Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Il trovatore – Giuseppe Verdi, 13.07.2019

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 Il trovatore / Der Troubadour – Giuseppe Verdi

Premiere  Samstag, 13. Juli  2019

Als Geschichte eines großen Traumas und zerstörerischer Missverständnisse inszeniert Regisseur Roger Vontobel Giuseppe Verdis Oper Il trovatore / Der Troubadour und stellt dabei den angsteinflößenden Blick auf das Fremde in den Mittelpunkt. Claudia Rohner gestaltet die Bühne, Nina von Mechow die Kostüme. Die musikalische Leitung hat Roberto Rizzi Brignoli.

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore © Hans Jörg Michel

Das erlesene Sängerensemble setzt sich aus Irakli Kakhidze als Manrico, Miriam Clark als seiner Geliebten Leonora und Evez Abdulla als seinem Rivalen Graf Luna zusammen sowie außerdem aus Julia Faylenbogen als Azucena, der vermeintlichen Mutter Manricos, Bartosz Urbanowicz als Hauptmann Ferrando und Natalija Cantrak sowie Koral Güvener aus dem Opernstudio. Das Trauma verkörpert die Tänzerin Delphina Parenti.

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore © Hans Jörg Michel

Weitere Vorstellungen finden am 18., 21. und 25. Juli sowie in der kommenden Spielzeit ab 15. September statt.

Karten sind ab 12 Euro (ermäßigt 9 Euro) erhältlich.

 

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Il Trovatore – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 21.09.2018

September 21, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

Il Tovatore  –  Giuseppe Verdi

Lütticher Inszenierung in der Tradition der „Grand Opéra“

Von Ingo Hamacher

Premiere von IL TROVATORE in Zusammenarbeit mit dem Teatro Lirico Giuseppe Verdi de Trieste am 16.09.2018 an der Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Mit Giuseppe Verdis Troubadour startet die Oper Lüttich in die neue Saison. Nach drei Paukenwirbeln öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf eine nächtlich düstere Bühne, und das verworrene, ans grausame reichende Stück nimmt seinen Lauf.

Seit vielen Jahren verfolgt die lütticher Oper ein einfaches aber funktionierendes Konzept: Man überlässt Wagner den Deutschen, die Zeitgenossen und die Mutigen dem Brüsseler La Monnaie und Lüttich zeigt die Italiener: die klassischen Stücke, klassisch vorgetragen, mit den entsprechenden Kostümen und dem vornehmen Dekor.

Il Trovatore
Youtube Trailer Opéra Royal de Wallonie-Liège
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Stefano Vizioli verzichtet in seiner Regie auf zeitgenössische Bezüge oder eine moderne Interpretation. Statt dessen zeigt er eine Inszenierung, die dem Werk als Uraufführung zur Ehre gereicht hätte. Der international renomierte Opernregisseur Stefano Vizioli hatte sein Debut 1979 und hat seitdem zahlreiche Produktionen an bedeutenden Theatern und Opernhäusern in und außerhalb Europa aufgeführt. Im Januar 2017 wurde er künstlerischer Leiter des Teatro Verdi di Pisa.

Mit Begeisterung war das blutrünstige Bühnenstück EL TROVADOR von Antonio García Gutiérez bei seiner Uraufführung 1836 aufgenommen worden. Eine Liebesgeschichte und ein Bruderzwist. Ein idealer Plot für eine Oper. Verdi wandte sich an Cammarano, ein Libretto daraus zu machen.

Nach Reduktion der Schauplätze, Vereinfachung der Charaktere und Hinzufügung eines historischen Hintergrunds: Der Kampf des aragonischen Adels gegen Rebellen entstand dann mit Zigeunerromantik, Burgen- und Klostermotiven das verworrene, aber großartig vertonte Werk, das neben RIGOLETTO und LA TRAVIATA als Verdis Erfolgstrias berühmt geworden ist.

Die Uraufführung von Verdis Oper Il Trovatore, Der Troubadour, fand in Rom im Januar 1853 statt. Die Handlung dreht sich um die bittere Rivalität zwischen dem Grafen Luna, einem aragonischen Adeligen, und dem Troubadour Manrico, die beide in Leonora, eine Hofdame, verliebt sind.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Trovatore - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Trovatore – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Diese Dreiecksgeschichte wird durch die politische Gegnerschaft der beiden Rivalen und durch die Geschichte der Zigeunerin Azucena, die im Wahn ihren eigenen Sohn getötet und Manrico, den geraubten 2. Sohn des Grafen, als ihren eigenen Sohn erzogen hat, verkompliziert.

Insgesamt stellt Il Trovatore weniger ein folgerichtiges Drama, als vielmehr eine dramatische Szenenfolge dar, und steht damit in der Tradition der „Grand Opéra“. Dies aufgreifend erleben wir eine Bühne, auf der zwei verschiebbare hohe Treppenelemente im Bühnenhintergrund wechselnde Szenen andeuten, teils festungsähnlich vertäfelt, teils ein schlichtes Zigeunerlager andeutend. Dabei sind die verschiedenen entstehende Treppenanlagen Ausgangspunkt für die Tableau-artigen Chorszenen, vereinzelt verstärkt durch das Ballett. Verschiebbare Gaze-Elemente im Vordergrund deuten Szenenwechsel an und ermöglichen kurzfristige Umbauten. Die Kostüme sind zeitgenössisch. Bühne & Kostüme: Alessandro Chiammarughi, Licht: Franco Marri

Die größte Spannung, die einem Abend in klassischer Inszenierung erwächst, stammt aus der Musik. Verdi bleibt der Tradition des Dreiecksverhältnisses zwischen Sopran-Tenor-Bariton verpflichtet, wie er auch der italienischen Tradition: Kavantinen mit virtuosen Kabaletten und Ensembles mit ausgreifenden ‚Concertati‘ treu bleibt.

Der in Deutschland ausgebildete israelische Dirigent Daniel Oren, der weltweit an fast allen Großen Häusern gearbeitet hat (2014 wurde er Nachfolger von David Stern als Leiter der Israeli Opera in Tel Aviv), zeichnet mit dem bestens aufgelegten Orchester der Königlichen Oper der Wallonie/Lüttich ganz hervorragend die oft atemlose Nervosität und den drängenden Charakter der Musik. Den großartigen und klangschönen Chor und Extrachor (Einstudierung: Pierre Iodice) lässt er oft im Piano singen, und selbst die großen Ausbrüche behalten bei aller Klanggewalt eine Binnenstruktur.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Trovatore - hier : Yolanda Auyanet als Leonora und Fabio Sartori als Manrico © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Trovatore – hier : Yolanda Auyanet als Leonora und Fabio Sartori als Manrico © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Wenn Fabio Sartori als MANRICO seine Stimme zum Gesang erhebt, erleben wir ihn als beeindruckenden Verführer und tollkühnen Kämpfer. Der international gefeierte italienische Tenor hat Kraft ohne Ende und macht er eine sehr gute Figur. Im deutschsprachigen Raum wird er in Kürze in einigen Rollen erlebbar sein: AIDA in Wien, als NORMA sowie als TOSCA an der Deutschen Oper Berlin. LEONORA Yolanda Auyanet, in Las Palmas de Gran Canaria geboren, ist derzeit eine der bekanntesten spanischen Sopranistinnen ihrer Generation. Nach ihrem Debut in Bari als Musetta in Bohème erarbeitete sie sich ein umfangreiches Repertoir, mit dem sie inzwischen international gastiert. Sie hat einen gedeckten Sopran von großer Intensität, mit leuchtender Höhe, bei aller Beweglichkeit in den Verzierungen. Beide gaben in Lüttich ihr Bühnen-Debut.

IL CONTE DI LUNA Der 44-jährige Bariton Mario Cassi gab sein Operndebüt 2001 im Rahmen des Laboratorio „Voci in Musica“ der Stiftung „Musica per Roma“. Das Repertoire von Mario Cassi, der auch ein Wirtschaftsstudium absolvierte, reicht vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik, wobei Belcanto-Werke einen Schwerpunkt bilden. Er ist ein stimmgewaltiger Graf Luna von hoher Präsenz, der einen sehr virilen Bösewicht abgibt.

AZUCENA Violeta Urmana, eine litauische Opernsängerin (Mezzosopran, dramatischer Sopran). Im März 2016 wurde Violeta Urmana in Paris von Irina Bokowa, der Generaldirektorin der UNESCO, zur „UNESCO Künstlerin für den Frieden“ ernannt. Die Ehrung erfolgte als Anerkennung ihrer ständigen Bemühungen, Kultur als Mittel des Dialogs und zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses einzusetzen, und für ihren Einsatz zur Verwirklichung der Ziele der Organisation UNESCO, insbesondere in Afrika. SIe gestaltet die Rolle der Zigeunerin Azucena mit abgründiger Farbe und gibt ihr damit die brodelnden Unruhe, die der Figur ansteht. Auch sie ist erstmalig in Lüttich zu hören.

Opéra Royal de Wallonie-Liège - Der wunderbare Innenraum © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège – Der wunderbare Innenraum © Opéra Royal de Wallonie-Liège

FERRANDO Wird vom italienischen Baß Luciano Montanaro gesungen, INÉS Julie Bailly, eine international tätige belgische Mezzo-Sopranistin, RUIZ Xavier Petithan, Tenor
EIN ALTER ZIGEUNER Alexei Gorbatchev, Bass, EIN BOTE Sefano De Rosa, Tenor
Production : Opéra Royal de Wallonie-Liège, Teatro Lirico Giuseppe Verdi de Trieste

Enrico Caruso hat einmal gesagt, für Verdis Oper Il Trovatore brauche man nicht viel mehr als die vier besten Sängerinnen und Sänger der Welt. Ihm hätte diese Aufführung sicher gefallen, und seine Freude wäre das angemessene Kompliment für die großartigen Sänger gewesen. Die herausragenden Leistungen vor ausverkauftem Haus werden mit reichlich Szenenapplaus gewürdigt. Standing ovations, großer Jubel, Ovationen und nicht enden wollender Applaus ist der Dank für dieses großartige Erlebnis.

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

Koblenz, Theater Koblenz, Musical CHESS – Festung Ehrenbreitstein, IOCO Kritik, 23.08.2018

August 22, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Musical, Theater Koblenz

koblenz.gif

Theater Koblenz

Festung Ehrenbreitstein / Mit einem Open-Air Konzert des Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Festung Ehrenbreitstein / Mit einem Open-Air Konzert des Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Musical CHESS –  Benny Andresson / Björn Ulvaeus
Auf der Freilichtbühne Festung Ehrenbreitstein

Von Ingo Hamacher

Großartiger Start in die neue Saison; tosender Applaus und Ovationen vor ausverkauften Reihen. Mit dem Musical CHESS auf der Freilichtbühne Ehrenbreitstein gelingt dem Theater KOBLENZ bei großartigem Wetter ein unterhaltsamer Abend ohne Längen, so daß die Besucher eine wunderschöne und musikalisch reizvolle Aufführung in sommerlicher Abendatmosphäre genießen konnten.

Am 18. August 2018 feierte das Theater KOBLENZ die Eröffnung der kommenden Spielzeit mit einer Neuinterpretation des Musicals CHESS auf der Freilichtbühne der Festung Ehrenbreitstein.

Die Festung Ehrenbreitstein ist eine seit dem 16. Jahrhundert bestehende Befestigungsanlage gegenüber der Moselmündung in Koblenz. Das Festungsgelände, das für die Bundesgartenschau 2011 neu gestaltet und erschlossen wurde, kann rechtsrheinisch über einen Schrägaufzug, linksrheinisch durch die Seilbahn Koblenz erreicht werden (Der Preis für die Seilbahnfahrt ist im Eintrittspreis für das Musical bereits enthalten), so dass der Zugang leicht möglich und für sich genommen schon Teil des erlebnisreichen Abends ist.

Dabei lassen die kolossalen Gefängnismauern der Garnisonsanlage die Freilichtbühne erst einmal winzig erscheinen. Zu groß und zu mächtig die Bauten, als dass man auf den ersten Blick einen realistischen Größeneindruck der Freilichtbühne erhält, die mit über 800 Sitzplätzen erheblich größer als das Theater Koblenz ist, das nur 500 Plätze aufweist.

Theater Koblenz / Musical CHESS auf der Festung Ehrenbreitstein - hier : Solisten und Ensemble © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS auf der Festung Ehrenbreitstein – hier : Solisten und Ensemble © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Bühne, mit pinken Linien an Boden und Rückwand ein Schachfeld andeutend, ohne sich jedoch einem stereotypen Schwarz/Weiß zu unterwerfen, bleibt den ganzen Abend über – von ein paar Requisiten abgesehen – als Spielfläche frei, wodurch die Inszenierung eine angenehme Ruhe und wohltuende Gleichmäßigkeit gewinnt. Abwechslung und Spannung entsteht durch eine fast die ganze Bühne überspannende Projektionsfläche, auf der durchgehend Bilder, Filme, Einspielungen, Animationen oder die Livebilder eines immer wieder auf der Bühne präsenten Kameramanns übertragen werden, so daß auch intime Bühnenaugenblicke in den Duetten noch in den letzten Sitzreihe gut mitverfolgt werden können. (Video: Georg Lendorff)

Musical CHESS: Hommage an die legendäre Schachweltmeisterschaft 1972
Boris Spassky – Bobby Fischer

In den 80er Jahren waren der Hit »One Night In Bangkok«, »Nobody’s Side« und das oft gecoverte Duett »I Know Him So Well« große Charterfolge, noch bevor das Musical CHESS auf die Bühne kam. Die Musik wurde von den männlichen Mitgliedern des ABBA-Teams Benny Andresson und Björn Ulvaeus geschrieben, die damit 1984 ihr erstes Musical am Londoner West End auf die Bühne brachten, wo es für mehrere Jahre gespielt wurde. Die Texte schrieb Björn Ulvaeus zusammen mit dem Briten Tim Rice (Der König der Löwen, Evita).

Zweieinhalb Monate nach der Uraufführung in London fand dort eine Hälfte der Schachweltmeisterschaft 1986 statt, wodurch auch das Musical erhöhte mediale Aufmerksamkeit erhielt.So erfolgreich die Songs von CHESS auch waren und es immer noch sind, so undurchsichtig und kompliziert ist die Handlung des Musicals. Das Ränkeschmieden zwischen Russen und Amerikanern im „Kalten Krieg“, das im Musical CHESS am Beispiel zweier um dieselbe Frau rivalisierender Schach-Weltmeister ausgetragen wird, ließ zwischen politischen Intrigen und psychologischen Verwirrspielen zu viele Fragen offen. Die Story des Musicals CHESS wurde daher mehrfach überarbeitet und in jeder Neuinszenierung fand sich ein anderes Finale. So erzählt die ursprüngliche Londoner Fassung von zwei Schachturnieren, während die Broadway-Fassung nur von einem Turnier handelt.

Die Inszenierung von Markus Dietze (es ist seine 9. Musicalproduktion für das Theater Koblenz), Dramaturgie Nathalie Thomann, greift auf die Londoner Fassung mit den zwei Schachturnieren in Meran und Bangkok zurück. Die erheblichen Kürzungen des Ursprungslibrettos führen zu einer deutlichen Verschlankung der Handlung und Entwirrung mancher kaum zu überschauenden Intrigen, so dass das stimmige Ergebnis die Geschichte nachvollziehbar erlebbar macht.

Das Theater Koblenz spielt das Musical in der 2014 aktualisierten deutschen Übersetzung von Kevin Schröder. Fraglos eine richtige Entscheidung, da diese neue Übersetzung außergewöhnlich gut gelungen ist. Und durch die deutschsprachigen Texte kann auf eine Übertitelung verzichtet werden, so dass die Konzentration stärker auf das musikalische Geschehen gerichtet werden kann. Kleine Qualitätsabstriche sind dabei natürlich nicht zu vermeiden, wenn an wenigen Stellen der deutsche Text etwas holprig auf der englischsprachig gedachten Melodie-Linie liegt. Da die Hits des Musicals vielen Besuchern noch im englischsprachigen Original oder entsprechenden Coverversionen im Ohr sind, irritieren die deutschen Texte an diesen Stellen vereinzelt, ohne jedoch den großartigen Erlebnisfluss zu stören.

Theater Koblenz / Musical CHESS - auf der Festung Ehrenbreitstein, hier Mario Mariano, Markus Schneide, Charlotte Irene Thompson © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS – auf der Festung Ehrenbreitstein, hier Mario Mariano, Markus Schneide, Charlotte Irene Thompson © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Inszenierung, Bühne & Kostüme (Christian Binz; Mitarbeit Kostüme Judith Leonard) und die Choreografie von Katrin Wolfram verzichtet auf jede Aktualisierung des Stoffes, und zeigt uns die Welt der Entstehungszeit des Musicals: die 80er Jahre. Schulterpolster und Dauerwellenfrisuren bevölkern die Bühne; Farbkombinationen und Textilmuster sind erlebbar, die man heute kaum für möglich halten würde. Aber das durchweg reifere Publikum schwelgte sichtbar vergnügt in Erinnerungen. Das hatte man mitgemacht, so hatte man auch mal ausgesehen…

Die Handlung: Schachweltmeisterschaft in Meran: Der arrogante amerikanische Titelverteidiger Frederick Trumper (Marcel Hoffmann) wird vom russischen Schachgenie Anatoly Sergievsky (Markus Schneider) herausgefordert – zu Zeiten des „Kalten Krieges“ eine hochpolitische Angelegenheit.

So wird von beiden Seiten aus dem Hintergrund versucht, mit unlauteren Mitteln Einfluss auf dieses bedeutende Duell zu nehmen: Pressekonferenzen, geheime Treffen, illegale Absprachen finden statt. Eine besondere Rolle spielt hierbei die schöne Ungarin Florence Vassy (Monika Maria Staszak), Fredericks Assistentin und Geliebte, die sich allerdings in dessen Kontrahenten verliebt. Anatoly gewinnt das Turnier und beschließt, nicht mehr nach Russland zurückzukehren.

Ein Jahr später muss er sich als Champion im thailändischen Bangkok einem jungen russischen Herausforderer stellen. Doch das eigentliche Spiel findet abermals jenseits des Schachbretts statt.

Die russische Seite bietet Anatoly einen Deal an: Wenn er freiwillig die Meisterschaft verliert, wird der Vater seiner Geliebten und zahlreiche weitere Gefangene aus russischer Haft entlassen. Um den Druck zu erhöhen, wird zusätzlich seine russische Ehefrau und Mutter zweier gemeinsamer Kinder eingeflogen und ein Treffen zwischen beiden arrangiert. Und dann ist es ausgerechnet sein ehemaliger Konkurrent Frederick Trumper, der das Schachspiel aufgegeben hat, und inzwischen als Journalist über die Weltmeisterschaft in Bangkok berichtet, der ihm den wichtigen Rat erteilt: „Beuge dich niemals dem Mittelmaß! Kämpfe!“

Anatoly gewinnt das Match; entschließt sich jedoch anschließend, wieder nach Russland und zu seiner Familie zurück zu gehen. Dies auch in der Hoffnung, auf diesem Wege die in Aussicht gestellten Haftentlassungen durchsetzen zu können…

Theater Koblenz / Musical CHESS - auf der Festung Ehrenbreitstein - hier : Adrian Becker © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS – auf der Festung Ehrenbreitstein – hier : Adrian Becker © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Marcel Hoffmann in der Rolle des draufgängerischen Frederick Trumper, der auch im Theater in der Altmark (Stendal) zu erleben ist, tritt bereits in seiner 11. Musical-Produktion für das Theater Koblenz auf: 2016 JESUS CHRIST SUPERSTAR (Jesus), 2015/15 MY FAIR LADY (Freddy Einsford-Hill), 2015 CATS (Skimbleshanks), 2014/15 MOULIN ROUGE STORY (Henri de Fontillac), 2014 DIE COMEDIAN HARMONISTS (Ari), 2014 HAIR (Claude Bukowsky), 2013 DIE DREIGROSCHENOPER (Macheath), 2012/13 EVITA (Che), 2011/12 Claude Bukowsky CABARET (Clifford Bradshaw), 2009/11 SWEENEY TODD (Tobias Ragg). Hoffmanns Nachteil in diesem Stück besteht darin, dass die Rolle des amerikanischen Ekelpakets Trumper bis auf die im zweiten Akt vorkommende Kindheitserzählung keinen Raum für lyrischen Gesang bietet. In seinen geschmetterten Gesangspassagen entscheidet er sich oft für Kraft und Dramatik, anstatt durchgängig auf eine saubere Melodie-Linie zu achten.

Die beiden Hauptfiguren des Stücks: Markus Schneider, in der Rolle des introvertierten Russen; ein äußerst erfahrener Musicalsänger: Für ihn ist es seine 35. Musicalproduktion auf zahlreichen Bühnen im deutschsprachigen Raum. Schneider war bereits mehrfach in Koblenz zu Gast: 2014 in DIE COMEDIAN HARMONISTS als Erich, 2008 in JESUS CHRIST SUPERSTAR als Petrus. In MY FAIR LADY, dass von 2015 bis 2017 in Koblenz gespielt wurde, gab er die Rolle des Henry Higgins.

Theater Koblenz / Musical CHESS -auf der Festung Ehrenbreitstein © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS -auf der Festung Ehrenbreitstein © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Monika Maria Staszak, die die Rolle der schöne Ungarin Florence Vassy übernommen hat, steht aktuell noch als Sybille Meilhaus im Musical LUDWIG2 im Ludwigs Festspielhaus (Füssen) auf der Bühne. Für sie ist es bereits ihre 17. Musical-Produktion, wobei sie in Koblenz 2015 in CATS die Rolle der Grizabella, 2013 in der DREIGROSCHENOPER die Partie der Spelunkenjenny gesungen hat. Im von 2009 bis 2011 gespielten SWEENEY TODD war sie ebenfalls dabei.

Beide überzeugen sowohl beim musicaltypischen „Belting“, wie auch in den lyrischen Passagen der Duette, in denen sie die Bandbreite ihres großen musikalischen Könnens zeigen.

In den weiteren Rollen Wolfram Boelzle (Koblenz, Berlin, Bad Vilbel) als Walter de Courcey, Adrian Becker (30 Produktionen bundesweit) als Alexander Molokov, Michèle Silvestrini in ihrer 2. Produktion als Svetlana Sergievskaya und Christof Maria Kaiser (7 Partien in Koblenz von insgesamt 14) als SchiedsrichterBoelzle gewinnt die Herzen der Zuschauer vor allem durch sein strahlendes Lächeln und seine geradezu ansteckende Spielfreude. Becker, Silvestrini und Kaiser zeigen sich den Anforderungen ihrer Gesangspartien mehr als gewachsen.

Reporter/Pop-Chor:   Raphaela Crossey, Hyunhwa Lee, Dorothee Lochner, Mario Mariano, Ian McMillan, Klaus Phillip, Michael Seifferth, Charlotte Irene Thompson

Gesanglicher Höhepunkt des Abends war jedoch die kleine aber feine Partie der russischen Ehefrau Anatolys. Leider weist das Programmheft nicht aus, welche Dame des Chors die Partie gesungen hat, so dass ich an dieser Stelle nur unbekannterweise meine tiefe Hochachtung aussprechen kann. Aber auch die vier englischen Herren verdienen aufgrund ihrer großartigen musikalischen Leistung eine lobende Erwähnung.

Musikalische Leitung und Choreinstudierung: Karsten Huschke, seit 2013 Studienleiter und Kapellmeister am Koblenzer Theater. Es ist eine große Herausforderung, unter solch ungewöhnlichen Aufführungsbedingungen eine so großartige und gelungene Arbeit auf die Bühne zu bringen, zumal die Akustik zwischen den Gefängnismauern ihre Tücken hat. Und so kämpft Huschke dann auch immer wieder darum, das auseinander laufende Orchester zusammen zu halten.

Auch der Umstand, dass Dirigent und Musiker hinter dem Bühnengeschehen, getrennt von einer transparenten Trennwand, platziert sind, bringt Schwierigkeiten mit sich.

Da die Sänger keinen Blick auf den Dirigenten haben und Bildschirme zur Übertragung des Dirigats fehlen, tasten sie sich nach Gehör bei Beginn jeder neuen Nummer in die Musik ein. Wenn sie dann sicher sind, ihren Einsatz getroffen zu haben, schmettern sie ab dem 3. Takt ihren Text. Die Aufführung leidet etwas an diesen fragend verwaschenen Einsätzen, ohne jedoch den äußerst positiven Gesamteindruck der musikalischen Leistung zu trüben.

Die Choreografie, die die musikalisch besonders interessanten Musiknummern der Schachspiele in Ballettszenen umsetzt, stammt von der dresdener Tänzerin und Choreografin Katrin Wolfram. Ihre umfangreichen praktischen und theoretischen Erfahrung konnte sie bereits in einigen Choreografien in den Bereichen Schauspiel-, Opern- und Musicalinszenierungen einbringen. Ihre Koblenzer Arbeit verbindet sich mit Musik und Inszenierung zu einem stimmigem Ganzen.

Opernchor, Extrachor, Ballett – Es spielt das Staatsorchester Rheinische Philharmonie

Ob mir aber das Musical CHESS, die humorvoll lebendige Einführungsrede des Indendanten Markus Dietze oder die Abfahrt von der Festung Ehrenbreitstein mit der Seilbahn Koblenz ins nächtlich beleuchtete Koblenz, überstrahlt von einem leuchtenden Mond, am Besten gefallen hat, kann ich gar nicht sagen.

– Es war ein rundherum wunderschöner Abend! –

Musical CHESS,  weitere Termine: So 19.08.2018, Do 23.08.2018, Fr 24.08.2018, Sa 25.08.2018, So 26.08.2018;  Dauer der Inszenierung beträgt ca. 2 1/2 Stunden. 1 Pause

Weitere Spielzeit 2018/19: Das Programm des Theater Koblenz im Bereich des Musiktheaters der Spielzeit 2018/19 ist beachtlich: Neben dem Musical CHESS stehen stehen noch die Operetten DIE CHARDASFÜRSTIN von Kalman und der BALL IM SAVOY von Abraham, sowie die Opern LA CHENERENTOLA von Rossini, LA BOHEME von Puccini, FAUST von Spoh, DOCTOR ATOMIC von Adams, ALBERT HERRING von Britten und DER TROUBADOUR von Verdi auf dem Spielplan.

—| IOCO Kritik Theater Koblenz |—

Essen, Aalto Theater, Troubadour – Giuseppe Verdi, 09.06.2018

Juni 6, 2018 by  
Filed under Aalto Theater Essen, Oper, Pressemeldung

logo_aalto_musiktheater
Aalto Theater Essen

Aalto Theater Essen / Der Troubadour - Nikoloz Lagvilava (Graf von Luna), Gaston Rivero (Manrico) und Aurelia Florian (Leonora) © Karl Forster

Aalto Theater Essen / Der Troubadour – Nikoloz Lagvilava (Graf von Luna), Gaston Rivero (Manrico) und Aurelia Florian (Leonora) © Karl Forster

DER TROUBADOUR – Giuseppe Verdi

Samstag, 9. Juni 2018, 19 Uhr – Aalto-Theater

Finale für Verdis Troubadour: Am Samstag, 9. Juni 2018, um 19 Uhr kommt die Oper in der Inszenierung von Patrice Caurier und Moshe Leiser zum letzten Mal in dieser Spielzeit am Aalto-Theater zur Aufführung. Das herausragende Sängerquartett, das schon beim Premierenpublikum für Begeisterung sorgte, ist hier noch einmal zu erleben: Gaston Rivero als Manrico, Aurelia Florian als Leonora, Nikoloz Lagvilava als Graf von Luna und Carmen Topciu als Zigeunerin Azucena. Die musikalische Leitung hat Matteo Beltrami.

Es sind die langen Schatten der Vergangenheit, denen keine Figur in Verdis vielleicht dunkelstem Werk entkommen kann. Es ist die gemeinsame Vorgeschichte, die ihr Schicksal bestimmt und – aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt – durch die Oper geistert. Es ist unerbittlicher Hass, der die Ereignisse auf ein tragisches Ende hin peitscht. Der alte Graf Luna hatte zwei Söhne. Einer davon sei von einer Zigeunerin verflucht worden, wofür diese auf den Scheiterhaufen geworfen wurde. Deren Tochter Azucena entführte daraufhin den Jungen, um ihn aus Rache ebenfalls zu verbrennen, tötet dabei aber aus Versehen ihr eigenes Kind. Das überlebende Grafenkind wuchs nun im Zigeunerlager heran, ohne seine Herkunft zu kennen. Der alte Graf ließ seinen verbliebenen Sohn am Sterbebett schwören, die Suche nach dem verschwundenen Bruder niemals aufzugeben. Jahre später verlieben sich die beiden einander unbekannten Brüder in dieselbe Frau …

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

Nächste Seite »