Leipzig, Oper Leipzig, Spielplan Oktober 2019

September 10, 2019 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Spielplan der Oper Leipzig Spielzeit 2019/20
Oktober 2019


03 DO
14:00 Hausführung | Opernhaus
15:00 Spiel mir eine alte Melodie Schlager-Revue | Westbad
18:00 Der Liebestrank Donizetti | Opernhaus
Kantinengespräch im Anschluss


04 FR
19:30 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus
19:30 Spiel mir eine alte Melodie Schlager-Revue | Westbad


05 SA
17:00 Tristan und Isolde Richard Wagnger – PREMIERE | Opernhaus
19:00 Spiel mir eine alte Melodie Schlager-Revue | Westbad


06 SO
10:00 Familienführung | Opernhaus
14:00 Oper zum Mitmachen zu »Schneewittchen« | Probebühne Opernhaus
18:00 Die verkaufte Braut Smetana | Opernhaus


07 MO
20:00 Wahrheit oder Pflicht Musiktheaterproduktion des Jugendchores | Moritzbastei


08 DI
20:00 Wahrheit oder Pflicht Musiktheaterproduktion des Jugendchores | Moritzbastei


09 MI
18:00 Muko Werkstatt Gespräch mit dem Inszenierungsteam und öffentliche Probe zu
»Zorbas/Balkanfeuer« | Westbad


10 DO
19:30 Der fliegende Holländer Wagner | Opernhaus


11 FR
19:30 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus


12 SA
17:00 Tristan und Isolde Richard Wagner | Opernhaus
19:00 Zorbas/Balkanfeuer (Ballett) Mahr – PREMIERE | Westbad


13 SO
15:00 Zorbas/Balkanfeuer (Ballett) Mahr | Westbad
18:00 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus


14 MO
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen«| Probebühne Opernhaus


15 DI
10:00 Peter und der Wolf Prokofjew | Westbad
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen«| Probebühne Opernhaus
19:30 Zorbas/Balkanfeuer (Ballett) Mahr | Westbad


16 MI
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen« | Probebühne Opernhaus


17 DO
10:00 Babykonzert | Konzertfoyer Opernhaus
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen« | Probebühne Opernhaus
19:30 Der fliegende Holländer Richard Wagner | Opernhaus


18 FR
10:00 Babykonzert | Konzertfoyer Opernhaus
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen« | Probebühne Opernhaus
19:30 Kleine Komödie Ivan und die Frauen
| Theaterrestaurant Lortzing Musikalische Komödie
19:30 Rusalka Dvorak | Opernhaus


19 SA
19:00 Kleine Komödie Ivan und die Frauen
| Theaterrestaurant Lortzing Musikalische Komödie


20 SO
15:00 Die Fledermaus Strauß | Westbad


25 FR
19:30 Jazz im Lortzing Lukas Natschinski Solo
| Theaterrestaurant Lortzing Musikalische Komödie


26 SA
18:00 Muko Werkstatt Gespräch mit dem Inszenierungsteam und öffentliche Probe zu »Der Vogelhändler« | Westbad


27 SO
15:00 Peter und der Wolf Prokofjew | Westbad


30 MI
19:30 Der Nussknacker (Ballett) Dury/Tschaikowski | Opernhaus


31 DO
14:00 Hausführung | Opernhaus
18:00 Der Nussknacker (Ballett) Dury/Tschaikowski | Opernhaus
Änderungen vorbehalten!


—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Wien, Peterskirche, Oper in der Krypta – Holländer, IOCO Kritik, 02.05.2017

Mai 2, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Peterskirche

 Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Wien Peterskirche – Oper in der Krypta

Der fliegende Holländer von Richard Wagner

Von Marcus Haimerl

Die Geschichte der Wiener Peterskirche reicht zurück bis in die römische Antike. Der Bau der Kirche begann 1701, unter Kaiser Leopold I.. Fertigstellung und Weihung der Peterskirche war 1733. Die Peterskirche war der erste Kuppelbau im barocken Wien. Seit 2014 finden in der Krypta der Peterskirche wunderbare Opernproduktionen statt.  80 Besucher sitzen dort in unmittelbarer Nähe der Sänger, immer mit dem intensiven Gefühl, Teil der Aufführung zu sein.

Einen lang gehegten Wunsch hat sich die Intendantin der Oper in der Krypta, Dorothée Stanglmayr, erfüllt und Richard Wagners Der fliegende Holländer auf die Bühne der Krypta in der Wiener Peterskirche gebracht. Den Anstoß dafür gab der bulgarische Bassbariton Apostol Milenkov der nicht nur die Titelpartie übernahm, sondern sich auch für die Regie verantwortlich zeigte.

Peterskirche Wien / Krypta - Solistenensemble - Der fliegende Hollaender © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / Krypta – Solistenensemble – Der fliegende Hollaender © Marcus Haimerl

Die sehr intensive Produktion kommt mit wenig Ausstattung aus. Projektionen einer stürmischen See oder des Schiffs des Holländers sorgen für die richtige Stimmung. Ein weißes Segel für Dalands Schiff, ein blutrotes für das Schiff des Holländers, ein paar Möbelstücke, mehr braucht es hier wirklich nicht um eine glaubhafte Umsetzung dieser Oper erleben zu können.

Die musikalische Leitung lag in den Händen der in Italien geborenen Rugiada Lee. Mit ihrem präzisen und leidenschaftlichen Klavierspiel zog sie das Publikum bereits bei der Ouvertüre in ihren Bann und hielt die Spannung bis zum Finale. Auch der Chor der Norweger („Steuermann, lass die Wacht“) und der Mannschaft des Holländers („Johohohe! ...“) wurde so gut am Klavier gespielt, dass hier keine Wünsche offenblieben.

 Peterskirche Wien / Apostol Milenkov - Hollaender © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / Apostol Milenkov – Hollaender © Marcus Haimerl

In der Partie des ruhelos herumirrenden Holländers konnte man den bulgarischen Bassbariton Apostol Milenkov erleben, welcher als Stammgast in der National Opera in Sofia und beim Open-Air Opernfestival in Varna bereits als Wotan (Die Walküre), Holländer (Der fliegende Holländer) und anderen großen Partien zu erleben war. In der Krypta präsentierte sich Apostol Milenkov als profunder Holländer mit wuchtigem Bass, kleinen Gesten und der notwendigen Düsternis in der Stimme die für diese Partie notwendig ist. Ihm ebenbürtig als Senta war Magdalena Renwart, Stipendiatin des Richard Wagner-Verbands Wien 2013, zu erleben. Mit ihrem jugendlich-hochdramatischen Sopran, Ihrer warmen Mittellage und der sicheren Höhe präsentierte sie eine glaubhafte Senta zwischen naivem Mädchen und selbstbestimmter Frau.

Die puertoricanische Mezzosopranistin Celia Sotomayor brilliert in der Partie der Mary. Auch sie verfügt über ein warmes Timbre und eine unglaublich kräftige Mittellage. Auch vermag Celia Sotomayor mit ihrem Spiel und ihrer Mimik die eher kleine Partie der Mary zu einer überzeugenden Hauptfigur zu erhöhen. Auch der junge, österreichische Bassbariton Sebastian Peissl konnte das Publikum in der Partie des Daland begeistern. Als Einspringer studierte er diese Partie vor der Premiere in nur 10 Tagen ein. Die von ihm erbrachte Leistung braucht den Vergleich mit vielen seiner Vorgänger dieser Partie nicht zu scheuen.

 Peterskirche Wien / Sergio Tallo-Torres - Steuermann © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / Sergio Tallo-Torres – Steuermann © Marcus Haimerl

Mit seiner klaren, kraftvollen Tenorstimme überzeugte der türkische Tenor Muratcan Atam in der Partie des Erik. Auch der spanische Haustenor der Krypta, Sergio Tallo-Torres, faszinierte das Publikum mit seiner stets zuverlässigen Leistung in der Partie des Steuermanns und zeichnete sich mit seinem schlanken, leicht metallischen Tenor für manchen Szenenapplaus verantwortlich. Eine besonders entzückende Idee, den Chor der Spinnerinnen („Summ und brumm, du gutes Rädchen„) durch den hauseigenen Kinderchor (Kinderchor St. Peter In höchsten Tönen!) singen und dabei stricken zu lassen.
Am Ende viel Applaus und wohlverdienter Jubel seitens des Publikums dieser ausverkauften Vorstellung.

Bonn, Theater Bonn, Der fliegende Holländer: Lyrisch, romantisch, modern, IOCO Kritik, 29.09.2015

September 29, 2015 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

 Der fliegende Holländer: Romantik in modernem Ambiente

Theater Bonn / Der fliegende Holländer - Seeleute und Daland © Thilo Beu

Theater Bonn / Der fliegende Holländer – Seeleute und Daland © Thilo Beu

Richard Wagner war zweifellos ein genialer Komponist. Doch auch Genies leben von handfesten Lebenserfahrungen. 1837 war Wagner vor deutschen Gläubigern nach Riga geflüchtet und wirkte dort als Kapellmeister. Im Sommer 1839 fand dies Engagement in der damals zum russischen Reich gehörenden Metropole erneut über Streit und Schulden ein abruptes Ende: Wagner und Frau Minna mussten wieder flüchten. Doch die Fahrt auf einem kleinen Segelschiff von Riga nach London war rau wie lebensbedrohend. Vier Wochen dauerte die Reise, mehrfach musste das Schiff schützende Häfen anlaufen. Das Trauma dieser Schiffsreise und die Wagner bekannte Fabel Heinrich Heines über den verwunschenen Fliegenden Holländer inspirierten Wagner zu seiner im Januar 1843, in Dresden uraufgeführten romantischen Oper. Sie wurde bleibender Welterfolg.

Theater Bonn / Der fliegende Holländer - Senta © Thilo Beu

Theater Bonn / Der fliegende Holländer – Senta © Thilo Beu

2002 war die letzte Holländer-Premiere im Theater Bonn, erfolgreich. Am 27. September 2015 folgte ein neue Holländer-Erfolg in Bonn: Das voll besetzte Haus mitsamt dem gerade neugewählten Oberbürgermeister Ashok- Alexander Sridharan feierten eine mitreißend real moderne Inszenierung. Skanda l- Holländer,  wie der in Bayreuth, in dessen Bühnengeschehen Wagners Oper kaum zu erkennen ist, waren kein Vorbild für Bonn. Regisseur Walter Schütze gelingt eine packende Inszenierung, er verirrt sich in seiner ersten Produktion einer vielschichtigen Handlung nicht in einer Bilderflut. Schütze produziert fühlbare Dramatik in zeitgemäßem Genre. Der karge, hoch hinauf holzgetäfelte Bühnenraum lebt durch beständig wechselnde Lichteffekte (Bernd Winterscheid), grelle wie weiche aber immer neu gestaltende; ein Bühnenprospekt zeichnet gelegentlich im Hintergrund das Schiff des Holländers im Sturm. So begleiten Lichteffekte mit blendender Personenregie  Dichtung und Komposition Richard Wagners ausdrucksreich, sanft wie rau, filigran wie pausbäckig. Die Kostüme (Schütze) verbinden die Protagonisten mit ihrer Partie, in modernem wie klassischem Outfit: Der verfluchte Holländer agiert in mystisch dunkler Seefahrerkluft, Senta in blauem Kleid, fröhlich singende Spinnerinnen tanzen in eleganten, hellen Blusen Piccolo-Fläschchen in der Hand. Die Inszenierung Schützes bringt so Handlung, Sprache und Komposition traditionsbefreit auf die Bühne und gibt ihr doch Leben und Zeitgeist.

Theater Bonn / Der fliegende Holländer - Daland © Thilo Beu

Theater Bonn / Der fliegende Holländer – Daland © Thilo Beu

Hendrik Vestmann und sein Beethoven-Orchester bringen bereits mit dem Vorspiel Düsterkeit und Impulsivität der Oper mit sensibler Fragilität. Die Streicher besingen Wogen, Posaunen und Trompeten – fehlerlos – malen Blitz und Donner in den Besucherraum; die Bühne noch dunkel; das Wort Liebe in den Hintergrund projiziert. Langsam erhellt sich die Bühne, Seeleute erscheinen…. Die freie Bühne lenkt den Fokus auf die großen Partien der Oper. Die zumeist jungen Sänger/innen spielen, singen dazu hervorragend: Christian Georg sät zu Beginn als Steuermann mit lyrisch feinem Tenor und „Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer….“ hohe Erwartungen an das Ensemble, welche sich erfüllen. Daland (Priit Volmer) agiert, intrigiert mit breitem dunklem Bass, spürbar um seinen eigenen Vorteil bemüht; seine Tochter Senta (Magdalena Anna Hofmann) beherrscht ihre große Ballade, ihre fordernde Partie mit kräftigem Sopran; der Amerikaner Mark Morouse bannt als Holländer, wenn vor rotem Hintergrund „Die Frist ist um, um abermals verstrichen sind sieben Jahr..“  mit lyrisch wohltimbriert Bariton anstimmt; dabei umstreichen ihn die Toten Geister seines Schiffes. Gesanglicher

Theater Bonn / Fliegender Holländer - Ensemble © IOCO

Theater Bonn / Fliegender Holländer – Ensemble © IOCO

Star des Abends ist aber Paul MaNamara; als Eric singt er lyrisch verklärt oder mit hellem Heldentenor mitreißend wie gut verständlich die Ballade  „Auf hohem Felsen lag ich träumend, sah unter mir…“.  Alles Bühnenhandeln wird vom großen  Chor und Extrachor des Theater Bonn begleitet,  von Volkmar Olbrich blendend einstudiert, von Vestmann sauber geführt.

Publikum und der neue Bonner OB Sridharan applaudierten mit langem, lautstarkem Beifall einer modernen Inszenierung des Fliegenden Holländer, welche die reiche Romantik der Komposition, ihr Menschliches, Profanes wie Blendwerk mit schönen Stimmen und  ausdrucksvoller Darstellung auflösen.

IOCO / Jarosch / 28.09.2015

Der fliegende Holländer am Theater Bonn: Weitere Vorstellungen: 03.10.2015, 17.10.2015; 25.10.2015; 29.10.2015; 19.11.2015; 25.12.2015; 08.1.2016; 24.01.2016; 29.06.2016

—| IOCO Kritik Theater Bonn |—

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Die 99. Richard-Wagner-Festspiele – Ein Clan – ein Kult, IOCO Aktuell, 29.08.2010

August 29, 2010 by  
Filed under Bayreuther Festspiele, IOCO Aktuell

 Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Bayreuther Festspiele

Der unendliche Kult

Der Wagner Clan  von 1813 bis heute

Die  99. Richard-Wagner-Festspiele  2010  in Bayreuth  endeten: Wie jedes Jahr beginnt  der Wagner – Kult am 25. Juli seinen Lauf  und endet am   28. August.  Auch Angela Merkel   ist Teil der Bayreuth-Gläubigen: Am 25.7. tingelte sie nach Bayreuth, wie viele Jahre zuvor.  Deutsche  Prominenz anführend: Seehofer, Guttenberg, Brüderle aber auch Gottschalk.  Nach Bayreuth zum Grünen Hügel: Eine Neuinszenierung des  Lohengrin stand am 25. Juli 2010 auf  der Agenda,  von Regisseur Hans Neuenfels  inszeniert.  Jener Neuenfels, welcher vor vielen Jahren  mit einer schrägen Putzfrauen-Aida  erstmals sein kontroverses Opernverständis unter die Leute brachte.  Und Furore machte.  2010 nun ein Neuenfels auch noch  in Bayreuth:  Lohengrin mußte sich,  gemäß den  Neuenfels-Eingebungen, in einem Versuchslabor mit Ratten und einem gerupften Schwan herumschlagen. Neuenfels,  wie viele Regisseure vor, neben und hinter ihm,  entlarvt,  ist hintergründig, tiefsinnig. Und Offizielle wie Kanzlerin zu dieser Inszenierung:  Immer dasselbe:  Sie spielen ihre Rollen, demonstrieren aufgesetzt wirkende  Begeisterung.

Einfache  oder schräge Bewertungen  zum Lohengrin: Man äußert sich komplex zu Meister Neuenfels Auswürfe seien vielschichtig, erregend….   Der „einfache“ Besucher hingegen spricht direkter: „Diesen Lohengrin kann man schlankweg vergessen“.  Aber: Gutes Dirigat (Andris Nelsons),  toller Jonas Kaufmann.

Wie kommt man an Karten zu diesem tiefsinnigen  Lohengrin mit gerupftem Schwan? Wie sieht der normale Kartenkauf für Bayreuth aus? Ebenfalls hintergründig, undurchsichtig, verbogen. Bei 500.000 Bestellungen stehen pro Jahr nur 58.000 Kaufkarten  zur Verfügung. Karten für Staatsbedienstete, Seehofer, Guttenberg, Merkel und deren Ministerialbürokraten nicht berücksichtigt.  Also wartet der normal Sterbliche statistisch gut  neun  Jahre auf eine Karte. Gäbe es nicht Hinterzimmer und einen immer funktionierenden schwarzen Markt

Unser bleibender Rat für Wagner-Fans: Gehen Sie zum   Zum Public Viewing auf den Bayreuther Volksfestplatz:  Am 21. August 2010  kann/konnte  man dort,  gemeinsam mit etwa 40.000 weiteren Besuchern ab 16.00 Uhr kostenlos die Walküre in der Inszenierung Tankred Dorst  ansehen. Eintritt frei, teilweise bestuhlt, Einführung ab 14 Uhr.  Eine 90m² Leinwand.  Zudem gibt es dort morgens erstmals, Einlass ab 11.30,  den  Tannhäuser und den Sängerkrieg auf der Wartburg  in kindgerechter FassungIn 2010 hätte sich wegen der wunderbaren Wetters dieser Gang gelohnt. Lesen Sie hierzu den Link oben.

Und so kultig und Hype die Richard-Wagner-Festspiele heute sind, so spannend, skurril und lehrreich ist  die  reichlich verworrene  Richard Wagner – Saga:  Die Geschichte der Wagners  seit dem  22. Mai 1813,  dem Geburtstag des kleinen Richard, bis heute. Was begab sich also in diesen fast 200 Jahren:

Richard Wagner ward am 22. Mai 1813 geboren: Offiziell als Sohn des Polizeiaktuarius Carl Friedrich Wagner. Den Gerüchten nach jedoch als Sohn des Schauspielers und Schriftstellers Ludwig Geyer, den Wagners Mutter, die Bäckerstochter Johanna Rosine, 1814 heiratete. Zunächst mit Minna Planer verheiratet, ehelichte Richard Wagner nach längerer ungeklärter Beziehung 1870 Cosima.  Cosima wiederum war eine uneheliche Tochter von Franz Liszt und der französischen Gräfin Maria D´Agoult. Cosima wiederum war zunächst, seit 1857,  mit dem Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow  verheiratet.  Ihre Hochzeitsreise  führte beide 1857 nach Zürich; wo Richard sich gerade der Beziehungen zu mindestens zwei verheirateten Frauen erfreute; Jessie Laussot und Mathilde Wesendonk.  Laussots Mann drohte Richard derweil zu erschiessen; Wesendonks Mann dagegen, weniger martialisch, kaufte für Wagner ein Haus, neben seiner eigenen Villa gelegen. Man arrangierte sich.

Wagners Schweizer Episode war die Folge politischer Verstrickungen. In Dresden 1849, als Freund des russischen Anarchisten Michail Bakunin und dessen Ideen, war er in einen Aufstand gegen den sächsischen König verwickelt. Franz Liszt verhalf ihm als `Dr. Widmann´ in die Schweiz, wo er bis 1860 im Exil lebte. Erst 1864 endeten Rastlosigkeit und finanzielle Bedrängnis mit der Unterstützung durch den Bayernkönig, Ludwig II, dem einzigen Menschen, der,  wie man sagt, reich genug war,  Wagners Wünsche wirksam zu unterstützen. Bemerkenswert, alle drei Kinder von Cosima und Richard Wagner, Isolde (1865), Eva (1867) und Siegfried (1869), waren unehelich. Was wiederum nicht genau zutrifft, denn Cosima war zu dieser Zeit verheiratet. Nur nicht mit Richard, dem Vater ihrer Kinder. Sondern, noch, mit Hans von Bülow.

Zeitsprung in die Gegenwart: Alle relevanten Entscheidungen des Festspielhauses auf dem grünen Hügel gehen  von der Richard-Wagner- Stiftung Bayreuth aus,  seit 1973 Trägerin des Festspielhauses Bayreuth. Noch präziser: Von deren Stiftungsrat, der aus 8 Mitgliedern mit insgesamt 24 Stimmen besteht: 5 für den Freistaat Bayern, 5 für die Bundersrepublik, 4 für die Familie Wagner, 3 für die Stadt Bayreuth, 2 für die Gesellschaft der Freunde, 1 für die Oberfrankenstiftung, 2 für den Bezirk Oberfranken, 2 für die Bayerische Landesstiftung. Stiftungsvorstand des Stiftungsrates stellen drei der 8 Mitglieder: Bund, Bayern und Festspielleitung.

Künstlerischer Leiter der Festspiele war seit der Wiedereröffnung 1951 und bis zu seinem Rücktritt am 31. August 2008  Wolfgang Wagner (bis 1966 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland). `Die Frist ist um´; nach über 50  Jahren weitgehend erfolgreicher Amtsführung war ein Rücktritt normal. Auch war Wolfgang Wagner  mit 88 Jahren   nicht mehr ganz so rüstig.   Ein Rücktritt Wolfgang Wagners war vor 2008 oft betrieben worden. Bereits 2001 wurde,  gegen den erklärten Wunsch Wolfgang Wagners,  mit 22 von 24 Stimmen  Eva Wagner-Pasquier zu seinem Nachfolger bestimmt. Sie verzichtete jedoch kurz nach der Wahl,  da Wolfgang Wagner sich nun auf seinen Vertrag auf Lebenszeit berief. Erst im November 2007, nach dem frühen und plötzlichen Tod von Wolfgang Wagners Ehefrau und persönlicher Mitarbeiterin, Gudrun Wagner,  und  in Anbetracht von Wolfgang Wagners eigenem schlechtem Gesundheitszustand, wurde die Nachfolgefrage wieder aktuell.

Seit  April 2008 betrieb Wolfgang Wagners denn auch selbst seine Nachfolgeregelung: Dem Altersstarrsinn wich langsam der Einsicht, daß seine „Frist“ endgültig um  sei: Wagner forcierte nun eine Nachfolgelösung bestehend aus seinen beiden Töchtern Eva und Katharina.

Auf deren Einsetzung hatte Wolfgang Wagner jedoch keinen Rechtsanspruch. Zudem schreibt die Stiftungsurkunde ausdrücklich vor, daß kein `Zweifel darüber ( bestehen darf) , ob ein Mitglied der Familie Wagner (…) besser oder ebenso gut geeignet ist wie andere Bewerber´. Bei Bestehen der ausdrücklich erwähnten Zweifel, wäre die Entscheidung einer (…) Sachverständigenkommission einzuholen. Soweit werden es Wolfgang Wagner und sein langjähriges Netzwerk in Land und Bund nicht kommen lassen. Die Minister Bernd Neumann und Thomas Goppel ordnen bereits: Zwar können sich laut Stiftungsurkunde alle Nachfahren Wagners bewerben; aber Nike, Wieland Wagners Tochter, bis vor kurzem noch ernsthafte Bewerberin, wird sanft demontiert (….theoretisch noch nicht aus dem Rennen; Süddeutsche Zeitung v. 29.5.2008). Das Auswahlverfahren schien auf eine Form von politischem Pragmatismus in `heiliger Allianz ´ mit Wagnerscher Dickschädeligkeit hinauszulaufen:  Für das Duo Eva/Katharina. Die von der Stiftungsurkunde ausdrücklich formulierte Forderung nach höchster Qualifikation in Vergleich zu externen Bewerbern wird damit faktisch beantwortet werden. Worin lagen die herausragenden Qualifikationen von Eva und Katharina ?  Realistisch betrachtet  überwiegend darin, daß beide bereits reichlich Bayreuth Erfahrungen haben (Katharina initiierte 2008 die Public Viewing Übertragungen auf den Bayreuther Volksfestplatz) und  sie die Töchter von Wolfgang Wagner sind. Clever und juristisch nur mühsam anfechtbar bot Wolfgang Wagner an als Festspielleiter zum 31. August 2008 zurückzutreten, falls der Stiftungsrat sich für Eva und Katharina ausprechen würde. Kurz vor Ablauf dieser Fristen bewarb sich auch Nike Wagner, gemeinsam mit Gerard Mortier, um die Festspielleitung.

Mit Blick auf dies wohl mit `Geschmäckle ´ behaftete Auswahlverfahren in Bayreuth polterten viele.  Berufspolterer  Claus Peymann (BE) (im ZDF) zeterte korrekt aber wenig originell  `Wir haben die Erbmonarchie in Deutschland abgeschafft´.  `Armutszeugnis, Possenspiel, verschwendetes Geld der Bürger´ ergänzten seine und anderer nach Stammtisch duftenden anspruchlosen Phillipika .  Peymann, bei Vielfachmörder Christian Klar  mit “ tiefem Verständnis“, beschreibt Bayreuth dagegen als `Tummelplatz für Deppen´ und forderte…..

Am 1. September 2008 entschied der Stiftungsrat erwartungsgemäß. Er setzte mit 22 : 2 Stimmen  Eva Wagner-Pasquier, 64,  und Katharina Wagner, 31,  als gleichberechtigte neue Leiterinnen der Bayreuther Festspiele und Geschäftsführerinnen der Bayreuther-Festspiel GmbH  ein. Wolfgang Wagner vollzog seinen angekündigten Rücktritt zum 31. August 2008.  57 Jahre war er im Amt gewesen. Anders als bei ihrem Vater gibt es jedoch bei den Töchtern keinen Vertrag auf Lebenszeit. Die Verträge von Eva und Katharina sind auf sieben Jahre befristet. Gleichzeitig gingen die von Wolfgang Wagner gehaltenen Gesellschafteranteile der Bayreuther Festspiele GmbH zu gleichen Teilen an den Stiftungsrat über.

Am 21. März 2010 verstarb Wolfgang Wagner friedlich. Der Familienkonflikt zwischen Eva, Katharina und Nike überschattete aber auch die Todesfeier:  Nike Wagner und ihre drei Geschwister, die Kinder Wieland Wagners,  sagten ihre Teilnahme an der Totenfeier ab.  Eva, mit Angela Merkel in der ersten Reihe sitzend sitzend, hatte sie in der Sitzordnung sehr abseits platziert.

So die Richard-Wagner-Saga zum Ende der 99. Richard-Wagner-Festspiele am 28. August  2010. Forsetzung folgt spätestens  am 25. Juli 2011, wenn in Bayreuth mit Tannhäuser und Angela Merkel die 100. Richard-Wagner-Festspiele eröffnet werden.  IOCO / Viktor Jarosch / 29.08.2010

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