CD – Rezension, Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner, IOCO Kritik, 26.12.2018

Dezember 27, 2018 by  
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NAXOS / Der Ring des Nibelungen - mit Jaap van Zweden © NAXOS Deutschland

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – mit Jaap van Zweden © NAXOS Deutschland

Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner

Digitale Zauber aus:  Hongkong / NAXOS versus Bayreuth

Von Michael Stange

Naxos, der weltweit größte Anbieter für klassische Musik, und natürlich die Bayreuther Festspiele bietet faszinierende CD-Produktionen des Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Michael Stange bespricht im folgenden für IOCO die folgenden Aufnahmen:

– Die Naxos-Eigenproduktion des Ring des Nibelungen unter Jaap van Zweden mit dem Hongkong Philharmonic Orchestra, entstanden in den Jahren 2015 -2018.

– Den Mitschnitt des Ring des Nibelungen der Bayreuther Festspiele von 2008 unter Christian Thielemann von Opus Arte.

Der hauseigene Naxos-Ring wurde in Hong Kong, wo das das Label seinen Sitz hat, zwischen 2015 und 2018 eingespielt. Geschuldet ist der Firmensitz der Vita des Naxos-Gründers Klaus Heymann. In Deutschland geboren setzte er seine Berufslaufbahn 1967 in Asien fort. Während des Vietnamkriegs organisierte er dort den Vertrieb einer US-amerikanischen Soldatenzeitung. Nebenher gründete er ein Versandgeschäft für Uhren, Kameras und Hifi-Artikel und importierte Klassik-LPs. In der Folge übernahm er den Asien-Vertrieb diverser unabhängiger Plattenlabel und gründete – und nicht ohne Hintergedanken – sein erstes eigenes Label Marco Polo. Die Idee war, seiner Frau, der japanischen Violinistin Takako Nishizaki, eine Plattform zu bieten, nahezu unbekannte Werke zu veröffentlichen. 1987 folgte dann die Gründung des Labels Naxos. Seitdem sind eine Vielzahl von Veröffentlichungen erschienen, die sich stets durch eine ausgezeichnete Aufnahmetechnik und qualitativ hochwertige Interpretationen auszeichnen.

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Den Tonmeistern ist es gelungen, einen Ring des Nibelungen aufzunehmen, der alle aufnahmetechnischen Finessen und Möglichkeiten des digitalen Zeitalters vollendet auf die Silberscheibe bannt. Orchester und Sänger sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das Klangbild ist phänomenal ausbalanciert. Verblüffend gelingt auch die Erzeugung eines mehrdimensionalen Klangraums in Breite und Tiefe. Wenn die Rheintöchter im Finale des Rheingolds Wotan anrufen glaubt, sie aus der Tiefe des Rheins zu hören.

Auch Lautsprecher, die nicht durch Basslastigkeit glänzen, bringen selbst die tiefen Töne der Hörner und Pauken wirklichkeitsgetreu hervor. Diese filigrane Aufnahmetechnik und klangliche Finesse allein überwältigt.

Auf der beigefügten USB Karte erläutert Produzent und Tonmeister Phil Rowlands die Details des Aufnahmeverfahrens, wie er mit den Mikrofoneinstellungen experimentiert hat und dass das Abmischen von wenigen Minuten Aufnahmezeit oft Stunden in Anspruch genommen hat. Seine Arbeit macht die Aufnahme in tontechnischer Hinsicht zum Meilenstein und zur Messlatte für neue Opernaufnahmen.

Wem die in kompakten CD Boxen zu schwer sind, der kann den Ring auch über den Naxos Streamingdienst NAXOS Music Library in achtbaren, klangvollem 320 kbs im AAC-Format hören. Erforderlich ist dafür ein Abonnement. Alternativ bieten zahlreiche regionale Büchereien oder Bibliotheken ihren Kunden einen Zugang zur digitalen Naxos-Bibliothek an. Erhältlich ist die Naxos Aufnahme auch als Blue Ray Audio DVD. Im Downloadbereich werden weitere hochauflösende Stereo-Daten-Formate angeboten, darunter auch DSD 2.8MHZ und DSD 5.6MHZ.

Dies entspricht bzw. übertrifft die Qualität der Super Audio CDs (SACD). Aufgrund der hohen Klangqualität ist dies überaus begrüßenswert; so wird vom Tabletnutzer bis zum High-End Stream für alle Zielgruppen ein passendes Tonformat geboten. Die CD Ausgabe ist klanglich so gut gelungen, dass sie an Klangfülle, Auflösung und Tonumfang mit den anderen High-End Formaten mithalten kann und durch handliches Format überzeugt.

NAXOS / Der Ring des Nibelungen - hier: Jaap van Zweden © Ramond HoHK Phil

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – hier: Jaap van Zweden © Ramond HoHK Phil

Jaap van Zweden zeichnet die Partitur als Erzählung ohne Prunk und Pathos; seine Tempi begleiten die Handlung in bestrickender und spannender Weise. Klangschönheit paart sich mit mitreißenden Akzenten. Der Fluss des Dramas und die Spannungsbögen werden mit den Sängern gestaltet und entwickelt. Der Orchesterklang ist durchsichtig, kraftvoll und an entscheidenden Stellen dramatisch zupackend. Das Klangbild bleibt vom Rheingold bis zur Götterdämmerung durchsichtig und ausgewogen. Streicher und Holzbläser atmen und werden nie zugedeckt.

Dadurch sind die filigranen und oft polyphonen Melodienführung der Partituren stets präsent. Van Zweeden und sein Orchester bringt die vielschichtigen, schillernden Harmonielandschaften der einzelnen Teile des Ringes brilliant zum klingen. Das balancierte Zusammenspiel lässt alle Instrumente durchscheinen und bringt Wagners Werk packend und präzise auf die Klangbühne.

Schon im Rheingold meint man beim Gesang der Rheintöchter die Sonne in die Tiefen des Rheins herabblinzeln zu sehen. Aufwühlend dramatische auch Alberichs Höhle, der 1. Akt Walküre und das Siegfried Finale. Der 3. Akt Walküre zeichnet sich durch einen Walkürenritt ohne Pathos und Blechgetöse aus. Gerade hier gelingt eine Orchesterführung, die sich ganz der menschlichen Tagödie zwischen Brünnhilde und Wotan widmet, den Sängern den Vortritt lässt und sie einfühlsam begleitet.. Die Götterdämmerung setzt dem Ganzen in ihrer Wucht und orchestralen Pracht die Krone auf. Hier merkt man, dass das Hong Kong Philharmonic Orchestra in den vier Jahren der Befassung mit Wagner seinen eigenen Stil gefunden hat und das schon im Rheingold brillante Spiel wird in der Götterdämmerung durch abgründige Orchesterfarben und noch diferrenziertes Spiel als zum Beginn der Tetralogie gekrönt.

Höchstes Niveau erreicht auch die Sängerriege. Das gesamte Ensemble ist so wortdeutlich, dass man kein Textbuch braucht. Trotz des Konzertsaals sind die Sänger darstellerisch zutiefst involviert. Der Chor der Götterdämmmerung zeichnet sich Klangschönheit, und Dynamik aus und hebt sich aus vielen Konkurrenzaufnahmen wohltuend hervor.

NAXOS / Der Ring des Nibelungen - hier : Gun-Brit Barkmin © Ka Lam/HK Phil

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – hier : Gun-Brit Barkmin © Ka Lam/HK Phil

Beeindruckend sind auch die Solistinnen. Die Götterdämmerungs-Brünnhilde von Gun-Brit Barkmin ist ein gesanglicher Höhepunkt dieses Ringes. Mit ihrer jugendlich dramatisch, leuchtenden Stimme beherrscht sie die Partie in staunenswerter Weise. Mit berückendem, lyrisch samtweichen Timbre und leuchtender Höhe nimmt sie Abschied von Siegfried; verhangen melancholisch gestaltet sie das Wiedersehen mit Waltraute. Im Racheterzett des 2. Akts und in Brünnhildes Schlussgesangs gelingen ihr gesanglich und gestalterisch große, intensive Momente. Sie füllt die Partie stimmlich mit ihrer leuchtenden Höhe und ihrem klangschönen Sopran vollständig aus. Was für eine beeindruckende Stimme, die Schönheit, Gesangstechnik und interpretatorischen Tiefgang miteinander vereint. Sie ist eine weitere große Überraschung dieses Ringes.

Herausragend auch Heidi Melton als Sieglinde und Siegfried-Brünnhilde. Ihr hochdramatischer Sopran ist von großer Wucht. Mit beindruckende Klangfarben und glühender Gestaltungsfähigkeit gestaltet sie beide Rollen. Petra Lang ist eine klangschöne, technisch sichere Walküre-Brünnhilde. Insbesondere im 3. Akt der Walküre hat sie große lyrische Momente mit rundem warmen Ton. Michelle De Young ist als Fricka darstellerisch ungemein intensiv, fällt aber gegenüber den Sopranen mit ihrem in der Mittellage verschatteten Ton und häufigem Tremolo auch als Waltraute in der Götterdämmerung gegenüber den übrigen Sängerinnen ab.

Matthias Goerne hat bei Naxos seine ersten Wotane und den Wanderer eingespielt. Klangschön, strömend, überaus differenziert und textdeutlich lotet er die Partie aus. Sein Wotan ist von der Tragödie des Scheiterns gezeichnet und kein herrischer Gottvatervater. Allerdings fehlt ihm etwas die heldenbaritonale Wucht und die durchschlagskräftige Höhe. Gleichwohl ein interpretatorisch gelungenes und wichtiges Rollendebut. Textbehandlung und Gestaltung sind vorbildlich.

Auch die Heldentenöre sind gut besetzt. Daniel Brenna ist ein Götterdämmerungs-Siegfried von großer Poesie und heldischer Attacke. Stuart Skelton ist stimmlich mit seinem baritonalen Timbre ein heroischer Siegmund. Simon O’Neills Siegfried gelingt mit Strahlkraft und Schmelz ein eindrucksvolles Portrait des jungen Siegfried. Kim Begley ist ein differenzierter und tückischer Loge. Herausragend auch der schwarze Hagen von Eric Halvarsson. Dirigat, Sängerriege und die überirdische Klangqualität überwältigen. Ein großer Wurf und eine wichtige Ergänzung der überreichen Ring-Discografie.

Christian Thielemann setzt mit Opus Arte die Aufnahmen der Bayreuth-Ringe der neunziger Jahre fort, Daniel Barenboim folgend. Grundlage sind die Rundfunkbänder des Bayrischen Rundfunks. Der Vorzug der Aufnahme liegt in der Live-Atmosphäre. Sie fängt die Akkustik des Bayreuther Festspielhauses mit seinem verdeckten Orchester detailgetreu ein. Beim Zuhören glaubt man, im dortigen Zuschauerraum zu sitzen.

Die Klangwogen nach Wagners Vorstellung überwältigen und akkustisch wird nicht getrickst. Hifi-Enthusiasten sollten bedenken, dass tiefgestaffelter Raumklang und die Auffächerung von Sängern sowie Orchester aufgrund der akustischen Gegebenheiten des Aufnahmeortes fehlen.

Thielemann entwickelt schon im Rheingold ein mystisches Klangbild. Er beleuchtet Wagners das Wagners Musikdrama in allen Facetten von der menschlichen Tragödie über die Verstrickungen zwischen Macht, Gewalt und Leidenschaft. Tonal gelingt ein klanglich nuancierter bestrickender Zauber. Thielemanns architektonische angelegte musikalische Konzeption verbindet den inneren Zusammenhang des jeweiligen Stücks, wie auch der vier Werke zueinander. Dramatische Situationen werden durch das fließende Dirigat miteinander verknüpft; sie zerfallen nicht in lose symphonische Ausleuchtungen einzelner Passagen. Thielemann kostet schwelgerisch die Partitur aus, schafft aber auch durch teilweise rasche Tempi ein Klangbild, dass stets mitreißt.

Es ist hörbar, dass Christian Thielemann sein Musizieren auch unter dem Aspekt begreift, einen bestimmten, tradierten Musik und Dirigierstil zu bewahren. Dieser zum Teil als überholt gelten Ansatz wurde von ihm in einem Interview mit der Zeit damit begründet, dass Dirigenten wie Hans Knappertsbusch, Wilhelm Furtwängler oder Bruno Walter freier und freizügiger musiziert haben.

 Christian Thielemann © Bayreuther Festspiele / Jochen Quast

Christian Thielemann © Bayreuther Festspiele / Jochen Quast

Christian Thielemann liefert aber kein Plagiat dieser Musikgrößen ab sondern entwickelt eine überzeugende, eigenständige, auftrumpfende und mitreißende Ringdeutung. Man nimmt ihm ab, dass er den interpretatorischen Geist seiner Vorgänger aufgreift, ohne aber beispielsweise die breiten Tempi von Hans Knappertsbusch nachzuahmen. Was Thielemanns Interpretation so auszeichnet, ist dass er mit dem klang- und farbenreichen Orchester und ein furioses Klangfeuerwerk entzündet. Der musikalischen Fluss und Wagners Zuversicht, dass im Ende immer ein Anfang liegt bei ihm interpretatorisch in den besten Händen.

Das Bayreuther Orchester ist gleichsam die Nationalmannschaft der deutschen Orchester, die ihre Sommerferien mit Richard Wagner in Bayreuth verbringen. Als Team gingen sie mit Thielemann in das dritte Jahr dieser Ring Inszenierung, so dass genug Proben und Aufführungen hinter ihnen lagen, um ein packendes musikalisches Portrait abzuliefern.

Sängerisch wird hohes Niveau geboten: Albert Dohmen ist ein lyrischer, innwendiger Wotan mit großem gesanglichen Momenten. Mit Textdeutlichkeit und berückendem Timbre gestaltet er – wie Goerne bei Naxos – einen sinnenden, schicksalsergebenen Göttervater. Linda Watson singt Brünnhilde mit leuchtenden Töne und unermüdlicher Stimmkraft. Stephen Gould ist ein lyrischer Siegfried mit poetischen Ton und großer Attacke. Endrik Wottrich singt einen packenden Siegmund mit Feuer und intensiver Gestaltung. Eva-Maria Westbroek ist ein lyrische, blühende Sieglinde mit betörender Stimme und großer Strahlkraft. Kwangchul Youn ist ein bedrohlicher Hunding und Hans-Peter König ein stimmgewaltiger Hagen.

Für Thielemann-Fans und Bayreuth-Liebhaber eine ausgezeichenete Wahl. Der Mitschnitt der Bayreuther Festspiele von 2008 punktet klanglich deutlich vor dem Thielemann Ring aus der Wiener Staatsoper, der mir bei kurzem Hören hinsichtlich der Klangqualität auch für einen Rundfunkmitschnitt recht fragwürdig schien.

 Der Naxos Ring – Bayreuther Festspiele Ring :  Ein Fazit

Der Naxos Ring zieht den Hörer in den Bann. Van Zweeden geleitet den Hörer –  wiegleichsam Dante von Vergil – musikalisch erläuternd durch Wagners Welten und zieht ihn in den Bann. Klanglich faszinierend wird höchstem Niveau musiziert. Wortdeutlichkeit und Hörbarkeit aller Instrumente im Orchester machen die Aufnahme gerade für Wagner-Einsteiger und Kenner ihn zum Muss. Er präsentiert die alle Farben des Orchesters und die Vielfalt von Wagners Ring-Instrumentation in unvergleichlicher Weise.

Thielemann ist für meine Ohren intensiver, dramatisch dichter und mitreißender. Er legt jede Verstrickung dar und er entlockt der Partitur das Bayreuther Feuer. Damit hat er ein zentrales Ring-Portrait in der Bayreuther Klangtradition geschaffen und mit starker künstlerischer Handschrift eine bleibende Ringinterpretation auf Tonträger gebannt.

Richard Wagner in Venedig © IOCO

Richard Wagner in Venedig © IOCO

Beide Ringe werden Richard Wagners Werk auf hohem Niveau in unterschiedlicher Weise gerecht; zeigen sie doch eindrucksvoll verschiedene musikalische Deutungsmöglichkeiten. Beide Aufnahmen verdienen so vordere Plätze in der großen Ring Discografie.

Weitere  Empfehlungen  –  Der Ring des Nibelungen

Wer Historisches in gutem Klang sucht ist mit dem Keilberth Ring bei Testament ausgezeichnet bedient. Die Bayreuther Ring-Garde der 50er Jahre singt in Breitwand Stereo: Ein Jahrhundert Ring.

Digitales in Hollywood-Dimension liefert James Levine bei der Deutschen Grammophon. Pluspunkte sind zudem die stimmlich unerreichten heldische Wotane und der Wanderer von James Morris. Er ist der klangschönste und heldischste Wotan auf CD. Maßstäbe setzt auch Reiner Goldberg als Götterdämmerungs-Siegfried. Beeindruckend auch Hildegard Behrens als berührend menschliche Brünnhilde. Tontechnisch ist allerdings die Aufnahme des Siegfried seltsam abgemischt. Die Sänger werden zum Teil unvorteilhaft überdeckt und klingen verschattet.

Hörenswert und ohne sängerische Beeinträchtigungen auch die Ringe des Nibelungen unter Wilhelm Furtwängler. Kirsten Flagstad, Max Lorenz und Ferdinand Frantz machen den Scala Ring zu einem zeitlosen Wagnermuseum und wer sich für den Ring aus Rom entscheidet begegnet der unvergleichlichen Martha Mödl als Brünnhilde und dem Jahrhundert Tristan Ludwig Suthaus.

 

—| IOCO CD-Rezension |—

Baden Baden, Festspielhaus, Rolando Villazón – Ildar Abdrazakov, 26.11.2017

November 20, 2017 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Rolando Villazón heim in Baden-Baden

Der mexikanische Tenor feierte im Festspielhaus große Erfolge als Sänger und als Regisseur. Nun kommt er mit einem Kollegen im Duett.

Villazón und Ildar Abdrazakov: Es ist ein Gipfeltreffen zweier Operngrößen, von denen der eine – Rolando Villazón – zu den berühmtesten Tenören der Gegenwart zählt. Am Sonntag, 26. November 2017 um 18 Uhr singen die beiden Künstler Arien und Duette aus französischen und italienischen Opern.

Festspielhaus Baden-Baden / Rolando Villazón, Ildar Abdrazakov © Dario Acosta / Deutsche-Grammophon

Festspielhaus Baden-Baden / Rolando Villazón, Ildar Abdrazakov © Dario Acosta / Deutsche-Grammophon

[Von Rolando Villazon wurden verschiedene Aufnahmen bei der deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Nachdem er 1999 mehrere Preise bei Domingos Operalia-Wettbewerb gewann, schlossen sich für Rolando Villazón schnell das Europa-Debüt als Des Grieux in Massenets Manon in Genua an sowie Debüts als Alfredo in La Traviata an der Opéra de Paris und als Macduff in Verdis Macbeth an der Berliner Staatsoper. Es folgte eine steile Karriere, die den Ausnahme-Tenor in rasendem Tempo an alle großen Bühnen der Welt führte. Ein außergewöhnlicher Erfolg, den Villazón auch seinem Bühnentalent zu verdanken hat: „Bloß schön singen, das ist für mich nicht genug“, sagt er, „ich möchte Menschen darstellen, Charaktere. Für mich muss die Stimme dem Charakter dienen und nicht umgekehrt.“ Dabei hat der gebürtige Mexikaner viele Talente: Wie Caruso zeichnet er Karikaturen, schreibt Romane und gab 2011 in Lyon sein Opernregie-Debüt. Im Baden-Badener Festspielhaus inszenierte er zu den Pfingstfestspielen 2012 mit großem Erfolg Donizettis L’Elisir d’Amore, drei Jahre später folgte seine Regie von Verdis La Traviata, mit denen die Pfingstfestspiele 2015 eröffnet wurden.

Rolando Villazón trifft bei seinem  Arien-Abend im Festspielhaus nun auf Ildar Abdrazakov, dessen samtig dunkler Bass eine ideale Ergänzung zu Villazóns tenoralem Schönklang ist – ganz nach dem Motto: Besser als eine brillante Stimme sind zwei brillante Stimmen! Der russische Sänger, der 2001 als 25-Jähriger an der Mailänder Scala debütierte, ist der bedeutendste Bassist seiner Generation und deshalb auch an allen großen Opernhäusern dieser Welt gefragt, allen voran an der Metropolitan Opera New York. Hier haben Abdrazakov und Villazón auch das erste Mal gemeinsam auf der Bühne gestanden in einer Aufführung von Lucia di Lammermoor 2009. Es folgte eine stetige Zusammenarbeit, denn Villazón schätzt erklärtermaßen Abdrazakovs „schokoladige“ Stimme, „voller Charakter und mit einer herausragenden Technik“. Im Festspielhaus präsentieren beide Sänger Arien und Duette aus dem französischen und italienischen Opernrepertoire, etwa aus Gounods bekannter Goethe-Parabel über das ewige Verlangen nach dem Unerreichbaren („Faust“), Arrigo Boitos ebenfalls auf Goethe basierende und glutvoll komponierte Oper „Mefistofele“ sowie aus Donizettis Melodramma „L’Elisir d’Amore“. Unterstützt werden die beiden Vokalheroen von der Janá?ek Philharmonie Ostrava, die zu den führenden tschechischen Sinfonieorchestern zählt. Konzertreisen führte das 1954 gegründete Ensemble, das über ein breit gefächertes Repertoire verfügt, durch Europa, in die USA sowie nach Japan, Südkorea, Taiwan und Australien. Dirigent des Abends ist Guerassim Voronkov, ein vielseitig begabter Künstler, der seine musikalische Karriere in der Gruppe der Ersten Violinen des Bolschoi- Orchesters startete. Heute arbeitet er u. a. als Dirigent am Gran Teatre del Liceu in seiner Wahlheimat Barcelona. Zudem ist er Chefdirigent der Simfònica del Conservatori Superior del Liceu sowie Gründer und Künstlerischer Leiter des Camerata Mediterranea Orchestra. 

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Baden-Baden, Festspielhaus, Klavierkonzert Seong-Jin Cho, 22.07.2017

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Seong-Jin Cho – Überflieger aus Seoul

Er ist der Solist des letzten Konzerts der Baden-Badener Sommerfestspiele 2017 am Samstag, 22. Juli 2017 um 18 Uhr. Seong-Jin Cho spielt an diesem sommerlichen Festspielabend die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin, was an sich schon ein seltenes Ereignis ist.

Das Orchester des Mariinsky Theaters unter Valery Gergiev interpretiert nach der Pause noch Anton Bruckners monumentale siebte Sinfonie.

2015 gewann mit Seong-Jin Cho aus Seoul erstmals ein Koreaner den Warschauer Chopin-Wettbewerb, einen der weltweit schwierigsten Klavierwettbewerbe. Jetzt kommt der Sieger von 2015 in Festspielhaus Baden-Baden mit gleich zwei Chopin-Konzerten. In der zweiten Konzerthälfte erklingt Bruckners monumentale siebte Sinfonie. Valery Gergiev dirigiert das Orchester des Mariinsky Theaters.

Festspielhaus Baden - Baden / Seong-Jin Cho © Harald Hoffmann / DG

Festspielhaus Baden – Baden / Seong-Jin Cho © Harald Hoffmann / DG

[Von Seong-Jin Cho wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Perlend wie Champagner, dennoch einfühlsam und ohne vordergründige Effekthascherei: So ließe sich das beeindruckende Spiel von Seong-Jin Cho beschreiben, bei dem nicht Selbstdarstellung, sondern die Musik im Vordergrund steht. Die künstlerische Reife und die musikalischen Fähigkeiten des südkoreanischen Pianisten, der seit 2012 am Pariser Conservatoire bei Michel Béroff studiert, sicherten ihm im Oktober 2015 den ersten Preis beim 17. Internationalen Chopin-Wettbewerb, der weltweit zu den angesehensten Klavierwettbewerben zählt und zu dessen Preisträgern Größen wie Maurizio Pollini, Martha Argerich und Krystian Zimerman zählen. Wie die meisten Finalisten entschied sich Cho für den Vortrag des ersten Chopin-Konzerts: „Es ist eine enorme Herausforderung, weil es schon so oft von so vielen großen Künstlern aufgeführt und eingespielt wurde. Das macht es nicht leicht, eine individuelle Interpretation zu entwickeln.“ Der Newcomer legt sein Hauptaugenmerk nicht auf die vertrackten schnellen Linien: „Die Läufe kann jeder großartig spielen. Es sind die stillen, melodischen Momente, die den Unterschied machen.“ Ein „natürlicher, sanglicher Klang“ sei ihm besonders wichtig, vor allem beim Chopin, „weil mich seine sanglichen Qualitäten an Mozart erinnern“; nicht zufällig zählen Mozart und die italienische Belcanto-Oper zu Chopins wichtigsten Einflüssen.

Anders als beim Chopin-Wettbewerb muss sich Cho bei seinem Baden-Badener Gastspiel am Samstag, 22. Juli 2017, um 18 Uhr nicht für eines der beiden Chopin-Konzerte entscheiden, da sowohl das e-Moll-Konzert als auch das in f-Moll auf dem Programm vertreten ist – Werke, die erklärtermaßen beide zu seinem „Traum-Repertoire“ gehören. Obgleich vor allem in letzterem Werk viele der typischen Merkmale des „Style brillant“ anzutreffen sind, gelang es Chopin, die äußeren Momente des virtuosen Komponierens mit einer bis dahin ungeahnten poetischen Subtilität zu verbinden, wobei er mit der träumerischen Aura und Finesse des Klanges eine substanziell neuartige ästhetische Qualität schuf.

Begleitet wird Seong-Jin Cho bei seinem Baden-Badener Chopin-Debüt vom Orchester des Mariinsky Theaters unter der Leitung des Altmeisters Valery Gergiev. Zusätzlich zu beiden Chopin-Konzerten erklingt Anton Bruckners monumentale Siebte Symphonie, die dem Komponisten nach Jahrzehnten der Ablehnung endlich zu jenem durchschlagenden Erfolg verhalf, den er sich Zeit seines Lebens erhofft hatte.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden – Baden, Festspielhaus, Konzert – Elina Garanca – Aus Lettland um die Welt, 03.02.2017

Januar 31, 2017 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Elina Garanca –  Aus Lettland um die Welt

Für ein hohes Maß an Perfektion bekannt: Mezzosopranistin Elina Garanca gastiert an den bedeutendsten Opernhäusern rund um den Globus. Die Bühnen sind handverlesen und auch ihr Repertoire wählt sie mit großer Sorgfalt: am Freitag, 03. Februar 2017, um 19 Uhr kommt sie mit Arien aus Opern von Tschaikowsky bis Mascagni ins Festspielhaus Baden-Baden – begleitet wird sie von der Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Karel Mark Chichon.

Festspielhaus Baden Baden / Elina Garanca © Holger Hage, DG

Festspielhaus Baden Baden / Elina Garanca © Holger Hage, DG

[Von Elina Garanca wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.]

So mancher Mezzo wäre gerne Sopran, um auf der Bühne Tenören zu verfallen und noch im Sterben Triumphe zu feiern. Elina Garanca hingegen liebt ihre Stimmgattung. Ihr Mezzo ermöglicht es ihr, die reiferen, interessanten, auch mal bösen Frauen zu spielen – und dazu noch all die Hosenrollen – also die Partien, in denen eine Sängerin einen Mann verkörpert. Meilensteine ihrer steilen Karriere hat die lettische Sopranistin im Festspielhaus Baden-Baden erreicht. Großes Aufsehen erregte sie in Baden-Baden im Jahr 2005 als Adalgisa in einer konzertanten Produktion von Vincenzo Bellinis Norma an der Seite von Edita Gruberová. Die Silvester-Gala 2008 mit ihr und der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern sowie die Baden-Baden Gala 2013 an der Seite von Jonas Kaufmanns hat ebenfalls für Furore gesorgt.

Wieder einmal kehrt sie am Freitag, 3. Februar 2017, um 19 Uhr zurück auf die Festspielhaus-Bühne mit ihrem Lieblingsrepertoire: Arien von Tschaikowsky, Darzins, Saint Saens, Verdi, Cilea, Ponchielli und Mascagni, sowie neapolitanische Lieder.

Die aus Riga stammende Elina Garanca wurde 1976 in eine musikalische Familie geboren und erhielt ihre Ausbildung an der Lettischen Musikakademie ihrer Heimatstadt. Nach ersten Engagements am Staatstheater Meiningen und der Oper Frankfurt begann ihre große Karriere. Heute singt die mit einem Exklusiv-Vertrag der Deutschen Grammophon ausgestattete Künstlerin an den großen Opernhäusern der Welt. 2007 und 2009 wurde sie mit dem ECHO Klassik als Sängerin des Jahres ausgezeichnet. Im Jahr 2013 erhielt sie für ihr Album „Romantique“ erneut einen ECHO Klassik und wurde 2013 von der Wiener Staatsoper als eine der jüngsten Titelträgerinnen zur Kammersängerin ernannt. Der Titel ihres neuen Arienalbums lautet „Revive“, also „Wiederbeleben“ oder „Wiederaufleben lassen“: Es geht um „starke Frauen in schwachen Momenten“, erklärt die Sängerin.

Festspielhaus Baden Baden / Elina Garanca © Holger Hage, DG

Festspielhaus Baden Baden / Elina Garanca © Holger Hage, DG

Neben der Mezzo-Partie der Fürstin Bouillon wird Elina Garanca im Festspielhaus Baden-Baden unter anderen auch die Primadonnen-Rolle aus Francesco Cilèas „Adriana Lecouvreur“ singen. Ihr sonores Timbre glänzt besonders in Rollen wie der „Jungfrau von Orléans“ von Peter Tschaikowsky. Mit dramatischen Tiefen, expressiven Höhen und ausdrucksstarken Phrasierungen ist sie in der Arie „D’amour l’ardente flamme“ von Camille Saint- Saëns „Samson et Dailila“ zu erleben.

Begleitet wird Elina Garanca an diesem Abend von der Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Leitung ihres Ehemannes Karel Mark Chichon. Chichon, der unter anderem Assistent bei Giuseppe Sinopoli und Valery Gergiev war, ist seit 2009 Chefdirigent des Lettischen Nationalorchesters.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

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