Stuttgart, Stuttgarter Ballett, Cranko Pur – Hommage auf John Cranko, IOCO Kritik, 10.10.2017

Oktober 10, 2017 by  
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Stuttgarter Ballett | Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. SchaeferStuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

  Cranko Pur  –  Ballett zum 90. Geburtstag von John Cranko

In jeder Geste, jedem Schritt – Scharfer Bobachter, großer Menschenfreund

Von Peter Schlang

Am 5. August wäre der Gründer des Stuttgarter Balletts und Vater des gleichnamigen Ballettwunders, John Cranko,  90 Jahre alt geworden. Dies nahm der in seiner 23. und letzten  Spielzeit amtierende Ballettintendant Reid Anderson zum Anlass, den großen Choreografen und Tanzpädagogen mit einem Ballettabend zu ehren, der am 3. Oktober im Stuttgarter Opernhaus seine Premiere erlebte. Anderson griff für  die Geburtstagsfeier also nicht auf eines der beliebten, abendfüllenden Handlungsballette Crankos zurück, sondern stellte dazu drei eher selten aufgeführte und in dieser Kombination noch nie gezeigte kleinere Werke zusammen, allesamt Pretiosen moderner Tanzkunst. Damit schafft er in seiner Abschiedssaison auch den Bezug zu seiner Anfangszeit als Tänzer in Crankos  Stuttgarter Compagnie, der er seit nunmehr 37 Jahren in verschiedenen Rollen angehört. Und wie andere damalige Mitglieder der jungen Truppe wurde auch Reid Anderson wesentlich durch Crankos Ballettschöpfungen geprägt und hob dabei auch  Rollen aus der Taufe, die der große Choreograf eigens für ihn geschaffen hatte.

Oper Stuttgart / Stuttgarter Ballett mit Cranko Pur © Stuttgarter Ballett

Oper Stuttgart / Stuttgarter Ballett mit Cranko Pur © Stuttgarter Ballett

Den Anfang der Feiertagspremiere machte das älteste der an diesem denkwürdigen Abend zu sehenden drei Stücke, das 1963 uraufgeführte L’Estro Armonico, das Cranko zu drei der zwölf gleichnamigen Solokonzerte Antonio Vivaldis geschaffen hatte. Dieses gut halbstündige Stück kommt ganz ohne Handlung aus, ist also ein abstraktes, nur an der musikalischen Vorlage orientiertes Werk, sozusagen „Ballett pur“, in dem man quasi „den Tanz hört und die Musik sieht“. L’Estro Armonico zeigt nicht nur die „musikalische Eingebung“ –  so die deutsche Übersetzung des Titels – Vivaldis, sondern auch die große choreografische Kreativität und  phänomenale musikalische Sensibilität John Crankos, der jeden Schritt seiner sieben Tänzerinnen und acht Tänzer auf die Partitur abgestimmt hat, ohne diese bloß zu illustrieren. Dieses geniale Vorgehen zeigt sich in allen Abläufen und Bewegungen, die für ihre Entstehungszeit ungemein modern gewesen sein müssen und schon alles an Figuren, Sprüngen und Hebungen zeigt, was dem heutigen Ballettpublikum von späteren Balletten vertraut ist. Dennoch hat dieses höchst theatralische Stück nichts von seiner Frische und Radikalität verloren und führt zudem meisterhaft Crankos Humor, insbesondere in Form der von ihm gerne angewandten Umkehr der Traditionen und dem Spiel mit den Konventionen vor, so etwa wenn er mehrfach die traditionellen Trikotfarben parodiert und die männlichen Solisten in Weiß, die Tänzerinnen aber in Schwarz auftreten lässt oder einzelne Schritte und Gesten stark ironisch überhöht.

Die drei Solisten dieses mitreißenden Eingangswerks, Elisa Badenes, David Moore und Martí Fernández Paixà, werden dieser mit höchsten Schwierigkeiten ausgestatteten Herausforderung genauso ohne jeden Abstrich gerecht, wie die je sechs Tänzerinnen und Tänzer der Ensembleszenen ihre ebenso höchst anspruchsvollen Parts souverän bewältigen. Alle zusammen führen sie auf bewundernswerte Weise vor, wie sich Einzelne und Teilgruppen – genau wie im richtigen Leben – zu einem harmonischen Ganzen vereinigen, um sich bald darauf wieder voneinander zu lösen oder auseinander dividieren lassen.

Großen Anteil an der Wirkmächtigkeit dieses Auftaktstücks hatte das Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung seines Gastdirigenten Aivo Välja, der den drei aus dem Orchester entliehenen Solisten Elena Graf, Violine, Andreas Noack, Flöte und Ivan Danko, Oboe, jeglichen Raum zur prachtvollen Entfaltung ließ.

Oper Stuttgart / Stuttgarter Ballett mit Cranko Pur © Stuttgarter Ballett

Oper Stuttgart / Stuttgarter Ballett mit Cranko Pur © Stuttgarter Ballett

Nach der ersten Pause bekam das Premierenpublikum die 1970 entstandenen Brouillards zu sehen, die jüngste der jetzt gezeigten Arbeiten, die Cranko zu den stimmungsvollen ersten Klaviervorspielen der zweiten Sammlung von Préludes Claudes Debussys geschaffen hat. Diese zehn Bilder bilden nicht nur aufgrund ihrer Mittelposition das Herzstück dieses Cranko-Abends, zeigen sie doch in ihrer maximalen Verdichtung und der ihnen innewohnenden Mystik die große Kunst des ersten Stuttgarter Ballettchefs der Neuzeit. Zur kongenialen Musik des französischen Impressionisten findet er hoch poetische Menschen- und Naturbilder, welche die Abwechslung und Vielfalt  des Lebens wie dessen Vergänglichkeit auf zart-einfühlsame wie erneut humorvoll-ironische Weise vorführen.

 Oper Stuttgart / Stuttgarter Ballett und Cranko Pur © Stuttgarter Ballett

Oper Stuttgart / Stuttgarter Ballett und Cranko Pur © Stuttgarter Ballett

Zur Darstellung dieser so unterschiedlichen wie vielseitigen Empfindungen und Stimmungen greift Cranko auf altbekannte Ballettfiguren und Bewegungsabläufe wie auf modernste, slapstickhafte  Einfälle zurück. Äußerst beeindruckend etwa, wie er ein Corps mit überkreuzten Armen und Hand in Hand verbunden den titelgebenden Nebel  (Brouillards) darstellen lässt, was gleichzeitig ein schönes Bild für Gemeinschaft und Freundschaft abgibt. Dieses kontrastiert mit dem witzig-vergnügten vierten Bild Général Lavine Eccentric, in dem sich das Trio Alessandro Giaquinto, Matteo Miccini und Cédric Rupp wie in einer Charly Chaplin-Parodie zeigen und ihre Betrachter zum wiederholten Lachen reizen. Aber auch die anderen der vom Rezensenten nicht einzeln erwähnten Szenen bieten unvergessliche, meisterhaft vorgeführte Einblicke in menschliche Höhen wie Abgründe und zeigen eine Compagnie in Höchstform, die alle tänzerischen wie schauspielerischen Herausforderungen jederzeit mühelos bewältigt.

Auch hier zeigte sich die musikalische Begleitung wieder als kongenialer Partner des Tanzes, und man staunte mehr als einmal, wie  einerseits expressiv und andererseits einfühlend Alexander Reitenbach am Flügel den Klavierpart gestaltet – mal Interpret des auf der Bühne zu sehenden Tanzes, mal eigenständiger Schöpfer und Gestalter eines Klangteppichs, auf dem die insgesamt sechs Tänzerinnen und  zwölf Tänzer dankbar ihre Kunst zeigen durften. Auf  jeden Fall ist der Pianist hier jederzeit viel mehr als ein Klavierbegleiter und man kann wieder einmal der Stuttgarter Ballettintendanz und dem gesamten Stuttgarter Staatstheater nicht genug dafür danken, dass sie dem Publikum die woanders als verzichtbaren Luxus angesehene Live-Begleitung gönnen und konsequent auf Konservenmusik als Tanzbegleitung verzichtet.

 Oper Stuttgart / Stuttgarter Ballett und Cranko Pur © Stuttgarter Ballett

Oper Stuttgart / Stuttgarter Ballett und Cranko Pur © Stuttgarter Ballett

So euphorisch gestimmt, erwartete das Premierenpublikum gespannt Crankos großen Klassiker Jeu de Cartes, den er 1965 zur gleichnamigen Musik des berühmten Ballettkomponisten Igor Strawinsky choreografiert hatte. Der Komponist wiederum schuf seine Musik ursprünglich 1936 für den ebenso genialen Choreografen George Balanchine, dessen Version es jedoch in Sachen Witz, Lebendigkeit und Unterhaltungswert nach Meinung vieler Experten in keinem Moment mit der in Stuttgart zu sehenden aufnehmen kann.

Auch hier und zum Abschluss eines insgesamt fast dreistündigen Ballettabends zeigte sich die Stuttgarter  Compagnie mit ihren hier agierenden 16 Tänzerinnen und Tänzern von ihrer allerbesten Seite und riss die Zuschauer in den drei Szenen eines Pokerspiels  immer wieder zu Begeisterungsstürmen hin. Diese galten nicht nur dem in allen drei Teilen als Joker restlos überzeugenden Adhonay Soares da Silva, sondern auch den übrigen, verschiedene Kartenwerte verkörpernden Tänzerinnen und Tänzern. Herzerfrischend, mit welchem Humor, ja Komik, Spielfreude und Ausdruckskraft hier die jeweilige Spielsituation beschrieben, untersucht und schließlich vom Joker, der eigentlich in einem Pokerspiel gar nichts zu suchen hat, durcheinander gewirbelt und von den Füßen auf den Kopf gestellt wird. Vermutlich stand der hier zu sehende Tänzer dieser dankbaren wie heiklen Paraderolle deren ursprünglichem Interpreten, dem zur „Ur-Compagnie“ gehörenden Egon Madsen, in nichts nach. Denn der, wie die Schöpferin des Bühnenbildes und der noch immer wundervollen Kostüme  Dorothee Zippel zum Schlussapplaus auf die Bühne gerufene Madsen konnte gar nicht genug davon bekommen, seinen jugendlich-frechen Nachfolger immer wieder zu umarmen und hochleben zu lassen.

Dieses schöne Bild vom reibungslosen Generationen-Übergang stimmte nicht nur hoffnungsvoll auf die weiteren Höhepunkte und kommenden Repertoire-Abende von Reid Andersons letzter Spielzeit als Ballettdirektor ein, sondern bildete auch den stimmigen Abschluss eines Abends, der zu keiner Zeit museal wirkte noch den geringsten Anschein von Reliquien-Verehrung aufkommen ließ. Vielmehr führte er überzeugend vor Augen, dass auch die momentan agierende Stuttgarter Compagnie ihre Liebe zum Vater des Stuttgarter Ballettwunders und ihre Begeisterung für dessen Schöpfungen auf allerhöchstem Niveau zu demonstrieren vermag und John Crankos überaus wichtige Funktion als Wegbereiter und Anreger  noch immer aktuell und gefragt ist.

Cranko Pur – Stuttgarter Ballett: Weitere Vorstellungen am 07. 10., 13.11., 15.11. und 18.11. und 26.11.2017

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Die ersten Höhepunkte der Spielzeit 2017/18

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Die ersten Höhepunkte der Spielzeit 2017/18

Der Vorverkauf der Staatstheater Stuttgart für die Vorstellungen im September und Oktober 2017 hat bereits begonnen

Die aktuelle Spielzeit der Staatstheater Stuttgart neigt sich dem Ende zu. Der Vorverkauf für die Veranstaltungen im September und Oktober 2017 hat allerdings bereits begonnen:

Oper Stuttgart / Pique Dame © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dame © A.T. Schaefer

Am Freitag, 22. September 2017, eröffnet die Oper Stuttgart mit Peter Tschaikowskys Oper Pique Dame in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito. Am Samstag, 23. September, kehrt Benjamin Brittens Der Tod in Venedig und am Sonntag, 24. September, Gioachino Rossinis La Cenerenola zurück auf die Opernbühne. Zu einem musikalischen Streifzug durch die kommende Opern- und Konzertsaison lädt die Oper Stuttgart im Rahmen des spartenübergreifenden Spielzeit-eröffnungsfestes ebenfalls am Sonntag, 24. September, um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. Giacomo Puccinis Tosca in der Inszenierung von Willy Decker steht ab Montag, 25. September, wieder auf dem Spielplan.

Am Mittwoch, 27. September, kommen Freunde der Liedkunst auf ihre Kosten: Georg Nigl und Anna Lucia Richter interpretieren im 1. Liedkonzert Werke aus Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch. Im 1. Sinfoniekonzert der Saison am 8. und 9. Oktober 2017 dirigiert Hartmut Haenchen Werke von Mozart und Wagner und im 1. Kammerkonzert am Mittwoch, 11. Oktober, präsentieren Musiker des Staatsorchesters Werke von Schönberg, Beethoven und Brahms.

Die Eröffnungspremiere, Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel, am Sonntag, 22. Oktober 2017, inszeniert der vielfach ausgezeichnete Theater-, Opern- und Filmregisseur Kirill Serebrennikov, der zuletzt mit Salome auf der Stuttgarter Opernbühne begeisterte. Es dirigiert Georg Fritzsch. Eine ausführliche Pressemitteilung folgt.

Im Folgenden erhalten Sie eine detaillierte Übersicht über die ersten Musiktheater- und Konzerthighlights der kommenden Saison.


Spielzeiteröffnung 2017/18


Spielzeiteröffnungsfest
Sonntag, 24. September 2017, von 11 bis 18 Uhr

Am Sonntag, 24. September 2017, heißt es „Bühne frei für die neue Spielzeit“: Am Tag der Bundestagswahl eröffnen die Oper Stuttgart, das Stuttgarter Ballett und das Schauspiel Stuttgart die Spielzeit mit einem großen Spielzeiteröffnungsfest im Opern- und im Schauspielhaus sowie auf den Plätzen davor. Gemeinsam mit dem Publikum starten die drei Sparten singend, tanzend und spielend in die neue und letzte Saison der drei amtierenden künstlerischen Intendanten.

Von 11 bis 13 Uhr heißen Sänger, Musiker und das Leitungsteam der Oper Stuttgart das Publikum bei freiem Eintritt im Opernhaus willkommen und stellen einige Höhepunkte, prägende Akteure und Leitgedanken der kommenden Spielzeit vor. Die Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble und dem Opernstudio bringen dabei besondere musikalische Momente zu Gehör, bevor in einem zweiten Teil das größte Ensemble des Hauses seine Jubiläumssaison einläuten wird: Das Staatsorchester Stuttgart, das im Jahr 2018 sein 425-jähriges Bestehen feiert, präsentiert sich auf der Opernbühne sowie im Anschluss in den Foyers des Opernhauses und auf dem Opernvorplatz.

Um 13.30 Uhr und 14.30 Uhr lädt die Junge Oper Kinder von 5-7 Jahren zu zwei Vorstellungen des Sitzkissenkonzerts Frieda tanzt ins Opernhaus, Foyer III. Rang, ein.

Hinweis: Ab 18 Uhr werden die Ergebnisse der Bundestagswahl live ins Foyer des Schauspielhauses übertragen.


Erste Opernvorstellungen


Peter Tschaikowsky  –  Pique Dame
22. | 26. | 30. September 2017 // 13. | 16. | 25. | 31. Oktober 2017

Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling, Frank Beermann, Regie und Dramaturgie:, Jossi Wieler, Sergio Morabito, Bühne und Kostüme: Anna Viebrock, Licht: Reinhard Traub, Chor und Kinderchor: Johannes Knecht

MIT: German: Erin Caves, Graf Tomski: Gevorg Hakobyan, Fürst Jeletzki: Shigeo Ishino, Tschekalinski: Torsten Hofmann, Surin: Michael Nagl, Tschaplitzki: Moritz Kallenberg, Narumov: Padraic Rowan, Gräfin: Helene Schneiderman, Lisa: Rebecca von Lipinski, Polina: Stine Marie Fischer, Gouvernante: Maria Theresa Ullrich, Mascha: Mirella Bunoaica, Staatsopernchor Stuttgart, Kinderchor der Oper Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


Benjamin Britten  –  Der Tod in Venedig
23. | 28. September 2017 // 05. Oktober 2017 // 13. | 22. | 29. Juni 2018 // 05. Juli 2018

Musikalische Leitung: Marco Comin, Regie und Choreographie: Demis Volpi, Bühne und Kostüme: Katharina Schlipf, Licht: Reinhard Traub, Chor: Christoph Heil, Dramaturgie: Sergio Morabito, Ann-Christine Mecke

MIT:  Gustav von Aschenbach: Matthias Klink, Reisender / Ältlicher Geck / Alter, Gondoliere / Hotelmanager / Coiffeur des Hauses /, Führer der Straßensänger / Stimme des Dionysos: Georg Nigl, Ashley David Prewett, Stimme des Apollon: Jake Arditti, William Towers, Apollon: David Moore, Hotelportier: Daniel Kluge, Bootsmann:, Tommaso Hahn, Hotelkellner / Restaurantkellner: Michael Wilmering
Erdbeerverkäuferin / Straßensängerin: Aoife Gibney, Glasbläser / Straßensänger: Kai Kluge, Englischer Angestellter im Reisebüro: Ronan Collett, Fremdenführer in Venedig: Padraic Rowan, Bettlerin: Fiorella Hincapié, Spitzenverkäuferin: Catriona Smith
Zeitungsverkäuferin: Cristina Otey, Die polnische Mutter: Joana Romaneiro, Tadzio: Gabriel Figueredo, Schüler der John Cranko Schule, Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


Grabstaette Gioacchino Rossini © IOCO

Grabstaette Gioacchino Rossini © IOCO

Gioachino Rossini  –  La Cenerentola

24. September 2017 // 01. | 08. | 15. | 20. Oktober 2017 // 01. November 2017

Musikalische Leitung: Maurizio Barbacini, Regie: Andrea Moses, Bühne: Susanne Gschwender, Kostüme: Werner Pick, Licht: Reinhard Traub, Chor: Christoph Heil
Dramaturgie: Thomas Wieck, Moritz Lobeck,

MIT:  Angelina: Lilly Jørstad, Diana Haller, Clorinda: Catriona Smith, Tisbe: Maria Theresa Ullrich, Don Magnifico: Enzo Capuano, Don Ramiro: Sunnyboy Dladla, Dandini: Bogdan Baciu, Alidoro: Adam Palka, Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


Giacomo Puccini  –  Tosca

25. | 29. September 2017 // 14. | 17. | 21. Oktober 2017 // 10. | 29. Dezember 2017 // 09. Januar 2018

Musikalische Leitung: Domingo Hindoyan, Giuliano Carella, Regie: Willy Decker, Bühne und Kostüme: Wolfgang Gussmann, Chor und Kinderchor: Christoph Heil, Dramaturgie: Juliane Votteler

MIT:  Floria Tosca: Svetlana Aksenova, Cellia Costea, Mario Cavaradossi: Arnold Rutkowski, Baron Scarpia: Sebastian Holecek, Albert Dohmen, Cesare Angelotti: Ashley David Prewett, Mesner: Karl-Friedrich Dürr, Spoletta: Heinz Göhrig
Schließer / Sciarrone: N.N., Staatsopernchor Stuttgart, Kinderchor der Oper Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


Eröffnungspremiere

Engelbert Humperdinck  –  Hänsel und Gretel
22. Oktober 2017,  weitere Vorstellungen 26. Oktober 2017; 04. November 2017 // 02. | 13. | 16. | 26. (nm+ab) Dezember 2017 // 07. (nm+ab) | 14. Januar 2018

Musikalische Leitung: Georg Fritzsch, Willem Wentzel, Regie, Bühne und Kostüme: Kirill Serebrennikov, Video: Ilya Shagalov, Licht: Reinhard Traub, Kinderchor: Christoph Heil, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke,

MIT: Vater: Michael Ebbecke, Simon Bailey, Mutter: Irmgard Vilsmaier, Catriona Smith, Hänsel: Diana Haller, Kora Paveli, Gretel: Esther Dierkes, Josefin Feiler, Knusperhexe: Daniel Kluge, Torsten Hofmann, Sandmännchen / Taumännchen: Aoife Gibney,, Kinderchor der Oper Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart
Einführungsmatinee: 15. Oktober 2017, 11 Uhr, im Opernhaus, Foyer I. Rang


Erste Konzerte


1. Liedkonzert  –   Italienisches Liederbuch – Lieder von Hugo Wolf
27. September 2017, 20 Uhr, Opernhaus, Foyer I. Rang

Sopran: Anna Lucia Richter, Bariton: Georg Nigl, Klavier: Gérard Wyss


1. Sinfoniekonzert  –  Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie C-Dur KV 551 („Jupiter“),
Richard Wagner:  Götterdämmerung-Suite

08. und 09. Oktober 2017, 11 Uhr bzw. 19.30 Uhr, Beethovensaal der Liederhalle

Musikalische Leitung: Hartmut Haenchen,  Staatsorchester Stuttgart


Ludwig van Beethoven in Bonn © IOCO

Ludwig van Beethoven in Bonn © IOCO

1. Kammerkonzert  –  Weitergeben der Glut
11. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Mozartsaal der Liederhalle

Arnold Schönberg: Kammersymphonie Nr. 1 op. 9 in der Fassung von Anton von Webern (1906/1923) für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier,  Ludwig van Beethoven: Streichquartett f-moll op. 95 (1810), Johannes Brahms: Trio a-moll op. 95 (1891) für Klarinette, Violoncello und Klavier; Musikern des Staatsorchesters Stuttgart


1. Lunchkonzert  –  Musiker des Staatsorchesters Stuttgart
25. Oktober 2017, 12:45 – 13:15 Uhr, Opernhaus, Foyer I. Rang

Eintritt frei

Junge Oper  Casting:  Für das Musiktheaterprojekt ON_THE_LINE
Alte Musikhochschule Stuttgart, Urbansplatz 2, 70182 Stuttgart

Gesucht werden abenteuerlustige Darstellerinnen und Darsteller zwischen 12 und 18 Jahren. Proben ab November 2017 jeden Mittwochabend von 18-20 Uhr, Intensivproben während der Pfingstferien 2018. Anmeldung auch unter: education@staatstheater-stuttgart.de

Wiederaufnahme  Leonard Evers  –  Gold
23.* | 24.* | 26. * | 27.* Oktober 2017 // 13.* |14.* | 16. | 17. |19.* | 21.* | 22. Dezember 2017 –  *Schulvorstellungen

Musikalische Leitung: Till Drömann, Regie: Jörg Behr, Bühne: Line Sexauer, Kostüme: Kerstin Hägele, Licht: Gianni Scopa, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke, Jacob: Philipp Nicklaus, Schlagzeug: Marta Klimasara


Wiederaufnahme


Gion Antoni Derungs  –  Benjamin

09.* | 11.| 13.* | 15.* | 17.* | 19. November 2017
*Schulvorstellungen

Musikalische Leitung: Jan Croonenbroeck, Regie: Neco Çelik, Bühne: Stephan von Wedel, Kostüm: Valentin Köhler, Dramaturgie: Johanna Danhauser, Licht: Rainer Eisenbraun,  Chor: Benjamin Hartmann

Mit: Ibrahima Biaye, Minyoung Catharina Häger, Thomas Herberich, Daniel Keating-Roberts, Konstantin Krimmel, Myriam Mayer, Monika Abel-Lazar, Philipp Nicklaus, Marc-Eric Schmidt, Lena Sutor-Wernich, Projektchor der Jungen Oper


Premieren


Die Premieren der Musiktheaterproduktionen Krieg von Marius Felix Lange und ON_THE_LINE finden am 27. April 2018 bzw. am 01. Juni 2018 statt.  PMOSt

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Tod in Venedig von B. Britten, IOCO Kritik, 12.05.2017

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Stuttgarter Ballett | Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. SchaeferStuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Der Tod in Venedig von Benjamin Britten

„Der Künstler und seine Beziehung zum Schönen“

Demis Volpi choreografiert und inszeniert Benjamin Brittens  Tod in Venedig            Matthias Klink begeistert als Gustav von Aschenbach

Tod in Venedig an der Oper Stuttgart: Weitere Aufführungen: 11.05., 14.05., 18.05., 25.05., 05.06., 18.06., 07.07. und 19.07.2017

Von Peter Schlang

Thomas Manns weltberühmte, 1913 erschienene Novelle Der Tod in Venedig hat zahlreiche Vertreter ganz unterschiedlicher Kunstgattungen zu Bearbeitungen und Adaptionen inspiriert, von denen Luchino Viscontis Film aus dem Jahr 1971 wohl die bekannteste und populärste ist. Oder sollte man sagen war? Denn zwei Jahre später, am 16. Juni 1973, wurde beim Aldeburgh Festival im englischen Snape Benjamin Brittens letzte Oper Death in Venice uraufgeführt, zu der Myfanwy Piper in enger Abstimmung mit dem Komponisten – sozusagen im Gleichschritt mit dessen Komposition – aus Manns Vorlage das Libretto entwickelt hatte. Die beiden kannten sich von mehreren gemeinsamen Opernprojekten, so dass Pipers Aussage großen Wahrheitsgehalt besitzt, dass sich der Komponist schon viele Jahre mit Thomas Manns Stoff und dem Gedanken beschäftigt hatte, daraus eine abendfüllende Oper zu schaffen.

Oper Stuttgart / Tod in Venedig - Matthias Klink als Gustav von Aschenbach © Oper Stuttgart

Oper Stuttgart / Tod in Venedig – Matthias Klink als Gustav von Aschenbach © Oper Stuttgart

Ursprünglich war die Stuttgarter Staatsoper im Jahr 1976 als Ort der deutschen Erstaufführung von Der Tod in Venedig vorgesehen, doch wegen des Todes des Komponisten im gleichen Jahr und anderer Gründe konnte dieser Plan nicht realisiert werden. So gelangte die letzte Oper Brittens sage und schreibe erst gut 40 Jahre später, am 7. Mai dieses Jahres, zum ersten Mal auf die Stuttgarter Opernbühne. Fast zwei Jahre nahmen Konzeption, Erarbeitung, Umsetzung und Vorbereitung dieser mit Spannung erwarteten Inszenierung in Anspruch, eine lange, für eine Neuproduktion nicht selbstverständlich zur Verfügung stehende Zeit. Diese wurde, das sei vorweg bemerkt, bestens und effizient genutzt, so dass sich das Warten in jeder Hinsicht gelohnt hat.

Die Realisierung dieses ambitionierten Vorhabens erfolgte nach Glucks Orpheus und Eurydike vor acht Jahren zum zweiten Mal als Koproduktion von Oper und Ballett. Was an anderen Häusern möglicherweise ohne großen Kommentar geschieht, ist im Stuttgarter Kontext besonderer Erwähnung wert, sind doch beide Sparten als Stuttgarter Oper und Stuttgarter Ballett gleichermaßen selbstständig wie auf ihre je eigene Tradition bedacht wie stolz.

Oper Stuttgart / Tod in Venedig_ David Moore als Apollon © Oper Stuttgart

Oper Stuttgart / Tod in Venedig_ David Moore als Apollon © Oper Stuttgart

Nach außen besonders sichtbar wird diese Zusammenarbeit in der Person des Regisseurs, als der Demis Volpi, seit 2013 Haus-Choreograph des Stuttgarter Balletts, erstmals an seinem Stammhaus bei einer Opernproduktion Regie führte. Diese Personalentscheidung drängte sich nicht nur deshalb auf, weil Volpi bereits bei den Winterfestspielen 2014 in Schwetzingen mit Niccolò Jommelis Oper Fetonte sein Regietalent gezeigt und bei mehreren eigenen Handlungsballetten sein dramaturgisch-theatralisches Gespür und seine hohe Begabung für Personenführung und -Profilierung eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte. Sie erweist sich vor allem auch vor der Tatsache als logisch oder gar zwingend, dass Britten und seine Librettistin die Rollen des polnischen Jungen Tadzio und seiner Familie mit Tänzern besetzt und dem Tanz großen Raum eingeräumt haben. Die beiden Schöpfer dieses späten Meisterwerks wollten damit unterstreichen, dass diese Figuren aus einer völlig anderen Welt als der Protagonist Gustav von Aschenbach stammen und eine Kommunikation zwischen diesen beiden Polen in jeder Hinsicht „unmöglich“ ist.

Der Regie-Choreograf Volpi durfte seine Herkunft und frühe Meisterschaft auch dadurch beweisen, dass der bei Britten/Piper nur als körperlose Stimme zu hörende Apollon in der Stuttgarter Aufführung doppelt besetzt ist: Der aus dem Orchestergraben zu hörende wunderbar geführten Stimme des fabelhaften Countertenors Jake Arditti verleiht der nicht minder famose und präsente erste Solist des Stuttgarter Balletts, David Moore, auf der Bühne beeindruckende und Sinn stiftende körperliche Präsenz.
Auch in der szenischen Umsetzung des Opernstoffes zeigt sich Volpis am Ballett geschulte, nach innen weisende, eher leise daherkommende sublime Ästhetik, die bei der Darstellung von Äußerlichkeiten sehr behutsam vorgeht und bis auf einige Chorszenen und den Dionysos-Traum Aschenbachs auf Überzeichnung verzichtet.

Oper Stuttgart / Tod in Venedig - Matthias Klink und Staatsopernchor © Oper Stuttgart

Oper Stuttgart / Tod in Venedig – Matthias Klink und Staatsopernchor © Oper Stuttgart

So werden in Stuttgart die Opernfreunde enttäuscht, die ein reales Venedig mit dazu passenden Klischeebildern erwartet hatten. Denn auf der Bühne zeigt sich weder das Schiff, welches den Dichter Aschenbach in die Serenissima bringt, noch wird etwas von der Silhouette der Stadt oder ihres Strandes sichtbar. Demis Volpi und seine mit ihm in jahrelanger künstlerischer Partnerschaft verbundene bewährte Ausstatterin Katharina Schlipf führen die Zuschauerinnen und Zuschauer vielmehr in eine eher statisch-neutrale Situation, die alle Merkmale einer intimen, in sich ruhenden Innenwelt aufweist. Sie bietet der Handlung einen kammerspielhaften Rahmen, von dem nicht präzise zu sagen ist, ob damit Aschenbachs Seele oder Gefühlswelt gemeint ist oder doch die Möglichkeit einer realen Reise angedeutet werden soll. Auf jeden Fall lässt der von Schlipf entworfene Bühnenraum mit seinen beweglichen Spiegeln, Vorhängen, Glaswänden und Türen breiten Raum für die Phantasie des Betrachters, vor dessen innerem Auge sich durchaus Spuren der venezianischen Kanäle und Gassen oder des lebhaften Treibens auf Plätzen und Stränden zeigen mögen. Viel naheliegender ist allerdings die Vermutung einer Reise ins Innenleben des alternden, in einer tiefen Krise steckenden Dichters Aschenbach, so dass man die Stuttgarter Inszenierung, wie schon Thomas Manns geniale Urfassung, als großartiges und fesselndes Kopfkino bezeichnen kann.
Daran, dass dies ohne jeden Abstrich gelingt und die stellenweise durchaus langatmigen Monologe Aschenbachs nicht in Langeweile münden, hat neben der schlüssigen Regie und Choreografie und der diese sehr sensibel unterstützenden Lichtregie Reinhard Traubs der in jeder Hinsicht phänomenale Tenor Matthias Klink überragenden Anteil. Was dieser begnadete Sängerdarsteller über 150 Minuten an stimmlicher wie schauspielerischer Präsenz zeigt – sein Aschenbach ist fast immer am Bühnengeschehen beteiligt – ist schlicht sensationell.

Oper Stuttgart / Tod in Venedig - Georg Nigl als ältlicher Geck, Matthias Klink und Staatsopernchor © Oper Stuttgart

Oper Stuttgart / Tod in Venedig – Georg Nigl als ältlicher Geck, Matthias Klink und Staatsopernchor © Oper Stuttgart

So ist seine stimmliche Ausdrucks- und Gestaltungskraft genauso bewundernswert wie der Facettenreichtum seiner Stimme, und die Art und Weise, wie er dem Gesungenen durch sein überragendes schauspielerisches Können Glaubwürdigkeit verleiht, lässt einen eher an einen Film als an eine live erlebte Oper denken.
Kaum weniger beeindruckend ist an diesem Premierenabend der Bariton Georg Nigl in den Aschenbach von Britten teils zur Seite teils gegenübergestellten sieben Hermes- und Todesfiguren. Auch er verleiht durch seine Stimmführung und seine ganz unterschiedlichen Stimmregister sowie durch sein darstellerisches Können den jeweiligen Charakteren spezielle Prägung und Glaubwürdigkeit. So besitzen sowohl sein eher teilnahmslos wirkender Gondoliere wie sein unterwürfig-schleimiger Hotelmanager als auch die anderen von ihm verkörperten Rollen jene Aura, der man sich im richtigen Leben eher nicht ausgesetzt sehen möchte.
Auch alle anderen Sängerinnen und Sänger, die von Britten ja eher mit kleineren Rollen bedacht wurden, tragen an diesem denkwürdigen Maienabend ihren Teil zum überragenden Erfolg des ersten Stuttgarter Todes in Venedig bei. Und wie eigentlich immer am Stuttgarter Opernhaus gilt dieses eher untertriebene Urteil auch für den Opernchor, der, von Christoph Heil fabelhaft vorbereitet, in all seinen Rollen und Szenen stimmlich wie optisch überzeugt, ja begeistert.

Oper Stuttgart / Tod in Venedig - Georg Nigl, Matthias Klink, Gabriel Figueredo als Tadzio und Staatsopernchor © Oper Stuttgart

Oper Stuttgart / Tod in Venedig – Georg Nigl, Matthias Klink, Gabriel Figueredo als Tadzio und Staatsopernchor © Oper Stuttgart

Bevor zur Vervollständigung der Würdigung der musikalischen Seite das Staatsorchester Stuttgart sein verdientes Lob erhält, soll zuerst und endlich die eingangs nur kurz erwähnte Sparte gewürdigt werden, die von Britten mit einem wichtigen wie eigenständigen Beitrag versehen wurde und von offizieller Seite als Ko-Produzent genannt wird: Das Stuttgarter Ballett und seine hier zu erlebenden Tänzerinnen und Tänzer.
Neben dem schon gepriesenen Apollon David Moores ist an diesem Abend aus der Stuttgarter „Erwachsenen-Compagnie“ Joana Romaneiro als distinguierte, etwas unnahbar wirkende polnische Mutter zu erleben. Die herausragenden tänzerischen Akteure sind aber ohne jeden Zweifel die Nachwuchstänzer der hauseigenen John-Cranko-Schule, welche die Schwestern in Tadzios polnischer Familie und seine Spielkameraden am Strand verkörpern. Gerade diese sieben Knaben unterschiedlichen Alters gehen mit jugendlicher Unbekümmertheit wie professioneller Ernsthaftigkeit an ihre Aufgaben heran, dass man sich um die Zukunft der Stuttgarter Compagnie keinerlei Sorgen machen muss. Und dass aus dieser weltberühmten Nachwuchsschmiede ständig Spitzenkräfte hervorgehen, die alsbald als Solistinnen und Solisten ganz im Rampenlicht stehen, zeigt auf eindrucksvolle Weise der 15jährige Darsteller von Aschenbachs Sehnsuchts-Subjekt Tadzio, der aus Brasilien stammende Gabriel Figueredo. Im gebührt an diesem Abend die Tänzerkrone, und er wurde für seine tänzerische wie psychische Ausdruckskraft vom Publikum begeistert gefeiert.

Oper Stuttgart / Tod in Venedig - Mattias Klink, Georg Nigl und Georg Moore © Oper Stuttgart

Oper Stuttgart / Tod in Venedig – Mattias Klink, Georg Nigl und Georg Moore © Oper Stuttgart

Uneingeschränkten Beifall verdienten und erhielten schließlich die Musiker des Staatsorchesters, welches Sängern wie Tänzern ein äußerst verlässlicher Partner war und Brittens anspruchsvolle Partitur höchst sensibel wie sicher zum Klingen brachte. Stellvertretend für seine verdienstvolle Truppe nahm der mit der musikalischen Leitung betraute, aus der Ukraine stammende Dirigent Kirill Karabits den Applaus des Premierenpublikums entgegen, der beim Erscheinen der beiden „Hauptrollen-Sänger“ und der Mitglieder des Balletts orkanartige Ausmaße annahm.
Ovationen und kaum enden wollenden Jubel erhielten aber auch der Chor und das gesamte Produktionsteam dieser beeindruckenden Stuttgarter Neu-Inszenierung, die ohne Zweifel ein weiterer Publikumsmagnet der Stuttgarter Oper werden wird.

Tod in Venedig an der Oper Stuttgart: Weitere Aufführungen: 11.05., 14.05., 18.05., 25.05., 05.06., 18.06., 07.07. und 19.07.2017

Stuttgart, Stuttgarter Ballett, Premiere Ballett Tod in Venedig, 07.05.2017

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Stuttgarter Ballett      |       Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. SchaeferStuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Der Tod in Venedig  von Benjamin Britten

Der Tod in Venedig:  Premiere 7.5.2017 (ausverkauft), weitere Vorstellungen 11.5., 14.5., 18.5., 25.5.2017 und mehr

Acht Jahre ist es her, dass in Glucks Orpheus und Eurydike die erste und bislang einzige gemeinsame Produktion der Oper Stuttgart und des Stuttgarter Balletts auf der Bühne des Opernhauses realisiert wurde. Für Benjamin Brittens Der Tod in Venedig nach Thomas Manns weltberühmter Novelle hebt sich am Sonntag, 7. Mai 2017, um 18 Uhr nun erneut der Vorhang für eine Koproduktion der beiden Sparten. Damit wird erstmals nach über 40 Jahren wieder ein Werk des britischen Komponisten auf der Stuttgarter Opernbühne zu erleben sein.

Demis Volpi, der nach seinem durchschlagenden Erfolg Krabat 2013 zum Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts ernannt wurde, inszeniert und choreografiert Brittens spätes Meisterwerk. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Kirill Karabits. Der ukrainische Dirigent feierte bereits 2014 im 3. Sinfoniekonzert mit Werken von Brahms und Britten sein erfolgreiches Debüt am Pult des Staatsorchesters Stuttgart. Die Ausstattung entwirft Katharina Schlipf. Sie verbindet eine langjährige künstlerische Partnerschaft mit Demis Volpi. Zuletzt entwickelte Schlipf die Ausstattung für Demis Volpis erste Opernregie, Jommellis Fetonte bei den Winterfestspielen in Schwetzingen im Jahr 2014 und für sein Handlungsballett Der Nussknacker (2016) am Königlichen Ballett Flandern.

An der Spitze des Sängerensembles werden zwei Stuttgarter Publikumslieblinge ihre Rollendebüts geben: Tenor Matthias Klink aus dem Ensemble der Oper Stuttgart interpretiert erstmals Gustav von Aschenbach. An seiner Seite debütiert der österreichische Bariton Georg Nigl in der Partie seines zahlreiche Rollen verkörpernden „Gegenspielers“ (Reisender, Ältlicher Geck, Alter Gondoliere, Hotelmanager, Coiffeur des Hauses, Führer der Straßensänger, Dionysos). Vor zwei Jahren wurde Nigl für sein schonungsloses Portrait des Jakob Lenz in Wolfgang Rihms gleichnamiger Oper in Stuttgart zum „Sänger des Jahres“ gekürt. In den Rollen des Apollon und der Polnischen Mutter werden mit dem Ersten Solisten David Moore und mit Joana Romaneiro bzw. Martí Fernandez Paixa und Alicia Garcia Torronteras Tänzerinnen und Tänzer des Stuttgarter Balletts zu sehen sein, während weitere tänzerische Rollen von Schülern der John Cranko Schule übernommen werden. Es ist das erste Mal, dass die John Cranko Schule an einer Koproduktion beteiligt ist.

In seiner letzten Oper kondensiert Britten den künstlerischen und menschlichen Ertrag seiner gesamten Komponistenlaufbahn. Demis Volpi lässt sich von Brittens vielschichtiger Musik und dem episodenhaften Libretto von Myfanwy Piper gleichermaßen inspirieren: „Mehr als nur eine Reise in die geschichtsträchtige Lagunenstadt Venedig, sehe ich Brittens Tod in Venedig als eine Reise in die Psyche der Hauptfigur Aschenbach, eine Erkundung seines emotionalen, geistigen und letztlich körperlichen Zustandes. Brittens Musik hat viele ,Sprachen‘ und dies erlaubt uns, die Geschichte in surrealen Bildern zu erzählen. Sehr spannend ist auch die Konfrontation zwischen Aschenbach und der Figur – den eigentlich sieben verschieden Figuren – des erstmals als Reisenden erscheinenden Gegenspielers. Wir gehen der Frage nach, wer eigentlich hinter diesen vielen Rollen steckt, die von Britten so konzipiert wurden, dass sie alle vom selben Sänger verkörpert werden.

Bühnen- und Kostümbildnerin Katharina Schlipf: „Auch die Bühne wird von Aschenbachs geistigem Zustand geprägt. Er kann Wirklichkeit und Traum immer weniger auseinanderhalten: Figuren treten aus dem Nebel, aus den labyrinthartigen Gassen der Stadt, auf und ab. Die apollinischen und dionysischen Traumsequenzen spiegeln das Exotische in Brittens Musik wider. Sie stellen den Verfall sowohl der klassischen Kunst als auch Aschenbachs Zustand dar und bieten gleichzeitig eine ironische Ebene, mit der wir auch spielen.“


Begleitveranstaltungen –  Der Tod in Venedig

Öffentliche Probe:  Samstag, 22. April 2017, 9.45 – 11.30 Uhr, Opernhaus
Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Probenarbeit.

Einführungsmatinee:  Sonntag, 23. April 2017, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang
Das Produktionsteam gibt interessierten Opernbesuchern einen Einblick in die Konzeption der Neuinszenierung.

Nach(t)gespräche:  Sonntag, 25. Mai 2017, Samstag, 18. Juni 2017
Das Produktionsteam beantwortet im Anschluss an die Vorstellung Fragen

Einführung vor jeder Vorstellung:  Eine Einführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang, statt.

Karten über:  www.oper-stuttgart.de und www.stuttgarter-ballett.de, Kartentelefon: 0711. 20 20 90 undan der Abendkasse. PMOSt

 

 

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