Bielefeld, Theater Bielefeld, LA TRAVIATA – Giuseppe Verdi, 06.10.2018

September 19, 2018 by  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

LA TRAVIATA  –  GIUSEPPE VERDI

Text von Francesco Maria Piave nach Alexandre DumasLa Dame aux Camélias

Premiere Sa. 06.10.2018, 19:30 Uhr, Stadttheater, weitere Vorstellungen 10.10., 24.10., 28.10., 02.11., 11.11., 17.11., 06.12., 11.12., 29.12.2018; weitere Termin in 2019

Von Vergnügen zu Vergnügen jagen, immer im Mittelpunkt des pulsierenden Lebens – Violetta Valéry gönnt sich keine Ruhe, nachdem sie nach längerer Krankheit endlich wieder auf den Beinen steht. Dabei spürt sie es ganz genau: Dieses Mal mag sie dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen sein, aber letztendlich wurde ihr nur wenig zusätzliche Zeit geschenkt. Die Todesnähe verleiht ihr den Mut, ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Könnte die verehrungsvolle Liebe des jungen Alfredo Germont einen Ausweg bieten aus dem umschwärmten, aber gleichzeitig einsamen Leben als begehrteste Kurtisane von Paris? Es lockt die Verheißung auf die lang ersehnte, wahre Liebe. Alfredo kann über ihre Vergangenheit hinwegsehen, doch reicht das aus für einen radikalen Neuanfang? Der gesellschaftlichen Haltung und der Todesahnung zum Trotz wagt Violetta den Aufbruch ins Ungewisse.

Alphonsine Plessis, die Kameliendame der Traviata; hier ihre Grabstätte Montmarte © IOCO

Alphonsine Plessis, die Kameliendame der Traviata; hier ihre Grabstätte Montmarte © IOCO

Amore e morte – Liebe und Tod – wollte Giuseppe Verdi zunächst seine Oper nach dem Roman Die Kameliendame von Alexandre Dumas d. J. nennen. Ein Titel, der in seiner Unbestimmtheit zwar für einen Großteil des Opernrepertoires gelten könnte, aber selten so passend erscheint wie für die Geschichte der Violetta Valéry, die sich in den Spannungsfeldern zwischen wahrer und käuflicher Liebe, Todessehnsucht und Todesangst entfaltet. Von den ersten Klängen der Ouvertüre an konzentriert sich Verdis Musik auf das innere Erleben der Protagonistin, deren ständiger Begleiter der Tod ist und die dennoch voller Kraft und Lebensfreude aufbegehrt. So vereint auch Verdis Partitur, die er selbst für eine seiner besten Arbeiten hielt, extrem unterschiedliche Emotionen: Vom schwungvollen Trinklied Brindisi über das impulsive Sempre libera bis hin zum tieftraurigen Lebensabschied Addio, del passato.

Nach dem desaströsen Misserfolg der Uraufführung 1853 entwickelte sich La Traviata zu einer der beliebtesten Opern der Musikgeschichte. Verdi hatte beides vorausgeahnt: Ein »totales Fiasko« hatte er der Theaterleitung angekündigt, sofern die Titelrolle nicht umbesetzt würde. Anschließend lehnte er über ein Jahr lang alle Angebote einer Wiederaufnahme ab, bis er sicher war, die geeignete Besetzung zu bekommen. Am 6. Mai 1854 war es so weit und La Traviata startete ihren Triumphzug um die Welt – quasi mit einjähriger Verspätung. Es ist kaum verwunderlich, dass der Komponist so vehement um ein Mitspracherecht bei der Besetzung kämpfte: In keiner anderen Oper Verdis steht die weibliche Hauptrolle so sehr im Zentrum des Geschehens. Von Anfang an trägt Violetta Valéry ihren Tod in sich; kein Krieg, keine höfische Intrige oder althergebrachte Familienfehde determiniert ihr Schicksal. Nur ihr privates Glück und Unglück, ihr innerstes Erleben bilden die Handlung der Oper. Sogar der Titel der Oper entstammt ihrer Selbstwahrnehmung, als Traviata, also »eine vom Weg Abgekommene«, bezeichnet sie sich in einer Arie selbst. Diesen Fokus auf Violettas Sichtweise behält das Team um Hausregisseurin Nadja Loschky bei. Der Raum von Katrin Connan und die Kostüme von Katharina Schlipf entführen in Violettas Perspektive: Wie nimmt eine junge Frau, der der Tod sehr nah ist, ihre Umwelt wahr? Welche Distanz zu anderen Menschen verschafft das Wissen um das eigene Sterben, welche Phantasien löst die Todesnähe aus?

Alexandre Dumas Montmarte © IOCO

Alexandre Dumas Montmarte © IOCO

Aufrichtigkeit, Gefühl und starke Ausdruckskraft verlangte Verdi von den Sängerinnen seiner Traviata. Dass Irina Simmes diesen Ansprüchen gewachsen ist, beweisen die großen Erfolge, die sie bereits als Violetta Valéry feierte. Nun stellt sich die junge Opernsängerin, die seit der Saison 2018/19 festes Mitglied am Theater Dortmund ist, erstmals in Bielefeld vor. Alternierend ab Januar 2019 singt Sophia Brommer die Violetta Valéry. Violetta zur Seite steht die geheimnisvolle Figur des M., verkörpert durch den Choreografen und Tänzer Thomas Wilhelm. Alfredo Germont, gesungen von Daniel Pataky, versucht ihr ein Leben in zärtlicher Zweisamkeit schmackhaft zu machen, was sein Vater, in Gestalt von Evgueniy Alexiev und alternierend Frank Dolphin Wong, nicht gutheißen kann. Kaum ein Mann kann sich Violettas Charme entziehen, so auch nicht der Baron Douphol, gesungen von Caio Monteiro, Gaston (Lianghua Gong / Lorin Wey), der Marquis d’Obigny (Yoshiaki Kimura) oder Doktor Grenvil (Moon Soo Park). Bei all der Verehrung, die Violetta entgegenschlägt, ist es kein Wunder, dass sich in Flora Bervoix’ (Hasti Molavian) Freundschaft auch etwas Konkurrenzdenken mischt. Annika Brönstrup als Annina bleibt Violetta hingegen in allen Umständen treu verbunden.

Es singen und spielen der Bielefelder Opernchor, der Extrachor des Theaters Bielefeld sowie die Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Alexander Kalajdzic;  Inszenierung Nadja Loschky Bühne Katrin Connan Kostüme Katharina Schlipf

Weitere Vorstellungen 10.10., 24.10., 28.10., 02.11., 11.11., 17.11., 06.12., 11.12.,
29.12.; weitere Termin in 2019

MUSIKALISCHE LEITUNG  –  Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.


INSZENIERUNG  –  Nadja Loschky, Jahrgang 1983, studierte Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Bereits während ihres Studiums assistierte sie Hans Neuenfels und arbeitete als freie Regisseurin an den Städtischen Bühnen Osnabrück. An diesem Theater entstanden in den folgenden Jahren unter ihrer Regie auch erste Inszenierungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater. 2006 wurde ihre Interpretation von Frieds Monooper Das Tagebuch der Anne Frank zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin eingeladen. Es folgten weitere Engagements, unter anderem am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an ihre praktische Diplomprüfung 2009 inszenierte Nadja Loschky Verdis La Traviata und Rossinis Der Barbier von Sevilla an den Städtischen Bühnen Osnabrück sowie Faust von Charles Gounod am Staatstheater Kassel. 2011 debütierte sie mit der Uraufführung der Familienoper Mikropolis von Christian Jost an der Komischen Oper Berlin. Im Jahr 2012 entstanden Inszenierungen von Brittens A Midsummer Night’s Dream am Staatstheater Kassel, Mozarts Entführung aus dem Serail am Theater Heidelberg sowie der Familienoper Die Schatzinsel (Frank Schwemmer) am Opernhaus Zürich, denen Verdis Simon Boccanegra am Theater Aachen und Händels Alcina am Luzerner Theater folgten. 2014 führte sie Mozarts Così fan tutte erneut ans Theater Heidelberg und mit Madama Butterfly inszenierte sie am Theater Bielefeld ihre erste Puccini-Oper. Für diese Produktion wurde sie 2015 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr erarbeitete sie eine weitere Uraufführung, Christian Josts Rote Laterne am Opernhaus Zürich, sowie eine Inszenierung von Boieldieus selten gespielter Oper La dame blanche am Oldenburgischen Staatstheater und Mozarts Le nozze di Figaro am Theater Heidelberg. 2016 inszenierte die Regisseurin erneut am Luzerner Theater, diesmal Bellinis Oper Norma. Für ihre im gleichen Jahr entstandene Produktion Death in Venice von Benjamin Britten am Theater Bielefeld erhielt sie im Jahresheft der Fachzeitschrift Opernwelt eine Nominierung in der Kategorie »Beste Regisseurin«. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 inszenierte sie Verdis Macbeth am Oldenburgischen Staatstheater, dem Zingarellis Giulietta e Romeo am Barocktheater Schwetzingen folgte. Mit Monteverdis L’incoronazione di Poppea kam es im Frühjahr 2017 zu einer weiteren Arbeit am Theater Bielefeld, 2018 gab sie ihr Regiedebüt an der Oper Graz mit Ariane et Barbe-Bleue von Paul Dukas. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Nadja Loschky Hausregisseurin am Theater Bielefeld und inszenierte dort Rihms Jakob Lenz. In der aktuellen Spielzeit wird sie neben Verdis La Traviata auch Offenbachs Orpheus in der Unterwelt auf die Bühne bringen. Weitere Engagements führen die junge Regisseurin an die Oper Köln und erneut an die Oper Graz. Nadja Loschky ist neben ihrer Regietätigkeit projektbezogen auch als Dozentin an der HfM »Hanns Eisler« sowie der UDK Berlin tätig.


BÜHNE  –  Katrin Connan studierte Freie Kunst und Bühnenraum u. a. bei Raimund Bauer an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, assistierte am Grand Théâtre de Genève Bühnenbild und Regie, absolvierte ihr Diplom mit Auszeichnung. Sie arbeitet regelmäßig mit dem Regisseur Johannes Erath. Zu ihren gemeinsamen Arbeiten gehören What Next? von Elliott Carter an der Neuen Oper Wien, Eugen Onegin am Staatstheater Mainz, Lulu sowie Elektra an der Oper Graz, Das schlaue Füchslein an der Hamburgischen Staatsoper, Le nozze di Figaro an der Semperoper Dresden und den Savonlinna-Opernfestspielen, Make no noise sowie Beatrice Cenci bei den Bregenzer Festspielen, als nächstes Caruso in Cuba in Amsterdam. Weitere Arbeiten entstanden mit der Regisseurin Anna-Sophie Mahler (Die Sache Makropulos und Blick der Tosca am Theater Bremen, bald Die 7 Todsünden in Stuttgart) und mit Hans Neuenfels (South Pole an der Bayerischen Staatsoper, Antigone am Residenztheater München und Orest am Opernhaus Zürich). La Traviata ist ihre erste Zusammenarbeit mit Nadja Loschky.

KOSTÜME  –  Katharina Schlipf studierte Bühnen- und Kostümbild bei Prof. Martin Zehetgruber und Werner Pick an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dort schloss sie 2010 mit dem Projekt Danton zu Georg Büchners Dantons Tod ihr Diplom mit Auszeichnung ab. Seit der Gestaltung des Bühnenbilds für das Händeloratorium Saul am Staatstheater Oldenburg 2011 arbeitet Katharina Schlipf mit der Regisseurin Lydia Steier zusammen. In folgenden Kooperationen entwarf sie u. a. die Bühnenbilder für Franz von Suppés Fatinitza am Staatstheater Mainz, die Ariadne auf Naxos für das Konzerttheater Bern, Albert Herring am Oldenburgischen Staatstheater und Guilio Cesare an der Komischen Oper Berlin. Für die Produktion The Fairy Queen am Theater Regensburg entwarf sie die Kostüme. Zuletzt erarbeitete sie 2018 das Bühnenbild für Mozarts Die Zauberflöte, die in diesem Jahr als Eröffnungspremiere der Salzburger Festspiele aufgeführt wurde. Regelmäßig arbeitet Katharina Schlipf auch mit dem Choreografen Demis Volpi. Die Zusammenarbeit begann 2010 mit dem Ballett Karneval der Tiere für die John Cranko Schule in Stuttgart, für die Katharina Schlipf die Kostüme und das Bühnenbild schuf. Es folgten Bühnen- und Kostümausstattungen für Capricen am Ballett Karlsruhe, Little Monsters, choreografiert für den Erik-Bruhn-Preis 2011 in Kanada, und Private Light für das American Ballett Theatre New York. Außerdem zeigte sie sich für die Ausstattungen für das Handlungsballett Der Nussknacker am Königlichen Ballett Flandern sowie für Volpis erste Opernregie Fetonte bei den Winterfestspielen in Schwetzingen verantwortlich. Eng verbunden sind Katharina Schlipf und Demis Volpi auch dem Staatstheater Stuttgart. Dort erarbeiteten sie seit 2010 die Produktionen Aftermath, Die Geschichte vom Soldaten von Igor Stravinsky, das Handlungsballett Salome nach Oscar Wilde und das Handlungsballett Krabat nach Ottfried Preußler. Ihre bisher letzte Produktion für die Oper Stuttgart in Kooperation mit dem Stuttgarter Ballett war die Produktion Tod in Venedig von Benjamin Britten, für die Katharina Schlipf Bühne und Kostüme schuf. Diese Arbeit wurde von den International Opera Awards zur besten Neuproduktion des Jahres 2018 nominiert. Katharina Schlipf ist neben ihrer Ausstattungstätigkeit projektbezogen auch als Dozentin für die Universität Stuttgart und die Musikhochschule Trossingen tätig. 2015 wurde Katharina Schlipf mit dem Rotary-Kunst-Preis ihrer Heimatstadt Rottweil ausgezeichnet. La Traviata ist die erste Zusammenarbeit mit Regisseurin Nadja Loschky und Bühnenbildnerin Katrin Connan.

BESETZUNG  –  Violetta Valéry Irina Simmes / Sophia Brommer,  Flora Bervoix Hasti Molavian,  Annina Annika Brönstrup,  Alfredo Germont Daniel Pataky,  Giorgio Germont Evgueniy Alexiev / Frank Dolphin Wong,  Gaston Lianghua Gong / Lorin Wey,  Baron Douphol Caio Monteiro
Marquis d’Obigny Yoshiaki Kimura,  Doktor Grenvil Moon Soo Park,  Giuseppe, Violettas Diener In-Kwon Choi / Krzysztof Gornowicz,  Ein Diener Floras Yun-Geun Choi / Ramon Riemarzik,  Ein Bote Tae-Woon Jung / Paata Tsivtsivadze,  M. Thomas Wilhelm

Die Sopranistin Irina Simmes ist ab der Saison 2018/19 festes Mitglied am Theater Dortmund, wo sie diese Spielzeit als Lisa (Land des Lächelns) debütiert. Mit der Walküre wird sie diese Spielzeit auch an die Oper Frankfurt zurückkehren, wo sie 2017 mit der Rolle der Konstanze (Entführung aus dem Serail) in Christof Loys Inszenierung unter der Leitung von Sebastian Weigle zu hören war. Seit 2012 war sie am Theater Heidelberg unter anderem in Mozart-Partien wie Konstanze (Entführung aus dem Serail), Pamina (Die Zauberflöte), Gräfin Almaviva (Le nozze di Figaro), Fiordiligi (Così fan tutte) und Donna Anna (Don Giovanni) zu hören. 2017 gab die Sängerin ihr Hausdebüt als Isolde (Avner Dormans Wahnfried) am Badischen Staatstheater in Karlsruhe, wohin sie in der Spielzeit 2017/18 in einer Neuproduktion von Mozarts Lucio Silla in Kooperation mit dem Théâtre la Monnaie Brüssel zurückkehrte. Neben Partien wie Laura (Korngolds Der Ring des Polykrates), Musetta (La Bohème), Rosalinde (Die Fledermaus) und Micaëla (Carmen) fand ihre Interpretation der Violetta (La Traviata) große Aufmerksamkeit. 2015 widmete ihr die Fachzeitschrift Die Deutsche Bühne in der Februar-Ausgabe einen Coverartikel.

Irina Simmes’ Repertoire umfasst sowohl Raritäten des Barock (u. a. Pilade in Traettas Ifigenia in Tauride) sowie Werke des zeitgenössischen Musiktheaters (u. a. Adela in Josts Rumor und die Titelpartie in der Uraufführung von Harneits Abends am Fluss). Irina Simmes absolvierte ihre Gesangsausbildung an der Folkwang Universität der Künste Essen und war in der Spielzeit 2011/12 Mitglied des Opernstudios am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Hannover, Staatsoper Hannover, La Traviata von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 17.01.2018

Januar 17, 2018 by  
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Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

La Traviata von Giuseppe Verdi

“THIS IS FOR YOU”

Von Karin Hasenstein

Wie bringt man als Regisseur eine Oper auf die Bühne, die überall, wirklich überall gespielt wird und die jeder zu kennen glaubt, ist sie doch die meistgespielte Oper überhaupt?       Indem man Neues, etwas Ungewöhnliches wagt

Regisseur Benedikt von Peter nähert sich der Traviata auf ungewöhnliche Weise, indem er sie mit den Mitteln des modernen Regietheaters als Kammerstück  inszeniert, das seine Sichtweise vollständig auf die Figur der Violetta Valéry reduziert. Er verzichtet auf jede Ball- oder Festszene, wir sehen  keinen Karneval in Paris, keine Zigeunerinnen, keine Matadori. Nichts von alledem. Stattdessen verstörende innere Leere. Ein Psychogramm einer Todkranken und unglücklich Liebenden.

“THIS IS FOR YOU!“ Mit diesen Worten wird der Zuschauer eingeladen, sich auf die Reise mit Violetta zu begeben.  Noch bevor der erste Ton der Ouvertüre erklingt, wird der Blick des Zuschauers auf die offene Bühne gelenkt. Das Niedersächsische Staatsorchester unter der Leitung von Gregor Bühl ist prominent auf der Bühne platziert, durch einen halbtransparenten Gazevorhang vom Geschehen auf der Vorderbühne abgegrenzt, jedoch akustisch allzeit beinahe überpräsent.

„Von der durchgefallenen Premiere zur meistgespielten Oper der Welt“

Der Orchestergraben hingegen ist vollständig abgedeckt und begrenzt Violettas Aktionsradius durch zusätzlich aufgebrachte weiße Begrenzungslinien. Innerhalb dieser ist sie gefangen, ein Fenster ohne Glasscheibe, ein Spiegel, eine Tür, ein Tisch mit zwei Stühlen- das ist das ganz aufs Wesentliche reduzierte Bühnenbild von Katrin Wittig, das unweigerlich an ein Gefängnis erinnert und Violettas Tragödie bereits zu Beginn erahnen lässt. Aus dieser Zelle wird es keinen Ausweg geben. Alle Versuche, durch das Fenster oder die Tür zu entkommen, auch nur Kontakt etwa zu Alfredo herzustellen, müssen im Ansatz scheitern, denn Violetta bleibt während der kompletten Aufführungsdauer von 2 Stunden 20 Minuten allein in ihrer Seelenwelt gefangen.

Staatsoper Hannover / La Traviata - hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Staatsoper Hannover / La Traviata – hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Alle anderen Personen singen ohne Kostüm (schwarze Konzertkleidung) aus dem ersten Rang. Alfredo, Giorgio Germont, selbst Annina oder der Dottore Grenvil, die großen Chorszenen- nichts davon wird inszeniert oder auf die Bühne gebracht. Der Chor agiert nicht als handelnde Personen, sondern als Griechischer Chor, bleibt rein kommentierend. Wie auch die anderen Personen Violettas Handeln nur von außen beobachten können, ohne Möglichkeit zum Eingreifen. Diese Konstellation erzeugt von Anfang an ein fast nicht aushaltbares Spannungsfeld, lenkt aber die Konzentration des Zuschauers konsequent auf die zentrale Figur auf der Bühne.

Violetta ist und bleibt allein. So wie in den ersten Takten der Ouvertüre, die für mich zum Schönsten gehören, was Verdi komponiert hat, sensibel und luzide vom Niedersächsischen Staatsorchester unter Gregor Bühl interpretiert, bereits das ganze Leid des Finales sich andeutet, wird dem Zuschauer klar: für diese Frau gibt es keine Liebe, keine Erlösung, kein “Happy End“. Dazu muss man weder die Oper kennen, noch die Romanvorlage von Alexandre Dumas, La Dame aux Camélias.

Das macht es der Sopranistin Nicole Chevalier nicht leichter, aber ihre sängerische und schauspielerische Leistung ist so großartig und eindrucksvoll, dass man die anderen Personen auf der Bühne zu keinem Zeitpunkt vermisst. Denn Benedikt von Peters Konzept geht auf.Die Ensemble-Oper wird zur One-Woman-Show und gewinnt durch die einzigartige Interpretation Nicole Chevaliers enorm an Kraft und Ausdruck. Bei der Projektion hinter beziehungsweise über dem Orchester fragt man sich eher ärgerlich, was das soll, die gepixelten Graphiken stellen weder etwas Konkretes dar, noch sind sie in irgendeiner Weise unterstützend oder hilfreich, werden im Gegenteil eher als störend empfunden und lenken vom Geschehen auf der Bühne ab, anstatt es zu unterstreichen. Dass Musik und Handlung gerade an Fahrt aufnehmen, merkt der geneigte Hörer schon von alleine.

Überhaupt funktioniert diese Traviata dank der großartigen Nicole Chevalier, die in unvergleichlicher Weise Violettas Irrtum verdeutlicht, sie könne ihr Leben ändern und mit Alfredo eine Liebe erleben, die ihr in ihrer früheren Rolle als Kurtisane unmöglich war. Von Beginn an ist klar, aus dieser Liebe zu Alfredo kann nichts werden, wenngleich alle Hauptfiguren ihren fatalen Irrtum erst vergleichsweise spät erkennen, zu spät, è tardi!

Was für die Dramaturgie sehr hilfreich ist, die totale Fokussierung auf Violetta, ist musikalisch nicht immer ein Gewinn. Das Niedersächsische Staatsorchester unter der Leitung des österreichischen Dirigenten Gregor Bühl beherrscht vom zartesten Pianissimo in den ersten Takten bis zum Fortissimo in den furiosen Chorszenen wie z.B. bei “Si ridesta in ciel aurora” und dem wohl bekanntesten Trinklied der Operngeschichte, dem unvermeidlichen Ohrwurm “Libiamo ne’ lieti calici”  alles an dynamischer Varianz, welche die Partitur fordert. Dennoch ist es wohl durch die Positionierung auf der Bühne stellenweise etwas überpräsent. Wenn ein Opernchor von circa 50 Personen im Mezzoforte nicht mehr gut zu hören ist, obwohl der Klangkörper mit dem Zuschauer im ersten Rang steht, dann reduziert das ein wenig den Genuss.

Staatsoper Hannover / La Traviata -  hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Staatsoper Hannover / La Traviata –  hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Ein besonderes akustisches Erlebnis hingegen bietet diese Aufstellung der anderen Solisten, wie Philipp Heo (Alfredo Germont), der großartige Brian Davis, der als Vater Giorgio Germont eine Wandlung vom gestrengen Vater, der  seinen Sohn unter keinen Umständen in dieser Verbindung sehen will, hin zum vergebenden und liebenden Vater vollzieht – freilich ist auch das zu spät – , sowie die weiteren Rollen, die hier nicht alle erwähnt werden können, ohne den Rahmen zu sprengen. Leider gehen diese fast unter, da sie bis zum Schlussapplaus naturgemäß im Rang völlig im Dunkeln agieren. Die Rezensentin störte das nicht. Für die Sänger, die allesamt durch sehr gute Leistungen überzeugten, ist das allerdings eine äußerst undankbare Konstellation, da sie ihren Gesang nicht durch szenisches Agieren unterstreichen können, sondern im Prinzip eine konzertante Aufführung darbieten. Einzig Alfredo versucht immer wieder, durch Bewegung und Gesten Kontakt zu Violetta in ihrer Zelle unten auf der Bühne herzustellen, was schon an der räumlichen Distanz scheitern muss und daran, dass Violetta ihn schlicht nicht wahrnimmt, wenngleich sie ihrerseits darstellerisch ans Äußerste geht. Auch hier manifestiert sich wieder die Ausweglosigkeit ihrer Liebe, das Drama, auf das alles zusteuert. Vielleicht sind die Personen aber auch tatsächlich nur in ihrer Einbildung vorhanden, vielleicht ist alles nur Imagination?

Philipp Heo ist der Spinto-Tenor, den diese Rolle braucht. Mit Durchschlagskraft nicht nur in den Spitzentönen, aber auch dem nötigen lyrischen Schmelz in den Arien “Un di felice” , “Lunge da lei”  und im Zusammenklang mit Violetta etwa bei Follie! Delirio vano è questo!” -ein “richtiges” Duett gönnt Verdi den Beiden nicht- bleibt er stets unangestrengt und überzeugt durch feine Legatolinie und kultivierte Stimmführung. Sein aus der Ferne gesungenes “Ah, quell’ amor” wirkt beschwörend und flehentlich. Am Rande sei erwähnt, dass gerade diese Konstellation, oft mit dem Tenor auf der Hinterbühne, zu heiklen Situationen im Zusammenklang mit dem Orchester führen kann. Dass es dazu nicht kam, wurde erfreut zur Kenntnis genommen.

Staatsoper Hannover / La Traviata - hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Staatsoper Hannover / La Traviata – hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Nicole Chevalier verkörpert die Verirrte, vom rechten Weg Abgekommene so überzeugend, dass einem der Atem stockt. Gewiss ist heute “Rampengesang” nicht mehr ausreichend, um das Publikum mitzunehmen, aber ein dermaßen intensives Spiel sieht man auch bei den heutigen großen Sängerdarstellern selten.

Sie singt nicht Violetta, sie IST Violetta. Als sie schließlich im dritten Akt die Bühne nach vorne verlässt und in den ersten Reihen des Parketts direkt zwischen den verdutzten Zuschauern auf den Armlehnen stehend weitersingt, durchbricht sie zwar den Käfig des Bühnenbildes, bleibt aber stets ganz in der Rolle und besticht durchweg durch äußersten stimmlichen Ausdruck und feinste Dynamik selbst in den Spitzentönen.

Alle “Hits”, die Verdi dieser Rolle geschenkt hat, von “Follie, follie!” bis “E strano” präsentiert Nicole Chevalier absolut überzeugend und zu Herzen gehend. Beinahe glaubt man als Zuhörer noch im “Addio del passato” mit Violetta, dass alles gut werde, bis sie schließlich aus dem Tisch und ihrem pinkfarbenen Kleid aus vergangenen Tagen wie ein Kind eine Höhle baut und sich darin verkriecht.

Nicht unerwähnt bleiben sollte der Chor der Staatsoper Hannover (Einstudierung: Chordirektor Lorenzo Da Rio), der wie gewohnt mit großer Musikalität überzeugt. Lediglich in den Herrenchören im zweiten Akt bleiben kleinere Wünsche offen, die vermutlich der Choraufstellung im ersten Rang, unter dem akustischen “Deckel” des zweiten Ranges, geschuldet sind. Trotz stets – logischerweise auch für das Publikum – gut sichtbaren Monitoren am Portal fielen etwa in “Di Madride noi siam Mattadori” unnötig Stellen auf, an denen Herrenchor und Orchester nicht präzise zusammen waren, weil der Chor hörbar eilte. Bei dieser Aufstellung und Sicht auf den Dirigenten nicht nachvollziehbar. Das führt leider zu leichten Abzügen in der B-Note. Die Damen hatten dieses “Problem” offenbar nicht, sondern überzeugten mit “Noi siamo Zingarelle” mit großer Präzision und Textverständlichkeit.

 Paris Montmartre / Das Grab von Alphonsine Plessis, der Kameliendame - damals Violetta im realen Leben © IOCO

Paris Montmartre / Das Grab von Alphonsine Plessis, der Kameliendame – damals Violetta im realen Leben © IOCO

Am Ende bleibt Violetta alleine auf der Bühne zurück. Mit der klagenden Solovioline erklingt ihr “E strano”, sie halluziniert, sie würde ins Leben zurückkehren, und stirbt schließlich mit den Worten “O gioia” – Freude – auf den Lippen so einsam, wie sie im Grunde ihr Leben lang war. An ihrem Körper hat sie Plakate mit der Aufschrift “Amami Alfredo – Ich habe Alfredo geliebt” befestigt –  Bekenntnis oder Anklage?

Die über die fast zweieinhalb Stunden aufgebaute enorme Spannung entlädt sich in einem nicht enden wollenden Schlussapplaus des begeisterten Publikums, das die Sänger erst nach 25 Minuten stehenden Ovationen und unzähligen “Bravi” in die Nacht entlässt. Schöner kann eine Dernière nicht sein.

“THIS IS FOR YOU!”

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, La Traviata und Lange Nacht der kurzen Musik, 14. – 15.09.2017

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

  Stadttheater Klagenfurt – Spielzeitbeginn

La Traviata und Lange Nacht der kurzen Musik

Nach Sanierungsarbeiten während der Sommerpause erstrahlt das Stadttheater Klagenfurt in neuem Glanz und startet mit Verdis La Traviata, in der Regie von Richard Brunel, am 14. September 2017 in die Spielzeit 2017/2018.

Stadttheater Klagenfurt / Bestuhlung © ArnoldPöschl

Stadttheater Klagenfurt / Bestuhlung © Arnold Pöschl

Die Geschichte von Violetta Valéry wird als das Schicksal einer Frau von heute erzählt. Sie versucht aus der schillernden Halbwelt der Pariser „High Society“ auszubrechen, indem sie eine Beziehung mit dem aus der Provinz stammenden Alfredo Germont eingeht. In der Titelrolle ist die irische Sopranistin Claudia Boyle zu sehen. Giedre Šlekyte leitet das Kärntner Sinfonieorchester.

Alexandre Dumas Grabstätte in Paris © IOCO

Alexandre Dumas Grabstätte in Paris © IOCO

Am Tag nach der Eröffnungspremiere feiert das Stadttheater Klagenfurt den Spielzeitbeginn mit Konzerten an verschiedenen Spielstätten im und um das Theater. Ein bunter Mix unterschiedlicher Musikstile, von Klassik über Pop und Jazz bis zur Volksmusik steht am Programm. Erstmals dabei auch eine musikalische Quizshow, zusammengestellt von unserer Dramaturgie. Mit: Kärntner Sinfonieorchester, Klakradl, Voxon, LEYYA, Chor des Stadttheaters Klagenfurt, Tanzlmusi, Singschule Carinthia, The Erlkings, Swinging Strings, musikalische Quizshow , half//half, After Show Party im Park Haus.

Ab 5. Oktober zeigt das Stadttheater Klagenfurt eine Uraufführung: Hier stehe ich – ich kann nicht anders. ist ein Theaterprojekt zu Martin Luther von Cesare Lievi. Es ist in Koproduktion mit Theatern in Rom und Bologna anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums entstanden. Die zwölf szenischen Fragmente werden von deutsch- und italienischsprachigen Darstellern gespielt.

Die Renovierungsarbeiten konnten während der Sommermonate abgeschlossen werden. Das Dach und die Bestuhlung des Zuschauerraums sind vollkommen neu: 25.000 Dachziegel wurden verarbeitet und 716 Stühle mit einem nahezu geräuschlosen Klappmechanismus in edlem Olivgrün sorgen für neuen Sitzkomfort. Die Kasse und das Abo-Büro wurden in minimalistisch – elegantem Schwarz-Weiß, inspiriert von der Jugendstilfassade des Hauses, von Architekt Günther Domenig gestaltet. Die Kosten für die Sanierung des Theaters belaufen sich auf knapp 1 Mio. Euro und werden aus den laufenden Budgets finanziert. Alle Aufträge für die Sanierungsarbeiten gingen an Kärntner Firmen.


Stadttheater Klagenfurt / La Traviata © Jean-Louis Fernandez

Stadttheater Klagenfurt / La Traviata © Jean-Louis Fernandez

La Traviata  von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Drama La dame aux camélias
von Alexandre Dumas d. J.  , In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

PREMIERE 14. September 2017, 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen 16.9.; 19.9.; 21.9.; 23.9.; 27.9.; 29.9.; 6.10.; 11.10.;  14.10.;  17.10.;  21.10.; 10.11.; 12.10.; 14.10.2017

Als „Walzer in drei Akten“ ist La Traviata mitunter charakterisiert worden. Dem Dreiertakt gewinnt Verdi in seiner berühmtesten Oper das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen ab. Der französische Regisseur Richard Brunel kehrt nach dem überwältigenden Erfolg von Dialogues des Carmélites nach Klagenfurt zurück und inszeniert Verdis Meisterwerk. Die Titelrolle übernimmt Claudia Boyle.

Bei der Uraufführung 1853 im venezianischen Opernhaus La Fenice wurde La Traviata vom Publikum kühl aufgenommen. Ein zeitgenössischer Stoff auf der Opernbühne, noch dazu das Lieben und Sterben einer Edelkurtisane, gereichte zum Zeitpunkt der Erscheinung des Werkes noch zum Skandal. Neu war auch, dass anhand des Leidens der an Tuberkulose erkrankten Titelheldin Themen wie der Widerstreit zwischen bürgerlicher Wohlanständigkeit und dem frivolen Flitterglanz der „High Society“ verhandelt werden. Dem Widerstand der Zensoren zum Trotz ließ der bis heute anhaltende Siegeszug der „vom Wege Abgekommenen“ – so die wörtliche Übersetzung des Titels – nicht lange auf sich warten. Dies ist nicht nur auf Verdis unmittelbar mitreißende Musik zurückzuführen, sondern auch auf die Tatsache, dass sich in ihr die Höhen und Tiefen der modernen menschlichen Existenz spiegeln.

MUSIKALISCHE LEITUNG Giedre Šlekyte, REGIE Richard Brunel, BÜHNE Anouk Dell’ Aiera, KOSTÜME Axel Aust, LICHTDESIGN Laurent Castaingt, CHOR-EINSTUDIERUNG Günter Wallner,  DRAMATURGIE Catherine Ailloud-Nicolas, Markus Hänsel

Mit: Violetta Valéry Claudia Boyle, Flora Bervoix Iris van Wijnen, Annina Júlia Banyai , Alfredo Germont Giordano Lucá, Giorgio Germont Domenico Balzani, Gastone Joshua Owen Mills, Barone Douphol Nicholas Crawley, Marchese d´Obigny Josef Pepper, Dottore Grenvil Jisang Ryu , Giuseppe Thomas Tischler, Ein Diener Floras Jihoon Kwon, Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt, Kärntner Sinfonieorchester

Weitere Vorstellungen: 16., 19., 21., 23.,27., 29. Sept; 6., 11., 14., 17., 21.Okt; 10.,12.,14. Nov 2017
Einführungsmatinee 03. September 2017, 11 Uhr, Bühne. Moderation Intendant Florian Scholz
Einführung zur Oper 25 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Galeriefoyer links


URAUFFÜHRUNG
Hier stehe ich – ich kann nicht anders“

Premiere 24.10.2017, weitere Vorstellungen

Theaterprojekt zu Martin Luther von Cesare Lievi, Zwölf szenische Fragmente / Auftragswerk des Stadttheaters Klagenfurt, Koproduktion mit Emilia Teatro Fondazione – Bologna und Associazione Teatro di Roma Aus dem Italienischen von Hinrich Schmidt-Henkel

„Hier stehe ich – ich kann nicht anders” soll Martin Luther vor den größten Autoritäten seiner Zeit, dem Kaiser und dem Papst, ausgesprochen haben. Für welche Überzeugungen stehen wir noch ein? Cesare Lievi geht mit vier deutsch- und vier italienischsprachigen SchauspielerInnen in zwölf szenischen Fragmenten auf eine theatralische Suche…

1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen gegen den päpstlichen Ablasshandel und leitete damit das Zeitalter der Reformation ein. Was ist 500 Jahre danach von diesem historischen Ereignis, das die Kirche spaltete und den längsten Glaubenskrieg aller Zeiten auslöste, geblieben? Und welche Rolle spielt dieser Einschnitt in der Glaubensgeschichte Europas heute in unserem Alltag, in unserer Denk- und Lebensweise? Wie steht es heute um Gott, den Glauben, die Gnade, die Sakramente, die Erlösung, die Wahrheit und die Macht des Wortes? Sind diese Themen in unserem laizistischen und säkularisierten Weltbild noch aktuell? Führt der Glaube, vor allem der Glaube an einen einzigen Gott, zwingend zu Intoleranz und Fanatismus? Konnte Luthers einstmals revolutionärer Gottesbegriff überdauern? Tragen wir Menschen den göttlichen Funken für alle Ewigkeit in uns oder sind wir nichts weiter als vergängliche Wesen in einem kalten Universum?

Autor und Regie Cesare Lievi, Musik Mauro Montalbetti, Bühne Maurizio Balò, Kostüme Birgit Hutter, Lichtdesign Cesare Agoni, Dramaturgie Sylvia Brandl, Philine Kleeberg

Darsteller Valentina Bartolo, Bea Brocks, Irene Kugler, Alvia Reale I, Hendrik Arnst, Paolo Garghentino, Gregor Kohlhofer, Graziano Piazza

Premiere 24.10.2017; Weitere Vorstellungen: 7., 10., 12., 13., 18., 28. Oktober; 3., 8. November 2017,  Einführungsmatinee 24. September 2017, 11 Uhr, Bühne. Moderation Intendant Florian Scholz – Einführung vor Vorstellungsbeginn im Galeriefoyer links


Stadttheater Klagenfurt / Lange Nacht der kurzen Musik © Bauer

Stadttheater Klagenfurt / Lange Nacht der kurzen Musik © Bauer

STATT THEATER
WIENER STÄDTISCHE

Die lange Nacht der kurzen Musik

Feiern Sie mit uns den Spielzeitbeginn am Stadttheater Klagenfurt!,  15. September 2017, 19.00 – 24.00 Uhr,    EINTRITT FREI!

Am Tag nach der Eröffnungspremiere mit La Traviata feiert das Stadttheater Klagenfurt den Spielzeitbeginn mit Konzerten an mehreren Spielstätten im und um das Theater. Ein bunter Mix unterschiedlicher Musikstile, von Klassik über Pop und Jazz bis zur Volksmusik steht am Programm. Erstmals dabei auch eine musikalische Quizshow, zusammengestellt von unserer Dramaturgie. Mit: Kärntner Sinfonieorchester, Klakradl, Voxon, LEYYA, Chor des Stadttheaters Klagenfurt, Tanzlmusi, Singschule Carinthia, The Erlkings, Swinging Strings, musikalische Quizshow , half//half, After Show Party im Park Haus.


PROGRAMM


BÜHNE
19.00 Uhr Kärntner Sinfonieorchester
Das Kärntner Sinfonieorchester eröffnet – ganz der Tradition gemäß – auch in diesem Jahr die „Lange Nacht“. Unter Leitung von Günter Wallner werden Werke der Filmmusik – von Ben Hur bis Captain America zu hören sein. Und zur Einstimmung auf die Spielzeit gibt es bereits jetzt die schönsten Melodien aus Schwanensee.
21.00 Uhr Klakradl
Wenn das mit dem Salzburger Stier preisgekrönte Kabarettduo RaDeschnig mit den Musikern von [:klak] gemeinsame Sache macht, ist alles möglich: Jazz, traditionelles Kärntnerlied oder Filmmusik. Musikalische Virtuosität trifft auf bodenständige Texte und auf große Lyrik.


WIENER STÄDTISCHE FREILICHTBÜHNE GOETHEPARK
20.00 Uhr Voxon Die beliebte Kärntner A-capella-Band Voxon präsentiert mitreißenden Pop, Rock und Jazz in deutscher, englischer, slowenischer und italienischer Sprache – Rhythmus und Power, ganz ohne Instrumentalbegleitung.

21.00 Uhr Tanzlmusi Dass die Musiker des Kärntner Sinfonieorchesters sich nicht nur auf das klassische Repertoire verstehen, sondern auch auf traditionelle Volksmusik, beweist dieses Projekt. Bei Volksfeststimmung darf natürlich auch getanzt werden.
22.00 Uhr LEYYA Sphärisch-fließend, aber ebenso kraftvoll und impulsiv ist der Sound der Wiener/ Eferdinger Experimental/Elektronik-Pop-Formation LEYYA. Mit ihrer Kombination von feiner Melancholie und elektronischen Beats schaffen die FM4-Award-Gewinner LEYYA eigensinnige Klangwelten an der Grenze zwischen Kunst und Pop.


OBERES FOYER
20.00 Uhr Musikalisches Quiz Musikalische Quizshow, mit der Sie unser Dramaturgie-Team durch die Opern-Produktionen der neuen Saison aber auch durch die Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts führt. Raten Sie mit und gewinnen Sie Theaterkarten!


ORCHESTERPROBENRAUM
19.30 Uhr The Erlkings Ob in einem Bierlokal oder auf einer Konzertbühne: The Erlkings beweisen, dass man auch zu Goethe, Schiller und Schubert tanzen kann. Vier Multi-Instrumentalisten präsentieren frisch arrangierte Versionen von Schuberts Lied-Klassikern.
21.30 Uhr Swinging Strings-Quartett Von jazzigen Bearbeitungen bekannter Klassik-, Pop- und Rockhits über Swingjazz in der Tradition von Django Reinhard bis hin zu eigenen Kompositionen: die Swinging Strings überwinden Genregrenzen.


STADTPFARRKIRCHE ST. EGID
20.00 Uhr Singakademie Carinthia Die Singakademie Carinthia fördert seit 2013 junge Gesangstalente, die regelmäßig in den Opernproduktionen des Stadttheaters mitwirken. Entdecken Sie bei diesem Konzert das Talent der jungen Sängerinnen und Sänger.
21.00 Uhr Chor des Stadttheaters Klagenfurt Der Chor des Stadttheaters unter Leitung von Günter Wallner lädt in der Stadtpfarrkirche zu einem einzigartigen Klangerlebnis und setzt in seinem A-capella- Programm auf die Kraft der puren Stimme.


RESTAURANT OSCAR
20.00 Uhr half//half Stimmenmeer trifft auf zupfenden Herzschlag. Hier reicht der Jazz dem Pop die Hand und tanzt in der Klassik. Die Stimme: Sophie Eder, der Kontrabass: Mathias Krispin Bucher.


PARK HAUS
23.00 After Show Party Im Park Haus gegenüber vom Stadttheater wird nach dem letzten Konzert weitergefeiert. Mit DJ Nina Love und guter Stimmung wird hier die lange Nacht zum frühen Morgen.
Die Bars im Foyer des Stadttheaters und bei der Freilichtbühne sind ab 18.00 Uhr geöffnet. Die Konzerte dauern 50 bis 60 Minuten, ein Konzertwechsel ist für das Publikum jederzeit möglich.  PM Stadttheater Klagenfurt

Hannover, Staatsoper Hannover, Letzte Vorstellungen: LA TRAVIATA, 06. und 21.02.2016

Februar 3, 2016 by  
Filed under Pressemeldung, StaatsOper Hannover

Staastoper Hannover.jpg

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Letzte Vorstellungen: LA TRAVIATA

Oper von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave
nach dem Drama »La Dame aux Camélias« (1852) von Alexandre Dumas d. J.
nach dessen gleichnamigen Roman (1848)
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Letzte Vorstellungen:
06. Februar, 19:30
21. Februar, 18:30

»Sola! Abbandonata!« – »Allein und verlassen«: Das sind die Worte, mit denen Violetta Valéry sich selbst beschreibt, nachdem ihr zum ersten Mal in ihrem Leben eine Liebeserklärung unter die Haut gegangen ist. Allein und verlassen – tatsächlich ist das Thema der Einsamkeit von Anfang an ebenso bestimmend für Verdis Oper wie die Krankheit und der Tod. Denn die Liebe scheint in diesem Werk eine monologische zu sein: Kein wirkliches Liebesduett findet zwischen Violetta und Alfredo statt, auch in der behaupteten Idylle des zweiten Aktes erleben wir die Figuren in ihrer Glücksbeschreibung nur getrennt voneinander. Befremdlich schnell lässt Violetta sich außerdem auf die Forderung Giorgio Germonts ein, seinen Sohn aus moralischen Gründen zu verlassen. Ja, fast wirkt es, als exerziere Violetta am eigenen Leib ein Liebesmartyrium, das eine lebbare Liebe gar nicht erlaubt. Violetta führt uns den Prozess einer Entmaterialisierung vor, an deren ende nicht nur ihr Tuberkulosetod, sondern vielmehr ihre Stilisierung zum Engel steht; einem Engel, der für die Idee der Liebe gestorben ist.

»Die Lungenwunde ist nur ein Sinnbild, Sinnbild einer emotionalen Wunde«, hatte Franz Kafka anlässlich seiner Tuberkuloseerkrankung in sein Tagebuch notiert. Wie sehr auch Giuseppe Verdi an einer Fokussierung auf die »emotionale Wunde« interessiert war – und wie sehr er sich damit von Alexandre Dumas’ handfester Milieuschilderung entfernte –, zeigt schon die Ouvertüre: Von gläserner, fragiler Transparenz, einem Röntgenbild vergleichbar, nimmt sie das Todesmotiv des dritten Aktes vorweg und suggeriert somit von Anfang an den tödlichen Ausgang des Werks. Die Sekundreibungen offenbaren bereits hier den schmerzhaften Konflikt, der in Violetta gärt. Verdi macht keinen Hehl daraus, dass seine Bearbeitung der Dame aux camélias eine musikalische Seelenbeschreibung, eine Reise ins Innere von Violetta Valéry ist. Folgerichtig geht auch das »Außen« im Laufe der Oper immer mehr verloren. Die Chöre, die Gesellschaft, die »Anderen«, mutieren zu Chimären, die nur noch aus der Ferne zu Violetta dringen. Die Kontaktaufnahme mit der Welt ist misslungen; Violettas einzig wirklicher Partner ist der Gesang.

Musikalische Leitung Benjamin Reiners
Inszenierung Benedikt von Peter
Bühne Katrin Wittig
Kostüme Geraldine Arnold
Licht Susanne Reinhardt
Choreinstudierung Dan Ratiu

BESETZUNG
Violetta Valéry: Nicole Chevalier
Alfredo Germont: Andrea Shin
Giorgio Germont: Devid Cecconi
Flora Bervoix: Hyunyoung Kim
Annina: Mareike Morr
Gastone: Gevorg Aperánts Hakobjan
Barone Douphol: Matthias Winckhler
Marchese D’Obigny: Michael Dries
Dottore Grenvil: Daniel Eggert
Giuseppe: Thomas Kubitza
Domestico: Woo-Jung Kim
Commissionario: Marek Durka
Chor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

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