Frankfurt, Oper Frankfurt, HIGHLIGHTS – AUGUST / SEPTEMBER 2019

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO


HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM OKTOBER 2019


Oper Frankfurt / Manon Lescaut / Lorenzo Viotti © Martin Straka

Oper Frankfurt / Manon Lescaut / Lorenzo Viotti © Martin Straka

Sonntag, 6. Oktober 2019, um 18.00 Uhr im Opernhaus
Premiere
MANON LESCAUT
Dramma lirico in vier Akten von Giacomo Puccini
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Lorenzo Viotti / Takeshi Moriuchi; Regie: Àlex Ollé
Mitwirkende: Asmik Grigorian (Manon Lescaut), Iurii Samoilov (Lescaut),
Joshua Guerrero (Chevalier Renato Des Grieux), Donato Di Stefano (Geronte de Ravoir),
Michael Porter (Edmondo), Magnús Baldvinsson (Der Wirt), Bianca Andrew (Ein Musiker),
Jaeil Kim (Ein Tanzmeister), Santiago Sánchez (Der Laternenanzünder),
Božidar Smiljani? (Der Sergeant), Pilgoo Kang (Der Kapitän)

Weitere Vorstellungen: 10., 13. (18.00 Uhr), 18., 25., 27. (15.30 Uhr) Oktober,
2., 9. (18.00 Uhr), 15., 23. November 2019

Oper Frankfurt / Manon Lescaut -  Asmik Grigorian © Algirdas Bakas

Oper Frankfurt / Manon Lescaut – Asmik Grigorian © Algirdas Bakas

Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Manon Lescaut von Giacomo Puccini (1858-1924) kam 1893 in Turin zur Uraufführung.

Mit diesem Werk, das rasch internationale Verbreitung fand, legte der italienische Opernkomponist den Grundstein für seinen Erfolg, der sich mit La Bohème, Tosca und Madama Butterfly fortsetzen sollte. Bereits ein Jahrzehnt zuvor hatte sich Jules Massenet des Stoffes angenommen, der auch Puccinis dritter Oper zugrunde liegt: der Roman Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut (1731) des Franzosen Abbé Prévost. Nicht weniger als acht Autoren waren an der Entstehung des Textes beteiligt, darunter auch der Komponist selbst, der sich einschneidende Kürzungen vorbehielt. 20 Jahre nach der Inszenierung durch Alfred Kirchner kehrt das Werk nun auf den Frankfurter Spielplan zurück.

Zum Inhalt: Manon, die auf Geheiß ihres Vaters ins Kloster gebracht werden soll, erreicht mit ihrem Bruder Lescaut die Stadt Amiens. Dort verliebt sich der Student Des Grieux augenblicklich in sie. Doch auch der Steuereintreiber Geronte zeigt Interesse an dem Mädchen und plant dessen Entführung. Des Grieux kommt ihm zuvor und ergreift mit Manon die Flucht. Da er aber ihrem Luxusbedürfnis nicht gerecht werden kann, verlässt sie ihn für Geronte. Mit ihm lebt sie in Wohlstand zusammen, bis sie die Sehnsucht nach Des Grieux plagt. Als beide wiedervereint sind, wollen sie abermals fliehen. Manon wird jedoch verhaftet und deportiert. Des Grieux darf sie nach Amerika begleiten. Dort stirbt Manon auf der erneuten Flucht in den Armen des Geliebten. Die musikalische Leitung liegt bei Lorenzo Viotti, der nach Werther und Tosca an den

Main zurückkehrt. Seit 2018/19 fungiert er als Chefdirigent des Orquestra Gulbenkian in Lissabon. 2021/22 wird er in gleicher Position an die Dutch National Opera & Ballet in Amsterdam wechseln. Zu seinen Plänen gehören u.a. Gounods Roméo et Juliette an der Mailänder Scala und La Bohème an der Opéra National de Paris. Àlex Ollé (Regie) gehört zu dem international tätigen katalanischen Künstlerkollektiv La Fura dels Baus und gab 2016/17 sein Frankfurter Hausdebüt mit dem Doppelabend La Damoiselle élue und Jeanne d’Arc au bûcher (Wiederaufnahme 2019/20). 2020 kehrt er für Montemezzis L’amore die tre re an die Mailänder Scala zurück. Nach ihrem überwältigendem Erfolg als Strauss’ Salome 2018 in Salzburg (Wiederaufnahme 2019) gab Asmik Grigorian (Manon) in Frankfurt ihr bejubeltes Debüt als Tschaikowskis Iolanta. Geplant sind Janá?eks Jen?fa am Londoner Covent Garden sowie Bellinis Norma am Theater an der Wien. Der amerikanische Tenor Joshua Guerrero gibt als Des Grieux sein Bühnendebüt in Deutschland. Zu seinen aktuellen Engagements gehören Pinkerton in Madama Butterfly in Glyndebourne (2018) und Rodolfo in La bohème in Toronto (2019). Angeführt von Iurii Samoilov (Lescaut) sind fast alle weiteren Partien mit Angehörigen des Ensembles und des Opernstudios der Oper Frankfurt besetzt.


Oper Frankfurt / Schwergewicht oder Die Ehre der Nation  v.l.n.r. Der Diktator, Evelyne, Gaston und Adam Ochsenschwanz sowie vorne Statisterie der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Schwergewicht oder Die Ehre der Nation v.l.n.r. Der Diktator, Evelyne, Gaston und Adam Ochsenschwanz sowie vorne Statisterie der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Freitag, 11. Oktober 2019, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Erste Wiederaufnahme
DREI KURZOPERN
DER DIKTATOR – SCHWERGEWICHT ODER DIE EHRE DER NATION – DAS GEHEIME KÖNIGREICH
von Ernst K?enek
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Lothar Zagrosek; Inszenierung: David Hermann
Mitwirkende Der Diktator: Davide Damiani (Der Diktator), Angela Vallone (Charlotte, seine Frau), Vincent Wolfsteiner (Der Offizier), Juanita Lascarro (Maria, seine Frau)
Mitwirkende Schwergewicht oder Die Ehre der Nation: Barnaby Rea (Adam Ochsenschwanz, Meisterboxer), Barbara Zechmeister (Evelyne, seine Frau), Jonathan Abernethy (Gaston, ein Tanzmeister),
Danylo Matviienko (Professor Himmelhuber), Judita Nagyová (Anna Maria Himmelhuber, seine Tochter),
Michael McCown (Ein Journalist / Ein Regierungsrat)
Mitwirkende Das geheime Königreich: Davide Damiani (Der König), Ambur Braid (Die Königin), Sebastian Geyer (Der Narr), Peter Marsh (Der Rebell), Florina Ilie, Julia Moorman, Judita Nagyová (Drei singende Damen), Jonathan Abernethy, Pilgoo Kang (Zwei Revolutionäre)

Weitere Vorstellungen: 19., 26. Oktober, 1. November 2019
Alle diese Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Das geheime Königreich - Ambur Braid (Die Königin; oben) und Sebastian Geyer (Der Narr; unten) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das geheime Königreich – Ambur Braid (Die Königin; oben) und Sebastian Geyer (Der Narr; unten) © Barbara Aumüller

Ernst K?enek (1900-1991) vertonte seine Drei Kurzopern in unterschiedlichen musikalischen Stilen: den Diktator als tragische Oper mit veristischen Anklängen, das Schwergewicht als burleske „Operette“ mit den Modetänzen der Zeit und das Königreich als schillernde Märchenoper à la Schreker. Wie schon bei ihrer Uraufführung 1928 in Wiesbaden verfehlten die an der Oper Frankfurt neu inszenierten Werke anlässlich ihrer Premiere am 30. April 2017 ihre Wirkung nicht: „Den großen, allerdings orchestral auch ziemlich druckvollen Bogen spannt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester über alles, mit Lothar Zagrosek als Dirigent, der diese hoch intelligente, witzige, manchmal alberne und skurrile, dabei plötzlich immer wieder auch tief beklemmende Wiederentdeckung musikalisch aufwertet“ (Wiesbadener Kurier). Und die Radiokritikerin von SWR2 / Kultur aktuell berichtete: „Regisseur David Hermann (…) sucht in K?eneks Kurzopern die roten Fäden zusammen und verknotet sie gemeinsam mit einer hervorragenden Sänger-Schauspieler-Riege zum schlüssigen Ganzen.“ Auch die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung ging in diese Richtung: „Auf der Frankfurter Bühne wird dies alles von einem engagierten Sängerensemble in der fantasievollen Regie von David Hermann liebevoll umgesetzt. Vor allem Davide Damiani als Diktator und König und Ambur Braid als absinthgrün gekleidete, feengleiche Königin, die wie ein perfekt funktionierender Koloraturenautomat durch den Zauberwald geistert, gelingen eindrucksvolle Rollenporträts.“ 2018 wurde die Frankfurter Produktion bei den International Opera Awards als „Wiederentdeckung des Jahres“ ausgezeichnet.

Zum Inhalt: Der Diktator begehrt Maria. Sie ist zu ihm gekommen, um Rache für ihren Ehemann zu nehmen, der als Offizier im Krieg sein Augenlicht verloren hat. Daraufhin schießt Charlotte, die eifersüchtige Frau des Herrschers, auf ihren Mann und tötet dabei die vermeintliche Rivalin. Im Glauben, das Attentat sei geglückt, verrät der blinde Soldat den mörderischen Plan. – Meisterboxer Adam Ochsenschwanz ist ein wahres Schwergewicht. Als er bemerkt, dass seine Frau Evelyne ihn mit ihrem Dauertanzpartner Gaston betrügt, schlägt er das Inventar seines Ateliers kurz und klein. Bevor Evelyne und Gaston das Weite suchen, setzen sie Adams Trainingsapparat unter Strom… – In einem geheimen Königreich streiten die Frau des resignierten Herrschers und ein Rebell um die Macht. Als das Volk den Palast stürmt, tauscht der König mit dem Narren die Kleider und flieht, wie die Königin und der Aufrührer, in den nahegelegenen Zauberwald. Dort kommt es zu einer erotischen Begegnung zwischen Rebell und Herrscherin, woraufhin sie in einen Baum verwandelt wird. An dessen Ästen will sich der entmutigte König erhängen. Gerade noch rechtzeitig wird er durch die Stimme seiner Frau in Schlaf versetzt, wodurch er die Schönheit seines Reiches erkennt. Das Stück schließt mit dem Epilog des Narren.

Neben den bereits erwähnten Künstlern Davide Damiani (Diktator, König) und Ambur Braid (Königin) sind auch weitere premierenbewährte Sänger wie Vincent Wolfsteiner (Offizier), Sebastian Geyer (Narr) und Peter Marsh (Rebell) wieder mit von der Partie. Alle Neubesetzungen wurden vorwiegend aus dem Ensemble und dem Opernstudio der Oper Frankfurt vorgenommen: So singt z.B. im Diktator Angela Vallone die Charlotte, während Juanita Lascarro, die diese Partie in der Premiere verkörpert hatte, nun deren Rivalin Maria übernimmt. Im Schwergewicht verkörpert Barnaby Rea den Adam Ochsenschwanz neben Jonathan Abernethy (Gaston), Danylo Matviienko (Professor Himmelhuber) und Judita Nagyová (Anna Maria Himmelhuber).


Oper Frankfurt / Pretty Yende © Gregor Hohenberg / Sony Classic

Oper Frankfurt / Pretty Yende © Gregor Hohenberg / Sony Classic

[Von Pretty Yende wurden verschiedene Aufnahmen bei Sony Classic veröffentlicht.]

Dienstag, 29. Oktober 2019, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Liederabend
PRETTY YENDE, Sopran
MICHELE D’ELIA, Klavier
Lieder von Robert Schumann, Gaetano Donizetti, Paolo Tosti, Richard Strauss und
Johann Strauß Sohn
Preise: € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Ihre Geschichte klingt wie ein Opernmärchen: Geboren in einer südafrikanischen Kleinstadt, hörte Pretty Yende mit 16 Jahren das berühmte Blumenduett aus Delibes Lakmé in einem Werbespot und war seitdem davon besessen, eines Tages selbst zu singen. Sie hatte Glück, gewann ein Stipendium für ein Studium in Kapstadt und eroberte in Rekordgeschwindigkeit die Bühnen dieser Welt. Als erste Künstlerin überhaupt gewann sie 2009 erste Preise in sämtlichen Kategorien des Belvedere-Gesangswettbewerbs in Wien; bei Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb 2011 war sie ebenfalls Gewinnerin aller Kategorien. 2010 wurde sie in die Akademie der Mailänder Scala aufgenommen und gab ihr Debüt als Berenice (L’occasione fa il ladro). Mit ihrem sensationellen Debüt 2013 in einer anderen Rossini-Partie, als Comtesse Adèle (Le comte Ory) an der MET in New York gelang der internationale Durchbruch. Ihr klarer lyrischer Sopran klingt blitzsauber, strahlend in den Höhen und virtuos in den Koloraturen.
Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei unseren bekannten Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.

Zur Absprache der Vorberichterstattung, Bestellung von Fotomaterial und Reservierung von Pressekarten ist Holger Engelhardt (Leitung Pressereferat) unter der Telefonnummer 069 – 212 46 727 erreichbar. Seine Faxnummer lautet 069 – 212 37 164, oder senden Sie eine E-Mail an holger.engelhardt@buehnen-frankfurt.de.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Ernst Krenek – Drei Opern, IOCO Kritik, 19.05.2017

Mai 19, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Oper Frankfurt

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Die drei Opern von Ernst Krenek an der Oper Frankfurt
„Von Diktatoren und Blondinen“

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Die drei Opern – Der Diktator, Schwergewicht oder Die Ehre der Nation und Das Geheime Königreich – wurden 1928 unter der Leitung von Joseph Rosenstock in Wiesbaden uraufgeführt, an der Oper Frankfurt dagegen wurde dieses Triptychon zum ersten Mal gezeigt. Die ursprüngliche Abfolge der Stücke hat David Hermann, der Regisseur der Frankfurter Inszenierung, geändert: das mittlere Stück setzte er an den Schluss, was dem Ganzen ein emotionales und versöhnliches Ende gibt. Bei Krenek, der auch das Libretto verfasste, geht die Machtmaschinerie unaufhaltsam weiter.

Oper Frankfurt / Der Diktator Sara Jakubiak als Maria - Davide Daminani als Diktator © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Der Diktator Sara Jakubiak als Maria – Davide Daminani als Diktator © Barbara Aumueller

Der Diktator

Das Bühnenbild erinnert an die Entstehungszeit des Stückes, die Epoche des Art Déco, auch die Kostüme deuten in diese Richtung: Ein nobles Grandhotel am Genfer See, in dem, so Ernst Krenek, „eine blutige Episode aus dem Privatleben eines dem Duce-Typus nachgebildeten Charakters“ geschildert wird. Der Diktator – ein grandioser Davide Damiani – wartet auf den Abgesandten eines kleineren Landes, um diesem den Krieg zu erklären. Charlotte, die blonde und agile Diktatorengattin, wird von Eifersucht geplagt und versucht ihren Mann vom geplanten Kriegsgang und seinen amourösen Abenteuern abzuhalten. Es wird schiefgehen, denn es gibt noch andere Hotelgäste, wie den Offizier und seine Frau Maria. Dieser vom Giftgas erblindete Offizier erzählt Maria von den Schrecknissen des Krieges. Erschüttert schwört sie, sich dafür am Diktator zu rächen. Sie sucht ihn auf, und es folgt ein verbaler Kampf, in dem Maria dem „Charme“ des Diktators fast erliegt, als Charlotte, die die Szene heimlich beobachtet hat, schießt. Sie trifft jedoch nicht ihren Mann, sondern Maria. Der dazu gekommene blinde Offizier wird auf seine Frage: „Maria, hast Du’s getan?“, keine Antwort mehr erhalten.
Vincent Wolfsteiner verleiht der Figur des blinden Offiziers eine vokale Präsenz, die die Versehrtheit an Leib und Leben unterstreicht. Sara Jakubiak, als seine Frau Maria, ist vokal und darstellerisch sehr überzeugend – ihr Schrecken über die Kriegsschilderungen ihres Mannes ist echt. Echt ist auch die emotionale Achterbahn von Charlotte, einer künstlich blondierten und aufgeputzten Frau, der am Ende nur noch die (unsinnige) Verzweiflungstat bleibt. Juanita Lascarros ausgezeichnete Darbietung stellt ihre Figur nie bloß, sondern verleiht der tragischen Rolle eine gewisse Würde.

Oper Frankfurt / Schwergewicht oder.. v.l.n.r. Davide Damiani Der Diktator - Barbara Zechmeister als Evelyne -Michael Porter als Gaston - Simon Bailey als Adam Ochsenschwan - Statisterie © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Schwergewicht oder.. v.l.n.r. Davide Damiani Der Diktator – Barbara Zechmeister als Evelyne -Michael Porter als Gaston – Simon Bailey als Adam Ochsenschwan – Statisterie © Barbara Aumueller

Schwergewicht oder die Ehre der Nation

Das kürzeste Stück ist eine burleske Operette, alte Filmpossen erweckend, in der es um „Schwergewichte“ der anderen Art geht. Wieder ist eine blonde Frau im Spiel, Erotik und Macht sind auch hier die beiden Pole, was als Spiel im Spiel präsentiert wird. Nur diesmal ist es ein Mann, der Meisterboxer Adam Ochsenschwanz, den die Eifersucht umtreibt. Seinem Drama wohnt der Diktator nebst Entourage als Publikum etwas weiter unten auf der Bühne sitzend bei. Ochsenschwanz weiß um die Untreue seiner blonden, schrill gekleideten und frivolen Frau, die immer wieder mit dem Tanzmeister Gaston zugange ist. Noch jubelt der Diktator über diese Farce, doch als er entdeckt wird, versucht ihn die Truppe auf ihre kleine Bühne zu holen. Anna Maria Himmelhuber, die Tochter von Professor Himmelhuber, der den Boxer mit einer Ehrendoktorwürde auszeichnen will, soll als Lockvogel dienen, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen – es gelingt, er wird in einem Austronautenmobile zur Strecke gebracht, nicht ohne zuvor vom Regierungsrat die Auszeichnung „Ehre der Nation“ erhalten zu haben. Am Ende kracht es gewaltig, denn Adam Ochsenschwanz hat tatsächlich Sprengstoff in der Hand.
Simon Bailey ist in jeder Hinsicht ein wundervoller Ochsenschwanz, und weiß in Barbara Zechmeister als blonde, tanzerprobte Gattin Evelyne eine ebenso mitreißende Partnerin an seiner Seite. Michael Porter ist ein geschmeidiger Gaston, Ludwig Mittelhammer ein herrlich unbeholfener Professor Himmelhuber, Nina Tarandek die naiv-verführerische Anna Maria Himmelhuber und Michael McCown überzeugt als Journalist bzw. Regierungsrat.

Oper Frankfurt / Das geheime Koenigreich © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Das geheime Koenigreich © Barbara Aumueller

Das geheime Königreich

Mit einer lyrischen Märchenoper en miniature endet der Abend: Ein Zauberwald wird uns dargeboten, in dem die Protagonisten herumirren, um am Ende doch zu einem hoffnungsvollen Schluss zu gelangen. Bis es soweit ist, gibt es ein auf zwei Stockwerke geteiltes, reichlich ramponiertes Haus – hat Ochsenschwanz’ Sprengstoff das Dach weggesprengt? – zu sehen, und den tiefen Fall eines Monarchen – nur ein anderes Wort für „Diktator“. Wie es sich gehört, taucht auch ein Narr auf, der nur in diesem Stück eine Rolle hat, aber wie eine Art Conférencier zuvor die vorhergehenden Spielorte ansagte. Der König verliert seinen Kronreif an ihn, weil er sein Rätsel nicht lösen kann, die „blonde“ Königin giert danach, verliebt sich aber in den gefangenen Rebellenführer, der ebenfalls von diesem Reif träumt. Nun soll dem Narren ebendieser mit Hilfe der drei Damen – die drei Zauberflöten-Damen „winken“ freundlich über die Jahrhunderte – mit vergiften Wein verführt werden, doch dieser wirkt nicht. Erst beim Kartenspiel verliert er die Krone an die Königin, die daraufhin den gefangenen Rebell freilässt; prompt stürmen die anderen das Gebäude, dem König gelingt im Narrenkleid die Flucht in den Zauberwald. Auch der Rebell gelangt dorthin, doch bei dem Versuch, der Königin den Kronreif abzunehmen, verwandelt sie sich – sie trägt ja ein grünes Ritterkostüm – in einen Baum. Die Rebellen erkennen den König nicht und lassen ihn leben, dieser findet endlich seine Erfüllung in der Natur, die nun sein Reich wird. Und weil es ein Märchen ist, endet es mit der wohlmeinenden Aufforderung des Narren: „Auf Wiedersehen!“
Davide Damiani – wie schon im ersten Stück hervorragend – ist der König, Ambur Braid gibt eine herrlich gierige Königin, Sebastian Geyer ist ein grandioser Narr, Peter Marsh singt mit schöner Höhe den schwankenden Rebell, Alison King, Julia Dawson und Judita Nagyová (die drei singenden Damen) sind einfach umwerfend. Michael McCown und Dogus Güney als Revolutionäre sowie Michael Porter als Wächter komplettieren das wunderbare Sängerensemble.

Die musikalische Leitung lag bei Lothar Zagrosek in sicheren Händen, der mit dem Orchester die unterschiedlichen Klangfarben und Kontraste der Stücke hervorragend herausarbeitete. Für das Bühnenbild zeichnete Jo Schramm, für die Kostüme Katharina Tasch und für das Licht Olaf Winter verantwortlich. Für den (nicht sichtbaren) Chor im Geheimen Königreich war Markus Ehmann zuständig.

David Hermanns Inszenierung setzt auf die grotesken, aberwitzigen und auch zwischenmenschlichen Momente, weniger auf den „politischen“ Kontext in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts. Die Verschränkung der drei Stücke – in dem das Personal weitergereicht und damit auch die scheinbar ewige Verbindung von männlicher Macht und weiblicher Verführungskunst durchdekliniert wird – profitiert davon, dass alle Sänger und Sängerinnen beeindruckend sanges- und spielfreudig sind. Sie beglaubigen nachdrücklich, die unglückselige Verquickung von Macht und Eros. Und nach neunzig Jahren hat Kreneks Triptychon nichts von seiner – politischen – Aktualität eingebüßt. Großer, einhelliger Applaus für alle Beteiligten.

Die drei Opern von Ernst Krenek, letzte Vorstellung der Spielzeit 2016/17  am 21. Mai 2017

—| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—