Baden-Baden, Festspielhaus, Otello – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 25.4.2019

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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OTELLO –  Giuseppe Verdi

– Osterfestspiele  :  Der sterbende Gigant –

von Uschi Reifenberg

Alljährlich zur Osterzeit verwandelt sich Baden-Baden, die ansonsten so beschauliche Stadt am Fuße des Schwarzwalds in eine pulsierende Musikmetropole. Blumen, Osterschmuck und Berliner Philharmoniker wohin das Auge blickt, man wähnt sich im musikalischen Elysium, zumal das herrliche Frühlingswetter die Stadt in goldenes Licht taucht.

Otello  –  Interview mit
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Die Osterfestspiele und die Berliner Philharmoniker lassen für zehn Tage die ganze Stadt zu einer Festspielbühne werden und präsentieren neben Oper und Sinfoniekonzerten auch unterschiedliche Kammermusikformationen, Solokonzerte oder heuer die Kinderoper „Der Kleine und Otello“. Im Zentrum der Opern-Neuproduktion 2019 steht Giuseppe Verdis Otello, jenes reife Spätwerk des 73- jährigen italienischen Musikdramatikers, welches auch das Motto der diesjährigen Osterfestspiele liefert: „Dich treibt Dein Dämon und Dein Dämon bin ich“, ein Zitat der Figur des Jago aus dem 2. Akt der Oper, dessen Bekenntnis zum „Prinzip des Bösen“ die Berliner Philharmoniker zu ihren vielfältigen Meisterkonzerten inspirierte.

Kein Geringener als der fast 83-jährige Zubin Mehta, indische Taktstocklegende und seit kurzem Ehrenmitglied der Berliner Philharmoniker, konnte für die musikalische Leitung dieser Neuproduktion gewonnen werden, nachdem Daniele Gatti, der ursprünglich vorgesehen war, aus gesundheitlichen Gründen abgesagt hatte. Die Zusammenarbeit zwischen Zubin Mehta und den Berliner Philharmonikern begann bereits im Jahre 1961 und so verwundert es nicht, dass der Pultstar nicht zögerte, „seine liebste Verdi Oper“ wie er bekannte, an diesem besonderen Ort mit diesem Ausnahmeorchester zu interpretieren.

Für die Inszenierung zeichnet der 77-jährige Regie-Altmeister Robert Wilson verantwortlich, US Amerikaner aus Texas und Lichtdesigner, Maler, Videokünstler, Autor und Architekt in Personalunion, der bereits Ende der 60-er Jahre seinen unverwechselbaren innovativen Inszenierungsstil entwickelte. Seine Ästhetik ist geprägt von reduzierter Zeichenhaftigkeit, Manierismus, strukturell ausgeklügelter Lichtregie und Antinaturalismus. Seine Figuren agieren mit langsamen konzentrierten Bewegungen oder auch wie Marionetten, fremdgesteuert, maskenhaft gezeichnet, fast tranceartig, in unwirklichen, abstrakten Traumwelten. Sie erinnern auch immer wieder an Figuren des japanischen Nö-Theaters in asiatisch inspirierten Schattenspielen. Wilson vertraut ebenso wenig den Regeln der konventionellen Dramaturgie wie der psychologisch- realistischen Darstellung der Personenführung: “Wenn es um Kunst geht, die ja künstlich ist, und man versucht vorzugeben, sie sei natürlich, dann ist das eine Lüge“ (Wilson).

Festspielhaus Baden-Baden / Otello - hier : Skelton_Demuro_Yoncheva © Lucie Jansch

Festspielhaus Baden-Baden / Otello – hier : Skelton_Demuro_Yoncheva © Lucie Jansch

Giuseppe Verdis vorletzte Oper und sein letztes tragisches Bühnenwerk basiert auf dem Schauspiel von William Shakespeares Othello, der Mohr von Venedig von 1604, das geniale Libretto schuf der italienische Komponist, Schriftsteller und Librettist, Arrigo Boito. Verdi, der sich nach dem großen Erfolg seiner Oper Aida 1871 zunächst vom Opernschaffen zurückzog, traf 1879 auf Vermittlung seines Verlegers Giulio Ricordi mit Arrigo Boito zusammen. Es sollte der Beginn einer kongenialen Zusammenarbeit werden, die in den gemeinsamen Werken Otello (1887) und Falstaff ( 1893) gipfelte. Dennoch sollten 8 Jahre vergehen bis zur triumphalen Uraufführung an der Mailänder Scala im Jahr 1887.

Verdi hatte sich bereits vor der Komposition seiner Oper Macbeth (1847) intensiv mit Shakespeare beschäftigt und war seitdem immer auf der Suche nach idealen Librettisten und passenden Opernstoffen. Arrigo Boito hatte Verdi den Entwurf zu einer Otello Bearbeitung vorgeschlagen, worauf dieser jedoch zunächst sehr zögerlich reagierte, sich dann aber doch nicht der Faszination des Stoffes und der Figuren, vor allem der des Jago, entziehen konnte.
Arrigo Boito verdichtete den Shakespeare-Stoff, kürzte das Drama von 5 auf 4 Akte und fasste Teile der 4. und 5. Shakespeare Akte zu einem einzigen zusammen. Darüberhinaus konzentrierten sich Verdi und Boito im Laufe ihrer Zusammenarbeit auf eine veränderte Figurencharakteristik und focussierten den Dualismus der Figuren des Jago und der Desdemona. Jago als Inkarnation des abgrundtief Bösen und Desdemona als Personifikation der Unschuld und engelhaften Reinheit.

Verdi entfernte sich in seinem Spätwerk bewusst vom bis dahin gängigen italienischen Kompositionsstil der Einteilung in Arien, Ensembles oder Chorszenen und fand zur durchkomponierten Form. Seit seinem Frühwerk Macbeth entwickelte er sukzessive eine immer einheitlichere musikdramatische Form, die er im Otello zur Vollendung führte. Das ausgehende 19. Jahrhundert und mit ihm das endgültige Ende der Romantik verlangte nach neuen, adäquaten Ausdrucksformen, nach psychologischer Durchleuchtung der Bühnengestalten, nach Realismus und differenzierter Darstellung der Konflikte.

Richard Wagner setzte das Orchester als gleichwertigen Partner der Sänger ein, wertete es sinfonisch auf und schaffte mittels Leitmotive ein komplexes Beziehungsgeflecht von verschiedenen Bedeutungsebenen.
Verdi gab im Otello dem Orchester ebenfalls eine tragende Rolle und verzichtete auf jede standardisierte Begleitung wie noch in seinen frühen und mittleren Werken, jedoch bleibt das Orchester – im Gegensatz zu Wagner- immer der Melodieführung der Singstimme untergeordnet. Verdi nutzte im Otello die Weiterentwicklung der Instrumente zugunsten differenzierter dramatischer Charakterisierung und tonmalerischer Effekte wie das Heulen des Windes, Donnergrollen, oder Feuerknistern. Kehren hier Themen im Verlauf der Handlung wieder, dann nur, um an bestimmte Situationen anzuknüpfen ( Kussmotiv).

Schon beim Betreten des Zuschauerraumes – lange bevor die Musik einsetzt- wird man von einer riesigen Videoinstallation in Beschlag genommen ( Video: Tomasz Jeziorski). Sie zeigt einen Elefanten, der am Boden liegt, alt, müde, ab und zu mit einem Auge blinzelt, zuletzt zusammenbricht und stirbt. Dieses symbolträchtige und rätselhafte Bild, auf das Wilson im weiteren Verlauf der Inszenierung keinen Bezug nimmt, weckt vielfältige Assoziationen. Vielleicht an den sieg- und erfolgreichen Feldherren Otello, äußerlich gepanzert, bewundert und beneidet wegen seiner Stärke, seinem Rang, aber tief im Inneren leidend an seinem „Anderssein“, leicht verletzbar, anfällig und unfähig zum Vertrauen. Auch er wird am Ende den Kampf verlieren, zusammenbrechen und sterben.
Gleichzeitig hört man Windesrauschen, zuerst leise, dann immer mehr zum Sturm anschwellend, bis schließlich das Bühnengewitter des 1. Aktes einsetzt. Nun wird man nach und nach immer tiefer hineingezogen in die fremdartige Wilson‘sche Bühnenwelt. Diese offenbart im 1. Bild schon fast alle Parameter, mit welchen der Regisseur operiert und die im Laufe der Handlung modifiziert oder verfremdet werden.

Festspielhaus Baden-Baden / Otello - hier : Skelton_ Yoncheva © Lucie Jansch

Festspielhaus Baden-Baden / Otello – hier : Skelton_ Yoncheva © Lucie Jansch

Der Bühnenhintergrund erstrahlt je nach Situation (siehe Foto oben) entweder in blau, schwarz, weiß, rot oder bei Otellos Wahnvorstellungen auch grün (Co-Lichtdesign: Solomon Weisbard), stilisierte Blitze leuchten, ebenso Reihen von Scheinwerfern. Eine Kugel ist immer präsent (die Weltkugel?) und leuchtet ebenso schwarz, blau oder rot. Das Licht wird zum unverzichtbaren Dramaturgen der Seele. Stilisierte Arkadenteile wachsen zum Palast zusammen, erst einzeln, dann verdichtet. Später werden diese fragmentiert und erinnern an Schwerter, lösen die Szene auf oder geben Ihr Struktur. Eine stilisierte Treppe schwebt von der Decke, scheint im Nichts zu enden, auch diese zerfasert später in Einzelteile (Co- Bühnenbild: Serge von Arx). Sehr stark ist das Bild des 4. Aktes, wenn ein wehender grau-grüner Vorhang, auf welchem skizzenhaft die rechtwinkligen Umrisse einer weißen Türe und ein kleines quadratisches Fenster Desdemonas Schlafgemach andeuten. Seitlich steht in grellem weiß ein karges Bett, das unheilvoll an eine Totenbahre gemahnt.

Die Personen sind ausnahmslos weiß geschminkt, fernöstlich verfremdet, schwarz gewandet und muten im düsteren Hintergrund gespenstisch an. Lediglich Desdemona erscheint ganz in gleissendem weiß, mit Halskrause, die auch aus dem elisabethanischen Theater stammen könnte. Die Männer sind in kriegerische Rüstungen gesteckt (Kostüme: Jaques Reynaud und David Boni), welche die minimalistischen und zeitlupenartigen Bewegungen der Figuren unterstützen. Gesten werden nur sehr gezielt eingesetzt, (Finger gespreizt, Arme roboterartig gehoben) und erlangen dadurch größere Bedeutung wie beispielsweise bei der Annäherung zwischen Otello und Desdemona am Ende des 1. Aktes, wenn eine körperliche Hinwendung und eine „Fast- Berührung“ schon wie eine leidenschaftliche Umarmung anmutet. Ansonsten findet Interaktion zwischen den Personen nicht statt, kontrolliertes Rampensingen und geometrisch abgezirkelte Tableaus bestimmen die Szene. Die Entdeckung der Langsamkeit könnte auch als Motto über dieser Aufführung stehen.

Otello  –   Tenor Stuart Skelton über Otello
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Wilsons radikale Reduktion fasziniert zunächst, der Musik wird Raum gegeben, das Hören wird intensiviert, die Distanz kann die Emotionen klären, den Blick schärfen. Das funktioniert oft, allerdings entsteht auch bisweilen Langeweile und Spannungslosigkeit, die Statuarik der Figuren wirkt nicht selten wie eine Bremse. Mit dem Regiekonzept kommen die Sänger unterschiedlich zurecht. Am besten scheint sich Vladimir Stoyanov als Jago in seine Darstellung einzufinden, die ihm ein einigermaßen variables Bewegungsrepertoire erlaubt. Jago, der Dämon, ein Abgesandter Mephistos, bekennender Nihilist, dem keine Intrige boshaft genug ist, und der Otello in Wahnsinn und Selbstmord treibt, wird vom Regisseur (Co- Regie: Nicola Panzer), auch schon äußerlich diabolisch ausstaffiert. Er trägt einen Ziegenbart, die Haare sind seitlich zu zwei leichten Hörnern nach oben frisiert (Haar- und Make-up Design: Manuela Halligan). Stoyanov liefert ein beeindruckendes Rollenportrait und sein Bariton besticht mit einer vielfältigen Bandbreite an Ausdrucksnuancen. Er kann ebenso schmeichelnd larmoyant, mit samtenen Klangfarben, verführerisch seine Ränke spinnen wie zynisch und roh, mit heldischer Attitüde seinen Triumph auskosten. Lediglich im Credo hätte man sich etwas mehr Schwärze gewünscht.
Die Desdemona von Sonya Yoncheva ist äußerlich keine Engelsgestalt, sie trägt einen schwarzen Haarkranz, und ihr Styling ähnelt eher der Butterfly als einer blonden Ikone, aber als Lichtgestalt ganz in weiss wirkt sie dennoch bestechend. Ihr herrlich timbrierter lyrisch-dramatischer Sopran findet anfänglich noch nicht zu freier Entfaltung und wirkt etwas mechanisch, aber im Laufe des Abends entwickelt ihre Stimme eine strahlende Leuchtkraft, sowohl bei den dramatischen Ausbrüchen als auch in den berückend- zarten, überirdisch schönen pianissimo Stellen im Weidelied und im Ave Maria.

Stuart Skelton ist in Baden-Baden kein Unbekannter. 2016 gab er bei den Osterfestspielen unter Sir Simon Rattle sein Rollendebut als Tristan. Gastspiele mit einem umfangreichen Repertoire führen ihn an alle großen Opernhäuser der Welt. Als Otello ist Skelton eine Idealerscheinung, er verfügt über einen ausgeglichenen, eher hell timbrierten heldischen Tenor mit enormer Ausdrucks- und Gestaltungskraft. Er durchleidet auf erschütternde Weise Otellos psychische Labilität, seine wahnhafte Eifersucht und seinen unaufhaltsamen Weg in den Abgrund, der im Mord an seiner Geliebten und in Selbstmord endet. Vielleicht wirkt sich bei Stuart Skelton das Regiekonzept am wenigsten vorteilhaft aus. Durch die primäre Konzentration auf die Musik hört man jede stimmliche Trübung, werden Schwächen gnadenlos ausgestellt. Gestaltet er im Liebesduett am Ende des 1.Aktes weit geschwungene piano Phrasen mit innigster Verhaltenheit und seelenvoller Emphase, werden Grenzen bei den dramatischen Ausbrüchen deutlich hörbar, gelingen Spitzentöne an diesem Abend leider häufig nicht.

Francesco Demuro als Cassio führt seinen hellen lyrischen Tenor locker und mit Leichtigkeit vor allem in hohe Lagen, und wird arglos und unwissend zum Werkzeug von Jagos diabolischem Plan. Die Emilia von Anna Malavasi gibt der mutigen Gattin Jagos mit durchschlagskräftigem Mezzo Profil und Charakter. Gregory Bonfatti lässt als Roderigo mit schön timbriertem Tenor aufhorchen.Federico Sacchi als Lodovico, Giovanni Furlanetto als Montano und Mathias Tönges als Herold komplettieren das ausgezeichnete Ensemble.

Zubin Mehta geleitet die Berliner Philharmoniker mit Noblesse und traumwandlerischer Selbstverständlichkeit durch Verdis Partitur, und bringt in jedem Takt die Essenz der Musik ideal zur Geltung. Man hört ein perfekt ausbalanciertes Spitzenorchester, dem Mehta aber auch freie Hand lässt wie gleich zu Beginn, wenn die Orchestermassen wie entfesselt zum Sturm anschwellen. Genussvoll werden breitere Tempi zelebriert wie im Credo und Spannungsverläufe bis an die Grenzen ausgekostet. Ergreifend das Englischhorn Solo zu Beginn des 4. Aktes, komplettiert von zwei tiefen Flöten, Klarinetten, die Todesahnung verkünden. Großartig. Erschütternd.

Die lautmalerischen Stellen im 4. Akt sind bei diesem Orchester ein Ereignis, das Solo der Kontrabässe bei Otellos Eintreten lässt einen bis ins Mark frieren, auch wenn winzige Intonationstrübungen auszumachen sind. Der Philharmonia Chor Wien (Einstudierung: Walter Zeh) klang nicht immer präzise und ließ etwas an Strahlkraft vermissen, tadellos sang der Kinderchor des Pädagogiums Baden-Baden.

Das Festspielpublikum im ausverkauften Festspielhaus bedachte Dirigent, Orchester und Solisten mit Beifallsstürmen, die Damen erhielten beim Verlassen des Festspielhauses die obligatorische Rose, die die Erinnerung an einen faszinierenden Opernabend hoffentlich noch lange frisch halten wird.

—| IOCO Kritik Festspielhaus Baden-Baden |—

Rudolstadt, Theater Rudolstadt, Premiere Otello – Giuseppe Verdi, 04.05.2019

April 16, 2019 by  
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Theater Rudolstadt

Theater Rudolstadt / Otello - v. li. Zinzi Frohwein (Desdemona), Anja Daniela Wagner (Emilia) © Roland Obst

Theater Rudolstadt / Otello – v. li. Zinzi Frohwein (Desdemona), Anja Daniela Wagner (Emilia) © Roland Obst

Otello  von Giuseppe Verdi

Premiere 4. Mai 2019, Meininger Hof Saalfeld

Liebe und Hass, Eifersucht und Intrigen,  Giuseppe Verdis Oper Otello feiert im Meininger Hof Saalfeld Premiere

Mit seiner vorletzten Oper „Otello“ erreichte Giuseppe Verdi den Höhepunkt seines Schaffens. Die umjubelte Eröffnungspremiere der Jubiläumsspielzeit des Partnertheaters Nordhausen kommt am 4. Mai mit den Thüringer Symphonikern im Meininger Hof Saalfeld in halbszenischer Aufführung – ganz auf die Kraft der Musik konzentriert – zur Premiere.

Verdis Literaturoper nach Shakespeares Otello erzählt die tragische Geschichte eines Außenseiters, der zu Macht und Ansehen kommt. Als ehemaliger Sklave wird Otello nach militärischen Erfolgen zum Befehlshaber der venezianischen Flotte ernannt und bekommt die schöne, adlige Senatorentochter Desdemona zur Frau. Doch sein Aufstieg ruft Neider auf den Plan … allen voran Fähnrich Jago. Dieser startet, um den Widersacher zu Fall zu bringen, eine perfide Intrige, in der sich Otello mit fataler Zwangsläufigkeit immer tiefer verfängt. So nimmt das Verhängnis um ein Taschentuch seinen unaufhaltsamen Lauf. Vom Zweifel an der Treue seiner Geliebten innerlich zerfressen, tötet er im Wahnsinn der Eifersucht erst sie und letztendlich sich selbst.

Theater Rudolstadt / Otello - Krum Galabov (Jago), Michael Austin (Otello) © Roland Obst

Theater Rudolstadt / Otello – Krum Galabov (Jago), Michael Austin (Otello) © Roland Obst

In diesem späten Meisterwerk gelingt es Giuseppe Verdi, die Klangfarben und die Leitmotivik seines Konkurrenten Richard Wagner in den Orchesterpart zu integrieren. Gleich mit ihrer Ouvertüre entfesselt die Oper eine Wucht, die den Zuhörer bis zur letzten Note nicht mehr loslässt. Zusammen mit seinem Librettisten Arrigo Boito gelang Verdi ein geniales Musikdrama, wie es intensiver, schöner und erschütternder bis heute kaum ein anderes gibt.

Anette Leistenschneider – sie inszenierte u. a. an der Oper Breslau, am Musiktheater Lublin und an der Staatsoper Zagora und ist seit der Spielzeit 2016/17 Operndirektorin in Nordhausen – akzentuiert in ihrer Inszenierung die lyrischen Momente. Das Bühnenbild von Wolfgang Kurima Rauschning und die Kostüme von Anja Schulz-Hentrich bebildern die Inszenierung mit prunkvollen Roben und umschleierten Madonnen. Das Sängerensemble ist hochkarätig besetzt. Die Hauptrolle dieser Produktion aus dem Theater Nordhausen wird vom US-amerikanischen Sänger Ray M. Wade verkörpert. Er sang bereits mit großen Orchestern, wie dem Metropolitan Opera Orchestra, spielte an der Seite von Edita Gruberova den Normanno in Lucia di Lammermoor und Flavio in Norma auf CD ein. Festengagements führten den Tenor u. a. ans Nationaltheater Mannheim und an die Oper Köln. Die zweite große Partie ist nicht jene Desdemonas, sondern Jagos. Sie wird von Krum Galabov interpretiert, der schon mit Regisseuren wie Franco Zeffirelli und Einar Schleef zusammengearbeitet hat und mit Vesselina Kassarova gemeinsam auf der Bühne stand. Seine Karriere führte den bulgarischen Bariton in die Arena di Verona, die Staatsoper Sofia oder zu den Schlossfestspielen Schwerin. Die Darstellerin der Desdemona, Zinzi Frohwein, ist dem Saalfelder Publikum von verschiedenen Partien bekannt, u. a. als Mimi in La Bohème. Seit der Spielzeit 2016/17 am Theater Nordhausen fest engagiert, sang sie auch bereits in der Niederländischen Nationaloper. In weiteren Partien sind Yavor Genshev, Marian Kalus, Thomas Kohl, Jung-Uk Oh und Anja Daniela Wagner zu erleben. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Chefdirigent Oliver Weder. Es spielen die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt. Begleitet wird die Inszenierung durch den Mädelchor des Kantorats der Johannes-Kirche Saalfeld.

Szenische Einrichtung: Anette Leistenschneider, Bühne: Wolfgang Kurima Rauschning
Kostüme: Anja Schulz-Hentrich, Choreinstudierung: Markus Popp, Dramaturgie: Anja Eisner

Ray M. Wade jr. (Otello), Krum Galabov (Jago), Marian Kalus (Rodrigo), Yavor Genshev (Lodovico), Thomas Kohl (Montano), Jung-Uk Oh (ein Herold), Zinzi Frohwein (Desdemona), Anja Daniela Wagner (Emilia)

Es spielen die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt. Es singt der Mädelchor Saalfeld des Kantorats der Johannes-Kirche Saalfeld.

Karten für die Premiere am 4. Mai um 19.30 Uhr sowie für die weiteren Aufführungen am 7. und 12. Mai, jeweils um 15 Uhr und am 18. und 31. Mai, jeweils 19.30 Uhr, sind an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich.

—| Pressemeldung Theater Rudolstadt |—

Magdeburg, Theater Magdeburg, Otello – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 27.02.2019

März 1, 2019 by  
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Theater Magdeburg

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

Otello – der gebrochene Antiheld

 – Die Britin Olivia Fuchs mit mutiger Inszenierung –

von Thomas Thielemann

Mit der neuen Inszenierung von Guiseppe Verdis Otello macht das Haus einen mutigen Schritt einer Neudeutung des „Librettos von Arrigo Boito nach Shakespeare“.

Der Stoff des dramatischen Geschehens geht zurück auf eine der „zehn Geschichten über die Vor- und Nachteile verschiedener Arten von Liebe“ des Giovanni Battista Giraldi (1504-1573), genannt Cinzio, die 1565 im piemontesischem Mondovi erschienen sind.
Bereits bei Giraldi war die Geschichte im Venedig und auf Zypern um 1488 verortet, als die eigentlich bis in die Jetztzeit ständig umkämpfte Insel im östlichen Mittelmeer unter venezianische Herrschaft gelangt war. Selbst der Handlungsfaden um die unglückliche Liebe der Disdemona (altgriechisch: „unter einem Unstern stehend“) und die handelnden Personen waren nahezu identisch vorgegeben.

Otello  –  Guiseppe Verdi
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Wahrscheinlich 1603 bis 1604 hat William Shakespeare den Stoff dramatisiert, dabei die Handlung gestrafft, den handelnden Personen Namen gegeben und aus der gemeinschaftlichen Ermordung der umbenannten Desdemona durch den „Moor“ und dem Fähnrich mit allen seinen Konsequenzen, die Affekthandlung des Othello sowie seiner Selbsttötung gestaltet.

Bereits 1816 hatte Gioacchino Rossini eine Oper Othello oder der Mohr von Venedig nach einem Libretto des Franceso Maria Berio zur Aufführung gebracht. Rossini verlegte die Handlung seines nur selten aufgeführten Werkes ausschließlich nach Venedig. Erst dem Schriftsteller Arrigo Boito gelang es, 1879 dem Otello alles gedankliche Beiwerk Shakespeares auszusparen und die Konzentration auf das Grundgeschehen der Handlung zu einer Libretto-Skizze zu führen. Gemeinsam mit Boito hat Verdi, nicht ohne den Einfluss Richard Wagners, das erste echte italienische Musikdrama gestaltet und 1887 zur Uraufführung gebracht.

Theater Magdeburg / Otello  - hier :  Gocha Abuladze als gebrochener Antiheld © Nilz Boehme

Theater Magdeburg / Otello – hier : Gocha Abuladze als gebrochener Antiheld © Nilz Boehme

Die in London geborene und unter anderem auch in Griechenland aufgewachsene Olivia Fuchs hat am Opernhaus Magdeburg den Höllenritt gewagt, die individual-psychologische Handlung Boitos mit dem Zypernkonflikt der 1970er Jahre zu verbinden.

Im August 1960 wurde Zypern nach einem antibritischen Aufstand aus der Kolonialabhängigkeit entlassen. Trotz der charismatischen Führungspersönlichkeit des Erzbischofs Makarios kam es auf der Insel nicht zur Kooperation der zypern-griechischen und zypern-türkischen Volksgruppen. Mehrfache Provokationen der „Mutterländer“ Griechenland und die Türkei verhinderten jegliche Ansätze einer Befriedung. Personell und materiell von der „Athener Militär-Junta“ unterstützt, putschten am 15. Juli 1974 Generale der zypriotischen Nationalgarde mit dem Ziel des Anschlusses Zyperns an Griechenland
In dieser Gemengelage verortete Olivia Fuchs ihr mutiges Konzept und brachte es konsequent auf die Bühne. Damit war vorbestimmt, dass Boitos Libretto ordentlich werde Federn lassen müssen. Verdis Musik kam aber zu voller Geltung:

Der griechische General Otello betritt das Hauptquartier der Putschisten, das Touristenhotel „Ledra Palace“, nachdem die Feuergefechte zwischen den Wachen des Erzbischofes und Staatsoberhaupts Macarios verhallt sind. Auf der Insel befinden sich noch Touristen, so dass eine makabre Situation entsteht. Während die Urlauber im hinteren Bereich der Bühne ihren gewohnten Beschäftigungen nachgehen, sich auch mit den putschenden Milizionären vermischen, lässt sich Otello, abgetrennt von einer Gitterstruktur feiern und beginnt seinen Stab zu ordnen. Die Benachteiligung des Iago und die daraus entstehenden Kabalen sind bekannt. Der als Regierungswachhabender abgesetzte Monsato wird im Trubel verletzt. Desdemona mausert sich zur First Lady des Putschisten-Staats.

Mit vom Triumph ob des Putscherfolges inspiriertem Duett Desdemonas und Otellos endet der erste Akt der Inszenierung der Olivia Fuchs. Die bewegliche Gitterstruktur wird als wichtiges Gestaltungselement den aufgeschlossenen Opern freund über den Abend begleiten.

Im zweiten Akt setzt sich die fragile Situation fort. Hinter den Gitterstrukturen entwickelt sich eine fröhliche Stimmung der Inselgäste. Desdemona lässt sich als Blumenkönigin feiern und bedankt sich mit freimütigem Benehmen. Nicht zuletzt um Otello eifersüchtig zu machen. Im vorderen Bühnenbereich befeuert Iago Otellos Eifersucht. Als Desdemona sich bei ihrem Mann für eine Begnadigung Cassios verwendet, weiß Iago Othellos Argwohn gegen beide wachzurufen. Mit der Verdichtung der Intrige verdichten sich auch die Gitter.

Theater Magdeburg / Otello - hier :  Desdemona laesst sich als Blumenkoenigin feiern © Nilz Boehme

Theater Magdeburg / Otello – hier : Desdemona laesst sich als Blumenkoenigin feiern © Nilz Boehme

Mit einem von höchster Leidenschaft geprägten Duett führen Otello und der intrigante Iago den zweiten Akt zu einem der musikalischen Höhepunkte. Zwischen der Handlung des zweiten und des dritten Aktes, während sich die Besucher mit einem Glas Wein oder Wasser stärken, hat es außerhalb des Hotels „Ledras Palace“ auf der „Politischen Weltbühne“ Wesentliches entwickelt:

Vorgeblich des Schutzes der türkisch-zypriotischen Minderheit und um den “Status quo ante“ der Züricher Vereinbarung wieder herzustellen, landeten ab dem 20. Juli 1974 türkische Truppen an der Nordküste Zyperns und besetzten über ein Drittel des Insel-Territoriums. Diese Invasion der Türkei aktivierte den UN-Sicherheitsrat und die NATO. Drohte doch ein bewaffneter Konflikt zwischen zwei Mitgliedern des Militärpaktes. Der internationale Druck führte zum Sturz der „Athener Militärjunta“ und zur Rückkehr der griechischen Exilregierung nach Athen.

Der dritte Akt sieht einen nachdenklichen Otello am inzwischen Touristen-freien Hotel, als ihm die Ankunft eines Beamten aus Athen angekündigt wird. Offenbar ist dem General bewusst geworden, wie sich „seine Sache„ entwickelt hat. So begrüßt er seine Gattin zunächst zwar mit ironischer Galanterie. Als diese erneut für Cassio bittet, macht sich seine Spannung frei und sein Zorn wallt auf. Er trifft allerdings auf eine selbstbewusstere Desdemona. Zu Boden geworfen, sendet sie Otello verachtende Blicke. Der auftretende Athener Abgesandte übermittelt Otello den Befehl, unverzüglich nach dem Mutterland zurückzukommen. Der angestrebte Anschluss Zyperns an Griechenland ist abgebrochen

Die Persönlichkeit des Otello ist gescheitert: Politisch/militärisch und als Ehemann. Damit bleibt dem vierten Akt der Oper nur noch eine „Verwaltung der Katastrophe“. Die Bühne zeigt die dreigeteilten Räume des Paares. Über dem Gebäude das Gitterwerk, allerdings über dem Bad der Dame zerstört. Desdemona, höchstnervös, muss sich erbrechen und singt zwischen Toilettenbecken und Ehebett ein makaber-verstörendes „Lied an die Weide“. Otello befindet sich in einer psychisch ausweglosen Verfassung und kann eigentlich nur seine Spannung lösen, indem er Desdemona erschießt, sich selbst ersticht. Für Zypern war das Ergebnis des Putschversuchs, dass die Insel und Seine Hauptstadt Nikosia bis heute geteilt bleiben.

Etwa 120 000 Menschen flohen nach dem südlichen Teil der Insel. Umgekehrt verließen 65 000 Angehörige der türkisch-zypriotischen Bevölkerung den südlichen Teil Zyperns. Auch die seit 1959 auf Zypern stationierten 2700 UN-Soldaten konnten diese Entwicklung nicht verhindern.

Theater Magdeburg / Otello - hier :  Isabel Stueber Malagamba als Emilia ueber der erschossenen Desdemona © Nilz Boehme

Theater Magdeburg / Otello – hier : Isabel Stueber Malagamba als Emilia ueber der erschossenen Desdemona © Nilz Boehme

Als Stütze und Gerüst des „Pseudo-Premierenabends“ erwies sich die frisch aufspielende Magdeburgische Philharmonie. Der Generalmusikdirektor Kimbo Ishii nimmt Verdis wuchtige Dramatik wie ein Monument an, um in kleinen Oasen umso überraschender wundervolle Poesie erblühen zu lassen. Dabei sind die Musiker hervorragende Sängerbegleiter, loten die ständigen Kontrast glänzend aus und sind den von Thomas Ziesch recht aggressiv vorbereiteten Chören des Theater Magdeburg, der Magdeburger Singakademie sowie des Opernkinderchors des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums adäquate Partner.

Dazu der fragilen Situation angepasst das wunderbare Bühnenbild von Yannis Thavoris. Selten erlebt man die Beziehung von Otello und Desdemona in mitten des Kampfgeschehens so ausweglos und zugleich berührend, wie in der Inszenierung der Olivia Fuchs. Der australische Gastsänger Aldo di Toro meistert die Titelrolle mit einem warmen dunkel gefärbten Tenor, der durchaus auch mühelos strahlende dramatische Ausbrüche ermöglicht. Dabei spart er auch nicht in den Schluss-Szenen am schluchzenden Pathos.

Für die erkrankte Raffaela Lintl sang die aus den Niederlanden stammende und im Essener Otello agierende Gabrielle Mouhlen die Desdemona. Bei aller Fraulichkeit symbolisierte ihre Darstellung keine typische Desdemona, sondern nimmt eher eine Außenseiterrolle ein. Gesanglich bietet sie Außerordentliches. Ein Erlebnis der besonderen Art war der Iago des georgischen Bassbaritons Gocha Abuladze. Seine dunkle flexible den Raum füllende Stimme verfügt für diese Hauptpartie über das notwendige Volumen. Noch etwas Schliff, und er wird alle großen Rollen seines Faches singen können. Auch darstellerisch konnte er dem hinterhältigen Bösewicht ordentlich Statur verleihen.

Cassio sang der gleichfalls dem Aalto-Theater Essen entliehene Carlos Cardose hell, klangschön und mit grazilem Schmelz. Der Tenor Benjamin Lee bot mit schöner Klangfarbe und guter Darstellung einen ordentlichen Roderigo, während der Bassist Paul Sketris dem Montano eine bemerkenswerte Intensität gab. Von der Emilia der stimmschönen Altistin Isabel Stüber Malagamba und dem würdevoll-expressiven Gesandten Lodovico des Johannes Stermann hätte man gern noch mehr gehört.

Obwohl in der Pause wenige Besucher das Opernhaus verlassen hatten, gaben die Verbliebenen den Agierenden und dem Inszenierungsteam einen stürmischen Applaus ohne ein einziges „Buh“.

Otello am Theater Magdeburg; die weiteren Vorstellungen 8.3.; 23.3.; 7.4.; 26.4.; 19.5.; 1.6.2019

—| IOCO Kritik Theater Magdeburg |—

Magdeburg, Theater Magdeburg, Premiere Otello, 16.02.2019

Februar 1, 2019 by  
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Theater Magdeburg

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

»Evviva Otello!«
Giuseppe Verdis Operndrama »Otello« am Theater Magdeburg
Premiere am Sa. 16. 2. 2019, Opernhaus / Bühne

In Giuseppe Verdis »Otello« erliegt einer der bekanntesten Feldherren der Literaturgeschichte den gewissenlosen Intrigen seines Gegenspielers. In der Regie von Olivia Fuchs feiert das Operndrama am Sa. 16. 2. 2019, 19.00 Uhr (!) im Opernhaus Premiere.

Das im Jahr 1887 uraufgeführte Werk »Otello« ist der Ausdruck Verdis lebenslanger Beschäftigung mit der Dramatik William Shakespeares, die mit der Uraufführung von »Macbeth« im Jahr 1847 ihren Anfang nahm. Mit »Otello« schuf Verdi im Alter von 70 Jahren eines seiner besten Opernwerke. Am Theater Magdeburg feiert das Operndrama am 16. 2. 2019, 19.00 Uhr in der Regie von Olivia Fuchs Premiere.

Die Geschichte um den »Mohren von Venedig« – erfolgreicher Feldherr, jedoch wegen seiner fremdländischen Herkunft kritisch beäugt –, dessen Ehe mit Desdemona an gesellschaftlichen Machtverhältnissen und persönlichen Vorbehalten zerbricht, zeigt den Altmeister Verdi auf der Höhe seiner Kunst. 13 Jahre nach »Aida« konzentriert er – jenseits von Hafenszene und Staatsakt – das Geschehen hier noch stärker auf die drei Hauptfiguren Otello, Desdemona und Iago, der mit bösartiger Rachlust die Saat des Misstrauens zwischen den Liebenden sät. Musikalisch äußerst raffiniert und psychologisch genau spürt Verdi der fatalen Mischung aus Eifersucht und Minderwertigkeitsgefühl nach, die Otello zu Fall bringt. Ohne diesen Nährboden, durch den sich das ätzende Gift der Iago’schen Intrige hindurchfrisst, nähme das Drama nicht seinen tragischen Lauf. Iago hat nicht nur den eifersüchtigen Liebhaber überzeugt – Verdi hätte diesen Inbegriff eines Bösewichts fast zur Titelfigur seiner Oper gemacht.

Regisseurin Olivia Fuchs ist an Opernhäusern in ganz Europa und den USA ein gefragter Gast und dem Magdeburger Publikum bereits durch drei Inszenierungen bekannt. Nach »Der Rosenkavalier«, »Madame Butterfly« und Gounods »Faust« kehrt sie nun für »Otello« zurück ans Opernhaus Magdeburg. Die dramatischen Ereignisse rund um den Feldherren Otello siedelt sie am Shakespear’schen Originalschauplatz Zypern an – allerdings einige Jahrhunderte später. Ort des Geschehens, der von Bühnen- und Kostümbildner Yannis Thavoris gestaltet wird, ist das Ledra Palace Hotel in Nikosia, der Hauptstadt Zyperns. Direkt auf der heutigen Demarkationslinie zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil Zyperns errichtet, galt das Ledra Palace als luxuriösestes Hotel der Insel bis es 1974 zur Zielscheibe eines militärischen Angriffs wurde. Indem sie die Tragödie in der Zeit des Zypernkonfliktes ansiedelt, übersetzt Olivia Fuchs Verdis vorletztes Werk, mit dem er erstmals ein durchkomponiertes, intensives und packendes Operndrama um die drei Hauptfiguren schrieb, ins Heute. Kimbo Ishii übernimmt letztmals als GMD die musikalische Leitung dieser Neuproduktion.


Otello Dramma lirico in vier Akten von Giuseppe Verdi
Libretto von Arrigo Boito nach Shakespeare
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung GMD Kimbo Ishii / Pawel Poplawski

Regie Olivia Fuchs
Bühne / Kostüme Yannis Thavoris
Kampfchoreografie Thomas Ziesch
Dramaturgie Hannes Föst
Otello Aldo Di Toro
Iago Gocha Abuladze
Cassio Jonathan Winell
Roderigo Benjamin Lee
Lodovico Johannes Stermann
Montano Paul Sketris
Ein Herold Thomas Matz
Desdemona Raffaela Lintl
Emilia Isabel Stüber Malagamba
Opernchor des Theaters Magdeburg
Magdeburger Singakademie
Opernkinderchor des Konservatoriums »Georg Philipp Telemann«
Magdeburgische Philharmonie

Premiere Samstag, 16. 2. 2019, 19.00 Uhr (!) im Opernhaus / Bühne
Premierenfieber So. 3. 2. 2019, 11.00 Uhr, Opernhaus
Vorstellungen So. 24. 2. / Fr. 8. 3. / Sa. 23. 3. / So. 7. 4. / Fr. 26. 4. / So. 19. 5. / Sa. 1. 6. 2019

Karten Premiere: zwischen 17 € und 36 € / ermäßigt zwischen 12 € und 26 €
Karten weitere Vorstellungen: zwischen 13 € und 32 € / ermäßigt zwischen 8 € und 22 € Reservierung und Kauf an der Theaterkasse telefonisch: (0391) 40 490 490, online

—| Pressemeldung Theater Magdeburg |—

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