und Christof Maria Kaiser (7 Partien in Koblenz von insgesamt 14) als SchiedsrichterBoelzle gewinnt die Herzen der Zuschauer vor allem durch sein strahlendes Lächeln und seine geradezu ansteckende Spielfreude. Becker, Silvestrini und Kaiser zeigen sich den Anforderungen ihrer Gesangspartien mehr als gewachsen.

Reporter/Pop-Chor:   Raphaela Crossey, Hyunhwa Lee, Dorothee Lochner, Mario Mariano, Ian McMillan, Klaus Phillip, Michael Seifferth, Charlotte Irene Thompson

Gesanglicher Höhepunkt des Abends war jedoch die kleine aber feine Partie der russischen Ehefrau Anatolys. Leider weist das Programmheft nicht aus, welche Dame des Chors die Partie gesungen hat, so dass ich an dieser Stelle nur unbekannterweise meine tiefe Hochachtung aussprechen kann. Aber auch die vier englischen Herren verdienen aufgrund ihrer großartigen musikalischen Leistung eine lobende Erwähnung.

Musikalische Leitung und Choreinstudierung: Karsten Huschke, seit 2013 Studienleiter und Kapellmeister am Koblenzer Theater. Es ist eine große Herausforderung, unter solch ungewöhnlichen Aufführungsbedingungen eine so großartige und gelungene Arbeit auf die Bühne zu bringen, zumal die Akustik zwischen den Gefängnismauern ihre Tücken hat. Und so kämpft Huschke dann auch immer wieder darum, das auseinander laufende Orchester zusammen zu halten.

Auch der Umstand, dass Dirigent und Musiker hinter dem Bühnengeschehen, getrennt von einer transparenten Trennwand, platziert sind, bringt Schwierigkeiten mit sich.

Da die Sänger keinen Blick auf den Dirigenten haben und Bildschirme zur Übertragung des Dirigats fehlen, tasten sie sich nach Gehör bei Beginn jeder neuen Nummer in die Musik ein. Wenn sie dann sicher sind, ihren Einsatz getroffen zu haben, schmettern sie ab dem 3. Takt ihren Text. Die Aufführung leidet etwas an diesen fragend verwaschenen Einsätzen, ohne jedoch den äußerst positiven Gesamteindruck der musikalischen Leistung zu trüben.

Die Choreografie, die die musikalisch besonders interessanten Musiknummern der Schachspiele in Ballettszenen umsetzt, stammt von der dresdener Tänzerin und Choreografin Katrin Wolfram. Ihre umfangreichen praktischen und theoretischen Erfahrung konnte sie bereits in einigen Choreografien in den Bereichen Schauspiel-, Opern- und Musicalinszenierungen einbringen. Ihre Koblenzer Arbeit verbindet sich mit Musik und Inszenierung zu einem stimmigem Ganzen.

Opernchor, Extrachor, Ballett – Es spielt das Staatsorchester Rheinische Philharmonie

Ob mir aber das Musical CHESS, die humorvoll lebendige Einführungsrede des Indendanten Markus Dietze oder die Abfahrt von der Festung Ehrenbreitstein mit der Seilbahn Koblenz ins nächtlich beleuchtete Koblenz, überstrahlt von einem leuchtenden Mond, am Besten gefallen hat, kann ich gar nicht sagen.

– Es war ein rundherum wunderschöner Abend! –

Musical CHESS,  weitere Termine: So 19.08.2018, Do 23.08.2018, Fr 24.08.2018, Sa 25.08.2018, So 26.08.2018;  Dauer der Inszenierung beträgt ca. 2 1/2 Stunden. 1 Pause

Weitere Spielzeit 2018/19: Das Programm des Theater Koblenz im Bereich des Musiktheaters der Spielzeit 2018/19 ist beachtlich: Neben dem Musical CHESS stehen stehen noch die Operetten DIE CHARDASFÜRSTIN von Kalman und der BALL IM SAVOY von Abraham, sowie die Opern LA CHENERENTOLA von Rossini, LA BOHEME von Puccini, FAUST von Spoh, DOCTOR ATOMIC von Adams, ALBERT HERRING von Britten und DER TROUBADOUR von Verdi auf dem Spielplan.

—| IOCO Kritik Theater Koblenz |—

Mainz, Staatstheater Mainz, Premiere COMEDIAN HARMONISTS, 25.11.2017

November 20, 2017 by  
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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

COMEDIAN HARMONISTS
Liederabend von Gottfried Greiffenhagen und Franz Wittenbrink

Premiere 25. November 19.30 Uhr, weitere Termine: 8., 10., 17., 26.12.2017, 8.1., 31.1., 4.2., 24.2., 10.3.2018

Alles beginnt mit einer Anzeige: „Schönklingende Stimmen für einzig dastehendes Ensemble gesucht.“ Und sie sind einzigartig, die Comedian Harmonists, die sich auf die Anzeige hin zusammenfinden. In monatelanger

Probenarbeit entwickeln sie einen für Europa völlig neuen Gesangsstil und schließen 1928 ihren ersten Vertrag mit dem Berliner Revuekönig Eric Charell ab. Kleinere Auftritte folgen und schließlich der große Durchbruch. Als erste Unterhaltungskünstler treten die Comedian Harmonists in der Berliner Philharmonie auf. Die folgenden Jahre werden zu einer sensationellen Erfolgsgeschichte mit umjubelten Auftritten und gefeierten Plattenaufnahmen. Doch als die Nationalsozialisten an die Macht kommen, gerät die Existenz der Gruppe in Gefahr, denn drei ihrer Mitgliedersind Juden.

Der Abend von Gottfried Greiffenhagen und Franz Wittenbrink zeichnet die Geschichte des legendären Vokalensembles von seiner Gründung bis zur erzwungenen Auflösung nach. Dabei dürfen auch ihre unvergesslichen Lieder wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ nicht fehlen. In der Inszenierung von K.D. Schmidt sind sechs Mitglieder des Opernensembles als Comedian Harmonists zu erleben.

Musikalische Leitung: Paul-Johannes Kirschner, Inszenierung: K.D. Schmidt, Bühne: Thomas Drescher, Kostüme: Maren Geers, Dramaturgie: Anselm Dalferth

Mit: Alin Deleanu, Steven Ebel, Johannes Mayer, Peter Felix Bauer, Stephan Bootz, Paul-Johannes Kirschner, Johannes Schmidt

Weitere Spieltermine: 8., 10., 17. und 26.12., 8. und 31.1., 4. und 24.2. sowie 10.3.

—| Pressemeldung Staatstheater Mainz |—

Lübeck, Theater Lübeck, In der Bar Zum Krokodil – Die Comedian Harmonists, 18.02.2017

Januar 23, 2017 by  
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Theater Lübeck

Theater Lübeck / Comedian Harmonists © Thorsten Wulff

Theater Lübeck / Comedian Harmonists © Thorsten Wulff

 »In der Bar ›Zum Krokodil‹ – Die Comedian Harmonists«

Uraufführung 18. Februar Premiere im Großen Haus, weitere Vorstellungen am 22.2.2017, 12.3.2017, 18.3.2017, 31.3.2017, 9.4.2017, 15.4.2017, 29.4.2017

Ein Theaterabend von Pit Holzwarth, unter Verwendung von Szenen von Renato Grünig und Pit Holzwarth

»Denn Theben ist für Memphis das, was Lausanne für Genf ist.«

Die »erste Boygroup der Welt« imitiert – in einer Stimme, in einem Gesangskörper– ein ganzes Orchester! Doch wer hat das Sagen im Kollektiv? Schauspieldirektor Pit Holzwarth, Autor und Regisseur der ersten Theaterfassung vom spektakulären Aufstieg der Comedian Harmonists und ihrer niederschmetternden Auflösung, widmet sich erneut dem legendären Kollektiv und seinen Dissonanzen. Am 18. Februar wird die Uraufführung um 20.00 Uhr in den Kammerspielen des Theater Lübeck gefeiert.

Die Spannungen in der Gruppe verstärken sich durch den politischen Druck von außen: Den Nazis waren die Ironie, das Unheldenhafte und Androgyne der eleganten Herren unerträglich. Für Holzwarth und die Nachwelt bleiben ihre grandiosen Evergreens wie »Der kleine grüne Kaktus« und »Veronika« unerreicht.

Die Goldenen Zwanziger in Berlin: Der Schauspielschüler Harry Frommermann schreibt Partituren für eine noch nicht existierende Gesangsgruppe und annonciert: »Achtung. Selten. Berufsanfänger, nicht über 25, sehr musikalisch, schönklingende Stimmen, für einzig dastehendes Ensemble gesucht.«

Aus der Schar arbeitssuchender Künstler engagiert er den Bass Robert Biberti, dieser empfiehlt den bulgarischen Tenor Ari Leschnikoff. Es folgt Bariton Roman Cycowski, Erwin Bootz übernimmt das Piano, dessen Kommilitone Erich A. Collin wird zweiter Tenor.

Anfang 1928 beginnen sie zu proben: Der Klang der Leichtigkeit ist harte, lange Arbeit! Im Herbst treten sie zum ersten Mal auf, weitere Engagements in Berlin und anderen deutschen Städten folgen. Rundfunk und Schallplatten verhelfen den jungen, gut aussehenden Männer rasch zu Erfolg – sie sind Popstars!

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 werden Konzerte abgesagt, drei der Mitglieder sind jüdisch, anders: Nichtarisch. Frommermann, Cycowski und Collin werden 1935 nicht in die Reichsmusikkammer aufgenommen und verlieren somit das Recht auf Berufsausübung. Am 1. März 1935 kommen die Comedian Harmonists trotz des Verbots für eine letzte Aufnahme zusammen, danach spaltet sich die Gruppe. PMThLü

Die Comedian Harmonists: Uraufführung 18. Februar Premiere im Großen Haus, weitere Vorstellungen am 22.2.2017, 12.3.2017, 18.3.2017, 31.3.2017, 9.4.2017, 15.4.2017, 29.4.2017

—| Pressemeldung Theater Lübeck |—