Münster, Theater Münster, Fünftes Sinfoniekonzert, 26.02.2019

Februar 26, 2019 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Fünftes Sinfoniekonzert
Camille Saint-Saëns, Sergei Rachmaninow, Hector Berlioz

Im Mittelpunkt des 5. Sinfoniekonzerts am Dienstag, 26. Februar um 19.30 Uhr im Großen Haus stehen Werke von Camille Saint-Saëns, Sergei Rachmaninow und Hector Berlioz. Als Solist am Klavier ist der junge Shooting-Star Frank Dupree (Bild) zu erleben; es dirigiert der 1. Kapellmeister Stefan Veselka.

Mit dem Danse Macabre schuf Camille Saint-Saëns eine seiner bekanntesten und beliebtesten Kompositionen, die bis heute immer wieder in unterschiedlichen Kontexten adaptiert wird. Ein dämonischer Spielmann intoniert nach den zwölf Schlägen zur Mitternacht mit einer absichtlich verstimmten Geige den Totentanz der klappernden Gebeine, der sich immer mehr steigert. Dazu ist zum ersten Mal überhaupt das Xylophon eingesetzt. Am Schluss kündigt der Hahn den Morgen an und der Spuk ist vorbei.

Theater Münster / Frank Dupree © Sebastian Heck

Theater Münster / Frank Dupree © Sebastian Heck

Die berühmteste der 24 Capricen des »Teufelsgeigers« Niccoló Paganini inspirierte Sergei Rachmaninow zu einer hochvirtuosen und ausdrucksvollen Rhapsodie für Klavier und Orchester. In diesem Abschluss seines konzertanten Schaffens zieht Rachmaninow nochmals alle Register seines Könnens. Der ganze Farbreichtum des Instruments, aber auch des Orchesters kommt zur Geltung.

Mit dem Geniestreich der Symphonie Fantastique revolutionierte Hector Berlioz das Verständnis der Instrumentalmusik, indem er die Grenzen von Sinfonie, Literatur und Drama auflöste. Damit schuf er die erste Programmmusik nach heutigem Verständnis, wofür er ein großes Orchester verlangte, das zu seiner Zeit alle Dimensionen sprengte. Die Geschichte stellt sein eigenes rauschhaftes Liebesleben dar – drastisch, lustvoll und exzessiv.

Weitere Konzertaufführungen finden am Mittwoch, 27. Februar 2019 19.30 Uhr und am Sonntag, 3. März 18.00 Uhr statt. Eine Stunde vor jedem Konzert findet eine Einführung im Theatertreff statt. Karten sind an der Theaterkasse (Tel.: 5909-100) erhältlich.

—| Pressemeldung Theater Münster |—

Osnabrück, Theater Osnabrück, Der Totentanz – In vier Prägungen, IOCO Kritik, 23.03.2017

März 22, 2017 by  
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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 Der Totentanz in vier Prägungen

Vier Osnabrücker Kulturinstitutionen laden zum Totentanz

Von Hanns Butterhof

Vier Kulturinstitutionen Osnabrücks widmen sich den nächtlichen Tänzen unerlöster Verstorbener. Die Rekonstruktion zweier Totentänze der Tanzlegende Mary Wigman (1886 – 1973) durch die Dance Company des Theaters gab den Impuls für die fruchtbare „Danse Macabre – Totentanz“– Kooperation mit dem Diözesanmuseum, der Kunsthalle Osnabrück und dem Felix-Nussbaum-Haus.

Der Tod behält die Oberhand, auch in den beiden Totentänzen der Tanzlegende Mary Wigman (1886- 1973). Ein Team um Henrietta Horn unter der Projektleitung von Patricia Stöckemann hat die Tanzstücke rekonstruiert, die Dance Company Osnabrück hat sie im Theater am Domhof begeisternd wieder zum Leben erweckt und mit je einer neueren Choreographie von Marco Goecke und Mauro de Candia spannungsreich konfrontiert.

Theater Osnabrück / Totentanz I - Katherine Nakui, Marine Sanchez Egasse, Rosa Wijsman und Cristina Commisso © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Totentanz I – Katherine Nakui, Marine Sanchez Egasse, Rosa Wijsman und Cristina Commisso © Jörg Landsberg

In Mary Wigmans „Totentanz I“ von 1917/1921 herrscht die Groteske vor. Vier harlekineske Figuren mit spitzen Hüten und weiten Umhängen in kräftigen Farben tanzen barfuß sehr rhythmisch zur Camille Saint-Saëns Klavierstück „Danse macabre“. Sie bewegen sich manchmal wie Marionetten, und der Tod holt sie sich alle, ohne dass der Schrecken darüber allzu groß wäre.

Viel eindrucksvoller und weniger harmlos ist die rekonstruierte Fassung „Totentanz II“ von 1926. Zu den packenden, die Dynamik des Geschehens machtvoll unterstreichenden Klängen des Schlagwerks von Frank Lorenz treibt der Tod sein herrisches Spiel mit einer maskenhaft-gesichtslosen Figur. Mit weit ausladenden, auratischen Gesten beherrscht er die Bühne, treibt die leicht Widerständige und sechs willenlose Gestalten vor sich her oder zieht sie wieder saugend zu sich heran. Schließlich lässt er von seinem Opfer ab, das mit den anderen langsam, wie zurück ins Grab, zusammensinkt.

Das anschließende Stück Marco Goeckes, „Supernova“ von 2009, spricht eine völlig andere Tanzsprache, hat mit dem Sterben eines Sterns das Thema mit Wigmans „Totentanz“ gemein. Bei dem jazzig untermalten Stück beeindruckt das in schwarzen Hosen mit glitzerndem Pailletten-Knochengerüst tanzende Ensemble mit der ungeheuren Geschwindigkeit und Präzision der Arm- und Hand-Bewegungen. Als wären alle durchströmt von der Energie, die den Todeskampf eines Sterns vom jähen Aufleuchten bis zum langsamen Verlöschen begleitet.

Theater Osnabrück / Totentanz II - Der Tod ist Herr über alle © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Totentanz II – Der Tod ist Herr über alle © Jörg Landsberg

Den Schlusspunkt des Tanzabends setzt Mauro de Candia mit der Uraufführung seines Stückes „Sacre“. In seiner sehr abstrakten Choreographie ist die Geschichte des zur Frühlingsfeier ausgewählten Menschenopfers nicht mehr zu erkennen. Die archaische Brutalität des Geschehens tobt sich nur in der überlauten Fassung von Igor Strawinskys „Sacre du printemps“ für zwei Klaviere (Denys Proshayev/Nadia Mokhtari) aus. Im Tanz der unterschiedslos in fleischfarbene Ganzkörpertrikots gekleideten Tänzerinnen und Tänzer auf goldenem Grund stirbt nicht das als Opfer ausgewählte Individuum, sondern die Individualität überhaupt; der Totentanz ist im Alltag der Gegenwart angekommen.

Der „Danse Macabre“ im Theater am Domhof ist einer der Glanzpunkte zum Thema Totentanz neben den unbedingt sehenswerten Ausstellungen in der Kunsthalle Osnabrück, dem Diözesanmuseum und dem Felix-Nussbaum-Haus.

Theater Osnabrück / Sacre von Mauro de Candia © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Sacre von Mauro de Candia © Jörg Landsberg

Felix Nussbaum: Triumph des Todes © Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück

Felix Nussbaum: Triumph des Todes © Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück

Im verdunkelten Kirchenschiff der Kunsthalle in der Dominikanerkirche mahnt Icaro Zorbar unter dem Titel „Verweile doch. (Ein Abgesang)“ mit Projektionen von Staub an der Wand eindringlich an unsere Sterblichkeit. Im lichten Kreuzgang dagegen fordern als performative Installationen viele kleine Objekte heiter dazu auf, sich verweilend der eigenen Lebendigkeit bewusst zu werden.
Das gleich neben dem Dom gelegene Diözesanmuseum glänzt unter dem Ausstellungstitel „Im Angesicht des Todes“ mit weit in die Vergangenheit reichenden Exponaten nicht nur zu Totentänzen. Neben beeindruckend alten Totenmess-Gewändern und Ratschlägen für ein heilsames Sterben findet sich aber auch Superman, der die Faust gegen den Tod ballt, doch generell ist Humor selten.

 Ernst Ludwig Kirchner: Der Totentanz der Mary Wigman © Galerie Henze & Ketterer,

Ernst Ludwig Kirchner: Der Totentanz der Mary Wigman © Galerie Henze & Ketterer,

Im von Architekt Daniel Libeskind entworfenen Felix-Nussbaum-Haus ist „Danse Macabre. Tanz und Tod im der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts“ zu sehen. Im Zentrum stehen neben den Bildern vieler anderer Maler zu Tod und Krieg zum einen Werke von Felix Nussbaum, vor allem sein eindrucksvoller „Triumph des Todes“ von 1944. Zum anderen liegt anlassbezogen der Schwerpunkt auf Ernst Ludwig Kirchner. Von ihm sind neben dem großen Ölbild „Totentanz der Mary Wigman“ von 1926 vor allem die schwungvollen Skizzen und expressiven Holzschnitte zu Wigmans Tänzen interessant wie auch die ausdrucksstark bleichen Masken, die Victor Magito 1926 für sie gestaltet hat.

Während die Ausstellung in der Kunsthalle nur bis zum 2. April 2017 dauert, sind die Ausstellungen in den beiden anderen Museen bis 25. Juni zu sehen. Nächste Termine des Tanztheaters:  25. 3.2017 19.30 Uhr, am 12. 3. um 15.00 Uhr.

 Weitere Informationen – www.dansemacabre-osnabrueck.de

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—