Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Samson et Dalila – Camille Saint-Saens, IOCO Kritik, 29.10.2019

Oktober 29, 2019 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

 Samson und Dalila  –  Camille Saint-Saëns

– Mon coeur s’ouvre – mein Herz öffnet sich –

von  A. Schneider

Camille Saint-Saens Familiengrab in Paris © IOCO

Camille Saint-Saens Familiengrab in Paris © IOCO

Allenthalben ertönt auf unserem Planeten die Klage über dessen universale Vermüllung mit Plastik oder, um einiges lauter weil noch bedrohlicher, die Korrosion des Leibes durch das allgegenwärtige CO2. Diesem Faktum adäquat ist der Auspuff an Musik, dem man wehrlos ausgesetzt ist. Vor ihrem Angriff schützt allenfalls das traute Heim, vorausgesetzt, seine Mauern sind widerständig genug. Dass Kaufhäuser, Restaurants, Fahrstühle, Cafèhaustoiletten und viele Plätze mehr des Glaubens sind, mittels Beschallung den Besucher zugänglicher für ihre Angebote zu stimmen oder einen Aufenthalt minder lästig zu gestalten, dergleichen Taktik dürfte ihnen die Verkaufspsychologie eingeredet haben. Damit aber nicht genug: auch Filme, Theater, Szenerien jeder Sorte werden fast ausnahmslos mehr oder weniger in Musiken aller Arten getaucht, als könne auf dem Wege schwache Dramaturgie, einfallslose Kameraführung und fade Texte konterkariert werden. Die Postmoderne (gar bereits die Postpostmoderne?) hat sich der Musik bemächtigt, auf dass sie die Banalität ihrer Gedanken und Phänomene mit Tönen einnebele. Zudem möchte die nie endende Zahl der Musikmacher und Songschreiber ihre Arbeit, gleich ob gelungen oder dilettantisch, an Frau und Mann gebracht hören, worunter dann das Menschenohr zu leiden hat.

Samson et Dalila Camille Saint-Saens
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Die Frage ist, inwieweit durch das invasive Dudeln unsere Sinne für komplizierteres Musizieren, wobei Qualität und Bedeutung des populären unbestreitbar bleiben, à la longue abstumpfen, und daher die heutigen Theaterbesucher der Ästhetik einer Oper des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit ihrer scheinbar gemäßigten Intensität kaum etwas abzugewinnen vermögen.

Einem Auditorium des vorletzten Jahrhunderts bedeutete ein Opern- oder Konzerthausbesuch, ein Ereignis zu sein: ein erhebendes, ein missfallendes oder eines, das gleichgültig ließ. Musik war noch nicht vorwiegend zum Dekorationsstoff von Ware, Bild und Aktion gediehen, sie war kein Umweltrauschen, sondern blieb singulär, bildete die Ausnahme. Die in Klänge gefassten Botschaften der Instrumente und Stimmbänder waren elementar und einmalig genug, um nicht im Ohr stecken zu bleiben, vielmehr um tiefer im Inneren Herz und Hirn zu touchieren.

Mit Camille Saint-Saëns Oper Samson und Dalila, uraufgeführt in Weimar 1877, französische Premiere in Rouen 1890, und erst 1892 an die Opéra in Paris gelangt, wurde der französischen Zuhörerschaft neuerlich bewusst, dass auf den alten Opernhelden, den Ritter vom Hohen C, nicht länger das hellste Bühnenlicht fiel. Gleichsam in den Schatten stellte ihn immer häufiger die Frau, die weibliche Stimme, und besonders dem Mezzosopran lieferte sich neuerlich der Tenor zum eigenen Verhängnis aus. Als ein solcher den Mann zerstörender Mezzo hatte sich George Bizets Carmen gezeigt, eine gegen Männerzwang revoltierende eigensinnige Person, die für ihr Freiheit sogar über die eigene Leiche ging, und auch die Schicksal spielende, hassliebende Dalila trat vor den Vorhang der französischen Oper als gleichsam aus dem Geiste des Feminismus geborenes Geschöpf. Ähnlich ambitionierte Schwestern hatten ihren Auftritt mit Jacques Offenbachs Helena, danach Jules Massenets Manon und Gustave Charpentiers Louise, allesamt letztlich fatale Damen, die schwachen Männern gefährlich wurden. Das von der Bühne signalisierte weibliche Emanzipationsbestreben widersprach freilich der einer Frau in der Belle Epoque zugedachten Rolle, der zu entkommen die konservative Gesellschaft nicht vorsah, und fügte sich zudem ganz und gar nicht den traditionellen Männerphantasien.

Deutsche Oper am Rhein / Samson et Dalila - hier : Ramona Zaharia als Dalila © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / Samson et Dalila – hier : Ramona Zaharia als Dalila © Jochen Quast

Saint-Saens Sirene ist Dalila, deren Gesang Samson ebenso erliegt, wie er bis auf den heutigen Tag im Repertoire jeden Mezzosoprans zu finden ist. Die Arie: Mon coeur s’ouvre – Mein Herz öffnet sich bleibt für immer in den Kanon großer Arien eingeschrieben. Der Oper ist anzumerken, dass ihr Sujet, die biblische Erzählung von Samson und Dalia aus dem Buch der Richter, anfänglich die Vorlage für ein Oratorium bilden sollte. Ein paar Stücke wurden komponiert, wanderten in die Schublade, und wurden Jahre später, als der Komponist die Absicht geändert hatte, in die Oper eingebracht. Deren religiöser und statischer Charakter war mithin vorgezeichnet, und ihre wesentlichen Protagonisten, die Chöre, sind getragen von alttestamentarischer Klage, göttlicher Verheißung und Gotteszorn. Auf der Bühne tut sich nicht viel; die Konflikte zwischen Hebräern und Philistern wie zwischen Samson und Dalila werden handgreiflich backstage entschieden, vorne befehden sich Chor und die wenigen Figuren vorwiegend verbal, getragen von einer Musik, die der Thematik angepasst auf barocke Form wie Fugato oder Kirchentonarten zurückgreift, und die hin und wieder pseudoorientalisches Lokalkolorit mittels Fünftonreihen und ein erotisches Flair auch durch ausgefalleneres Instrumentarium wie Kastagnetten und Tamburin beschwören will.

Der komponierte Mythos handelt von dem von Gott erleuchteten und von ihm mit Riesenkräften ausgestatteten Samson, der die Hebräer von der Knechtschaft der Philister befreit, der jedoch Dalilas genialen Verführungskünsten auf Dauer nicht widersteht, und von ihr mittels Haarschnitt seiner Stärke beraubt, also gleichsam entmannt, sein Volk und sich selbst wieder ins Unglück der Philistertyrannei stürzt. Halbtot geschlagen, blind und zutiefst gedemütigt, legt er in einem letzten Anflug alter Kraft den Tempel der Feinde in Trümmer, unter denen sie nun begraben liegen.

Das ist eine alte Geschichte oder fromme Legende, wie man will, aus der, in Form einer ziemlich bejahrten Oper präsentiert, heutzutage wohl kaum ein Kassenschlager hervorgehen dürfte Ein Publikum des 21. Jahrhunderts mit einem Kopf voller optischem und akustischem Larifari, benötigt eine auffällige, eine unerhörte Darstellung, um zum Schluss davon angetan oder befremdet zu sein.

Regisseur Joan Anton Rechi macht aus Samson und Dalila, von deren Partitur die Dramaturgie (Anna Grundmeier) anderswo selten den Staub wischen will, ein zeitnahes wie zeitloses Theater. Theater im allerrealsten Sinn. Bei ihm wird aus dem theologisch induzierten Kreuzzug für den richtigen Gott, aus dem Herrschaft und Knechtschaft herrühren, ein klassischer Klassenkampf zwischen Ausbeutern, den Gold(?) -minenbesitzern, und den Ausgebeuteten, die als Heloten untertage die Erde auszubeuten haben. Die Spiegelung einer sich in Besitzende und Besitzlose spaltenden Gesellschaft.

Im ersten der drei Akte wandelt die Inszenierung den im Original lediglich kommentierenden, jammernden und erst zuletzt enthusiasmierten Chor (Ltg. Gerhard Michalski) zu einer Front von Minenarbeitern die nun mittels Bewegung und Gesten die vorwiegend aus Rhetorik bestehende handlungsarme Handlung verlebendigt. Zu Aktionen kommt es erst, wenn das Proletariat den Aufstand wagt, und wenn nach dessen Gelingen Samson den gotteslästernden Oberaufseher Abimélech (Luke Stocker) erschlägt. Dass die Arbeiter den Leichnam pietätvoll begraben, erinnert an die eigentliche religiöse Intention der Oper; dass indessen hier ein anderer Geist wirkt, wird schlüssig, wenn gleich hinterher die siegesfrohen Revoluzzer sich mit einer Schar aufgekratzter Liebesdienerinnen unter Leitung der Freudenhausdirektrice Dalila vergnügen. In wessen Händen immer die Macht gelangt, sie gibt sich nicht unbedingt moralisch.

 Deutsche Oper am Rhein / Samson et Dalila - hier : Michael Weinius als Samson mit Minenarbeitern © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / Samson et Dalila – hier : Michael Weinius als Samson mit Minenarbeitern © Jochen Quast

Saint-Saens im Grunde gottesfürchtige Musik verträgt sich mit der Evolution der zweifellos nicht sittenstrengen Philisterfrauen zu fröhlichen Freudenmädchen gleichermaßen wie mit der  Modulation des Gotteshaders zum klassenkämpferischen Impetus. Die Bühne (Gabriel Insignares) ist frei von vieldeutigem Inventar, ein paar Versatzstücke wie farbige Wände, Stufen, ein Tafeltisch  reichen aus, das Auge muss nicht über die Symbolik des Inventars spekulieren. Die optische Reduktion tut den Ganzen keinen Abbruch.

Inwieweit die Entscheidung des Menschen für Gut und Böse auf einem freien Willen beruht, darüber grübelt die Philosophie. Für ein Libretto taugte die Thematik bislang vernehmbar nicht, ihre Daseinsberechtigung verschaffen der Oper große Gefühle und ebensolche Taten, gleich ob sie von der Macht, der Gier, dem Freiheitsdrang, oder von Caritas, Eros oder dem Himmel selber gestiftet werden.

Derartige Gefühle rasen jetzt im zweiten Akt. Der willensstarke Powermann Samson (Michael Weinius), der doch zuvor mit solch metallischem Timbre die Kollegen zum Aufstand und die Gegner in den Staub sang, ergibt sich, zuerst widerstrebend, doch dann von Liebeswahn enthemmt, der fürwahr verführerischen Erscheinung der Dalila (Ramona Zaharia). Deren in der Tat unwiderstehlich betörende Töne sind allerdings vergiftet, die Frau steckt voller Rachsucht wegen seines vormals geübten Liebesentzugs. Ihre Zerstörungslust will zudem der kaltgestellte und enteignete Minenboss (Simon Neal) zwecks Rückeroberung der verlorenen Goldgruben nutzen. Zu den Zwecken muss Samson das Geheimnis seine Stärke preisgeben, und der geeignete Ort dafür ist Dalilas Bett. Es sind schon böse Szenen, wenn die Vernunft abdankt und Eros, Hass, Profitgier die drei Figuren umtreiben, indem sie sich umkreisen, abtasten, an die Wäsche gehen und endlich gewalttätig werden. Dalilas parfümierte Liebesworte schweben gleichsam auf gedämpften Bläserwolken, bei dem Wort l`amour perlt dazu die Harfe, Samsons Leidenschaft- und Selbsthassbeichte zerschneiden Streicherskalen. Saint-Saens hat für die triebsatte Sphäre eine Musik geschrieben, mit der das formidable Orchester (GMD Axel Kober) den unheilschwangeren Raum füllt.

Deutsche Oper am Rhein / Samson et Dalila - hier : Michael Weinius als Samson, Ramona Zaharia als Dalila, Simon Neal als Oberpriester des Dagon und das Establihment © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / Samson et Dalila – hier : Michael Weinius als Samson, Ramona Zaharia als Dalila, Simon Neal als Oberpriester des Dagon und das Establihment © Jochen Quast

Der liebestolle Held ist im Boudoir der Dame seiner Haare und mithin seiner Stärke ledig geworden, und folgerichtig befindet er sich im 3. Akt gefoltert und blind wieder in der Gewalt der alten Herrschaften, seinetwegen haben auch die Genossen ihre junge Freiheit eingebüßt. Sie grollen ihrem Anführer und beklagen die neue unselige Lage, indessen Samson heftig mit seine Willens- und Körperschwäche hadert.

Das Kartell der siegreichen Minenbesitzer feiert mit Dalila in einer skurrilen Choreografie ihren Gott Mammon. An die Stelle des in der Partitur vorgesehenes Ballett-Bacchanal der Philister/Innen ist passend und listig der verzückte Reigen der Bosse um ihre Geldkisten ob des geglückten Putschs: hat die Revolution doch neuerlich ihre Kinder gefressen, sind die alten Zustände zurückgekehrt. Samson gerät ob der Demütigung und Schmähung seiner Ideale in einen heiligen(?) Zorn, aus dem ihm noch einmal solche Kraft zuwächst, dass, so wie er mit den Kumpels im ersten Bild des ersten Aktes aus der Erde ans Tageslicht fuhr, jetzt die gesamte Kapitalistenclique im Boden versinkt. Ein Menetekel?

Eine Oper, die einen Märtyrermythos einbindet, in reiner Form einer nicht durchgängig religionsnahen Zuhörerschaft anzubieten, dürfte bei ihr kaum Resonanz finden. Allein die Passionsgeschichte der Israeliten für ihren Glauben verträgt die Umdeutung in eine Erzählung von Arm und Reich oder Macht und Ohnmacht. Und zudem eine der Interdependenz von Frau und Mann: der einfache, von seinen Leidenschaften zerrissene, aber baumstarke Samson konfrontiert mit Eva, der Schlange. Oder gar dem Vamp, der Femme Fatal, dem ihm überlegenen Weib? Und erst recht eine Erzählung von der Steuerung der Menschen…. ja durch wen und was?

Die Mythen der Geschichte sind zeitlos. Indem die Düsseldorfer Inszenierung den von Samson und Dalila zu einem Gesellschaftskonflikt aufbereitet und zur Schau stellt als ein augenfälliges Theater, das den Menschen anfasst, beleidigt sie damit keineswegs die hehren Ideen dahinter. Puristen mögen mäkeln, das Ganze sei zu realistisch geschminkt, allein es schadet selbst der absichtsvollsten Oper nicht, sollte sie ein bisschen als Spektakel daherkommen.

So fügt sich auch die Musik Camille Saint-Saens ohne Bruch der neuen Deutung. Die Solisten singen und spielen sich zu verständlichen Figuren, der Chor – S.+D. ist im Grunde eine Choroper – lamentiert, droht und jubelt meisterlich als Herrschaft wie als Knechtschaft, die Musikalisierung des agonalen wie emotionalen Dramas von hörbar französischem Charakter liegt bei den Düsseldorfer Symphonikern in allerbesten Händen.

Alles Anlass für das Publikum, nach dem zwar finsteren, das Gerechtigkeitsempfinden immerhin beruhigende Finale mit lautem Beifall nicht zu geizen. Zweieinhalb Stunden Zustandsschilderung als rundherum vortreffliches Theater dargeboten, Opernfreundinnen und Opernfreunde, was wollt Ihr mehr?

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballettpremiere b.41, 23.11.2019

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Ballettpremiere b.41 am Samstag, 23. November 2019, um 19.30 Uhr

Jirí Kylián Forgotten Land / Martha Graham Lamentation / Martha Graham Steps in the Street / Martin Schläpfer Cellokonzert (Uraufführung)

die Ballett-Saison steht im Zeichen des Abschieds von Martin Schläpfer, der die Compagnie vor zehn Jahren als Ballett am Rhein neu formierte und an die Spitze der international anerkannten Tanzensembles führte. Im Programm b.41 stellt er seine letzte Uraufführung für sie vor: „Cellokonzert“ zur Dmitri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll.

Den Auftakt macht Ji?í Kyliáns „Forgotten Land“, das er 1981 für das Stuttgarter Ballett zu Benjamin Brittens „Sinfonia da Requiem“ kreierte. Inspiriert von der Einsamkeit der rauen Ostküste Englands erzählt Kyliáns Ballett in starken Bildern von Verlusten und Vergessen.

Mit „Lamentation“ und „Steps in the Street“ zeigt das Ballett am Rhein erstmals Werke von Martha Graham. Die US-amerikanische Tänzerin und Choreographin revolutionierte mit ihrer eigenen, vom Körperzentrum und den Prinzipien „contraction“ und „release“ ausgehenden Tanztechnik seit den späten 1920er Jahren die Ästhetik des Bühnentanzes. Ihr Solo „Lamentation“ ist ein eindringliches Stück über die Einsamkeit des Menschen. „Steps in the Street“, von den weltgeschichtlichen Ereignissen der 1930er Jahre geprägt, gilt als eine bis heute zeitlose Warnung vor Faschismus, Verfolgung und Krieg.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, La Bohème – Giacomo Puccini, 08.11.2019

Oktober 10, 2019 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

 La Bohème – Giacomo Puccini

Es gibt wenige Opern, die so direkt ins Herz treffen wie Giacomo Puccinis La Bohème. Auf einzigartige Weise gelang es Puccini, Emotionen in tief berührende Klänge und Melodien zu übersetzen. Äußerst präzise  beschreibt er die Welt der Bohème, ein idealisiertes Künstlertum, in dem Kunst nicht ausgeübt, sondern lediglich gelebt wird. Ausgelassenes Amüsement dominiert neben der zarten Poesie des Sich-Verliebens, bevor die Katastrophe mit umso größerer Wucht hereinbricht und zeigt, dass hinter dem Leben immer die Allgegenwart des Todes lauert.

Deutsche Oper am Rhein / Boheme - Beniamin Pop (Colline), Bogdan Baciu (Marcello), Richard Šveda (Schaunard) und Eduardo Aladrén (Rodolfo) © Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Boheme – Beniamin Pop (Colline), Bogdan Baciu (Marcello), Richard Šveda (Schaunard) und Eduardo Aladrén (Rodolfo) © Andreas Endermann

Am Freitag, 8. November, 19.30 Uhr, im Theater Duisburg präsentiert die Deutsche Oper am Rhein La Bohème in einer Neuinszenierung des jungen Regisseurs Philipp Westerbarkei. Er reflektiert das Zeitgenössische in Puccinis Oper, die  Grenzer­fahrungen revoltierender junger Menschen, ihren Bezug zur Realität und ihr künstlerisches Schaffen. Das Bühnenbild und die Kostüme entwirft Tatjana Ivschina. Antonino Fogliani leitet das ganz mit hauseigenen Solistinnen und Solisten besetzte Sängerensemble, den Chor und den Kinderchor am Rhein und die Duisburger Phil­harmo­niker. Eduardo Aladrén (Rodolfo), Bogdan Baciu (Marcello), Richard Šveda (Schaunard) und Luke Stoker (Colline) sind die vier Bohemiens, die Liana Aleksanyan und Lavinia Dames als Mimì und Musetta gegenüberstehen.

MUSIKALISCHE LEITUNG :Antonino Fogliani / Andrea Sanguineti / Jonathan Brandani, INSZENIERUNG : Philipp Westerbarkei, BÜHNE UND KOSTÜME : Tatjana Ivschina
CHORLEITUNG : Gerhard Michalski, LEITUNG KINDERCHOR : Sabina López Miguez, LICHT : Volker Weinhart, DRAMATURGIE : Anne do Paço

MIT:  MIMI : Liana Aleksanyan / Luiza Fatyol, MUSETTA : Lavinia Dames, RODOLFO : Eduardo Aladrén / Luis Gomes, MARCELLO : Bogdan Baciu / Christopher Bolduc, SCHAUNARD : Richard Šveda, COLLINE : Beniamin Pop / Luke Stoker, PARPIGNOL . Andrés Sulbarán / Gürkan Gider, BENOIT : Peter Nikolaus Kante, ALCINDORO : Peter Nikolaus Kante, ORCHESTER : Duisburger Philharmoniker, KINDERCHOR : Kinderchor am Rhein, CHOR : Chor der Deutschen Oper am Rhein

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Berlin, Deutsche Oper, La forza del destino – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 05.10.2019

Oktober 5, 2019 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Die Macht des Schicksals  – Giuseppe Verdi

„Viva la guerra“   – oder –  Krieg als Vater der Verrohung, Verlierer aller

von Kerstin Schweiger

Libretto von Francesco Maria Piave und Antonio Ghislanzoni nach dem Drama Don Alvaro o la Fuerza del sino von Angel de Saavedra, Duque de Rivas. Uraufführung 10. November 1862 in St. Petersburg [erste Fassung],  27. Februar 1869 in Mailand [zweite Fassung). Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 8. September 2019,  Besuchte Vorstellung am 28. September 2019

Die letzte Inszenierung dieses Werks an der Deutschen Oper Berlin ist Legende: Hans Neuenfels’ radikal aktualisierte Version polarisierte 1982 das Publikum. Nun setzt sich ein weiterer großer deutscher Regisseur mit dem Stoff auseinander und zumindest in der Premiere soll sich das Publikum treu geblieben und nach Monologen und Textzitaten aus Heiner Müller Der Auftrag und Curzio Malapartes Roman Die Haut einen ähnlichen Skandal von Zustimmung und Ablehnung entfacht haben, mit Spielabbruch und lautstarkem Für und Wider wie schon 37 Jahre zuvor.

La forza del destino – Making of ….
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In der besuchten vierten Aufführung war davon kaum mehr die Rede, ein paar müde pflichtbewusste Buhs und „Verdi!“-Rufe streichelten hier nur die konservative Zuschauerseele. Und das ist richtig, denn Regisseur Frank Castorf macht den mit verwinkelten Handlungssträngen im fernen Spanien des 18. Jahrhunderts angelegten Opernstoff zu einem politischen Ausrufezeichen, das das Augenmerk Friedensverwöhnter mitteleuropäischer Operngänger auf die jüngere Geschichte  und die Schrecken von Krieg und Faschismus, Kriegsgewinnlertum und Enthemmung aus Not lenken soll. Die Grundidee: Schicksal ist der  unabwendbare Zufall, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Und das heißt hier, im Krieg zu sein.

Denn auch Verdi komponierte auf politischem Background. Er unterstützte, auch aktiv als gewählter Volksvertreter, die Einigung Italiens. Schon bei NABUCCO 1842, 20 Jahre vor LA FORZA DEL DESTINO steuerte er in Verkleidung einer alttestamentarischen Handlung eine Stellungnahme zur aktuellen Konfliktlage zwischen Italienern und Österreichern bei, die damals den Norden Italiens besetzt hatten. Mit den mächtigen Chorstellen und insbesondere dem Chor „Va pensiero“ gab der Komponist seinen Landsleuten eine indirekte Stimme gegen die Unterdrückung. Das setzte sich in seinen nächsten Werken bis LA FORZA DEL DESTINO fort. Die Chorstellen sind stets Anwälte der geknechteten oder in Kriegshandlungen gezogenen Menschen, wie z.B. bei „Patria oppressa“ in MACBETH.

Deutsche Oper Berlin / La forza del destino © Siri Maciel

Deutsche Oper Berlin / La forza del destino © Siri Maciel

Bei LA FORZA DEL DESTINO ist es erstmals eine dramatische Idee, Handlung und Musik steuert, nicht die musikalische Nummernfolge gab mehr wie zuvor den Ablauf einer Oper vor. 1862 in St. Petersburg uraufgeführt, überarbeitet und 1869 in dieser Fassung an der Mailänder Scala erstaufgeführt, für die er auch die markante Ouvertüre komponierte, forderte Verdi eine Umsetzung der seiner Oper zugrunde liegenden Idee auf der Szene durch eine übergeordnete Person, einen Regisseur. Damit gab er einen entscheidenden Anstoß zur Proben- und Aufführungspraxis, wie wir sie heute kennen.

Tatsächlich bezieht das gesamte Werk seine Antriebskraft aus der Polarität extremer entgegengesetzter Gefühlswelten, die die Hauptfiguren geradezu obsessiv beherrschen: Auf der einen Seite die vermeintliche Schuld am Tode von Leonoras Vater, die auf ihr und ihrem Geliebten Alvaro lastet. Auf der anderen Seite steht der der Rachedurst, der Leonoras Bruder Don Carlo dazu treibt, die beiden über alle Grenzen hinweg zu verfolgen. Carlo ist überzeugt, dass Leonora und Alvarao den Vater absichtlich getötet haben. Eine bedingungslose Verfolgungsjagd entspinnt sich, die die drei Hauptfiguren durch eine Welt führt, die immer mehr aus den Fugen gerät. In wüsten Massenszenen schildern Verdi und Regisseur Frank Castorf eine enthemmte Gesellschaft, in der nur noch das blanke Überleben zählt und die Gewalt jegliche Moral ersetzt. Damit ist LA FORZA DEL DESTINO Verdis verstörendste Oper und von einer Aktualität, die sich durch neue Bürgerkriege und Gewalttaten, den 1. und 2. Weltkrieg, bis ins Heute zum Krieg in Syrien zieht.

Die junge Adlige Leonora di Vargas ist, Tochter aus gutem und wie in Verdis RIGOLETTO die junge Gilda allein zu Haus, verliert sich in ihrer Liebe zu einem jungen Inka-Prinz, Don Alvaro. Sie schmieden Zukunftspläne, die sie mit einer gemeinsamen Flucht verwirklichen wollen. Leonoras Vater, der Marchese di Calatrava entdeckt die Fliehenden. Alvaro wirft seine Pistole weg, um zu signalisieren, dass er nicht mit Waffengewalt vorgehen wird, dabei löst sich ein Schuss, der den Vater tötet. Leonora und Alvaro fliehen und werden in Kriegswirren getrennt. Leonora sucht den letzten Ausweg in einem Kloster; sie will dort als Einsiedlerin ihr Leben verbringen. Der Klostervorstand Pater Guardian weist ihr einen Verschlag in der Nähe des Kloster zu.

Alvaro hält Leonora für tot und meldet sich zum Kriegsdienst. Während eines Kampfes rettet er, ohne ihn zu erkennen, Leonoras Brunder Don Carlo, der die Flüchtenden verfolgt, das Leben. Beide werden Freunde, bis Alvaro in einem Gefecht verletzt wird und den Freund bittet, persönliche Gegenstände zu vernichten. Dabei fällt das Bild seiner Schwester Leonora Alvaro in die Hände.

Don Carlo fordert Alvaro zum Zweikampf auf, Alvaro will die tot geglaubte Leonora suchen und begibt sich zum Kloster. Derweil amüsieren sich Marketenderinnen und Soldaten im Militärstützpunkt, zum Ärger des Priesters Fra Melitone, der alle zu einem weniger sündigen Leben aufruft. Die Marketenderin Preziosilla, eine Kriegsgewinnlerin, hetzt Soldaten und Volk erneut zum Kriegführen auf.

Don Carlo ist Alvaro dorthin gefolgt, beide kämpfen ganz in der Nähe vom Kloster und Leonoras abgelegener Höhle. Carlo wird verwundet, Alvaro erkennt Leonora,die zu ihrem verwundeten Bruder geht. Carlo vollendet seine Rache und ersticht Leonora.

Deutsche Oper Berlin / La forza del destino © Thomas Brueck

Deutsche Oper Berlin / La forza del destino © Thomas Brueck

Und Frank Castorf, der ein Vierteljahrhundert mit seinen Inszenierungen an der Volksbühne Berlin Theatergeschichte schrieb und sich in den vergangenen Jahren u.a. mit seinem Bayreuther RING DES NIBELUNGEN stärker dem Musiktheater zugewandt hat, hat recht, wenn er in LA FORZA DEL DESTINO, den Focus auf die Folgen von Krieg und Gewalt legt und wie sie Menschen verändern. Damit ist er bei seiner ersten Berliner Opernregie dicht bei Verdi und seinen Librettisten. Denn das Stück ist starker Tobak, reißt viele Themen an: Blutrache und Ehrenmord, Rassismus, Kolonialherrschaft und Gewalt, handelt von Kriegstreibern, Kriegsgewinnlern und –Verlierern.

Bei Castorf wird dieser zentrale Grundgedanke des Stücks durch die Verortung in die uns heute nähere Zeit des spanischen Bürgerkriegs Mitte der 1930er Jahre und später im Neapel von 1943 festgemacht, wo im zweiten Weltkrieg alliierte Truppen als erste am südlichsten Punkt Europas landeten und von dort aus die Befreiung der europäischen Länder von nationalsozialistischer und faschistischer Besetzung begannen. Dazu nutzt das Kreativteam unter anderem eingeblendete und rezitierte Textstellen  von Heiner Müller und aus den Romanen Die Haut und Kaputt des Italieners Curzio Malaparte, der in diesen Werken in surrealistischer Zuspitzung die Gräuel des Kriegs schildert.

Das von den Amerikanern 1943 – lange vor dem D-Day in Frankreich – befreite Neapel, das Curzio Malaparte in seinem Roman Die Haut beschreibt, ist von absoluter Ambivalenz im Verhältnis der Befreier und Befreiten. Malaparte zeigt wie die Befreiten zu Handlangern für die dunkelsten Triebbefriedigungen der Befreier werden, die doch eigentlich Freiheit und Demokratie bringen sollten. Castorf sagt im Programmheft, der Alltag breche in die hohe Kunst der Oper ein. „Und ich ziehe mit Verdi ins Neapel 1943, in die Welt des Schriftstellers Curzio Malaparte, der in seinem Roman Die Haut beschreibt, wie die Amerikaner in Sizilien landen. Wie Mussolini gestürzt wird. Wie Italiener, die zuvor im Widerstand gegen die Faschisten gearbeitet haben, plötzlich ihre Brüder, Töchter, Mütter verkaufen. Es herrscht Sodom und Gomorrha. Auch so kann Befreiung aussehen.(…). Die Musik ist so schön, aber Verdi wollte wachrütteln.

Zwei Ebenen schafft Castorf mit seinem Kreativ-Team über die Grundhandlung hinaus: Die hinzuerfundene Leidens-Figur des Indio (Ronnie Maciel) und die Einspielungen von Live- und aufgezeichneten bzw. aus historischem Filmmaterial kopierten Videos. Die Indio-Figur irritiert. Sie geistert, mal im Pailletten-Bikini, mal in Militärkleidung, mal in Selbstkreuzigung durch das Stück. Steht sie für alle am Schicksal Leidenden, steht sie für Alvaro und die von den Kolonialherren mit Sklaverei und weiteren Verbrechen überzogenen Indios, steht sie für alle Opfer des verteufelten wie forcierten Kriegsgeschehens?

La forza del destino – Making of ….Regisseur Frank Castorf
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„La Cinematografia è l’arma più forte“ kerbt Aleksandar Denic mit einem Mussolini-Kopf ins Bühnenbild. Und das Zitat stammt vom Mussolini, gesprochen zur Eröffnung der römischen Film-Studios in Cinecittà 1937. Vom Diktator als Waffe bezeichnet, setzt Castorf die Kinematografe ein, um den Schrecken zu doppeln. Der Einsatz der live aufzeichnenden Handkamera schafft dabei eine spannende zweite Ebene und ist Schlüssel  zur Innenwelt der Figuren.

Die eingespielten vorbereiteten Videos machen das gesungene Wort vom Krieg und seine Greuel im allgemeinen sichtbar, schaffen einen Subtext, der ganz konkrete Auswüchse wie z.B. die Care-Pakete-Schmuggler, blutige Feldchirurgie und die persönlichen Leiden der handelnden Figuren in Mimik und Haltung illustrieren. Und sie setzen einen leidvollen Kontrapunkt zu den hetzerischen Chören der Kriegstreiber im Stück, z.B. mit auf Austernplatten angerichteten menschlichen Augen oder den schneeverstopften Schlachtfeldern, übersät mit erfrorenen Pferdeleichen. „Die Hölle sind die anderen“, es kommt nur noch darauf an, „die eigene Haut zu retten“, wie Malaparte schreibt. Diese Texte sind eindringlich, aber nur, wenn man sie zuordnen kann, begreift man ihre Stärke.

Aleksandar Denic schafft im Bühnenbild eine kongeniale Lösung des schnellen Schauplatzwechsels: im ansonsten leeren Bühnenraum verquickt die Drehbühne Kriegsschauplatz, Kloster, Wirtshaus, Armee-Checkpoint und Feldlazarett in schnellem Wechsel, im Inneren des Aufbaus finden die Video-Live-Aufnahmen statt, die auf hängenden Leinwänden eingespielt werden.

Auch Dirigent Jordi Bernàcer folgt Castorf mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin durch die atemlose Handlung. Klingt die Ouvertüre noch verhalten, findet das Orchester recht schnell zu seiner Form. Der Chor der Deutschen Oper präsentiert sich in Bestform stimmlich wie darstellerisch präsent und intensiv in den großen Chorszenen.

So stark der inhaltliche Rahmen ist, in der Personenführung bleibt Castorf jedoch konservativ. Gestaltungsstark und in der Figurenzeichnung am eindringlichsten sind Misha Kiria als durchschlagender Fra Melitone, Elena Maximova als Marketedenderin Preziosilla und Markus Brück als stimmstarker rachelodernder zynischer Bruder Carlo. Sie tragen die Handlung. Brück überragendes darstellerisches Können wird durch die Live-Videos mit Großaufnahme auf sein Gesicht verstärkt.

Preziosilla ist die skrupeloseste Figur der Handlung. Sie schwingt die MP und ihr gellendes irritierendes Motto „Viva la guerra“ bringt das Kriegsrasen des Volkes zum Ausbruch. Mit volltönendem Mezzosopran ist die Marketenderin eine von Schillers Wallenstein inspirierte Figur, kompromisslose Kriegsgewinnlerin, eine obszöne frühe Mutter Courage, die ihr Geschäft mit dem Krieg machen will

María José Siri gibt der Leonora mit rundem, warmem Sopran in allen Lagen prachtvolle Töne, ihre „Pace, pace“-Arie gehört zu den anrührendsten Momenten. Russell Thomas als Alvaro ist spielintensiv präsent mit warmem dunklem Tenor, die stählerne Höhe ist stark, insbesondere im Duett mit Carlo. Intensiv ist auch das Duett zwischen Klostervorsteher Pater Guardian und Leonora bei der Aufnahmeszene im Kloster. Marco Mimica singt das mit wunderschönem sonoren Bass und vollem runden Tondesign.

Die Schrecken des Krieges sind total; es gibt keinen Sieger; es gibt nur Verlierer; auch vermeintliche Sieger werden letztlich zu Verlierern

La Forza del destino an der Deutschen Oper Berlin; Weitere Vorstellungen am 17., 20., 26. Juni 2020.

 

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