Paris, Théàtre des Champs-Élysées, Der Messias – Georg F. Händel – Wolfgang A. Mozart 26.09.2020

THÉÂTRE DES CHAMPS-ELYSÉES © Hartl Meyer

THÉÂTRE DES CHAMPS-ELYSÉES © Hartl Meyer

Théâtre des Champs-Élysées

DER MESSIAS –   Georg Friedrich Händel / Wolfgang Amadeus Mozart

Die Heilsbotschaft mit Weltuntergangsstimmung

von Peter M. Peters

Ein religiöser Mensch in der Zeit des Covid 19-Trauma sieht wahrscheinlich den Virus auch schon als Untergangsbotschaft. Heute Abend hier im Théâtre des Champs-Élysées waren wir nur einfach überglücklich endlich wieder ein Theater zu betreten und in Kultur zu schwelgen. Nach vielen Wochen des Schweigens eine kleine Kostprobe menschlichen Streben und Können, die jedoch verdunkelt wurde von einem mehr als leeren Saal und einer Besucherschar mit Masken verdeckten Gesichtern. Diese traurige Atmosphäre hat doch schon einen gewaltigen bitteren Nachgeschmack. Aber die Wahl des Werkes war sehr eindrucksvoll und wahrheitsgebunden: Der von Mozart überarbeitete The Messie von Händel brachte die richtige Stimmung für eine Saison-Eröffnung unter dem Zeichen einer weltweiten Epidemie.

Der Messias – Georg Friedrich Händel – Wolfgang A Mozart
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Ein energiegeladener Marmorblock

The Messie von George Friedrich Händel (1685-1759) hatte am 12. Februar 1742 in Dublin / Irland in englischer Sprache Premiere. Das Libretto in drei Partien ist von Charles Jennens (1700-1773) und bezieht sich auf den Text des alten und neuen Testament (1. Präfiguration und Krippenanbetung / 2. Leidenspassion und Tod / 3. Auferstehung und Glaubensverkündigung) und zeigt die Auferstehung eines Menschen im wahrsten Sinne des Wortes, denn fünf Jahre zuvor am 13. April 1737 war Händel aus Überarbeitung zusammengebrochen, Opfer eines schweren Herzanfall. Seine Anbeter befürchteten, dass er sich nicht mehr erheben würde und seine Rivalen beteten für seinen Tod. Dieser Zusammenbruch unterbrach eine energiegeladene Karriere ohne Gleichen. Drei Jahrzehnte lang befand sich der Importeur der italienischen Oper in London im Zentrum der politischen Wirbelstürme, aufgeteilt zwischen rivalisierenden Clans, die die lyrische Kunst für ihre Intrigen verwendeten. Fast dreißig Opern stammen aus seiner Feder, aber die Hälfte ist schon zu seinen Lebzeiten in Vergessenheit gefallen. Jetzt war er ein korpulenter Bürger und saß auf seiner Orgel, umgeben mit einem Heiligenschein aus Schinken und Biertöpfen, wie er an der Schwelle seiner sechzig Jahre karikiert wurde.

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Aber diese Art von Mensch gibt niemals auf. Händel, der im April 1737 für tot erklärt wurde, gewinnt nach einer intensiven Heilung in den Dampfbädern von Aachen alle seine Fähigkeiten zurück. Im Oktober kehrte er nach London zurück und komponiert Faramondo HWV 39 (1738), dann Israel in Ägypten HWV 54 (1739) und Saul HWV 53 (1739), während er die Veröffentlichung der Sechs Konzerte für Orgel op.4 HWV 289-294 (1738) und Zwölf neue Concerti Grossi op.6 HWV 319-330 (1741) vorbereitete. Die italienische Oper ist in ihren letzten Atemzügen, jedoch der Unternehmer liefert und komponiert weiterhin: Imeneo HWV 41 (1740) und Deidamia HWV 42 (1741). Neuer Misserfolg! Egal was auch passiert, das Beste kommt noch. 1741, entwirft und komponiert er in einem großen Wurf The Messie, wie aus einer Autogrammpartitur hervorgeht, die in der British Library aufbewahrt wird. Das ist auch das Jahr des ebenso schillernden Samson HWV 57 (1741).

Von der Londoner Mode gekreuzigt, wird der alte Sachse in Dublin wiederbelebt. The Messie wurde dort unter einem anderen sozialen Kontext geboren. Wenn der Komponist von Giulio Cesare HWV 17 (1724) bisher die egozentrischen Tugenden der Aristokratie gepriesen hatte, beachtsichtigte er hier sein Opus der neuen freien Bürgerschaft zu widmen. Die pompöse Kunst, die von Johann Christoph Pepusch (1667-1752) / John Gay (1685-1732) mit viel geistreichem Witz sehr böse in ihrer The Beggar’s Opera (1728) karikiert wurde, will nun ein anderes Publikum erreichen, wie der Artikel im Dublin Journal hinweist. Hier heißt es: „Ein Konzert wird für die Insassen mehrerer Gefängnisse und für die Unterstützung des Mercer’s Hospital in der Stephens Street sowie der Wohltätigkeitsstation des Inn’s Quay veranstaltet. Desgleichen wird am Montag, dem 12.April im Musiksaal der Fishamble Street das neue Oratorium von Mr. Haendel unter der Beteiligung der Chöre der beiden Kathedralen aufgeführt. Auch wird Mr. Haendel mehrere seiner Orgelkonzerte selbst spielen“

The Messie markiert den Beginn einer neuen Karriere, die dem Oratorium gewidmet ist, einer eher gemeinschaftlichen Gattung mit seinen Chören, dessen Geschichten, die als Predigen in Musik behandelt werden und für ein neues Publikum von jüdischen und protestantischen Händlern besser zugänglich war. Man identifiziert sich leicht mit der liebenswerten Theodora HWV 68 (1750) oder Susannah HWV 66 (1749). Man hält fest an den heiligen Revolten von Joshua HWV 64 (1748) und Judas Maccabaeus HWV 63 (1747). Von allen wird der großzügige The Messias dem Komponisten am liebsten bleiben. Ab 1750 war die Aufführung nur noch für Wohltätigkeitskonzerte vorgesehen. Nachdem er blind geworden ist, wird er seinem Willen treu bleiben und das Aufführungsrecht des The Messie nur noch gemeinnützigen Einrichtungen vorbehalten, z.B. für das Waisenhaus – das Foundling Hospital. Acht Tage vor seinem Tod dirigierte Georg Friedrich Händel das letzte Mal sein Lieblingsoratorium.

 Georg Friedrich Händel - in Westminster Abbey© IOCO

Georg Friedrich Händel – in Westminster Abbey© IOCO

Das englische Volk oder vielmehr die Völker waren ihm dankbar und nach dem Pluralgebrauch, den die Barockzeit von diesem Begriff machte, war auch er ihnen dankbar. Durch seine Oratorien hat sich Händel definitiv in die englische Landschaft eingeschrieben und sie für immer markiert. 1743 hatten ihm seine Freunde bereits ein Standbild in den Gärten von Vauxhall errichtet, das war eine außerordentliche Ehrung an noch einem lebendigen adoptierten Engländer. Das englische Königsreich wird noch mehr tun, indem sie ihm ein reiches Grabmal in Westminster Abbey (Foto oben) errichten, der britischen Ruhmeshalle.

Der Messias – staged by Robert Wilson
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One touch of Mozart

Als außergewöhnliches Importprodukt wurde Händel nach seinem Tod von aufgeklärten Amateuren exportiert, wie z.B. der Baron Gottfried von Swieten (1733-1803), der eine wesentliche Figur im Wiener Kunstleben war. Der Baron, Sohn des Arztes der Kaiserin Marie Therese von Habsburg (1717-1780), war für die Bibliothek des Hofes verantwortlich. In London, in Berlin hat dieser leidenschaftliche Gönner zahlreiche Partituren erworben. 1786 gründete er die Musikvereinigung der , eine Akademie aus Mitgliedern des Wiener Adels, die sich der Interpretation von Chorwerken alter Meister wie Antonio Caldara (1670-1736) und Johann Sebastian Bach (1685-1750) widmeten. Unter seiner Leitung wird Joseph Haydn (1732-1809) seine Die Schöpfung Hob.XXI:2 (1798) komponieren und Ludwig van Beethoven (1770-1827) wird Das Wohltemperierte Klavier BWV 846-893 (1722-1750) spielen.

1788 ernannte der aufgeklärte Aristokrat Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) zum musikalischen Leiter des Vereins. Dieser hat Zugang zu den Schätzen der kaiserlichen Bibliothek. Er wird mit viel Freuden vier Werke von Händel aussuchen und sie für den Wiener Zeitgeschmack neu zu beleben, indem er die Partituren teilweise umkomponiert, ohne jedoch das händelsche Werk zu verfälschen: Alexander’s Feast HWV 75 (1736), Acis and Galatea HWV 49 (1718), Ode for St .Cecilia’s Day HWV 76 (1739) und The Messie. In Bezug auf letzteren hatte Mozart die Randall and Abel Edition von 1767 zu Verfügung. Ein Kopist wurde speziell damit beauftragt, eine Partitur vorzubereiten, die die ursprünglichen Instrumental- und Gesangsteile sowie die Tempi-Angaben enthält und Leerzeichen bereitstellt, damit Mozart nach eigenem Ermessen arbeiten kann.

Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg, vor dem Festspielhaus © IOCO / Zimmermann

Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg, vor dem Festspielhaus © IOCO / Zimmermann

Das Oratorium, das bereits als alte Musik galt, wurde nach dem Geschmack des Tages wiederhergestellt. Dies war z.B. in Frankreich der Fall, als die Opern von Jean-Baptiste Lully (1632-1687) an der Académie Royale wieder aufgeführt wurden. Die Worte von The Messie werden auf Deutsch von Christoph Daniel Ebeling (1741-1817) und Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) übersetzt und das Orchester spielt im Stil des Wiener Klassizismus mit seiner gedämpften Streicher- und Bläserbesetzung. Mozart produziert eine Version mit neuen Farben. Er versorgt es mit Klarinetten und Flöten, er verstärkt die Fagotten und die Hörner. Dieses Ensemble ersetzt die händelsche Orgel, die 1742 ein nüchternes Orchester aus Streichern, Oboen, Fagotten, Blechbläsern und Pauken unterstützte. Das Ergebnis bringt ein erneutes Drama hervor wie z.B. die grölende Menge in Idomeneo K. 366 (1781) oder die hieratische Religiosität von Thamos K.345/336a (1774). Mozart betont die Winkel und mildert die Übergänge. In der Neuorchestration der Arie: „Ev’ry vally…“. erblüht völlig neu das Solo der Flöte und setzt neue Akkorde in der Bass-Arie ein: „Why do the nations…“ Die Behandlung der Chöre lässt den händelschen Kontrapunkt unberührt, doch wird der Ton bei Mozart mehr erweitert und geöffnet behandelt. Lange vor seinem eigenen Requiem K.626 (1791) verfestigt Mozart mit Posaunen und Hörnern die Grundmauern von: „And he shall purify…“ Der Schatten von Don Giovanni K. 527 (1787) verfolgt die dunklen Blasinstrumente von: „Surely, he hath borne our griefs…“ Die Pifa klingt wie eine beethovensche Vor-Pastorale, auch wenn es manchmal bedeutet, die theatralischen Effekte des Originals zu beschweren, wie im Chor: „For unto us a child is born…“

Dieser neue Der Messias mit dreiviertel Händel und ein Viertel Mozart hat es verdient in den Köchel-Katalog unter diesem Titel und unter K.572 aufgenommen zu werden, um gegebenenfalls zu beweisen, dass das Genie des alten Meisters solch eine inspirierte Erhebung akzeptieren konnte. In dieser fruchtbaren Übung anhaltender Bewunderung ernährte sich Mozart von Händel. Die Orchestrierung und Dynamik seines Der Messias nehmen die schillernden Kontrapunkte von der Die Zauberflöte K.620 (1791) und die Orchesterpalette von La Clemenza di Tito K.621 (1791) voraus. Der Messias verkörpert wie in der Matthäus Passion BWV 244 (1736) von Bach in der Überarbeitung von Felix Mendelssohn (1809-1847) den anhaltenden Triumph der Kräfte des Geistes über Tod und Vergessen.

Aufführung 18.September 2020 – Théâtre des Champs-Élysées Paris

Die Idee ein Oratorium szenisch aufzuführen ist nicht neu, schon im Rom der Renaissance, sowie auch in London zur Zeit von Händel wurden teilweise Inszenierungen geboten. Aber auch in den letzten Jahren haben wir mehrere dieser Versuche selbst miterlebt. Der amerikanische Regisseur Robert Wilson hat sich in einer Gemeinschaftsproduktion mit den Salzburger Festspielen, dem Grand Théâtre de Genève und dem Théâtre des Champs-Élysées Paris an Der Messias gewagt. Wie immer, er ist kein Geschichtenerzähler und er zeigt uns in schönen Bildern mit überladener Ästhetik, mit zu viel Symbolen eine sogenannte Endstimmung. Eine Welt, die den Klimawechsel nicht ertragen kann und zugrunde gehen muss, trotz der messianischen Botschaft. Aber die Katastrophen-Bilder von Robert Wilson berühren uns nicht, denn sie zeigen keinesfalls die Ausmaße einer solchen Naturgewalt: Durch die Luft purzelnde abgehackte und verbrannte Baumstämme, schöne schillernde Feuerbrände, das schmelzende und abbröckelnde Eis oder die Atomversuche in der Antarktis, ein Engel, oder Todesengel (?) erwartet uns in einer Barke gleich dem griechischen Todesboten Caron, noch im Schlussfinal fliegt ein entwurzelter Baum durch die Luft. Was für ein Finale! Amen! All das wird wie immer auf meist blauen Hintergrund in einer überaus raffinierten Beleuchtung gezeigt. Auch die Sänger-Schauspieler zeigen in Marionetten- oder Robotbewegungen mit grellen clownhaften bemalten Gesichtern immer das gleiche Einmaleins von Mr. Wilson. Nichts neues bei Mr. Wilson! Seine Inszenierungen sind ein wohlbekanntes teures eingetragenes Markenzeichen geworden: Er hat uns überhaupt nichts mehr zu sagen.

Von der musikalischen Seite war es ein voller Erfolg, denn das Orchester Les Musiciens du Louvre (link HIER!) mit seinem langjährigen musikalischen Direktor, Marc Minkowski haben Händel und Mozart geradezu unter der Haut. Minkowski leitete seine Musiker mit viel Empfindung und Gefühl über die delikaten Klippen des händelschen Marmorblock, indem er die scharfen Ecken sehr klar in mozartischer Manier abschliff und rundete und so einen musikalischen Diamanten mit klassizistischer Dimension gestaltete. In seiner Vision hörte man hier und da die kleinen mozartischen Tüpfelchen, die uns wie ein heller Lichtblick die ganze Schönheit der Zwitterpartition offenbarten. Ein voller und verdienter Erfolg!

Der Philharmonia Chor Wien unter seinem Leiter Walter Zeh zeigte uns in idealer Weise die einzigartige Verschmelzung von zwei Musikformen, und die freundschaftliche Umarmung zweier Genies der Musikgeschichte.

Die russische Sopranistin Elena Tsallagova brachte mit ihrer kristallklaren und in allen Lagen lupenreinen Stimme eine stimmungsvolle Interpretation und wurde dem Engel mehr als gerecht. Die Sängerin kommt aus dem Atelier Lyrique de l’Opéra de Paris und hat inzwischen eine große Weltkarriere hinter sich. Wir kennen sie aus ihrem Beginn in Rollen wie z.B.: die mystische Mélisande, oder Das schlaue Füchslein hier an der Bastille Opéra.

Die Partie der Altstimme wurde von der Holländerin Helena Rasker mit viel Schönheit und Raffinesse vorgetragen. In ihrer Arie: „O du, die Wonne verkündet in Zion…“ wurde geradezu in inbrünstiger Offenbarung mit tiefsten Registern gesungen. Auch sie ist auf allen großen Bühnen der Welt zu Hause mit einem Repertoire von Händel, Mozart, Rossini über Strauss und Wagner bis hin zu Benjamin.

Der Messias – Tenor Stanislas de Barbeyrac beschreibt seine vielfältige Partie
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Der junge französische Tenor Stanislas de Barbeyrac zeigte einmal mehr, dass er zu den großen Hoffnungen in der lyrischen Branche zählt. Seine besonders an Mozart geschulte lyrische Stimme bot in allen Höhen den nötigen maskulinen Ausdruck und wirkte niemals geziert, affektiert und zeigte keinerlei fade Effekthascherei. Mit Recht fängt er eine internationale Karriere mit viel Erfolg an. Dazu hatte er als Schauspieler eine Paraderolle vom Regisseur erhalten: Als ein Stimmungsmacher oder Drahtzieher, als ein Conférencier in einem Berliner Kabarett der dreißiger Jahre steppte und tanzte er mit viel Humor durch die Bilder. Unweigerlich denkt man an Der blaue Engel oder an Cabaret. Wie schon gesagt, der Sänger bietet eine unwahrscheinlich stimmungsvolle Leistung, jedoch der Gedankengang des Robert Wilson bleibt uns verschlossen. Was macht die Person eines Emcee im Der Messias? Soll es ein Vorbote für zukünftige Rassengesetzte sein… soll es der schrullige Musikprodukteur und Komponist Händel selbst sein… oder der Messias selbst? Wir wissen es nicht!

Der aus Bolivien stammende Bass José Coca Loza war für uns eine besondere Entdeckung. Sein großes vollrundes Organ produziert wahre Stimmtönungen von unsagbarer Schönheit. In der Arie: „Blick auf! Nacht bedecket das Erdreich…“ kann er besonders eindrucksvoll seine tiefschwarze Stimme einsetzen. Seine junge Karriere führte u.a. schon an die Covent Garden London, desgleichen sang er in Zürich, Amsterdam, Barcelona, Madrid und Salzburg.

Noch zu nennen sind der griechische Tänzer Alexis Fousekis und der englische Schauspieler Max Harris die mit viel Talent den Anweisungen von Robert Wilson folgsam folgten.

—| IOCO Kritik Théatre des Champs Élysées |—

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Der Messias – Georg Friedrich Händel, 10.10.2019


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

 DER MESSIAS – Georg Friedrich Händel

In nur drei Wochen schuf Georg Friedrich Händel die wohl berühmteste geistliche Komposition der Welt. Vor allem der große Halleluja –Chor zählt zu den bekanntesten und populärsten Musikstücken aller Zeiten. Ausschließlich aus Bibelzitaten hat der Librettist Charles Jennens ein dreiteiliges Oratorium zusammengestellt, das von der Erfüllung der alten Verheißungen durch die Heilsgeschichte Jesu Christi berichtet. Und bis heute wirft es Fragen auf: Warum kommt Jesus selbst nicht zu Wort? Warum wird hauptsächlich das Alte Testament zitiert und damit Jesu Wirken fast ausschließlich aus Prophezeiungen vor seiner Zeit erzählt? Und wer endlich ist dieser »Messias«, dieser »Gesalbte«, der lange vorhergesagt und so nachhaltig unsere Welt und unsere Kultur beeinflusst hat?

Staatstheater am Gärtnerplatz / Der Messias © Staatstheater am Gärtnerplatz

Staatstheater am Gärtnerplatz / Der Messias © Staatstheater am Gärtnerplatz

Regisseur Torsten Fischer und Choreograf Karl Alfred Schreiner stellen sich der Herausforderung, dieses unergründliche, reflexive Werk in Szene zu setzen und den großen Fragen des Glaubens nachzugehen: Warum brauchen wir einen Gott, einen Heiland, dem wir nachfolgen? Was ist Religion und wie wirkt sie auf uns? – Ein sinnlicher und gleichsam nachdenklicher Abend in Musik und Tanz, der in den Tiefen des Menschseins forscht.

Musik Georg Friedrich Händel | Libretto von Charles Jennens nach der Bibel, Szenische Fassung von Torsten Fischer | Mit Texten aus Colm Tóibíns »Marias Testament«

Musikalische Leitung: Anthony Bramall | Regie: Torsten Fischer Choreografie: Karl Alfred Schreiner | Bühne: Herbert Schäfer | Kostüme: Vasilis Triantafillopoulos, Licht: Michael Heidinger | Video: Raphael Kurig, Thomas Mahnecke | Dramaturgie: Fedora Wesseler / David Treffinger | Choreinstudierung: Felix Meybier

Mit: Jennifer O’Loughlin, Mária Celeng, Sandra Cervik, Dmitry Egorov, Anna-Katharina
Tonauer, Alexandros Tsilogiannis, Timos Sirlantzis, Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Chor und Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Premiere: 10. Oktober 2019, Weitere Vorstellungen:, 13./16./18./20./22./25. Oktober
1./3. November, Altersempfehlung ab 14 Jahren

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Bremen, Theater Bremen, Festtagsprogramm Weihnachten 2017, Dezember 2017

Dezember 21, 2017 by  
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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

 Festtagsprogramm am Theater Bremen

1. Weihnachtstag – Rusalka – Der Messias
2. Weihnachtstag Tom Sawyer, Hänsel und Gretel , Väter und Söhne

Auch in diesem Jahr hat das Theater Bremen für die Weihnachtsfesttage ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Insgesamt sind während der Feiertage fünf Produktionen zu sehen.


Rusalka
In seinem Musikdrama Rusalka, dessen Motive er dem reichen Fundus der Nixen-Literatur entnahm, widmet sich Antonin Dvorák unerfüllten Sehnsüchten und dem unbedingten Versuch, ein anderer zu sein – und sei es um den Preis der Selbstaufgabe. Die Regisseurin Anna-Sophie Mahler nähert sich mit ihrem psychologischen Ansatz dem Schicksal Rusalkas, das Dvorák in märchenhafte Gegensätze übersetzte. Rusalka ist am 1. Weihnachtstag, den 25. Dezember,  um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz zu sehen.


Der Messias
Ein Schauspieler als Regisseur, dazu ein weiterer Schauspielerkollege und als Skript die komplette Weihnachtsgeschichte inklusive der Jungfrau Maria, dem Erzengel Gabriel, den Heiligen Drei Königen und dem kleinen Jesuskind! Die Weihnachts-Farce „Der Messias“ mit den Ensemblemitgliedern Guido Gallmann und Martin Baum zählt bereits seit acht Jahren zu den Fixpunkten des Weihnachtsprogramms am Theater Bremen und wird am 1. Weihnachtstag um 18.30 Uhr im Kleinen Haus gespielt.


Tom Sawyer
Regisseur Klaus Schumacher inszenierte mit Tom Sawyer das diesjährige Familienstück am Theater Bremen. Mit einem großen Ensemble erzählt Schumacher „Die Muff Potter-Version der Geschichte“; so der Untertitel des Stückes, das John von Düffel im Auftrag des Theater Bremen nach dem Roman von Mark Twain geschrieben hat und das die Geschichte aus der Perspektive des Sargtischlers Muff Potter erzählt. Jedes Jahr aufs Neue feiert Muff Potter den Tag, an dem Tom Sawyer und Huckleberry Finn ihm das Leben gerettet haben, indem er ihre gemeinsame Geschichte erzählt – die Geschichte von zwei Lausejungen und ihrem Mut zur Wahrheit. Am 2. Weihnachtstag, den 26. Dezember, wird „Tom Sawyer“ um 10 Uhr im Theater am Goetheplatz gespielt.


Hänsel und Gretel
Mit Hänsel und Gretel gelang es Engelbert Humperdinck, eine zeitlose Märchenoper zu schaffen. Die Oper handelt von Verzicht und Verführung, vom Fressen und Gefressen werden, aber auch vom Zusammenhalt eines Geschwisterpaares und dem ewigen Traum von einer Welt, in der Freiheit und Genuss ohne Maß und Reue zumindest für eine Weile uneingeschränkt möglich sind. Mit „Hänsel und Gretel“ hat Alexander Riemenschneider zum ersten Mal eine große Repertoireoper inszeniert. Am 2. Weihnachtstag, den 26. Dezember, wird die Märchenoper um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz zu sehen sein.


Zum letzten Mal: „Väter und Söhne“   

Sie glauben an gar nichts, nennen sich selbst Nihilisten: Arkadij Kirsanow und Jewgenij Bazarow lassen einzig die Naturwissenschaft gelten. Während der eine jedoch die Konfrontation sucht, versucht der andere an die bestehende Ordnung anzuknüpfen. In Iwan Turgenjews Roman treffen Generationen und Weltanschauungen hart aufeinander. Klaus Schumacher, der in dieser Spielzeit für die Inszenierung von „Tom Sawyer“ zum wiederholten Male an das Theater Bremen zurückkehrte, widmete sich nach „Buddenbrooks“ einem weiteren großen Stoff der Weltliteratur. „Väter und Söhne“ wird am 26. Dezember um 18.30 Uhr zum letzten Mal im Kleinen Haus des Theater Bremen gespielt.

—| Pressemeldung Theater Bremen |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Der Messias von Georg Friedrich Händel, IOCO Kritik, 11.12.2017

Dezember 11, 2017 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Der Messias von Georg Friedrich Händel

Symphonischer Chor Hamburg –  Der Messias –  Elbipolis Barockorchester

Von Patrik Klein

Georg Friedrich Händel Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Westminster Abbey © IOCO

Lasse ich meine Gedanken mehr als 30 Jahre zurückschweifen und schaue mit etwas verklärter Sicht auf damalige Erlebnisse, so füllt immer wieder eine Erinnerung meine Sinne: die wunderbare Zeit in einem bedeutenden Oratorienchor. Damals, in meiner Studienzeit in Wuppertal, knüpfte ich erste tiefe Kontakte zur klassischen Musik. Neben regelmäßigen Besuchen im Barmer Opernhaus, das ich in den folgenden Jahre sehr  schätzen lernte, folgte der unbedingte Wunsch, selbst musikalisch tätig zu werden.

Der Messias – Erinnerungen und Gefühle „aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten“

Meine Frau und ich sangen als Sopran bzw. Bass im Schubert Bund Wuppertal und dem später schlicht umbenannten Symphonischen Chor  bei vielen Werken meist in der Stadthalle der Stadt mit der Schwebebahn mit großem Symphonieorchester und Gesangssolisten. Unter dem Dirigenten Franz Lamprecht und unter Mitwirkung weiterer Chöre aus Düsseldorf und Hilden wurden etliche Meisterwerke aus der Chorliteratur und ganz besonders Händels Messias über viele Wochen geprobt, einstudiert, jede Menge Sonderproben kurz vor den Aufführungen mit großer Leidenschaft durchgeführt und schließlich überregional beachtete Konzerte zu Wege gebracht.

Der Messias in Wuppertal - 1987 - Aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten © Patrik Klein

Der Messias in Wuppertal – 1987 – Aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten © Patrik Klein

Heute mehr als 30 Jahre danach muss ich die Gelegenheit beim Schopfe greifen und den Symphonischen Chor Hamburg im Juwel der Hansestadt, in der Elbphilharmonie, mit Händels Werk erneut erleben.

Der Symphonische Chor Hamburg gehört mit seinen heute etwa 140 aktiven Mitgliedern (95 Damen und 46 Herren) zu den renommiertesten und traditionsreichsten Chören Hamburgs. 1886 gegründet, wird er seit 1985 von Matthias Janz geleitet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, neben den großen und bekannten Werken der Chorliteratur auch selten zu hörende Kompositionen zur Aufführung zu bringen. Mit dem Elbipolis Barockorchester Hamburg und den Solisten Johanna Winkel (Sopran), Geneviève Tschumi (Alt), Markus Schäfer (Tenor) und Thomas Laske (Bass) stehen namhafte Musikerinnen und Musiker auf dem Podium der Elbphilharmonie Hamburg.

Der Messias von Georg Friedrich Händel gehört bis heute zu den populärsten Beispielen geistlicher Musik des christlichen Abendlandes. Er erzählt die Heilsgeschichte. Sein populäres Oratorium beginnt mit Worten des Propheten Jesaja, die das Ebnen der Wege als eine Voraussetzung für die Ankunft des Gottessohnes verkündigen. Und es  ist ein Oratorium ohne Handlung.

Elbphilharmonie Hamburg / Der Messias - Symphonischer Chor Hamburg - hier v.l. Matthias Janz, Johanna Winkel, Geneviève Tschumi, Markus Schäfer, Thomas Laske © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Der Messias – Symphonischer Chor Hamburg – hier v.l. Matthias Janz, Johanna Winkel, Geneviève Tschumi, Markus Schäfer, Thomas Laske © Patrik Klein

Händel übernahm die Struktur von der italienischen Oper und gliederte das Werk in drei Teile: der erste Teil umfasst dieVerheißung des Messias und die Weihnachtsgeschichte. Er schließt mit einer Betrachtung über das Werk des Heilandes. Im zweiten Teil wird der Osterkreis beschrieben: Passion und Auferstehung Der finale dritte Teil schließlich stellt eine Danksagung an den Messias für die Überwindung des Todes dar: „Erlösung„.

Charles Jennens war als Textdichter des Werkes alles andere als glücklich gewesen, da Händel seine Version ausschließlich aus, zumeist alttestamentarischen Bibelstellen entwickelte, die das Geschehen eher reflektieren als darstellen: ein absolutes Novum. Das hinderte Händel nicht daran, in den Arien alle Register seiner Opernerfahrung zu ziehen.

Das Werk wurde am 13. April 1742 in der Dubliner Music Hall uraufgeführt. Damals hieß es: „Dieses Oratorium übertrifft bei weitem alles, was je in dieser Art in diesem oder einem anderen Königreich aufgeführt worden ist. Worte vermögen die Ergriffenheit des Publikums nicht auszudrücken.“ Händel selbst bemerkte: „Ich würde bedauern, wenn ich meine Zuhörer nur unterhalten hätte; ich wünschte sie zu bessern„.  Die Londoner Premiere ein Jahr später wurde relativ kühl aufgenommen. Einige Kritiker sprachen sogar von „Blasphemie“. Aber noch zu Händels Lebzeiten wurde Messias zu seinem meistgespielten Oratorium, an dem er aber immer wieder je nach den Erfordernissen und Umständen der Aufführung Anpassungen vornahm. Nachdem die Uraufführung in Dublin noch relativ klein besetzt gewesen war, wuchsen die Chöre und Orchester proportional zum Erfolg des Messias. Bei einer Aufführung im Londoner Crystal Palace wirkten 1857  über 2.000 Sänger und 500 Musiker mit.

Die erste Aufführung in Deutschland fand 1772 in Hamburg unter der Leitung des Engländers Michael Arne statt. Die erste deutschsprachige Aufführung dirigierte, ebenfalls in Hamburg, C. Ph. E. Bach im Jahr 1775. In späteren Jahren wurde das Werk oft umgearbeitet und uminstrumentiert. Die bedeutendste Bearbeitung schuf Mozart 1789 für eine Aufführung des Barons von Swieten in Wien unter Hinzunahme von Klarinetten, Hörnern und Posaunen.

Der Symphonische Chor Hamburg  hatte nun zum ersten Mal die Möglichkeit, eine Aufführung im großen Saal der Elbphilharmonie Hamburg durchzuführen. Man setzte sich als erster Chor überhaupt gegen die Konkurrenz von vielen anderen namhaften Chören der Region durch und bereitete sich noch nie in der Geschichte des Chores so intensiv auf ein Konzert vor. Zudem präsentierte man den Hörern die ungekürzte Version des Stückes in der englischen Originalsprache mit einer Aufführungsdauer von beinahe dreieinhalb Stunden incl. zwei Pausen. Das Orchester spielte auf historischen Instrumenten und wurde speziell für Alte Musik auf 415 Hz gestimmt.

Elbphilharmonie Hamburg / Der Messias - Symphonischer Chor Hamburg, Elbipolis Barockorchester Hamburg © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Der Messias – Symphonischer Chor Hamburg, Elbipolis Barockorchester Hamburg © Patrik Klein

Die Aufführung des Symphonischen Chor Hamburg mit dem Elbipolis Barockorchester Hamburg bestach durch ausgewogene Stimmen, klangliche und stilistische Sicherheit und Intonationsgenauigkeit.  Pointiert gestaltete Matthias Janz die unterschiedlichen Passagen mit großem Einfühlungsvermögen. Die ohne Kürzungen entstehende Länge des Stückes wurden durch zwei Pausen aufgelockert, wenn nicht gar „gewürzt“.

 Johanna Winkel, Geneviève Tschumi, Markus Schäfer, Thomas Laske

Das Solistenquartett bestand aus bewährten Sängerinnen und Sängern, die Rezitative und Arien souverän darboten. Johanna Winkel, die bereits bei einem Soloabend im Musikverein Wien und als Walküre bei den diesjährigen Salzburger Festspielen mitwirkte, sang mit zauberhafter Leichtigkeit und wirkungsvollster Stimme des Abends. Sie agiert mit frischem, klarem Sopran und feinem abgedunkelten Timbre textverständlich, mit facettenreichen Farben, sicheren Koloraturen, präzise und klangschön bis in die Spitzentöne.  Geneviève Tschumi  bestach mit weicher, schlanker Altstimme und erfüllte ihren Part mit vokaler Geschmeidigkeit. Der Tenor Markus Schäfer, ehemals engagiert an der Hamburgischen Staatsoper, artikulierte mit großer Textverständlichkeit die Rezitative und angenehmer Frische seine Arien. Er sang sicher mit exakter Intonation, sauberen Läufen und Koloraturen. Thomas Laske verfügt über einen flexiblen gestaltenden  Bass mit Tiefe und  ausreichendem Volumen. Durch die besondere Anordnung der Sänger kamen Händels Rezitative und Arien sehr eindrucksvoll zur Geltung. Die Sopranistin stand im Zentrum des Orchesters, wo hingegen Alt, Tenor und Bass deutlich weit nach rechts an der Rampe des Podiums positioniert waren.

Spieltechnisch blieb das Elbipolis Barockorchester Hamburg den Sängerinnen und Sängern nichts schuldig. Als homogener, sicherer Klangkörper bot das Orchester sowohl in Klangschönheit wie auch in Genauigkeit ein glanzvolles Bild. Das Orchester war in barocker Form aufgestellt mit Laute (Theobe) im Zentrum, zwei Bässen, Celli (zwischen die Beine geklemmt) und Fagott zur rechten Seite des Dirigenten. Das Harmonium, Violinen und Bratschen waren im Zentrum positioniert und wurden linksseitig flankiert von 2 Pauken, 2 barocken Trompeten und 2 Oboen.

Matthias Janz führte den Klangkörper mit großem Einfühlungsvermögen zunächst mit etwas vorsichtigem Tempo, dann aber mit luftigem, transparenten Klang immer furioser und sicher werdend. Er traf den Charakter des Werkes in seiner Strahlkraft und positiven Aussage und führte Ensembles und Solisten mit sicherer Hand sowohl in straffen, temporeichen wie auch gesanglich weichen Partien.

Elbphilharmonie Hamburg / Der Messias - hier Symphonischer Chor; Solisten und das ausverkaufte Haus © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Der Messias – hier Symphonischer Chor; Solisten und das ausverkaufte Haus © Patrik Klein

Besonders bemerkenswert der wuchtige Klang des riesigen, den Saal mehr als erfüllenden Symphonischen Chores Hamburg. Die mittig positionierten Herrenstimmen des Tenors und Bass wurden flankiert von den Damen des Sopran und Alt. Bei der ersten bekannten Fuge „For unto us a Child is born“ lief der Chor zur Höchstform auf mit präziser, textverständlicher Sprache, trennungscharf in den vielen Wiederholungen und Händelschen Läufen. „Wonderful“. Auch im zweiten Teil „Ba-Rockte“ es vom Allerfeinsten. Der Chor wird immer sicherer, präziser und eindrucksvoller in Gestaltung und Klang. Gelegentlich überstrahlte der Chor das recht klein besetzte Orchester. Hier wäre ein wenig Zurückhaltung angebracht gewesen, aber wer mag es den begeistert agierenden Chormitgliedern verdenken, beim ersten Mal hier in der Elbphilharmonie Hamburg voll aufzudrehen. Sehr schön am Ende des zweiten Teils das jedem bekannte „Hallelujah, for the Lord God“. Hier ging es mit Pauken und Trompeten in den Himmel des Chorglücks. Ich musste mich beherrschen, nicht lauthals mitzusingen. Der dritte Teil beginnt mit der schönsten Arie und Stimme des Abends. Johanna Winkel singt ergreifend „I know that my Redeemer liveth“ und erklärt uns eindrucksvoll, dass ihr Erlöser lebt und vom Tode auferstanden ist. Hier erstrahlt ihr ganzes Können, die Töne schwellen wunderbar, gar aufregend an, von feinstem Legato geprägt. Das herrliche Trompetensolo begleitet den Bass von Thomas Laske bei seiner schön gestalteten Arie „The trumpet shall sound“. In den beiden Schlusschören „Worthy is the Lamb“ und „Amen“ noch einmal wuchtig und alles überstrahlend der Hamburger Chor alle Register seines Könnens ziehend, alle Mühe der vielen Proben und Entbehrungen vergessen machend, die prächtigen Farben in Händels Musik auftragend.

Der Symphonische Chor Hamburg lieferte ein triumphales Debut im Großen Saal der Elbphilharmonie Hamburg. Das Publikum bedankte sich nach dreieinhalb Stunden Konzertdauer mit Jubel, anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen. In meiner Vita gefangen, träumte ich, wünschte ich, Teil dieses so wunderbaren Oratorienchores zu sein.

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