Bremen, Theater Bremen, Ein Maskenball – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 03.11.2018

November 4, 2018 by  
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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Ein Maskenball – Giuseppe Verdi

 Opulenz, Liebe, Leidenschaft und Tod an der Weser

Von Michael Stange

Verdis Maskenball ist die typische Dreiecksgeschichte der Oper des 19. Jahrhunderts. Ein Graf (Gustavo) liebt die Frau (Amelia) seines besten Freundes und Sekretärs (Renato). Dies stürzt alle Beteiligten ins Unglück. Liebe, Hass und Leidenschaft, unauflösliche Emotionen und der musikalische Reichtum der Oper sind die Zutaten, die das Publikum auch heute fesseln können.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Olivares Sandoval als Gustavo, Dziashko als Oscar, Stephen Clark als Graf Ribbing und Ensemble © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Olivares Sandoval als Gustavo, Dziashko als Oscar, Stephen Clark als Graf Ribbing und Ensemble © Jörg Landsberg

Michael Talkes Inszenierung begreift den Gustavo als Spieler. Ihm gleiten im Verlauf des Dramas die Fäden aus der Hand und er wird Opfer seines eigenen Leichtsinns. Der Hofstaat Gustavos kämpft schon im Vorspiel weiß geschminkt und in höfischen Kostümen der Renaissance gekleidet mit den Verschwörern um eine schwarze Krone. Die weiteren Bilder bei der Wahrsagerin Ulrica und das Feld der Kräuter zeigen tiefes Schwarz. Grünes morbides Licht sowie ein Totenschädel prägen das Kabinett Renatos. So wird die Geschichte mit wirkungsvollen Bühnenbildern und packender Personenführung suggestiv erzählt. Talke paart Dramatik mit brillanten Einfällen uneitel und kundig im Dienst des Werks.

Verbundene wird diese plastische Ausleuchtung mit einer musikalischen Darbietung auf höchstem Niveau.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Iryna Dziashko, Luis Olivares Sandoval, Birger Radde © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Iryna Dziashko, Luis Olivares Sandoval, Birger Radde © Jörg Landsberg

Marco Comin ist Verdi-Dirigent der Extraklasse. Er leitet die Bremer Philharmonie mit schwebendem silbernem Klang. Sein Konzept beginnt mit er mit gleichsam tastenden Eintauchen im Vorspiel. Dies paart er später mit loderndem Feuer und lyrischer Innigkeit. Die Partitur ist bei ihm in den besten Händen und die Aufführung zeichnet sich insbesondere auch durch ihr exzellentes und akzentuiertes Klangbild aus. Die Bremer Philharmoniker folgen ihm mit phänomenaler Spielfreude und üppigen orchestralen Farben.

Gemeinsam mit den erlesenen Solisten und dem hervorragenden Chor gelingt eine musikalische Interpretation, die keine Wünsche offen lässt. Birger Radde ist ein Renato mit italienischem Timbre und vollendeter Gesangskunst. Von tiefer Schwärze bis zur glänzenden Höhe verbindet er mühelos alle Register seiner ausgeglichenen, klangschönen und mitreißenden Stimme. Ein ausgezeichneter Renato, wie er selten zu hören ist. Luis Olivares Sandoval ist ein Gustavo mit bronzenem Timbre, bestrickendem Piano und durchschlagskräftiger hoher Lage. Durch seine Gestaltungsfähigkeit liefert er ein glutvolles Portrait und entwickelt Gustavo mit stimmlicher Potenz und berührenden Momenten vom leichtsinnigen Lebemann zum fürsorglichen Landesvater im Angesicht des Todes.

Patricia Andress setzt als Amelia subtile Akzente. Höhepunkt ist ihre Arie im 3. Akt. Romina Boscolo erreicht mit ihrem Mezzosopran tiefste Altlagen. Mit abgründigen, tiefen schattigen Farben gestaltet sie eine furchteinflößende Wahrsagerin Ulrica. Iryna Dziashko ist als Oscar mit leuchtenden Koloraturen, präziser Geläufigkeit in den hohen Lagen und stetiger Spielfreude als Oscar ein fulminantes Pendant zu Gustavo.

Selbst die kleinen Rollen sind luxuriös besetzt. Herausragend singt Stephen Clark den Grafen Ribbing mit wohltönendem, profundem Bass und mächtiger Attacke in der Höhe. Dongfang Xie ist ein glänzender Christiano und Daniel Ratchev ein dämonischer Graf Horn.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Patricia Andress als Amelia, Luis Olivares Sandoval ist Gustavo © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Patricia Andress als Amelia, Luis Olivares Sandoval ist Gustavo © Jörg Landsberg

Eine derartig berückende und gelungene Vorstellung ist ein Glücksfall. Bremens Maskenball stellt mit theatralischem und musikalischem Feuer sowie opulenter Besetzung einen Verdi auf die Bühne, der in dieser Qualität sehr selten zu hören ist. Ein gebanntes Publikum aller Altersklassen von Schülerinnen bis Senioren bejubelte zu Recht frenetisch die hochkarätige Aufführung.

So ist Oper lebendig. Das Bremer Theater zeigt, dass musikalische Wunder nicht nur auf dem Papier sondern auch auf der Bühne möglich sind. Sie beginnen bei der kundigen und durchdachten Auswahl des Ensembles und sie gelingen mit gemeinschaftlichem, hingebungsvollem Zusammenwirken aller Beteiligten.

Ein Maskenball am Theater Bremen; weitere Vorstellungen am  07.11.2018, 19:30 – 22:00 Uhr,  17.11. 2018, 19:30 – 22:00 Uhr,  25. 11. 2018, 18:00 – 21:30 Uhr, 05. 12.2018, 19:30 – 22:00 Uhr, Sonntag, 23. 12. 2018, 15:30 – 18:00 Uhr,  25.12. 2018, 18:00 – 20:30  19.1.2019, 19:30 – 22:00 Uhr

 

—| IOCO Kritik Theater Bremen |—

Bremen, Theater Bremen, Premiere Ein Maskenball – Giuseppe Verdi, 21.10.2018

Oktober 9, 2018 by  
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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Ein Maskenball – Un ballo in maschera

Ein Königsmord auf offener Bühne: Verdi hatte Probleme mit der Zensur bei dem Werk in seinem Oevre, das wohl am stärksten zwischen Komödie und Tragödie changiert.  In Bremen hat Marco Comin die Musikalische Leitung, Michael Talke inszeniert. Premiere am 21. Oktober um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz.

Beschwingt kommen die Verschwörer daher. Sie wollen dem König ans Leben. Der, ein eigentlich ganz sympathischer und – soweit es seiner Position möglich ist –  aufgeklärter Monarch, nimmt die Bedrohung nicht ernst – und läuft durch seine unbeherrschte Liebelei schließlich doch ins Messer …

Giuseppe Verdi griff für seine Oper auf Eugène Scribes Gustave III. ou Le Bal masqué zurück, das auf einer wahren Begebenheit beruht: König Gustav von Schweden, seines Zeichens Freund der Wissenschaft und Künste, wurde 1792 auf einem Maskenball im Stockholmer Opernhaus erschossen. Scribe garnierte diesen Plot für sein Drama mit einer amourösen Dreiecksgeschichte: König liebt Frau seines besten Freundes.

Ein Maskenball – Un ballo in maschera ist mit seinen großen Ensembles, den profunden Arien und dem Wechsel zwischen beschwingten und tief-dramatischen Tönen eines der musikalisch interessantesten Werke von Verdi. Hier am Theater Bremen begehen gleich alle drei Sänger*innen in den Hauptpartien ihr Rollendebüt: Patricia Andress als Amelia, Luis Olivares Sandoval als Gustavo III. und Birger Radde als Renato.

Regisseur Michale Talke, in Bremen bestens bekannt durch seine Inszenierungen z.B. von Rigoletto oder Barbier von Sevilla, geht es im Bühnenbild wie der Inszenierung um das Thema Verstellung, Verkleidung, Fassade. Gustavo tarnt seine Leidenschaft für die falsche Frau, die falsche Frau verbirgt ihre Liebe vor ihrem Ehemann, der Ehemann versteckt seine Rachegelüste. Selbst die Musik verkleidet sich und verbirgt die menschliche Tragödie hinter operettenhaft beschwingten Klangreiz. Und dann gibt es noch einen Maskenball. Hier sind aus einigen Verschwörern, die Rache an ihrem König nehmen wollen, auf einmal viele geworden, aus dem Nichts ist ein Schwarm entstanden, aus vielen Individuen ein Körper – fähig zu Exzessen von Gewalt und Panik, Enthusiasmus oder Grausamkeit. Und auch dieses Entstehen einer klammheimlich entstehenden Massenbewegung ist Thema der Inszenierung“,  erläutert Brigitte Heusinger, Leitende Dramaturgin im Musiktheater den Zugang des Regisseurs Michael Talke.

Die Musikalische Leitung hat der in Venedig geborene Marco Comin. Er studierte in seiner Heimatstadt am Conservatorio di Musica „Benedetto Marcello“ Klavier und Komposition sowie Geschichte an der Università Ca‘ Foscari und absolvierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin ein Dirigierstudium bei Hans-Dieter Baum und Christian Ehwald. Nach Engagements als Zweiter Kapellmeister am Deutschen Nationaltheater in Weimar und als Erster Kapellmeister und Stellvertretender Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel, war er Chefdirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Von 2016 – 2018 arbeitete Comin u.a. auch an der Staatsoper Stuttgart  und der Oper Graz. Am Theater Bremen wird er in der Spielzeit 2018/19 bei Verdis „Ein Maskenball“ debütieren und auch zum ersten Mal mit den Bremer Philharmonikern zusammenarbeiten.

Nach dem szenischen Liederabend „Wunschkonzert“, Donizettis komischer Oper „L’elisir d’amore“, Verdis „Rigoletto“ und „The Rake’s Progress“ von Igor Strawinsky ist Michael Talke mit Ein Maskenball auch in dieser Spielzeit wieder in Bremen zu Gast. Talke studierte Geschichte, Neue Literatur und Theaterwissenschaften in München und war dann als Regieassistent an der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz Berlin, wo er mit Frank Castorf, Christoph Marthaler, Christoph Schlingensief und Andreas Kriegenburg zusammenarbeitete und auch seine ersten Inszenierungen machte. Seit 1996 ist er freischaffender Regisseur für Schauspiel und Oper, er war unter anderem am Deutschen Theater Berlin, am Luzerner Theater, am Schauspiel Hannover, am Thalia Theater Hamburg, an den Schauspielhäusern Köln und Düsseldorf, dem Staatstheater Braunschweig und dem Schauspiel Leipzig engagiert.

Ein Maskenball – Un ballo in maschera

Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi, Text von Antonio Somma nach dem Drama „Gustave III. ou Le Bal masqué“ von Eugène Scribe; Uraufführung: 17. Februar 1859, Teatro Apollo, Rom

Premiere Sonntag, 21. Oktober 2018 um 18 Uhr – Theater am Goetheplatz

Musikalische Leitung:                        Marco Comin
Regie:                                                Michael Talke
Bühne:                                               Barbara Steiner
Kostüme:                                           Regine Standfuss
Chor:                                                   Alice Meregaglia
Dramaturgie:                                      Brigitte Heusinger

Mit: Patricia Andress, Romina Boscolo, Sungkuk Chang, Stephen Clark, Iryna Dziashko, Birger Radde, Daniel Ratchev, Luis Olivares Sandoval, Zoltan Stefko, Dongfang Xie. Chor und Extrachor des Theater Bremen. Es spielen die Bremer Philharmoniker.

—| Pressemeldung Theater Bremen |—

Bremen, Theater Bremen, Fidelio – Ludwig van Beethoven, 16.09.2018

September 5, 2018 by  
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Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

 Fidelio – Ludwig van Beethoven

Die Durchleuchtung einer Freiheitsoper: Paul-Georg Dittrich inszeniert Fidelio von Ludwig van  Beethovens. Yoel Gamzou hat die Musikalische Leitung. Premiere ist am 16. September um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz.

Beethovens einzige Oper ist das Zeugnis einer immensen Abarbeitung an der Gattung Oper und dem Thema der Freiheit. Leonores Errettung ihres dem Tode geweihten Gatten wird zu einem Fanal für politische Mündigkeit. Ein Thema, das Fidelio als Oper für besondere Gelegenheiten prädestiniert. „Und durchaus auch für die unrühmlichen“, führt Brigitte Heusinger, seit der Spielzeit 2018/19 Leitende Dramaturgin im Musiktheater, aus: „Dies ist der Ausgangspunkt der szenischen Umsetzung, die im ersten Teil exemplarische Aufführungen anzitiert und Revue passieren lässt.“ In insgesamt acht Dioramen nimmt Dittrich Bezug auf geschichtsträchtige Inszenierungen aus verschiedenen Jahrzehnten.

Im zweiten Teil wird der appellative Charakter der Oper, die Forderung nach Einmischung und Teilhabe wörtlich genommen. 60 Zuschauer*innen wechseln die Seite, die klassische Guckkasten-Situation wird aufgehoben. Bei Brot und Theaterwein werden sie zur Tischgesellschaft auf der Bühne. Karten für diese speziellen Plätze gibt es ausschließlich an der Theaterkasse.

Stilistisch changiert Fidelio zwischen Singspiel, dramatischer Oper und Oratorium, die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Yoel Gamzou inne. In den Hauptpartien geben Christian-Andreas Engelhardt als Florestan und Nadine Lehner als Leonore ihr Debüt, Tenor Joel Scott alias Jaquino ist in Bremen erstmals zu erleben.

Nach „Wozzek“ und „La Damnation de Faust“, beide Arbeiten nominiert für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST, und in der vergangenen Spielzeit „Lucia di Lammermoor“, ist der Regisseur Paul-Georg Dittrich nun mit seiner vierten Inszenierung am Theater Bremen zu sehen. Dittrich, geboren 1983, studierte Regie in Hamburg und arbeitet häufig sparten- und medienübergreifend. Er inszenierte u.a. am Schauspiel Frankfurt, am Schauspielhaus Wien, am Maxim Gorki Theater Berlin und an der Staatsoper Hamburg.

Fidelio – von Ludwig van Beethoven, Text Joseph Ferdinand Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean-Nicolas Bouilly

Premiere: Sonntag, 16. September 2018  18 Uhr – Theater am Goetheplatz

Musikalische Leitung:  Yoel Gamzou, Regie: Paul-Georg Dittrich, Bühne:  Lena Schmid, Kostüme: Anna Rudolph, Licht: Joachim Grindel, Chor: Alice Meregaglia, Video: Kai Wido Meyer, Dramaturgie: Isabelle Becker, Brigitte Heusinger

Mit: Christian-Andreas Engelhardt, Christoph Heinrich, Nadine Lehner, Claudio Otelli, Daniel Ratchev, Marysol Schalit/Iryna Dziashko, Joel Scott, Jeong Hoon Lee, Romualdas Batalauskas. Chor und Extrachor des Theater Bremen. Es spielen die Bremer Philharmoniker

—| Pressemeldung Theater Bremen |—

Bremen, Theater Bremen, Premiere Die Fledermaus von Johann Strauss, 31.03.2018

März 23, 2018 by  
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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

 Die Fledermaus von Johann Strauss

Regisseur Felix Rothenhäusler inszeniert die Operette von Johann Strauß – Musikalische Leitung liegt bei Yoel Gamzou – Premiere am 31. März 2018 im Theater am Goetheplatz

In seiner dritten Musiktheaterproduktion am Theater Bremen – nach Le nozze di Figaro und „Werther – inszeniert Regisseur Felix Rothenhäusler Johann Strauß’ Die Fledermaus. Die Musikalische Leitung hat der Generalmusikdirektor des Theater Bremen, Yoel Gamzou. Auf der Bühne zu erleben sind Birger Radde als Gabriel von Eisenstein, Patricia Andress als Rosalinde sowie unter anderem Marysol Schalit, Ulrike Mayer, Hyojong Kim, Marian Müller und Daniel Ratchev. Als Gefängniswärter Frosch agiert Hauke Heumann. Die Premiere findet am 31. März um 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz statt.

Johann Strauss Sohn Grabstätte © IOCO

Johann Strauss Sohn Grabstätte © IOCO

Johann Strauß  komische Operette Die Fledermaus, die für Yoel Gamzou eines der „hervorragendsten Stücke des Musiktheater-Repertoires überhaupt“ ist, hatte vor knapp 150 Jahren in Wien Uraufführung. Die Handlung: Es soll gefeiert werden, am besten zügellos und ohne Rücksicht auf bürgerliche Realitäten und Verbindungen. Ein reizvolles und durchaus nachvollziehbares Vorhaben, vor allem wenn man wie Eisenstein eine Haftstrafe anzutreten hat. Zwei Dinge ahnt er allerdings nicht: Dass Ehefrau Rosalinde und Stubenmädchen Adele ähnliche Pläne umtreiben und dass nicht nur die Justiz, sondern auch Dr. Falke noch eine Rechnung mit ihm offen hat. Auf der Feier des Prinzen Orlofsky eskaliert das inszenierte Rachespiel. Hier treffen alle zusammen: Leute, die sich kennen und nicht erkennen, andere, die sich erkennen, aber nicht kennen wollen. Es gibt falsche Titel und echte Verkleidungen, Künstlerinnen, die keine sind, betrunkene Beamte – und ein Motto, das seine volle Bedeutung erst offenbart, wenn Rausch, Verstellung und Verwicklung der Ernüchterung weichen: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“.

Dramaturgin Caroline Scheidegger sagt: „Johann Strauß’ Fledermaus ist ein klingender Ausnahmezustand, dessen Tempo und komödiantische Motorik Regisseur Felix Rothenhäusler freilegen und mit minimalen Mitteln in Szene setzen wird.“ Dabei, so die Dramaturgin weiter, ginge es ihm vor allem darum, die Einsamkeit und Melancholie, die Sehnsucht nach Intensität und Entgrenzung herauszuschälen, „die den Figurenreigen der Operette umtreibt und der Champagnerseligkeit und der Opulenz des Genres zugrunde liegt.“ Die als rhythmisierte Sprachpartitur angelegte Dialogfassung stammt von Tobias Haberkorn, der mit Felix Rothenhäusler bereits an den Münchner Kammerspielen zusammengearbeitet hat und unter anderem für die Übersetzung des autobiografischen Essays des französischen Soziologen Didier Eribon verantwortlich zeichnet.

Felix Rothenhäusler, geboren 1981, studierte Theater- und Medienwissenschaft in Bayreuth und Paris sowie Regie an der Theaterakademie Hamburg. Seit der Spielzeit 2012/13 ist er Hausregisseur am Theater Bremen, wo er Roman- und Serienstoffe wie Verzehrt von David Cronenberg und Mr. Robot für die Bühne adaptierte, aber auch klassische Werke wie „Faust“, „Die Räuber“ oder zuletzt „Ödipus / Antigone“ neu befragte. Er ist regelmäßig an den Münchner Kammerspielen zu Gast und inszenierte dort Eugène Labiches Komödie „Trüffel Trüffel Trüffel“ sowie die Uraufführungen „Nichts von euch auf Erden“ von Reinhard Jirgl und „The Re’Search“ von Ryan Trecartin. In den letzten Jahren arbeitet er zudem verstärkt auch im und an der Grenze zum Musiktheater: Am Theater Bremen inszenierte er Mozarts „Le nozze di Figaro“ und Massenets „Werther“, am Luzerner Theater – mit Yoel Gamzou am Pult – Max Frischs „Der Mensch erscheint im Holozän“ mit Musik von Gustav Mahler.

Premiere am 31. März um 19:30 Uhr im Theater am Goetheplatz

Musikalische Leitung: Yoel  Gamzou, Regie: Felix Rothenhäusler, Bühne:  Katharina Pia Schütz, Kostüme: Elke von Sivers, Choreografie : Lotte Rudhart, Chor: Alice Meregaglia
Dramaturgie: Caroline Scheidegger

Mit:  Patricia Andress, Iryna Dziashko, Hauke Heumann, Hyojong Kim, Ulrike Mayer, Marian Müller, Birger Radde Daniel Ratchev, Marysol Schalit, Wolfgang von Borries. Chor des Theater Bremen. Es spielen die Bremer Philharmoniker

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