Budapest, MüPa – Budapest, Wagner Tage 2019 – Der Ring des Nibelungen, IOCO Kritik, 28.06.2019

Juni 29, 2019 by  
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Müpa Budapest

Müpa Budapest © Müpa Budapest, Janos Posztos

Müpa Budapest © Müpa Budapest, Janos Posztos

Wagner Tage 2019 –  Budapest

Der Ring des Nibelungen – Müvészetek Palotája

von Thomas Thielemann

Die Texte zum Ring des Nibelungen sind zum größten Teil bereits in den 1840-Jahren in Dresden entstanden, nach dem sich Richard Wagner von der deutschen Sagen-Literatur, der griechischen Mythologie und von der Umgebung der Stadt hat anregen lassen. Insbesondere das Elbsandsteingebirge und der Fluss hat den jungen Kapellmeister so beeindruckt, dass ihn die Sachsen, „der Rhein sei eigentlich die Elbe“, für sich reklamieren.

Wagner Tage 2019 – Die Walküre
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Im Zürcher Hotel Baur au Lac hat Richard Wagner 1853 sein „tetralogisches Gedicht“ vor Freunden und anderen Interessierten mit großem Erfolg gelesen. Auch in Tribschen wurde der Text zum Ring mehrfach vorgelesen. Bereits 2011 hatte Adam Fischer, ob gezielt ist uns nicht bekannt, an diese Lesungen der Wagner-Texte angeschlossen und den Ring des Nibelungen ohne die früheren schwülstigen Theateraufführungen des Beginns des 20. Jahrhunderts sowie gewisser Unsäglichkeiten des Regietheaters aufgeführt.

Müpa Budapest © Gabor Kotschy

Müpa Budapest © Gabor Kotschy

Nun haben wir in der Zwischenzeit Richard Wagners wunderbare Musik und viele Möglichkeiten der Videoinstallationen erhalten. Deshalb hat Adam Fischer die Voraussetzungen des Bartok-Saals im Budapester Müvészetek Palotája (Palast der Künste), kurz MüPa, für halbszenische Aufführungen Wagnerscher Musikdramen erschlossen. Mit dieser Aufführungsform konzentrierte Adam Fischer sich und seine Zuhörer auf das Wesentliche der Wagnerschen Texte und auf die Musik des Meisters und kupierte damit deren Verfremdungen  von zum Beispiel Castorfs Bayreuther oder der des Chemnitzer Feministinnen-Quartetts und anderen.

Müpa Budapest / Béla Bartók National Concert Hall © Müpa Budapest, Janos Posztos

Müpa Budapest / Béla Bartók National Concert Hall © Müpa Budapest / Janos Posztos

Vergleichbar mit einem Restaurator, der unter der Übermalung eines Gemäldes das tatsächliche Bild des Künstlers der Mitwelt erschließt, hat uns Adam Fischer einen neuen und damit eventuell den wahren Richard Wagner nahe gebracht.

Für 2019 hatte man Hartmut Schörghofer mit einer Überarbeitung des Ring des Nibelungen betraut. Aufgeführt wurde diese Neufassung in zwei Zyklen vom 13. – 16. Juni und  20. – 23. Juni. Dazu hatte Adam Fischer hervorragende Sängerinnen und Sänger des Wagnerfachs zur Mitwirkung verpflichtet.

Müpa Budapest / Wagner Tage 2019 - Götterdämmerung © Balint Hirling / Müpa Budapest

Müpa Budapest / Wagner Tage 2019 – Götterdämmerung © Balint Hirling / Müpa Budapest

Für die halbszenische Darbietung traten die Sängerinnen im schwarzen Abendkleid und die Sänger, bis auf Ausnahmen, im Frack auf. Gesungen wurde auf hohem Niveau. Natürlich könnte man den hervorragend Gesang  der Catherine Forster als Brünnhilde, der Camilla Nylund als Sieglinde, des Gerhard Siegel als Mime und des Stefan Vinke als Siegfried herausheben. Aber das wäre ungerecht, weil eigentlich durchweg Spitzenleistungen geboten wurden. Selten hat man so geschlossene Walküren-Gruppen und so wunderbare Trios von Rheintöchtern und Nornen erleben können.

Da die Agierenden nur wenige Aktionen auszuführen hatten, wurde überwiegend direkt zum Publikum mit selten erlebter Textverständlichkeit agiert. Auch fehlte die Ablenkung einer Bühnendarstellung, so dass sich der Wagner-affine Besucher den inneren Zusammenhang des Werkes in einer seltenen Weise erschließen konnte. Soweit erforderlich, standen dem Besucher die Original-Texte sowie in ungarischer Übersetzung zur Verfügung.

Die Wagnersche Musik wurde durch Videoprojektionen von Hochgebirgspanoramen und Gegenwartsbezügen ergänzt wie von Tänzern mit zum Teil hochkreativen Szenen.

An jedem Abend wurden die Agierenden und die Budapester Wagner Tage 2019 frenetisch gefeiert. Nach der Götterdämmerung wollte das Stakkato-Klatschen und die stehenden Ovationen insbesondere für Dirigent Adam Fischer kein Ende nehmen

—| IOCO Kritik Müpa Budapest |—

 

Baden-Baden, Festspielhaus, Sommerfestspiele – Die Erben Tschaikowskys, Juli 2019

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Sommerfestspiele Baden-Baden –  Ein Bogen nach Russland

Valery Gergiev, Daniel Hope, Eva-Maria Westbroek, Anna Netrebko, Placido Domingo

Es ist ein Festival unter Freunden: Valery Gergiev und das Ensemble des Mariinsky Theaters St. Petersburg kommen nun schon seit 21 Jahren nach Baden-Baden, um Oper, Konzert und Ballett dort zu zeigen, wo deutschrussische Freundschaften Tradition haben. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts bestehen kulturelle Verbindungen zwischen Baden und St. Petersburg sowie natürlich auch nach Moskau. In drei Konzerten und einer Opernaufführung sollen diese Verbindungen zwischen dem 6. und 14. Juli 2019 im Festspielhaus Baden-Baden gefestigt werden.

Festspielhaus Baden-Baden / Valery Gergiev © Marco Borggreve

Festspielhaus Baden-Baden / Valery Gergiev © Marco Borggreve

Gleich im ersten Sinfoniekonzert der Baden-Badener Sommerfestspiele am Samstag, 6. Juli 2019 um 18 Uhr steht die Verbindung zwischen Deutschland und Russland im Mittelpunkt. Valery Gergiev dirigiert Werke von Richard Wagner und Peter Tschaikowsky, darunter dessen letzte Sinfonie Nr. 6, die Pathétique. Richard Wagner wurde und wird in Russland besonders verehrt.

Die ersten Aufführungen seiner Tetralogie Der Ring des Nibelungen in St. Petersburg wurden zu einer der wesentlichen Inspirationsquellen russischer Symbolisten. Der erste „Russische Ring“ nach der Sowjetunion entstand übrigens in Baden-Baden als Koproduktion zwischen Festspielhaus und Mariinsky Theater 2003.

In Erinnerung daran erklingen aus der Götterdämmerung zwei Ausschnitte – „Siegfrieds Trauermarsch“ und „Brünnhildes Schlussgesang“. Solistin ist Eva-Maria Westbroek, die in Baden-Baden bereits die Isolde in Wagners Liebesdrama Tristan und Isolde sang.

Zusätzlich zur Wagner-Tschaikowsky-Begegnung birgt dieses Konzert eine große Seite  Überraschung: Valery Gergiev wird einen erfolgreichen Teilnehmer des Tschaikowsky Wettbewerbs 2019 quasi direkt vom Abschlusskonzert in Moskau nach Baden-Baden mitbringen. Auf diese Weise lernte das Publikum der Sommerfestspiele schon vor einigen Jahren den Pianisten Daniil Trifonov kennen – heute ist er ein Weltstar.

Festspielhaus Baden-Baden / Daniel Hope © Bailey Davidson

Festspielhaus Baden-Baden / Daniel Hope © Bailey Davidson

Daniel Hope spielt Prokofjew

Am zweiten Petersburger Konzertabend in Baden-Baden steht der Geiger Daniel Hope im Rampenlicht. Er interpretiert am Sonntag, 7. Juli 2019 um 17 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden das Violinkonzert Nr. 2 von Sergej Prokofjew und markiert damit eine musikalische Ost-West-Beziehung der besonderen Art. Der Meisterschüler von Geigen-Legende Yehudi Menuhin kam einst als Flüchtling mit seiner Familie nach London. Im Hause Menuhin fand er zur Geige, wie im erfolgreichen Kino-Dokumentarfilm „Klang des Lebens“ eindrücklich erzählt. Das Hauptwerk des zweiten Sommerfestspiel-Konzerts ist Dmitri Schostakowitschs große siebte Sinfonie – die Leningrader. In dieser Sinfonie verarbeitet der russische Komponist unter anderem die Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Sie dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944.

Ein Konzert mit barocken Meisterwerken und gelesener Literatur findet im Rahmen der Sommerfestspiele Baden-Baden am Montag, 8. Juli 2019 um 19 Uhr im Museum Frieder Burda statt. Es spielen: Daniel Sepec (Violine) und Michael Behringer (Cembalo). Die Schauspielerin Nadine Kettler liest passende Literatur.

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko © Vladimir Shirokov

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko © Vladimir Shirokov

Stehplatzkarten für Domingo und Netrebko Für zwei weitere Höhepunkte der Baden-Badener Sommerfestspiele 2019 gibt es nur noch Restkarten: Giuseppe Verdis Oper Simon Boccanegra mit Plácido Domingo (9. Juli 2019, 19 Uhr) und ein Liederabend mit Anna Netrebko (14. Juli 2019, 17 Uhr). Für beide Abende gibt es am jeweils ab zwei Stunden vor der Veranstaltung Stehplatzkarten an der Abendkasse.

Festspielhaus Baden-Baden / Placido Domingo © Pedro Walker

Festspielhaus Baden-Baden / Placido Domingo © Pedro Walker

Reservierung und Beratung: Tel. 07221 / 30 13 101.
Tickets und weitere Informationen unter www.festspielhaus.de

 

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Das Rheingold – Richard Wagner, IOCO Kritik, 30.05.2019

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Das Rheingold – Richard Wagner

– Raub und Verschwörung –  Im Rheingold-Express und Untertage –

von Viktor Jarosch

Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Die Götterdämmerung bilden ein zeit- und grenzenloses Gesamtkunstwerk der Menschheit: Der Ring des Nibelungen, von seinem Schöpfer Richard Wagner als „Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend“ beschrieben. Zwist und Streit, in welche Götter, Riesen, Naturwesen oder Zwerge in dem Vorabend, in Rheingold, nach wenigen Takten verfallen, begleiten Rheingold auch „auf Erden“: So vollzog Ludwig II die Uraufführung des Rheingold 1869 im Königlichen Hof- und Nationaltheater in München. Gegen den Wunsch Richard Wagners, der weit entfernt in der Schweiz wohnte und nicht anwesend war. In bitteren Versen zeichnet Wagner 1869 seinen Frust über diese, allein von Ludwig II betriebene Uraufführung des Rheingold:

Das Rheingold – Richard Wagner

Spielt nur, ihr Nebelzwerge, mit dem Ringe,
wohl dien‘ es euch zu eurer Torheit Sold;
doch habet ach; euch wird der Reif zur Schlinge;
ihr kennt den Fluch; seht, ob er Schächern hold!
……..
doch euer ängstlich Spiel mit Leim und Pappe
bedeckt gar bald des Niblungs Nebelkappe!

Richard Wagners wahre, seine Uraufführung des Rheingold fand in Bayreuth, am 13. August 1876 statt: zur Eröffnung der ersten Bayreuther Festspiele, als Vorabend des Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen, hier erstmals zyklisch aufgeführt.

So schwebt seither über jeder Rheingold Inszenierung auch der Geist des Regisseurs: inszeniert er Rheingold als Teil des Ring oder das Einzelkunstwerk. Zwar tauchen in Rheingold erstmals die großen Leitmotive auf, welche das Beziehungsgeflecht in Wagners Bühnenfestspiel symbolisieren, doch die Leitmotivik in Rheingold ist noch spielerisch, nicht dicht geflochten. Rheingold kann so auch Satyrspiel empfunden werden, in welchem, in musikalischem Konversationston, Götter, naive Naturwesen, Riesen, Zwerge, Rheintöchter oder, wie im MiR, verschlagene, brutale, liebevolle oder zickige Menschen handeln und  kommunizieren.

Im Musiktheater im Revier wird Rheingold nicht als MiR-Ring, nicht als zyklische Parabel inszeniert. Michael Schulz, Wagner-erfahrener Regisseur und Intendant des MiR beschließt mit seinem Rheingold eine Reihe von Inszenierungen, welche sich mit Irdischem, dem Ruhrgebiet, dem Bergbau, mit dem Thema „Arbeit“ auseinandersetzen. So zuvor bereits in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Mythos oder Götter schweben in seiner Inszenierung von Rheingold kaum spürbar mit, dafür aber Bergbau, Maloche, Grubenlampen, Loren und ein Zug.

Das Rheingold – Richard Wagner
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Projektionen begleiten im MiR das vier-minütige Rheingold- Vorspiel: sonnendurchflutete lichte Gewässer schimmern auf dem Prospekt des Theaters, deuten Mythisches an. Doch aller Mythos wird verdrängt, alles wird sehr irdisch, wenn sich zum ersten Bild der Vorhang hebt und das Innere eines langgezogenen Speisewagen mit Abteilen und Speisetheke (Bühnenbild: Heike Scheele) zeigt. Der Speisewagen im Rheingold-Express dominiert, irdisch wie profan, den langen ersten und zweiten Auftritt der Inszenierung; macht alle, Götter, Zwerge, Rheintöchter und Riesen zu menschlichen Wesen, liebende, grobe, tanzende wie hinterhältige. Das Diktum von Regisseur Schulz wird im ersten Bild brutal deutlich: Das Ruhrgebiet ist sichtbar nah; alles ist menschlich in dieser Inszenierung! Götter sind auch nur Menschen!

So lümmelt sich denn Alberich, in altbackener Kleidung und mit Pudelmütze (Kostüme Renée Listerdal) auf einer Sitzbank des Zuges. Die Rheintöchter tauchen nicht aus dem Rhein auf, sondern in knappem sexy Outfit hinter der Theke hervor: „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Waglaweia!“ Ein Tabledance, von Woglinde lasziv an einer X-Pole-Stange vollzogen und mehr sollen den aus seinem Zugabteil herüber gekommenen Alberich („He, he! Ihr Nicker! Wie seid ihr niedlich, neidliches Volk“) verführen; alle verschwinden sie dann durch die Zugfenster, erscheinen wieder durch die Waggontüren. Zum Finale des 1. Auftritts, zum Raub des Goldes und den Klagen der Rheintöchter, „Haltet den Räuber! Rettet das Gold“, verfärben sich die projizierten lichten Gewässer im Hintergrund, werden trübe, verschmutzt; deuten den Mythos an, den Untergang von Göttern, Zwergen und Riesen.

Musiktheater im Revier / Das Rheingold - hier : die Rheintöchter im Zug umgarnen Alberich © Forster / MiR

Musiktheater im Revier / Das Rheingold – hier : die Rheintöchter im Zug umgarnen Alberich © Forster / MiR

So erscheint dann auch Wotan, männlich menschlich in elegantem Anzug mit Krawatte, im Rheingold-Express, Walhall besingend („Der Wonne seligen Saal bewache mit Tür und Tor …“).. um dann, ein gelungener Regieeinfall, mit den Riesen Fasolt und Fafner („Sanft schloß schlaf dein Auge..“) zunächst „aus dem Off“ zu kommunizieren. Dann erscheinen die Riesen als irdische muskelbepackte Riesen auf den Bühne, um ihren Lohn für den Bau von Walhall einzufordern. Die sich zickig sträubende Freia wird mit Grubenhelm versehen in einen Grubenaufzug gepresst.

Mit dem 3. Auftritt, Loge führt Wotan in das Halbdunkel des unterweltlichen Nibelheim. Der Rheingold – Mythos, Richard Wagners wunderbare Komposition scheinen nun ein wenig auf. werden vom Bühnenbild gestützt; auch wenn Mime dort mit einem Putzeimer herum läuft und auf seinem Plakat „Gold macht Lust“ irdische Genüsse propagiert. Wotan fährt in einer Lore in das Halbdunkel von Walhall ein, wo (das MiR – Thema „Arbeit“, Ruhrgebiet), stöhnende Erdlinge schuften, frühindustrielle Stahlproduktion andeuten. Kinder weihen Walhall fröhlich ein, irdisch Friedensfahnen winkend: Loges düstere Prophezeiungen kontrastierend. So bleibt Rheingold im MiR beständig irdisch, gutmenschlich wie böse: wenn dann Wotan den an Händen gefesselten Alberich mit einem Dolch ersticht, wenn Fasolt  Fafner mit eine Knüppel erschlägt, wenn Erda – in schickem Kostüm ganz Partylike – Wotan vor „. des Ringes Fluch ..“ warnt. Nicht mehr so irdisch verwebt sich das Bühnenbild in Projektionen, wenn zu Wagners wunderbar romantischer Dichtung „Abendlich strahlt der Sonne Auge; in prächt´ger Glut prangt glänzend die Burg..“ im Bühnenhintergrund Walhall in vielschichtiger Farbenglut andeuten und Wotan und Fricka, nun doch ein wenig göttlich, dort friedlich einziehen.

Musiktheater im Revier / Das Rheingold - hier : Wotan und Fricka, mit Donner, Froh und Freia © Forster / MiR

Musiktheater im Revier / Das Rheingold – hier : Wotan und Fricka, mit Donner, Froh und Freia © Forster / MiR

Trotz Speisewagen, Loren, Ruhrgebiets-Realität und anderem Irdischen auf der Bühne: Richard Wagner verzaubernde Dichtung, seine Komposition brachte das Ensemble mit stimmlicher Vielfalt wie Pracht und gut lesbaren Übertexten zum Leuchten; Bastiaan Evering, von Beginn an ein bleibend souveräner Wotan, ist mit souverän wohltimbrierten Bass-Bariton und eleganter Erscheinung ein sympathischer Mensch.  Wotan im MiR ist kein Göttervater, der widerwillig auf den Ring verzichtet; er möchte seiner Ehefrau Fricka mit der neuen Wohnung in Walhall gefallen. Cornel Frey festigt als Loge in seiner großen Partie das Irdische der Inszenierung: mit darstellerischem Facettenreichtum und wohlverständlichem Charaktertenor ist Frey als Loge steuerndes, gestaltendes Element der Inszenierung. Urban Malmberg ist als Alberich in profane Kleidung mit Pudelmütze ein herzlos kleingeistiger Kapitalist, beständig und laut schimpfend. Während sich Khanyiso Gwenxane mit elegantem Belcanto als Froh und Piotr Prochera als stimmlich gut aufgelegtem Donner (immer mit schwerem Hammer bewehrt) wunderbar ergänzen. Petra Schmidt ist die zickige Freia, Lohn für die körperlich breit ausstaffierten und stimmlich ebenso sicheren Riesen Fasolt (Joachim Gabriel Maaß und Fafner (Michael Heine). Stark, bewundernswert Almuth Herbst mit sicherem Mezzo in ihren Partien als Fricka und Erda: mit wohltimbrierter Gelassenheit, Persönlichkeit eigenen Charakter verleihend.

Giuliano Betta und die Neue Philharmonie Westfalen lassen Richard Wagners klangliche Momente des Rheingold lyrisch leben. Die wagnersche Dichtung, seine packenden Konversationspassagen kommen durch das sensible Dirigat und ein gut eingestelltes Ensemble wohltuend zur Geltung. So könnte man ein wenig glauben, daß im MiR das Irdische der Inszenierung und der Weltgeist der Komposition verschmitzt miteinander kokettieren.

Das Gelsenkirchener Publikum des MiR, in der Mitte des Ruhrgebiets gelegen, feierte diese Sicht des  Rheingold, ihren Rheingold-Express, ihr Ensemble, ihren Regisseur.

Das Rheingold am Musiktheater im Revier; die weiteren Vorstellungen: 30.5.; 2.6.; 9.6.; 20.6.; 30.6.2019

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

CD – Rezension, Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner, IOCO Kritik, 26.12.2018

Dezember 27, 2018 by  
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NAXOS / Der Ring des Nibelungen - mit Jaap van Zweden © NAXOS Deutschland

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – mit Jaap van Zweden © NAXOS Deutschland

Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner

Digitale Zauber aus:  Hongkong / NAXOS versus Bayreuth

Von Michael Stange

Naxos, der weltweit größte Anbieter für klassische Musik, und natürlich die Bayreuther Festspiele bietet faszinierende CD-Produktionen des Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Michael Stange bespricht im folgenden für IOCO die folgenden Aufnahmen:

– Die Naxos-Eigenproduktion des Ring des Nibelungen unter Jaap van Zweden mit dem Hongkong Philharmonic Orchestra, entstanden in den Jahren 2015 -2018.

– Den Mitschnitt des Ring des Nibelungen der Bayreuther Festspiele von 2008 unter Christian Thielemann von Opus Arte.

Der hauseigene Naxos-Ring wurde in Hong Kong, wo das das Label seinen Sitz hat, zwischen 2015 und 2018 eingespielt. Geschuldet ist der Firmensitz der Vita des Naxos-Gründers Klaus Heymann. In Deutschland geboren setzte er seine Berufslaufbahn 1967 in Asien fort. Während des Vietnamkriegs organisierte er dort den Vertrieb einer US-amerikanischen Soldatenzeitung. Nebenher gründete er ein Versandgeschäft für Uhren, Kameras und Hifi-Artikel und importierte Klassik-LPs. In der Folge übernahm er den Asien-Vertrieb diverser unabhängiger Plattenlabel und gründete – und nicht ohne Hintergedanken – sein erstes eigenes Label Marco Polo. Die Idee war, seiner Frau, der japanischen Violinistin Takako Nishizaki, eine Plattform zu bieten, nahezu unbekannte Werke zu veröffentlichen. 1987 folgte dann die Gründung des Labels Naxos. Seitdem sind eine Vielzahl von Veröffentlichungen erschienen, die sich stets durch eine ausgezeichnete Aufnahmetechnik und qualitativ hochwertige Interpretationen auszeichnen.

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Den Tonmeistern ist es gelungen, einen Ring des Nibelungen aufzunehmen, der alle aufnahmetechnischen Finessen und Möglichkeiten des digitalen Zeitalters vollendet auf die Silberscheibe bannt. Orchester und Sänger sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das Klangbild ist phänomenal ausbalanciert. Verblüffend gelingt auch die Erzeugung eines mehrdimensionalen Klangraums in Breite und Tiefe. Wenn die Rheintöchter im Finale des Rheingolds Wotan anrufen glaubt, sie aus der Tiefe des Rheins zu hören.

Auch Lautsprecher, die nicht durch Basslastigkeit glänzen, bringen selbst die tiefen Töne der Hörner und Pauken wirklichkeitsgetreu hervor. Diese filigrane Aufnahmetechnik und klangliche Finesse allein überwältigt.

Auf der beigefügten USB Karte erläutert Produzent und Tonmeister Phil Rowlands die Details des Aufnahmeverfahrens, wie er mit den Mikrofoneinstellungen experimentiert hat und dass das Abmischen von wenigen Minuten Aufnahmezeit oft Stunden in Anspruch genommen hat. Seine Arbeit macht die Aufnahme in tontechnischer Hinsicht zum Meilenstein und zur Messlatte für neue Opernaufnahmen.

Wem die in kompakten CD Boxen zu schwer sind, der kann den Ring auch über den Naxos Streamingdienst NAXOS Music Library in achtbaren, klangvollem 320 kbs im AAC-Format hören. Erforderlich ist dafür ein Abonnement. Alternativ bieten zahlreiche regionale Büchereien oder Bibliotheken ihren Kunden einen Zugang zur digitalen Naxos-Bibliothek an. Erhältlich ist die Naxos Aufnahme auch als Blue Ray Audio DVD. Im Downloadbereich werden weitere hochauflösende Stereo-Daten-Formate angeboten, darunter auch DSD 2.8MHZ und DSD 5.6MHZ.

Dies entspricht bzw. übertrifft die Qualität der Super Audio CDs (SACD). Aufgrund der hohen Klangqualität ist dies überaus begrüßenswert; so wird vom Tabletnutzer bis zum High-End Stream für alle Zielgruppen ein passendes Tonformat geboten. Die CD Ausgabe ist klanglich so gut gelungen, dass sie an Klangfülle, Auflösung und Tonumfang mit den anderen High-End Formaten mithalten kann und durch handliches Format überzeugt.

NAXOS / Der Ring des Nibelungen - hier: Jaap van Zweden © Ramond HoHK Phil

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – hier: Jaap van Zweden © Ramond HoHK Phil

Jaap van Zweden zeichnet die Partitur als Erzählung ohne Prunk und Pathos; seine Tempi begleiten die Handlung in bestrickender und spannender Weise. Klangschönheit paart sich mit mitreißenden Akzenten. Der Fluss des Dramas und die Spannungsbögen werden mit den Sängern gestaltet und entwickelt. Der Orchesterklang ist durchsichtig, kraftvoll und an entscheidenden Stellen dramatisch zupackend. Das Klangbild bleibt vom Rheingold bis zur Götterdämmerung durchsichtig und ausgewogen. Streicher und Holzbläser atmen und werden nie zugedeckt.

Dadurch sind die filigranen und oft polyphonen Melodienführung der Partituren stets präsent. Van Zweeden und sein Orchester bringt die vielschichtigen, schillernden Harmonielandschaften der einzelnen Teile des Ringes brilliant zum klingen. Das balancierte Zusammenspiel lässt alle Instrumente durchscheinen und bringt Wagners Werk packend und präzise auf die Klangbühne.

Schon im Rheingold meint man beim Gesang der Rheintöchter die Sonne in die Tiefen des Rheins herabblinzeln zu sehen. Aufwühlend dramatische auch Alberichs Höhle, der 1. Akt Walküre und das Siegfried Finale. Der 3. Akt Walküre zeichnet sich durch einen Walkürenritt ohne Pathos und Blechgetöse aus. Gerade hier gelingt eine Orchesterführung, die sich ganz der menschlichen Tagödie zwischen Brünnhilde und Wotan widmet, den Sängern den Vortritt lässt und sie einfühlsam begleitet.. Die Götterdämmerung setzt dem Ganzen in ihrer Wucht und orchestralen Pracht die Krone auf. Hier merkt man, dass das Hong Kong Philharmonic Orchestra in den vier Jahren der Befassung mit Wagner seinen eigenen Stil gefunden hat und das schon im Rheingold brillante Spiel wird in der Götterdämmerung durch abgründige Orchesterfarben und noch diferrenziertes Spiel als zum Beginn der Tetralogie gekrönt.

Höchstes Niveau erreicht auch die Sängerriege. Das gesamte Ensemble ist so wortdeutlich, dass man kein Textbuch braucht. Trotz des Konzertsaals sind die Sänger darstellerisch zutiefst involviert. Der Chor der Götterdämmmerung zeichnet sich Klangschönheit, und Dynamik aus und hebt sich aus vielen Konkurrenzaufnahmen wohltuend hervor.

NAXOS / Der Ring des Nibelungen - hier : Gun-Brit Barkmin © Ka Lam/HK Phil

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – hier : Gun-Brit Barkmin © Ka Lam/HK Phil

Beeindruckend sind auch die Solistinnen. Die Götterdämmerungs-Brünnhilde von Gun-Brit Barkmin ist ein gesanglicher Höhepunkt dieses Ringes. Mit ihrer jugendlich dramatisch, leuchtenden Stimme beherrscht sie die Partie in staunenswerter Weise. Mit berückendem, lyrisch samtweichen Timbre und leuchtender Höhe nimmt sie Abschied von Siegfried; verhangen melancholisch gestaltet sie das Wiedersehen mit Waltraute. Im Racheterzett des 2. Akts und in Brünnhildes Schlussgesangs gelingen ihr gesanglich und gestalterisch große, intensive Momente. Sie füllt die Partie stimmlich mit ihrer leuchtenden Höhe und ihrem klangschönen Sopran vollständig aus. Was für eine beeindruckende Stimme, die Schönheit, Gesangstechnik und interpretatorischen Tiefgang miteinander vereint. Sie ist eine weitere große Überraschung dieses Ringes.

Herausragend auch Heidi Melton als Sieglinde und Siegfried-Brünnhilde. Ihr hochdramatischer Sopran ist von großer Wucht. Mit beindruckende Klangfarben und glühender Gestaltungsfähigkeit gestaltet sie beide Rollen. Petra Lang ist eine klangschöne, technisch sichere Walküre-Brünnhilde. Insbesondere im 3. Akt der Walküre hat sie große lyrische Momente mit rundem warmen Ton. Michelle De Young ist als Fricka darstellerisch ungemein intensiv, fällt aber gegenüber den Sopranen mit ihrem in der Mittellage verschatteten Ton und häufigem Tremolo auch als Waltraute in der Götterdämmerung gegenüber den übrigen Sängerinnen ab.

Matthias Goerne hat bei Naxos seine ersten Wotane und den Wanderer eingespielt. Klangschön, strömend, überaus differenziert und textdeutlich lotet er die Partie aus. Sein Wotan ist von der Tragödie des Scheiterns gezeichnet und kein herrischer Gottvatervater. Allerdings fehlt ihm etwas die heldenbaritonale Wucht und die durchschlagskräftige Höhe. Gleichwohl ein interpretatorisch gelungenes und wichtiges Rollendebut. Textbehandlung und Gestaltung sind vorbildlich.

Auch die Heldentenöre sind gut besetzt. Daniel Brenna ist ein Götterdämmerungs-Siegfried von großer Poesie und heldischer Attacke. Stuart Skelton ist stimmlich mit seinem baritonalen Timbre ein heroischer Siegmund. Simon O’Neills Siegfried gelingt mit Strahlkraft und Schmelz ein eindrucksvolles Portrait des jungen Siegfried. Kim Begley ist ein differenzierter und tückischer Loge. Herausragend auch der schwarze Hagen von Eric Halvarsson. Dirigat, Sängerriege und die überirdische Klangqualität überwältigen. Ein großer Wurf und eine wichtige Ergänzung der überreichen Ring-Discografie.

Christian Thielemann setzt mit Opus Arte die Aufnahmen der Bayreuth-Ringe der neunziger Jahre fort, Daniel Barenboim folgend. Grundlage sind die Rundfunkbänder des Bayrischen Rundfunks. Der Vorzug der Aufnahme liegt in der Live-Atmosphäre. Sie fängt die Akkustik des Bayreuther Festspielhauses mit seinem verdeckten Orchester detailgetreu ein. Beim Zuhören glaubt man, im dortigen Zuschauerraum zu sitzen.

Die Klangwogen nach Wagners Vorstellung überwältigen und akkustisch wird nicht getrickst. Hifi-Enthusiasten sollten bedenken, dass tiefgestaffelter Raumklang und die Auffächerung von Sängern sowie Orchester aufgrund der akustischen Gegebenheiten des Aufnahmeortes fehlen.

Thielemann entwickelt schon im Rheingold ein mystisches Klangbild. Er beleuchtet Wagners das Wagners Musikdrama in allen Facetten von der menschlichen Tragödie über die Verstrickungen zwischen Macht, Gewalt und Leidenschaft. Tonal gelingt ein klanglich nuancierter bestrickender Zauber. Thielemanns architektonische angelegte musikalische Konzeption verbindet den inneren Zusammenhang des jeweiligen Stücks, wie auch der vier Werke zueinander. Dramatische Situationen werden durch das fließende Dirigat miteinander verknüpft; sie zerfallen nicht in lose symphonische Ausleuchtungen einzelner Passagen. Thielemann kostet schwelgerisch die Partitur aus, schafft aber auch durch teilweise rasche Tempi ein Klangbild, dass stets mitreißt.

Es ist hörbar, dass Christian Thielemann sein Musizieren auch unter dem Aspekt begreift, einen bestimmten, tradierten Musik und Dirigierstil zu bewahren. Dieser zum Teil als überholt gelten Ansatz wurde von ihm in einem Interview mit der Zeit damit begründet, dass Dirigenten wie Hans Knappertsbusch, Wilhelm Furtwängler oder Bruno Walter freier und freizügiger musiziert haben.

 Christian Thielemann © Bayreuther Festspiele / Jochen Quast

Christian Thielemann © Bayreuther Festspiele / Jochen Quast

Christian Thielemann liefert aber kein Plagiat dieser Musikgrößen ab sondern entwickelt eine überzeugende, eigenständige, auftrumpfende und mitreißende Ringdeutung. Man nimmt ihm ab, dass er den interpretatorischen Geist seiner Vorgänger aufgreift, ohne aber beispielsweise die breiten Tempi von Hans Knappertsbusch nachzuahmen. Was Thielemanns Interpretation so auszeichnet, ist dass er mit dem klang- und farbenreichen Orchester und ein furioses Klangfeuerwerk entzündet. Der musikalischen Fluss und Wagners Zuversicht, dass im Ende immer ein Anfang liegt bei ihm interpretatorisch in den besten Händen.

Das Bayreuther Orchester ist gleichsam die Nationalmannschaft der deutschen Orchester, die ihre Sommerferien mit Richard Wagner in Bayreuth verbringen. Als Team gingen sie mit Thielemann in das dritte Jahr dieser Ring Inszenierung, so dass genug Proben und Aufführungen hinter ihnen lagen, um ein packendes musikalisches Portrait abzuliefern.

Sängerisch wird hohes Niveau geboten: Albert Dohmen ist ein lyrischer, innwendiger Wotan mit großem gesanglichen Momenten. Mit Textdeutlichkeit und berückendem Timbre gestaltet er – wie Goerne bei Naxos – einen sinnenden, schicksalsergebenen Göttervater. Linda Watson singt Brünnhilde mit leuchtenden Töne und unermüdlicher Stimmkraft. Stephen Gould ist ein lyrischer Siegfried mit poetischen Ton und großer Attacke. Endrik Wottrich singt einen packenden Siegmund mit Feuer und intensiver Gestaltung. Eva-Maria Westbroek ist ein lyrische, blühende Sieglinde mit betörender Stimme und großer Strahlkraft. Kwangchul Youn ist ein bedrohlicher Hunding und Hans-Peter König ein stimmgewaltiger Hagen.

Für Thielemann-Fans und Bayreuth-Liebhaber eine ausgezeichenete Wahl. Der Mitschnitt der Bayreuther Festspiele von 2008 punktet klanglich deutlich vor dem Thielemann Ring aus der Wiener Staatsoper, der mir bei kurzem Hören hinsichtlich der Klangqualität auch für einen Rundfunkmitschnitt recht fragwürdig schien.

 Der Naxos Ring – Bayreuther Festspiele Ring :  Ein Fazit

Der Naxos Ring zieht den Hörer in den Bann. Van Zweeden geleitet den Hörer –  wiegleichsam Dante von Vergil – musikalisch erläuternd durch Wagners Welten und zieht ihn in den Bann. Klanglich faszinierend wird höchstem Niveau musiziert. Wortdeutlichkeit und Hörbarkeit aller Instrumente im Orchester machen die Aufnahme gerade für Wagner-Einsteiger und Kenner ihn zum Muss. Er präsentiert die alle Farben des Orchesters und die Vielfalt von Wagners Ring-Instrumentation in unvergleichlicher Weise.

Thielemann ist für meine Ohren intensiver, dramatisch dichter und mitreißender. Er legt jede Verstrickung dar und er entlockt der Partitur das Bayreuther Feuer. Damit hat er ein zentrales Ring-Portrait in der Bayreuther Klangtradition geschaffen und mit starker künstlerischer Handschrift eine bleibende Ringinterpretation auf Tonträger gebannt.

Richard Wagner in Venedig © IOCO

Richard Wagner in Venedig © IOCO

Beide Ringe werden Richard Wagners Werk auf hohem Niveau in unterschiedlicher Weise gerecht; zeigen sie doch eindrucksvoll verschiedene musikalische Deutungsmöglichkeiten. Beide Aufnahmen verdienen so vordere Plätze in der großen Ring Discografie.

Weitere  Empfehlungen  –  Der Ring des Nibelungen

Wer Historisches in gutem Klang sucht ist mit dem Keilberth Ring bei Testament ausgezeichnet bedient. Die Bayreuther Ring-Garde der 50er Jahre singt in Breitwand Stereo: Ein Jahrhundert Ring.

Digitales in Hollywood-Dimension liefert James Levine bei der Deutschen Grammophon. Pluspunkte sind zudem die stimmlich unerreichten heldische Wotane und der Wanderer von James Morris. Er ist der klangschönste und heldischste Wotan auf CD. Maßstäbe setzt auch Reiner Goldberg als Götterdämmerungs-Siegfried. Beeindruckend auch Hildegard Behrens als berührend menschliche Brünnhilde. Tontechnisch ist allerdings die Aufnahme des Siegfried seltsam abgemischt. Die Sänger werden zum Teil unvorteilhaft überdeckt und klingen verschattet.

Hörenswert und ohne sängerische Beeinträchtigungen auch die Ringe des Nibelungen unter Wilhelm Furtwängler. Kirsten Flagstad, Max Lorenz und Ferdinand Frantz machen den Scala Ring zu einem zeitlosen Wagnermuseum und wer sich für den Ring aus Rom entscheidet begegnet der unvergleichlichen Martha Mödl als Brünnhilde und dem Jahrhundert Tristan Ludwig Suthaus.

 

—| IOCO CD-Rezension |—

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